Das Geschüttel hörte auf, was vielleicht daran lag, dass sich Dido nicht mehr dem Griff erwehrte. Denn in jenem Augenblick nahm das Bieten um die Sklavin das junge Mädchen ganz gefangen. Ihr Blick eilte zu dem Aelier, der für Asny bot. Ihre Augen verschmälerten sich und könnten Blicke töten...dann...ja, dann wäre wohl schon längst halb Rom tot nach dem Willen von der kleinen Dido, auf jeden Fall alle lästigen Erwachsenen. Sie presste ihre Lippen aufeinander und schnaubte, doch sie konnte nicht den anderen flavischen Sklaven drängen, schnell höher zu bieten. Nein, sie war immer noch in dem Griff von Lucanus. Die Zahlen sausten um Didos Kopf hinweg und ihr Mund öffnete sich. Sooo viele Sesterces? Das konnte sich die kleine Dido kaum vorstellen, selbst wenn sie in der Villa Flavia in all dem Pracht und Prunk wohnte, der so viel Geld wert war. Didos bescheidene Welt hielt noch einhundert Sesterces für ein wunderbares Vermögen.
„Hannibal...“, krakeelte die kleine Dido, als sie glaubte, der flavische Sklave wäre nun endgültig dem Schweigen verfallen.
„Biete mehr...“, aber ihre Worte wurden von dem aufgeregtem Raunen und erneut ein Gebot übertönt. Dido versuchte sich erneut aus dem Griff zu entwinden.
„Biiiiittte!“, flehte die kleine, aber nicht gerade harmlose Sklavin. Als Dido wieder zur Bühne sah, erkannte sie, dass Asny auf sie zu getreten war. Wenige Schritte nur trennte Dido von Asny und in dem Moment hatte Dido das Gefühl: Das Schicksal wollte ihr erneut einen bösen Streich spielen. Da kam mal ein Mensch, der augenscheinlich Sympathie für die kleine Dido hegte, Hannibal zählte nicht und Serenus war ja weit fort, und dann sollte diese erlesene Person doch woanders hinkommen? Fast wäre Dido versucht, sich zu winden und Lucanus böse in den Handballen zu beißen und mit dem Fuß einen ordentlichen Tritt zwischen seine Beine zu versetzen, aber dann schien es Fortuna doch gut mit der neunjährigen Sklavin zu meinen, denn sie hörte endlich Hannibal wieder bieten und den Sklavenhändler einwilligen. Dido lächelte zufrieden, jetzt würden ihr die Peitschenhiebe von Lucanus auch nichts mehr ausmachen, was natürlich auch mehr theoretischer Natur war.

Hannibal
Fünftausendfünfhundert? Was für eine Zahl! Hannibal ließ das in seinem Kopf zergehen und blinzelte, als er aus dem Rausch heraus trat, der ihn in dem Augenblick erfasst hatte, wo es Schlag auf Schlag ging. Hatte er gerade so viel Geld seines Herrn in weniger als sechshundert Herzschlägen ausgegeben, etwas, wofür sein Herr Wochen arbeitete? Mal abgesehen davon, dass sein Herr nicht auf den Lohn angewiesen war, so wusste Hannibal, dass Aristides durch seine Arbeit bei der Legion einen Sinn für Geld gewonnen hatte. Oder vielleicht doch nicht? Hannibals Mundwinkel verzogen sich nach oben.
Was soll's!?, dachte er sich. Die wenigen Augenblicke, die er die Sklavin hatte beobachten können, zeigten ihm: Jeder Sesterces war wohl angelegt. Womöglich sogar ein Schnäppchen, gute Sklaven wurden sogar noch weit teurer versteigert hier in Rom. Mit einem breiten Lächeln fing Hannibal an in seinem Beutel zu suchen, um das Geschäft abzuschließen. Gerade als Hannibal einen versiegelten Brief hervor zog, der von einem Bankhaus ausgestellt worden war und eine versicherte Auszahlungsurkunde darstellte, hörte Hannibal das Gebot von Cassander. Langsam wanderte Hannibals Augenbraue in die Höhe, und da er schon sein ganzes Leben lang unter den Flavier weilte und lebte, war diese Geste gänzlich flavisch, sogar flavischer als bei seinem eigenen Herrn.
„Zehntausend Sesterces? Mein Freund...“ Hannibal lächelte erst, lachte dann sogar in einem versöhnlichen Tonfall.
„...ich möchte Dich nicht einem derartigen Risiko aussetzen. Eisenstäbe und Peitsche? Stell Dir vor, Du zahlst zehntausend Sesterces für ein Mädchen, was Dein Herr am Ende gar nicht so exotisch findet. Blond ist nicht eine Seltenheit, schau Dir die kleine Dido an. Weizenblond und dabei sogar noch Italikerin!“ Nur zur Hälfte, aber das verschwieg Hannibal geflissentlich. Er grinste schief.
„Ich würde Dir einen schlechten Dienst erweisen. Mein Herr hingegen wird von der Musik begeistert sein und selbst wenn nicht...er wird mir nicht Gram sein. Du weißt ja, umgänglich und unkompliziert. “ Hannibal kramte dabei fleißig weiter in seinem Beutel und zog noch zwei weitere Umschläge hervor, zudem einen Beutel mit Aurei, den er eigentlich für den Sklavenmarkt vorgesehen hatte, der aber eindeutig nicht ausreichte.
„Aber ich zeige Dir gerne den Markt mit den absonderlichsten und exotischsten Sklaven. Ich bin auch auf der Suche nach einer weiteren Sklavin, womöglich.“
Hannibal wandte sich zu dem Sklavenhändler und reichte ihm die Umschläge und den Beutel mit Aurei gefüllt.
„Bares Geld und so gut wie, Händler. Fünftausendfünfhundert!“, die sich der Sklavenhändler von dem größten Bankhaus Roms holen konnte anhand der Dokumente, die Hannibal an den Sklavenhändler überreichte, abgesehen von den gut zweitausend Sesterces in Aureiform. Und somit war es sichergestellt, dass weder Hannibal auf dem Weg zum Sklavenmarkt, noch der Sklavenhändler vom Sklavenmarkt ausgeraubt werden konnte.
„Nehmt der Sklavin die Fesseln ab. Wenn sie so zahm ist, wie Du stets behauptest, Händler, wird es auch keine Probleme bereiten...“ Ansonsten würde Asny nicht weit kommen, in dieser Hinsicht machte sich Hannibal keine Sorgen. Hannibal wandte sich erneut Cassander zu.
„Die Zeiten für Dich als kleiner König der Villa Flavia in Hispania sind leider vorbei, nicht wahr?“, mehr amüsiert als boshaft war der angeschlagene Tonfall. Doch wer gesagt hatte, eine Krähe hackte der Anderen das Auge nicht aus, kannte die flavischen Sklaven wohl schlecht. Wenngleich es Hannibal nicht danach strebte, mehr als kleine rhetorische Dolchstöße zu erwidern.
simoff- überwiesen!
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