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Heute ist der ANTE DIEM VIII KAL OCT DCCCLXIX A.U.C. (24.9.2019/116 n.Chr.)
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ogontiacum lebt

ANTE DIEM XVIII KAL MAI DCCCLXIV A.U.C. (14.4.2014/111 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Germania, Gesellschaftliches
Die Provinz Germania Superior, sonst für allerlei Aufregungen gut, versank während des Bürgerkriegs und danach in eine fast vollkommene Stille. Aulus Normalverbraucher in Mogontiacum hätte das mit Blick auf die Germania Magna ganz sicher anders formuliert: Es ist ruhig geblieben. Und er würde hinzufügen: den Göttern sei Dank. Aber die Stille hatte auch eine andere Seite. Denn es schien, als sei das ferne Roma aus der Welt verschwunden. In der umgekehrten Blickrichtung lag die Vermutung nahe, dass für Roma diese Provinz jenseits der Alpes in Vergessenheit geraten war. Es geschah schlichtweg nichts und die Menge der Nachrichten aus Roma war zu einer vernachlässigbaren Winzigkeit zusammengeschmolzen. Der Bäcker in der Nachbarschaft sah es so: Wenn die Barbaren in dieser Zeit die Provinz geklaut hätten, wäre das keinem Dödel in Roma aufgefallen.

Doch dann, fast ein Jahr war vergangen, taten sich ganz seltsame Dinge. Ganz unauffällig war die Ala Numidia aus dem Krieg zurückgekehrt und hatte sich in ihrem Kastell in Confluentes wieder eingenistet. Und ebenso unauffällig war die Legio II wieder in ihr Castellum zurückgekehrt. Noch weitaus unauffälliger erschien dann auch plötzlich der neue Legatus Augusti M. Vinicius Hungaricus in der Regia. All diese geisterhaften Manöver waren, wie eingeweihte Kreise aus der Regia bestätigten, völlig ohne Vorankündigungen aus Roma abgelaufen. Von denselben Kreisen war auch zu erfahren, dass der prominente Personenkreis wegen einer panischen Scheu vor Festlichkeiten und Laudationes einen derart geräuschlosen Einzug in Mogontiacum gesucht hatte. Ein Umstand, der bei den Mogontinern nur mitleidiges Kopfschütteln hervorrief.

Doch dann schnappte die Falle zu. Der Tabellarius des Cursus Publicus, der neuerdings der Poesie verfallen ist, würde es so formulieren: Der Mensch will denken, doch die Götter lenken. Es kam nämlich die Nachricht aus Roma, dass Kaiser Cornelius Palma der Stadt die Rechte eines Municipiums verliehen und damit den heißesten Wunsch der Mogontiner erfüllt hätte. Nun war kein Halten mehr. Die angestaute Feierlust der Mogontiner brach sich mit Wucht eine Bahn und der Legatus Augusti musste sich beim Opfer an Jupiter und bei der Enthüllung der Lex Municipalis nolens volens dem Volk zeigen. Nicht so der Legatus Legionis, der in seinem Castellum verschanzt blieb und den Centurio Helvetius Corvinus vorschickte, der dann allerdings mit seinen Legionären eine fabelhafte Parade hinlegte.

Noch ein Wort zur Lex Municipii Cornelii Mogontiacensis, die von nun an die Geschicke Mogontiacums in geordneten Bahnen halten soll. Nichts ist so holprig wie ein großes Gesetzgebungsvorhaben. Mag sein, dass die Decuriones in Mogontiacum das vielleicht geahnt haben, als sie frohgemut daran gingen, den Gesetzentwurf zu erschaffen. Sie haben sich aber nicht darum geschert, sonst hätten sie es vielleicht doch lieber sein lassen. Denn viele wilde Redeschlachten später, in denen Traditionalisten und Neuerer sich bis aufs Messer bekämpften, haben sie dann, in tiefer Erschöpfung den Gesetzentwurf müde mit den Händen durchgewedelt. Der Kaiser hat das Werk dann ohne Änderungen in Kraft gesetzt. Die mogontinischen Decuriones dürfen sich jetzt stolz auf die Schultern klopfen. Bei einem Festessen in der Curia.

eserbrief: Antwort auf die Antwort

ANTE DIEM IV ID MAR DCCCLXIV A.U.C. (12.3.2014/111 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
   
An die Leser der Acta Diurna,

wenngleich die Reaktion des Lucius Praetonius Cirratus vor allem durch ihren humorvollen, nahezu satirischen Charakter bestach, der mich nicht nur einmal herzhaft lachen ließ, komme ich doch nicht umhin persönlich auf seine Worte zu antworten.
Dies nicht etwa weil er sich nicht zu schade war, aus offensichtlichem Grunde einen sehr kreativen und äußerst fantasievollen Umgang mit der Realität zu pflegen, oder sich am Ende seiner propagandistisch eindrucksvollen Elegie tatsächlich noch die Mühe machte zu behaupten er wäre neutral. Seine Schreibe zeugt von einer ungemeinen Energie und Überzeugung - ich kann dem Consular Decimus an dieser Stelle nur meinen Respekt zollen, einen derart engagierten und kreativen Mann für sich eingenommen zu haben.
Da es gewissen Menschen aber wichtig zu sein scheint, die angeführten Punkte tatsächlich glauben zu können, spare ich mir die Arbeit, jede einzelne dieser merkwürdigen Realitätsinterpretationen zu widerlegen und komme gleich zur seltsamsten aller Formulierungen, die aber offensichtlich nicht totzukriegen ist.

Es handelt sich nur um einen einzigen kleinen Satz:
Titus Duccius Vala versuchte bereits früher, sich auf Kosten der etablierten Familien einen Namen zu machen.


Ich könnte an den Köpfen der Hydra nicht abzählen, wie oft man sich zu diesem dürftigen Pauschalurteil hergegeben hat, ohne auch nur den Versuch zu machen dieses mit einem Hauch Substanz zu versehen. Zeitweise kam es mir gar vor, als könne ich mir in Rom keinen Imbiss genehmigen, ohne dass mir irgendjemand vorwarf mich 'auf Kosten der etablierten römischen Familien' zu ernähren.
Ich will gar nicht lange bei der Klage verweilen, sondern auf ein grundlegendes Denkproblem derer zu sprechen kommen, die sich mit derart simplen Propagandaphrasen abspeisen lassen: im Umkehrschluss müsste das bedeuten, dass ohne 'Leute wie mich' alles in bester Ordnung sei und römische Familien 'derartiges Gebaren' nicht nötig hätten. Sowieso: alles unrömisch, in jedem Fall.
Wenn man einen Blick in die oft genug falsch zitierte Vergangenheit wirft, fällt allerdings auf, dass der Senat jedoch noch nie als ein Hort des Friedens glänzte. Wenn man es genau nimmt, haben sich noch bis in das letzte Jahr hinein Senatoren aus etablierten Familien jeden Standes im Senat die Köpfe eingeschlagen... ganz ohne meine Beihilfe oder dass ich auch nur einen Finger gerührt hätte. Durch und durch römische Familien haben sich miteinander beharkt, einander verklagt, sich gegenseitig bis auf's Mark bekämpft und Gräben in allen Institutionen gezogen - ich möchte fast meinen, Streit in allen Variationen und Intensitäten gehörte zur menschlichen Natur. Folgte ich also der kreativen und doch einsichtsarmen Argumentation des Praetonius, müsste man zu der Erkenntnis kommen die etablierten Familien Roms machten sich auf Kosten der etablierten Familien Roms einen Namen. Irgendwie lässt mich das schmunzeln.
Kurzum: ich soll der böse Geist des Senats sein, der die glanzvolle Würde schmälert und die sonst so tadellosen und einander in Respekt zugetanen Senatoren in Streit verfallen lässt? Vielen Dank, aber das ist wirklich zu viel der Ehre, dafür braucht Rom mich sicherlich nicht. Ich war nicht der erste Senator, der zu einem schärferen Ton neigte, noch werde ich der letzte sein. Wenn man es genau nehmen will, kann man mich in dieser Hinsicht als perfekt angepasst und integriert betrachten.

Das soll keineswegs die Vorkommnisse der letzten Monate relativieren, an denen ich beteiligt war. Allerdings kann ich auf dieser Basis über den Versuch des Praetonius, zur Absolution der 'etablierten Familien Roms' und seines offensichtlichen Helden mich zu dämonisieren und zum bequemen Sündenbock zu stilisieren, wenig mehr als müde lächeln.

Natürlich bietet der Casus und vor allem mein Ton Menschen wie dem Praetonius und auch seinem Herrn ein bequemes Ziel, sich in einfache und simple Antworten auf eine Frage zu flüchten, auf die es auch nach tausend Acta-Artikeln und zehntausend Leserbriefen keine einfachen Antworten geben wird. Aber was drücken sie letztlich damit aus? DAS sollen die Römer sein, auf deren Kosten ich mir einen Namen mache? Zum zweiten: nein, da lehne ich mit Dank ab.

