Quintus Tullius
In zahlreichen Abendschattierungen bot sich die Landschaft um Roma dem Blick der Reisenden dar. Sanft waren die sieben Hügel geschwungen, an deren Busen und Tälern sich die ewige Stadt heran schmiegte. Das Meer aus römischen Dächern, umrahmt von einer respektablen Mauer, zeigte einen anmutenden Reiz, den die stickige Stadt bei näherer Betrachtung nicht mehr offenbaren konnte. Immer mehr Lichter tauchten wie die ersten Sterne am Abendhimmel auf als die letzten Strahlen der Sonne im Westen versanken und nur noch eine schwache Röte über die Stadt ausbreitete. Prunkvolle Tempel ragten aus den zahlreich grau nuancierten Dächern hervor, das flavische Theater, der große Circus Maximus, aber auch Aventinbauten neben denen des Palatin und Kapitol. Umhüllt wurde die Stadt von einigen Wäldern, Landschaften die von Menschenhand geschaffen waren, das silberblaue Band, nun wie der Streifen eines Trauerflors, des Tiber schlängelte sich mitten durch die Urbs Aeternae und der Geruch nach dem sumpfigen Morast, der Rom umgab und durchdrang war auf dem Hügel, auf dem die Sänfte verharrte, kaum zu erahnen. Es schien sogar, dass der Geruch des fernen Meeres schon an die Nase von Quintus Tullius stieg, der, in Toga und flavischer Tunica gekleidet, auf dem weichen Polster der edlen Sänfte lag, deren schwarzes Holz das große flavische Wappen aufwies und noch einen weiteren flavischen Schatz, neben dem Gold, was Tullius in der Villa erbeutet hatte, trug, die junge Flavia Leontia, die Quintus Tullius zu entführen gedachte als Wolf, der sich die Tarnung des Schafes Gracchus zu Eigen gemacht hatte. Noch einen Atemzug hielt Tullius den Vorhang offen, der ihm Rom zeigte und er schien nach der Villa Flavia zu suchen. Zu keinem Zeitpunkt hatte Tullius gezögert, als er die Villa verlassen hatte, eine Nachricht seinem Amicus hatte zukommen lassen, damit jener sich um die Aussetzung von seinem Bruder, Manius Flavius Gracchus, kümmern würde und sich ihnen dann in Ostia anschließen würde. Tullius hoffte darauf, dass in den Händen seiner parthischen Freundes alles gelingen würde und das Spiel weiter seinen Lauf gehen konnte. Es wäre wahrhaft deplorabel gewesen, wenn Gracchus durch einen Berglöwen oder einen Wegelagerer umkam und Tullius somit das Vergnügen genommen wurde, dies selber zu tun oder wenigstens Gracchus in den Abgrund zu führen. Warum Tullius das wollte, dessen war er sich im Augenblick selber nicht im Klaren, doch dass er es so wünschte, war ihm völlig eindeutig im Geiste und Sinne. Seine Hand ließ den Vorhang erneut herab fallen.
„Wir ziehen weiter.“
Die Sklaven trabten über die Strasse, ihre Sandalen klapperten auf den Pflastersteinen der Via Appia, die der direkte Weg nach Ostia war und sie an den zahlreichen Grabbauten vorbeiführte. Große Steine prangten am Rande der Straße, auf einigen waren die Namen der verstorbenen Familienangehörigen zu sehen. Wie boshafte Augen starrten ihnen einige Lichter entgegen, die neben den Grabmählern aufgestellt worden waren und von fleißigen Sklavenhänden entzündet waren. Die Grillen zirpten am Wegesrand in den späten Abendstunden, die Bäume warfen ihre im letzten Licht schwindenden Schatten auf die so sorgfälgit gebaute Straße, die vorbeiziehende Sänfte und das Gepäck der beiden Flavier, so es Leontia vorgegauckelt werden sollte. In einer der Kisten ruhte das Geld, was Tullius seinem Bruder geraubt hatte, es jedoch nicht als entwendet, sondern als sein rechtmäßigen Anteil seines Erbes, seines gestohlenen Familienrechtes ansah. In der anderen Kiste ruhten einige Schriftrollen, die Tullius aus der Bibliothek der Villa Flavia mitgenommen hatte, um seinem Amicus, Dardarshi, eine infinitesimale Freude zu bereiten, gleichwohl auch seinen Bruder weiter zu sekkieren. Ansonsten hatte Tullius nur einige Gewänder seines Ebenbildes mitgenommen, um für Leontia weiterhin den Anschein zu wecken, er wäre Gracchus und nicht der, der er wirklich war, der Pirat und nur das zweite Abbild von dem, den sie zu begleiten gedachte. Die Sänfte trabte an einer Weggabelung vorbei, die hinauf zu einer kleinen vornehmen Villa führte und deren Weg von Zypressen und einigen goldenen Weizenfeldern gesäumt wurde. Das Grundstück des vornehmen Nobilitas war mit einer Mauer umsäumt, zu deren Füßen sich weiter die Via Appia entlang streckte. Die Bäume wurden dichter, die Bauten und Häuser spärlicher. Das runde und große Grabmahl der Caecilier Metellus erschien in Sichtweite und auch dieses passierte die Sänfte. Das Schaukeln der Sänfte mutete für Quintus Tullius wie das Wiegen der Wellen an, nur das holprige Traben der Sklaven irritierte ihn immer mal wieder marginal, wobei in ihm die Frage aufkam, ob Gracchus unter der Seekrankheit zu leiden hatte, wenn er den Fuß auf ein Schiff setzte und Tullius somit etwas vorgaukeln musste, was er nicht verspürte, es sei denn Leontia war sich dessen Makel bei Gracchus nicht bewusst. Am Liebsten hätte Tullius schweigend die Reise verbracht, in Gedanken bei seinen Plänen, doch in der kurzen Zeit, der er Gracchus' Gesellschaft hatte teilen dürfen, müssen und können, war ihm bewusst geworden, dass Gracchus gerne und ausgiebig das Wort an sein Gegenüber wandte, und so Tullius nicht schon vor der Ankunft in Ägypten enttarnt werden wollte, musste er wohl die lästige Angewohnheiten seines Bruders übernehmen.
