Chrysotriclinium | Cena der Familie am Abend der Ludi Ceriales

  • Seit einigen Wochen weilte Dexter nun im Hause seiner Familie in Rom. So war es nicht ausgeblieben, dass er seine Verwandten, und sie ihn, zumindest flüchtig kennengelernt hatten. Beziehungsweise dass er die Bekanntschaft, bei jenen, die für ihn lediglich eine Erinnerung aus Knabenzeiten gewesen waren, wieder aufgefrischt hatte.
    Dexter zeigte sich stets wohlerzogen, und artig hatte er Bericht erstattet über seine Studienzeit in Athen, auf Skios und am Museion von Alexandria. Tiefergehende Gespräche hingegen hatte er bisher kaum geführt. Was daran liegen mochte, dass er durch die Warnungen seiner Mutter eine inhärente Reserviertheit gegenüber der Gens seines Vaters aufrechterhielt. Stets hielt er sich gewappnet gegen böse Überraschungen, beobachtete genau, achtete bei jeder Geste und Gebärde eines Anverwandten darauf, ob darin Anzeichen eines lauernden Wahnsinnes mitschwangen. Bisher hatte er zwar keine eindeutigen Hinweise auf ein solches Übel entdecken können. Doch ebensowenig hätte er die Hand dafür ins Feuer gelegt, dass seine Verwandten sich ungetrübten geistigen Wohlbefindens erfreuten.


    Die Räder der Welt drehten sich weiter in jener Zeit. Die Blockade der Stadttore war endlich aufgehoben worden. Der Senat war während vieler Sitzungen damit beschäftigt, dem Reich einen neuen Kaiser zu küren, und mehr und mehr zeichnete sich bereits ein Sieg des Aquilius Severus ab. Die Ludi Ceriales wurden, wohl aufgrund dessen dass der plebeische Aedil sein Budget schon in der letzten Amtszeit verbraucht hatte, recht unspektakulär begangen.


    Dexter war in Begleitung Tanits und Molochs viel in der Stadt umhergeschweift. Auf den Foren und in den Thermen hatte er die Ohren gespitzt. Auch hatte er einigen Bekannten seiner Mutter und seines Stiefvaters Höflichkeitsbesuche abgestattet.
    Noch war Rom ihm nicht wieder Heimat geworden. Er vermisste das Museion, das Leben auf dem Campus, die inspirierenden Gespräche, er vermisste (schmerzlicher als er es in ihrer Gesellschaft je für möglich gehalten hatte) seine Commilitonen und die raren Freunde unter ihnen. Bisweilen zog er sich dann in die Bibliothek zurück, und vergrub sich in einer der Schriftrollen, die er kistenweise als Abschriften aus Alexandria mitgebracht hatte. Er hatte sie der Hausbibliothek einverleibt, von A wie Atomlehre bis Z wie Zenons Paradoxa. Zum Unwillen des alten Mago studierte er sie jedoch nicht nur dort, sondern schleppte beständig irgendein Werk mit sich herum.


    Im Augenblick war es ein Kommentar zu den Zehn Tropen des Ainesidemos von Knossos in dem Dexter las. Es war im Chrysotriclinium, wo er sich auf einer Polsterbank ausgestreckt hatte. Aufgrund der Festtages hatte Tanit ihn heute dazu bewegen können, sich in eine elegante Synthesis mit Kornährenmuster zu kleiden. Doch Dexter hatte etwas Schroffes an sich, etwas Widerborstiges in seinen Bewegungen, was auch das eleganteste Gewand in dem Augenblick in dem er es anlegte, zur puren Zweckmäßigkeit verdammte. Nie hielt sich ein Faltenwurf lange, edle Stoffe zerknitterten zwangsläufig, und Stickereien, die zuvor durchaus kunstvoll gewirkt hatten, schienen an ihm nurmehr rustikal.
    Dexter hatte den Kopf in die Hand gestützt, und eine grüblerische Furche stand zwischen den Brauen. Er war etwas zu früh zur abendlichen Cena der Familie erschienen. Die Sklaven waren noch bei den letzten Vorbereitungen. Und so wartete Dexter, versunken in große Gedanken über epoché und phainómena, auf das Eintreffen der anderen Familienmitglieder...

  • Selbstredend war auch Manius Minor, der nur einige Lenze weniger zählte denn Dexter, dessen Ankunft in Rom nicht entgangen, obschon sich zu keiner Zeit die Opportunität eines längeren Zwiegesprächs hatte ergeben, da der jüngere Gracchus nunmehr, da die Pforten Roms wieder offen standen, zur Gänze mit dem hastigen Abschluss seiner rhetorischen Studien bei Quinctius Rhetor war okkupiert, während zugleich die Präparationen seiner baldigen Abreise waren zu bewerkstelligen. Somit kalmierte es den Jüngling in nicht geringem Maße, endlich einen Abend der Muse im Kreise seiner Lieben, lediglich in bescheidenem Maße gemindert durch die Präsenz seines Erzeugers, zu genießen, ehe er all dem den Rücken zu kehren hatte, um sich just jener Destination zuzuwenden, welche der neue Familiare bisherig seine Heimat hatte genannt.


