Amessis Vistilia
Sie hob das Gesicht an, so dass die Sonnenstrahlen es liebkosen konnten. Es gab einen Platz in diesem Garten, der ihr besonders lieb war. Duftende Kräuter wuchsen hier und Schmetterlinge tummelten sich an einem großen Gebüsch. Sie setze sich auf eine steinerne Bank und sah ihnen zu.
Dhara
Dhara brauchte nicht so lange, um sich wieder zusammenzufasssen. Wer war sie...ihr heißester Wunsch ist erfüllt worden! Was war sie, dass diese Ehre ihr zugeteilt wurde? Sie wischte die Tränen, bentzte ihre Finger mit dem kalten Wasser und strich damit über die Augen und Lider. Sie wollte nicht enmal ein Zeichen iherr Schwäche zeigen. Dann ging sie in den Garten, sah Amessis und begrüßte sie. Sie wollte zu den Füssen der Coptha fallen.
Amessis Vistilia
Als sie die junge Frau auf sich zukommen sah, bewunderte sie im Stillen ihre Beherschung.
Das bewies ihr aber auch, das sie richtig gewählt hatte.
Dhara war gut ausgebildet worden, sie war eine gute Pristerin und Amessis hatte vor, das Dhara das auch hier beweisen sollte.
Setz dich zu mir
und zeigte vor ihre Füsse.
Dhara
Dhara sank langsam auf die Knie. Ihr Kleid hat ihr auch nicht erlauben können, es schnell und auf die einfache Weise zu machen. Dhara kniete zu den Füssen der Amessis. Ihr Körper schlang sich zu einer aufregenden kurvigen Linie. "Amessis, Hohepriesterin der Ishtar, deine Dienerin wartet auf die Gunst dir dienen zu dürfen" Die alten Worte der Tempel, alte Sprache und zwei Frauen im Garten, mit ihrem Willen, dem Anfang und dem Ende von jedem und von allem zu dienen.
Amessis Vistilia
Ja Dhara, Priesterin der Ishtar. Du sollst mir und vor allem unser Göttin dienen.
Dafür bist du von ihr auserwählt worden. Ihre segnende Hand liegt auf dir und wird dich führen. So wie sie auch mich führt und lenkt.
Wir sind in einem fremden Land, in dem unsere Göttin nicht verehrt und geehrt wird. Unsere Aufgabe wird es sein, ihr auch hier ein sicheres und ruhiges Heim zu schaffen.
Ihre Güte und Liebe aber auch ihre Kraft und ihren Willen werden wir zu verteidigen wissen
Dhara
Du weißt, ich werde mein Leben zu den Füssen der Göttin legen. Mein Herz schlägt für Ishtar. Mein ganzes Tun ist ihr Wille und ihre Hand ist die, die mich geleiten. Wer gegen die Liebe der Ishtar ist, wird ihr anderes Gesicht erfahren. Du und ich werden die heilige Myrte verteidigen. Unser Leben ist nichtig im Vergleich mit unserer Bestimmung
Amessis Vistilia
Einen moment sah sie auf die junge Frau, vor ihren Augen entstand ein Bild.
Dhara war in Licht gehült und ihre Hände waren so rot wie der Himmel am Abend, wenn Sol seinen Wagen im Meer verschwinden lässt.
So wird es sein.
Nun müssen wir aber über weltliche Dinge sprechen. Ich habe bestimmt das du zu meiner Stellvertreterin wirst. Dazu muss ich mehr über dich wissen, dein Leben und auch deinen Werdegang in unserem Muttertempel.
Dhara
Diese Frage versetzte die junge Frau in Verlegenheit, sogar könnte man sagen...sie schämte sich. "Auch ich bin des königlichen Blutes" sagte sie leise. "Nur wurde ich unter keinem guten Stern geboren. Die Familie meiner Mutter war jedoch einflußreich genug, um die Schande zu verstecken" Sie machte eine Pause. "Ich habe geschworen, den Namen meiner Mutter nicht aussprechen und nicht verraten, Coptha. Im Heiligtum der Ishtar vor ihrem Blick habe ich es geschworen. Die ersten Schritte machte ich im kleinen Tempel in den Bergen, im Norden. Weit weg vom Hof, von meiner Mutter... dort verbrachte ich meine Kindheit. Dort widmete ich mein erstes Blut der Göttin. die Hohepriesterin sagte..." Dhara errötete leicht, als sie zu diesem Punkt ankam. "Ich bin von der Göttin berührt, gesegnet und empfangen. Was auch das zu heißen vermag, Coptha. Sie schickte mich sofort nach Seleukia. Dort habe ich gelernt, der Göttin zu dienen und wurde eingeweiht. Man gestattete mir die Bibliothek des Tempels zu besuchen und ich habe Tafeln aus Babel gelesen. Eine alte Dienerin brachte mir dann die alten Sprachen bei. Drei Mal wurde ich gewählt, die heilige Hochzeit zu vollziehen. Dann kam der Tag, an dem mir mitgeteilt wurde, ich soll als Sklavin mit einer der Karawanen nach Rom ziehen. Ich habe etwas für dich" Sie nimmt eine dünne Kette von ihrem Hals und läßt diese auf der flachen Hand liegen. Der Anhänger ist eine Art kleiner Behälter, gefüllt mit etwas schwarz-braunem. "Das ist die heilige Erde"
Amessis Vistilia
Als Dhara ihr die Kette in die Hand legte schloss Amessis die Augen und holte laut Luft. Vor ihrem inneren Auge sah sie weites Land, gleißende Sonne und schimmernde Erde. Sie roch den Duft der Wüste und die schwere der Oasen.
Sie drückte die Kette an ihr Herz, das hälftig und erkennend schlug.
Die Hohepriesterin hatte Recht, du bist von der Göttin berührt, gesegnet und empfangen. Bist du sicher dass du nicht ein Kind der heiligen Hochzeit bist?
Ich werde dafür sorgen, dass du wieder in den Stand der königlichen- göttlichen Tochter kommst. Als die Vertretung unser Göttin ist es nicht rechtens das du Ketten trägst. Was ich auch nie für dich wollte.
Keine Frau die der Göttin dient, sollte diese Ketten tragen müssen. Wenn sie sie freiwillig anlegt ist es ihr Wille.
Dhara
Verzeih mir meine Mißgungst und Mißtrauen, ehrenwerte Coptha. Die heilige Erde durfte nicht in die falsche Hände geraten.