Das Schicksal kennt immer einen Weg …

Tilla Romania
Wenn ich dich viel früher am Stand gesehen hätte, wäre dein Händler verschont geblieben von der ganzen Aufregung. Es war außerdem eine Mutprobe für den Knirps, die er bis auf die verlorene Beute ganz gut erfüllt hat. erwiderte sie in Richtung Fiona, hielt ihrem finsteren Blick stand, bis Tilla zuerst den Blick senkte. Mein Name ist mein Name. Den darf keiner besitzen. fügte sie hinzu.

Sie sah Pumillio an, nickte knapp zurück. Immer noch hatte sie keine Namensgebärde für ihn erfunden, außer dass sie ihn danach benannte was er vor ihren Augen gestohlen hatte. Denn dazu hatte sie eine Gebärde, ein kleiner Kreis mit Stiel und Wurzeln. Also gut, Äpfelchen, machen wir es so rum. Für dich heisse ich Mia und für Fiona eben Tilla. Und für Hektor Stupsnäschen. Und für Lucanus Mia-Tilla.

Mit schiefgelegtem Kopf musterte sie den kleinen Jungen vor der großen Frau. Er und ich wollten machen, was wir am besten können, wenn man auf der Straße überleben will. nahm immer noch nicht das Wort in den Mund beziehungsweise in die Finger. Klar weiss ich, was die Soldaten machen werden wenn sie uns erwischen, aber wir sind so viele Straßenkinder. Du wirst es gar nicht glauben, aber man übersieht uns doch immer. Für die Passanten sind wir nichts und niemand. Oder hast du schon mal einem Straßenkind etwas geschenkt, was das Straßenkind brauchen könnte? Zum Beispiel deinen Umhang? Deine Schuhe? Ein paar Münzen für den nächsten strengen Winter? Eine ganze Wurst?

Tillas Augen leuchten auf. Wir gehen Wurst essen. Oder wir gehen zurück, schauen nach ob Prisca wieder draussen ist. Ah verflixt, jetzt wusste Fiona warum sie hier auf eigene Faust herumstreifte. Sie schlug sich mit der Hand gegen die Stirn und seufzte stumm. Das Leben in der Villa Aurelia machte sie unvorsichtig und weich, während die Starsse das Gegenteil forderte. Wir halten dich nicht weiter vom Einkaufen ab, Fiona. Stumm griff sie nach Pumillios Hand, nahm sie in die ihrige.
Fiona
Einerseits hatte es Fiona ja sehr leid getan, solch harte Worte gegenüber den Kindern anschlagen zu müssen. Andererseits unterschätzten sie aber die Gefahr, in die sie sich begeben hatten. "Es geht nicht darum, ob es nur ein Apfel war, oder ob es ein Beutel mit Geldmünzen war. Diebstahl ist Diebstahl. Hast du denn niemanden, der sich um dich kümmert?" Sie hatte Mitleid mit dem Jungen. Beinahe hätte sie sich nun sogar selbst eingestehen müssen, welche Vorteile ein Sklavenleben hatten, verglichen mit denjenigen,die auf der Straße leben mußten.
Tillas Gebärden zufolge hatte sie dem Anschein nach auch keine Einsicht gehabt. "Tilla, es ist völlig wurscht, ob du nun meinen Händler oder auch einen anderen Händler bestiehlst. Wenn ihr erwischt werdet, wird niemand mit euch Erbarmen haben. Du weißt doch wovon ich spreche!" Da sie nun schon einige Male mit Tilla zusammengetroffen war, kannte sie schon einiges aus ihrer Geschichte. Zumal sie Tillas Rücken immer noch sehr gut in Erinnerung behalten hatte.
"Nein, ich muß gestehen, bisher habe ich ich noch nie jemandem, der bedürftig war, etwas geschenkt" Das mußte sie leider auch zugeben, aber der Grund dafür lag einfach an der Tatsache, daß sie ja selbst nichts besaß.
Fionas strenge Gesichtszüge waren nun gänzlich verschwunden und ein sanftes gutmütiges Lächeln umschmeichelte nun ihre Lippen.
"Ihr haltet mich nicht vom Einkaufen ab! Wißt ihr was, ihr könnt mir etwas behilflich sein. Einiges ist durch den Sturz kaputt gegangen.Das muss ich nun ersetzen. Aber ich habe noch etwas Geld übrig. Manchmal bekomme ich bei meinen Händlern auch etwas geschenkt. Wenn wir fertig sind, würde ich euch noch auf eine Wurst einladen! Na, was haltet ihr davon?"
Aurelia Prisca


