[Horrea] Die Nahrungslager der Castra

Marcus Caecilius Decius
   
Hier befinden sich die steinernen Lagerhäuser für die Lebensmittel der Castra Praetoria, horrea genannt. In den langgezogenen, mehrschiffigen Warenlagern wurden die verschiedenen Nahrungsmittel aufbewahrt, mit denen die Milites versorgt wurden. Regelmäßig wurden hier die Ratioen an die Contubernia der Centurien ausgegeben. Verantwortlich für die Zubereitung der Lebensmittel waren die Soldaten in ihren Zeltgemeinschaften selbst.

Marcus Caecilius Decius
Mit einigen Milites seiner Centurie im Schlepptau kam Decius schließlich an den Lagerhäusern an. Zunächst würden sie nun zu den Getreidesilos gehen, wo jedem Milites ausreichend Getreide für sein Contubernium ausgeteilt werden würde. Als Centurio oblag es Decius dabei, die ganze Angelegenheit zu überwachen und dafür zu sorgen, dass jedem Contubernium auch wirklich nur die ihm zugeteilte Menge verabreicht wurde. Es kam immer mal wieder vor, dass einige der Männer versuchten für sich und ihre Kameraden etwas mehr herauszuschlagen, aber dies hielt sich dennoch in Grenzen. Wobei das Risiko von solchen Manövern bei der Getreideausgabe eher gering war, komplizierter wurde es wenn die delikateren Essenvorräte ausgeteilt wurden, so zum Beispiel beim Obst und Fleisch. Manchmal ließen sich auch die Materialwarte durch die üblichen Methoden zur großzügigeren Herausgabe der Vorräte bewegen. Wurden sie dabei erwischt hatte dies harte Strafen zur Folge; Solche Eskapaden störten nur die eiserne Disziplin der Truppe.

Decius betrat mit seinen Männern die Stube, wo der Materialwart mit einigen Gehilfen herumhantierte und die Rationen abwog, in Beutel füllte und sie an die Männer austeilte. All dies geschah unter den wachsamen Augen des Centurios.
Quintus Duccius Eburnus
Geduldig wartete Quintus, bis er an der Reihe war, die Getreideration für sein Contubernium zu empfangen. Als er dann eine etwa doppelt so große Menge Korn erhielt, wie er es noch von der Ala her gewohnt war, staunte der Miles nicht schlecht. Ob die anderen Rationen wohl auch so üppig ausfallen würden? Gespannt wie ein kleines Kind, dem ein lange gewünschtes Spielzeug in Aussicht steht, wartete der Duccier weiter...
Marcus Caecilius Decius
Während Decius das Treiben beobachtete, erinnerte er sich an seine Zeit als Legionär bei eder Prima. Der Vorgang der Rationenausgabe hatte sich dort nicht groß von dem hiesigen Prozedere unterschieden, mit einer Ausnahme: Die Rationen waren nicht ganz so üppig und vielfältig wie bei den Stammeinheiten. Während die Versorgungslage der Legionen in den Provinzen üblicherweise zu einem großen Teil von lokalen Gegebenheiten abhing, erhielten die Praetorianer in Rom eine bessere Auswahl. Das hieß zwar nicht dass die Versorgung der Legionen unbedingt schlecht war, aber bei der Garde war sie eben besser. Freilich führte das oft dazu dass die Legionäre der Provinzen die Garde schief ansah und sie insgeheim als verwöhnte Burschen ansah - aber wen kümmerte das schon?

Schließlich war seine Centurie abgefertigt, und es war alles ohne irgendwelche Zwischenfälle vonstatten gegangen. Zumindest für seine Männer. Einer der Helfer des Proviantmeisters konnte das nicht von sich behaupten: Ihm war aufgrund einer Ungeschicktheit ein Beutel Getreide aus den Händen und auf den steinernen Boden gefallen, sehr zum Missfallen des Materialwarts. Er schimpfte mit dem Miles, und dieser machte sich unverzüglich daran die Schweinerei zu beseitigen. Das verlorene Getreide würde man dem Soldaten vom Sold abziehen, und er würde sicherlich noch einiges von seinem Chef zu hören bekommen.

Schließlich marschierte Decius mit seinen Soldaten zum nächsten Lagerhaus, in dem sie verschiedene Früchte erwarteten.