• Fortsetzung aus dem Atrium ;)


    Ich konnte diese ganze Situation immer noch nicht ganz begreifen. Da war man ein paar Jahre fort und lässt seinen Vater alleine und dann kommt so etwas dabei raus. Man sollte Väter nie alleine lassen. Der Weinkeller war der Beweis dafür. Hatte er soviel zu feiern? Immerhin hatte ich nun eine riesige Auswahl, aber die besten Weine wollte ich dann doch nicht anrühren, die waren zum besaufen viel zu schade. Die etwas günstigeren taten es auch: unverdünnt.


    So brach ich das Siegel der ersten Amphore und goss mir reichlich ein... Wenn die Amphore erstmal etwas leerer wäre, könnte ich direkt ansetzen. So machte ich es mir in einer Ecke bequem...


    Men Vater konnte manchmal so leichtgläubig sein. Sich Hals über Kopf verlieben, dass könnte ich nicht, nicht so dass ich den Verstand verlieren würde. Sicher hatte ich schon das eine oder andere Mädchen gehabt, aber für beide war es meistens nur Spaß, auch wenn ich mir manchmal etwas Anhaltenderes gewünscht hätte. Doch Venus wollte wohl nicht so...


    Mittlerweile war die Amphore so leicht, dass ich sie direkt anheben konnte, doch viel war auch nicht mehr drin.


    Es ging mir nicht im Geringsten um das Erbe, ich wollte auf eigenen Beinen stehen, zumindest später, am Anfang tat die Starthilfe ganz gut. Es ging mir um meinem Vater. Was wäre, wenn sie ihn enttäuschen würde. Wie oft haben es diese jungen Dinger nur auf das Geld abgesehen, schlimmstenfalls konnte ihr „Göttergatte“ nicht schnell genug sterben und es wurde nachgeholfen. Doch wie konnte man sich sicher sein? Ich war kein guter Schnüffler und wollte auch nicht dabei entdeckt werden. Was also tun? Trinken!


    Leer! Mit lautem Geschepper landete die Amphore in einer Ecke, irgendjemand würde es schon wegräumen... Das nächste Siegel brach, wenn auch mit einigen Schwierigkeiten, das einschenken war dann noch schwerer und ich plumpste auf den Boden. Was ich nun brauchte war eine Frau! Doch war ich zulange von hier fort, als das ich wüsste, wo das nächste Lupanar war. Niemand hatte es mir als Kind gezeigt. So ein Mist aber auch! Ich warf den Becher mit einem lauten Geklirre in eine Ecke, irgendjemand würde es schon wegräumen...

  • Ich starrte nachdenklich auf die gegenüberliegende Wand. Metellus Gedanken gingen mir nicht mehr so recht aus dem Kopf. Ich musste an Vater denken und an seine geliebte Aurelia Lucia. Wie es ihr wohl ging und ob sie wusste, dass Vater gestorben war?


    Und Metellus... Sorgte er sich wirklich nur um seinen Vater oder war da auch Eifersucht? Eifersucht auf seinen Vater, dass er eine hübsche junge Frau seines Alters genommen hatte? War es Eifersucht auf Valeria, dass sie seinen Vater nahm? War es Eifersucht auf ihrer beider Liebe? Nun, ich würde es noch herausfinden. Ich befürchtete, dass die nächste Zeit vor allem für mich ziemlich aufregend werden würde. Viele Planungen würde ich sicherlich hören und auch viele Befürchtungen, bis er sich mit ihr abfand.


    Ich seufzte tief, als ich plötzlich Lärm aus dem Keller vernahm. Aber da es ein wenig dauerte, bis der nächste Geräuschpegel aufstieg, wartete ich und lauschte. Außer ein bisschen Geraschel vernahm ich nicht viel. Als es laut klirrte. Da stand ich auf und sah hinunter. In meinem Blickfeld war Metellus nicht. Doch ich war plötzlich sehr froh, dass ich hier gewartete hatte. Gleich was da unten vorging, so konnte ich ihm helfen. Und ihn vor anderen Leuten in Sicherheit bringen. Wenn die Geräusche von dem kamen, was ich vermutete, brauchte er dringendst Hilfe.


