cubiculum | Appius Decimus Massa

Appius Decimus Massa
Ein cubiculum im Obergeschoß auf der Ostseite der casa. Die Morgensonne weckt den Bewohner jeden Tag auf's neue. Neutral und funktionell eingerichtet. Ein breiteres Bett, daneben ein kleiner Tisch, zwei Hocker, ein Regal, eine Truhe. An den Wänden Jagdszenen, Paare beim Liebesspiel, Landschaften mit Zentauren, Satyren...eingerahmt von Weinlaub.

Abendliche Frische drang durch das geöffnete Fenster in das cubiculum. Ich saß auf der Fensterbank, angelehnt an den Rahmen. Zwei Tuniken lagen auf dem Boden. Die caligae hingen am Bett. Ein frisches Bett-Tuch wäre schön. Der Sklave hörte mein Rufen. " Runa soll her kommen, Wein, zwei Becher, Brot, Käse, Trauben. Das cubiculum muss heute noch aufgeräumt werden." Der Sklave ging nach unten und brachte Runa die Nachricht, mit Händen und Füßen bei.
Runa
Die junge Frau verstand zunächst nicht was der Sklave von ihr wollte. Sie war gerade damit beschäftigt gewesen ihr Abendmahl zu sich zu nehmen. Der andere Leibeigen packte Wein, Brot, Käse, Trauben und zwei Becher auf ein Brett und drückte es Runa in die Hände. Dann schob er die Blonde durch die Tür und drängte sie die Treppe herauf. Während des Weges nach oben zeigte er immer wieder auf verschiedene Gegenstände und sagte ihr den lateinischen Namen dafür. Runa versuchte sich alles einzuprägen. Als sie vor einer Tür anhielten, legte der Sklave ihr ein Laken über den Arm, klopfte an und öffnete die Tür um Runa in den Raum zu schieben.

Der Raum war nur noch von einem leichten Lichtkegel erhellt. Als die Augen der Germanin sich an den dunkleren Raum gewöhnt hatten, schaute sie sich kurz um und entdeckte ihren Herrn am Fenster stehen. Ein leises "Salve" kam ihr über die Lippen während sie zu dem kleinen Tisch herüber ging und das Brett mit dem Essen und dem Wein dort abstellte. Dann ging Runa Richtung Bett um das Laken zu wechseln. Ihr Blick wanderte durch den Raum, um zu schauen was sie hier noch alles in Ordnung bringen musste. Sie legte das Laken auf das Bett um zunächst seine caligae ordentlich auf den Boden zustellen.
Appius Decimus Massa
Es hatte gedauert. Ich nahm es hin. Ihr erster Tag hier in der casa. „ Salve Runa.“ Ich setzte mich auf den Fenstersims und sah ihr beim Aufräumen zu. Als die caligae an ihrem Platz standen ging ich zu ihr. Im Vorbeigehen nahm ich eine Wachstafel aus dem Regal. „ Sieh mich an.“ Meine Hand an ihrem Kinn, bewegte ich sie dazu mich anzusehen. „ Salve, Dominus Decimus Massa.“ sagte ich langsam und deutlich, zeigte auf mich.
Eine Hand an ihrem Unterarm ging es zu den beiden Hockern am kleinen Tisch. Ich drückte sie auf den einen und setzte mich auf den anderen. Auf dem Brett stand das was ich haben wollte. Mal sehen ob sie wusste, wie das hieß, was sie mir gebracht hatte. „ Sag mir was das ist.“ Mein Finger zeigte auf das Brot und dann auf den Käse, auf die restlichen Gegenstände auf dem Tablett. In der Zeit schrieb ich ihren Namen auf die Wachstafel.
Runa
Sie zuckte leicht zusammen, als er sie am Kinn packte und sie zu sich drehte. "Dominus Decimus Massa", das war also sein Name. Sanft aber bestimmend wurde Runa auf einen der Hocker gedrückt während ihr Herr sich auf den anderen setzte. Als er zu ihr sprach und auf die Dinge auf dem Brett zeigte wusste die junge Frau sofort was er wollte. Ein Test. Es waren ihr alle Namen gesagt. Sie überlegte, deutete dann auf den Käse und sagte leise caseus. Es war mehr eine Frage und dem Herrn durfte Runas Unsicherheit nicht verborgen bleiben. Ohne auf eine Antwort zu warten deutete Runa auf das Brot und sagte panis. Die Trauben übersprang sie, denn bei ihnen war sie sich noch unsicherer. Sie meinte uvae oder so etwas in der Art. Beim Wein hingegen war sie sich sehr sich. Sie hatte das Wort schon ein par mal gehört. Mit fester Stimme und dem Blick nicht mehr gesenkt, sondern auf ihren Herrn gerichtet sagte sie vino

