Cubiculum | Iulia Livilla

Iulia Livilla
Einsamkeit die in mir war, brachte mein Herz zu pochen. Jenes Gefühl das ich in den letzten Tage genau kennengelernt hatte. Ich schien es lieben gelernt zu haben. Traurigkeit durchfuhr meinen Körper, sie war da und ich wusste nicht woher sie kam. War ich wirklich so kaltherzig, konnte ich dabei überhaupt Mitleid für Secundus Gefühle zeigen? Sehnte ich mich jetzt wirklich nach Einsamkeit. Als sie mir das Taschentuch erneut in die Hand legte, berührte ich sanft jede Faser, des Stoffes. Er war schon feucht von meinen vergossenen Tränen.

"Es gibt keine Liebe in mir und es wird sie auch niemals gehen." antwortete ich ihr streng und erhob mich dabei. Wieso war ich nur so grausam zu ihr, ich konnte es mir nicht erklären. Doch eins wusste ich die Furcht einen Mann, wieder einmal so nahe kommen zu müssen, war enorm, sie frass mich auf. Secundus deswegen nicht mehr so oft zu sehen, es war doch meine Pflicht, sich bei ihm zu bedanken, immerhin hat er mich vor dieser grässlichen Tat bewahrt.

Meine Schritte führten mich abermals an das kühle Fenster meines Zimmers, seitlich lehnte ich mich an dessen Wand und blickte hinab auf die düsteren Straßen.

"Die Schuld war meine. Auf Träume sollte man hören und vertrauen.", flüsterte ich kaum vernehmbar und spürte die kühle Brise, wie sie durch mein Haar und meine weiße Tunika strich.
Iulia Helena
Schweigend lauschte Helena den kalten Worten ihrer Cousine und seufzte innerlich. Wie sehr musste sie doch aus dem Gleichgewicht geraten sein, oder hatte sie nie gelernt, mit ihren Gefühlen umzugehen? Wenn sie sich an ihre eigene Jugend erinnerte, hatte es viele Tage und Stunden der Verwirrung gegeben, in denen sie oftmals nicht genau gewusst hatte, was sie eigentlich wollte, aber Livilla klang erstaunlich entschlossen.

"Livilla, die Schuld, von der Du sprichst, existiert nur dort, wo Du sie sehen möchtest. Alles andere ist geschehen, und nichts daran klagt Dich an. Weisst Du, wohin Secundus Mela gebracht wurde? Denn dann sollten wir uns daruim kümmern, dass er gut versorgt wird - und morgen möchte ich, dass Du mich in den Tempel der Iuno begleitest, für ein Dankopfer, dass Sie Dich vor dem Schlimmsten bewahrt hat - sie ist nicht umsonst auch die Göttin der Tugenden der römischen Frau, und Deine blieb, soweit ich dies sehe, unangetastet." Vielleicht würde ihr das Opfer, ein vertrautes Ritual, ein wenig Halt vermitteln können - Helena selbst hatte Iuno ein Opfer versprochen und eine Iulierin hielt immer ihre Versprechen, egal wie sie aussehen mochten.
Iulia Livilla
Helenas Worte registrierend sah ich weiter auf die Straße hinab. Immer mehr Lichter erlischten, wandte ich meinen Blick in Richtung des Esquilin, es schüttelte mich bei diesen Anblick, an dem vor einer Stunde fand dieses Verbrechen statt. Bestraften mich die Götter, für verbotene Gedanken und vernichteten mir daher Momente, die einen Menschen das Leben versüßen sollten.

"Ich war einen Mann noch nie so Nahe, aber seit heute, seit dieser Tat, fürchte ich mich das es sich wiederholen könnte. Fürchte ich mich davir die Wärme eines anderen zu spüren, denn ich nahm nur diese erschreckenede lähmende Kälte wahr."

Bei diesen bitteren Worte legte ich meine Arme kreuzend schützend vor meinen Körper. Verkrampfte leicht dabei und so nahm es den Anschein, als würde ich jeden von mir weißen, der es wagte, mich zu berühren. Immernoch meinen Blick den Esquilin zu gewandt, antworte ich Helena.