    Langsam stieg ich die Stufen hinunter und als ich unten ankam sah ich mich um. Da saß er. Und das, was ich in dem Keller erblickte, bestätigte meine Vermutungen. Dort hinten lagen Scherben und ein paar umgekippte Amphoren. Mit einer hochgezogenen Augenbraue sah ich zu Metellus. Ich hoffte sehr, dass er viel vertrug, sonst würde ich mir noch Sorgen um seine Gesundheit machen müssen... Vielleicht ist er ja durch das Blut seines Vaters trinkfest.

  • Ich blickte auf. Da war eine Frau. Hatten die Götter doch Mitleid mit mir? Das wäre wirklich ein Wunder. Mit euphorischer Stimme rief ich aus:


    „Oh, holdes Weib! Dich schicken die Götter zu mir! Wahrhaft einen schönen Anblick stellst du dar. Venus persönlich muss dich geschickt haben...“


    Dann betrachtete ich das Ding dort genauer... Sie kam mir bekannt vor. War es die Göttin höchst persönlich? Nein, das Gesicht kam mir von woanders bekannt vor. Wann hatte ich diese Frau denn zum letzten Mal gesehen? Ich kam ins Grübeln... Jetzt wusste ich es: Ich hatte sie eben gerade noch gesehen: Helena!
    Mit gesenkter und enttäuschter Stimme sagte ich:


    „Ach Helena, du bist es!“


    So ein Mist, wieder spielten die Götter mit mir. Wer war es dieses mal? Venus? Fortuna? Ich würde wohl ein Großteil meines Geldes für Opfergaben ausgeben müssen....


    „Oh ihr Götter! Warum? Warum immer ich? Was muss ich tun?“


    Da kam mir eine Idee: Helena!


    „Helena, du bist doch Priesterin! Sag mir, warum mögen mich die Götter nicht? Wieso spielen sie so mit mir? Was kann ich dagegen tun? Bitte hilf mir!“


    Sollte ich sie auch nach dem Weg in ein Lupanar fragen, aber sie würde eh den Weg nicht
    kennen!

  • Ich verschränkte meine Arme vor der Brust, während er seine scheinbare Lobpreisung auf mich hielt. Der Alkohol hatte scheinbar mächtig zugeschlagen. Ich war ziemlich erleichtert, als er mich wohl doch erkannte. Brauchte ich mir nicht den Kopf zerbrechen, wie ich es ihm am besten beibrachte, dass ich Helena war.


    „Tut mir leid, dass nur ich es bin!“


    antwortete ich trocken und stieß mich von der Wand ab, an der ich gelehnt hatte. Ich ging auf ihn zu, ohne groß auf seine weiteren Worte zu achten. Ich schüttelte innerlich nur den Kopf. Da hatte ich mir ja etwas eingebrockt. Hätte ich gewusst, dass es Leute in dieser Familie gab, die Agrippa munter nacheiferten, hätte ich vielleicht doch mit Avitus gesprochen. Nun gut.


    „Vielleicht solltest du einmal über deine Weltanschauung nachdenken. Zuerst einmal solltest du eher darüber nachdenken, wie du hier herauskommst und was du deinem Vater sagst. Allerdings weiß ich nicht genau, ob er eher wegen deiner Reaktion oder wegen des Weines entsetzt reagieren wird. Zumindest schätze ich deine Aktion hier gar nicht.“


    Sprachs und bot ihm meine Hand an um ihm aufzuhelfen. Vermutlich würde er meinen Worten ohnehin keine genauer Bedeutung zuweisen können. Das sagte mir zumindest sein Blick.


    „Für eine andere Zukunft huldigst du zumindest im Moment der falschen Gottheit. Aber ich denke da reden wir nach einer kalten Dusche weiter.“

  • Ich ignorierte ihr Hand und stand mühselig von alleine auf. Eine Standpauke konnte ich jetzt am wenigsten vertragen. Wer in diesem Haus wollte mich denn noch alles bevormunden?


    „Deine Standpauke kannst du dir sparen. Ich habe mich nur um den billigen Wein gekümmert und es liegt alleine in der Entscheidung eines Mannes ob er sich betrinkt oder nicht. Du musst noch viel über Wein lernen. Man betrinkt sich nicht hoffnungslos mit dem guten und teuren Wein: Viel zu schade!


    Nur konnte ich ihr schlecht sagen, wohin bzw. was ich nun brauchte... Meine Cousine konnte mir das auf jeden Fall nicht geben!