Wurde der Konsul auf unangebrachte und übertrieben harte Art kritisiert? Ja, ohne jeden Zweifel.
Wurde der Decimus zu Unrecht von mir kritisiert? Nein, sicherlich nicht.

Wie ich allerdings bereits dem Senat mitgeteilt habe, bin ich mir meiner persönlichen Verfehlungen gegenüber dem Amt des Consuls sehr bewusst und habe mich dafür bereits in aller Förmlichkeit entschuldigt. Dies als 'späte Erkenntnis' abzutun lässt indes nur den Kopf schütteln. Hätte ich es vor der Wahl getan, wäre die Entschuldigung als Wahlkampfmanöver diskreditiert worden, was der Sache an sich sicherlich nicht dienlich gewesen wäre.
Wie dem auch sei: ich habe verstanden. Ich habe mich gegenüber dem Amt des Consuls im Ton vergriffen und sehe dies ein. Auch wenn ich dies sicherlich nie behauptet habe, kann ich nur konstatieren: ich bin nicht perfekt, aber durchaus bereit zu meinen Fehlern zu stehen und die Konsequenzen für diese zu tragen.


ANTE DIEM VII ID MAR DCCCLX A.U.C. (9.3.2010/107 n.Chr.)
_________________________________________________________
Titus Duccius Vala
Casa Accia | Collis Esquilinuslis | Roma


P.S.: Wenn wir schon auf die Acta Diurna schimpfen, kann man auch gleich erwähnen, dass dem Schreiber bei der Auflistung der Leistungen des Vigintivir Marcus Iulius Dives offensichtlich entgangen ist, dass dieser sich über seine Amtspflichten hinaus einem komplexeren Fall angenommen hat und diesen zur Klärung recht erfolgreich durch die Instanzen boxte. Nun, das macht auch nicht jeder.


eserbrief zu "Alte gehen - die scheidenden Magistrate"

ANTE DIEM VII ID MAR DCCCLXIV A.U.C. (9.3.2014/111 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
   
Verehrte Acta-Leser!

Mit großer Verwunderung habe ich den Artikel ANTE DIEM III NON MAR DCCCLXIV A.U.C. (5.3.2014/111 n.Chr.) über die scheidenden Magistrate gelesen, der unglücklicherweise anonym veröffentlicht wurde und damit den Eindruck erweckt, es handle sich um eine offizielle Stellungnahme im Sinne unseres geliebten Princeps, wie sie in der Acta Diurna gelegentlich veröffentlicht werden. Die weitere Lektüre hinterließ bei mir allerdings dennoch einige Fragezeichen, die sich insbesondere auf die Einschätzung des Consularen Marcus Decimus Livianus beziehen.

Alles in allem erschien mir nämlich dieser Abschnitt weniger als eine objektive Beurteilung der Amtszeit, sondern als eine einseitige Polemik gegen dieses verdiente Mitglied des Senates, der sich schon unzählige Male in seinen Tätigkeiten für den Senat und das Volk von Rom verdient machte. Ex caligae hochgearbeitet trat er als verdienter Eques (ausgezeichnet unter anderem mit der Corona Obsidionalis nach der Niederschlagung des Hispanischen Aufstands) vor vielen Jahren in die senatorische Laufbahn ein, amtierte als Quaestor Consulum unter dem unvergessenen Marcus Didius Falco, organisierte als Aedilis Plebis fulminante Ludi Plebei und wurde für beides von Divus Iulianus persönlich ausgezeichnet. Nach seinem Eintritt in den Senat wurde er schließlich direkt zum Praefectus Urbi berufen, nachdem er bereits während seiner Quaestur im Namen des Kaisers als Kommandeur der Cohortes Urbanae fungiert hatte. Im Anschluss folgten weitere Kommandos: So wurde er rasch nicht nur Legat der Legio IX Hispana, sondern auch Klient unseres seligen Kaisers Divus Iulianus. Kurz darauf übernahm er dessen eigene Legion. Nach einiger Zeit des Rückzugs und dem Tod seines Mentors Iulianus amtierte er schließlich als Praetor Urbanus und als Legatus Legionis II in Germania. Doch aufs Neue musste er sich aus der Politik zurückziehen, denn obwohl sein Adoptivsohn zugegebenermaßen zu den Unterstützern des Tyrannen Salinator zählte, stellte Livianus sich von Anfang an furchtlos gegen ihn und wurde so gezwungen, ins Exil zu gehen. All diese Verdienste erklären entsprechend, warum er nach seiner Rückkehr auch ohne großes Buhlen um Stimmen von den Senatoren akzeptiert und mit klarer Mehrheit ins Amt gewählt wurde.

Was nun folgte, war keineswegs ein Versagen des Consuls, wie der oben erwähnte Acta-Bericht nahelegt. Denn der Consul konnte durchaus Erfolge verbuchen und, sofern man von einem Versagen sprechen will, so lag dies in erster Linie beim Senat, der seinem Auftrag nicht gerecht wurde.
So scheiterte er zwar mit seinem Ansinnen, die dringende Aufarbeitung der Zeit des Vescularius in die Wege zu leiten, doch war dieses Ansinnen aller Ehren wert: Zahlreiche Familien hatten bitter unter der Tyrannis des Vescularius gelitten, nicht wenige Senatoren waren der Willkür dieses Usurpators zum Opfer gefallen und der Senat selbst war durchsetzt worden von den Speichelleckern und Opportunisten dieses Verräters. Das eisige Schweigen des Senats mag somit zwar an mangelnden Absprachen gelegen haben, aber dass man das Ansinnen nicht ablehnte, sondern einfach versuchte durch Schweigen zu überbrücken, weist doch vielmehr auf die Feigheit derer hin, die sehr genau wissen, dass sie selbst Blut an den Händen haben und von den Verbrechen Salinators profitiert haben. Decimus Livianus mag es nicht gelungen sein, eine Inquisitio einzurichten, doch zeigte er uns immerhin, wie dringend die Zeit des Vescularius noch immer einer Aufarbeitung bedarf!
Ein weiteres gescheitertes Projekt, die Überarbeitung der Senatsrichtlinien, findet ebenfalls eine eigenwillige Interpretation. Der Antrag des Consuls mag an einigen Stellen über das Ziel hinausgeschossen und in seiner Komplexität letztlich zu Recht gescheitert sein, doch ihm die Intention zu unterstellen, er habe damit seine Kritiker zum Schweigen bringen wollen, erscheint doch recht eigensinnig.
Ein weiteres Scheitern des Consul war schließlich seine versuchte Verleihung von Diplomae an die übrigen Magistraten. Auch hier brach Livianus durchaus mit der jüngeren Tradition, Diplomae durch den Senat zu verleihen. Dies ist allerdings nicht, wie man im Senat behauptete, eine uralte Tradition, denn vor gar nicht allzu langer Zeit noch verlieh der selige Kaiser Iulianus selbst den Magistraten regulär die Ornamenta, ohne den Senat bezüglich der Leistungen einzelner Magistrate zu konsultieren. Erst der Princeps Senatus Marcus Vinicius Hungaricus hatte dies eingebracht, sodass ein Überdenken dieser Praxis durchaus kein Denkverbot darstellt. Ich deute diesen Vorstoß im Übrigen auch als Einlösung von Livianus‘ Wahlversprechen, seinen Amtskollegen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es wird sich zeigen, was der kommende Consul, respektive der Senat, von diesen Einschätzungen halten wird.

Bis dahin handelte es sich somit durchaus um senatsinterne Initiativen, die ihre Berechtigung unabhängig von der Position des Amtsträgers hatten. Dass sie alle gescheitert sind, wird zweifellos dafür sorgen, dass Marcus Decimus Livianus nicht als der größte Consul aller Zeiten in die Annalen unserer Res Publica eingehen wird.