"Wie du wünscht werde ich dich morgen begleiten, auch wenn mich die Göttin geschützt hatte, so bestrafte sie mich auch, weil ich unehrlich war zu mir und zu Secundus Mela. Und ich werde es auch weiter sein, verschlossen und einsam. Niemals werde ich den Richtigen finden, daher werde ich meinen Vater bitten über mich zu entscheiden."
Caius Iulius Constantius
In der Dunkelheit, die nur wage Schatten und Umrisse außerhalb der Casa erhahnen ließ, zeichente sich der Schatten eines Mannes ab, der sich der Casa näherte. Das leise metallische Scheppern von Rüstungsteilen verriet, dass es sich um einen Miles der Cohortes urbanae handeln musste. Im nächsten Moment war der Schatten verschwunden..und ein leises Geräusch erklang im inneren der Casa, von der Porta kommend. Constantius schien heimgekehrt zu sein.
Iulia Helena
Leise zog sie den Atem ein, als die bitter klingenden Worte Livillas die Raumtemperatur um ein gewaltiges Maß zu senken schienen. Wie sehr sie doch nach einer Schuld zu suchen schien, nach etwas, das sie bestrafen würde für einige Momente, in denen sie vielleicht nicht richtig gehandelt hatte - allein dieser Wunsch nach Kasteiung erschien Helena schon kaum nachvollziehbar, ebensowenig, wie sie verstehen konnte, dass sie sich so sehr an diese vermeintliche Schuld klammerte. Aber gewiss war die Cousine nur sehr durcheinander und von alledem mitgenommen - sie würde ihr einen Schlaftrunk richten lassen, damit sie in aller Ruhe die Nacht verbringen konnte.

"Ach Livilla, der Schreck dieses Abends lässt Dich sicher dies alles glauben, doch bin ich mir sicher, dass Du nach ein wenig Ruhe vielleicht nicht mehr ganz so schreckliche Dinge denken wirst," sagte Helena und bemühte sich um einen warmen, hoffnungsvollen Klang ihrer Stimme. Wie sie dort stand, es jagte ihr selbst einige kalte Schauer über den Rücken. Am liebsten hätte sie Livilla an sich gezogen, sie umarmt, aber sie fürchtete, es könnte der Cousine zu nahe sein, näher, als sie im Augenblick ertragen konnte.
"Iuno ist eine Hüterin der Frauen, und sie wird Dich gewiss nicht dafür gestraft haben, dass Du die Gefühle des Secundus Mela nicht erwiederst, Livilla, da bin ich mir ganz sicher." Ein Scheppern im Haus ließ sie aufhorchen, doch sogleich verstaute sie dieses Geräusch auch dort, wo es hingehörte - es musste Constantius sein, der heimgekehrt war.
Iulia Livilla
Ein leichtes heulen des Windes war von drausen zu hören, der Nachtwind, den ich mir jeden Abend gewünscht hätte, nur heute nicht, diese erfrischende Kälte war mir unangenehm. Ich lauschte den Worten meiner Cousine, wie sie versuchte, mir jede Angst zu nehmen, mich zu beruhigen, aber ich konnte es einfach nicht wagen. Es wäre der nicht wieder gut zu machen, in meinen Kopf die Behauptung entstehen zu lassen, das ich keine Schuld zu tragen hatte. Und eine Strafe, war mir schon wiederfahren. Wie viele musste ich wohl noch erwarten. Unglücklich zu sein, bis an mein Lebensende. Und nur durchzuhalten um der Familie keine Schande zu bereiten.

Abermals rissen Geräusche von drausen, mich aus den finsteren Gedanken, ich erkannte die Gestalt nicht, die sich der Casa näherte, aber diese Angst, er könnte zurückgekehrt sein, um sich wieder an mir zu rächen, auch wenn es unrealistisch war, lies mein Herz rasen. Sofort wendete ich mich zu Helena und sah sie vollkommen verängstigt an.

"Jemand hat die Casa betreten, wer könnte dies sein? Caius? Ist es Caius?", warf ich ihr entgegen und mein Atem war auf einmal wieder so heftig, genauso stark als ich die Casa erreicht hatte. Darauf blickte ich an Helena vorbei, zur Türe und lauschte den geheimnisvollen Schritten.
Iulia Helena
Ruhig erhob sich Helena, und auch wenn sie die Angst ihrer Cousine nicht nachempfinden konnte, so vermochte sie diese doch zumindest zu verstehen. Und so erhob sie sich, schritt zur Türe und setzte so zumindest ein stilles, körperliches Zeichen, dass zwischen Livilla und einem möglichen Angreifer noch immer sie stehen würde und nicht gewillt war, einen Fremden zu ihrer Verwandten zu lassen. "Ich glaube nicht, dass Wonga einen Menschen ins Haus lassen würde, der hier nicht hingehört, aber ich werde nachsehen, einverstanden?"

