[Bibliotheca] Neuordnung der Bibliothek

  • Schon den ganzen Vormittag schuftete der Acturarius zwischen den Regalen der Bibliothek. Eine Schriftrolle nach der anderen musste rausgeholt, mit einer Nummer versehen und auf ein Pergament verfasst werden. Er verfluchte sein Sklavendasein und vor allem dieen elendigen, arbeitswütigen Griechen, den der Rector eingestellt hatte. Das heißt, arbeitswütig war er ja nicht einmal. Die Arbeit musste ja von ihm gemacht werden.


    Missmutig zog er einen schweren Codex aus dem Regal, pustete den Staub herunter und schlug ihm auf dem Tisch neben dem Schreibpult. Nie hatte sich jemand für das Buch interessiert. Warum zum Pluto sollte er sich also diese Arbeit machen...


    Vor sich hin grummelnd schrieb er einen neuen Eintrag auf das Papyrus...

  • Als Stella die Bibliothek betrat wurde ihr warm ums Herz ...
    Das war ihre Welt!
    Der Raum war ziemlich groß und nach Osten gerichtet, so dass er morgens
    viel Licht hatte ... In eingebauten Schränken den Wänden entlang lagen
    Rollen und Pergamente. Auch viele Buchrollen und eine Menge zusammengebundeten
    Wachstafeln waren in Regalen untergebracht, die frei inmitten des Saals standen.
    Stella begrüßte den Mann, der neben einem Tisch stand und kam näher:


    "Oh, was sehe ich da ... "Codex" ... - den wollte ich mich immer schon anschauen ..."


    sagte Stella begeistert und fragte den Mann


    "Darf ich ? ... "

  • Der Actuarius freut sich ein wenig im Inneren. Ein Mitglied der Schola redet mit ihm und dazu auch noch freundlich Sie begrüßt ihn sogar. Na ja, wahrscheinlich ist sie neu hier.


    Da er sich aber über all die Jahre bereits so gut abgewöhnt hat, jegliches Gefühl zu zeigen, händigt er ihr mit seinem typischen mürrischen Gesicht das verlangte Schriftstück aus.


    "Hier..."

  • "Oh, danke schön..."


    Stella lächelte den Mann an, seinen mürrischen Gesichtsausdruck hat sie gar nicht bemerkt, 8)
    denn ihre ganze Aufmerksamkeit galt dem Buch.


    "Darf ich den "Codex" in mein Officium mitnehmen, da kann ich den in Ruhe lesen..."


    fragend blickte sie den Mann an

  • Auch Theodorus ist bereits in die Bibliothek getreten und weil er schon erfahrener ist im Bibliothekswesen, fragt er gar nicht, sondern ist schon längst dabei, ein paar umherliegende Schriftstücke genauer zu mustern. Er hört Stellas Frage und weil er findet, dass eine Unterhaltung mit dem Bibliothekssklaven recht ungebührlich ist, antwortet er einfach:


    "Natürlich kannst du den Codex mitnehmen. Du arbeitest hier. Allerdings solltest du die Ausleihe eintragen, da liegt irgendwo ein Formular rum. ;)"


    Dann schnappt er nach dem Katalog. Viel ist noch nicht passiert. Genervt meint er zum Sklaven:


    "Kannst du nicht ein wenig schneller arbeiten? Wir machen das Ganze hier doch nicht zum Spaß."


    Wirklich wahr! Leute gibts!

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  • Zuerst sah Stella Theodorus befremdend an. -.^
    Dann zuckte sie mit den Schultern und fragte leise den Sklaven:


    "Wo ist nun dieses Formular?"


