Sergia Plotina
Nun war sie also in Rom. Zwar wusste Plotina in diesem Moment nicht so recht, was sie nun hier mit sich anfangen sollte: Sie hatte sich ihre ersten Tage in der Hauptstadt des Imperiums schon ganz anders vorgestellt. Und doch ... Sie war immerhin heil hier angekommen nach monatelanger Reise durch die halbe Welt. Dies war für sie Grund genug, den Göttern zu danken.
Nach einigem Suchen und Nachfragen hatte Plotina schließlich den Tempelbezirk gefunden. Sie wollte nicht in einen der großen Tempel des Staatskultes, sondern still für sich den Göttern Dank für alles sagen und sie um ihre Huld für die Zukunft bitten. Während sie so durch den Tempelbezirk schritt, ließ sie in Gedanken noch einmal viele Bilder ihrer langen Reise Revue passieren. Dabei achtete sie gar nicht mehr darauf, wo sie eigentlich war; als sie ihren Blick wieder hob, stand sie vor einem zweifellos orientalisch anmutenden Tempel, wie sie sie auf ihrer Reise nach Rom im östlichen Teil des Imperiums immer wieder gesehen hatte.
Plotina wollte schnell weitergehen, hatte sie doch immer eine große Abneigung gegen die ausladenden orientalischen Kulte empfunden. Da aber hörte sie Schritte, die sich rasch auf sie zu bewegten.
Sextus Pompeius Antipater
Antipater, genesen von einer gewissen Lethargie und somit aufdringlich wie immer sah einen Rock durch den Tempelbezirk gehen, gab sich einen Ruck und folgte ihm denn die Frau kam ihm wudnerlich bekannt vor, hatte er doch auf seinen Reisen durch die östlichen Reichsteile und die daran angrenzenden Wunderlichkeiten gar manchen kennengelernt. Frauen und Männer. Die Frauen meist näher. Zumnidestens deren Namen er noch wusste.
Nun fiel ihm aber nun in diesem Momente nicht der rechte ein und als sie ihn ansah war es mal wieder um ihn geschehen. Wie meist. Oder immer?
"Einst traf ich in Antiochia eine schöne Frau die euch ähnlich war. Doch schien sie mir älter als ihr? Fandet ihr den Brunnen der Jugend?" Er verbeugte sich pathetisch
"Der aufdringliche Mensch ist Pompeius Antipater, ich hoffe wir kennen uns, es würde die Wärme der Frühlingssonne noch schöner machen"
Sergia Plotina
Jetzt reichte es Plotina. Zwei Tage war sie erst in Rom, und schon hatte sie sämtliche Klischees, die man sich in Sais über die Hauptstadt am Tiber erzählt hatte, bestätigt gefunden, insbesondere über den chronischen Frauenmangel und die aufdringlichen männlichen Bewohner.
Nein, mit stoischer Gelassenheit kam man hier nicht weiter. Eben noch in melancholisch-spiritueller Stimmung, war Plotina jetzt entschlossen, andere Saiten aufzuziehen.
"Mein Herr, ich kann dir beim besten Willen nicht sagen, wen du in Antiochia oder in einem anderen Marktflecken des Ostens getroffen hast.
Hätte ich den Brunnen der Jugend gefunden, so wärest du der erste, dem ich den Weg dorthin weisen würde - ich habe lange niemanden mehr gesehen, der ihn so benötigt hätte wie du."
Sextus Pompeius Antipater
"Verzeiht das ich jemanden vom Capitol mit einer alten, gutaussehenden Bekannten verwechselte, Ihr seid doch die Hüterin der heiligen Gänse, oder? Falls nicht könnte ich euch vorschlagen, ihr scheint geeignet zu sein." erboste sich Antipater
"Bei näherem Bertrachten ist mein Irrtum selbst mir völlig unverständlich, hatte sie doch schöne, glatte Haut und seidiges Haar" zog er sie dann auch noch auf obwohl seine Augen das sahen was die Zunge abstritt
Sergia Plotina
"Nur zu, bring mich zu den Gänsen! Ich ziehe deren Gesellschaft bei weitem der eines Mannes vor, den sein ausschweifender Kult bereits in jungen Jahren an Körper und Geist dermaßen ausgezehrt hat."