Nachdenklich kratzte sich Pumilio am Hinterkopf. So ganz hatte er das jetzt nicht verstanden, warum er sie Mia und Fiona sie Tilla nennen sollten. Fragend und mit einem Schulterzucken blickte er zu Fiona, ob sie vielleicht wusste warum Til ... Mi … Tilla … Mia … du meine Güte, warum das Mädchen zwischen ihnen beiden einen Unterschied machen wollte. Andererseits war es auch egal, es waren schließlich ihre Namen und ihm persönlich gefiel 'Mia' ohnehin besser.

Genauso egal war wohl auch die Diskussion um die Händler, und wen sie nun bestehlen durften und wen nicht. Tatsache war, dass Pumilio es wieder tun würde, auch wenn die Argumente der einen Sklavin durch aus plausibel klangen. Eher gelangweilt hörte Pumilio deshalb nur zu und machte sich so seine Gedanken, wie er am besten und schnellsten den Tränenstein wieder los werden könnte. Was wussten die Beiden eigentlich schon von dem harten Leben auf der Straße. So sauber wie die zwei Frauen gekleidet waren lebten sie sicher bei sehr reichen Herren, in sauberen Häusern, bekamen Kleidung, Schuhe und regelmäßig Essen!....Essen?

Essen war genau das richtige Stichwort um darauf ein zu haken. "Au ja, eine Wurst wäre fein!", meldete sich Pumilio grinsend wieder zu Wort und nickte eifrig. Das wäre die Gelegenheit, um nebenbei schnell das Amulett bei dem Mann abzuliefern. "Ich weiß auch wo es einen guten Wurstverkäufer gibt! … nein, keine Angst ich werde ihn nicht bestehlen! …Es ist auch gar nicht weit von hier. Dort gibt es auch alles zu kaufen was du brauchst, Fiona", drängte Pumilio voller Begeisterung und deutete mit dem Finger in Richtung in die sie gehen müssten "Und solange ihr Frauen noch mit dem Einkaufen beschäftigt seid, kann ich mich ja schon mal um das Essen kümmern", meinte er noch ganz geschäftig und setzte sich damit auch schon in Bewegung ohne weiter darauf zu achten, ob Fiona und Mia ihm folgen würden.

Sicher bliebe ihm genügend Zeit, um diesem Marduk das Amulett zu übergeben, die Belohnung zu kassieren und Mia davon etwas Schönes zu kaufen und das alles, ohne das es weiter auffallen würde … dachte Pumilio sich so einfach … wie so oft … zu oft ….
Tilla Romania
Ob Pumillio jemanden hatte, der sich um ihn kümmerte? Dem Anschein seiner Kleidung nach mit Sicherheit niemanden. Tilla rückte ihren Umhang gerade, den Pumillio schon gespürt hatte. Ich weiss, wovon ich spreche, aber hier auf der Straße, das ist ganz was anderes. Hier kannst du weglaufen und so schnell fort rennen wie deine Beine dich tragen. Bei deinem Herrn aber wirst du festgehalten, bis du das Wehren aufgibst und nicht weglaufen kannst. Es gibt überall Verstecke, in die man hineinschlüpfen und sich verstecken kann, sollten die Gegner zu nahe kommen. beharrte Tilla Fiona gegenüber. Vor allem die Verstecke, die in sich in gewisser Höhe und hinter Efeu oder anderes Pflanzengewächs sich befanden, waren meistens die nützlichsten.

