Ofella war ja schon ein wenig stolz auf sich, dass sie - obschon sie zugegebenermaßen etwas Hüftspeck angesetzt hatte und ihre Rundungen voller erschienen als vor der Geburt Brutus' - ihren Gatten in der Art bezirzen konnte, wie sie es nun tat. Dazu bedurfte es nur ein wenig ausgesuchter Schminke und dieses erlesenen Stoffes, der sich wie Wasser an Ofellas Haut schmiegte und ihre kleinen Problemzönchen verdeckte (besonders die Oberschenkel, denn darin hatte Fiona nicht ganz Unrecht, wenn sie behauptete, ihre Herren litt an Cellulite).
Die Claudierin wusste zwar um die Vorliebe ihres Gatten, schnell den Sieg zu erlangen - und zwar auf ganzer Linie - doch so leicht geschlagen gab sie sich nicht, das verbot ihre Natur von ganz allein und eigentlich hätte dies Menecrates bewusst sein müssen. Aber im Eifer des Gefechts war ihm diese Kleinigkeit wohl irgendwie abhanden gekommen. Jedenfalls würde er noch auf Widerstand stoßen. Ein erstes Reißen des dünnen, erlesenen Stoffes ließ Ofellas Augen aufspringen und ihren Gemahl entsetzt ansehen, noch während sie ihn küsste. Beim zweiten Ratschen versteifte sich Ofellas Körper und sie trennte sich von ihm, um die Lippen zum Sprechen gebrauchen zu können.
"Herius, ich..." begann sie entrüstet, wurde aber von dem dritten Reißen unterbrochen, auf das unweigerlich das Zubodengleiten des zarten Stoffes folgte. Etwas wehmütig sah Ofella an sich hinab auf den runierten Stoff.
"...tylusische Seide..." bemerkte sie wehmütig.
Doch viel Zeit zum Trauern blieb ihr nicht, denn Menecrates strich verlangend über ihren Rückn und nahm anschließend ihre Hand fort. Er schien sich nicht entscheiden zu können, wohin damit, und Ofella war kurz davor, ihm diese Entscheidung abzunehmen und ihm die Falten seiner
toga von der Schulter zu schubsen, als sie feststellte, dass er eine
tunica trug. Das war aber auch gar nicht weiter wichtig, denn er führte sie nach seinem Gutdünken, und gerade als Ofella sich leicht gelangweilt im Raum umsehen wollte - na sowas, die Decke musste auch mal wieder gestrichen werden! - spürte sie, Menecrates' Begierde
mehr als deutlich. Zwei Sekunden lang hielt sie die Luft an, was aber nicht weiter auffiel, da Menecrates ohnehin für sie beide zusammen zu atmen schien, denn laut genug war er dabei ja.
Ofella, die sich sonst das Zepter nicht aus der Hand nehmen ließ, stand nun vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte sie mitspielen oder ihr wahres Gesicht zeigen? Letzteres würde vermutlich die Geduld ihres Mannes unnötig strapazieren, da sie als Frau bereits von Natur aus etwas mehr Zeit zum Genießen brauchte. Vermutlich würde er ihr aber auch nach der langen Abstinenz weder Genuss bereiten wollen noch es können. Ofelle entschied sich also für das Spiel, denn sie hatte schließlich gewusst, was sie in Rom erwarten würde. Vermutlich würde Menecrates sie nun häufiger aufsuchen, ja vielleicht würde er gar bis zum Morgengrauen bleiben, bis er
andersartigen Hunger verspürte? Bei dem Gedanken, in dieser Nacht keinen Schlaf zu bekommen, fasste die Claudia den Entschluss, möglichst
gut zu spielen. Während ihre Gedanken sich frei umhertrieben, verschaffte sie ihrem Gatten einen ersten Eindruck davon, was ihn noch erwarten würde. Weiter ging sie allerdings nicht, immerhin war sie schon unbekleidet und er hatte ohnehin gern das Zepter in der Hand - obwohl genau das gerade umgekehrt war.