Marcus Claudius Constantius
ubicuium
Dies ist das Cubicuium von Herius Claudius Vesuvianus.
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Claudia Prisca
Als ich das Zimmer betrat, huschte ein Mädchen davon.
"Bitte entschuldige, Vater. Ich komme in einer wichtigen Angelegenheit."
Artig wartete ich auf seine Aufforderung zum sprechen.
Herius Claudius Menecrates
Eintreten, ohne anzuklopfen? Das sah Claudius nicht gern, denn es konnte schließlich auch unangenehm werden. Er runzelte kurzzeitig die Stirn.
"So, wichtig. Na, dann setz dich. Was gibt es denn?"
Vesuvianus nahm ebenfalls Platz und wartete nun durchaus gespannt auf ihre Ausführungen.
Claudia Prisca
Nachdem ich mich hingesetzt hatte, kam ich sofort zur Sache.
"Du weißt ja, dass ich den Göttern dienen möchte. Damit ich als Discipula eintreten darf, ist dein Einverständnis vonnöten. Mir wurde gesagt, dass es möglich wäre, dass du persönlich vorbeikommst, es aber auch reichen würde, wenn du deine Zustimmung per gesiegeltem Brief erteilst. Darum wollte ich dich bitten."
Am liebsten hätte ich noch 'recht schnell' gesagt, aber ich wusste, ich musste mich stets in Geduld üben.
Herius Claudius Menecrates
Claudia Prisca
"Ich danke dir, mein Vater, und ich möchte dich nun nicht weiter stören."
Mit dem Schriftstück in der Hand verließ ich das Zimmer und wenig später die Villa.
Caius Claudius Cunctator
Seit sein Cousin die legio I verlassen hatte, hatte Cunctator nichts mehr von ihm gehört. So schnell wie sich beide gefunden hatten so schnell hatten sich ihre Wege wieder getrennt. Cunctator hatte schlicht und einfach nur den Wunsch, mit jemandem reden zu können, mit dem er reden konnte. Und was lag da näher als sich an seinen Cousin zu wenden, mit dem er damals in der Villa Claudia in Mantua so offen gesprochen und der ihn verstanden hatte.
... und nun stand Cunctator vor dem cubiculum seines Cousins.
Ein kurzes Klopfen. Vielleicht hatte er Glück und traf Vesuvianus an.
Herius Claudius Menecrates
Die Sklaven hatten Claudius in seinem Arbeitszimmer darüber informiert, dass sein Cousin überraschend eingetroffen war. Es lag nahe, eine Pause einzulegen und die nicht in den üblichen vier Wänden zu verbringen, also begab sich der Quaestor zu seinem Zimmer, um dort bei etwas Geselligkeit von der Arbeit auszuspannen.
Bereits als er um die Ecke bog und Cunctator vor der Tür erblickte, warf er ihm einen Gruß zu.
"Grüß dich, Caius! Dein Besuch ist überraschend. Ich hoffe doch, es ist alles in bester Ordnung."
Ein Sklave öffnete die Tür und die beiden Männer traten ein. Claudius wies auf die Sitzmöbel, lud den Cousin ein und nahm selber Platz.
Caius Claudius Cunctator
Freudig begrüßte Cunctator seinen Cousin.
"Salve ehrenwerter quaestor, salve Vesuvianus."
Dankend nahm er, nachdem sich sein Cousin gesetzt hatte, ebenfalls Platz.
"Gleich zu Beginn, lieber Vetter, es ist alles nicht nur in bester, sondern, was mich betrifft und wenn man die weltlichen Unbillen außer acht läßt, in allerbester Ordnung.
Doch nun zu dir: ich danke dir, daß zu mich empfangen hast, hoffe jedoch, dich nicht von deinen Amtsgeschäften abzuhalten. Im übrigen gratuliere ich dir, wenn auch verspätet, aber trotzdem von ganzem Herzen, zu deiner Quästur.
Der Grund meines Besuches ist, daß ich dich einfach wiedersehen wollte oder besser gesagt, wiedersehen mußte, um mit dir, der mir so oft zur Seite gestanden hat, einiges zu besprechen. Könntest du etwas von deiner Zeit für mich erübringen? Mir steht es nicht zu, über deine Zeit zu befinden, aber für einige Ratschläge wäre ich dir sehr dankbar."
Cunctator sah seinen Cousin erwartungsvoll an.
Herius Claudius Menecrates
"Eine Pause muss jeder einmal machen, daher kam mir dein Besuch ganz gelegen", beruhigte Claudius den Verwandten. Er meinte, aus dessen Worten etwas herausgehört zu haben, dem er auf den Grund gehen wollte. Weil dies mit Wein viel besser ging, wies er eine der Sklavinnen an, eine Tischamphore zu beringen. Als dies erledigt war, wandte er sich wieder seinem Cousin zu.
"Ein Rat? Jederzeit. Sprich!"
Er lehnte sich zurück und war ganz Ohr.
