Officium des Tresvir Capitalis

Caius Flavius Aquilius
"Meldung machen ..." wiederholte ich mit einem leisen Schmunzeln auf den Lippen. Ja, es klang einfach, aber ohne einen konkreten Namen hieß das, alle zu verdächtigen, wenn sich womöglich nur ein einziger schuldig gemacht hatte, und das entsprach nicht ganz meinem Geschmack.
"Da ich in den nächsten Tagen ohnehin in die castra vigilum gehen werde, werde ich das Thema zum geeigneten Zeitpunkt mit ansprechen, und vielleicht hat der praefectus ebenso eine Idee, wie man am geschicktesten vorgehen kann, um den Christen herauszufinden, er dürfte seine Männer besser kennen als wir dies tun." Zumindest sollte es so sein, die vigiles waren zu wichtig für Rom, um irgendwelche Zweifel und mögliche Zwischenfälle in Kauf nehmen zu wollen. Hatten die Christen nicht schon einmal Rom angezündet? Würde man bei den vigiles auch nur einen Löschtrupp aufwiegeln, konnte das katastrophale Folgen haben. Da waren sie schon, die Sorgen um die Stadt, die sich bisher in vielem hatten bequem vermeiden lassen, aber letztendlich war es wohl die Aufgabe eines magistratus, auch solchen Sorgen die Türe zu öffnen, so unwillkommen sie auch sein mochten.
Cnaeus Flavius Lucanus
Ich mache mir eine entsprechende Notiz, damit die Sache nicht irgendwo zwischen dem täglichen Einerlei verschüttet wird. Warum mich diese Christen so interessieren, habe ich mich schonmal gefragt? Faszinieren sie mich? Dieser bewußte Verzicht auf Verstand und Logik? Die glauben zwar offenbar auch an einen einzigen Gott, wie die Judäer und die meisten Philosophen, und dazu noch an einen Heros, der aber blödsinnigerweise zu Tode verurteilt worden war, was aber nicht viel genützt hat, denn der ist unsterblich. Lebt noch irgendwo, oder ist schon auf die Insel Elysium enthoben worden.

"Gut", bestätige ich die Entscheidung meines Onkels mit einem Nicken.

"Und jetzt? Was hatten wir eigentlich vor?" Außer auf die Mittagspause warten und sich mit Akten bis dahin die Zeit zu vertreiben. cool
Caius Flavius Aquilius
"Jetzt ... hmm ... nun, ich denke, wir sollten uns auf die anstehende Kerkerinspektion vorbereiten, so gut wir können, und das bedeutet, ein paar mehr Akten durchgehen und schauen, was meine Amtsvorgänger uns da Schönes hinterlassen haben," meinte ich, und seltsamerweise schien mir die Aussicht auf ein paar verstaubte Akten irgendwie angenehmer als jeder weitere Denunziant, der mit seiner schmierigen Art nicht nur meine Geduld strapazierte, sondern auch noch Rom und mein officium beschmutzte. "Lass uns in die Archive gehen und die entsprechenden Schriftstücke heraussuchen, vielleicht finden wir ja etwas Brauchbares. Wirklich große Freunde des Schreibens waren meine Amtsvorgänger ganz offensichtlich nicht, wenn man die anderen Akten so betrachtet, aber vielleicht haben wir ja Glück. Warst Du schon einmal in einem solchen Verlies?" Nicht dass ich das ernsthaft erwartet hätte, mein Neffe war zu wohlerzogen, um aus eigenem Verschulden an einem solchen Ort zu landen, aber die meisten Jungen waren doch meist neugieriger als klug, vielleicht war er einmal mit einem Freund an Verliesen herumgestreunt.
Cnaeus Flavius Lucanus
Akten, wie schön. Eine ruhige Tätigkeit im Sitzen, bei der der Kopf sich langsam vom Hals her mit staubigen Buchstaben anfüllt, bis die ersten zu den Ohren herauspurzeln. Aber ich bin ja scriba, was zweifellos richtig mit "Schreiber" übersetzt werden muß. Ein Schreiber, der nicht schreibt, undsoweiter.

"Nun gut", seufze ich leicht, gehe zu einem der Regale und hole eine cista mit Aktenrollen herunter. Die stelle ich in die Schreibtischmitte und setze mich davor. Ich nehme die erste Rolle heraus und knote sie gerade auf.