    Dies war auch das vornehmliche Objekt des gracchischen Vorwitzes, welches den Jüngling motivierte, ein wenig verfrüht das Chrysotriclinium aufzusuchen, angetan mit einer grünen Synthesis zu Ehren der Ceres und eskortiert von seinem geliebten Patrokolos, der ebenso wie sein Herr bis zum blonden Schopf in den Reisevorbereitungen steckte.
    "Salve, Dexter!"
    , salutierte der junge Flavius seinen Familiaren nach Betreten des Raumes, während er jenen gewohnten Platz anvisierte, auf welchem er trotz seines Zerwürfnisses mit dem Vater als Erbe des Hausherrn zu dinieren pflegte, aus der Ferne des Raumes ob einer Similität der Haltung schlagartig gewahrend, dass der Jüngling auf der Kline ja ebenfalls zu den Milonen zu zählen war, womit die Frage sich stellte, ob er eher dem Modell des jüngeren Iullus oder doch dem Vorbilde Scatos nacheiferte, da die inzwischen wohlbekannten Retraits in die Bibliotheca des Hauses in beide Richtungen waren zu interpretieren.

  • Die zurückliegenden Tage waren überaus enervierend gewesen für Gracchus - erst die Imponderabilien und Exaltation nach der Testamentsöffnung und der darin festgelegten Wahl des nächsten Augustus, hernach eben letztere, seine eigene Nominierung inkludierend. Zudem trieb ihn noch immer das Gespräch mit Faustus um, wiewohl die in Aussicht stehende Ehe mit Aurelia Prisca. Aufgrund eben dieser Geschehnisse hatte er zuletzt wenig Zeit gefunden für die Belange der Familie, weder um die Vorbereitungen zur Abreise seines Sohnes zu befürsorgen, noch um mit dem Neuankömmling in Form seines Neffen Dexter ausgiebig zu konversieren.
    "Salvete, ihr beiden!"
    grüßte er an diesem Abend die jungen Männer, welche bereits auf den Klinen des Tricliniums harrten, und legte sich auf den ihm angestammten Platze neben Gracchus Minor.
    "Nun, habt ihr beiden euch bereits rege ausgetauscht über Alexandria und das Museion? Zweifelsohne hast du, Dexter, zahlrei'he nutzbringende Ratschläge, welche du Minimus mit auf den Weg geben kannst?"

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  • "Salve, Gracchus Minor."
    antwortete Dexter zerstreut, diesen nur aus den Augenwinkeln wahrnehmend, denn er wollte noch schnell den Absatz zur 'Verschiedenheit der Erscheinungen je nach der Art der Verbindung' zu Ende lesen. Erst danach rollte er die Papyrusbahn langsam und methodisch zusammen, und verstaute sie in ihrem mit purpurnem Saffianleder bespannten Futteral, während er sich dem Vetter dritten Grades zuwandte.
    Wie kann man nur so fett sein.
    schoß es ihm abschätzig durch den Kopf. Denn die Leibesfülle des jüngeren Gracchus schien ihm ein Zeichen für einen höchst blamablen Mangel an Selbstdisziplin. Dann allerdings ließ er diesen eben gedachten Gedanken Revue passieren, und während er den Vetter mit schräg gelegtem Kopf betrachtete raisonierte Dexter, das sowohl sein gefälltes Urteil, als auch die Wahrnehmung auf der es basierte auf vielfältige Weise anfechtbar waren.
    Wir können nicht sagen, wie die Sache an sich ist, sondern nur wie sie uns erscheint.


    "Salve, Gracchus Maior." begrüßte er den Hausherren bei dessen Eintreten respektvoll.
    Minimus! Das Amüsement über diesen paradoxen Namen zuckte wie ein Wetterleuchten über Dexters strenge Züge.
    "Noch nicht. Doch traun." antwortete er.


    Und zu Minor: "Zuvörderst solltest du dich darauf gefasst machen, dass die Alexandriner einen unmäßigen Hang zur Bürokratie haben. Die ersten Schritte in die Hallen der Erkenntnis sind darum weit weniger erhebend als man meinen möchte. Doch sobald du der Proxenie teilhaftig bist, und in die Listen der Akroatoi eingetragen, da öffnet sich dir wahrhaftig eine neue Welt. Deren Möglichkeiten so mannigfaltig wie exzellent sind. Welche Bereiche gedenkst du zu studieren?"

