Gaius Prudentius Commodus
Cubiculum II
Die Gemächer der Hausherrin
Das Cubiculum der Hausherrin befindet sich,
wie alle übrigen Cubiculi im Obergeschoss der
Casa. Das Cubiculum besteht aus einem grösseren
Aufenthaltsraum und zwei kleineren,
abgetrennten Schlafzimmern. Es befindet sich
an der Rückseite des Hauses oberhalb des
Peristyliums und durch eine nur halbhohe
Wand öffnet sich das grössere Zimmer
der Zimmerflucht zu einem Balkon über den
Peristylgarten. Bei schlechtem Wetter kann die
halbhohe Wand durch schwere Vorhänge
oder Korbflechtwände komplett geschlossen werden.
Mhorbaine
Mehrere Sklaven betraten das Cubiculum, dass normalerweise Gästen der Familie zur Verfügung stand, und begann unverzüglich damit, die drei Zimmer wohnbar zu machen. Da sie bei den wöchentlichen Putzaktionen des Haushaltes wenigstens grob gereinigt wurden, würde die Aktion jetzt nicht sehr lange dauern.
Während eine junge Sklavin im ersten Schlafzimmer verschwand um dort das Bett zu überprüfen und gegebenenfalls neu herzurichten, machten sich zwei grosse Sklaven daran, die schweren Vorhänge, die die Sicht vom Balkon hinunter auf den Garten versperrten, zu öffnen. Stück für Stück schoben sie den schweren Stoff beiseite und der Raum wurde kurz darauf vom römischen Licht durchflutet, während ein Schwall warmer Luft hineinströmte.
Die junge Sklavin war indessen mit dem ersten Schlafzimmer fertig und wechselte nun in das andere hinüber. Auch hier würde sie das Bett überprüfen und gegebenenfalls neu herrichten.
Eine ältere Sklavin war in der Zwischenzeit damit beschäftigt, einen Tisch im Wohnraum feucht abzuwischen, auf dem sich in der langen Zeit der Nichtnutzung eine Staubschicht gebildet hatte.
Es dauerte insgesamt vielleicht eine Viertel Stunde bis die Sklaven den Raum wieder verliessen und dieser bezugsfertig war. Jetzt musste nur noch der Maiordomus informiert werden und der neue Bewohner konnte einziehen.
Titus Prudentius Antoninus
Die Sklavin führte Antoninus in das Cubiculum. Als sie das Zimmer verließ, verstaute Antoninus seine wenigen Habseligkeiten aus seinem Beutel und setzte sich aufs Bett. Er freute sich, das sein Vetter ihn so freundlich aufgenommen hat und spürte ihm gegenüber eine tiefe Dankbarkeit.
Antoninus gähnte. So viele Eindrücke und Erfahrungen an einem Tag waren anstrengend. Langsam stand er auf und schaute sich im Cubiculum um. Es war sehr großzügig eingerichtet und war für Antoninus' Begriffe sehr komfortabel.
Als sich sein Bauch mit einem Grummeln bemerkbar machte, war er unschlüssig. Wurde ein Sklave geschickt, um ihn zum Essen zu holen, oder konnte er sich selbstständig auf den Weg in das Tablinum machen? Er entschied sich selber auf den Weg zu machen und öffnete die Tür.
Gaius Prudentius Commodus
Titus Prudentius Antoninus
Als Antoninus nach dem Essen im Triclinium sein Cubiculum betrat, war er hundemüde. Ohne sich umzuschauen ging er direkt in das Schlafzimmer und fiel auf seine Schlafstätte. Sofort schlief er tief ein.
Früh am Morgen erwachte er. Antoninus setzte sich auf und ließ den vergangenen Tag Revue passieren, als er sich am Kopf kratzte und kurz lachte. Er stand auf und ging auf den Balkon. Dort atmete er der frische Morgenluft ein und reckte sich genussvoll. Der Morgen versprach einen schönen Tag. Gutgelaunt ging er wieder herein und richtete sich für den Tag her.
Als er angezogen war, bemerkte er die Tabula auf dem Tisch. Nachdem er sie gelesen hatte wurde seine Laune noch besser. Pfeifend verließ er das Cubiculum.
Theodorus von Corinthus
...und traf dort auf mich, der gerade aus seinem cubiculum in Richtung triclinium gehen wollte. Überrascht sah ich den Fremden an und grüßte ihn freundlich. Dann setzte ich meinen Weg fort, sicher würde man anderweitig noch Zeit zum Reden finden. Vorerst war das einzig Relevante mein leerer Magen.
Theodorus von Corinthus
Die Sklavin ging die Gänge ab und rief Antonius und Drusilla in die Adedis.
Titus Prudentius Antoninus
Antoninus legte die Papyrii weg die er gerade gelesen hatte. Nanu? Hoffentlich nichts ernstes?, dachte er. Stirnrunzelnd verließ er das Cubiculum.
Titus Prudentius Antoninus
Endlich erreichte Antoninus das Cubiculum. Langsam schloss er die Tür und atmete tief durch. Mit einer Hand fuhr er sich durch die Haare und die ersten Tränen liefen das Gesicht herab. Das war alles zu viel für Antoninus. Vor ein paar Tagen erfuhr er von dem Tod seines Bruders und jetzt ist auch Commodus tot. Er ließ sich auf einen Stuhl fallen und ließ seinen Tränen freien Lauf. Alles kam nun hoch.
Nach einer Weile wischte er sich das Gesicht trocken und seufzte. Es gab noch einiges zu tun. Er stand auf und setzte sich an seinen Schreibtisch. Nachdem er zwei Briefe geschrieben hatte, ließ er Alexandros zu sich kommen.
"Sei so gut und veranlasse das diese beiden Briefe umgehend abgeschickt werden."
Alexandros nickte, nahm die Schriftstücke und verließ das Zimmer. Antoninus stand auf und schaute grübelnd in den Garten.
Titus Prudentius Antoninus
Seufzend saß Antoninus am Nachmittag im Cubiculum. Er hielt den Brief seines ehemaligen Scriba personalis in der Hand. Etwas traurig war er schon, daß Theodorus es in Rom nicht mehr aushalten konnte und abgereist war. Der Grieche war ihm sehr sympathisch geworden, obwohl er etwas geheimnisvolles ausstrahlte.
Es klopfte.
"Herein."
Der Maior Domus öffnete die Tür.
Du hast mich rufen lassen, Herr?
"Ja, Alexandros. Hast Du eine Ahnung, wohin es Theodorus gezogen haben könnte? Hat er irgendetwas erwähnt, als er seine Sachen holte?"
Nun, ich war nicht dabei, aber ich habe von einem Sklaven gehört, daß er nach Aegyptus gehen wollte. Nach Alexandria, um genauer zu sein.
"Ich danke Dir, Alexandros. Das war dann alles."
Der griechische Maior Domus verließ nach einer kurzen Verbeugung das Zimmer und Antoninus holte sein Schreibzeug hervor. Nachdem er den Brief fertig geschrieben hatte, verließ er sein Cubiculum, um Alexandros zu bitten den Brief abzuschicken.
Titus Prudentius Antoninus
Nach einem weiteren harten Arbeitstag kam Antoninus endlich in der Casa an. Ohne Umweg ging er in sein Cubiculum. Müde setzte er sich hin und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Nach einigen Minuten raffete er sich auf und verieß den Raum.