Überschattet wurde dies allerdings von einem „Kleinkrieg“, wie ihn der Autor des Acta-Artikels nennt, der durchaus unwürdig war und „die Grenze des Erträglichen erreichte“. Die Verantwortung hierfür allerdings dem Decimus allein in die Schuhe zu schieben, ist ebenso dreist wie unwahr. Der Gegner heißt Titus Duccius Vala, ein Homo Novus aus Germania, den der Bürgerkrieg nach Rom spülte und der bereits in früheren Zeiten versuchte, sich auf Kosten der etablierten Familien einen Namen zu machen (etwa durch eine überaus kleinliche, abgewiesene Klage gegen ein Mitglied der Gens Flavia). Mir ist nicht bekannt, was genau die Differenzen zwischen ihm und Decimus auslöste, jedoch entwickelte sich im Vorfeld der Wahlen ein kleinlicher Hickhack, der damit begann, dass Decimus Livianus den Kandidaten Flavius Scato gegen die fragwürdigen Anforderungen des Duccius in Schutz nahm. Die Antwort war überaus erstaunlich: Duccius setzte zu einem längeren Monolog an, in dem er Decimus, dem – wie oben erwähnt – überaus verdienten Consul und langjährigen Senatoren erklärte, was einen Kandidaten qualifiziere. Seine Rede endete aber zusätzlich mit einer persönlichen Invektive gegen den amtierenden Consul, in der er diesen als bockiges Kleinkind und Egoisten beschimpfte – vor den Augen des versammelten Senats!
Ein solches Verhalten gegenüber dem höchsten Amtsträger im Staat – dazu noch durch einen Homo Novus – ist völlig inakzeptabel! In früheren Zeiten hätten derartige Personen zweifellos eine Nota Censoria erhalten und wären aus dem Senat geflogen! Hier aber wagte niemand das Wort zu erheben – so erschrocken oder so schwerhörig handelte der Senat an dieser Stelle. Dass der Duccius mit seinen Maßstäben schlussendlich allein da stand, muss wohl angesichts des Wahlergebnisses für Flavius Scato nicht erwähnt werden.
Der Consul beging nun den Fehler, in diesen Streit einzusteigen: So begann nun auch er die nicht gesetzlich, sondern gebräuchlich festgelegten Maßstäbe an den Duccius selbst anzulegen: Anlass war das offensichtlich unbekannte Alter des Jungsenatoren, das angeblich nicht dem traditionellen Mindestalter für die Praetur entsprach. Das Ganze ging weiter mit einem Gesetzesantrag des Duccius, bei der dieser erneut unangemessen gereizt auf eine Nachfrage des Consuls reagierte. Erneut musste der Consul einen Schauer an Beleidigungen über sich ergehen lassen (unter anderem die Bezeichnung als „Kleinkind in Toga“) – erneut ohne Reaktion seitens der Sittenwächter oder der übrigen Senatorenschaft.
Ich nehme an, dass dies bereits zeigt, auf welcher Seite „plumpe Provokationen“ in diesem Konflikt zu finden waren. Dass der Duccius sich nach seiner Wahl – offensichtlich eingeschüchtert durch das schlechte Wahlergebnis (das mir auch so bereits unerwartet günstig erscheint) – entschuldigte, ist somit als eher späte Einsicht zu deuten. Wofür sich aber der Consul zu entschuldigen hätte, wie der Acta-Artikel dies fordert – ist mir schleierhaft: Für berechtigte Kritik an Gesetzesinitiativen des Duccius? Für seinen Schutz politischer Neuanfänger, die von überzogenen Anforderungen eines Homo Novus schier überrollt wurden? Oder vielmehr dafür, dass er den Ehrgeiz des jungen Duccius ein wenig bremste? Was mir lediglich entschuldigenswert erscheint, ist die Furcht des Consul, eindeutig auf derartige Beleidigungen zu reagieren, indem er den Duccius für seine Respektlosigkeit etwa mit einem Strafgeld belegt hätte.

Wie dem auch sei, wenden wir uns abschließend noch den positiven Seiten dieses Consulats zu: Die Vollendung des Ulpianum, die entgegen der Behauptungen des Acta-Artikels durchaus von Anfang an auf Livianus‘ Agenda stand (wobei er selbst erwähnte, dass diese Initiative an ihn herangetragen wurde und sich somit keineswegs mit fremden Federn schmückte), kann wohl durchaus als größter Erfolg gefeiert werden. Darüber hinaus gelang es ihm aber auch, ein sichtbares Zeichen der Einheit des römischen Volkes anlässlich des Festtages der Concordia zu präsentieren, das beim Volk Roms großen Anklang fand.

Um zuletzt dem Acta-Artikel doch noch wahres abringen zu können: „Summa summarum lässt sich über die Amtszeit des Decimus sagen, was man schon zuvor (wir berichteten) über ihn feststellte: der Decimus stammt aus einer anderen Zeit“. Er mag manche Schwierigkeiten und Rückschläge in seiner Amtszeit gehabt haben, was jedoch einerseits zum Alltag eines Consuls zählt und andererseits keineswegs legitimiert, hier von einer Amtszeit zu sprechen, die „ihm wortwörtlich in den Schiß gefallen war“. Livianus hatte ein ambitioniertes Programm, das teilweise erfolgreich war, teilweise scheiterte. Aber letztlich wird er damit doch herausragen aus der Reihe derer Consuln der letzten Jahre, die allzu häufig lediglich die „Standardpflichten eines Consuls“ ausfüllten, ohne auch nur den Versuch umfassender Initiativen zu starten.

An die Redaktion der Acta möchte ich deshalb nochmals ein kritisches Wort richten und darum bitten, solche polemischen Texte zukünftig einem Autoren zuzuweisen, um zu verdeutlichen, dass es sich hierbei keineswegs um eine staatliche Verlautbarung handelt, sondern um einen parteilichen Beitrag einer klar definierbaren Gruppe.

Und um dies auch diesem Leserbrief hinzuzufügen: Ich bin ein Beobachter des Senats, der weder zum Freundes- oder Klientenkreis des Consulars Decimus noch zu dem des Duccius gehört. Ich bin lediglich ein besorgter Bürger Roms, der hofft, dass der Senat nicht weiterhin ein Kampfplatz polemisch ausgetragener Feindschaften bleibt, sondern alle Senatoren, aber auch der Kaiser als Censor Perpetuus ein scharfes Auge auf den Umgang in diesem angesehensten aller Gremien des Imperium haben.

Valete
Lucius Praetonius Cirratus


Sim-Off: Der Artikel ist natürlich von Lucius Petronius Crispus - allerdings interessiert der sich SimOn nicht sonderlich für Politik, daher das Pseudonym.

Alte gehen - die scheidenden Magistrate

ANTE DIEM III NON MAR DCCCLXIV A.U.C. (5.3.2014/111 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
Wer hätte das gedacht? Seien wir ehrlich: wer hätte DAS gedacht? Über ein Jahrzehnt war der Senat Schauplatz von nicht mehr als absoluter Lethargie, das öffentliche Interesse schlug in immer deutlicheres Desinteresse um. Umschlagen? Nein, das ist vielleicht etwas zu drastisch ausgedrückt für etwas, das nicht drastisch geschah: 'einschlafen' wäre hier wohl das bessere Wort.
Und dann? BAM! Erst stürzt das Reich in einen blutigen Bürgerkrieg, der für alle allseits bekannt nur durch göttliche Intervention von unserem Princeps Appius Cornelius Palma gewonnen wurde - und dann steht auch im Senat auf einmal alles auf Anfang.
Seit Ende des Bürgerkriegs ist der Senat wie ausgewechselt, viele möchten sich an die Zeiten unter dem Princeps Divus Iulianus erinnern, in denen die Curia Iulia Schauplatz heftiger Wortgefechte und großer Umwälzungen war, denn auch nun gibt es einiges zu berichten, das nicht anders als spektakulär zu beschreiben ist. Aber fangen wir geordnet an: bei den Magistraten der vergangenen Amtsperiode.