  • Durch die Bestrebungen ihrer Leibsklavin Cadace war es Domitilla gelungen, noch die eine oder andere Information über den jungen Flavius, der vor erst wenigen Wochen auf recht spektakuläre Weise in Rom angekommen war, in Erfahrung zu bringen. Bislang hatte sie ihn nur wenige Male flüchtig gesehen und zu einem echten Wortwechsel war es, bis auf die üblichen Höflichkeitsfloskeln, noch nicht gekommen. Wohl aber war ihr seine Unverdorbenheit aufgefallen, die er sich in der Fremde bewahrt hatte. Noch war sein Charakter von keinem Ränkespiel befleckt und von Habgier und Neid zerfressen. Doch wie lange würde er wohl jene Jungfräulichkeit noch bewahren können? Wann würde auch er beginnen, Rom Tribut zu zollen?
    Domitilla für ihren Teil, wollte die gemeinsame Cena dazu nutzen, um jenen Flavius Dexter ohne jegliche Ressentiments kennenzulernen. Auch wenn er der jüngere Bruder des Scato war, so bestand doch die Möglichkeit, dass er sich von dessen Naturell grundsätzlich differierte. Bestes Beispiel dafür war der dritte Bruder Flavius Fusus, der sich zu ihrem Bedauern seit einiger Zeit immer mehr zurückgezogen hatte.


    Ja, Flavius Dexter hatte eine Chance verdient, auch wenn er sie zu ihrem Leidwesen mit „Tante“ titulieren würde, obgleich sie nur wenige Jahre trennten. Vielleicht war er jenes Glied der Familienbande, welches den Riss, den Scatos Interventionen bezüglich ihrer Vermählung geschlagen hatte, wieder schließen sollte.
    So erschien sie recht beschwingt an jenem Abend im Chrysotriclinium in Begleitung ihrer Leibsklavin, die ihr ,wie üblich, mit einigen wenigen Schritten Abstand, folgte. Da die junge Flavia eine Freundin der modischen Extravaganz war, hatte sie zu diesem Anlass eine seidene Tunika angelegt, deren Farbe an das goldgelbe Licht der Sonne erinnerte und deren Kanten mit aufwändig bestickten Bordüren verziert waren. Auch Astarte, die Ornatrix hatte wieder einmal ihre kreative Ader ausgelebt, als sie in die hochgesteckte Frisur der Flavia auch noch echte Blumen und sonstiges Grünzeug, was der Garten um diese Jahreszeit eben hergab, eingeflochten hatte.
    Zufrieden darüber, dass sie nicht die Erste war, die im Chrysotriclinium eintraf, begrüßte sie die bereits anwesenden Familienmitglieder mit einem „Salvete allerseits!“ und nahm auf einer der Klinen Platz.

  • Erfüllt von Appetenz hatte Manius Minor auf seinem Platze verharrt, während Dexter undisturbiert seine Lektüre vollendete, sodass, ehe ein weiteres Wort war gesprochen, auch schon Manius Maior im Raume erschien und sogleich das Heft der Konversation an sich und somit dem Jüngling jedwede Option eines autodeterminierten Gespräches ent-riss, was dieser mit einem, dezeitig habituell gewordenen feindseligen Blick gegen den neben ihm sich platzierenden Vater kommentierte.


    Delektablerweise adressierte indessen nun sein Anverwandter direkt seine Person und wartete sogleich mit hilfreichen Hinweisen auf, die der junge Flavius mit disturbiertem Nicken quittierte, da doch er aus der Lektüre der Klassiker den Osten als Hort der Leichtigkeit des Seins, insonderheit kontrastierend zum engherzigen, kühlen und bürokratischen quiritischen Animus hatte erwartet. Doch ob des Faktums, dass sein bisheriges Leben weitgehend frei von administrativen Plagen war verlaufen, sofern man von der Registratur als Civis mochte absehen, welche ihrerseits jedoch recht unproblematisch verlaufen war, so schreckten ihn derartige Obliegenheiten kaum. Durchaus ein gerüttelt Maß an Unbehagen bereitete ihm dessenungeachtet die Frage, mit welcher der Milone seinen Ratschlag vollendete, denn obschon ihm selbstredend bewusst war, dass jenes Museion zu Alexandria eine schier infinite Zahl an Studien bot, so hatte er ob seiner Widerständigkeit gegen das neuerliche römische Exil sowie der mit diesem einhergehenden Obligationen des Abschiedes bisherig doch sich niemals jener Muse hingegeben, derer es für eine derartige Wahl bedurfte.
    "Nun..."
    , formulierte er somit stockend, die Miene eines ertappten Bettelknaben am Stand des Obsthändlers präsentierend, wobei er similär zu einem solchen hurtig nach einer adäquaten Replik rang:
    "...ich vermute die Ars Oratoria sowie ein wenig an Ethik und Rechtswissenschaften?"
    Jene Aspekte entsprachen zur Gänze dem oberflächlichen Interesse an den Künsten, welches dem gemeinen quiritische Pragmatismus als erstrebenswert akzeptierte, weshalb auch sein Magister Quinctius sich lediglich auf derartige Aspekte sich kaprizierte, wann immer er den Rhetor perfectus et doctus des Cicero definierte.
    Um indessen die insuffiziente Reflexion seiner spontanen Wahl zu verbergen, mühte er sich rasch den Fokus der Appetenz zurück auf seinen Neffen zu verschieben, indem er fragte:
    "Welche Künste hast du denn studiert?"


