Schiffe nach Ostia

  • Das Wetter wird allmählich besser. Immer mehr Schiffe verlassen wieder Alexandria in Richtung Westen. Günstige Winde kommen hinzu. So beschließt auch Arius, dass es an der Zeit ist, wieder nach Rom zurück zu kehren. Zwei Tage lang treibt er sich im Hafen herum, bis er das richtige Schiff für sich und die Gespanne der Factio Aurata gefunden hat. Der Preis ist zwar nicht besonders günstig, doch immer noch akzeptabel. Und so kommt es, dass an diesem Tag an diesem Kai eine Menge los ist. Zuerst werden die beiden Wagen an Bord des Schiffes verfrachtet. Dann kommen die Gepäcksgegenstände, jede Menge Nahrung für die Pferde und dann die Pferde selbst. Zu ihrer Unterbringung verfügt das Schiff über spezielle Boxen.


    'Nun denn...' denkt Arius. 'Geht die Reise also wieder zurück in die Heimat.' Es ist auch höchste Zeit. Die Pferde würden in Italien wieder Rennen laufen müssen. Und es konnte nicht sein, dass er auf Factiokosten hier noch längere Zeit herum hing. Über den Winter war dies verständlich. War das Risiko mit den Pferden bei schlechter See zu reisen, doch zu hoch. Doch nun sieht die Sache anders aus.


    Ostia. Das Tor zu Rom. Schon bald würde er dort eintreffen.


    Sim-Off:

    und ab

  • Ich musste meine Suche nach Decima Valeria aufgeben. Ich hatte sie nicht gefunden, dafür aber den Brief an sie und die kleinere Geldsumme einem vertrauenswürdigen Römer übergeben, welcher versprach die Suche fortzusetzen und das Geld zu übergeben. Konnte ich so leichtsinnig sein? In diesem Fall ja, denn bei dem Römer handelte es sich um einen alten Klienten meines Herrn, welcher für längere Zeit in Alexandria zu tun hatte. Da er finanziell von Senator Decimus Meridius abhängig war, konnte ich daher auch davon ausgehen, dass er das Geld und den Brief nicht veruntreuen würde.


    So fand ich mich also am heutigen Tag im Hafen ein, suchte eine Passage für zwei Personen und trottete zum Treffpunkt zurück, an welchem ich die Sklavin zurückgelassen hatte. Sie war noch immer hier. Wo sollte sie auch sonst sein? Vermutlich hatte sie sich damit abgefunden, dass ihr Weg wieder zurück zu ihrem Herrn ging. Gesünder war es in jedem Fall. Denn als Sklavin war sie im Grunde nur bei ihm sicher. Würden nämlich irgendwelche Sklavenhändler davon Wind bekommen, dass sie entlaufen war, würden diese mit ihr tun, was sie wollten. Im Besten Fall wurde sie an irgendjemanden weiterverkauft.


    "Und? Bereust Du die Entscheidung?"


    fragte ich sie, als ich sie erreichte.

  • Merit-Amun hockte mit den habseligkeiten des Sklaven Menas auf einer Holzkiste am Rand des Piers und starrte trübselig auf das Meer hinaus. Sie hatte Menas ein wenig näher kennengelernt, wusste jedoch nicht so recht, was sie von ihm halten sollte. Einerseits erschien ihr seine Art seltsam, andererseits mochte sie ihn irgendwie. Was sie allerdings nicht verstand, war diese hundgleiche Anhänglichkeit und Treue zu seinem Herrn. Es mochte sein, dass Merits Sicht der Dinge naiv war, doch sie war es einfach nicht anders gewöhnt. Schon immer war sie frei gewesen, zumindest, bis diese Sklaventreiber sie damals gefangen und halb tot geschlagen hatten, ehe sie sie in Griechenland verkauft hatten.


    Nun hing ihr Blick an den unsteten Wellen und ihre Gedanken malten sich aus, was ihr...Besitzer mit ihr tun würde, wenn sie nach all den Jahren nun zurück kam. Nicht freiwillig, aber doch zerknirschtermaßen einsehend, dass ihr keine andere Möglichkeit blieb, wenn sie leben wollte. Und Merit wollte leben. Sie sah auf und zu Menas hiauf, als er sie erreichte, und ein flüchtiges Lächeln huschte über ihre Züge. "Ich nicht weiß", antwortete sie wahrheitsgemäß und zuckte mit den Schultern. "Vielleicht er mich schlagt bis ich bin tot. Dann werde bereuen ich. Zuflu...Zukunft ist...wie sagt man? Unwissen? Aber du hast recht vielleicht wenn sagst dass besser ist bei...ihm als bei Mann das schlagt und verkauft an schlechtes neuer Mann. Ich weiß das nicht." Merit ließ entmutigt die Schultern sinken und saß vor Menas wie ein Häufchen Elend. "Gefunden du hast Boot für gehen in...in Land von Rhomäer?"

  • Sie sah ziemlich elend aus, die kleine Ägypterin, welche mir in den vergangenen Tagen doch ein wenig ans Herz gewachsen war. Ich ertappte mich sogar dabei, dass ich Gefühle für sie hegte, welche irgendwo zwischen den Gefühlen zu einer kleinen Schwester oder Cousine und einer erotischen Anziehung kreisten. Vor allem nachts im selben Zimmer zu schlafen, war nicht immer ganz einfach gewesen, auch wenn ich mich auf dem Fußboden vor der Türe postiert hatte, so dass sie keine Möglichkeit gehabt hätte um zu fliehen.


    "Ja, ich habe ein Schiff gefunden. Es fährt zusammen mit einer größeren Flotte und hat direkt Ostia zum Ziel. Das heißt wir brauchen uns in anderen Häfen keine Gedanken machen. Du bleibst einfach an Bord. Unser Proviant dürfte ohnehin mehr als reichen..."


