Medicus Germanicus Avarus
Wiedereinmal selbst nahm er bei einem Rundgang durch den Innenhof die Post selbst heraus und legte seine Stirn in Falten, bevor er sich auf eine Kline sinken ließ.
Gnaeus Petellius Agilis
Der TD war ein wenig irritiert weil der gute Germanicus Avarus nicht in der Casa Octavia wohnte, aber da er den genauen Weg kannte warf er den Brief hier ein, und hoffte es war auch richtig so
Decima Lucilla
Ein kleiner, rundlicher Mann mit wenig Haar auf dem Kopf, dafür mit um so mehr im Gesicht, klopft an die Tür der Casa an und teppert ungehalten mit der Fußspitze auf den Boden. Eigentlich hat er für solche Botengänge überhaupt keine Zeit, er ist immerhin der Hausvorsteher des hochgeschätzten Egilius Evander und steht nur vor der Porta, weil diese Botschaft so unglaublich dringend ist, dass ihn sein Herr noch am Stadttor Roms mit der Auslieferung beauftragt hat. Dass diese Botschaft so dringend ist, das bezweifelt Nugator - so der Name des Boten - sowieso, doch da nicht nur die reizende Vipsania seinen Herrn beturtelt hatte, sondern auch noch ihr Gast, die nicht minder reizende Decima, hatte Egilius Evander natürlich zugestimmt, sie so schnell und eilig wie möglich in der Casa Germanica vorbei bringen zu lassen. Und was Egilius Evander verspricht, das hält er - zumindest gegenüber weiblichen Wesen. Überhaupt bleibt ihm gegenüber Vipsania nicht viel übrig, nachdem sie ihn wieder einmal so fürstlich in ihrer Casa beherbergt hatte. Nugator war schon oft mit seinem Herrn in der Casa der edlen Vipsania gewesen und alles in allem hat sie sicherlich ziemlich viele Gefallen gut.
Endlich wird die Tür geöffnet und Nugator atmet erleichtert auf.
"Salve! Eine Nachricht, für den Senator Germanicus Avarus persönlich." Er drückt dem Ianitor die versiegelte Wachstafel in die Hand und empfiehlt sich dann wieder.
"Verzeih, ich habe es eilig! Vale!" Wenn er sich beeilen würde, dann könnte er noch vor seinem Herrn im Stadthaus eintreffen.
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Liebster Medicus,
Verzeih mir, dass du so lange nichts von mir gehört hast. Meine Reise hat ein wenig andere Bahnen genommen, als ursprünglich geplant, doch nun bin ich wieder in Italia. Es geht mir gut und ich werde bald wieder nach Roma kommen.
In Liebe,
deine Lucilla
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Decima Lucilla
"Dammiches Rindviech, dammiches! Koast net aufpassn, oda wos?! Mach erst amol an Wagenschein, bevors dich hinters Pferd naufhockst! Mah, geh, Römer kennen goar nix!" Gerade noch im letzten Augenblick war Rufus vor dem dahinpreschenden Wagen zur Seite gesprungen und brüllt nun dem Fahrer seinen wütenden Fluch nach.
"Herrschaftszeitn nochamol, is des a Mistloch! Und dabei schimpfts sichs au noch Zentrum von da Weit!" In seinen roten Bart vor sich hinfluchend stampft Rufus weiter durch die frühe Morgendämmerung.
Eigentlich hätte er den Brief schon am Vorabend abgeben sollen, aber wenn ihn seine Herrin schon mal nach Rom schickt, dann will er einen drauf machen. Bis in die Stadt rein hatte er eigentlich auch noch vor die Nachricht abzugeben, aber auf dem Weg zum Bezirk Circus Flaminius hatte er dann so eine kleine ganz herzige Blonde mit festem Po und drallen Brüsten aufgetrieben, also eigentlich hatte sie ihn aufgetrieben, um nicht zu sagen aufgerieben, aber zumindest hatte er die Casa Germanica dann nicht mehr gefunden, also eigentlich auch nicht mehr gesucht. Dafür ist er dann schon früh am Morgen wieder aufgestanden, also eigentlich hat sie ihn rausgeschmissen, zumindest hat er jetzt endlich Zeit, den Brief abzugeben, dann die Besorgungen zu erledigen und sich wieder auf den Rückweg nach Ancona zu machen. Also eigentlich könnte er vielleicht auch noch eine Nacht in Rom bleiben. Mit einem lauten 'Platsch' tritt er gedankenverloren voll in einen Pferdeapfel hinein.
