[Capitolium] Templum Opis

Titus Tiberius Flaccus
Nachdem man vor wenigen Tagen dem Consus geopfert hatte, fand an diesem Tage das Opfer für Ops statt, der Göttin des Erntesegens und der Fülle. Am Tempel der Ops auf dem Kapitol scharrten sich die Stadtrömer, um das Staatsopfer für die Göttin zu begleiten. Die ersten Ähren sollten ihr hier im Tempel dargereicht werden, um für die Ernte des Jahres zu danken und für die folgenden Arbeiten des Einbringens der Getriedevorräte das Wohlwollen der Ops Consiva zu erlangen.
Die Priester traten an das Kultbild der Göttin, an dem die Schwaden des Weihrauchs bereits aus den Foculi emporstiegen und die Verbindung zur Göttin schufen. Vestalinnen traten vor und hielten in großen Schalen die ersten Ähren von Gerste, das bereits im Iunius geerntet worden war, Weizen, der aus dem Iulius stammte und Trauben bereit, die der Göttin geopfert werden sollten. Flaccus entnahm die Ähren aus den Schalen und trat vor das Bildnis. Mit den Ähren in beiden Händen erhob er die Arme und hielt die Ernte der Göttin entgegen
Ops Consiva! Ops Mater, die du schützned deine Hand über die Ähren der Felder hältst, die du bewahrst die Früchte unserer Aussaat! Dir galten die Samen unserer Aussaat, dir galt das Kalb des vergangenen Jahres. So gelten dir nun die Erstlinge unserer Ernte, so gilt dir nun das erneute Kalb! Ops Consiva, Ops Mater, erhöre die Anrufe deiner Priester!
Sogleich trat Flaccus einen weiteren Schritt vor, gefolgt von einer Vestalin. Er gab die Ähren in den glühenden Foculus, wo sie Feuer fingen und knisternd vor dem Bildnis der Göttin in Rauch aufgingen, der sich mit den Schwaden des Weihrauches vermischte. Aus der Schale der Vestalin entnahm der Tiberier weitere Ähren und das getrocknete Obst und gab alles langsam, nach und nach, in den Foculus, wo auch dies als Opfergabe für Ops verbrannte.

Nach der Opferung im Tempel trat die Priesterschaft heraus, wo das Volk wartete. Ein Kalb, wurde von Opferdienern festgehalten. Es war geschmückt und die Wolldecke über dem Rücken des Tieres reich mit Verzierungen bestickt. Sogleich begann die Prozession mit dem Kalb vom Kapitol zur Regia, wo das Tier durch die Vestalinnen in einem geheimen Kult der Ops dargebracht werden sollte. Der Zug der Menschen bewegte sich langsam vom Kapitol hinab zum Forum Romanum, am Tempel des Divus Iulius vorbei hin zum Tempel der Vesta, neben dem sich die Regia befand. Die Menschen hatten kleine Gefäße und auch kleine Beutel in den Händen, in denen sich die Körner der Ernte befanden, welche sie nun auf dem Weg vor die Läufe des Kalbes streuten. Ausgelassen tanzten einige zu den Klängen der Tibicines.
Decima Lucilla
Als Mädchen vom Lande läuft auch Lucilla in der Prozession mit. Die Festtage des Bauernkalenders waren schon immer tief im Leben der Decima verwurzelt, gründete sich der Erfolg der Familie doch ursprünglich auf die Landwirtschaft und sogar heute noch, wo die meisten Decima in irgendwelchen hohen Ämtern oder Militärkommandos stehen, liegen die weitreichenden Ländereien in Hispania nicht brach, sondern werden von unzähligen Angestellten bebaut. Zu gut kann sich Lucilla noch an die Opiconsivia erinnern, die sie früher in Tarraco gefeiert hatte und auch an ihre erste Opiconsivia als junges Mädchen in Rom, bei der sie ehrlich erstaunt darüber gewesen ist, wie viele Städter sich um das Getreide Sorgen machen. Dass auch die Städter hungern, wenn die Bauern keine Ernte einfahren, das ist ihr damals noch nicht bewusst gewesen.

Heute allerdings ist es ihr um so mehr bewusst und darum hat sie extra einen Beutel voll Getreidekörner gekauft, um ihn vor dem Kalb auf den Weg der Prozession zu streuen. Der Zug nähert sich langsam dem Tempel der Vesta und Lucilla hält Ausschau nach ihrer Schwester Tertia, die als Vestalin sicherlich auch an diesem Fest teilnehmen würde.