"Wie? Oh, nein, in Flaviobriga werden die Verbrecher gleich abgeurteilt, meistens Prügelstrafen oder Pranger; Verstümmelungen oder Todesstrafe schaden auch dem Ort, weil die Arbeitskraft ja beeinträchtigt ist oder ganz fehlt. Ein Mord oder sowas kam auch nie vor. Ich zupfe weiter an dem Band. Irgendein Vollkoffer hat einen dreifachen Knoten hineingemacht.

"Aber ich kanns mir vorstellen, manchmal haben Sklavenschiffe aus Nordgallien oder Britannien einen Zwischenhalt bei uns gemacht, wie's unter Deck aussah, war wirklich grauslig. Hat von unten her aufs Deck hoch ziemlich gestunken und Tote haben sie auch immer dagelassen.
Manius Tiberius Durus
Ein Scriba stürmte herein und überbrachte einen Brief vom Praetor Urbanus.

   
Tresviri Capitales - Hauspost

EPISTVLA PRÆTORIS VRBANI
PRIDIE ID FEB DCCCLVIII A.U.C.
(12.2.2008/105 n.Chr.)


Praetor Urbanus M' Tiberius Durus Tresviro Capitali s.d.

Ich weiße das Collegium der Tresviri Capitales an, das Urteil des IUD IMP I/DCCCLVIII umgehend zu vollstrecken.

Der Delinquent ist im Carcer der Cohortes Urbanae abzuholen und den zuständigen Spielgebern zu überlassen.



gez.

M' Tiberius Durus




Sim-Off: Falls du Lust hast, das ganze selbst bisschen zu schreiben, wärs gut - wenn nicht, übernehm ich das und du musst nur deine Aufgaben simmen. Evtl. kannst du dich auch mit Finn Kylian absprechen...
Cnaeus Flavius Lucanus
"Na, nu' man nicht so schnell mit den jungen Hunden" sage ich zu dem Windhund, der da herumpoltert. Häät' ich doch beinahe meinen warmen Morgentrunk verschüttet ... "Gut, danke. Bis dann mal wieder!"

Ich lese mir, nachdem ich von einem Schmalzkringel abgebissen habe, in Ruhe das Papierchen durch. Eine Vollstreckungsepistel ... uhu ... nur was da an wem vollstreckt werden soll, steht natürlich nicht drin. Nur die Geschäftsziffer "IUD IMP I/DCCCLVIII". Na, bravo. Wahrscheinlich soll der Delinquent mit Marmelade übergossen und dann von Schleckermäulchen zu Tode geleckt werden oder.

Ächzend und stöhnend, mein Alter!, erhebe ich mich und schlurfe ins Archiv, um anhand der Nummer überhaupt erstmal herauszufinden, worum's denn geht. Bis Onkel Zwo im Büro ist, bin ich hoffentlich zurück.
Cnaeus Flavius Lucanus
Gerade im Tabularium eingelangt, die Tinte ist offensichtlich noch frisch. Ja das ist der seltsame Prozeß mit dem noch seltsameren Urteil:

   

IUDICIUM IMPERIALIS
IUDICATIO
IUD IMP I/DCCCLVIII

MIT WIRKUNG VOM
ANTE DIEM VIII ID FEB DCCCLVIII A.U.C. (6.2.2008/105 n.Chr.)

IM STRAFVERFAHREN
Imperium Romanum
gegen
Finn Kylian
vom ANTE DIEM VI ID IAN DCCCLVIII A.U.C. (8.1.2008/105 n.Chr.)

HAT DAS IUDICIUM IMPERIALIS DURCH

Iudex Prior Praetor Urbanus Manius Tiberius Durus
- in Vertretung des Imperator Caesar Augustus -

Iudex Medicus Germanicus Avarus
Iudex Gaius Octavius Victor


NACH MÜNDLICHER VERHANDLUNG FÜR RECHT ERKANNT:

Der Angeklagte wird der Anklage gemäss § 73, 47 I, 48 I Versuchter Mord, § 79 Freiheitsentziehung, § 80 erpresserischer Menschenraub und § 81 CodIur Nötigung und Bedrohung für schuldig befunden.

Das Gericht verurteilt den Angeklagten hiermit zum Tode ad bestias.

ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE:

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Beklagte die Bürgerin Octavia Paulina entführt und zum Zweck des rituellen Mordes auf qualvolle Weise gefangen gehalten hat. Daher stellt das Gericht eine besondere Schwere des Deliktes fest.
Diesen Tatbestand hat der Beklagte durch ein Geständnis vor dem Praefectus Urbi abgelegt.
Da er von dieser Absicht nicht aus freien Stücken abgerückt ist, sondern die Durchführung der Tat nur durch den Einsatz einer Dritten verhindert werden konnte, erkennt das Gericht keinerlei strafmildernde Umstände an.


