Aelia Caenis
Das Schiff war glücklich über das mare internum angekommen, und nun strömen die vielfältigen Gerüche Italias über das Deck der 'Columba', die so viel der aegyptischen Waren mit sich trug. Unter anderem auch eine Passagierin samt ihres kleinen Anhangs aus nubischen Sklaven und deutlich mehr Gepäck - wie junge Frauen heutzutage eben zu reisen pflegen - und neben dem Ausladen der Waren müssen die Seeleute auch vorsichtig und bedacht all jene Dinge an Land bringen, welche die junge Frau als unerlässlich für ihre Bequemlichkeit erachtet. Dass dazu auch ein edles Reitpferd gehört, hat auf der Reise für einiges Getuschel gesorgt, zudem für Unmut über achtlos abgelassene Pferdeäpfel, die das Tier mit den langen Beinen und schlanken Fesseln in überreichlicher Anzahl abzusondern schien (was allerdings weniger am Pferd denn an der einseitigen Ernährung und mangelndem Auslauf auf der Überfahrt liegt). Und während das Gepäck bereits auf einen Wagen geladen und nach Rom verbracht wird, steigt die junge Dame in eine bereits gemietete Sänfte und lässt sich in das Innere der Stadt tragen, um schließlich den Weg nach Rom einzuschlagen, jener Stadt, die seit jeher über viele Schicksale zu entscheiden imstande war.
"Salve, Roma," flüstert sie leise in ihre palla hinein, wohl wissend, dass niemand ihren Gruß vernehmen wird, und sie in der ewigen Stadt nur eine unter vielen ist, mit ihren eigenen Träumen, Sehnsüchten und Wünschen. Sie hatte einen Abschnitt ihres Lebens hinter sich gelassen, und blickt nun einem neuen entgegen.