    In jenem Augenschlage, da die Frage war gestellt, erschien bereits Tante Domitilla in Gestalt der liebreizenden Flora, obschon der Jüngling wie gewöhnlich außerstande blieb, die Details jenes aufwändigen Putzes in adäquater Weise zu würdigen. Da er hingegen wusste, dass sie mit ihrer Aufmachung nur allzu gern derartige Reaktionen evozierte, präsentierte er rasch eine sorgsam einstudierte, admirierende Mimik und salutierte artig:
    "Salve, Tante Domitilla!"

  • Wie immer seit ihrer Ankunft betrat Flamma das Chrysotriclinium, um an der Cena teilzunehmen. Doch heute erwartete sie eine kleine Überraschung - noch ein Gesicht, das sie nicht kannte.

    Drei der Grazien gibt's, nur eine Venus! Die Veilchen will ich zum Strauße gereicht, aber die Rose allein.

    Einmal editiert, zuletzt von Flavia Flamma ()

  • Scato hatte in letzter Zeit, den Ereignissen um Prisca war es geschuldet, wenig Lust auf familiäre Aktivitäten. Zu tief saß der Stachel der unerfüllten Liebe in seinem Fleisch, zu tief die Wut auf Gracchus..


    Aber sein Bruder war ja da, und da wollte er sich nichts anmerken lassen, sodass er sich in eine schlichte Tunika kleidete, und leise das Chrysotriclinium betrat..
    "Salve.", entfuhr es ihm kurz, "Liebe Familie.", schob er schnell nach bevor noch jemand auf sein Unwohlsein schließen konnte..
    Anschließend setzte er sich hin und musterte die Gesichter seiner Verwandtschaft.

  • Wie verlegen der jüngere Gracchus mit einem Mal erschien. Seine Wahl schien er noch nicht recht bedacht zu haben. Oder gab er die brave Antwort lediglich, um seinen Herrn Vater zufrieden zu stellen? Dexters Blick schweifte von Gracchus Minor zu Gracchus Maior und wieder zurück, es war nicht allein das Interesse an seinen Verwandten, auch die Lust daran Schwächen und Bruchstellen im Gefüge seiner Umgebung zu finden, die Dexter hier aufmerksam machte.


    Bevor er zu weiteren Schilderungen ausholen konnte, füllte sich der Speisesaal mit breviloquenten Verwandten. Zuförderst die sinnliche Tante Domitilla. Ihr zu begegnen, gereichte stets dazu, Dexter in einen Zustand der Befangenheit zu versetzen, und auch heute war es nicht anders. Verschüchtert beinahe erwiderte er ihren Gruß.
    Zwar missbilligte er im Grunde jedweden Tand und Flitterkram, zwar war er in der Theorie sehr überzeugt davon, dass es (im individuellen wie auch im gesellschaftlichen Zusammenhang) zu geistiger Seichtheit führte, die Reize des Äusserlichen so in den Vordergrund zu stellen, zwar fand er koischen Stoff einen so dekadenten wie unnötigen Import..... doch trotz alledem. Ratio und Prinzipien vermochten auch ihn nicht zu bewahren vor der verwirrenden Wohlgeformtheit einer schlanken Fessel, welche in eine Wade überging, deren köstlich gerundete Konturen sich unter dem zarten Stoff nur allzu verlockend abzeichneten. Was, von dem sonnengelben Hauch umflossen, über diese Wade hinausging... ließ Dexter den Blick schnell abwenden. Betont uninteressiert. Er hasste es, sprachlos, nicht mehr Herr seiner selbst zu sein. Angelegentlich musterte er das Tischgedeck. Welches aus spiegelndblankem Silber bestand, und sich somit nahtlos in die allgemeine Dekadenz um ihn herum fügte.
    Ebenso wie die junge Tochter des Hausherrn. Dass das Mädchen sich offenbar, trotz ihres noch kindlichen Alters, mit einer Perücke aus blondem Germanenhaar schmückte, fand Dexter ausgesprochen unnatürlich.
    Zuletzt erschien Scato. Leiser schien er Dexter geworden zu sein, verhaltener, im Vergleich zu dem Bruder den er früher kannte.


    Während die Sklaven die Vorspeisen auftrugen, wandte Dexter sich erneut Gracchus dem Jüngeren zu.
    "Staatskunde und etwas Recht habe ich natürlich auch belegt. Doch mir ist an einer umfassenden Reflexion gelegen, darum habe ich den Schwerpunkt meiner Studien auf die Philosophie gelegt, und da wiederum insbesondere auf die Schule der Pyrrhonisten. Es ist gar nicht leicht, in diesem Bereich einen Lehrmeister zu finden. Leider ist die akademische Skepsis deutlich mehr 'in Mode', doch in meinen Augen unterliegen deren Anhänger, in ihrem feurigen Bestreben alle Dogmen zu zertrümmern, letztendlich selbst einem Dogma."
    Ein Nicken von großer Bestimmtheit unterstrich diese Worte.
    "Am Museion habe ich aber zu meinem Glück doch einen Weisen der pyrrhonischen Skepsis gefunden. Den ehrenwerten Ariston von Salamis. Er ist sehr wählerisch, und verlangt eine gediegene Vorbildung in Atomismus und Sophismus, bevor er einen Schüler akzeptiert, aber dann... lehrt er einen großartige Wege der Erkenntnis, beziehungsweise..."
    Dexter lächelte vergnügt, wie verwandelt durch dieses Thema welches ihn wahrhaft mit Leidenschaft erfüllte.
    "...der Nicht-Erkenntnis. - Es ist eine im Leben höchstwahrscheinlich einmalige Gelegenheit, am Museion zu sein. Du solltest dir überlegen was du noch studieren willst, über das Rüstzeug für den Cursus Honorum hinaus. Wenn wir erst einmal Senatoren sind," hier umschloß Dexter mit einer selbstverständlichen Handbewegung Gracchus minor, Scato und sich selbst, "können wir niemals mehr dorthin."

