Rutger Severus
Es war der Abend des ersten Saturnalientages. Der Germane hatte sich nach einer kurzen Stippvisite abgesetzt, von dem haarsträubend heuchlerischen Fest, das heute in der Villa stattfand, und trat in den Garten hinaus. Er umging die Grüppchen von Gästen, die ebenfalls dort unterwegs waren, und plauderten, frische Luft schnappten oder lustwandelten, zwischen kahlen Rosensträuchern, akkurat gestutzten Hecken und den allgegenwärtigen Statuen von Göttern und Heroen.
Die Luft war kühl, und der Germane fand es nach dem Gedränge im Atrium eine wirkliche Erleichterung wieder reichlich Raum um sich zu haben. Seine Schritte trugen ihn vorbei an einem Fischteich, in dessen Wasser sich die Figur der Athene widerspiegelte. Erhaben, weisschimmernd in der Dämmerung, stand sie auf ihrem Sockel am Rande des Weihers. Da stockte sein Schritt, und sein Blick heftete sich auf jene Statue.
Ein Jahr, genau ein Jahr ist es her...
Langsam trat er näher, wie von unsichtbaren Fäden gezogen. Der Schatten der Athene lag tief und dunkel über dem Sockel, und ganz kurz war es ihm, als würde dieses letzte Jahr zusammenschrumpfen, dieses ruhmlose, quälerische Jahr, als würde es Substanz verlieren, immer mehr, bis es ganz verschwunden war... Er starrte in den Schatten, mit unstetem Blick, als erwarte er jeden Moment, Arrecina dort hervortreten zu sehen. Nichts. Nur ein Zweig wippte, in der abendlichen Brise, und die Binsen am Ufer des Teiches raschelten leise. Natürlich nichts. Ganz nah trat der Germane an die Statue heran. Er schloss die Augen und legte die Stirn gegen den Stein. Die Falten ihres Gewandes waren ganz glatt. Der helle Mamor kühlte seine Stirn. Er atmete langsam ein, stiess dann heftig die Luft aus und löste sich schnell von der Statue.
Beinahe überstürzt wandte er sich ab und verschwand im hinteren Teil des weitläufigen Gartens. Dort, am Rande einer kleinen Wiese, lehnte er sich an den graufleckigen Stamm einer Platane. Seine Finger umschlossen ein Stück Rinde, spielten abwesend damit, während er ruhig wartete. Auf ein Stelldichein der ganz anderen Art.
Die Luft war kühl, und der Germane fand es nach dem Gedränge im Atrium eine wirkliche Erleichterung wieder reichlich Raum um sich zu haben. Seine Schritte trugen ihn vorbei an einem Fischteich, in dessen Wasser sich die Figur der Athene widerspiegelte. Erhaben, weisschimmernd in der Dämmerung, stand sie auf ihrem Sockel am Rande des Weihers. Da stockte sein Schritt, und sein Blick heftete sich auf jene Statue.
Ein Jahr, genau ein Jahr ist es her...
Langsam trat er näher, wie von unsichtbaren Fäden gezogen. Der Schatten der Athene lag tief und dunkel über dem Sockel, und ganz kurz war es ihm, als würde dieses letzte Jahr zusammenschrumpfen, dieses ruhmlose, quälerische Jahr, als würde es Substanz verlieren, immer mehr, bis es ganz verschwunden war... Er starrte in den Schatten, mit unstetem Blick, als erwarte er jeden Moment, Arrecina dort hervortreten zu sehen. Nichts. Nur ein Zweig wippte, in der abendlichen Brise, und die Binsen am Ufer des Teiches raschelten leise. Natürlich nichts. Ganz nah trat der Germane an die Statue heran. Er schloss die Augen und legte die Stirn gegen den Stein. Die Falten ihres Gewandes waren ganz glatt. Der helle Mamor kühlte seine Stirn. Er atmete langsam ein, stiess dann heftig die Luft aus und löste sich schnell von der Statue.
Beinahe überstürzt wandte er sich ab und verschwand im hinteren Teil des weitläufigen Gartens. Dort, am Rande einer kleinen Wiese, lehnte er sich an den graufleckigen Stamm einer Platane. Seine Finger umschlossen ein Stück Rinde, spielten abwesend damit, während er ruhig wartete. Auf ein Stelldichein der ganz anderen Art.