"Ahhh - neeeh! So a Schaß! So a verdrecktes dammiches Sauloch! Elendes Mistglumbat, elendes! Koa zehn Pferde haltn mich in dem verdammtn Loch hier! Wenn i bloß de blede Casa Germonica findn tät!" "Die Straße rauf, das Haus mit der dicken Pforte, steht groß Germanica dran." "Ah eh? Na servas, hätt i ja no lang da untn suchn kennen." Rufus kann natürlich nicht lesen, aber wenn es groß dran steht, dann steht es an den anderen Häusern immerhin nicht.
"Eh, du da, is des da die Casa Germonica da?" "Ai, jo." "Wohnt da der Senator Germanicos da?" "Ai, sischa." "Mah, so a Elend, heast!" "Ai, warum?" "Wos wuist?" "Ai, nix." Kopfschüttelnd wendet sich Rufus der Casa Germanica zu.
"Ois deppat, hier!"
Er klopft an die Tür und nickt dem öffnenden Ianitor freunlich zu.
"Servas, i bring a Nochricht von da Dame Decima für den Senator Germonicus." Er kramt den Brief hervor und reicht ihn dem Türwächter. Dann beugt er sich verschwörerisch vor.
Sog amoi, hobs ihr vielleicht a Frühstück für mi? I muss heit Obnd noch bis noch Ancona rauf. Oiso net bis ganz, aba hoit aufn Weg." Mit dem Zeigefinger kratzt er sich ausgiebig im Ohr herum, das juckt schon seit der Nacht mit der kleinen Blonden so fürchterlich.
"Ah eh, und wenn si der Senator Germonicus da a bissi oschickt, na könnt i heit Obdn a wieda a Nochricht mit nauf nemma. Na tät ich vorher noch amol kumma, vielleicht hobs do dann auch a kloanes Obndmohl?"
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Liebster Medicus,
Fern von Rom vermisse ich dich so sehr und doch sträubt sich alles in mir in das dichte Gedränge der Hauptstadt zurück zu kehren. Noch vor kurzem habe ich geglaubt, wir würden uns erst im Elysium wiedersehen, doch heute weiß ich, dass wir noch alle Zeit der Welt haben werden. Denn wenn ich nach Rom zurück kehre, dann wartet endlich mein Leben mit dir auf mich. Der Gedanke daran bringt ein Lächeln auf meine Lippen, denn nichts wünsche ich mir mehr, als endlich diesen Schritt zu tun. Und doch kann ich nicht einfach nach Rom zurückkehren und mich in Vorbereitungen stürzen, nachdem.
Es tut mir Leid, dass ich dir berichten muss, dass ich dir Hector und Hermes nicht wieder zurück schicken kann. Ich werde sie dir mit zwei gleichwertigen Sklaven ersetzen. Denn ich kann schließlich nicht zulassen, dass in dem Haus, in das ich einheiraten werde, Mangel an Sklaven herrscht. Sie waren gute Männer, ihrem Herrn treu ergeben und bereit für seine Verlobte ihr Leben zu geben. Nein, sie waren nicht nur dazu bereit, ich kann.
Ich hoffe es geht dir gut. Ich habe von den Wahl gelesen und auch wenn ich weiß, dass es dich bedrückt, so will ich dir sagen, dass es für mich nicht wichtig ist. Consul oder nicht, Reichtum und Macht, manche Dinge verlieren ihren Wert im Vergleich mit dem Leben. Nur ein kleiner Wink der Götter und der Reichtum eines Mannes sinkt hinab auf den Grund des Maare Internum und es bleibt nichts mehr als das Leben selbst, und selbst das noch verflucht. Darum gräme dich nicht.
In Liebe und Sehnsucht,
deine Lucilla
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Medicus Germanicus Avarus
Als Germane war es für Gundhraban nicht leicht das Gesappel zu verstehen, aber das der Kerl hausierte, merkte er schon. Doch das Schreiben für den Herren öffnete die Tür zur Küche.
"Ja klar, komm rein. Ich bring dich hin."
