Antonia Annaea Minervina
Ich nahm die oberste Tunica vom Stapel, schaute mir den Saum an und schüttelte leicht den Kopf.
Der Saum war komplett heruntergetreten und zerrissen.
Zu Iuliana sagte ich:
Ich fürchte, da ist nichts mehr zu machen, man müsste das Kleid kürzen, was meinst du?
Annaea Iuliana
Ich schaute zu ihr hinüber.
Wenn du es versuchen möchtest ....
Doch wir müssen auch nicht alles ausbessern, Geld haben wir genug
Annaea Lucilla
Sie ging in die Richtung, die ihr der Pförtner gezeigt hatte.
Am Ende des Ganges fand sie einen kleinen Raum vor, in dem sie zwei Frauen vorfand, die sich über eine alte Tunika beugten und sich unterhielten.
Sie blieb in der Türöffnung stehen und wartete, bis die beiden Frauen das Gespräch beendeten.
Annaea Iuliana
Ich bemerkte eine Person, welche in der Tür stand und unterbrach das Gespräch.
Salve, wer bist du und zu wem möchtest du?
Annaea Lucilla
Salve! Ich bin Annaea Lucilla und möchte zu Annaea Iuliana. Bist du das?
Annaea Iuliana
Ich erhob mich.
Ja, das bin ich, Gattin des Lucius Annaeus Florus und Herrin dieses Hauses.
Du sagtest du seist eine Annaea? Wer sind deine Eltern?
Annaea Lucilla
Meine Eltern sind Marcus Annaeus Lucanus und Hipparcheia., sagte sie und fügte hinzu:Ich habe mit meiner Mutter in Griechenland gelebt.
Annaea Iuliana
Dann freut es mich, dich in unserer Gens willkommen zu heissen. Wenn ich mich nicht stark täusche, dann gehörst du eigentlich zum hispanischen Zweig der Familie? Was führt dich denn hierher nach Italia?
Antonia Annaea Minervina
Ich sass neben Iuliana, vertieft in die feine Arbeit des Saumnähens, als eine junge Frau mit wilden blonden Locken eintrat. Ich hörte, dass sie auch eine Aennaeerin war. Ich musste schmunzeln, war ihr Aussehen das pure Gegenteil von meinem. Ich hatte gerades, langes und dunkles Haar, während ihr die Lockenpracht wirr auf dei Schultern fiel.
Annaea Iuliana
Die täglichen Arbeiten in der Casa wurden langsam zu einem gut eingeübten Ritual. Die langjährigen Sklaven wussten, wie ich die Arbeit gemacht wollte und ich wusste, wie ich sie zu behandeln hatte, damit sie auch zufrieden waren.
Es war eine harte Umstellung gewesen, welche sehr viel Zeit erforderte, von der Peregrina zur römischen Domina. Aber es hatte sich gelohnt. Ich war glücklich und wer wusste, vielleicht würde mein lieber Florus auch bald wieder Zeit für mich haben?