Plotina hatte mittlerweile bemerkt, dass sie ausgerechnet an einen Tempel der Ishtar geraten war. Sie hatte auch schon die nächste spitze Bemerkung auf den Lippen. Aber dann stutzte sie. Es waren die Augen des Mannes, die sie davon abhielten, eine weitere Salve auf ihn abzufeuern. Denn sie musste zugeben: Trotz seines abstumpfenden Kultes hatte sein Blick etwas sehr Gutes und Aufrichtiges. Plotinas Abscheu wich langsam einem echten Interesse und sogar einer gewissen Sympathie. Sie versuchte, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.
"Noch lieber als Gänse versuche ich allerdings, meine eigenen Leidenschaften zu hüten. Hütet man diese nicht gut, nährt man alsbald keine Gänse, sondern eine Schlange an der Brust wie einst Kleopatra. Ich muss es wissen, denn ich komme aus Ägypten."
Sextus Pompeius Antipater
"Ägypten. Die Welt ist klein, erst kürzlich, es muss vor..." er strich sich das Kinn
"Verzeiht einem Greis dessen Geist die Schönheit blendete aber es fällt mir sicher wieder ein wenn ich in den Schatten der Realität zurückhuschen kann. Es war also vor irgendeiner Zeit als die Tochter einer Freundin, Flavia Minervina des Namens aus Ägypten heimkehrte. Zum Mundus der Welt und zu den heimatlichen Futtertrögen ihrer Familie. Kennt ihr sie?"
Sergia Plotina
"Flavia Minervina?"
wiederholte Plotina. Sie war froh, dass der Ton des Gesprächs sich jetzt verändert hatte und ihr Gesprächspartner, wie er es so poetisch ausdrückte, in der Schatten der Realität zurückgehuscht war.
"Ihren Namen habe ich tatsächlich schon einmal gehört, aber sie persönlich kenne ich leider nicht. Ich weiß auch nicht, ob sie Wert auf meine Bekanntschaft legen würde - ist die Gens Flavia nicht eine patrizische Gens?"
Sie las die Verwunderung auf dem Gesicht des Antipater; ihr fiel ein, dass er ja gar nicht wissen konnte, dass ...
"Du musst meine Unkenntnis entschuldigen. Ich bin nämlich in Ägypten auch aufgewachsen, und alles, was ich über Rom weiß, kenne ich nur vom Hörensagen, einschließlich vieler Klischees."
Plotina musste schmunzeln, denn sie dachte an die Klischees über römische Männer und römischen Frauenmangel, die sie zu Beginn ihres Gesprächs mit Antipater dazu gebracht hatten, ihn so schroff zu behandeln. Fast hätte sie angefangen, zu Antipater über diese Klischees zu tratschen, sie rief sich aber zur Ordnung.
"Und das, obwohl ich selbst aus einer römischen Gens stamme. Ich habe mich noch nicht vorgestellt: Sergia Plotina. Ich bin erst seit wenigen Tagen in Rom und kenne hier außer meinen Verwandten, und natürlich jetzt außer dir, noch so gut wie keine Menschen. - Ah, den tribunus cohortis urbanae, Lucius Octavius Detritus; er hat mich von Ostia hierher geleitet. Kennst du ihn?"
Sextus Pompeius Antipater
"Detritus. Natürlich kennen ich ihn, er ist mein Patronus und ich verdanke ihm viel, er ist mir Vorbild und Stütze in dunklen Tagen"
und hoffentlich für diese Werbung dankbar
"Und die Flavier..."
Antipater überlegte ob er einige Schwänke aus der manchmal nicht zu patrizischen Geschichte der Flavier zum besten geben sollte und grinste
"...sind ein besinderes Volk. Habt ihr schon gespeist? Wenn nicht wäre es für einen alten, greisen und gebrechlichen Nichtsnutz eine Freude mit euch zu tafeln, wir sollten also besser etwas Essen gehen bevor wir ihn treffen

"
Sergia Plotina
Plotina konnte ihr Glück kaum fassen: Der Mann, den sie zu Beginn ihres Gespräches mit provozierenden Worten fast beleidigt hatte, schlug ein gemeinsames Essen vor! Umso mehr war es ihr angelegen, Antipater gegenüber jetzt nur noch mit offenen Karten zu spielen.