Sie hoffte wirklich, dass sie alles richtig hatte.
Appius Decimus Massa
"Sehr gut." murmelte ich. Für die Tabula war später Zeit, es gab wichtigeres. Die zwei Tuniken, die vor der Truhe lagen. An der einen war die Naht auf. In der zweiten eine Loch. Ich zeigte ihr die Tuniken. "Tunika, Waschen und nähen." Die Sandalen. " calligae einfetten."
Mein Gürtel hing am Bett. " Cingulum militare putzen." ob sie alles verstanden hatte ? Ich legte die calligae und den Gürtel zu den Tuniken. Das erste mal nicht selber machen. Ungewohnt. " Morgen früh, weckst du mich." ich zeigte nach Osten und machte ihr klar, was sie tun sollte. " Du kannst auch bei mir schlafen, dann hast du es morgen früh nicht so weit um mich zu wecken. " auf sie und mich gedeutet und auf das Bett geklopft , das verstand jeder, dabei fing ich an zu lachen und winkte ab. Theseus hatte wirklich geglaubt ich hatte sie mir nur deswegen gekauft? Runa war das Geschenk für Seiana. Als Ornatrix oder so etwas. Das Geschenk konnte man vorher natürlich ausprobieren. Es hatte seinen Reiz und ein bisschen spielen damit, war nicht verboten. Heute nicht.

In Richtung des Stapels nickend. " Du kannst gehen. Vale Runa" das Winken verstand sie ohne Zweifel. Ich erhob mich vom Hocker beachtete sie nicht weiter. Das Bett hatte ein neues Laken. Mein Tunika landete auf der Truhe, das subligaculum daneben. Mit einem Hechter landete ich im Bett, zog das zweite Laken zu mir und machte es mir mit einem Becher Wein gemütlich.
Runa
Ihr Herr schien zufrieden zu sein. Er machte sich dran, einige Kleidungsstücke einzusammeln und auf einen Haufen zu legen. Was er dabei sprach verstand die Germanin nicht, doch sie reimte es sich irgendwie zusammen. Als er aus dem Fenster zeigte und ihr versuchte etwas zu erklären, verstand sie nicht sofort, doch seine Andeutung als er aufs Bett klopfte wusste sie sofort was er meinte. Deswegen war sie erleichtert, als er begann zu lachen. Er war ab heute ihr Herr, damit musste sie sich abfinden, doch wenn sie ihn anschaute, war sie sich sicher, dass er nicht der Mann war an den sie ihre Unschuld verlieren wollte. Run war erleichtert, als sie sich entfernen durfte. Mit den Kleidungsstücken machte sie sich auf, Faden und Nadel zu suchen.
Faustus Decimus Serapio
...gab es da, das ich an dem Abend von Massas Ankunft versäumt hatte anzusprechen. Unerklärlicherweise war ich zu abgelenkt dafür gewesen. Aber es noch länger aufzuschieben, das machte es auch nicht besser. Und so steuerte ich, mit einer vollgekritzelten Wachstafel in der Hand, zu abendlicher Stunde (und lange vor der Hochzeit), Massas Cubiculum an, in der Hoffnung, dass er heute nicht in der Kaserne nächtigte.
Auf dem Gang begegnete mir ein unbekanntes Sklavenmädchen mit einem Stapel von Kleidung – das musste die neue sein, von der mir der Ianitor schon erzählt hatte. Verschüchtert sah sie aus. Ich lächelte ihr ihm Vorübergehen flüchtig zu und klopfte an Massas Türe.
Compagnero, bist du da?“