Consul Marcus Decimus Livianus: Was für ein Name! Was für eine Geschichte! Was für ein Scheitern.
Dieser Gedanke drängt sich einem förmlich auf, wenn man sich an einen DER Decimi schlechthin erinnert. Man entsinne sich: vielfach ausgezeichneter Militär (gleich dreimal wurde ihm eine Legion anvertraut) und gewesener Praefectus Urbi (untypischerweise VOR dem Consulat) stellt er einen DER Granden seiner Familia dar, lediglich übertroffen vom noch sagenhafteren Maximus Decimus Meridius. Verständlich, dass er die einzige Lücke in seinem Lebenslauf durch das Consulat schließen wollte. Es hat niemanden gewundert, dass der Mann selbst nach langjährigem Exil in Hispania aus dem Stand vom Hafen Ostias ohne nennenswerte Vorbereitung, nennenswerten Wahlkampf und nennenswerte Bekanntmachung in das Amt des Consuls gewählt wurde. Auch wenn man bedenkt, dass er bei seinem ersten Anlauf auf das Amt vom damals nur ein Quäntchen populäreren Lucius Flavius Furianus geschlagen wurde: diese Kandidatur aus dem Nichts war ein Triumph.
Mit hehren Erwartungen ist er wohl daher auch an seine Amtszeit herangegangen, die programmatische Liste des Consuls-in-spe war lang, denn alleine die Punkte zur vollständigen Aufarbeitung der Zeit unter dem Usurpator Vescularius waren nicht gering in der Zahl.
Wenn man sich daran erinnert, mit welchen Widerständen der Decimus zu kämpfen hatte, konnte man schon erwarten, dass seinem Wahlerfolg auch eine turbulentere Amtszeit folgen würde. Aber was in dem Jahr darauf geschah hatten nicht einmal die heftigsten Kritiker des Decimus erwartet.
Spräche man von einem Scheitern auf ganzer Linie, würde man den Kern der Probleme der Amtszeit nicht treffen, denn der Decimus ist nicht auf ganzer Linie gescheitert. Aber fast.
Kurzum: der Decimus konnte nicht ein ursprüngliches Vorhaben als Consul umsetzen. Kein einziges.
Da wäre zum einen die von ihm angestrebte Aufarbeitung der Zeit des Vescularius. Eisernes Schweigen schlug dem Consul entgegen, als er eben dies im Senat in Angriff nehmen wollte, bekannterweise sehr zu seiner eigenen Irritation. Erklären lässt sich das relativ schnell: weil der Decimus es versäumt (oder nicht für nötig gehalten) hatte, seine Vorhaben vorher zumindest mit Verbündeten abzusprechen und quasi aus dem Hafen heraus in den Senat marschierte, konnte er auch nicht ahnen wie groß der öffentliche Unwillen war, sich so schnell und so intensiv mit der Zeit des Vescularius auseinanderzusetzen. Er wusste einfach nicht: man ist froh, dass diese Zeit um ist und will einfach nicht mehr darin herumstochern. Zudem sahen sehr viele es als vollkommenes Unding an, die Zeit des Usurpators vom Vater eines der höchsten Offiziere desselben aufarbeiten zu lassen. Entsprechend ins Leere liefen sämtliche Vorstöße des Decimus.
Dann die Überarbeitung der internen Senatsrichtlinien. Niemand hatte wirklich verstanden was er damit bezwecken wollte, außer ein paar Stimmen die dem Decimus vorwarfen er wolle einfach nur verhindern, dass er ein weiteres Mal derart in die Mangel genommen würde wie zu seiner Kandidatur vor dem Senat. Man erinnere sich: Sextus Aurelius Lupus hatte mit Ausdauer und Verve auf den Decimus eingeschlagen im offensichtlichen Versuch, den Mann für sämtliche von nahen und fernen Verwandten unter der Ägide des Usurpators begangenen Verbrechen verantwortlich zu machen. Der Hilflosigkeit, mit der der Decimus damals reagiert hatte, folgte nun eine Initiative, die derartige Auswüchse verhindern sollte. Das Vorhaben scheiterte und der Decimus verzettelte sich in der Folge heillos in einem Kleinkrieg mit einem neuen Gegner: Titus Duccius Vala. Die Art und Weise, wie sich die beiden Männer beharkten, erreichte nicht selten an die Grenze des Erträglichen, vor allem da es schien als könne der Decimus sich gegenüber dem Duccius nicht anders erwehren als durch plumpe Provokation und kleinliche Rache. Die Lage eskalierte (wir berichteten), und der Duccius entschuldigte sich in der Folge für sein Verhalten. Der Decimus bleibt eine derartige Einsicht weiterhin schuldig.
Dann der Eklat um die Diplomae für verdiente Magistrate. Seit Jahren ruhendes Mittel des Senats zur Auszeichnung besonders eifriger Magistrate, hatte der Decimus sich offensichtlich vorgenommen dieses Mittel wieder einzuführen - und es ganz nebenbei den Consules, also auch sich selbst, zuzutragen diese Kür fürderhin zu übernehmen. Trotz der Zurückweisung der Diplomae durch die auserwählten Magistrate (ein offensichtlicher Schlag ins Gesicht) fühlte der Senat sich zurecht düpiert - und der Decimus bleibt auch hier Antworten schuldig.
Doch bei all dem Unglück, das dem Decimus in seiner Amtszeit zuteil wurde, kann man auch etwas finden das ihm gelungen ist: die Fertigstellung der ewigen Baustelle des Ulpianums. Man könnte hier durchaus unterstellen, dass der Decimus hier in seinem Element war, was er im Senat offensichtlich nicht war: beim zielgerichteten Verfolgen und Organisieren ohne Kompetenzgerangel und Rechtfertigungspflichten. Hier konnte er seine Stärke ausspielen: das Kommandieren und Delegieren. Da fällt es auch nicht schwer ins Gewicht, dass die Fertigstellung des Ulpianums nicht auf seiner ursprünglichen Agenda stand. Auch wenn man munkelt, dass es Decima Seiana war, die ihm diesen Floh mit dem Ulpianum ins Ohr setzte: die Fertigstellung des Ulpianums, an die nun wirklich keiner mehr geglaubt hatte, dürfte durchaus zu seinen Errungenschaften als Consul zählen, selbst wenn diese ihm wortwörtlich in den Schiß gefallen war. Ebenso darf nicht unerwähnt bleiben, dass er die Standardpflichten eines Consuls offensichtlich mit angebrachtem Pflichtgefühl verfolgt hat.
Summa summarum lässt sich über die Amtszeit des Decimus sagen, was man schon zuvor (wir berichteten) über ihn feststellte: der Decimus stammt aus einer anderen Zeit und tut sich schwer damit komplexere Probleme zu bewältigen, in denen mehr gefragt ist als ein richtungsweisender Befehl. Die von uns zuvor berichteten Probleme des Mannes machten es ihm wohl unmöglich, sich aus seiner alten Rolle zu lösen und sich auf die Veränderungen in Stadt und Senat einzustellen. Man muss hier die Errungenschaften und weiterhin kaum anzweifelbare Qualitäten des Decimus auf dem militärischen Sektor nicht erwähnen, um den Mann weiterhin zu den Großen des Reichs zu zählen, allerdings wird er für sein Consulat wohl vor allem auf eine Weise im Gedächtnis haften bleiben: als Marcus Decimus Livianus - der Unglückliche.

Tresvir Capitales Marcus Decimus Aquila: Was für ein Name! Was für ein Start! Was für eine Ernüchterung.
Auch wenn er selbst nicht wie sein Onkel eine großartige Geschichte vorzuweisen hat: mit der Kandidatur des Marcus Decimus Aquila, Enkel des Triumphators Maximus Decimus Meridius, wurde viel verbunden.
Penibel hatte der junge Mann seine Schritte vorbereitet, wohlwissend um die Verflechtungen seiner engeren Familia in das Regime des Vescularius konnte er mit nicht unerheblichem Widerstand rechnen. Umso stärker konnte man ihm daher zurechnen, dass er sich niemand anderes als den großen Neutralen Roms Spurius Purgitius Macer als Patron sowie den großen und streitbaren Macher aus Germanien Titus Duccius Vala als Lehrherrn seines Tirociniums Fori organisieren konnte.
Die Vorbereitung half, ebenso wie die indirekte Wahlhilfe des streitbaren Sextus Aurelius Lupus, der sich bei der Kandidatur des Decimus (wie auch bei der des älteren) mit seinen Anschuldigungen ob der Vergehen einiger Decimi unter dem Regime des Vescularius hart an der Grenze des Erträglichen bewegte und damit nicht wenige Protestwähler in die Arme der Decimi trieb sowie seinem eigenen Klienten (weiter unten mehr dazu) beinahe die Wahl verhagelte.
Kurzum: Marcus Decimus Aquila fuhr mit vier Fünftel das beste Ergebnis des Wahltags ein und verwies seine Kritiker auf ihre Plätze.
Dummerweise gingen nach diesem Start auch große Erwartungen an die darauf folgende Amtszeit einher, die der Decimus nicht erfüllen konnte. Zwar hat er seine Pflichten wahrgenommen, hat die Kompetenzbereiche der Tresviri capitales abgedeckt und Präsenz gezeigt - allerdings nur soviel, dass man ihm seine Pflichten nicht als 'nicht wahrgenommen' ankreiden konnte. Die Verleihung einer Diploma für überragende Pflichterfüllung durch seinen Onkel geriet wohl unter anderem auch deswegen zur Farce, weil dieser seinem Neffen eine verabreichen wollte. Allerdings bewies Gerüchten zufolge dieser genügend Weitsicht, um sie abzulehnen.
Eigentlich wollten wir die Amtszeit des jüngeren Decimus als volle Enttäuschung verbuchen, allerdings wurde recht spät bekannt, dass der Decimus sich seit geraumer Zeit mit einer ernsteren Erkrankung herumschlägt. Dementsprechend bleibt uns nur, dem jungen Mann eine gute Besserung zu wünschen und darauf zu hoffen, dass er bei seinen weiteren Schritten mit besserer Gesundheit gesegnet sein wird.

Decimvir Litibus Iudicandis Marcus Iulius Dives: Alltagsgeschäft mit Nebenverdienst
Die Kandidatur des Marcus Iulius Dives wurde vor allem von Vertretern traditionalistischer Sichtweisen argwöhnisch beobachtet, vor allem da ein Aufruhr wie bei den Decimi ausblieb, obwohl man diversen Familienmitgliedern seiner iulischen Familia ebenfalls eine nicht unerhebliche Einbindung in das Regime des Vescularius vorwerfen konnte und immer noch kann. Zudem wurde dem Iulius zurecht vorgehalten, seine Laufbahn würde eher für den ritterlichen Cursus Honorum als den senatorischen qualifizieren. Der Iulius ließ sich nicht beirren und wurde wohl aufgrund seiner Verdienste als Duumvir der Civitas Ostia mit ordentlichem Ergebnis zu den Zehnmännern gesteckt.
Dort zeigte er dieselbe Umtriebigkeit, die Kennern zufolge schon seine Zeit als Duumvir kennzeichnete. Negatives ist uns dabei nicht zu Ohren gekommen, allerdings auch nichts überragend Positives. Dass der Iulius sein Amt und seine Tätigkeit nutzte, um allerlei Kontakte zu knüpfen und seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen, ist nichts außergewöhnlich Neues. Nur dürfte er definitiv zu jenen gehören, die das wohl am aktivsten und zielstrebigsten verfolgen, was man so oder so sehen kann.
Kurzum: mit der Arbeit dieses Magistraten kann der Senat eigentlich zufrieden sein.