"O, hoffentlich biete ich dir nicht den Anblick einer Halbverhungerten! Aber du hast es erraten, ich würde wirklich auch gerne etwas essen. Zwei Dinge allerdings halten mich zurück: Da ich, wie gesagt, neu hier bin in Rom, weiß ich nicht, wo wir etwas essen könnten; in die Casa Sergia würde ich dich gerne einladen, aber dort geht es, wie soll ich sagen, im Augenblick etwas stürmisch zu. Aber du kennst dich sicher aus, so dass das keine Schwierigkeit sein sollte!"
Für die zweite Schwierigkeit, die Plotina nun zu präsentieren hatte, holte sie kurz Luft:
"Etwas anderes ist ... Ich habe ganze 10 Sesterzen bei mir ..."
Ohne die Reaktion des Antipater abzuwarten, sprach Plotina schnell weiter.
"Wen meinst du eigentlich mit dem alten, gebrechlichen Nichtsnutz? Etwa Detritus?
Vor mir sehe ich jedenfalls einen sympathischen und geistreichen Freund."
Sextus Pompeius Antipater
"Dann haben wir 32 im ganzen was nicht unbedingt für einen dem Lucullus würdigen Tische, aber zumnidest für ein paar Oliven, Schafskäse und Fladenbrot reicht die, zusammen mit einem Becher Landwein etwas besseres sind als sich so mancher Senator mit Pfauenfedern herauskitzeln kann." Er deutete zu einem Ladenlokal welches etwa 50 Schritt entfernt lag...
"Der Palast von Macus Donaldus, kostet bei Gelegenheit sein Rosinenbrot. Seine Korinthen verdienen ihren Namen und sind keine Kakerlaken wie man sie in so vielen Broten findet, bei ihm werden wir satt und zufrieden..." ...sah sie dann aber an...
"...über Detritus würde ich nicht lästern. Er ist ein Freund und ich wäre gerne der eure. Ganz ohne Hintergedanken und doppelten Boden." ...und reichte ihr die Hand
Sergia Plotina
Plotina schüttelte belustigt den Kopf.
"Aber nein, über Detritus würde ich doch nicht lästern! Dafür bin ich viel zu sehr von ihm beeindruckt und stehe auch sehr in seiner Schuld. Aber du hattest mir so eine schöne Vorlage für eine rhetorische Erwiderung gegeben ... Es ist also deine Schuld!"
Dabei blickte sie Antipater schelmisch an.
"Jetzt will ich aber wieder im Ernst sprechen. Ich bin fremd hier in Rom und würde mich wirklich sehr glücklich schätzen, in dir einen der ersten Freunde in dieser Stadt zu finden."
Plotina musste schon wieder lachen.
"Vor allem auch einen Freund, der die hiesige Gastronomie so gut kennt, denn, du meine Güte, während du gerade so eloquent die Speisen beschrieben hast, die wir beiden uns gleich einverleiben könnten, ist mir das Wasser im Munde zusammen gelaufen. Allmählich werde ich wirklich hungrig. Wollen wir gleich gehen, oder musst du im Tempel noch etwas erledigen (und wenn ja, bitte keine Details!)?"
Sextus Pompeius Antipater
"Lass uns gleich gehen, meine lasziven Riten warten gerne was ich bei fehlendem Interesse und der stetigen Hoffnung man höre mir nur ungenau zu sicherlich beizeiten weiter auswalzen könnte, doch jetzt ist es Essenszeit." er strich sich über den Bauch und zog ihn ein da er ihn flacher in Erinnerung hatte
"Die weiteren Schritte in Rom können wir auf den kürzeren Besprechen. Hast Du Dich schon für einen Cursus an der Schola Atheniensis eingeschrieben? Viele der Rechte die analphabetische Ahnen stets genoss werden unter Julianus nur einer geistigen Elite gewährt die sich durch Fleiß und Hirnschmalz vom Volke abhebt."
Da sie das Ladenlokal erreicht hatten stellt er sein Plappern ein und wartete kurz auf die Aufmerksamkeit des Wirtes.
Sergia Plotina
Eigentlich war das ja gar nicht Plotinas Art. Sie bemühte sich stets, ihren Gesprächspartnern volle Aufmerksamkeit zu schenken, und hatte schon in jüngeren Jahren als gute Zuhörerin gegolten.