Weil ich meinte, so was wie ein Herein zu hören, trat ich ein – und grinste breit als ich ihn im Bett sah.
“Überfall.“
Ich schloss die Türe hinter mir.
“Ich wollte was mit dir besprechen... Bei Cupido, bist du nackt? Zieh dir was an, ich kann mich so nicht konzentrieren. Nein, warte, es geht schon, bleib genau wie du bist.“
Ich seufzte, es schien mir grausam, dass das wichtige Thema gerade so eindeutig Priorität hatte.
“Wegen Präfekt Octavius. Ich dachte mir, ich schreibe ihm... bin mir nur nicht so sicher.... kannst du dir das mal anschauen? Du meintest ja, er war echt angepisst... Tut mir außerdem sehr leid dass du da so zwischen die Fronten geraten bist. Wirklich sehr leid.“
Appius Decimus Massa
Beinahe hätte ich den Wein verschüttet, so überrascht war ich vom Eintreten Serapio's. " Oh ja , ein Überfall und ich fast unbewaffnet." lächelt ich ihn an. " Was hast du gedacht ? So kann man sich am besten entspannen und schlafen." das Laken hatte ich nur flüchtig über meine untere Partie gezogen. " Ja zeig, her, lass mich lesen." ich kletterte mit Schwung aus dem Bett, das Laken lose um die Hüfte geschlungen, eine Ecke über die rechte Schulter geworfen. Fast wie eine Toga umgelegt, so ging ich zu ihm. Ich stellt mich dicht, halbschräg, zu ihm um über seine linke Schulter auf das Geschriebene zu sehen und es zu lesen. " Du solltest wissen, dass ich dem Praefecten versicherte habe, dass ich, so lange das nicht aus der Welt ist, nicht nach einem anderen Patron suchen werde." Meinen Arm um seine Schultern gelegt, mich anlehnend, konnte ich besser lesen. " Eine Aussprache vor Ort wäre das Beste." nebenbei bemerkte ich. " Einen Becher Wein, Faustus?"
Faustus Decimus Serapio
Fast unbewaffnet?!
“Wohl kaum!“ widersprach ich ihm grinsend. Einen Gegner wie mich würde er mit Leichtigkeit überwältigen können... und zwar genau so, wie er es gerade tat... Hingerissen lehnte ich mich an ihn, an seinen bloßen Oberkörper, legte den Kopf schräg gegen seinen Arm. Es war herrlich, und es war schlimm, herrlich, ihn schon seit Tagen so nahe zu haben, schlimm, dass ich schon seit Tagen nicht an ihm vorbeigehen konnte, ohne seiner Anziehungskraft zu erliegen. Irgendwann würde irgendein schwatzhafter Sklave uns sehen und Gerüchte würden entstehen.
“Ja. Persönlich ist doch am besten. Ich hoffe er kommt zur Hochzeit... Kann ich das so schicken, was meinst du, oder macht es das nur schlimmer? Ach, ich wusste echt nicht, wie ich das gescheit formulieren soll. Aber wenn er in Rom ist, könnten wir uns zusammensetzen, nach Misenum reisen kann ich nicht deswegen.“
Ich hielt die Tabula so dass er sie bequem lesen konnte. Es war Ravdusharas Handschrift, ich hatte ihm die Sätze diktiert.

