Es war selbst für römische Verhältnisse ein auffallend heißer Tag, die Sonne brannte förmlich vom strahelnd blauen und wolkenlosen Himmel und schien die Häuser, Straßen und Tempel gar zu backen, während Tiere an Durst litten und Pflanzen allmählich verdorrten. Dennoch war ich in der erstickend schwitzigen
toga und mit meinem
scriba personalis im Schlepptau unterwegs zum Eheregister, um mich dort über eine Angelegenheit zwei schon ältere Erbfälle betreffend zu informieren.
Bereits vor den Stufen die
regia machte Pyrrus schon schlapp, blieb stehen und keuchte ermattet.
"Also weißt du", sagte er zu mir, der ich bereits drei Stufen erklommen hatte und nun von erhöhter Warte auf denm Jammerlappen herunterblickte.
"Ich finde ja schon, dass allmählich etwas mehr Entlohnung angebracht wäre. Ich könnte nun schön im Schatten sitzen und mich von Niki verwöhnen lassen, dazu ein gekühltes Bier genießen und... Was ist?" unterbrach sich Pyrrus selbst, als er meiner genervten Miene gewahr wurde.
"Nichts. Mir geht dein ständiges Genörgel nur allmählich auf die Nerven. Ja, es ist warm, und ich habe auch Durst und würde mich lieber im Schatten verwöhnen lassen, aber tu ich das an jeder Straßenecke aufs neue kund?" fragte ich und redete sogleich weiter, ohne Pyrrus eine Möglichkeit des konterns zu lassen.
"Nein, ich mache das, was man von mir erwartet, und zwar ohne mich ständig darüber zu beklagen. Vielleicht überlegst du dir, ob du dir mit deinem permanenten Gejammer selbst einen Gefallen tust. Ich für meinen Teil war bisher bereit, deinen chronischen Missmut zu ertragen, weil du ansonsten gute und für mich wertvolle Arbeit leistest, Livius Pyrrus. Aber auch meine Geduld hat irgendwann ein Ende, und das rückt beständig näher." Ich verstummte und sah den Mann vor mir an.
Livius Pyrrus schien noch kleiner geworden zu sein im Verlauf meines Monologs, aber ich spürte, dass es dringend nötig gewesen war, ihn zurechtzuweisen. Hatte ich vor unserem Aufbruch zur
regia noch gute Laune gehabt, so verspürte ich nun gut Lust, den Peregrinen gleich hier und jetzt auf die Straße zu setzen.
"Du vergisst bei allem, Pyrrus, dass ich dir Obhut in meinem Haus gewähre, dass ich deine Liebelei mit meiner Sklavin dulde und dass ich dich kostenlos durchfüttere. Berücksichtige dies bei deiner nächsten Forderung nach einer angemesseneren Entlohnung und überlege dir, was aus dir werden wird, ehe du mich erneut um mehr Geld bittest." Wortlos wandte ich mich um und stieg die Stufen empor, ohne mich noch einmal umzudrehen.
Pyrrus stand immer nich am Fuße der Treppe, als ich bereits oben angelangt war. Ich verhielt nur kurz, dann begab ich mich ins Innere des Gebäudes, den Peregrinen allein draußen zurücklassend. Doch ich hatte kaum vier Schritte getan, da klatschten hinter mir die sich unbeholfen anhörenden Schritte schäbiger Sandalan auf hellen Marmorboden, und nur drei Schritte weiter war Pyrrus wieder an meiner Seite.
"Ich äh, 's tut mir leid, Herr, ich werde mich in Zukunft mäßigen", versprach er, aber ganz glauben konnte ich diesen Worten nicht, denn ich kannte Pyrrus und sein Gedächtnis, das mir manchmal wie ein allzu löchriger Sieb vorkam. So nickte ich nur.
"Halte deine tabula bereit, wir sind gleich da", sagte ich schlicht.
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