Sie sah Fiona forschend an, erhob die Hände um 'weiterzusprechen'. Und warum hast du noch niemandem etwas geschenkt wenn er oder sie es bitterlich nötiger hatte als du? Ich kenne niemanden, der sowas macht. Alle denken an sich und ihren Tagesablauf. Tilla sah zu Pumillio, ob er denn einverstanden wäre mitzugehen? Das klingt gut. bestätigte sie rasch, lächelte schon wieder. Dann zeig ihn uns! meinte sie noch und wurde schon von Pumillio mitgezogen. Schmunzelnd folgte sie ihm hintendrein und fasste Fiona an der Hand, um diese ihrerseits mitzuziehen. Das wäre doch doof, wenn sie sich im Gewühl der hin und her eilenden Passanten verlieren würden.

Tilla reckte den Hals, versuchte einen Blick zum neuesten Ziel zu erhaschen. Wenn sie noch recht in Erinnerung hatte war da tatsächlich ein Markt. Ihre Gedanken mitteilen konnte sie nicht, hatte sie doch ihre Hände dem Kleinen und der Großen übergeben. Nach vielen vielen Schritten erreichten sie den Markt und ihre Nase erfasste den vertrauten Geruch von Würsten. Sie zupfte an Pumillios Hand, löste ihre aus der von Fiona, deutete in die Richtung eines Grillstandes. Da, guck mal. Treffen wir uns dort? fragte sie alle beide, zog artig die Sesterzen heraus, ballte die Faust um die Münzen.
Fiona
Der Junge war sofort Feuer und Flamme für Fionas Vorschlag, zusammen eine Wurst essen zu gehen. Tilla jedoch gebärdete immer mehr auf Fiona ein. Sie hatte etwas Mühe, ihr zu folgen. Was sie über das weglaufen sagte, berührte sie sehr. War sie selbst schon so weit, daß sie aufgegeben hatte? Ihre Sehnsucht nach der Freiheit war tatsächlich abgeebbt. War sie bereits so abgestumpft, daß es ihr gleich war, ob sie nun frei war oder unfrei? Nein, gleich war es ihr sicher nicht. Sie hatte es sich nur abgewöhnt, ständig an die Freiheit zu denken. Tillas "Worte" hatten etwas in ihr ausgelöst, das sie nur schwer unterdrücken konnte. Doch vorerst wollte sie nicht darauf eingehen.
Fast schon anklagend klang Tillas Frage, weswegen Fiona noch nie etwas verschenkt hatte. Sie wußte nicht, was sie darauf antworten sollte. Ganz verlegen brachte sie dann doch einige Worte hervor. "Ich , ich hatte niemals...Es stimmt! Es ist nicht gut, wenn jeder nur an sich denkt. Selbst wenn ich nur wenig habe, habe ich doch mehr, als die die nichts haben." Fiona lächelte versöhnlich. Dann wurden beide von dem Jungen weggezogen. Zwischen den Passanten bahnten sie sich ihren Weg und schon bald, lag dieser unwiderstehliche Duft von gebratenen Würstchen in der Luft.
Am liebsten hätte Fiona sich gleich eine Wurst gegönnt. Aber es war schon richtig, zuerst sollte sie einkaufen gehen. "Gut, dann treffen wir uns hier, wenn wir mit dem Einkauf fertig sind! Tilla magst du mitkommen?" Fiona zwinkerte dem Mädchen freundlich zu.
Aurelia Prisca


Pumilio wusste eigentlich gar nicht so recht worüber er sich im Augenblick mehr freuen sollte. Die Tatsache, dass er bald schon seine Belohnung in Händen halten würde, oder die, dass er mit den beiden jungen Frauen zwei sehr nette Menschen kennen gelernt hatte. Vor allem Tilla, …ehm … Mia oder wie auch immer sie sich auch nennen wollte, fand Pumilio sehr nett. Und das sollte schon was heißen, wo der Knirps doch sonst nichts für Mädchen übrig hatte. Noch nicht, aber wenn ich mal groß bin, dann könnte sie mir schon gefallen, vielleicht, glaub ich … oder beide? hmmm? .. Joo..., dachte Pumilio so bei sich, grinste in sich hinein und zog Mia und Fiona einfach weiter an der Hand hinter sich her.