  • Auch seine Schwester und endlich Scato traten nun hinzu, sodass Manius Minor Gelegenheit erhielt, seine Reflexionen über die Similiarität Dexters zu seinen Brüdern aufs Neue zu erwägen, doch gelangte er ob seiner Fehlsicht und der ihm nicht fremden Wortkargheit des länger residierenden Milonen zu keinem Ratschluss, ehe der neue Resident seine Appetenz wieder dem Museion zuwandte.


    Neuerlich beschämte der augenscheinlich weitläufige und mit dem Ehrenlaub der Wissenschaft bekrönte Neffe hierbei den jungen Flavius, dessen traditionelle Edukation ihm bisherig eine tiefere Kenntnis philosophischer Schulen (jenseits pragmatisch-ethischer Maximen) hatte verwehrt, sodass die Erwähnung des Pyrrhon ihn zwar durchaus dahingehend zu informieren imstande war, dass Dexter der Gruppe der Skeptiker war zuzuschlagen, doch weitere Einsichten ihm verwehrt blieben, da er insonderheit des Wissens über jene für seinen Grammaticus stets verächtlich abgetanen Lehre des Nicht-Wissens, welche doch angeblich zu keinem Ziele führte und somit als dem aristokratischen Leben undienlich abzulehnen war, entbehrte. Insofern grämte ihn die delikate Wahlpraxis des ehrenwerten Ariston mitnichten, da er ohnehin in den Genuss jener Lehren zu kommen sich nicht anzustellen gedachte.


    Fortunablerweise offerierte Dexter final doch ein Sujet, welches keinerlei philosophischer Vorbildung bedurfte und insofern geeignet war, über die Unpässlichkeiten des Jünglings hinwegzuführen und den Fluss des Gespräches in vertrauteres Fahrwasser zu leiten:
    "Nun, als Senatoren wird es uns vermutlich ohnehin an Zeit fehlen, die Provinzen um der Bildung willen zu bereisen."
    , äußerte er daher, um sogleich eine These anzuhängen, welche sich zu einer kleinen, wenn auch hypothetischen Disputation eignete:
    "Indessen erscheint es mir in keinster Weise adäquat, dass Senatoren noch immer das Betreten jener Provinz untersagt ist, wo doch zahlreiche Provinzen in ebensolchem Maße dem Princeps höchstselbst gehören und es dort ebenfalls possibel ist, sie als Laticlavius zu besuchen."

  • Einem Wesen gleich aus einer anderen Sphäre schwebte Domitilla in den Raum, leichtfüßig und luftig, erhaben und hehr - und für einen Augenblick trieb Gracchus dies einen Stich in sein Herzen, da es einer jener Momente war, in welchen sie ihrer Schwester Leontia so überaus ähnlich war. Nach Alexandria hatte diese segeln wollen, mit ihm gemeinsam, und hatte es letztendlich auch in gewisser Weise getan, war letztlich mit ihm - respektive seinem Bruder - untergegangen. Nachdem Gracchus seine Base begrüßt hatte - ein feines Lächeln lag dabei um seine Lippen -, blickte er einen kurzen, nachdenklichen Augenblick auf seinen Sohn, was neuerlich ihm einen Stich versetzte. Beinahe war er dazu bereit, dessen Reise nach Alexandria noch eine geraume Zeit zu retardieren, denn ungeachtet aller Distanz die zwischen ihnen lag, so war und blieb Minor sein Sohn, der wichtigste Bestandteil seiner Familie und seiner Zukunft, und diesen in das endlose Reich Neptunus' zu verlieren mochte der Vater nicht einmal sich ausdenken. Doch Minor schien bereits überaus interessiert an Dexters Zeit in der fernen Provinz, dass Gracchus eher fürchtete, durch ein Verbot dieser Reise neuerlich den Zorn seines Sohnes auf sich zu ziehen. Nicht minder Sorge bereitet auch seine Tochter ihm, welche alsbald ebenfalls das Triclinium betrat - fiel doch dem Vater jeden Tag mehr und mehr auf, dass sie auf der Schwelle zwischen Kindsein und Frau stand, dass es alsbald notwendig würde sein, sie an einen Ehemann abzutreten. Gänzlich unbefangen, durchaus wohlgefällig, quittierte Gracchus indes Scatos Eintreffen - denn all sein Zorn über die unsägliche Ehe Domitillas richtete sich noch immer gegen deren Vater und über seines Neffen Verhältnis zu Aurelia Prisca wusste er nicht das geringste. Während der Vorspeise lauschte er überaus interessiert den Worten Dexters, welche bereits ihn in eine blühende Zukunft Minors blicken ließen, denn zweifelsohne würde auch sein Sohn in Alexandria sich ausgiebig den großartigen Möglichkeiten der Philosophie widmen.
    "Nun, es ist nicht einzig der kaiserliche Besitzstand, welcher Aegyptus zu Exzeptionalität erhebt"
    , quittierte Gracchus den Einwand seines Sohnes.
    "Sondern noch immer der Reichtum an Nahrungsmitteln, respektive Getreide. In keiner anderen Provinz ist es gelungen, einen derartigen Überfluss zu er..wirtschaften, und wie nicht zuletzt der Bürgerkrieg gezeigt hat, ist Roms Grundversorgung in großem Maße abhängig von den Kornkammern im Süden. Ein Mann, welcher sich aufschwingt Aegyptus unter seine Hand zu bringen, kann darob durchaus zur Gefahr Roms werden. Indes mag ich dir durchaus zustimmen, Minimus, dies wird wohl kaum einem Manne gelingen, welcher schli'htweg das Land bereist. Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass diese Restriktion überaus deplorabel ist, denn tatsächlich wäre Alexandria einer der wenigen Orte der Welt, welcher zu einer weiten Reise mich verleiten könnte."
    Genau genommen war es wohl der einzige Ort der Welt, welchen Gracchus freiwillig würde bereisen.
    "Scato, wie steht es mit dir? Vermag der Reiz Alexandrias dich zu locken? Die Zeit, in welcher dir eine Reise nach Aegyptus möglich sein wird, neigt sich schlussendli'h ihrem Ende zu."

