Die "Glauke" und ihre wichtige Fracht

  • Dragonum hatte einige Mühe damit nicht unruhig von einem Bein auf das andere zu hüpfen, denn angesichts der ägyptischen Küste die sich nun schon seit einigen Tagen in Sichtweite befand konnte es nicht mehr allzu lange dauern bis sie schließlich Alexandria erreichen würden. Und nicht einen Tag zu früh wie er fand, denn die Fahrt war bis vor zwei Tagen noch ausserordentlich rau gewesen, bei einem Sturm vor 5 Tagen hatten sie sogar ein paar der Seemänner der Classis verloren, was natürlich nicht gerade zum allgemeinen Wohlbefinden beigetragen hatte. Dennoch herschte mittlerweile eine gute Stimmung an Deck den wie es aussah würden sie innerhalb der nächsten Stunden anlegen ...


    Als Dragonum schließlich den Hafen Alexandrias ausmachen konnte schickte er nach den drei Offizieren ...

  • Der decurio war damit beschäftigt sich die ihm gemeldeten Pferde zu besehen: Equitanus meldete einen Kolikverdächtigen, Alienus einen mit einem geblähten Bauch und Constantius einen, der sich zu vertreten haben schien. Da wurde er an Deck beordert.


    Als erster traf er dort ein.


    "Decurio Cursor wie befohlen zur Stelle, tribunus."

  • "Ho philos, tou philou, tó philó, ton philon, ó phile.... hoi philoi, tón philón ........"
    In einer stillen Ecke des Vorschiffes sass ich, im Schneidersitz auf den salzverkrusteten Planken, mein Grammatikbuch (techné grammatiké!) auf den Knien, und wiederholte die Deklinationen. Ich war ja ein großer Bewunderer der griechischen Kultur und auch der klangvollen Sprache, und da ich auf dem Schiff sonst rein gar nichts zu tun hatte, nutzte ich, seitdem wir dem Sturm entronnen waren (und mein Magen sich wieder beruhigt hatte), fleissig die Zeit, um meine Kenntnisse aufzufrischen.
    Aber, bei aller Liebe, Grammatik war einfach eine öde Angelegenheit, und ich sah immer wieder auf, zur Küste, die sich in ockerbraun und beigen Tönen endlos dahinzog, geheimnisvoll verhüllt von einem Staubschleier, manchmal schimmerte eine Andeutung von Grün hindurch, dann stellte ich mir märchenhafte Oasen, Palmenhaine und verwunschene Wüstenpaläste vor. Die Möwen umkreisten kreischend unser Schiff. Es hieß, dass wir Alexandria noch heute erreichen würden. Bei dem Gedanken verspürte ich ein angenehmes Kribbeln im Bauch.


    Dann schickte mein Kommandant nach mir, und ich klappte das Buch zu, sprang auf und begab mich zügig zu ihm.
    "Salve Praefectus Octavius!" Grüßend führte ich die Faust zur Brust, dem Decurio nickte ich zu. "Salve Decurio."
    Es hatte mich überrascht, zu erfahren, dass er auch ein Decimer war. Ich erinnerte mich, dass ich, als ich nach Livianus' Rückkehr die Familie informiert und zum Fest eingeladen hatte, auch ihm einen Brief geschrieben hatte, aber persönlich hatten wir uns noch nie getroffen.
    Der Präfekt wirkte ein wenig unruhig. Unwillkürlich folgte ich seinem Blick, und da... durch den Dunst zeichnete sich in der Ferne ein Turm ab. Ich kniff die Augen zusammen, beschattete sie mit der Hand, und spähte ganz euphorisch über das weißgetupfte Meer. Der berühmte Pharos von Alexandria!

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  • Dragonum nickte den beiden zu während seine Aufmerksamkeit weiter der Küstenlinie galt, die Hände hinter dem Rücken verschränkt beobachtete er wie sich eines der beeindruckensten Bauwerke das er je gesehen hatte, langsam aus dem Nebel von Alexandrias Hafen schälte ...