    Nachdenklich blickte ich sie an. Eine Brise ließ eine Hahrsträhne in ihrem Gesicht hin und her tanzen.


    "Ich denke nicht, dass er Dich tot schlägt. Er wird zwar nicht berauscht sein, aber auf der anderen Seite kommt sein Geld freiwillig nach Hause zurück. Wenn er einigermaßen Verstand hat, wird er sich was ausdenken, wie er Dich wieder in seinen Haushalt aufnehmen kann. Keine Ahnung. Du könntest ihm auch sagen, dass man Dich entführt hat und dass Du dann fliehen konntest, mich dann zufällig in Alexandria trafst. Ich habe keine Ahnung ob er Dir das abnimmt, aber wer weiß..."

  • Merit sah Menas zweifelnd an. Sie schätzte es durchaus, dass er versuchte, ihr Mut zu machen, aber ganz überzeugen konnte er sie nicht. Sie strich sich die flatternde Strähne wieder hinters Ohr und schaukelte kurz mit den Beinen. "Wie lange dauert...Fahrt mit Schiff?" fragte sie ihn.


    Dann blinzelte sie und blickte ihn ungläubig an. "Du sagst nichts von ich nehmen Geld von anderes Rhomäer?" Erstaunt musterte sie sein ansehnliches Gesicht. "Sagen nichts von...erwischen mir? Nehmen mich mit? Mit Schiff nach..Oh-stiah?" Das verwunderte sie doch. Es klang so, als würde er sie mitnehmen und dann gehen lassen, statt sie selbst abzuliefern und eine Belohnung einzustreichen dafür, dass er sie gefunden und zurückgebracht hatte. Merit-Amun sog die Unterlippe ein und kaute nachdenklich darauf herum, während sie die Worte des Sklaven Revue passieren ließ. "Nein", sagte sie schließlich und schüttelte den schwarzhaarigen Kopf. "Nicht kann ich unwahr sagen, wenn...wenn fängt neuer Leben an." Falls ein neues Leben beginnen würde.

  • Die Schiffahrt würde einige Tage dauern. Das hing im Wesentlichen davon ab, wie die Winde standen und ob das Wetter mitmachte. Wie lange sie genau dauerte, war daher kaum zu sagen. Ich zuckte daher mit der Schulter.


    "Eine Woche? Es hängt vom Wetter ab. Ich bin kein Seemann und kann es Dir daher nicht sagen. Aber wir kommen direkt in Ostia an. Von dort ist es bis Rom dann nur noch ein Katzensprung."


    Ich wollte noch mehr sagen, wurde dann jedoch von einem Kerl der Schiffsbesatzung gerufen. Es ging los. Das Schiff würde jeden Moment aus dem Hafen auslaufen.


    "Los! Wir müssen. Sonst fährt das Schiff ohne uns!"


    Ich beugte mich nach unten, packte meinen Reisesack, warf ihn mir über die Schulter und marschierte dann in Richtung des Schiffes. Die kleine Ägypterin folgte mir.


    Sim-Off:

    -> Ostia!

  • Eine Woche, dann noch ein Katzensprung. Merit-Amun hatte Angst, doch das würde sie nicht zugeben. Mit mulmigem Gefühl im Bauch lief sie hinter Menas drein, als er sich in Bewegung setzte und das Schiff ansteuerte, das sie zurück in die Sklaverei bringen würde.

  • »He, ihr Landratten, zack zack, wir haben nicht ewig Zeit!« Caius wandte sich um und sah die Planke entlang noch oben auf das Deck des großen, bauchigen Schiffes. Der bullige Kerl sah ihn an. Caius runzelte die Stirn und deutete mit beiden Zeigefingern auf seine Brust. Lautlos formten seine Lippen ein Fragezeichen.
    »Na wen denn sonst, Schlaumeier? Seh sonst keinen außer euch da rumlungern!« Ein kehliges Lachen folgte, dann winkte der Seemann ab und ging über Deck nach achtern, wo er sich außer Sichtweite von Caius befand. Der sah Katander und Firas fragend an, zuckte dann aber mit den Schultern.


    Ehe er noch etwas dazu sagen konnte, stach ihm etwas anderes ins Auge. Ein dürrer Nubier, an dem die Kleider wirkten wie ein Sack in Übergröße, hatte sich eine der Kisten auf die Schulter gestemmt und balancierte damit die Planke hinauf. Caius wurde kreideweiß, als er sah, wie der Kerl in der Mitte etwas stehen blieb und sein Hab und Gut einfach nach oben warf, in die Arme eines nicht weniger schmächtigen zweiten Seemanns.
    »Heeee! Vorsichtig da, das kann kaputt gehen!!« brüllte er und gestikulierte wild in Richtung der Truhe. Der Kerl lachte nur zahnlos und warf die Kiste hin zu noch einem Seebären. Katander grinste, schwieg aber. Caius seufzte ergeben.
    »Vielleicht sollten wir dann mal... Sonst fahren die noch ohne uns los«[, bemerkte er zu Caius gewandt. Dem war die Gesichtsfarbe noch nicht wieder zurück gekommen.
    »Mhm-mhm...« Apatisch nickte er. Weil aber nichts passierte, begann Katander kurz darauf, Caius langsam Richtung Schiff zu schieben.


    Eine ganze Weile später befanden sich dann alle an Deck. Caius war bereits weiß um die Nase herum, Katander grinste nur. Befehle wurden gebelllt, Seile gelöst, Segel vorbereitet und Ruder ausgefahren. Es ging nach Hause. Im Moment aber wäre Caius liebend gerne in Alexandria geblieben, und zwar für den Rest seines Lebens....

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