Diesmal sprach nicht mehr nur eine Frau mit Livilla, die versuchte, sie zu trösten - diesmal stand eine Offizierswitwe vor ihrer Cousine, die lange genug in einem castellum gelebt hatte, um einem Mann furchtlos entgegen zu treten und ihm zumindest gewaltige Schmerzen zu verursachen, bevor sie sich geschlagen geben würde. Fragend blickte sie zu Livilla, wohl deren Antwort abwartend, bevor sie die Türe öffnen würde.
Iulia Livilla
Wollte ich mich doch noch einen Schritt auf Helena zubewegen, zögerte ich dennoch und mein Blick fixierte nur noch die Türe. Die Schritte schienen kurz anzuhalten, setzten aber dennoch in Richtung dieses Raumes fort. Immerhin stand fest, das sich diese Person auf dem Flur befand. Sie kamen immer näher und so nickte ich Helena heftig bejahend zu, das sie disem Vorschlag doch ausführen möchte.

Nicht einmal ihre Ruhe schien ich zu registieren, so sehr konzentrierte ich mich auf die Schritte. Sicherlich lies Wonga keinen Fremden passieren, doch immerhin hatte der Täter auch Secundus überwältigt um sich den Weg zu mir zu verschaffen. Innerlich glaubte ich auch das es Constantius war, aber ich benötigte eine Bestätigung. So erwartete ich mit Aufregung wie sich Helena der Türe zuwandt.
Iulia Helena
"Dann warte hier, Livilla," sagte Helena sanft, aber bestimmt, bevor sie die Türe öffnete und hinaus trat, um sich auf dem Flur umzublicken. Wer auch immer die Casa betreten hatte, sie würde ihn zweifelsohne sehen, das Haus war schließlich nicht groß genug, dass ein Besucher einfach verloren ging oder sich verstecken konnte. Aber eigentlich war sie sich recht sicher, dass es Constantius war, sie kannte seinen Schritt gut genug dafür. Vor allem diesen etwas müde wirkenden Schritt, der nach vielen Stunden des Laufens in der Stadt zustande kam, wenn sich jede Faser seines Körpers eigentlich nach dem Bett und etwas Entspannung sehnte.
"Constantius?"
Caius Iulius Constantius
Die Schritte waren schwer. Der Körper entkräftet.
Die Müdigkeit stand dem jungen Mann förmlich ins Gesicht geschrieben, als er die Stufen hinaufstieg, die zu dem Flur führten, an dessem Ende sein eigenes Cubiculum lag. Ein kleiner Raum, der alleine ihm gehörte und wie ein ein sicherer Hafen in der rauen See der täglichen Uwägbarkeiten erschien. Manchmal spielte Constantius mit dem Gedanken, den Raum eine Weile nicht mehr zu verlassen, doch die Pflicht rief ihn jeden Tag aufs neue in das raue Leben zurück.
An heutigen Abend - oder war es schon eher der nächste Morgen- wollte er jedoch vorher nach Livilla sehen. Er war sich nicht sicher, ob sie ihn würde sehen wollen. So angstvoll hatte sie ihn wenige Stunden zuvor noch angesehen. Doch es war dem Iulier ein inneres Bedürfnis sich ein Bild über ihren gegenwärtigen Zustand zu machen.

Kam er sonst in ziviler kleidung heim, sollte er heute immer noch seine Uniform tragen. Selbst den Waffengurt hatte er heute nicht abgelegt. Im Zwielicht, das im Flur vorherrschte, war zum Glück nicht der Dreck zu erkennen, der die Uniform unschön verunstaltete.
Er ging ruhigen Schrittes den Flur entlang, auf das cubiculum seiner Cousine zu, als eine Stimme ihn aus seinen Gedanken riß. Nicht weit entfernt erkannte er die vertraute Silhouette seiner Schwester.

