Atrium | Titus, Helena

Iulia Helena


Der ianitor der Casa Iulia führte Titus, des Tiberius Vitamalacus Dauerschatten und Leibwächter, in das saubere und ordentliche Atrium des Hauses, um ihn dort stehen zu lassen. "Ich hole Herrin," schnaufte der Nubier und stapfte schon in das Innere der Casa davon, um die Hausherrin zu suchen - hoffentlich war sie überhaupt da, diesen breitschultrigen Kerl im Haus herumstehen zu lassen, gefiel dem Nubier nicht besonders. Bisher hatte er bei jedem Besucher das Gefühl gehabt, im Notfall mit ihnen fertig werden zu können, aber dieser Mann schien ein gleichwertiger Kämpfer zu sein für ihn - und so blieb Titus einstweilen zurück und musste ein wenig warten, bis die Hausherrin wohl bereit wäre, ihn zu empfangen.
Quintus Tiberius Vitamalacus
Titus
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Warten ! Immer wieder warten,... er hatte sich es spannender vorgerstellt, als es darum ging, dem Tribun zu folgen. Aber in der Gegend herumstehen, das könnte er bei der Legion tun. Naja, was sollte es, so schlimm war es hier auch nicht. So stand er da, wie er schon immer Wachdienst geschoben hatte, lange Jahre Wachdienst hatten ihn gweleert, wie man bequem steht, aber dennoch auszieht, also ob man stramm steht. Die Hände hatte er dabei auf dem Rücken verschränkt, die Wachstafel hielt er fest in beiden Händen.
Iulia Helena
Es dauerte nicht allzu lange, bis die Hausherrin denn auch wirklich erschien, das Haar hochgesteckt, die palla allerdings so darüber befestigt, dass der dünne Schleier ihr Gesicht zur Hälfte verhüllte - immerhin war Titus weder ein Bekannter der Familie noch ein Freund, und damit stand es ihm nicht zu, einer Frau aus dem Haus der Iulier allzu deutlich ins Gesicht blicken zu können. Hätte es einen Kontrast zwischen der Welt der Bildung, ehrwürdiger Ahnen und vor allem römischer Sittlichkeit und der rohen Kraft eines ehemaligen Legionärs geben müssen, so verkörperten Iulia Helena und der Begleiter des tribunus jenen Kontrast perfekt.

"Salve, Titus," sagte die Iulierin höflich, mit einem freundlichen Unterton im Klang der Stimme, während sie ihn erwartungsvoll anblickte. "Mein ianitor sagte mir, Du hättest eine Botschaft für mich?" Sie blieb ein wenig von ihm entfernt stehen, während Wonga seinen Posten neben der Tür zum Vorraum einnahm und stur auf Titus' Rücken starrte.
"Du kannst gehen," sagte sie sanft in die Richtung des Nubiers, der sie kurz überrascht anglotzte, eine nun deutlich herrischere Handbewegung später allerdings abdrehte und sich in Richtung seines Verschlags begab, in welchem er den Tag zu verbringen pflegte, bis Besuch anklopfte. Dann ruhte der klare Blick ihrer blauen Augen wieder auf Titus, fragend und erwartungsvoll zugleich.
Quintus Tiberius Vitamalacus
Titus
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Als Iulia Helena das Atrium betritt, dreht sich der riessige Mann langsam zu ihr, mussterte die Frau kurz, nicht so eindringlich, wie er es mit anderen Frauen zu pflegen tut. Doch irgendwie spürt er, das, sollte er bei dieser Frau sich falsch verhalten und sein Tribun bekäme davon Wind, dann würde er solch einen Ärger bekommen, wie schon lange nicht mehr.

"Salve, werte Iulia Helena." Seine Worte klingen sehr bemüht, er gibt sich sichtlich grosse Mühe, den richtigen Ton zu treffen. "Mein Tribun wünscht, das ich dir die Wachstafel persönlich überreiche."