Quatuorvir Viis In Urbe Purgandis Lucius Tiberius Lepidus: Die große Überraschung
Wenn man vom ordentlich arbeitenden Iulius mal absieht, überraschten die beschriebenen Magistrate eher im negativen Sinne, was allerdings kein Stigma auf alle Ewigkeit sein muss, sondern zu besonderen Leistungen in der Zukunft antreiben kann. Ein Beispiel wie schnell so etwas gehen kann, lieferte auf eindrucksvolle Weise jemand, von dem man das eigentlich nicht erwartet hatte.
Wir rufen uns ins Gedächtnis: Senator Sextus Aurelius Lupus schlägt auf die beiden zuvor genannten Decimi ein, treibt ihnen dadurch unfreiwillig Protestwähler in die Arme und bringt seinen eigenen Klienten damit an den Rand einer Wahlniederlage. Diesem Klienten, Lucius Tiberius Lepidus, hatte das anscheinend derart zu denken gegeben, dass er sich dem Votum einiger Senatoren beugte und anstelle zu den Tresviri zu den Quatuorviri stieß.
Doch anstelle sich als Abkömmling einer namhaften Familia griesgrämig in sein Schicksal zu fügen und mit der offensichtlichen Abstufung zu hadern, verbiss sich der Tiberius förmlich in seine Arbeit und ackerte wie besessen für die Rehabilitierung seines durch seinen Patron beschädigten Ruf. Was können wir sagen? Es ist ihm auf ganzer Linie und darüber hinaus gelungen. Wir wollen nicht so weit gehen und behaupten, er habe die Straßen Roms im Alleingang gesäubert, immerhin dürften auch seine Kollegen und die ihm vorgesetzten Aedile einen beträchtlichen Anteil daran gehabt haben. Allerdings kann man mit Fug und Recht behaupten, dass der Tiberius sich durch seine Arbeit DEUTLICH von seinen Amtskollegen abgehoben hat und damit zu den positiven Überraschungen der vergangenen Amtszeit gehörte. Wir sind gespannt, ob er dieses Pensum bei seinen kommenden Schritten aufrecht erhalten kann - so hat er die Marke für seine Leistungen schon ganz zu Anfang sehr hoch gelegt.

Sim-Off: Bei der "Einschätzung" der Magistrate wurde berücksichtigt, dass die Spieler der Vigintiviri die eigentlich dem Decimvir vorbehaltenen Erbschaftsfälle Sim-Off unter sich aufgeteilt haben.

Eskalation im Senat - alte Wunden brechen auf

ANTE DIEM XV KAL MAR DCCCLXIV A.U.C. (15.2.2014/111 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
onnte man vor wenigen Wochen noch von einem im steten Halbschlaf gefangenen Senat sprechen, der die anhaltend verunsicherte und zurückhaltende Stimmung im Reich widerspiegelte, reibt man sich in diesen Tagen verwundert die Augen - und die Ohren.
Kurzum: gleich mehrere Diskussionen waren es, in der sich gänzlich und allein zwei Senatoren mit heftigen Verbalattacken bis auf's Mark zu bekämpfen schienen: Titus Duccius Vala und niemand anderes als einer der Konsuln selbst, Marcus Decimus Livianus.
Den Verlauf der erbitterten Konfrontationen zu rekonstruieren scheint selbst nach Befragung zahlreicher Senatoren ein schwieriges Unterfangen, klar ist zumindest, dass die beiden Kontrahenten sich im Verlauf ihrer Auseinandersetzungen nichts geschenkt und dabei nicht nur einmal den Pfad der gesitteten Senatsdiskussion verlassen haben.

Einer Version zufolge begannen die heftigen Auseinandersetzungen, nachdem ein Vorstoß des Decimus zur Überarbeitung der internen Senatsrichtlinien unter Führung des Senators Sextus Aurelius Lupus und Beteiligung des Ducciers scheiterte und in der Folge vom Decimus verworfen wurde. Das Verhältnis zwischen den beiden Senatoren, Augenzeugen zufolge schon vorher durch Spannungen geprägt, schien hiermit vollkommen zerstört. Dies hatte offensichtlich zur Folge, dass der Decimus gleich in drei Diskussionen offensive Position gegen den Duccius bezog. Die Reaktionen des Duccius wären mit 'heftig' noch stark untertrieben. Gelang es ihm offensichtlich noch eine Initiative des Decimus zur Verhinderung seiner aktuellen Kandidatur zur Praetur einfach wegzulächeln, gingen ihm in zwei weiteren Diskussionen offensichtlich die Pferde durch und er schlug mit allen ihm zur Verfügung stehenden rhetorischen Mitteln auf den Decimus ein.

Wie immer gibt es unterschiedliche Betrachtungen des Geschehenen. Einige sind der Meinung, der Duccius hätte sich und sein germanisches Temperament besser im Griff haben sollen, andere meinen, solche plumpen Provokationen seien unter der Würde des Decimus. Letztlich sind sich in einer Sache alle einig: derartig Geschehenes gehört definitiv zu den dunkleren Momenten, die die Curia Iulia zu Friedenszeiten erleben muss.

Wer allerdings einen tieferen Blick in die Materie wirft, kann in der Auseinandersetzung zwischen Decimus und Duccius einen schon länger gärenden Konflikt erkennen, der weit über die beiden Persönlichkeiten hinausgeht und vor allem mit den letzten drei Principes zu tun hat. Gerade der nun bereits vor gut zwanzig Jahren verblichene Divus Iulianus sorgte mit seinem Regierungsstil für eine deutliche Abwertung der vor-ulpianischen Traditionen, die zuvor teilweise schon hunderte Jahre Geltung genossen hatten. Dies hatte zur Folge, dass zahlreiche Männer (und auch Frauen!) an die Spitze des Reiches gelangten, ohne dass sie sich zwangsläufig tiefer mit den benannten Traditionen beschäftigen mussten und sich vornehmlich auf ihr Charisma und ihr politisches Fingerspitzengefühl verlassen konnten. Die Freiheiten, die diese Männer und Frauen zur Zeit des Divus Iulianus genossen, waren immens. Es mag niemanden verwundern, wenn man diese Zeit als für das Reich äußerst prägend bezeichnet.
Seit der Amtsübernahme des Princeps Ulpius Aelianus Valerianus besann man sich auf dem Palatin allerdings immer mehr der Traditionen, die vor den Ulpiern gegolten und Rom sowie das Reich über Jahrhunderte geprägt haben.

Nun haben wir in dem Decimus einen der Granden, die es zur Zeit des Divus Iulianus weit gebracht haben und eben jenen Stärken entsprachen, die viele der Eliten von damals teilten: Charisma und Fingerspitzengefühl. Nicht ohne Grund wird der Decimus es schon damals zum Legatus Legionis und sogar Praefectus Urbi gebracht haben. Man kann es durchaus als bezeichnend ansehen, dass er nach dem Ableben des Divus Iulianus immer größere Schwierigkeiten hatte an seine alten Erfolge anzuknüpfen. Man lehnt sich auch nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man den charismatischen Decimus als sozial integren Großen des Reichs bezeichnet, der allerdings noch nie mit tiefergehendem Sachverstand und größerem Traditionsbewusstsein geglänzt hat. Vor allem ein erfolgsverwöhnter Macher, kein Wisser.
Der Duccius hingegen ist bekannterweise ein Kind jener Zeit, in welcher die Traditionen der vor-ulpianischen Ära Roms wieder stärkere Geltung zugesprochen bekamen. Verstärkend mag hinzugekommen sein, dass er sich als 'Außenseiter' aus der Provinz nicht auf bestehende Seilschaften in Rom verlassen konnte und sich demnach vor allem mit profunder Kenntnis der eben zu neuer Geltung gelangenden Traditionen beweisen musste - etwas, das er bekannterweise mehr als einmal getan hat. Kurzum mag man den Duccius als zielstrebigen, durchaus kompetenten, aber eben nicht gerade mit Fingerspitzengefühl gesegneten Aufsteiger bezeichnen, der in voller Überzeugung der Sache keine Skrupel kennt auch die Axt auszupacken.

