Atrium | Iulia Helena, Rahel

Iulia Helena
Der hochgewachsene, blondgelockte Sklave führte die junge Sklavin in das Atrium des Hauses, und bedeutete ihr dann, dort auf die Hausherrin zu warten. "Fass nichts an und sei höflich," mahnte er sie mit einem gutmütigen Augenzwinkern, bevor er sich in schlenderndem Gang in das Innere des Hauses aufbrach, um Iulia Helena von ihrer Besucherin zu unterrichten.
Das Atrium war sicherlich deutlich schlichter eingerichtet als jenes der Villa Tiberia, aber der Blick in den Ahnenschrein, dessen Tür stets offen stand, offenbarte eine stattliche Sammlung an Masken, deren Profilbilder einst die kaiserlich geprägten Münzen geziert hatten - dies war vielleicht nicht das reichste Haus, aber eines der ältesten überhaupt in Rom. Die ordnende Hand einer Frau ließ sich jedenfalls in diesem Atrium durchaus erkennen, waren die Vasen doch mit Grünpflanzen und frischen Herbstschnittblumen gefüllt und vermittelten den Eindruck einer gewissen Lebendigkeit.
Rahel
Brav war ich dem Sklaven gefolgt, der mich doch glatt um einiges überragte. Gerne hätte ich gewusst von welchem Volk er war, denn ich glaubte nicht, dass er zu den Römern gehörte, vielleicht war er Germane oder einfach etwas was in diese Richtung ging. Auf seine kleine Ermahnung hin lächelte ich nur und nickte, denn es schien als hätte ich meine Stimme irgendwo zwischen Tür und Angel vergessen, aber noch einmal zurück wollte ich nicht, also blieb ich einfach stehen und sah mich in dem Atrium um. Klar sah es hier anders aus, als bei meinem Herrn, denn dies war keine Villa und es lebten auch keine Patrizier hier, aber es war schön und ich konnte nur die ganzen Sachen getrachten die ich zu sehen bekam. Langsam lief ich durch das Atrium und blieb vor einem Raum mit offener Tür stehen. Meine Neugier war natürlich da und ich nutze das Alleinsein auch aus und blickte hinein, aber natürlich ohne etwas anzufassen, aber ich hatte ja auch die Schüssel in der Hand.