Atrium | Livilla, Aviana

Iulia Livilla


Wonga trottete mit der Iulierin in das Atrium und führte sie zu den Sitzbänken, bei denen ein Tisch stand, mit zwei Karaffen, die mit Wein und Wasser gefüllt waren. Es war noch Vormittag, doch die Sonne hatte schon den ganzen Raum erhellt und so machte sich Wonga auf den Weg, seiner Herrin den Besuch zu melden. Ein letzter wachsamer Blick fiel noch auf die Besucherin, ehe er sich nun richtig in Bewegung setzte.
Iulia Aviana
Aviana blickte um sich und ging brav hinterher.
Sie blickte dem Sklaven nach und seufzte erleichtert auf als er außer Sichtweite war. Er hatte sie reingelassen! Dann wartete sie geduldig und schaute erneut um sich.
Iulia Livilla
Als Wonga an mein Cubiculum anklopfte, war ich damit beschäftigt, meinem Cousin Solinus einen Brief aufzusetzen, der ihm von meiner Reise nach Ephesus berichtete. Sollte ich meinen Vater nicht besser auch davon in Kenntnis setzten? Skeptisch hob ich den Kopf, als er mir von der Ankunft einer jungen Frau berichtete namens Iulia Aviana. Hatte ich ihm denn nicht genau darauf hingewiesen, niemanden Fremdes in die Casa einzulassen? Doch war es nun zu spät um mich über Wongas Handlung zu beschweren, schickte ihn davon und machte mich auf den Weg ins Atrium. Denn ganzen Weg dorthin versuchte ich ihren Namen jemanden zu zuordnen, doch war mir keine Aviana bekannt. Mit ernster Miene betrat ich, in eine grüne Tunika gekleidet, das andere Ende des Atrium und erspähte die junge Fremde.
„Salve, Iulia Aviana! Ich heiße dich herzlich in der Casa Iulia willkommen. Mein Name ist Iulia Livilla und mein Ianitor sagte mir du wünscht einen Iulier zu sprechen!"
Während ich sprach ging ich langsam auf sie zu.
Iulia Aviana
Als schließlich jemand ins Atrium kam blickte Aviana gespannt auf. Sie antwortete in einem freundlichen, wenn auch etwas leiserem Ton: "Salve! Ja, ich komme aus Germania, ich bin hier um meinen Vater kennenzulernen". Und den Rest der Familie!! Fügte sie in Gedanken hinzu, sprach es aber nicht aus. "Vielleicht sagt dir der Name Numerianuns was? Tiberius Iulius Numerianuns?" Fragend schaute sie Livilla an und fügte noch schnell, dass es nicht so verwirrend war, hinzu: "Ich habe seit meiner Kindheit in Germania gelebt und kenne weder meinen Vater noch die restliche Familia." Aviana strich sich etwas nervös die Haare zurück, den Blick weiterhin auf Livilla gerichtet.
Hoffentlich klang es nicht zu abrupt! Dachte sich die junge Plebejerin..
Iulia Livilla
Musternd ging ich an ihr vorbei und blieb neben ihr stehen. Sie war ungefähr in meinem Alter, doch ganz alleine. Erzählte sie mir denn nicht gerade das sie aus Germanien kam? Und auch ihr früherer Aufenthaltsort half mir nicht, sie doch in einen Familienzweig mit einreihen zu können. Ich war schon skeptisch genug, da sprach sie auf einmal den Namen meines Vaters aus. Nun durfte ich nicht unachtsam sein und hörte ihr weiter zu. Doch so wie sie es darstellte, obwohl ich das nicht glauben konnte, behauptete sie Numerianuns sei ihr Vater. Ich konnte ihr einfach nicht glauben, er hätte mir davon erzählt. Weshalb sollte er mir verschweigen das ich eine Schwester hatte? Oder wusste er nichts davon?
„Du fragst nach einem Tiberius Iulius Numerianuns und nennst ihn deinen Vater? Ich kenne ihn sehr wohl, denn er ist mein Vater." Höflich antwortete ich ihr, suchte dabei ihren Blickkontakt, sie wirkte nervös, doch war diese Eigenschaft positiv zu sehen oder nicht?
Iulia Aviana
Schockiert über das was Aviana gerade da gehört hatte, dass Numerianuns auch Livilla's Vater sei, konnte sie erstmal nichts sagen. Das hatte sie auch nicht erwartet. "Er kennt mich nicht" meinte sie kurz und knapp, nachdem sie eine Weile geschwiegen hatte. Aviana merkte dass ihre Nervosität nicht unbedingt positiv wirkte und setzte deshalb einen ernsten und sicheren Gesichtsausdruck auf. "Ich kenne ihn auch nicht, deshalb bin ich ja hier!" Sagte sie leise, aber dennoch sicher. "Ich weiß es weil man mir davon erzählt hat". Doch auf die Aussage dass er Livilla's Vater war, zumindest wie sie es behauptete, wollte Aviana nicht eingehen, denn sie konnte es immer noch nicht glauben.
Iulia Livilla
Ich blickte zu den Sitzbänken, wollte aber nun stehen. Bei so einer Neuigkeit konnte ich keinen Moment mehr still bleiben. Nachdenklich blickte ich zur Seite. Einerseits war es riskant ihr zu glauben, andererseits sah sie nicht nach einer Betrügerin aus. Die Entscheidung musste ich fällen, ganz alleine. Doch konnte das sein? Das sie meine Schwester oder jedenfalls Halbschwester war? Die Antwort konnte nur er wissen. Es dauerte nicht lange da fiel mein Blick wieder auf sie, ich wollte ihr keine Verunsicherung zeigen, kein einziges Mal.

„Iulia Aviana, nimm doch bitte Platz, bevor wir uns weiter unterhalten." Mit einer Hand wies ich auf die Sitzbänke. „Ich bin genauso überrascht wie du, vor allem da mir nichts über dich bekannt ist. Ihr kennt euch beide nicht und du sagest mir man habe es dir erzählt. Deine Mutter? Wie heißt sie denn? Denn nur ihr Name kann uns weiterhelfen, an den muss mein Vater ja erinnern können."

Wie hart dieser letzte Satz ausgefallen war. Das sie nur eine Erinnerung wäre, aus der immerhin ein Kind hervorgegangen war.
Iulia Aviana
Als Livilla sie auf die Sitzbänke aufmerksam machte, setzte sich Aviana mit einem leichten Lächeln hin.
"Nein, nicht meine Mutter, - sondern Verwandte." Sagte sie und räusperte sich. Sie wollte nicht über ihre Mutter sprechen. Und vorallem nicht jetzt.
Iulia Livilla
Nachdenklich verschränkte ich meine Arme und ging neben den Sitzbänken auf und ab. Sie sprach von Verwandten, die sicherlich mit dem Familienzweig ihrer Mutter zu tun hatten, nichts mit den Iuliern. Aus ihren Sätzen war nicht viel zu entnehmen, das machte die Sache um einiges schwieriger.

"Du lebtest in Germanien, weshalb bist du nach Roma gekommen? Nur um deinen Vater wieder zu sehen? Weshalb hast du nicht geschrieben, damit wir von deiner Ankunft gewusst hätten?" Immernoch höflich, aber auch ernst stellte ich ihr viele Fragen, ob sie ihr unangehm waren oder nicht, es half nichts, denn nur ihre Antworten, konnten meine Entscheidung beeinflussen.
"Also nenn mir doch den Namen deiner Mutter, das ich meinen Vater von ihr schreiben kann!" Redete ich nochmal auf sie ein, um es ihr vielleicht doch noch zu entlocken.