Es sind jedoch vor allem zwei Gemeinsamkeiten, die diese beiden Charaktere so heftig aneinandergeraten ließen: ein ordentliches Selbstbewusstsein und eine grundlegende Verachtung für die Position des jeweils anderen.
Es ist kein Geheimnis, dass viele Aufsteiger der letzten Jahre, die mit profunder Kenntnis der römischen Traditionen glänzen, wenig für die Großen der 'ulpianischen Verfehlungen' übrig haben. Ihr Vorwurf: die 'Alten' hätten sich ihre Stellung durch billige Seilschaften und lauwarme Worte, nicht durch harte Arbeit und tiefere Kenntnis der römischen Traditionen verdient und hätten in diesen Tagen nur Angst vor zunehmendem Bedeutungsverlust.
Dementgegen steht die Ablehnung der Kenner der 'alten Tage', die eben dieser Zeit mehr Lebens- und Schaffensfreude als den heutigen zuschreiben. Ihr Vorwurf: die Aufsteiger der neuen Zeit würden mit der umfassenden Rückkehr zu alten Traditionen immer mehr Menschen ausschließen, sich mehr und mehr in den Vordergrund drängen und all jene hinter sich lassen, die nicht über diesselbe Kenntnis der Sache verfügten wie sie selbst.
Wenig überraschen dürfte es, wenn es schwer fällt dieser oder jener Gruppe Recht zuzusprechen.

Das Konfliktpotential, das diesen unterschiedlichen Positionen inneliegt, ist offensichtlich. Man lehnt sich sicherlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man die Befürchtung postuliert, dass eben dieses Konfliktpotential große und alles andere als positive Folgen für das politische Leben in Rom und Reich zur Folge hätte. Ein umfassender Ausgleich, eine Versöhnung gar, wird nötig sein um derartige Konflikte in der Zukunft zu vermeiden.

Bis dahin dürften sowohl der Consul Decimus als auch der Senator Duccius sich allerdings mit dem Gedanken tragen müssen, dass sie dem Senat und nicht zuletzt auch sich selbst eine Entschuldigung für ihr in jeder Hinsicht unwürdiges Verhalten schulden.

De Gentibus Familiisque Imperii I - Die von Tertius Decius abstammenden Albii

ANTE DIEM VIII ID IAN DCCCLXIV A.U.C. (6.1.2014/111 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
DE GENTIBUS FAMILIISQUE IMPERII


m unseren geschätzten Lesern und Zuhörern die Beschaffenheit unseres glorreichen und alten Reichs nahe zu bringen, hat sich die Redaktion der Acta Diurna entschieden eine neue Kolumne zu beginnen. Eine Kolumne über die verschiedensten Gentes und Familien, die das Reich bevölkern. Natürlich wird es eine Weile dauern bis eine adäquate Zahl an Darstellungen zusammengekommen ist, aber wie sagte der große Ovidius noch? Differ, habent parvae commoda magna morae!
Die folgenden Darstellungen werden sich auf die Familien und Stammesstrukturen als solches begrenzen und die Mitglieder der Familie herausstreichen, deren Wirken über die Grenzen ihrer Heimat hinaus bekannt wurde. Die Auswahl der Familien und Stämme wird dem Zufallsprinzip entsprechend erfolgen und sich mit der Zeit erweitern.

Und nun viel Spaß beim Lesen!

- PARS I -
DE FAMILIA TERTII DECII


Die erste Folge unserer Kolumne handelt von den Abkömmlingen des Tertius Decius, eines aus Hispania stammenden Mannes. Was dieser Mann für sein Lebtag tat, und womit er letztlich seine Familie ernährte, ist nicht überliefert, allerdings wird er als Vater der Brüder Marcus Decius und Crassus Palladius geführt. Marcus Decius schloss sich den Auxiliaren unserer Truppen an, um sich das so begehrte Bürgerrecht zu verdienen, schied allerdings zu früh wegen einer Verletzung aus und verlegte sich später auf das Züchten von Pferden. Marcus Decius heiratete eine aus Italia stammende Frau namens Claudia Irina, die einem kleineren plebeischen Zweig der Gens der Claudii zugerechnet werden kann. Über den zweiten Sohn des Tertius Decius, Crassus Palladius, ist kaum mehr bekannt, als dass er mit einer Quinta von den Honorii zwei Söhne zeugte: Decimus Palladius und Publius Valens.

Claudia Irina gebar ihrem Mann Marcus Decius zwei Söhne: Lucius Albius Decius und Tiberius Albius Drusus, zu welchen auch noch ein germanischer Junge namens Severus Scaevola kam, als dieser von Marcus Decius aufgenommen und adoptiert wurde. Während der jüngere der beiden leiblichen Söhne aus unbekannter Ursache in jungen Jahren starb, brachte dessen älterer Bruder Lucius Decius es bei den Auxiliaren in Confluentes zum Decurio, der sich bei der Bekämpfung der Banditenplage in Borbetomagus hervortat und ausgezeichnet wurde. Er verstarb wenig später an ungeklärter Ursache, wohl an einer nicht festernden Wunde aus dem Feldzug. Sein jüngerer Adoptivbruder brachte es in derselben Einheit immerhin zum Duplicarius, verschwand aber nach wenigen Jahren im Dienst spurlos im Dickicht Germanias.

Die Söhne des Crassus Paladius, die ebenfalls das Bürgerrecht erlangten, sind weitaus schneller zusammengefasst: Decimus Palladius scheiterte an der Ausbildung zum Eques der Ala II Numidia, in welcher auch seine Vettern ihren Dienst versahen, und verschwand ebenfalls in Germania. Sein Bruder Publius Decius Valens verstarb bereits in jungen Jahren.

Dies ist alles, das man von der doch eher kleinen Gens der Albii berichten kann, da noch keine andere ihrer Familiae größere Aufmerksamkeit erregte. Bleibt uns erhalten, werte Leser, beim nächsten Mal erzählen wir von den Geschicken der Gens Quintilia!

Leserbrief zu "Der Senat hat gewählt"

ANTE DIEM IX KAL DEC DCCCLXIII A.U.C. (23.11.2013/110 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
   
uhigen Gewissens könne man sagen: verkehrte Welt. Dies waren die Worte der Acta-Redaktion in ihrem jüngsten Artikel zu den vergangenen Wahlen auf die Magistraturen des Cursus Honorum. Doch frage ich: Wie überraschend war dieses Ergebnis tatsächlich? Wie unvorhersehbar war es? Und war es - nicht zuletzt - wirklich so verkehrt? Ich wage den Versuch einer Erklärung dieses undurchsichtig erscheinenden Wahlverhaltens der hohen Senatoren.

Viele sicherlich auch überaus wichtige Punkte beleuchtete die Acta-Redaktion hierzu bereits ausführlich, während sie einen jedoch ganz konsequent verschwieg: Das Patronat! So schauen wir uns doch einmal an, auf welche breite Basis der große Sieger der Wahlen, der junge Marcus Decimus Aquila, in seinem Kampf um die Stimmen der Senatoren bauen konnte. Zweifellos wohl die seines eigenen Patrons, des hoch geschätzten Consulars Purgitius Macer, der es einmal mehr selbst in diesem langen und verheerenden Bellum Civile vermochte, seine Neutralität zu wahren. Folglich darf sein Einfluss auf den Wahlausgang ebenso hoch geschätzt werden, wie auch die Unterstützung, die dem jungen Decimus aus dem eigenen Hause vom nunmehr designierten Consul Marcus Decimus Livianus zukam. Denn mit dem Senator Decimus kommt hier ein weiterer Patron ist Spiel: Der Consular Aelius Quarto, der seinen Klienten in beiden Fällen voll und ganz unterstützte und bekanntermaßen nicht wenige weitere Klienten im hohen Senat sitzen hat. Ist es da also so verwunderlich, dass der junge Decimus gute vier Fünftel und der ältere Senator Decimus noch beinahe zwei Drittel aller Stimmen auf sich vereinigen konnten?

Beleuchten wir hernach das Bild des Marcus Iulius Dives, der fast annähernd den Erfolg verbuchen konnte, den der junge Decimus nun sein Eigen nennt. Meinen Informationen zufolge erst nach (!) dem Bürgerkrieg kam er im Klientel des bekannten Consulars Vinicius Hungaricus unter, dem übrigens auch der noch bis zum Ende dieses Amtsjahres amtierende Aedilis Plebis Duccius Vala angehört. (Man erinnere sich auch an dessen vergangene Wahl mit knappen vier Fünfteln aller Stimmen, obgleich ich jene an dieser Stelle nicht weiter thematisieren möchte.) Wer käme hier also auf die Idee, die Zurechnungsfähigkeit des Consulars Vinicius infrage zu stellen, der nicht nur in die Verbannung geschickt wurde durch den Usurpator, sondern auch seinen eigenen Bruder Vinicius Lucianus durch den Vescularius verlor? Denn würde der Senator tatsächlich einen ehemals brennenden Befürworter des Thronräubers unterstützen? Wohl kaum. Folglich bleibt es aus meiner Sicht auch hier, wie schon beim während des Bürgerkriegs in der hispanischen Provinz Tarraconensis weilenden Decimus Aquila, fraglich, inwieweit diese Jugend direkt für die Taten ihrer Verwandten zur Verantwortung gezogen werden kann, sollte und wurde.