„Ja Helena. Ich bin es. Wie geht es ihr?“
Iulia Helena
Er war es - der letzte Zweifel wurde durch den vertrauten Klang der Stimme ausgeräumt, und sie atmete merklich auf. Warum hatte sie eigentlich Angst gehabt? Es war dumm zu glauben, dass ein Feind an Wonga vorbei gekommen wäre, der Nubier hatte ihr seine Kampfkraft schon früher bewiesen und ihr Vertrauen damit erworben. Langsam trat sie näher zu Constantius und betrachtete ihn ihm Zwielicht des Ganges, bevor sie ihm leise antwortete:
"Sie ist ziemlich durcheinander, aber nach einem solchen Abend darf das nicht erstaunen. Ich denke, es würde sie beruhigen, wenn sie Dich sehen würde, Caius, auch wenn ich fast befürchte, dass sie heute nacht nicht von alleine den Schlaf finden wird." Sie klang sorgenvoll, fast ebenso müde, wie er sich fühlen mochte, und tatsächlich fühlte sie sich fast hilflos. Livillas leidenschaftliche und gleichzeitig kalte Selbstanklage hatte sie tiefer erschüttert, als sie es zugeben wollte.
Caius Iulius Constantius
Die Antwort seiner Schwester überraschte ihn keineswegs. Er glaubte selbst kaum daran, dass er trotz seiner Müdigkeit noch etwas Schlaf finden würde, auch wenn er in wenigen Stunden bereits auf dem Apellplatz wieder antreten werden müsste. Aus matten Augen glitt sein Blick musternd über das Antlitz seiner Schwester. Sie wirkte Müde und nicht minder erschüttert. Hätte er diesem Kerl doch nur den Hals gebrochen, als er die Gelegenheit dazu gehabt hatte…
Trotz der schweren Gedanken entbehrte seine Stimme weitesgehend ihrer Härte.

„Ich werde nach ihr sehen, Helena.“, er kämpfte sich ein leichtes Lächeln ab.
„Versuch noch etwas Schlaf zu finden. Du wirst morgen einen weiteren anstrengenden Tag haben und brauchst deine Kraft.“

Er machte einen Schritt auf sie zu, legte kurz seine freie rechte Hand auf ihre Schulter und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf ihre Wange.
„Heute Nacht wird niemanden mehr etwas geschehen. Leg dich zur Ruhe, Helena. Ich werde später in meinem cubiculum sein.“

Er wusste, dass seine Schwester stark war und fügte nicht an, dass sie ihn jederzeit würde aufsuchen können, sollte sie etwas bedrücken. Doch ebenso wie er wusste, dass es sich bei seiner Schwester um eine starke Frau handelte, vertraute er darauf, dass sie auch ohne Worte wusste, dass sie jederzeit zu ihm kommen könnte.

Das Gladius an seiner linken Hüfte gab bei jedem weiteren Schritt ein leises aber beständiges Klappern von sich, als er schließlich weiter auf die Tür zu Livillas Zimmer zu ging.

Vorsichtig klopft er an die hölzerne Tür.

„Livilla. Ich bin es, Caius. Darf ich eintreten?“
Iulia Livilla
Die geschlossene Türe, minderte meine Angst nicht, ganz im Gegenteil sie stieg dabei sogar an. Ich fühlte mich eingesperrt in einen Raum ohne einen Fluchtweg und jeder der ihn betrat, konnte die Türe hinter sich schließen und niemand würde erfahren, was genau im innern geschehen würde. So verweilte ich weiter in der Mitte des Raumes, blickte dabei immernoch zur Türe und konzentrierte mich auf jedes Geräusch von drausen. Erkannte ich Helenas Stimme, doch konnte ich nicht genau feststellen, wem die Stimme des anderen gehörte. Bis sie auf einmal erstarb und ich dieses verdächtige Scheppern wieder vernahm, das ich schon vor der Casa hörte.

Rückwärts näherte ich mich daher immer mehr dem Fenster zu, als das Geräusch immer lauter wurde. Wieso kam Helena nicht zurück? Sofort blickte ich zu einem kleinem Tischchen und suchte dort noch einem brauchbaren Gegenstand, eine Art Waffe. Doch nichts spitziges erspäte ich, außer einer harten Schüssel die noch mit Wasser gefüllt war und eine Vase in der eine rosane Lilie steckte. Eben wollte ich auf den Tisch zugehen, da klang endliche eine Stimme durch die Tür und mein Herz machte einen Sprung.