   

An
Praefectus Classis Tiberius Octavius Dragonum
Classis Misenensis

Salve Präfekt Octavius,

lass mich Dir zuallererst respektvoll zu deiner Berufung auf das Kommando über die Classis Misenensis gratulieren. Dass deine großen Verdienste nun so gebührend gewürdigt werden, habe ich mit Freude und Genugtuung vernommen.
Mein Vetter hat mit jedoch auch von der Unstimmigkeit im Bezug auf die Frage des Patronates berichtet. Ich bedaure das sehr, und ich möchte Dir versichern, Präfekt, das meine Haltung in dieser Frage einzig und allein durch die schändliche Tat des Senators Octavius Macer begründet ist. Mein Vater hat von Dir stets mit der größten Hochachtung gesprochen, und dass ich Dich, Präfekt als einen Mann von höchster Ehre und herausragender römischer Tugend ansehe, dessen kannst Du Dir stets versichert sein!
Ich hoffe, dass Du uns die Ehre erweisen wirst, zur Hochzeit meiner Schwester mit Präfekt Terentius nach Rom zu kommen. Deinen Wunsch nach einer Aussprache werden wir selbstverständlich respektieren.

In der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen
etc





Massa bot mir Wein an, ich schüttelte den Kopf.
“Nein danke. Verzeih mir bitte die Abgeschmacktheit, wenn ich das so sage, aber: mich dürstet viel mehr nach deinen süßen Lippen!“
Halbscherzhaft sagte ich das, und wandte mich in der Umarmung zu ihm um, küsste ihn leicht, wollte ihn nur kurz ein wenig küssen, aber es blieb nicht dabei, es wurde lang und es wurde heiß.
Mit beschleunigtem Atem und geröteten Wangen sprach ich dann weiter, wobei meine Gedanken furchtbar konfus waren. “Aber wegen des Patronats... was willst du denn überhaupt?"
Appius Decimus Massa
" Das ist so in Ordnung." Ich las ein zweites Mal drüber. Ah keinen Wein.....
Das Tuch verrutschte beim Übergriff Serapio's bis unter den Nabel. Ein zaghafter Kuss, es folgte mehr, viel mehr. Das hätte ich ihm übel genommen, nur einen gehauchten Kuss. Ich leckte mir genießerisch die Lippen, Reste von ihm mit Wein vermischt. Ein freches Grinsen von mir. So auf die Art. Willst du mehr? Ein wunderbares Spiel.
Wie unpassend, dass ausgerechnet jetzt das Patronat zur Sprache kam. " Ja, was will ich?.... Beruht es nicht auf Gegenseitigkeit? Die Legion ist mein vorbestimmter Weg. Ich werde mein bestes geben. Die Laufbahn in der Legion hat einiges zu bieten. Er ist Praefect der classis und kann mich dahingehend unterstützen. Im Gegenzug ist ihm meine Unterstützung sicher. " Waren das die Dinge die man von einem Patronat erwartete, ich kannte mich da nicht aus, sah Serapio zweifelnd an.
Faustus Decimus Serapio
Ah, dieses Grinsen, es machte mich ganz verrückt. Ich wollte mehr. Meine Augen wanderten zum Bett, es sah für mein Empfinden ungeheuer einladend aus.
"Mhm... ja, aber... du bist einfach zu gut für die Classis. Octavius hat viel für uns getan, aber das können wir ihm auch vergelten, wenn du nicht sein Klient wirst... Wo ich doch jetzt bei der Garde bin, habe ich Terentius gebeten ob er dich nicht auch dahin versetzen läßt. Er sagt, momentan braucht er keine neuen Leute, aber bei der nächsten Rekrutierung stehst du ganz oben auf der Liste. Na?"