Richten wir zuletzt also unseren Blick am Candidatus Lucius Vinicius Massa, zu dessen Person ich auch nach größerer Suche keinen Namen eines Patrons in Erfahrung bringen konnte, vorbei zu Lucius Tiberius Lepidus. Jener kam - im Gegensatz zu seinem wohl namenhaftesten Verwandten, Consular Manius Tiberius Durus, - nicht beim gewesenen Consul Vinicius Hungaricus als dessen Klient unter, wie er sich gleichsam auch ganz allgemein keinen consularen Patron zu suchen schien. Stattdessen schloss er sich dem erst kurz nach der Ermordung des Valerianus zum Senator erhobenen Aurelius Lupus an, der bereits wenig später zu den germanischen Legionen stieß, diese im Kampf gegen den Usurpator zu unterstützen, und folglich zwar durchaus als im Schlachtfeld gestandener Tribun, nicht jedoch als in der Curia Iulia gestandener Senator gelten kann. Dies zumindest, so man den Aurelier mit den zuvor genannten Größen vergleichen mag.

Nehmen wir zum Abschluss also noch einmal Bezug auf den Artikel der Acta-Redaktion und fragen uns: War es, zum Haruspex nochmal, vielleicht das patrizische Gewitter, welches auf die decimischen Candidati niederging und wohl auch den einen oder anderen unangenehmen Blitz für deren Patroni bedeutete, das damit im Gegenzug dem patrizischen Candidatus Tiberius das eigene Wahlergebnis etwas verhagelte? Nun, in jenem Fall wird das Bild der letzten Wahlen dem Princeps wohl durchaus zu denken geben... nicht zuletzt, da ER der Patron des Aurelius (sic!) ist.

Sp.Q.R.



Sim-Off: Der Leserbrief wurde sim-on vor Ernennung der Magistrate veröffentlicht.

Schläger zerlegen Taverna - Cohortes unauffindbar

ANTE DIEM XIV KAL DEC DCCCLXIII A.U.C. (18.11.2013/110 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
ass es in zünftiger Runde mal etwas derber zugeht, hat wohl jeder einmal erlebt, der die vielen Tavernen und Schankstuben im Imperium mehr als einmal aufgesucht hat. Dass dabei auch gerne die Gemüter überkochen und Mobiliar zu Bruch geht - ja, auch das dürfte man erlebt haben, wenn man sein Leben bisher nicht in einer stillen Kemenate oder im goldenen Käfig verbracht hat.
Doch was zuletzt in Roms beliebtester Schankstube, der Taverna Apicia, ablief, würde wohl selbst dem ältesten Zecherveteran die Tränen in die Augen treiben. Bzw.: die Fäuste. Die Taverna, die schon deutlich schlimmere, aber auch bessere Tage gesehen hat, wurde Schauplatz einer Kneipenschlägerei, die alsbald den kompletten Schankraum in Mitleidenschaft zog. Nach unseren Informationen entfachte sich der Tumult an einem Konflikt zwischen einem Veteranen der zu der Zeit noch in Rom weilenden Nordlegionen und einem unbekannten Spross höherer Kreise. Das was danach geschah ist nur unter dem Begriff absolutes Chaos zusammenzufassen. Angaben von Augenzeugen zufolge waren teilweise mehr als 50 (in Worten: fünfzig) Männer an der Schlägerei beteiligt. Dabei kam es nicht nur zu einem Sachschaden, der vom Inhaber der Taverna als "weit in die Hunderte gehend" beziffert wird, es gab auch manigfaltige Verletzungen, wobei blaue Augen noch zu den leichtesten gehörten.

Soweit, so gut. Skandalös war allerdings das vollkommene Fehlen von Polizeikräften während der doch geraume Zeit um sich greifenden Schlägerei. Nicht ein Angehöriger der Cohortes Urbanae zeigte sich, nicht einmal ein Vigil war am betreffenden Abend aufgetaucht (obwohl böse Zungen behaupten, dass einige Teilnehmer der Schlägerei Vigiles angehörten). Es stellt sich die Frage, was die Urbaner veranlasste, die Taverna zu meiden.

Der Senat hat gewählt

PRIDIE ID NOV DCCCLXIII A.U.C. (12.11.2013/110 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
ach dem Ende des langen Bellum Civile, der zahlreiche Opfer gefordert und selbst die Urbs Aeterna nicht verschont hatte, schien sich mit der Inthronisierung des von Göttern und Vor-Vorgänger auserkorenen Princeps Cornelius alles gen Normalität zu neigen. Nein, mehr noch: man sehnte sich danach. Man verlangte danach. ROM verlangte danach.

Ein Jahr nach dem Ende des Bürgerkriegs wartete alles darauf, ob sich von den zögernden Kriegsgewinnern mal abgesehen noch weitere Kandidaten ins Feld trauen würde, das eigentlich noch nicht wieder das ihre war. Und tatsächlich gab es eine Fülle an Kandidaten wie es sie zuletzt vor mehr als zehn Jahren gegeben hatte. Vor allem Aspiranten auf die Vigintiviri gab es zuhauf, was sich freilich damit erklären lässt, dass die im Krieg zur Wartehaltung oder Wehrdienst verdammte Jugend nun endlich ihre Chance bekam sich in den Cursus Honorum der Senatoren zu stürzen.
Die Reihe der Kandidaten für das Vigintivirat war demnach so breit wie schon seit Ewigkeiten nichtmehr - und gab durchaus zu denken. So war vor allem die Kandidatur des Marcus Iulius Dives, dessen Familia namhafte Mitglieder wie Lucius Centho und Marcus Proximus in der Nähe des Usurpators wähnte, und die des Marcus Decimus Aquila, die bei der Lektüre der Kandidatenliste für Stirnrunzeln gesorgt haben. Zwar konnte sich ersterer in Ostia einen Namen machen und ist vor allem dadurch bekannt, rhetorisch derart begabt zu sein einen glauben machen zu können Salz sei Zucker und es in Ostia in skandalös jungen Jahren zum Duumvir voller Tatendrang geschafft zu haben, aber ein schaler Beigeschmack blieb doch. Nichts anders beim jungen Decimus, dessen Familia sich wie die Iulii eine enge Einbindung in das Regime des Vescularius vorwerfen lassen durfte - und noch immer darf. Dass das Netzwerk seiner Familia immer noch funktioniert zeigte früh die Tatsache, dass er sein Tirocinium Fori bei einem DER Kriegsgewinner schlechthin absolvierte: dem 'Held' von Vicetia, Titus Duccius Vala. Dass dieser während der Belagerung Roms gleich zwei namhafte Decimi, nämlich des' Vescularius Praefectus Praetorio Faustus Decimus Serapio und dessen Schwester, die Auctrix der Acta, Decima Seiana, in der Castra Praetoria interniert hatte könnte zu denken geben, muss es aber nicht.
Neben diesen Kandidaten mit zweifelhaftem Hintergrund gab es noch welche, die unzweifelhafter nicht sein konnten: Lucius Lepidus aus dem Hause der Tiberii Ahalae. Also aus dem Haus, welchem auch der Consular Manius Tiberius Durus angehörte. Man erinnere sich: der Mann, der sich nach der Ermordung des Valerianus in Rettung seiner Ehre vor den Häschern des Usurpators der Mors Voluntaria hingab. Oder Marcus Vinicius Massa, Sohn des vom Usurpator fälschlicherweise des Hochverrats angeklagten und hingerichteten Consulars Marcus Vinicius Lucianus. Muss man mehr erwähnen?

Denkwürdiger war ebenfalls die Kandidatur des Marcus Decimus Livianus, der nicht nur kurz nach Ende des Bürgerkriegs aus Hispania in die Urbs Aeterna zurückkehrte, sondern aus dem Hafen direkt den Lauf in das Amt des Konsuls wagen wollte. Man erinnere sich: bei seinem ersten Versuch vor mehr als zehn Jahren konnte er gerade einmal etwas mehr als ein Drittel der Senatoren von sich überzeugen. Dieses Mal sollte es anders werden.

Vorbereitet auf die Wahl hatten sich (fast) alle der namhaften Candidati indem sie den ins Stocken geratenen Motor des politischen Betriebs wieder in Gang brachten und fleißig Klinken putzten sowie Werbung für sich machten. Nun, alle bis auf den Vinicius, der aus uns nicht bekannten Gründen indisponiert war und seine Kandidatur nicht realisieren konnte. Der Consul-in-spe Decimus hatte zwar ebenfalls nicht viel Zeit für die Vorbereitung seiner Kandidatur, nutzte diese aber umso aktiver. Nichtsdestotrotz haben nicht wenige Stimmen Bedenken ob der doch ziemlich überstürzt wirkenden Kandidatur geäußert.