    Aber vielleicht würde sie einen guten Gesprächspartner abgeben und vielleicht dürfte ich mich zumindest in ihre Arme begeben...


    Wo hier ein Lupanar ist, müsste ich woanders und zu einem anderen Zeitpunkt mal in Erfahrung bringen.


    „Eine kalte Dusche brauche ich nicht, lieber eine starke, nein weiche Schulter und ein paar liebe Worte!“


    .. und Taten, doch auch das behielt ich für mich. Wo hatte ich nur meinen Kopf gelassen? Suchend blickte ich mich um... Eine Kanne Wein würde es auch tun!


    „Wohin gehen wir?“


    Zu dir oder zu mir, wäre es mir fast herausgerutscht, aber das passte nicht zur Situation!

  • Musste er sich etwa übergeben...? Wohin sollte er sonst wollen? Warum sollte das wohin sonst eine Frage sein? Ich betrachtete ihn eine Weile wortlos. Nein, er wirkte nicht, als ob ihm schlecht würde. Dann murmelte sie leise:


    „So, also keine kalte Dusche. Soll mir Recht sein. Und eine Standpauke sollte das nicht werden. Entschuldige bitte, dass es sich danach angehört hat.“


    Antwortete ich behutsam, darauf bedacht keine weitere Widerrede herauszubeschwören. An seinen Ausschweifungen über den Wein wollte ich ja nicht zweifeln. Auch wenn mir das den letzten benötigten Beweis erbrachte: Er war ziemlich weg. Wie lange er wohl noch stand? Hoffentlich bis ich ihn in Sicherheit gebracht hatte. Abermals seufzte ich.


    „Dann werde ich dir jetzt in dein Cubiculum helfen, dir noch ein wenig Gesellschaft leisten und mich dann einmal um.. die Kinder kümmern.“


    Ich wollte eigentlich sagen, dass ich mich um Agrippas Verlobte kümmern würde, sie mir mal anschauen. Aber in Anbetracht seines Zustandes würde ich das lieber unterlassen. Ich trat zu ihm, um ihm Halt zu bieten, falls er das brauchte. Ansonsten würde ich mich dicht hinter ihm halten, falls er zu sehr schwankte...

  • Ich konnte sehr wohl alleine laufen und wollte erst noch etwas sagen, andererseits mit Helena Arm in Arm zu laufen... Ich entschloss mich für Zweiteres.


    „Nun gut! Aber du musst noch in die Küche und zwei Becher holen. Ich hatte eh nur einen, aber der ist nun... er existiert nicht mehr! Ich hoffe du verträgst etwas, musst du ja, immerhin fließt zwar nicht genau das gleiche Blut in unseren Adern, aber na ja... Ich finde es toll, dass du mir als Gesprächspartner zur Verfügung stehst. Sonst kenne ich ja kaum jemanden hier oder mich kennt keiner mehr. In Achia, da sind meine Freunde, zumindest ein Teil, der andere ist auch heim...!“


    Ich machte eine Geste, dass ich bereit war, unter dem einen Arm den Weinkrug und nun erwartete ich Helena unter dem anderen Arm. Ich brachte ein leichtes Grinsen zustande.


    „Lass uns gehen! Ich bin bereit! Und morgen hilfst du mir mit den Göttern einiges zu bereinigen, ok?“

  • Ich besah mir skeptisch die Weinkanne in seiner Hand, doch ich nickte nur. Er redete unwahrscheinlich viel, wenn ich seine Laune von vor ungefähr einer Stunde denke. Na, mir sollte es recht sein. Irgendwie mochte ich ihn und mir wurde immer klarer, warum ich nicht zu den Patriziern gehörte: Es war einfach nicht meine Welt.


    "Ich werde nachher noch einmal in die Küche gehen und hole zwei Becher. Erst einmal bringe ich dich jedoch in dein Cubiculum, sonst wird es zu umständlich."


    Ich legte meinen Arm um seine Hüfte und so schritten wir langsam los. Das war ein Abenteuer...


    "Und ja, ich werde mit dir deine Probleme mit den Göttern bereinigen, da mach dir keine Gedanke. Das habe ich schließlich gelernt. In Achaia wie in Roma. Und hier in Hispania gab ich mein Wissen an meine Schüler weiter."


    Es geht in seinem Cubiculum weiter.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!