Während sie sich durch das Menschengewirr hindurch langsam vorwärts drängten, drehte er sich bewusst nur selten nach den beiden um, denn momentan konnte er nicht direkt in Tillas oder Fionas Augen sehen. Sicher würden die beiden Frauen sofort bemerken, dass ihn sein Gewissen plagte. Aber gestohlen hab ich das Amulett ja nicht wirklich. Ich bring´s ja nur seinem rechtmäßigen Besitzer zurück und von der Belohnung soll Mia auch was sehr schönes bekommen!, redete er sich weiter tapfer die Lösung für seine Gewissensbisse ein und schob gleichzeitig mit seinen Gedanken einen weiteren Passanten zur Seite, um endlich auf den kleinen Marktplatz zu treten.

Hier ganz in der Nähe befand sich auch die Taverne, in der dieser Mann sich mit seinen Gefolgsleuten einquartiert hatte. Hoffentlich ist er da, betete Pumilio und ließ erst jetzt Mia´s Hand wieder los. "Hier ist es, seht ihr!... Hier gibt es jede Menge Händler. Ihr könnt euch also ruhig Zeit lassen mit dem Einkauf. Und dort drüben ist der Würstchenhändler, den ich gemeint habe. Sein Name ist Titus. Dort treffen wir uns dann wieder, in Ordnung? … Ich werde ihm gleich Bescheid sagen, dass er schon mal seinen Herd anheizt … ich … muss … nur noch mal schnell weg ..hm… meine Sesterze verstecken gehen. Ich bin gleich wieder da, versprochen! … Also, bis gleich ihr beiden." Jetzt musste es irgendwie schnell gehen. Also deutete Pumilio ganz geschäftig herum während er drauf los plapperte und sich mit den letzten Worten von Fiona und Tilla verabschiedete. Flugs rannte der kleine Kerl auch schon davon und verschwand, vor den Augen der Frauen, in der Seitengasse gleich rechts von ihnen.

~~ in der Seitengasse ~~

Sie werden mir schon nicht folgen, die haben genügend mit ihren Einkäufen zu tun …, hoffte Pumilio zumindest, denn bei seinem Vorhaben hätte er die beiden Frauen nur ungern dabei. Denn genau genommen wusste er nicht, was ihn gleich erwarten würde. Tief atmete Pumilio durch, aber das half auch nichts gegen das Herzklopfen, das er bereits an seinem Hals spürte. Nun musste er seinen ganzen Mut aufbringen, wenn er gleich diesem unheimlichen Mann gegenüber treten würde. Und mit jedem Schritt den er sich der Taverne näherte wurden wieder die Erinnerungen an das erste Treffen mit Marduk geweckt und ebenso schnell wuchs der Wunsch einfach umzudrehen. … aber dafür war es jetzt zu spät denn … wenn das Schicksal einmal seinen Lauf begonnen hatte, gab es kein zurück mehr …