Erstmal ließ ich Massa aber gar nicht zu Wort kommen, verschloß ihm den Mund mit einem weiteren Kuss. Die Wachstafel landete achtlos auf einer Truhe, für den Moment vergessen. Tags darauf würde ich den Brief auf die Reise schicken, aber im Augenblick war das Zentrum meiner Welt Massa, den ich eng umschlungen hielt und, ihn ohne Unterlass küssend, Schritt für Schritt Richtung Bett drängte. (Wenn wir irgendwann tatsächlich wieder in der selben Einheit wären, dann mußten wir wohl oder übel anständig sein.... Grund genug es jetzt auszunutzen.)
Appius Decimus Massa
Der Worte beraubt, durch einen Kuss. Umschlungen und bedrängt. Die Richtung war festgelegt, die Gefühle wallten auf, das Tuch rutschte vollends. Zu gut war ich... meinte er. Die Garde. Ich bekam keinen klaren Gedanken mehr zusammen. Elementarere Dinge gingen mir durch den Kopf und nicht nur durch den Kopf. Er hatte meine tiefer gelegenen reizbaren Zonen durch seine rein körperliche Anwesenheit erregt. Seine Nähe, sein Duft, ich ließ mich von ihm entführen. Wir sanken im Rausch auf mein Bett, ein wunderbares breites Bett. Für diese Zwecke gab es nichts besseres. Die erste Wüstennacht war allgegenwärtig , nahm Formen an und verschwamm wieder. Tauchte wieder auf und trieb mich weiter. Zielstrebig arbeitete ich mich vor. Ließ ihm Raum, nutzte die gekonnte die andere Freuräume. Mein Körper bebte, lechzte nach dem einen Augenblick.
Faustus Decimus Serapio
Ein weiches Bett, ein gestählter Körper, das war eine wunderbare Kombination! Erfüllt von fiebriger Vorfreude sank ich mit Massa darnieder, und erinnerte mich an das einzige andere Mal, als wir ein Bett für uns gehabt hatten, und zwar meines (nun ja, ein Schlaflager), jetzt hatte ich seines erobert. Aber wer genau hier wen eroberte... Es war ein ungestümes Übereinander herfallen, und wenn ich jemals Skrupel gehabt hatte, mich ihm ganz hinzugeben, so waren diese wesenlos angesichts unserer Lust... unserer Gier... und der Vertrautheit, die uns verband. Ich erstickte mein Keuchen in seinem Kissen, keiner durfte uns hören, als wir unsere Leidenschaft hungrig aneinander stillten.
Verschwitzt und gesättigt, mit ihm und den Laken verschlungen lag ich dann da, sah hinauf zur Zimmerdecke. Ob... wenn ... dass... tauchten aus dem Nebelmeer meines Geistes auf, aber ich sagte mir gleich: Nein, nicht zu viel nachdenken, und wälzte mich über ihn, küsste ihm den salzigen Schweiß von der Halsbeuge. Überhaupt, seine Halsbeuge... ein herrlicher Ort, um mein müdes Haupt zu betten. Meine Lider waren schwer, ich atmete seinen Geruch, schmeckte ihn noch immer. Sein Haar, wild zerzaust, lag wie eine Wolke um sein Gesicht. Denken war nicht angesagt. Mir fielen die Augen zu, ich versank in wohligem Schlaf...
Erst viel später stahl ich mich auf Zehenspitzen hinaus und zurück in mein eigenes Zimmer.
Appius Decimus Massa
Hatte sein Kopf nicht eben noch bei mir gelegen. Im Halbschlaf das Laken neben mir zerwühlend murmelte ich schlaftrunken. " Faustus...?" Es war früh am Morgen, zu früh für einen klaren Kopf nach der gemeinsam durchlebten Nacht. Die letzte gemeinsame auf lange Zeit. Keiner konnte sagen, wann ich wieder nach Rom kam.Der Winter brachte den Drill auf dem campus mit sich. Die Legionäre hatten keine Zeit zum einrosten. Im Frühjahr mussten sie voll einsatzbereit sein. Ein Grollen ging durch meine Kehle. Ein Bad zum munter werden brauchte ich. " Runa!" rief ich. "RUNA !" wo steckte die Germanin. Sie sollte mich morgens wecken.