"Caius? Bist du es wirklich?", antwortete ich ihm mit einer zittrigen Stimme und eilte zur Türe. Sicherlich es war risikant sie jetzt zu öffenen, aber konnte ich mich doch so nicht geirrt haben. Langsam öffnete ich sie einen winzigen Spalt.
Caius Iulius Constantius
Das Licht, dass mühsam durch den schmalen Türspalt fiehl, sollte nicht völlig ausreichen, um das Gesicht Constantius vollständig ausleuchten zu können. Doch reichte es seine Gesichtzüge, die vorhin noch im Zwielicht verborgen waren, vertraut, erkennbar werden zu lassen. Vielleicht konnte man sogar ein schwaches, mitfühlendes Lächeln auf seinem Gesicht erkennen.

Mit ruhiger Stimme antwortete er auf ihre ängstliche Frage.

„Ja ich bin es Livilla. Habe keine Angst. Dir kann nichts mehr passieren.
Wie fühlst du dich? Darf ich einen Moment eintreten?“
Iulia Helena
Helena nickte still zu den Worten ihres Bruders, aber sie wollte mit ihrem Rückzug warten, bis sie sicher sein konnte, dass Livilla nicht vor Angst in ihrem cubiculum vergehen würde, bis sie Constantius erkannt hatte. Und dann galt es schließlich auch noch dafür zu sorgen, dass ihre Cousine einen guten Schlaftrank erhielt - mit einem Mal schien das beschauliche, fast ruhige Dasein der Iulier in Rom auf eine Weise durcheinander gewirbelt, der sie kaum wirklich folgen konnte. Aber es war nun einmal geschehen, nun mussten sie mit den Folgen klarkommen.

"Ich komme gleich wieder, Constantius - und, Livilla: Er ist es. Du musst Dich nicht fürchten!" sagte sie deutlich lauter, damit die junge Frau im Inneren des Raumes sie auch hören konnte. Dennoch ahnte sie, dass auch ihre Worte an der Furcht Livillas nicht viel würden ändern können. Vielleicht würde aber Constantius' Beistand ein wenig die Folgen zu lindern wissen, die dieser Abend an Schmerz und Unsicherheit hinterlassen hatte. Und sie würde herausfinden müssen, wo Secundus Mela untergebracht war ... viel zu tun, wieder einmal.
Iulia Livilla
Langsam öffnete ich die Türe weiter und gewährte dadurch Constantius den erhofften Einblick in mein Zimmer. Ich stand ihm gegenüber, doch kein Lächeln war zu erkennen, keine einzige Regung auf meinen Gesicht, als war mir es nun gleich wer vor der Türe stand, wenn es nur nicht dieser Widerling war.

"Ich halte dich nicht auf, trete ruhig ein.", antworte ich ihm erst ruhig, doch die brennende Frage, ob dieses Scheusal tot war oder nicht, ich musste es wissen und so ging ich einen Schritt auf Constantius zu.

"Hat er es überlebt? Oder ist er jämmerlich innerlich verblutet?" Der Schmerz war wieder in meinen Augen zu erkennen, der Hass spornte mich an, solche schrecklichen Worte von mir zu geben. Doch der Hass wurde von der Angst begeleitet, die mich vollkommen schwächte. Wie sollte ich jemals gegen sie ankommen? Daher fixierte ich Constantius Augen, beobachtete jede Regung von ihm, wie er auf diese Frage reagierte. Doch mein eigener Blick hatte nichts mehr von dem, an meiner Ankuft oder auf dem Quirinal.
Caius Iulius Constantius
Auf dem Weg in die Casa hatte sich Constantius vorzustellen versucht, wie es Livilla wohl gehen würde. Doch was er nun durch die sich langsam öffnende Tür zu Gesicht bekam, übertraf seine schlimmsten Befürchtungen.

Sie trug nicht mehr das erfreute Lächeln auf den Lippen, dass sie oft offenbart hatte, wenn er heim gekehrt war. Nein heute schien es ihr förmlich egal zu sein ihn zu sehen.

Sorgenvoll blieb sein Blick auf Livilla gerichtet, als sie ihm Zutritt zu ihrem Zimmer gewährte.

„Wenn du Petronius Mela meinst, ja er hat überlebt. Der Medicus der Cohortes urbanae versorgt ihn und er wird ein paar Tage im Lazarett in der Kaserne verbringen müssen. Er hat viel Blut verloren.“

Dann hielt er kurz inne und gewährte sich einen Moment der Stille. Einen Moment, in dem er Livilla ebenso still betrachtete.

„Und wenn du den Angreifer meinst, auch er lebt, doch sitzt er nun hinter Gittern. Bewacht von einer Cohorte Soldaten. Er wird dir nichts mehr tun können. Ihm wird seine gerechte Strafe zuteil werden.“

Er ging einen kleinen Schritt auf sie zu und ließ seine Stimme weiche erklingen.