„Unzweifelhaft werden wir ein zumutbares Gefährt für den weiteren Weg auf hoher See eruieren können. Wenn ich auch bekennen muss, dass ich sehr bewegt bin von der Vorstellung, bald das Land der größten Bibliothek der Welt betreten zu dürfen. Zudem versicherte man mir, dass Aegyptus noch viele weitere Reize offerieren soll. Du bist Dir doch noch sicher, dass wir diesen Schritt auch wagen sollen, Leontia?“
„Wir ziehen weiter.“
Die Sklaven trabten über die Strasse, ihre Sandalen klapperten auf den Pflastersteinen der Via Appia, die der direkte Weg nach Ostia war und sie an den zahlreichen Grabbauten vorbeiführte. Große Steine prangten am Rande der Straße, auf einigen waren die Namen der verstorbenen Familienangehörigen zu sehen. Wie boshafte Augen starrten ihnen einige Lichter entgegen, die neben den Grabmählern aufgestellt worden waren und von fleißigen Sklavenhänden entzündet waren. Die Grillen zirpten am Wegesrand in den späten Abendstunden, die Bäume warfen ihre im letzten Licht schwindenden Schatten auf die so sorgfälgit gebaute Straße, die vorbeiziehende Sänfte und das Gepäck der beiden Flavier, so es Leontia vorgegauckelt werden sollte. In einer der Kisten ruhte das Geld, was Tullius seinem Bruder geraubt hatte, es jedoch nicht als entwendet, sondern als sein rechtmäßigen Anteil seines Erbes, seines gestohlenen Familienrechtes ansah. In der anderen Kiste ruhten einige Schriftrollen, die Tullius aus der Bibliothek der Villa Flavia mitgenommen hatte, um seinem Amicus, Dardarshi, eine infinitesimale Freude zu bereiten, gleichwohl auch seinen Bruder weiter zu sekkieren. Ansonsten hatte Tullius nur einige Gewänder seines Ebenbildes mitgenommen, um für Leontia weiterhin den Anschein zu wecken, er wäre Gracchus und nicht der, der er wirklich war, der Pirat und nur das zweite Abbild von dem, den sie zu begleiten gedachte. Die Sänfte trabte an einer Weggabelung vorbei, die hinauf zu einer kleinen vornehmen Villa führte und deren Weg von Zypressen und einigen goldenen Weizenfeldern gesäumt wurde. Das Grundstück des vornehmen Nobilitas war mit einer Mauer umsäumt, zu deren Füßen sich weiter die Via Appia entlang streckte. Die Bäume wurden dichter, die Bauten und Häuser spärlicher. Das runde und große Grabmahl der Caecilier Metellus erschien in Sichtweite und auch dieses passierte die Sänfte. Das Schaukeln der Sänfte mutete für Quintus Tullius wie das Wiegen der Wellen an, nur das holprige Traben der Sklaven irritierte ihn immer mal wieder marginal, wobei in ihm die Frage aufkam, ob Gracchus unter der Seekrankheit zu leiden hatte, wenn er den Fuß auf ein Schiff setzte und Tullius somit etwas vorgaukeln musste, was er nicht verspürte, es sei denn Leontia war sich dessen Makel bei Gracchus nicht bewusst. Am Liebsten hätte Tullius schweigend die Reise verbracht, in Gedanken bei seinen Plänen, doch in der kurzen Zeit, der er Gracchus' Gesellschaft hatte teilen dürfen, müssen und können, war ihm bewusst geworden, dass Gracchus gerne und ausgiebig das Wort an sein Gegenüber wandte, und so Tullius nicht schon vor der Ankunft in Ägypten enttarnt werden wollte, musste er wohl die lästige Angewohnheiten seines Bruders übernehmen.
„Unzweifelhaft werden wir ein zumutbares Gefährt für den weiteren Weg auf hoher See eruieren können. Wenn ich auch bekennen muss, dass ich sehr bewegt bin von der Vorstellung, bald das Land der größten Bibliothek der Welt betreten zu dürfen. Zudem versicherte man mir, dass Aegyptus noch viele weitere Reize offerieren soll. Du bist Dir doch noch sicher, dass wir diesen Schritt auch wagen sollen, Leontia?“