Appius Decimus Massa
Auf und davon. Geflüchtet war ich vor Romana. Eine Ausrede war es nicht, dass ich meine Abreise vorberiten musste. Der Großteil aller meiner persönlichen Dinge, viele waren es nicht gewesen, war auf einem Maultier unterwegs nach Misenum. Nur das was ich für Ostia brauchte, lag zusammengepackt neben der Tür. Meine Ausrüstung gleich daneben. Ich hatte mir einen Krug Wein bringen lassen, saß in einem der Klappstühle und dachte über das Chaos der letzen Tage nach. Es war zu viel geschehen, niederschmetternd das Ergebnis. Ich hatte alles hingenommen, die Schläge, die abwertenden, verletzenden Worte. Richtig im Klaren ob ich das je verzieh, war ich mir nicht. Keine Abende und Nächte mehr mit Faustus. Wütend auf ihn, auf mich und alle anderen, wollte ich den Becher an die wand werfen, unterdrückte den Impuls rechtzeitig, schenkte nach und trank ihn in einem Zug aus.
Ostia und Misenum brachten hoffentlich Abstand zum Vorfall und gaben mir Zeit, nicht nur über dieses, sondern auch über Romana nachzudenken. Mein Blick wanderte im cubiculum umher. Es war ab Morgen frei und erinnerte in keinster Weise daran, dass ich hier gewohnt hatte.
Appius Decimus Massa
Ein Blick in die Runde. Die Bemalung an den Wänden hatte man erneuert. Die Möbel, die eines römischen Haushaltes. In Alexandria hatte ich in meiner letzten Wohnung keine derartige Ausstattung gehabt. Vor allem ein solches Bett. Bei meiner Müdigkeit genau das Richtige. Die Woll-Tunika behielt ich an. Mit den niedrigeren Temperaturen hatte ich immer noch zu kämpfen. Müde legte ich mich hin und zog die Decke über die Schulter.
Die Nacht verlief nicht so, wie ich mir gewünscht hatte. Mein Schlaf war unruhig. Das Bett war viel zu weich. Eine zweite Decke hätte ich mir gewünscht, mir war kalt. Am nächsten Morgen stand ich demzufolge leicht zerknirscht auf. Hoffentlich wurde der Tag besser als die vergangene Nacht. Casca hatte ja zugesagt mit mir zum Tempel zu gehen. Zuerst musste ich aber noch was essbares auftreiben. Ohne einen Happen war nichts mit Tempel.
Appius Decimus Massa
Die Tage in Rom waren wie im Fluge vergangen. Es wurde Zeit für die Abreise. Der Sommer ging zur Neige. Der Weg nach Germanien wurde beschwerlich, fiel der erste Schnee.
Meine neue Ausrüstung lag auf dem Bett. Ein Brustpanzer, ein neuer Galea, das Subarmalium aus feinem weichem Leder, ein zweites Paar Stiefel. Zwei paar Bracae und mehrere Tuniken waren ebenfalls dabei. Am Ende waren es zwei Kisten mit persönlichen Sachen.
Auf dem Markt hatte ich mir zwei Packpferde und ein Reitpferd gekauft. Sie standen in einem Stall vor den Toren Rom‘s, an dem sich die Leute trafen, die gemeinsam reisten. Unsere Gruppe hatte einen erfahrenen Führer gefunden. Er sollte uns unbeschadet nach Mogontiacum bringen. Von ihm erfuhren wir, dass eine Vexillation bis Mogonitacum mitzog. Einen besseren Schutz konnte es nicht geben.
Der Tag der Abreise war gekommen. Ich sah mich noch einmal in meinem cubiculum um. Nichts, dass ich vergessen hatte. All meine Habe ging mit nach Mogontiacum.