Schon erblickte Pumilio einen von Marduks Gefolgsleuten, der gelangweilt neben dem Eingang zur Taverne auf einer Bank saß und scheinbar vor sich hin döste. In seinem kindlichen Leichtsinn ging der Knirps einfach auf den Mann zu und stellte sich vor ihn hin. Dieser schien ihn nicht wirklich zu beachten, also holte Pumilio tief Luft und wollte dabei so selbstsicher wie möglich wirken." Salve .. .ich bin Pumilio. Ich ... Ich habe da etwas für Marduk. Ist er da? … Wir haben etwas geschäftliches mit einander zu besprechen. Ich bringe ihm nämlich das, wonach er sucht...denTränenstein …." Und kaum hatte das letzte Wort ausgesprochen, bereute er es auch schon fast wieder den Namen des Amuletts genannt zu haben. Das schien das Stichwort für den Kerl vor ihm gewesen zu sein, denn plötzlich erwachte dieser zum Leben. Zwar sagte er kein Wort, aber dafür packte er Pumilio einfach am Kragen, hob ihn daran hoch und zerrte ihn mit sich mit ins Innere der Taverne und die Stufen hoch zu jenem Zimmer, in dem das Schicksal schon seit Jahren nur auf Pumilio und diesen einen Tag gewartet zu haben schien ….
Tilla Romania
"Ich, ich hatte niemals... Es stimmt! Es ist nicht gut, wenn jeder nur an sich denkt. Selbst wenn ich nur wenig habe, habe ich doch mehr, als die die nichts haben." Mhm.. irgendwie.. war da doch was wahres dran, grübelte Tilla, blickte zu Fiona auf, die noch ein bisschen größer war als sie. Schon gut, es ist in Ordnung... Nur wenn du etwas gibts können sie darauf aufbauen. meinte sie dazu und schloß das Thema ersteinmal ab. Sie standen auf dem kleinen Markt wie immer mitten im Gewühl. Sie hatte das Gefühl, dass sie sich irgendwie noch bei Fiona entschuldigen musste, weil sie wegen dem missglückten Vorhaben kaputte Sachen hatte und diese deswegen neu einkaufen musste. Immer noch umklammerte sie die Münzen von Prisca in der Faust. Ja, ich komme mit dir.

Tilla blickte Pumillio an, der schon drauflos sprach und versuchte seinem Finger zu folgen, der beinahe überall hindeutete. Sie war versucht ihm den Finger hinunter zu drücken und zu meinen, dass man nicht auf andere Menschen deutete. Da sauste er schon weg... mit einer guten Begründung. ..meine Sesterze verstecken gehen. Tilla legte den Kopf schief, runzelte die Stirn und liess den Blick schweifen. Wo konnte man hier denn bloß ein Versteck haben?

Nunja.. sie fühlte nach ihrem Amulett und ertastete den kleinen vertrauten Buckel, der iirrtümlicherweise der Knoten ihres Umhanges war. Sie wollte das Schmuckstück jetzt wirklich nicht hervorziehen, nahm die Hand runter und tastete nach Fionas Hand, um sie behutsam festzuhalten. Gehen wir zusammen los? Ich will dich nicht verlieren. gebärdete Tilla mit einer Hand. Zuerst die Eier? Und was noch? Sie zog die Ältere mit sich oder liess sich von ihr zu einem Stand lenken, der die Waren anbot. An einem Tuchhändlerstand entdeckte sie etwas, was ihr Herz höher schlagen liess. Ein blaues Tüchlein mit grau eingestickten Delphinen! Mit großen Augen sah sie zu, wie es im Wind flatterte und von anderen Menschen befühlt und in die Hand genommen wurde. Ein tiefer Atemzug verliess ihre Brust. Sollte sie es mit ihren Münzen erwerben? Guck mal.. stupste sie Fiona an.
Aurelia Prisca


Das Schicksal eines Menschen mag vielleicht nur ein Gesicht besitzen, der Wahnsinn jedoch kenn viele …

Und wenn man in das Gesicht von Marduk blickte, konnte man IHN darin sehr wohl erkennen. Den Wahnsinn, der sich in vielen Jahren langsam entfaltet hatte und diesen Menschen zu dem gemacht hatte was er heute war. Ein bedingungsloser Fanatiker, bereit, sein Leben ausschließlich seiner Göttin Neith und der einzigen Sache zu widmen, die gleichermaßen irrsinnig wie fantastisch war:

Die Suche nach der Träne Poseidons und dem Mädchen, dessen Schicksal schon bei ihrer Geburt hätte besiegelt werden sollen. Vielleicht hatte das Mädchen aus diesem Grunde gar kein Schicksal - war wie eine unbeschriebene Tafel ... wer konnte das schon wissen … nur eines war gewiss: Das Mädchen und die Träne Poseidons waren untrennbar mit einander verbunden. Sie bildeten den Schlüssel zu dem, was für Marduk Reichtum und Macht bedeutete und ihn gleichermaßen den Verstand kosten würde

Aber noch war dieses Kapitel nicht geschrieben und somit alle Wege des Schicksal offen ...