    "Es dauert sicher keine Stunde mehr bis wir am Hafen anlegen, wir sollten uns also bereit machen das Schiff zu verlassen! Wie ist es um die Pferde bestellt Decurio?"


    Die Pferde waren immernoch eine Hürde, wenn sie später im Castellum umkippen würden wäre ihm das herzlich egal, aber bis dahin mussten sie es schaffen! Allerdings würden sie sicherlich, noch bevor auch nur eins von den Pferden das Schiff verlassen konnte, ihr Eintreffen mit der Hafenwacht absprechen müssen immerhin musste ja auch der Praefectus Aegyptii informiert werden ...

  • Auch dem decurio war nicht entgangen, daß sie sich langsam der Küste näherten. Für den immer näher kommenden Leuchtturm hatte er keine Augen. Seine Sorge galt den drei Pferden, deren Wohlbefinden nicht seinen Erwartungen entsprach. Er betrachtete es als seine Pflicht, fast als eine Art Herausforderung alle Tiere wohlbehalten ins Lager zu bringen.


    So antwortete er auf die ungelegene Frage.


    "Bis auf drei Pferde sind alle Tiere wohlauf. Sie haben die beiden Reisen zu Wasser gut überstanden, tribunus."

  • "Und diese Drei ... ist es schlimm oder bekommst du das hin?"


    Dragonums Sorge war das sie tatsächlich noch so kurz vor dem Ziel Verluste verbuchen mussten, und das war ja nun garnicht akzeptabel ...


    "Kümmer du dich um die Pferde und die Männer und macht euch direkt auf den Weg zur Castra, der Tribun und ich werden uns zuerst beim Praefectus Aegyptii melden, schließlich wartet der gute sicher schon auf die Nachricht unserer Ankunft!"


    Außerdem war Dragonum auf seinen neuen Vorgesetzten gespannt, auch wenn die Befehlslage hier als recht schwierig galt ....

  • Es war eine schreckliche und lange Reise gewesen. Scheinbar hatte man den Göttern nicht genug geopfert oder sie wollten nicht, dass man zu dieser Zeit das Meer befuhr. Der Sturm war furchtbar gewesen. Sämtliche Ratschläge gegen die Seekrankheit hatte sie versucht zu befolgen. An guten Tagen den Blick auf die Küste gerichtet, die ihr viel zu weit weg war, an schlechten Tagen blieb sie unter Deck und hielt sich in der Mitte des Schiffes auf. Im Sturm waren sie jedoch alle miteinander nutzlos geworden. Das Schiff schwankte und wackelte und schaukelte gar fürchterlich. Hatte sie bis dahin das Seefahren einigermaßen überstehen können, war es nun darum geschehen. Ihr Essen konnte sie kaum bei sich behalten und auch nachdem Sturm nur sehr wenig zu sich nehmen.


    Wie froh war sie als man sie aus dem Bauch des Schiffes holte und ihr etwas vorher gesagt hatte, dass sie bald ihr Ziel erreichen würden. Sie konnte endlich an Land gehen. Gut sah Celeste nicht aus. Ihr fehlte jegliche Farbe im Gesicht, wirkte noch blasser als sonst. Auch Amneris hatte sie nicht wirklich trösten können. Eiligen Schrittes verließ sie das Boot so schnell sie konnte als sie durfte. Zu erst würden sich die beiden Frauen nach einer Bleibe umsehen müssen und dort würde Celeste sich gesund pflegen lassen und erst dann würde sie den Weg zu ihrem Arbeitgeber und Alibi-Freund finden. Er durfte nun warten...

  • Ein langezogenes Knirschen und schon lag das Schiff am Pier, einige der Seeleute machten sich daran das Schiff mit Seilen in Position zu bringen und die Männer der XXII Legion waren alle an Deck, keine 5 Minuten mehr und sie würden wieder auf festem Boden stehen ... die Planke wurde über die Kante geschoben und kam mit lautem Klappern auf dem gepflasterten Pier auf, zuerst die Offiziere und dann die Equites mit den Pferden ... eins nach dem anderen ...