    Der arme Mensch tat ihr leid, so wie er mit seinem mürrischen Gesicht da stand...
    Dann lächelte sie wieder:


    "... Aber Theodorus, beruhige Dich doch, es gibt ja kein Grund zur Aufregung ...
    Wir machen uns jetzt an die Arbeit und es wird wieder alles gut ..."
    =)


    sagte Stella mit einer weichen Stimme und blickte Theodous dabei besänftigend an

  • Weil der Acutarius ein wenig verbittert geworden ist mit der Zeit registriert er gar nicht, dass die Frau ihn nett behandeln will. Er versteht nur: Frage nach Liste = Befehl, Liste zu holen = Arbeit. War ja wieder typisch. Hat er sich getäuscht. Die Frau ist auch nur eine Sklavenschinderin wie alle hier.


    Mit sauertöpfischer Mine lässt er alles stehen und liegen und holt das Formular um es Stella zu reichen.

  • Theodorus schaut Stella halb fragend, halb bestätigend an und zuckt die Schultern.


    "Ich habs doch gesagt. Hat keinen Zweck mit dem Kerl.-.^"

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  • "Nun gut ... "


    Stella seufzte, nahm dann das Formular und füllte es aus.
    Theodorus hatte Recht mit dem Sklaven, der war wohl mit so einem
    Gesicht geboren ... Trotzdem hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben
    dem Sklaven wenigstens ein kleines Lächeln zu entlocken... 8)
    Wenn sie alle zusammen arbeiten müssen, wollte sie auch eine
    angenehme Atmosphäre haben

  • Für Theodorus ist die Atmosphäre hingegen ohnehin schon gut genug, das heißt: er befindet sich zwischen Bücherregalen. Was kann es besseres geben.
    Er zieht ein Buch aus dem Regal und begutachtet es. Ah! Eine neuere Dissertation! Da kommt ihn ein ganz wichtiger Gedanke:


    "Vielleicht sollten wir die Kataloge in mehrfacher Ausführung erstellen und an alle großen Bibliotheken des Reiches schicken, zusammen mit der Aufforderung, ebenso Pinakes zu erstellen und diese untereinander zuzuschicken. So könnten Abschriften und Wissen ausgetauscht werden."


    Was für ein altruistischer Gedanke. Natürlich mit einem kleinen Hintergedanken, denn Theodorus meint vor allem eine bestimmte Bibliothek des Reiches.

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  • Voller Bewunderung blickte Stella Theodorus an :


    " ...Oh ja, das ist eine edle und großartige Idee von Dir, Theodorus, ...
    dann machen wir uns gleich an die Arbeit ... "


    sagte sie begeistert und sah dabei den Sklaven verstohlen an :


    " ... Aber, ich glaube, wir werden doch eine Verstärkung brauchen, oder ?
    Was meinst Du, werter Curator ? "

  • Verwirrt blickt der Curator von dem Schriftstück auf, das er gerade überlesen hat.


    "Äh... Schaffen wir drei das nicht alleine?"

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  • Stella seufzte leicht. Der Curator war ein gelehrter Mann, aber vermutlich kein praktischer Mensch.

    "Nun, einen Katalog zu erstellen wäre ja kein Problem für uns drei ... ,
    aber den für alle großen Bibliotheken des Reiches zu vervielfältigen ... da habe ich meinen Zweifel ..."


    Sie sah Theodorus skeptisch an und fragte dann leise:


    "Gibt es hier, in diesem herrlichen Gebäude der Bildung denn keine
    "servi litterati", die diese Arbeit eigentlich machen sollen? "

  • Der Curator, über dessen Wesen bezüglich Realität Stella übrigens richtig mutmaßt, steht immer noch auf dem Schlauch.


    "Na ja, ich hatte nicht vor, diese Arbeit selbst zu machen. Für die leichten Arbeiten hat die Schola genug Scribae."

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  • Stella nickte und lächelte zufrieden:


    "Nun, das ist gut zu wissen ... , wir können dann gleich mit unserer Arbeit
    beginnen,... also, was mich angeht ... - ich bin bereit ..."


    und mit einem fragenden Blick sah sie zuerst Theodorus, dann den Sklaven an

  • Der Grieche schaut zur freundlich lächelnden Stella, dann zum weniger freundlich dreinblickenden Actuarius hinter Stella und dann hoch zum Bücherregal neben ihm.