Wirklich alle? … Nein, einen Weg hatte Pumilio bereits eingeschlagen und nun stand der kleine Junge, zitternd und unsicher in einem dunklen stickigen Raum, in einer der zahllosen Tavernen Roms. Bereit das Schicksal seiner Freundin neu zu schreiben. Nur war ihm das nicht wirklich bewusst, noch hielt er es für Verrat was er da tat. Im Augenblick zumindest nicht, aber das Gefühl etwas Unrechtes getan zu haben war da - und es blieb. Auch nachdem der Hüne, der ihn her geschleift hatte, den Raum längst wieder verlassen hatte.

Bin ich allein? überlegte Pumilio still und spürte im selben Augenblick eine Gänsehaut über seinen Rücken laufen.



"Was willst du, Wurm?", erklang ein Stimme, leise und bedrohlich ruhig, aus einer der dunklen Ecken des Zimmers.

"Ich … ich ... Ich bin Pumilio. Ich bin geschäftlich hier .. W ..w..wir hatten doch eine Abmachung … erinnerst du dich nicht mehr?", stotterte Pumilio und er spürte, wie sein Herz vor Angst bis zum Hals schlug.

"Ha ha ha ….", ein widerliches Lachen schallte durch den Raum, dann erstarrte die Stimme wieder zu einem eisigen Flüstern: "Ich mache keine Geschäfte mit Würmern …" - Stille -

"ähm, also .. Ich …ich doch, hatten wir!", widersprach Pumilio auch wenn seine Stimme zu versagen drohte. Er räusperte sich und versuchte schnell irgendwie zum Punkt zu kommen . "Also ich sollte für dich nach etwas Ausschau halten … dem Tränenstein!" Nun war es heraus und Pumilio wollte gerade einen Kloß in seinem Hals hinunter schlucken, doch soweit kam er gar nicht mehr …

Ein Stuhl bewegte sich und in der nächsten Sekunde schnellte aus dem Halbdunkel eine Gestalt auf ihn zu. Eine Hand legte sich um Pumilios Hals, riss ihn nach oben und presste ihn zappelnd und röchelnd gegen die Wand in seinem Rücken.

"Was ist mit dem Tränenstein?" Marduks Augen fixierten Pumilio wie die Schlange die Maus, in der vollen Absicht diese in den nächsten Sekunden zu töten und zu verschlingen. "Rede! - wo ist er, wer hat ihn?"

Reden war gut! Pumilio bekam ja kaum noch Luft und das versuchte er dem Mann irgendwie mitzuteilen.

"aaarghh … ch … krrrg …knne Luffff!!", röchelte er und endlich lockerte Marduk seinen Griff soweit, dass Pumilio etwas durchatmen konnten. "Puuuhh ….aaahh … also … der Stein… ja, ich .. Ich weiß wer ihn dir gestohlen hat … hatte. Ein Mädchen namens Tilla … aber das spielt keine Rolle … mehr .. ich hab ihn hier und möchte eigentlich nur meine Belohnung haben und dann wieder gehen! … Hier, hast du ihn ..." haspelte Pumilio panisch herunter und da er eine Hand frei hatte, fingerte Pumilio das Amulett aus seiner Tasche und hielt es eiligst hoch …

"Du hast was?" Für den Bruchteil einer Sekunde schien Marduk zu erstarren, dann löste sich seine Hand um Pumilios Hals. Die Augen des Mannes waren starr auf den funkelnden Stein in Pumilios Hand gerichtet. Ganz vorsichtig nahm Marduk das Amulett entgegen, wog es andächtig in seinen Händen und das Lächeln eines Wahnsinnigen zeichnte seine Lippen.