RECHTSMITTELBELEHRUNG:

Gegen dieses Urteil kann gemäß § 42 Abs. 4 des Codex Iuridicalis keine Berufung eingelegt werden. Das Urteil ist unverzüglich zu vollstrecken.






Ad bestias - wie ekelhaft. Da wird aus dem Schicksal eines Irren noch ein Spaß fürs Volk gemacht. Und für die Tiere ist's auch kein Vergnügen, so wenig dran an dem Kerl ist. Vielleicht ist sein Tod ja auch eine Erlösung für seinen Geist, der an diesen Körper gefesselt ist. Aber auf diese Weise? Warum nicht ... ich seufze, und hoffe, daß mein Onkel bald kommt, sonst muß ich selbst mit einem anderen IIIvir los ins Gefängnis.
Caius Flavius Aquilius
Der Morgen hatte unangenehm begonnen und wahrscheinlich würde der Tag genau so weitergehen - meine clientes hatten mich länger als gedacht aufgehalten, und als ich die morgendliche salutatio endlich hatte abschließen können, hatte ich eine deutliche Verspätung im Gepäck, und nicht die beste Laune. Natürlich war es meine Aufgabe, mich um die Belange jener zu kümmern, die mich um ihren Schutz baten - aber es war weder praktisch noch hilfreich, während der Bekleidung eines Atmes zu lange von der notwendigen Anwesenheit im officium abgehalten zu werden. Als ich den Raum endlich betrat, befand sich bereits Lucanus dort - und er hatte ein Schriftstück in der Hand, das selbst aus der Entfernung geradezu nach offiziellem Problemfall stank.

"Salve, Lucanus," grüßte ich meinen Neffen, schritt herein, warf die Tür hinter mir zu und ging sogleich auf ihn zu, um einen Blick auf das Pergament zu werfen - eine Verurteilung, von genau jenem Gefangenen, den wir bereits im Kerker besucht hatten. "Ad bestias, na das wird ja ein ganz besonderes Vergnügen," bemerkte ich trocken und schüttelte den Kopf. "Barbarisch, aber was will man machen. Sie haben gerade recht kräftige Löwen im circus maximus, das sollten wir ausnutzen, die Leute sind geradezu verrückt nach Löwen."
Cnaeus Flavius Lucanus
"Guten Morgen" erwidere ich mit einem abwesenden Gesicht seinen Gruß. Ich ringe mir ein Lächeln ab. Damit Onkel Aquilius besser lesen kann, halte ich die Papiere in seine Richtung.

"Nicht sonderlich erquickend" wage ich vorsichtig einen Kommentar. "Der Typ war vor Gericht völlig durchgedreht, sabberte und blökte herum wie ein kompletter Irrsinniger. Und jetzt soll er Teil dieses Schauspiels werden. So, wie Fynn Kilian sich verhalten hat, kriegt der doch nichits mit, das ist alles nur entwürdigend." Mene Nüstern blähen sich.

"Kann man nicht eine Eingabe machen, die Strafe umzuwandeln? Irgendetwas Kurzes, Schmerzloses, etwas Menschenwürdiges?"
Caius Flavius Aquilius
"Wenn die Richter nach Blut und einem Schauspiel gieren, dann können wir nichts mehr daran ändern, ich muss mich nur um eine Vollstreckung kümmern," antwortete ich sinnierend und atmete tief ein. Das war nun wirklich nicht die Art von Urteil, auf die man als tresvir capitalis lauerte, und es war auch eher unüblich, dass ein Mann, der nicht gemordet hatte, sondern dies nur geplant hatte, den Tieren vorgeworfen wurde - wahrscheinlich war die entführte Frau hübsch oder mit einem der Richter verwandt, und es war deswegen ein so harsches Urteil geworden.
"Die Löwen sind recht kräftig, wenn ich sie recht in Erinnerung habe, sie werden kurzen Prozess mit diesem Verrückten machen - das ist die einzige menschenwürdige Abmilderung, die wir in einem solchen Fall hinbekommen können, ohne uns komplett lächerlich zu machen. Letztendlich scheint mir hier eher ein Gefühl nach Rache befriedigt zu werden denn nach Gerechtigkeit, aber es liegt nicht an uns, das zu beurteilen. Wir sind nur diejenigen, die sich darum kümmern, dem Willen der Richter und des Volks zu entsprechen und das römische Volk ist immer für derlei Hatzen zu haben."
Cnaeus Flavius Lucanus
Onkel Aqulius sieht nicht so aus, als sei er heute mit dem richtigen Bein aufgestanden. Oder ist er überhaupt schon wach? Hallo? Ist da jemand in dem Schädel zu Hause? So kenne ich meinen Onkel ja nicht.