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  • Scato blickte aus dem Weinbecher herauf in welchem er sein Gesicht tief vergraben hatte, einfach aus dem Beweggrund heraus seiner Familie so selten wie möglich in die Gesicht blicken zu müssen, allen voran Gracchus. Er wurde ein wenig paranoid, und glaubte dass ein jeder seiner Familie über ihn und Prisca Bescheid wusste, besonders für Domitillla musste das ein wahres Fest sein..
    Als nun Gracchus Worte auf seine Ohren trafen fühlte er sich mehr und mehr bestätigt, der Alte wollte ihn loswerden! Abschieben nach Aegyptus, mit Minor als "Aufpasser", das könnte ihm so passen!
    "Es ist nett dass du fragst Onkel, aber ich möchte mich nach einiger Zeit der privaten Studium gerne meinem Weg hier in Rom widmen.", erklärte der Flavier ruhig und mit dem künstlichstem Lächeln dass er in seine kalten Wangen schneiden konnte..
    "Außerdem stehen unserer Familie doch große Ereignisse ins Haus, da darf ich doch auf keinen Fall fehlen.", kommentierte er anschließend, und schaffte es gerade noch den Sarkasmus in seiner Stimme zu drosseln bevor er sich die Wut wieder herunterspülte..

  • Ohne ihrer Sklavin größere Beachtung zu schenken, hatte Domitilla ihre Sandalen abgestreift, die Candace sofort in Verwahrung nahm. Ein anderer namenloser dienstbarer Geist versorgte sie sofort mit verdünntem Wein. Derweil lauschte sie der Unterhaltung, die ihre Verwandten miteinander führten. Wie sie durch Candace erfahren hatte, war Dexter geradewegs aus Alexandria nach Rom zurückgekehrt. Dort hatte er wohl am Museion studiert. Eine durchaus beeindruckende Tatsache, doch für ihre Familie nichts Unübliches. Ihr als Mädchen war eine solche Möglichkeit natürlich verwehrt geblieben. Insgeheim aber beneidete sie ihre männlichen Familienmitglieder, die in jungen Jahren die Möglichkeit hatten, an den renommiertesten Schulen Achaias oder Alexandrias studieren zu können.


    Kurz nach ihrem Eintreffen betrat die junge Flamma den Raum. Zu ihrem Bedauern hatte sie bisher nur wenig Kontakt zu Gracchus Tochter. Zu sehr war sie mit den Vorbereitungen für ihre bevorstehende Hochzeit mit Tiberius Lepidus beschäftigt gewesen. Doch sie hoffte, im Laufe des Abends mit ihr ins Gespräch zu kommen. „Salve Flamma!“, begrüßte sie das Mädchen freundlich. Dies war zumindest ein Anfang.
    Bevor sie noch etwas hinzufügen konnte, wurde ihr Augenmerk auf den eintreffenden Scato gelenkt. Irrte sie sich oder schien ihn etwas zu bedrücken? Im Grunde musste sie das keineswegs tangieren, denn schließlich hatte sich ihr Verhältnis zu ihm seit seiner eigenmächtigen Intervention extrem verschlechtert. Drum war ihr „Salve“ recht verhalten. Sie hatte ja keine Ahnung, dass ihn inzwischen ähnliche Pein quälte, wie sie seinerzeit, als sie hatte feststellen müssen, dass ihr die wahre Liebe in ihrem Leben verwehrt bleiben würde.