Pumilio war erleichtert, der Kerl hatte was er wollte und war überglücklich. "Ehm, gut nun da du ihn hast, was ist mit meiner Belohoooohh …." Der Schlag traf den kleinen Jungen unvermutet hart und schleuderte hn quer durch den Raum. Noch ehe Pumilio e so recht begriff wie ihm geschah, hörte er auch schon Marduks Stimme direkt über ihm und spürte dessen Fuß wie eine Schraubzwinge auf sein Gesicht hernieder drücken.

"Nun hör mir gut zu, kleine Ratte! Ich werde dir jetzt nur einmal sagen was du nun zu tun hast. Und wenn du nicht folgst, dann zertrete ich dich wie einen Käfer! Verstanden? … Du bringst mich jetzt sofort zu dem Mädchen und keine Tricks, sonst schneide ich euch beiden die Kehle durch!", zischte Marduk mit eisiger Stimme und seine Drohungen verfehlten ihre Wirkung bei dem Dreikäsehoch nicht. Kunststück!

~~~

Und so kam es, dass der völlig verschüchterte Pumilio den Irren und seine Gefolgsleute zu genau der Stelle auf dem Markt führte, an der er Tilla und Fiona zurück gelassen hatte. .. Und als sie aus sicherer Entfernung die beiden Frauen ausgemacht hatten, deutete Pumilio mit zitternder Hand in Richtung des Mädchens:."D..d..d..da,…d..d..d..das ist ... sie … bitte tu ihr nicht weh - ja??….bitte!"

"Endlich! - nun kann der Kreis sich endlich schließen …", murmelte Marduk zufrieden ohne Pumilios Worte zu beachten. Seine kalten Augen fixierten nur noch das Mädchen und ließen es von nun an nicht mehr los ...
Fiona
Zitat:
Original von Tilla Romania
.... Gehen wir zusammen los? Ich will dich nicht verlieren. gebärdete Tilla mit einer Hand. Zuerst die Eier? Und was noch? Sie zog die Ältere mit sich oder liess sich von ihr zu einem Stand lenken, der die Waren anbot. An einem Tuchhändlerstand entdeckte sie etwas, was ihr Herz höher schlagen liess. Ein blaues Tüchlein mit grau eingestickten Delphinen! Mit großen Augen sah sie zu, wie es im Wind flatterte und von anderen Menschen befühlt und in die Hand genommen wurde. Ein tiefer Atemzug verliess ihre Brust. Sollte sie es mit ihren Münzen erwerben? Guck mal.. stupste sie Fiona an.



Fiona nickte lächelnd und sie gingen zusammen los. "Nein, die Eier besorgen wir zum Schluß, sonst gehen sie wieder zu Bruch! Wir sollten zuerst die Gewürze besorgen und das Brot, dann noch das Fleisch, die Eier dann noch das Gemüse." Im Gedanken ging sie noch einmal die einkaufsliste durch. Hoffentlich hatte sie jetzt nichts vergessen! Aber noch ehe sie weiter darüber nachdachte, zog Tilla sie zu einem Stand. Es war ein Tuchhändler, der allerhand schöne Stoffe feil bot. Unter anderem fand sich dort ein blaues Tüchlein, das offensichtlich Tillas Aufmerksamkeit erregt hatte. Zwei Delphine waren darauf eingestickt. Fröhlich flatterte es im Wind.
Tilla mußte nicht erst Fiona an stupsen, damit sie wußte, was in ihrem Kopf vor ging. Natürlich wollte Tilla das Tuch. Es war ja auch wunderschön und wirkte sehr edel. "Schön, nicht?", erwiderte Fiona.
"Ich frage den Händler mal, was es kosten soll, ja?", bot sie an und sah sich sogleich nach dem Händler um.
"Entschuldigung! Was soll das Tuch hier kosten?" Der Händler der bereits ein gutes Geschäft witterte, wandte sich mit einem freundlichen Lächeln an Fiona. "Für dich 20 Sesterzen, meine Schöne! Das ist echte Seide, weißt du!" Zwanzig Sesterzen! Das war sehr viel, wenn man kein Geld besaß! Unschlüssig sah sie zu Tilla, um ihre Reaktion zu sehen.