Caius Claudius Cunctator
Cunctator holte tief Luft.
"Um es kurz zu machen, verehrter Vesuvianus, ich befinde mich an einem Scheideweg.
Doch für eine Erklärung muß ich etwas weiter ausholen: Begonnen hat alles mit deinem Weggang von der legio. In dir hatte ich einen Vertrauten gefunden und irgendwie spürte ich immer deine schützende Hand über mir. Es war seit langer Zeit wieder ein Gefühl des Geborgenseins. Ich will damit nicht sagen, daß ich in der Illusion lebte, durch dich bereits eine hohe Charge in der Armee in petto zu haben ... aber du warst für mich da, du hast mich verstanden und du warst es, der mir nach den schrecklichen Ereignissen zuhause wieder auf die Beine verhalf.
Dann kehrtest du der Armee den Rücken und wir dachten darüber nach, daß ich möglicherweise zum CD wechseln könnte. Dieses wiederum war aber erst nach meinem Abschied von der Armee möglich und dieses wiederum frühestens im jetzigen Monat.
Und nun stehe ich am Scheideweg: auf dem einen der Weg zum CD, auf dem anderen das Verbleiben in der Armee.
Ich wurde in der Zwischenzeit zum duplicarius befördert und gleichzeitig zur Reiterei versetzt. Und nun steht ein Feldzug gegen die Parther bevor. Da darf und vor allem kann ich die Armee nicht verlassen. Ein Claudier ist nicht feige! Vielleicht bewähre ich mich auf dem Schlachtfeld, vielleicht ..."
Nachdenklich sah Cunctator seinen Cousin an.
"Vesuvianus, dein Rat wird mir bestimmt weiterhelfen!"
Herius Claudius Menecrates
Vesuvianus brauchte etwas Zeit zum Nachdenken, weswegen er sich den gebrachten Wein einschenken und nach dem Opfer für die Götter die Verkostung ruhig angehen ließ. Er kannte in etwa die Gedanken seines Cousins, daher überraschte ihn das Anliegen nicht, aber das bedeutete nicht gleichzeitig, dass es eine unkomplizierte Angelegenheit war.
"Es ist schwierig für einen anderen Entscheidungen zu treffen", begann er schließlich zögerlich. "Fast möchte ich sagen, dass es auch unklug ist, denn jeder lebt nur dann mit sich zufrieden, wenn er selbstständig handelt und entscheidet. Ich kann dich auf verschiedenes hinweisen, doch das muss als Rat genügen, denn wo du dich am wohlsten fühlst, musst alleine du entscheiden."
Er nickte seinem Cousin zu, um einerseits die Worte zu bekräftigen und andererseits Mut zuzusprechen.
"Du sagst, du siehst es als Feigheit an, die Armee ausgerechnet jetzt zu verlassen, weil ein Feldzug bevorsteht. Ich möchte dich auf Folgendes hinweisen: Du stehst mehr denn je an einem Scheideweg, denn gerade jetzt ist auch der Zeitpunkt gekommen, an dem du deine Jahre beim Militär abgeleistet hast. Ich rate dir, verlasse die Armee noch vor dem Krieg, wenn du sie ohnehin verlassen willst, oder zieh in den Krieg, wenn du weiterhin dem Reich auf diese Weise dienen willst. Das, und nur das, erscheint mir als richtige Lösung, doch für welche du dich entscheidest, ist noch immer offen.
Ich würde dir raten, Sibylle diesbezüglich zu befragen. Ich habe den erforderlichen Weihrauch hier, du bist in Rom, nutze diese Chance, wenn du dir unschlüssig bist."
Caius Claudius Cunctator
Sybille! Das war es! Sie mußte helfen!
Cunctator sah seinen Cousin an.
"Ich weiß. Eine Entscheidung sollst und kannst du mir nicht abnehmen. Das muß ich mit mir selbst abmachen. Mir kam es gerade in dieser Situation auf deinen Rat an. Es war nicht meine Absicht, dich für mich entscheiden zu lassen. Verzeih`!
Deinen Rat, Sybille zu befragen, nehme ich dankend an. Würdest du mir bei den entsprechenden Vorbereitungen und bei der Durchführung behilflich sein?"
Herius Claudius Menecrates
Vesuvianus schmunzelte, bevor er antwortete.
"Ich kann dir kaum bei der Vorbereitung helfen, weil es dafür keine gibt, und bei der Durchführung wird dich dein Inneres leiten, wenn du dich einmal in die Nähe des Orakels begibst."
Claudius leerte seinen Becher, weil er befand, man solle dergleichen Entschlüsse nicht auf die lange Bank schieben. Nach dem Absetzen winkte er einem Sklaven, er beauftragte ihn, den besonderen Weihrauch zu bringen.
"Wenn du dich von der Reise noch einmal frisch machen möchtest, dann würde ich vorschlagen, mach es jetzt. Ich bin ansonsten so weit, sodass ich dich zur Sibylle begleiten kann."