  • Es gab Momente, in denen Dexter mitten in Gesellschaft, in trauter Runde, in festlichem Beisammensein, unvermittelt der Drang überkam, ein Buch zur Hand zu nehmen. Und sich darin zu vertiefen. Zu lesen...
    Diese Momente waren nicht selten. Gerade jetzt war ein solcher Moment.
    Das Thema Einreisebeschränkungen, Dexter an sich schon wenig passionierend, hatte sich erschöpft. Nun erfüllte lediglich das Klappern des Geschirrs das Triclinium, das Mahlen flavischer Kiefer und das Blubbern dicker Saucen.


    Bücher hatten so viele unbestreitbare Vorzüge gegenüber Mitmenschen. Zum einen konnte man sich die Auswahl, die einen umgab, frei zusammenstellen, und dabei eine sorgfältige Auswahl treffen. (Natürlich keine Trivialliteratur.) Man konnte sie aufrollen und wieder zurollen, sie öffnen und schließen, ganz wie einem der Sinn stand. Dem gebildeten Leser boten sie ihren Inhalt freigiebig dar, zierten sich nicht, niemals würde ein Buch einen anschweigen. Selbst die Schriftrollen mit den üppig verzierten Hüllen ruhten sich nicht darauf aus, lediglich ungeheuer schön zu sein, nein, auch diese Schmuckstücke präsentierten ohne Scheu ihren geistreichen Inhalt, der sie erst interessant machte. Menschen waren dem gegenüber oft so... hermetisch.
    Liegt es daran, dass ich den Schlüssel nicht besitze?
    Wenn ja, wo mag er zu finden sein?

    Dexter verspeiste ein paar Eier, und schielte sehnsüchtig zu seiner beiseite gelegten Schriftrolle.
    "Beim Essen wird nicht gelesen!" – Es war die Stimme seiner Frau Mama, deren stete Ermahnung er verinnerlicht hatte.
    Aber an seiner Karriere zu arbeiten, das war erlaubt.


    Dexter schluckte den Bissen herunter und tupfte sich den Mund mit der Serviette ab.
    "Was meinen Weg hier in Rom betrifft" meldete er sich zu Wort, "so gedenke ich diesen auf traditionelle Weise mit einem Tirocinium Fori zu beginnen."
    Er blickte in die Runde. Ratsuchend von einem zur anderen zum anderen.
    "Der Senator, den ich dafür wähle, sollte natürlich rhetorisch herausragend sein, zudem reich an Verbindungen, und dem Patriziat oder der Nobilitas angehören. Was meint ihr, werte Anverwandte, welche Senatoren kommen dafür in Frage?"

  • Nachdenklich legte Gracchus die Stirn in Falten und sann über einen geeigneten Senator für Dexter nach. Zuerst fiel ihm Cornelius Scapula ein, indes war jener derzeit politisch überaus unmotiviert, so dass ein Tirocinium bei diesem allfällig ein wenig fade mochte enden. In Hinblick auf Aurelius Lupus war er sich ein wenig unsicher, welche Pläne jener derzeit verfolgte, ein Großteil der plebejischen Nobilitas kam nicht in Frage, da zu viele von diesen bei der Machtausweitung des Ducciers zu still gewesen waren, ein anderer Teil der Nobilitas wiederum war nach Erreichen des Konsulates öffentlich nurmehr im Senat engagiert, was für Dexter ebenso ein wenig öde mochte ausfallen.
    "Domitillas' Verlobter, Senator Tiberius Lepidus allfällig. Er ist verbal durchaus gewandt, ambi..tioniert und ein Pontifex zudem."
    Dass der Tiberier seine Schwester mit Duccius Vala hatte verheiratet, konnte Gracchus zwar noch immer nicht nachvollziehen, seine Echauffierung im Senat gegen die Machenschaften der Konsuln indes hatte diesen Malus wieder ein wenig nivelliert.
    "Womöglich wird er sich alsbald für das Aedilat vorbereiten, was zweifelsohne eine gute Gelegenheit wäre, viel zu lernen. Domitilla, weißt du näheres über seine Absi'hten?"

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  • Ein wenig gelangweilt stocherte Domitilla in ihrem Essen herum, während sie dem Gesprächen ihrer männlichen Anverwandten lauschte. Ihre ganze Hoffnung hatte sie eigentlich auf Flamma gelegt, die neben ihr selbst das einzige weibliche Wesen war, welches zu Tisch lag. Doch die junge Frau verhielt sich zu ihrem Leidwesen recht still. An eine gleichgeschlechtliche Konversation war daher nicht zu denken und daher war auch keine Distraktion zu erwarten.


    Tja, der Mangel an Frauen war in der Tat beklagenswert! Es wurde Zeit, dass sich ihre Verwandten vermählten. Dass nun ausgerechnete Gracchus dabei den Anfang machte, war in der Tat für die „jüngere Riege“ beschämend, wie sie fand. Besonders Scato kreidete sie dies an. Hätte er sich lieber mal um seine eigene Angelegenheiten gekümmert, statt sich in meine einzumischen!