Fast erleichtert klingt es, als er geendete hat, wie ein Schüler, der sein sorgmass geprobten Vortrag hinter sich gebracht hat. Er hält ihr die noch geschlossene Wachstafel hin, hält sie weit von sich, als ob er sich auch fürchtet ihr näher zu kommen, als es sich geziemt.

   


Liebe Helena,

ich danke dir noch einmal, für deine Bereitschaft, mein Mündel mit auf die Märkte zu nehmen. Leider fiel mir zu ein, das meine Bereitschaft, das die Händler ihre Bezahlung bei mir abholen können, den entscheidenden Fehler hat, das die wenigsten Händler wohl meine Mündel kennen und so ihrem Wort wohl kaum glauben schenken würden.
Um diese kleine Problem zu lösen, würde ich dich bitten, mich im Vorfeld auf einen kleinen Rundgang zu begleiten. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir diese Ehre erweisst. Vielleicht schon am heutigen Nachmittag ? Titus könnte dir zeigen, wo du und dein Schatten Wonga mich treffen könntet. Ansonsten nenne Titus einen Zeitpunkt und Ort, ich würde da sein.

In der Hoffnung auf eine mir vollgesonnen Antwort,

Quintus T. Vitamalacus


Iulia Helena
"Ich danke Dir," erwiederte sie mit einem Lächeln, das halb hinter dem Schleier verborgen blieb, bevor sie die Wachstafel mit einer sanften Handbewegung entgegen nahm, sich zu einer der gepolsterten Sitzbänke begab, um sie dort in aller Ruhe durchzulesen und sich die Worte durch den Kopf gehen zu lassen. Sie konnte nicht ganz verhindern, dass sich ihr Schmunzeln merklich vertiefte, hatte dieser Fuchs von Vitamalacus doch tatsächlich einen Grund gefunden, wie sie sich hochoffiziell treffen konnten, ohne irgendwelche Anstandsregeln zu verletzen oder sonstiges. Langsam aber sicher gewann ihr Bild von ihm einige deutliche Facetten mehr, und eine jede fand sie durchaus als interessant. Wieviel mehr würde sie wohl noch zu sehen bekommen, je besser sie sich kennenlernen würden? Sie bereute es in diesem Moment einmal mehr nicht, den Weg zum Ianusbogen mitten in der Nacht angetreten zu haben, er hatte ihr eine wahrlich faszinierende Begegnung beschert.

Still strich sie die von seinem Griffel stammenden Markierungen in der Wachsschicht des Täfelchens glatt und begann, einige Worte als Antwort zu notieren, den eigenen Griffel hatte sie in einem Beutel stets bei sich, immerhin gab es in einem größeren Haushalt auch öfters etwas zu schreiben.
"Würdest Du das dem tribunus bitte überreichen? Er soll nicht auf seine wohlverdiente Antwort warten müssen," sagte sie schließlich, als sie sich erhob, und reichte ihm das Täfelchen zurück. Irgend etwas in ihren blauen Augen fügte stumm die Tatsache hinzu, dass er es sich nicht auch nur überlegen sollte, die Nachricht zu lesen.

   

Salve Vitamalacus,

es wird mir eine Freude sein, Dich in Deiner Mündelbeschäftigungsmission zu begleiten, die junge Dame soll schließlich auch die schönen Seiten Roms ungehindert kennenlernen können, und wie erschließt sich einem Rom besser, als wenn man mit vollen Händen Sesterzen für völlig sinnlose Waren an den Mann bringen kann?
Ich würde sagen, wir treffen uns einfach auf dem Markt, beim Stand des Tuniken- und Togenhändlers Benarus, ein ziemlich teurer Händler, aber man sieht ihn durch die leuchtenden Stoffe schon von weitem, Du kannst ihn nicht verfehlen - dort werde ich Dich erwarten, sobald die Curie für den heutigen Tag die Geschäfte ruhen lässt.