Ich grunze leicht, ein Bart täte jetzt helfen, aber ich muß mich immernoch nicht richtig rasieren, es ist eine Schande. "Und warum sollte man nicht mit Hinweis auf seinen Geisteszustand das Urteil umwandeln können? Kann man nicht irgendwen um Gnade bitten? Kilian soll ja nicht freikommen und eine corona civica und einen Platz im Athener Prytaneion erhalten ..." Warum - bitte - soll das jemand nicht beurteilen dürfen, ob das unmenschlich und unwürdig ist?

"Außerdem, wenn Du dabeigewesen wärst - ich habe mir das Schauspiel angetan: das Verfahren war eine Farce, der Verteidiger hat nicht verteidigt, es gab keine ordentliche Beweisaufnahme, das Geständnis wurde nicht vergelesen, die Umstände, der mögliche religiöse Hintergrund nicht berücksichtigt." Der ganze Ärger kommt mir hoch wie verdorbener Puls.

"Und verurteilt ist Kilian wegen Mord, da: § 73 und wegen versuchtem Mord, § 47, was denn nun? Er hat sein Opfer nicht getötet, außerdem steht nicht fest, wie lange er sie festgehalten hat. 'Einige Tage' hieß es. Vielleicht ist der Iudex Imperialis überhaupt nicht zuständig, sondern nur der Iudex Maior. Getagt haben sie außerdem in der Basilica Ulpia, nicht auf dem Palatin, wo das Gericht ordnungsgemäß tagt. Das ganze stinkt gewaltig."

Tief durchatmen, nicht so schnell und hektisch. Ich versuche mich zu beruhigen. "Tutmirleid, aber ich finde das wirklich ungerecht und völlig falsch, was da passiert. Das ist unrömisch und unehrenhaft."


edit:/versuchtem Mord, § 79 <> versuchtem Mord, § 47
Caius Flavius Aquilius
Er blickte mich scharf von der Seite an, wahrscheinlich sah ich genauso müde aus, wie ich mich derzeit fühlte - und so zwang ich eine Art Lächeln auf meine Lippen und etwas Wachheit in meinen blick, so gut ich es eben an einem Tag vermochte, der gleich mit einer solchen Botschaft aufzuwarten hatte. Konnte man Urteilsschriften mit der Begründung 'grober Unfug' zurückschicken? Allerdings war mir recht klar, dass dies eine utopische Hoffnung war, und je mehr sich Lucanus ärgerte, desto mehr tat es mir leid, dass es an diesem Urteil nichts mehr zu ändern gab.
"Der einzige, der ihn vielleicht noch begnadigen könnte, ist der Kaiser - und der ist bekanntlich tot. Nein, Lucanus, finde Dich damit ab, dass Recht selten etwas mit richtig oder Gerechtigkeit zu tun hat. Man wollte diesen Mann verurteilen, man hat ihn verurteilt, und wenn sich während des Prozesses kein hochrangiger Mann gefunden hat, der sich auf seine Seite zu stellen imstande war, dann gibt es für diesen Mann keinen Ausweg mehr als den Tod. Glaube mir, wenn sie ihn wirklich nach dem falschen Paragraphen verurteilt haben und niemand Einspruch erhoben hat, gibt es auch keinen Ausweg mehr - solche Urteile kommen immer mal wieder vor."

