Aquilia Flavia Agrippina
Der Innenhof des Atrium Vestae mit den Statuen der Virgines Vestales Maximae.
Aurelia Verina
Verina war Hals über Kopf von diesem Fest der Bona Dea geflüchtet. Unterwegs ging ihr die trächtige Sau nicht mehr aus dem Kopf. Ihr war schlecht, sehr schlecht. Als sie das Atrium betrat und sich sicher fühlte, setzte plötzlich heftiges Würgen ein, was sie nicht kontrollieren konnte. Noch bevor sie die Küche oder irgend einen Eimer erreichen konnte, musste sie sich heftigst übergeben. Der säuerliche Geschmack und das Würgen trieben ihr Tränen in die Augen. Entsetzt starrte sie auf den ruinierten Fußboden.
Aquilia Flavia Agrippina
Ich hatte Verinas hastige FLucht bemerkt und war ihr gefolgt. In meinem Kopf kreisten sorgenvolle Gedanken. Im Atrium Vestae angekommen sah ich die schmale Gestalt hinter einer Säule lehnen. Die Schwäche war ihr deutlich anzu merken.
Erschrocken ging ich zu ihr hin.
Verina, was ist denn passiert? Fragte ich und meine Stimme bebte vor Sorgen.
Ich bemerkte den säuerlichen Geruch, der deutlich riechbar in der Luft hieng. Ich musste mich beherrschen, dass mir nicht auch noch schlecht wurde.
Aurelia Verina
"Mir ist einfach nur schlecht geworden, als ich gehört habe, was alles so passieren soll.

Das gehört doch nicht etwa zu den Pflichten einer Vestalin, oder?"
Aquilia Flavia Agrippina
Du musst keine Angst haben, du wirst dich an all diese Kulthandlungen gewöhnen, aber Bona Dea hat da nun einmal etwas spezielle. Es tut mir Leid, dass ich dich nicht darauf hingewiesen habe, schliesslich konntest du das gar nicht wissen.
Aurelia Verina
Verina blickte erschreckt.
"Du meinst, ich muss mich wirklich daran gewöhnen? An trächtige Säue und nacktes Herumlaufen?"

"Bin ich denn verpflichtet, zu diesen Bona Dea Kulthandlungen zu gehen?"
Wieder blickte Verina erschreckt.
"Bitte sage mir doch jetzt gleich, was ich noch alles wissen muss. Du hast eben gesagt, du hast mich nicht darauf hingewiesen. Ich bin sicher, du hast noch viele Neuigkeiten für mich und wenn ich mich langsam an alles gewöhne, geht es vielleicht."
So ganz glaubte Verina das selbst nicht. Der Schock von diesem Fest saß in ihr drin. Nun würde sie Agrippina brauchen, um damit fertig zu werden.
Aquilia Flavia Agrippina
An die, zugegeben etwas speziellen und mystischen Riten musst du dich als Vestalin auf keinen Fall gewöhnen. Es ist nicht deine Pflicht an diese Feste zu gehen, wie es nicht die Pflicht ein jeder Frau ist, dies zu tun. Was die Kulthandlungen der Vesta angeht, so würdest du als Sacerdos Vestalis oder Vestalis de Confirmatione oder Aeterne bestimmt auch Tiere opfern müssen. Allerdings kann das auch eine andere Vestalin für dich tun, wenn du das nicht erträgst. Sagen wir, du bist nicht dazu gezwungen.
Ich denke aber, dass du dich an all das gewöhnen wirst und es in einem oder zwei Jahren dein Alltag sein wird. Auch ich musste mich an die blutigen Opfer erst behutsam herantasten. Nun sind sie für mich normal.
Ich denke aber, dass sich dieses Fest ziemlcih geschockt hat. Am besten reden wir gleich einmal ausführlich darüber, dass du das verarbeiten kannst, was meinst du? Ich tue das gerne für dich. Schliesslich bin ich für alle Vestalinnen verantwortlich.
Ich blickte Verina sufmunternd an.
Aurelia Verina
Zum Glück bestand keine Pflicht, zu diesen anderen Kulthandlungen zu gehen. Verina war erleichtert.
"Vermutlich sind die Tieropfer erlernbar, auch wenn ich es mir jetzt noch nicht vorstellen kann. Schlimm finde ich aber trächtige Tiere. Damit komme ich nicht zurecht."
Energisch war das Kopfschütteln.
"Ja, lass uns reden. Ich muss wissen, was auf mich zukommt und wem ich aus dem weg gehen kann. Ich möchte ja auch keine Regeln brechen. Du hattest keine Probleme auf dem Bona Dea Fest?"
Aquilia Flavia Agrippina
Ich spürte Verines grosse Erleichterung.
Das Bona Dea Fest ist speziell, darum wir auch eine trächtige Sau geopfert, das kommt sonst in der offiziellen Religion nicht vor.
Weisst du, Verina, ich habe schon so viele Opfer und auch schon einige Bona Dea Feste erlebt, dass es für mich zum Normalfall wurde ein Opfer auszuführen oder auch nur anzusehen. Zudem ging ich das erste Mal zu diesem Fest, als ich schon selber opfern musste, es war daher kein Problem mehr für mich. Ich verstehe aber voll und ganz, dass du damit Probleme hast, du bist auch nicht alleine dabei.
Aber komm, geh doch schon voraus in mein Tablinium. Auf dem Tischchen zwischen den zwei Korbsesseln steht ein siberner Krug mit zwei Bechern, trink erst einmal etwas, solange ich hier noch den Boden sauber mache. Du brauchst Entspannung und kannst dich nicht noch länger belasten.
Aurelia Verina
Verina konnte nicht glauben, was sie hörte. Sie selbst durfte voraus gehen und Agrippina wollte sauber machen. Sie durfte sich hinsetzen und etwas trinken. Verina wollte keineswegs widersprechen. Ohne lange zu verweilen ging sie ins Tablinium.
Aquilia Flavia Agrippina
Verina schaute erstaunt und ich sagte.
Ich möchte nicht, dass du dich noch mehr anstrengen musst, du bist viel zu überlastet von all dem, was geschah. Ich komme gleich nach.
Ich holte einen Eimer und einige Fetzen altes Leinen und begann sauber zu machen. Dann stellte ich den Eimer wieder in die Küche und wusch meine Hände in einem Kessel mit sauberem Wasser.
Sofoert machte ich mich auf den Weg zum Tablinium.
Aquilia Flavia Agrippina
Nachdem ich am nächsten Morgen aufgewacht war, betrat ich das Atrium. Die Morgensonne warf erste Strahlen auf die drei Wasserbecken am Boden und ich lehnte mich an einen Säule, um auf Verina zu warten.
Aurelia Verina
Müde aber innerlich ruhig betrat Verina am Morgen das Atrium. Sie war gespannt, was der Tag für sie bereithalten würde.
"Salve Agrippina! Hast du gut geschlafen?"
Verina lächelte. Man konnte ihr ansehen, dass es ihr wesentlich besser als gestern ging.
Aquilia Flavia Agrippina
Ich musste ebenfalls lächeln, zufrieden, dass ich Verina helfen konnte.
Ja, ich habe gut geschlafen und du?
Ich machte mich auf zur Küche, Verina folgte mir.
Aurelia Verina
"Mein Schlaf war hervorragend, danke."
Zufrieden tippelte die kleine Vestalin Agrippina in die Küche hinterher.
Aquilia Flavia Agrippina
Ich kam mit Verina wieder ins Atrium und fragte sie:
Wie hat dir das Gebet gefallen?