    Dragonum hatte sich gerade wieder an den festen Boden gewöhnt und ein kleines Gebet des Dankes an die Götter gesandt, denn zweifelsohne war es ihr Verdienst das sie dieses Wetter überstanden hatten, als ein Optio der XXII. auf ihn zukam ... zweifelsohne keiner der mit ihm hier angekommen war ...


    "Ah Salve Optio, mein Name ist Tiberius Octavius Dragonum, Ich bin der neue Praefectus Legionis der XXII. schick einen Boten in die Regia damit der Praefectus Aegyptii von meiner Ankunft erfährt ... ich werde ihn dann auch gleich selbst aufsuchen! Ach und helft euren Kameraden beim Abladen des Schiffes!"


    Der Optio salutierte und sonderte gleich die bestellten Männer ab damit der Rest den Pöbel fernhalten konnte, denn scheinbar galt uns auch seitens der civilen Bevölkerung recht viel Interesse ...


    "Tribunus? Ich nehme an du begleitest mich zum Statthalter immerhin benötigen wir beide noch eine Ernennung!"

  • Sämtliche Pferde hatten das Schiff verlassen. Aufmerksam hatte der decurio jedes einzelne beobachtet. Mit einer Selbstverständlichkeit, die nach der langen Seereise nicht zu erwarten war, gingen die Tiere über die Planke. Seine drei Sorgenkinder hielt er getrennt von den anderen Tieren. Sie passierten den Übergang in Begleitung von je zwei equites und erreichten so das sichere Land.


    Die speciales kümmmerten sich, so wie es noch an Deck besprochen worden war, um die Gruppierung der Pferde. Es sollte ein geordneter Einzug ins castra werden.

  • Großartig! Ganz furios! Überwältigt von dem sich langsam vor uns entfaltenden Panorama, lehnte ich an der Reling, während der Bug des Schiffes sich in die Bucht schob. Häuser, Tempel, Paläste traten aus dem Dunst, und über allem der Pharos, Bona Dea, wie unglaublich riesig der war, schon aus der Ferne so beindruckend ragte er jetzt hoch wie ein Berg über uns auf. Die Worte, die neben mir fielen – es ging um die Pferde, warum in aller Welt verschiffte man die armen Tiere eigentlich vom Ende der Welt hierher fragte ich mich, komische Sache das – verschmolzen mit dem Rauschen der Wellen und dem Schlagen der Segel zu einem harmonischen Hintergrundgeräusch, meine Augen schweiften über die exotische Umgebung, sogen die fremdartigen Eindrücke gierig in sich auf... Staubgrau die fransige Silhouette der Palmen, ausgebleicht die seltsam dreieckigen Segel manch orientalischer Schiffe, und auch die Luft war anders, mal abgesehen von dem üblichen Hafenmief, trocken und "schärfer" als in der Heimat.
    Da – ein Lichtfleck auf den Wellen, einige Sonnenstrahlen drangen durch den Dunst, zauberten einen diffusen Schimmer von Azur auf das ölige Blaugrau... Auf einmal sprang mich heftig die Sehnsucht an, aus der Tiefe meiner Brust drang ein leises Seufzen, ich wandte den Kopf und sah zurück, irgendwo Richtung Nordwesten. Als gäbe er mir ein Zeichen...Aton. Wie er meine Nachricht wohl aufgenommen hatte? Hoffentlich entdeckte er die geheimen Zeilen. Es war eine bittere Ironie, jetzt war ich in Ägypten, aber unerreichbar fern von ihm, es war wahrlich.... "...desperat..."
    Aber das mit dem Lichtfleck, das musste ich ihm unbedingt schreiben.


    Das Knirschen des Bugs, der Trubel des Anlegens rissen mich aus der Kontemplation meines Leibesleids.
    "Natürlich Praefectus." erwiderte ich automatisch, und heftete mich an seine Fersen - etwas breitbeiniger, denn nach den vielen Tagen auf See schwankte der feste Grund unter meinen Füßen ganz trügerisch.

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