    Doch dann war es Gracchus, der einen Versuch startete sie mit in die Gespräche mit einzubeziehen. Nun, was sie über Tiberus Lepidus zu berichten wusste, war recht einfach. Sein geplanter Weg war gradlinig nach und nach oben strebend ausgerichtet, ohne Rücksicht auf Verluste, verstand sich.
    „Nun, soviel ich weiß, ist er bestrebt, den Cursus Honorum konsequent weiter zu beschreiten. Ein Aedilat wäre also nur die logische Folge daraus. Doch auch im Cultus Deorum hat er große Pläne, wie er mir bei Gelegenheit mitteilte.“

  • Für den Hauch eines Augenschlages verspürte Manius Minor die Hoffnung, in seinem neuerlichen Exil diesmalig einen Gefährten zu gewinnen, als Manius Maior eine Bildungsreise gen Osten auch dem älteren Milonen offerierte, was dieser jedoch sogleich ausschlug, wie dies ohnehin war zu erwarten von einem Manne, welcher bereits das Tirocinium Fori wie das Vigintivirat hatte vollendet und somit eher den Weg in den Senat als den ins Museion würde anstreben.


    Indessen offenbarte folgend auch Dexter seine Pläne, welche natürlicherweise auch dem jüngeren Gracchus mochten ins Haus stehen, sofern er jemals sein alexandrinisches Exil würde überwinden. Insofern fand der Gedanke, ein Tirocinium Fori bei Tiberius Lepidus, dem Angetrauten Tante Domitillas und Collega seines Vaters, durchaus ein gewisses Maß an Interesse, obschon selbstredend der Makel der tiberischen Relation zum duccischen Homo Novus die Qualifikation des Prätendenten in gewissem Maße minderte. Dies zu thematisieren in Präsenz seiner Verlobten erschien jedoch überaus unschicklich, sodass der junge Flavius es präferierte, bezüglich der kultischen Ambitionen sich weiter zu informieren, da doch der Tiberius bereits im ranghöchsten aller Collegia war eingetroffen, kaum hatte er die roten Schuhe angelegt.
    "Strebt er ein Flaminat an?"

  • Sim-Off:

    Sorry! -.^


    Domitilla hatte sich ein kleines Stück von der mit Maronen gefüllten Wachtel genommen. Mit viel Hingabe hatte sich der flavische Coquus heute wieder einmal selbst übertroffen. Für gewöhnlich mochte sie diese Speise auch. Besonders das zarte Fleisch der jungen Wachteln liebte sie. Jedoch heute konnte sie ihrer Lieblingsspeise beileibe nichts abgewinnen. Woran das liegen mochte, wussten wohl nur die Götter allein. Ziemlich lustlos hatte sie sich nun doch etwas Fleisch von den Knöchlein des Vogels gelöst und wollte nun das Stück Fleisch ihrem Mund zuführen. Doch dann ließ sie es wieder sinken. Da die Flavia nicht mehr hasste, als fettige Finger, eilte einer der Sklaven auf ihren ungeduldigen Wink hin schnell herbei und reinigte ihre Finger mir warmen Wasser.


    Dann endlich, von dem unangenehmen Fettfilm auf ihren Fingern befreit, konnte sie sich der Frage ihres Neffen Gracchus Minor widmen. „Dem ist so!“, antwortete Domitilla. Mit ihrer letzten Bemerkung über die kultischen Ambitionen ihres Verlobten, hatte Domitilla offenbar das Interesse ihres jungen Neffen geweckt. Auch hierzu konnte sie Auskunft geben, denn Lepidus hatte es ihr gegenüber bei einem Treffen einmal thematisiert. Dass sie dies freimütig tat, stand außer Frage, letztendlich würde es schon bald ihr Gatte sein, der jenes Ziel erreichen wollte. „Wie er sagte, strebt er den Posten des Flamen Martialis an.“

  • Bisherig hatte Manius Minor, welcher ja seit frühester Kindheit Manius Maior sowohl häuslich, als auch öffentlich als Minister zur Seite gestanden war, diverse Flamines kommen und gehen sehen, die indessen zumeist jener Generation der verdienten, doch kaum mehr ambitionierten Senatoren waren entnommen worden. Lediglich der vorherige Flamen Martialis, welcher vor viriler Kraft hatte gestrotzt und dennoch recht unerwartet verschieden war, hatte hierbei eine Ausnahme präsentiert, an welcher der Tiberius (zumindest hinsichtlich der virilen Kraft, weniger des frühen Ablebens halber) sich durchaus orientieren mochte.
    "Somit würdest du zu einer Flaminca werden, nicht wahr? Oblägen dir dann auch spezifische Aufgaben?"
    , schob er die Thematik auf die Attendenten des Gastmahles zurück, zumal seine Tante seinem Darfürhalten nach für gewöhnlich eher als juvenil-fröhlich denn gravitätisch-pietätvoll auftrat, womit das Amt der Flaminca für sie ihm nicht recht imaginabel erschien.

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