„Wie fühlst du dich Livilla?“
Iulia Livilla
Nach dem ich endlich eine Antwort von ihm gekam, atmete ich nicht gerade erleichert aus. Beide leben, auch dieser Mann, der mein Leben zerstört hatte. Wieso hatten die Götter erbarmen mit ihm, was war schon eine Zelle für ihn, in der er saß, er hatte immerhin seine Rache ausgeübt, zwar nicht körperlich, aber seelisch. Mir war bewusst, das nun das nächste Verhör beginnen würde, wie viele werde ich wohl noch überstehen müssen. Konnte man es nicht in einen Brief verfassen und ihn jedem überreichen? Dies war wohl kaum möglich, denn meine Gefühle konnte man nicht in Worte fassen, nur ein Blick von mir reichte um meinen Zustand zu erkennen.

"Secundus Mela lebt! Die Götter hatten einsehen mit mir, sonst hätte ich zwei Familien zerstört.", fügte ich leise Constantius Worte zu und regte mich immer noch nicht. Kaum dachte ich in den letzten Momenten an ihn immerhin war er mein Retter, doch wenn es eine Strafe war, das ich diesen Fremden begnete, vielleicht war es auch im Sinn der Götter, mich noch mehr zu quälen, doch Mela konnte mich vor dieser Bestrafung bewahren, als er den Täter neiderschlug. Wie war es nur möglich, das mir so etwas navies in den Kopf kam?

"Als ich die Casa erreicht hatte, fühlte ich gar nichts, doch jetzt scheint es mir schon besser zu gehen, immerhin bin ich jetzt in Sicherheit und du und Helena ihr seid auch hier. Glaub mir es geht mir schon besser."

Keines dieser Worte kam glaubwürde über meine Lippen, doch wollte ich mich aufmuntern, mich motivieren, es musste doch noch etwas von dieser Freude existieren, mit der ich durchs Leben ging.
Caius Iulius Constantius
Constantius, den man gewiss nicht als sehr redseligen Mann umschreiben würde, tat das, was er am besten konnte, er schwieg einen Augenblick lang. In seiner Rolle als stiller Beobachter, fühlte er sich weitaus wohler, als die Position eines aktiven Gesprächsführers einnehmen zu müssen. Auch wenn das Schweigen so einfach erschein, war ihm durchaus bewusst, dass er Livilla so nicht helfen konnte. Doch ihr Blick ließ ihn noch einen weiteren Augenblick lang still neben ihr stehen.

„Du hast keine Familie zerstört. Und schon gar nicht hättest du zwei Familien zerstört Livilla. Welcher Familie solltest du Schaden zufügen? Das was heute geschehen ist, war niemals deine Schuld und wird niemals deine Schuld sein.“

Er trat ein Stück näher an sie heran und umschloss ihre Hand mit der seinen. Blickte sie still und sorgenvoll an. Ihr Worte schienen ihn keineswegs beruhigt zu haben.
Iulia Livilla
Innerlich wütete die Wut in mir, da Helena und Constantius versuchten, mir keinerlei Schuld zu zuweisen, doch war mir klar, das schon der erste Fehler begangen worden ist, als ich die Casa alleine verlassen hatte. Wusste ich damals nicht warum ich überhaupt diesen Treffen zustimmte, war es mir nun klar oder redete ich mir eben ein, das ich es aus Spaß und Vergnügen hat oder um Secundus förmlich zappeln zu lassen, bevor ich seine Bitte trotzdem ablehne. So suchte ich nach Worten um mir wenigstens eine Teilschuld anzuhängen und da Helena nicht mehr im Raum war, konnte ich daher auch ganz offen zu ihm sein, ohne zurückhaltend zu wirken.

Caius! Es ist meine Schuld, denn ich denke nur an mich. Dieser Vorfall war meine Strafe für Feigheit, Ungehorsam, Naivität und Eitelkeit. Ich habe nichts anderes verdient. Wieso versteht ihr mich nur nicht?"

Erst wollte ich von Constantius weichen, als er näher kam und seine Hand um die meinige schloss, doch war er sicherlich zu stark und würde mich zurückhalten. Gewalt wollte ich jetzt gerade am wenigsten spüren. Als ich das erste mal, genau in Constantius Augen blickte, errötete sich leicht mein Gesicht, da ich die Wahrheit sprach.