Vale bene,
Iulia Helena

Quintus Tiberius Vitamalacus
Titus
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Warten ! Immer wieder warten,... Das war wohl sein Leben. Naja, so sollte es eben sein. Während die Frau liesst und irgendwann anfängt zu schreiben, lässt Titus sein Blick unauffällig durch das Atrium schweifen. Irgendwie sag es aus wie überall, obwohl die Wandbemalung im Lupanar, in der nähe des Forums, also das, wenn man da die dritte Strasse links rein geht,.. und dan die zweite rechts,.. Nee,.. da war die Insula eingestürzt,.. also die zweite links vom Forum und dann zweite links, oder war es auf dieser Strecke die dritte ?
Irgendwie waren seine Gedanken gerade gänzlich verworren, und es brauchte eine weile, bis er wahr nahm, das er auf eine Vase starrte, auf der anscheinend ein Mann und zwei Frauen gerade der Venus ein gemeinsames, iniges Opfer dabrachten. Oder war die eine Frau tatsächlich ein Mann ? Das musste Griechisch sein....

Als Iulia Helena auf ihn zutrat, schrak er aus seinen verworrenen Gedabken hoch, er hatte fast vergessen, das er nicht allein war uund ihm war auch jede der Regungen der Frau entgangen, die vielleicht sichtbar gewesen waren, als sie lass und schrieb.

Er nimmt die Wachstafel entgegen und nickt. "Sehr wohl, ich werde die Tafel überbringen." Während er spricht, steckt er die Tafel in seine Tunika. "Wenn du erlaubst, ziehe ich mich nun zurück." Irgendwie ist sie ihm etwas ungeheuer, mit dieser Frau war nicht zu spassen. Was der Tribun nur an ihr fand ?
Iulia Helena
Mit einem gewissen Amüsement stellte sie fest, dass er ausgerechnet vor der Vase stehen geblieben war, auf der die Männergruppe miteinander kopulierte - eins der Geschenke, die sie und Titus zur Hochzeit erhalten hatten und über das sie sich oft amüsiert hatten, sah es doch alles recht unbequem aus. Bis heute war sie sich nicht sicher, ob der eine Mann vorn nicht doch eher eine Frau war, aber vielleicht hatte er sich auch nur einfach als Frau verkleidet? Wer verstand schon die Griechen, so hatte sie es schließlich einfach sein gelassen, darüber nachzudenken. Dass ausgerechnet diese Vase das Interesse des ständigen Begleiters des Tribuns gefunden hatte, war dann doch irgendwie amüsant, bisher hatte sie ihn für einen ziemlichen Frauentypen gehalten.

"Natürlich," erwiederte sie mit einem gelassenen, sanften Lächeln auf den Lippen, während die blauen Augen verräterisch funkelten. "Ich hoffe, Du hast einen sicheren Rückweg zur Villa Tiberia." Sie klatschte leicht mit beiden Händen und Wonga erschien wieder im Eingangsbereich des Atriums. "Herrin?" fragte er und blickte nur sie an. "Begleite unseren Gast bitte hinaus," sagte sie und nickte Titus ein letztes Mal zu, bevor sie sich abwandte und in das Innere des Hauses davon schritt. "Du mitkomme," sagte der Nubier in Titus' Richtung und blickte ihn erwartungsvoll an.
Quintus Tiberius Vitamalacus
Titus
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Als ob ihm irgendwer in Rom gefährlich werden könnte, ihm den grössten Schläger der IX. Irgendwie wünschte er es sich, das endlich mal jemand traute, sich ihm in den Weg zu stellen. Vielleicht sollte er mla wieder allein in eine Taberna gehen, da gab es meist immer Gelegenheit auf eine anständige Schlägerei.

Doch er nickte einfach gelassen und meinte knapp, seinen eingeübten Ton verghessemd : "Werd `ich haben,..."

Dann drehte er sich um, nickte Wonga stumm zu und folgte ihm, verliess kurz darauf die Casa Iulia.