Ich blickte abermals auf das Edikt herunter und schüttelte dann den Kopf. "Ja, die Sache stinkt, wie so vieles in Rom, und es stinkt mir noch mehr, dass ich diesen Blödsinn mitmachen muss - aber es gibt meines Erachtens nach keinen Weg daran vorbei, auch wenn wir das noch so gerne würden. Man will diesen Mann tot sehen und schätzungsweise hat er sich Feinde gemacht, die schlichtweg am längeren Hebel sitzen als er ... Du hast ihn doch gesehen, diesen Kylian. Kam er Dir vor wie ein normaler Mensch? Mir nicht - und würde er jetzt in irgendeiner Form davon kommen, hast Du keine Gewähr, dass er es nicht noch einmal tut und dann vielleicht eine Frau aus unserer Familie erwischt." Damit war für mich jedenfalls das letzte Wort gesprochen, auch wenn mir die Sache nicht behagte - zu prominente Namen waren die der Richter, zu unbedeutend im Grunde der Gefangene. Ich würde diese Angelegenheit im Auge behalten müssen. "Kümmern wir uns um die Modalitäten, das Volk soll seine Hinrichtung bekommen."
Cnaeus Flavius Lucanus
"Onkel ..." Langsam verzweifle ich doch. Erwachsene! Wo ist ihr Verstand? Wo ihr Herz? Ich schüttele den Kopf. Mach' doch Deinen Dreck alleine, ist doch wahr. Hast Du mir überhaupt zugehört? Wenn das anhält, schreibe ich eine dissertatio über "morbus Aquilius" oder soll ich diesen fortschreitenden geistigen Verfall als "morbus Lucanus sive Aquili" in die Geschichte der Medizin eingehen lassen?

Ich trete gegen ein imaginäres Knie, wäre ich anders veranlagt, würde ich auf den Sklavenmarkt rennen, mir einen Prügelknaben kaufen und den nach Strich und Faden verdreschen. Ah!

Da mach' ich nicht mit, da kannste G- Wie? Hm. "Ja, Onkel Aquilius, kümmern wir uns um die Modalitäten."
Caius Flavius Aquilius
Es war ein Einspruch, und ich hätte mich wohl auch gewundert, wenn er nicht gekommen wäre - aber ich konnte dazu nichts anderes tun als den Kopf zu schütteln. In seinem Alter hätte ich wohl auch zu kämpfen versucht, versucht, Einspruch zu erheben, irgend etwas zu tun, um dieses krude Urteil zumindest anzufechten und mich sicherlich auch mit Vergnügen bis auf die Knochen deswegen blamiert, aber die vergangenen Jahre hatten mich anderes gelehrt. Vor allem auch, dass bestimmte Dinge nicht zu ändern waren.
"Willkommen in der Wirklichkeit, Neffe. Sie tut einem leider nur selten den Gefallen, so auszusehen, wie man sie gerne hätte oder wie sie aussehen sollte - und man muss dennoch damit leben."

Vielleicht hätte ein anderer, besserer Mann als ich anders entschieden, versucht, für diesen Kylian noch etwas zu tun, aber ich entsann mich sehr deutlich des Gefühls, das mich bei ihm im Kerker beschlichen hatte, jener Kälte, dieser unguten Vorahnung, und tief in meinem Herzen konnte ich das krude Urteil nachempfinden. Wenn es nur einem der Richter ebenso gegangen war wie mir mit diesem Kerl, dann war es nachvollziehbar, dass man ihn lieber tot sah. Und so begannen wir uns um die Vorbereitung der Hinrichtung in einem der nahen Amphitheater zu kümmern, wie es mir aufgetragen worden war...
Marcus Decimus Flavus
Da sich die Zeit zwischen Wahl und Vereidigung der neuen Magistrate etwas in die Länge gezogen hatte, waren seine Vorgänger bereits nicht mehr im Amt und so gab es so gut wie keine Übergabe. Lediglich die Scriba, die hier schon so manchen Vigintivir ein und ausgehen gesehen hatten, konnten dem jungen Decimer beim Einarbeiten behilflich sein.

Als er zum ersten Mal sein neuen Officium betrat, dass in den heiligen Hallen der Basilica Ulpia zu finden war, wurde ihm zum ersten Mal richtig bewusst, dass er nun ein gewählter Magistrat des römischen Volkes war und dieses Büro nun sein erster richtiger Arbeitsplatz. Ein Hochgefühl überkam ihn und obwohl er vollkommen alleine war, konnte er es sich nicht verkneifen erfreut zu Lächeln. Dieses Lächeln verging in jedoch schnell wieder, als sein Blick auf den Schreibtisch viel, der in der Mitte des Raumes stand. Er war über und über mit Akten und Schriftrollen belegt und bereits jetzt hatte der junge Decimer das Gefühl, dass hier einiges an Arbeit auf ihn warten würde. Er seufzte kurz und ging dann hinter seinen Schreibtisch, der für seine Amtszeit wohl das wichtigste Arbeitsutensil war. Nach und nach begann er sich durch die Akten durchzuwühlen, sie zu sortieren und sie auch teilweise zu lesen.