Jetzt aber war sie in einer ihr fremden Stadt und noch dazu nicht in irgendeinem "Marktflecken des Ostens", von dem sie am Anfang ihrer Begegnung mit Antipater gesprochen hatte, sondern in der Hauptstadt des Imperiums. Seit ihrer Ankunft strömten immer neue spannende Eindrücke auf sie ein, und jetzt bewegte sie sich mit Antipater durch ein ihr gänzlich unbekanntes Viertel Roms, das ihr ausnehmend gut gefiel: Nicht so überlaufen wie das Zentrum der Stadt, sondern malerische, schattige Gassen, deren Ladenlokale jetzt um die Mittagszeit zum Verweilen einluden.
Dankbar blickte sie ihren Führer Antipater an. Doch was hatte er gerade gesagt? Plotina musste ihre Gedanken erst einmal wieder auf ihn richten. Ihr würde gleich sicher wieder einfallen, worüber er zuvor gesprochen hatte; zunächst lag ihr etwas anderes auf dem Herzen.
"In diesem Viertel Roms bin ich bisher noch nie gewesen - und ich muss sagen, ich habe etwas verpasst. Ohne dich wäre ich aber sicher nicht so bald hierher gekommen. Schon jetzt danke ich den Göttern, dass ich dir begegnet bin."
Antipater machte gerade vor einem der Ladenlokale Halt und geleitete Plotina in das aufgeräumte und gemütliche Innere. Diese genoss es, sich einmal nicht um alles kümmern zu müssen. Sie hatte ja jetzt auch Mittagspause; erst am Abend, wenn es wieder kühler geworden war, würde sie weiter ... Ach, das war es ja, worüber Antipater geredet hatte!
"Du hast übrigens Recht, ich lerne schon an der Schola Atheniensis. Und ich muss leider sagen, ich merke jetzt, dass vieles von dem, was ich in Ägypten über Rom gelernt habe, doch nur Halbwissen war. Na, umso mehr werde ich dann jetzt ja wohl auch dazu lernen, dann lohnt es sich wenigstens! Du bist sicherlich ein sehr gelehrter Mann - darf ich ganz neugierig fragen: Was hast du in Rom getan, bevor du im Tempel der Ishtar gewirkt hast?"
Sextus Pompeius Antipater
| Zitat: |
Original von Sergia Plotina
Was hast du in Rom getan, bevor du im Tempel der Ishtar gewirkt hast? |
Antipater wurde knallrot, dann grün und begann zu husten während seine Farbe ins beige wechselte.
Sergia Plotina
Plotina hatte sich, während sie auf die Antwort ihres Gesprächspartners wartete, weiter im Inneren des Ladens umgesehen. Als sie ihren Blick wieder auf Antipater richtete, erschrak sie. Sein Gesicht hatte sich gefährlich verfärbt, außerdem begann er zu husten.
"Antipater, was ist mit dir? - Salve, Wirt, komm schnell und bring Wasser!"
Plotina war auf Antipater zugegangen und hatte ihre Hand auf seinen Arm gelegt. Besorgt sah sie ihn an. Ihre Frage an ihn hatte sie aber nicht vergessen.
Sextus Pompeius Antipater
War etwas im Essen gewesen? Dem von gestern? Der Fisch stand doch kaum eine Stunde in der Sonne und Salmonellen waren noch gar nicht erfunden und so war es sicherlich ungefährlich aber wenn Magen-Darm-Schmerzen, hohes Fieber zu den Kreislaufproblemen und dem Kopfweh welches er bislang auf den Alkoholgenuss der letzten Nacht zurückgeführt hatte hinzu kämen müsste man bald auch mit Durchfall, Übelkeit und ständigem Erbrechen rechnen. Plotinas Sandalen glänzten noch im Sonnenschein.
Sergia Plotina
War es ihr altes Interesse an Medizin oder schlichte Neugierde, die Plotina dazu veranlasste, einen Schritt von Antipater zurückzutreten und ihn dabei zu beobachten, wie er, während er litt, selber zu überlegen schien, woran eigentlich?
"Vielleicht sollten wir einen Arzt rufen!"
rief sie dem Wirt zu.
Sextus Pompeius Antipater
So fiel Antipater in etwas was man in späteren Jahrhunderten Koma nennen würde, jetzt aber wohl Ohnmacht nannte, was ihn, wie auch immer man es nannte in ein inneres Exil von unbekannter Dauer fuhrwerkte.