Das, was dann im Senat folgte spottete allen vorangegangenen Überlegungen und Erwartungen. Einerseits hat es stark an die Zeit vor dem Bürgerkrieg erinnert, an eine Zeit in der der Senat noch ein Ort lebhafter Debatten war - aber eben auch energischer Grabenkämpfe. Andererseits waren es eben diese Grabenkämpfe, die niemand wirklich vermisst hatte.
Das Szenario ist dann auch relativ kurz zu umreißen: selbsternannte Rächer aller unter dem Vescularius erduldeten Ungerechtigkeiten versuchten mit roher Gewalt jenen den schwarzen Petrus für eben diese Ungerechtigkeiten zuzuschieben, die mehr oder minder in Verbindung mit namhaften Personen des vescularischen Regimes standen. Um genau zu sein: die Decimi hatten sich einem patrizischen Gewitter zu stellen, das später nicht nur von voreingenommenen Beobachtern als bizarrste Szene der jüngeren Senatsvergangenheit bezeichnet wurde.
Wohlgemerkt: die Decimi wurden Ziel der wüsten Beschuldigungen und Forderungen, nicht der Iulier, dem man ebenso zweifelhafte familiäre Bande nachsagen könnte.
Die Heftigkeit der Reaktionen ließ dann selbst einen politischen Routinier wie Decimus Livianus aus dem Takt geraten, der sich sehr viel schwerer mit der Selbstbehauptung tat. Sein jüngerer Verwandter schien sich besser zu schlagen, wohl auch weil er längere Zeit gehabt hatte sich auf das vorzubereiten, was ihn im Senat erwartete.

Sowohl Tiberius als auch Iulius (sic!) blieben derartige Rechtfertigungs- und Bekenntnisforderungen erspart und genossen dementsprechend eine relativ unkomplizierte Selbstdarstellung und Unterstützungsbekundungen der Senatoren.

Waren die Auseinandersetzungen im Senat nicht bizarr genug, geriet das letztliche Wahlverhalten der Senatoren umso unerklärlicher. Klarer Gewinner der Wahl dürfte der junge Decimus sein, der mehr als vier Fünftel aller Senatoren trotz der wüsten Auseinandersetzungen um die seiner Familia zugeschriebene Schuld von sich überzeugen konnte. Ein Ergebnis, das auch ohne die Auseinandersetzungen schon als mehr als nur ordentlich betrachtet werden könnte, so aber umso spektakulärer ist. Marcus Iulius Dives, dem zuvor viele gute Chancen wegen seines Rufs als tatenvoller Duumvir Ostias eingeräumt wurde, verbuchte kaum weniger Stimmen auf sich.
Richtig seltsam wird es, wenn man das Wahlergebnis des Tiberius betrachtet: gerade knapp drei Fünftel aller Senatoren haben für den jungen Mann mit eigentlich tadellosem Leumund gestimmt.
Man kann ruhigen Gewissens sagen: verkehrte Welt. Jene, deren Familien man unzweifelbar enge Verbindungen zum Regime des Vescularius zuschreiben kann, räumen bei den Wahlen ab. Und jene, die eigentlich deutlich auf Seite des neuen Kaisers und der Kriegsgewinner stehen, stehen kurz vor'm Scheitern. Dass der ältere Decimus es dann ebenso aus dem Stand ins Amt schaffte komplettiert das Bild der letzten Wahlen... das sich wohl keiner so wirklich erklären kann und das vielen zu denken geben wird. Nicht zuletzt dem Princeps.

Hochverrat und Kaisermord – Jahrhundertverbrechen aufgeklärt

ANTE DIEM V ID DEC DCCCLXII A.U.C. (9.12.2012/109 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
u den letzten Saturnalien erschütterte die Nachricht über ein Verbrechen von kaum vorstellbaren Ausmaßen unserer Imperium: unser geliebter Kaiser, der Imperator Caesar Augustus Gaius Ulpius Aelianus Valerianus, Sohn des vergöttlichten Iulianus, war einem heimtückischen Giftmord zum Opfer gefallen, ebenso seine Frau Livilla Ulpia Lucilla, und sein Sohn Publius Ulpius Maioranus.
Unruhen und Bürgerkrieg sind seitdem über unser Reich hereingebrochen, und haben die Jagd nach den Schuldigen zu einem schwierigen Unterfangen gemacht. Doch nun sind die Ermittlungen der Cohortes Praetoriae nahezu abgeschlossen. Gardepräfekt Decimus Serapio stand der Acta Rede und Antwort.


Acta: Wer tötete den Kaiser?

Decimus: Eine Gruppe von Verschwörern aus den Reihen des Senates hat diesen Mord begangen. Sie begehrten gegen die Herrschaft Kaiser Valerianus auf, besonders unzufrieden waren sie damit, dass er Vescularius Salinator als Stadtpräfekt und Stellvertreter einsetzte. Darum beschlossen sie, den Kaiser zu töten, und darüber hinaus mit dem Mord an seiner Familie das ulpische Geschlecht vollständig auszulöschen. An seiner statt wollten sie einen aus ihrem Kreis zum Kaiser machen: Cornelius Palma. Er war einer der Rädelsführer. Ausserdem der Pontifex Tiberius Durus, und der Consular Vinicius Lucianus.

Acta: Angesehene Männer aus den höchsten Kreisen. Was bewog sie zu einem solchen Frevel?

Decimus: Es ist ja bekannt, dass der damalige Stadtpräfekt, jetzt Nachfolger Valerianus, Imperator Vescularius Salinator, es sich zur Aufgabe gemacht hat, die ungerechtfertigten Privilegien der alten Eliten zu beschneiden, und die Stellung des einfachen Mannes aus dem Volk zu fördern. Die Verschwörer, allesamt Angehörige der Nobilitas oder Patrizier, fürchteten um ihre herausgehobene Stellung, und fühlten sich in ihrem Standesdünkel verletzt. Bei seiner Vernehmung drückte Vinicius Lucianus das hasserfüllt so aus: "Vescularius ist doch nur ein Bauer aus der Provinz." Machtgier und Furcht vor Machtverlust haben sie alle Skrupel vergessen lassen.

Acta: Wie ist es ihnen gelungen, die kaiserliche Familie trotz der Leibwachen zu töten?

Decimus: Mit Gift. Als Mittelsmann haben die Verschwörer einen Libertus eingesetzt, Ulpianus Venox, der schon früher, und zwar als Palma Statthalter in Syrien war, für diesen gearbeitet hat. Der Libertus hat das Gift einem der Küchensklaven zugesteckt, Berisades, und der wiederum hat es beim Saturnalienfest in der kaiserlichen Landvilla in Misenum an eine Süßspeise getan, die er zubereitet hat. Die kaiserliche Familie legte sich, nichts böses ahnend, zum Mahl. Die Sklaven berichten, dass der junge Maioranus dann als erstes klagte, ihm sei nicht gut, dann verfiel er in Krämpfe und rang verzweifelt nach Luft. Die Medici – der Kaiser hatte ja immer viele Medici um sich – wurden herbeigerufen, aber sie konnten nichts ausrichten. Der Kaiser und seine Frau mußten mitansehen wie ihr einziger Sohn qualvoll starb, kurz darauf erlagen sie selbst dem Gift.

Acta: Trotz dieser Greueltat ging der Plan der Verschwörer nicht auf. Warum?

Decimus: Ich vermute, dass sie nicht damit gerechnet hatten, dass Vescularius so schnell und entschlossen handeln würde. Es war aber so, dass wir Prätorianer der Verschwörung bereits auf der Spur waren. Auch wenn wir damals... leider... noch nicht wußten, welch infame Pläne sie schmiedeten, und wie bald sie losschlagen würden.
Ich selbst war zu dieser Zeit in Antiochia, um die Machenschaften des Tiberius Durus zu verfolgen; er war kurz zuvor dort gewesen, um den Statthalter Veturius Cicurinus ebenfalls zum Hochverrat zu verleiten.
Jedenfalls schlug Vescularius Salinator sofort zurück. Vinicius Lucianus wurde verhaftet und hat gestanden, Tiberius Durus entzog sich der Vergeltung durch den Freitod, viele andere sind geflohen, und auch Cornelius Palma ist, zu meinem größten Bedauern, entkommen. Er floh nach Syrien, und von dort aus hat er, mit Hilfe von Veturius, unser Reich in diesen furchtbaren Bürgerkrieg gestürzt.

Acta: Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Decimus: Der Prozess gegen Vinicius Lucianus steht bevor. Der Libertus wird sich ebenfalls verantworten müssen. Der Küchensklave und die anderen Sklaven der kaiserlichen Landvilla, die es zugelassen haben, dass ihr Herr und seine Familie in ihrer Mitte ermordet wurden, werden nach dem senatus consultum Silanianum gerichtet werden. Was Cornelius Palma angeht – seine Verbrechen spotten ja jeder Beschreibung, dieser Mann hat ausser der kaiserlichen Familie auch die Opfer des Bürgerkrieges auf dem Gewissen. Das kann und darf, und sobald dieser Aufstand niedergeschlagen ist wird das auch nicht, ungesühnt bleiben.