So getan. Auf dem Weg gab er seine Vermutung preis:
"Der Herr wird die Gelegenheit sicher nicht verstreichen lassen, seine Verlobten zu antworten, könnte aber etwas dauern. Weißt ja wie das so is..."
Ein breites Grinsen folgte, dann waren sie auch schon da und Helena, die Magd freute sich über Besuch, der zum Essen kam.
Erst dann begab er sich mit dem Brief zum Senator, legte ihn wichtig tuend hin und wurde weggeschickt. Also gings zurück in die Culina. Wo der "Gast" von Helena den Bauch vollgeschlagen bekam.
"Aus Arcona kommst also? Ja wo is das denn?"
SKLAVE - GENS GERMANICA
Medicus Germanicus Avarus
Dieser Bote mußte fetter sein als Max und Moritz, als der Senator persönlich dessen Standpunkt an der Torpforte erreichte. Immerhin fast zwei Stunden hatte Avarus für diese Zeilen verwendet. Mal war der Text einfach zu langatmisch, mal zu öde, mal gefiel er ihm garnicht, mal waren seine Finger mit knüllen einfach schneller gewesen, als er die Zeilen nochmal hatte überfliegen können.
"Bring das zu Decima Lucilla und ich bete darum, das dein Weg sicher sein wird."
Er steckte dem Kerl den Brief zu. Jener war zwar gesiegelt, doch nicht offiziell.
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Liebste Lucilla,
voller Sehnsucht hab ich mich nach Rom aufgemacht, um in Deinen Armen zu liegen. Voller Bürde hab ich Dein Verschwinden getragen und voller Hoffnung sehne ich Deine Wiederkehr herbei. Was immer in den letzten Monaten geschehen sei, ich kann es für Dich nicht ungeschehen machen, aber ich kann Dir helfen, meine Lucilla, es vergessen zu machen. Bitte komm zurück nach Rom und fülle Deine Zeit mit der Meinigen aus. Strebe in die ewige Stadt und lass Dir helfen, Dich von dem zu befreien, was Dich bedrückt.
In unendlicher Liebe,
Dein
Medicus
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Gedankenverloren starrte er dem Mann hinterher. Weiter immer weiter. Auch nachdem dieser bereits lange hinter der nächsten Ecke verschwunden war. Erst ein Sklave holte ihn zurück in die Realität und gab ihm eingehende Post...
Manius Flavius Gracchus
Ein Bote hielt auf seinem Weg durch die römische Stadt auch an der Casa der Gens Germanica an, und übergab seine Nachricht.
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Spurius Germanicus Secundus, Roma
Decemvir litibus iudicandis Manius Flavius Gracchus Spurio Germanico Secundo s.d.
Tiefes Mitgefühl über den Verlust deines Vaters Sebastianus Germanicus Reverus sei dir mit diesem Schreiben versichert. Die Erinnerungen an jene Zeit, welche wir mit ihnen teilen durften, sind sicherlich das Wertvollste, was die Verstorbenen uns zurücklassen. Doch obwohl es dir im Augenblicke womöglich unerheblich erscheinen mag, so hat dein Vater dennoch gleichsam weltliche Güter hinterlassen, deren Verteilung unter den Erben meine Aufgabe als Decemvir litibus iudicandis ist. Nach den gesetzlichen Richtlinien kommt dir als Sohn des Verstorbenen ein Anteil von 843,10 Sesterzen zu, deren Überschreibung innerhalb der anstehenden Wochen veranlasst werden.
Zudem hinterlässt dein Vater drei Betriebe:
~ praedium germanica - lanius (Metzger)
~ praedium germanica - pecuariusa (Viehzucht)
~ praedium germanica - piscatoris
Zur Überschreibung dieser Betriebe besteht die Notwendigkeit einer Einigung mit der ebenfalls Erbberechtigten Germanica Claudia. Melde dich hierfür gemeinsam mit ihr oder einer schriftlichen Verfügung ihrerseits unter Vorlage dieses Schreibens bei einem der Aedilen.
Zum Trost bleiben letztlich einzig die Worte der Weisen unserer Welt, so sprach denn schon Seneca: »Der Tod ist die Befreiung und das Ende von allen Übel, über ihn gehen unsere Leiden nicht hinaus, der uns in jene Ruhe zurückversetzt, in der wir lagen, ehe wir geboren wurden.«
M.F.G.
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