    "Ja... Dann wollen wir mal..."


    Er wirft noch einmal einen Blick auf das Bücherregal, diesmal einen etwas kritischeren.


    Zum ersten Mal in seinem Leben kommt ihn ein Bücherregal wie eine Barriere, ein Hindernis vor.


    "Öööh... Fangen wir an... Mit... Mit... "


    Verdammt auch! Er ist Gelehrter, kein Büchersortierer! Er weiß wie man Bücher findet, nicht wie man sie ordnet. Verlegen steht er vor dem Regal.

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  • Stella beobachtete, wie Theodoros hilflos und verlegen neben dem Regal stand und ergriff sofort die Initiative:


    "Also, ich schlage vor, wir fangen zuerst mit diesen Regalen hier an , da sind die Dissertationen gelagert, die wir gleich
    untersuchen werden... "


    und sie zeigte auf die Regalen II und III


    "Die Dissertationen werden zuerst nach den Autoren geordnet,
    alphabetisch selbstverständlich ... , denn so wie es aussieht, liegen
    die Rollen alle durcheinander ... "


    dabei sah Stella den Sklaven an


    " ... Dann werden wir weiter sehen ... "


    nach einer kurzen Überlegung fragte sie den Curator:


    "Was sagst Du dazu, Theodoros, oder hast Du einen anderen Vorschlag? "

  • Dank Stellas Hilfe fängt sich Theodorus wieder. Er hat ja eingentlich schon mal einen Plan für den Katalog erstellt, der sich eigentlich mit Stellas Vorstellungen deckt.


    "Eine hervorragende Idee. Dann lass uns mal anfangen. Am besten, wir stapeln die Rollen dort drüben. Da ist genug Platz"


    Theodorus nimmt die erste Rolle heraus und schaut sie sich an: "Über das Paarungsverhalten des westafrikanischen Riesenkäfers." Potzblitz! Die Rolle kennt er doch! Die Schrift scheint also in Rom weit verbreitet zu sein. Anscheinend wollen die Rhomäer Alexandria ernsthafte Konkurrenz machen. Na, seis drum...


    "Ich denke aber auch, wir sollten zwei Sortierungen machen. Eine Alphabetische und eine nach Erscheinungsdatum. Außerdem wäre eine Unterteilung in die Fachbereiche nicht schlecht. Am besten machen wir einfach mehrere Haufen. Wir könnten ja fürs erste grob in Rhetorik, Philosophie, Artes Naturales trennen."

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  • Stella hörte Theodoros begeistert zu, nickte ab und zu und lächelte zufrieden... Sie nahm auch eine Rolle,
    las ein paar Zeilen da und wurde sofort rot ...
    Sie versteckte dieses Schriftstück unbemerkt und schnell zwischen anderen Rollen
    und sagte laut:


    " ... Nun gut, lass uns mit dem Stapel anfangen ... "


    dabei sah sie Actuarius einladend an ...

  • Theodorus nimmt das erste Bündel heraus. Die verstaubten Schriftrollen sind ebenso ungeordnet, wie man es von einer antiken Bibliothek erwarten kann: Selten liegen Monographien im Ganzen vor. Statt dessen gibt es nur einzelne kurze Abschnitte, die irgendwer mal kopiert hat. Allein deswegen ist ein sinnvoll nummerierter Katalog das Alpha und Omega einer jeden anständigen Bibliothek.


    Theodorus legt die Kladde auf einen Tisch und beginnt, Ordnungszahlen drauf zu schreiben.


    "Ich würde vorschlagen, wir nummerieren am besten jeder für sich, dann sparen wir uns unnötige Zeit für die Koordination. Ich werde meine Nummerierung einfach mit dem Buchstaben "Tau" versehen. Du kannst ja immer ein "Sigma" davor setzen und der Actuarius ein..."


    Keine Ahnung, wie der Kerl heißt.


    "Wie heißt du eigentlich?"

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