Startseite | Suche | Alte Ausgaben: | zum Forum
Heute ist der ANTE DIEM III ID IUL DCCCLXX A.U.C. (13.7.2020/117 n.Chr.)
Rubrik wählen

Ich glaub, ich seh doppelt

ANTE DIEM IV KAL DEC DCCCLX A.U.C. (28.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
as Fest der Proserpina ist vorbei, die Göttin wieder hinab in die Unterwelt gestiegen. Und schon sieht man der Natur das allmähliche Sterben für den Winter an, kaum noch Blätter sind an den Bäumen zu finden und es regnet in Strömen. Und gerade in dieser tristen Jahreszeit, in der man eher an den Tod denkt, ist es umso bemerkenswerter, was unserer Redaktion vom gegenteiligen Ende des Lebens zugetragen wurde:

Orchia Sura, ihres Zeichens Hebamme, trat an uns heran, um uns von einem Kuriosum zu berichten. “Nun, eigentlich ist es ja etwas erfreuliches“, erzählte uns die gute Dame, “dass so viele Kinder geboren werden. Nur ist mir die Anzahl der Zwillinge schon langsam suspekt.“
Und tatsächlich, es scheint so, dass die Anzahl der Zwillinge beständig steigt. Was eigentlich eher selten vorkommt, scheint in zunehmendem Maße aufzutreten. Doch das allein wäre noch nicht berichtenswert. “Und immer sind es Mädchen und Jungen. Nie zwei Mädchen oder zwei Buben, nein, immer Mädchen und Junge. Und immer kommt das Mädchen kurz vor dem Jungen auf die Welt!“
Ob die Götter uns damit etwas sagen wollen? Orchia Sura zumindest ist davon überzeugt und sieht darin ein deutliches Zeichen. “Es ist, als könnten sich die Götter nicht mehr entscheiden, was für ein Kind sie den Eltern geben wollen. Und dass das Mädchen zuerst geboren wird, vielleicht weisen sie da auf die göttliche Diana hin?“
Diese These allerdings ließ sich nicht bestätigen und ist wohl auch zu weit hergeholt. Auch wenn der Frevel an der Göttin der Fruchtbarkeit bislang ungesühnt ist, wäre besonders reicher Kindersegen da ein etwas merkwürdiges Omen.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Zwillingswelle anhält, oder ob es sich nur um eine zeitweilige Zufälligkeit handelt.

eserbrief - Von Helden und Tragödien

ANTE DIEM XI KAL DEC DCCCLX A.U.C. (21.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
   
Werte Redaktion der Acta Diurna,

auf meiner Reise von Rom nach Mantua geriet eine Eurer Ausgaben - leider nicht mehr im besten Zustand - in meine Hände. In dieser berichtet Ihr ob einer Richtigstellung der Richtigstellung und bittet um die Meinung der Leser. Bedauerlicherweise fehlen mir vorherige Informationen des Sachverhaltes, da mir keine älteren Ausgaben in die Hände geraten sind - manch eine Gegend Roms wird leider nicht von Euren Ergüssen heimgesucht, zumindest nicht in einem adäquaten Ausmaß.

Betrachtet man jedoch die Aussagen, die in dieser Ausgabe zu finden sind, bleibt nur eine einzige Schlussfolgerung: bei dem Verstorbenen handelt es sich um einen idiotischen Helden. Ein Held deshalb, weil er sich in die Fluten stürzt um ein Kind zu retten und doch ein Vollidiot, weil er zuvor sein Hirn ausgeschaltet hat und nicht die Sekunden genutzt hat sich der Rüstung, zumindest in Teilen, zu entledigen. Setzt man Logik und Verstand ein, wird einem doch recht schnell klar, dass gewisse Gewichte - auch wenn man sich selber im Wasser leichter fühlt - unweigerlich zu dem Effekt des hinabziehens führen werden. Wenn jemand - wie dies bei diesem Manne augenscheinlich der Fall war - in der Lage ist zu schwimmen, sollte er doch bis dato auch diesen Sachverhalt begriffen haben. Man könnte beinahe der Meinung sein, er habe sein Gehirn bewusst ausgeschaltet, da ihn - in welcher Länge auch immer - eine gewisse Lebensmüdigkeit überfiel in diesem Augenblick.

Doch wie wird dereinst ein weiser Mann gesagt haben: Zeige mir einen Helden und ich zeige Dir eine Tragödie. Geht sonst die Tragödie nicht selten durch den Held in etwas Gutes aus, ist es hier der Held selber, der zu einer solchen beiträgt.

Vale bene
Marcus Artorius Celer


Kurzmeldungen

ANTE DIEM XIV KAL DEC DCCCLX A.U.C. (18.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Aegyptus, Neues aus Germania, Gesellschaftliches, Politisches
ROMA - Flavii und Aurelii schließen neues Bündnis
Man darf es als Geniestreich der beiden im Moment doch arg vom Schicksal geschlagenen Gentes betrachten, dass sie es geschafft haben mal wieder zwei Sprösslinge miteinander zu verkuppeln. Flavia Nigrina und Sextus Aurelius Lupus feierten kürzlich ihre Verlobung, man könnte fast meinen, man hätte sich bewusst auf die wenig später eintretenden Schicksalsschläge (man erinnere sich an den Tod der Flavia Celerina und des Marcus Aurelius Corvinus) vorbereitet. Die Feier ist eigentlich nicht großartig erwähnenswert, der den patrizischen Gentes üblicherweise zugeschriebene Pomp, Segen der Götter, alles dabei. Die Gästeliste las sich natürlich auch wie ein Wer-ist-Wer der römischen Gesellschaft. Eigentlich alles unspektakulär, wären da nicht die beiden Todesfälle kurz darauf. Es bleibt abzuwarten ob diese Ehe, die dazu gedacht war die Bindung und vor allem die Stellung der beiden Gentes zu stärken, nun in der Lage sein wird das Tief auszugleichen in dem sie nun stecken.

AEGYPTUS - echte Freunde stehen zusammen
Während die Legionen unter der Führung des Legaten Octavius Dragonum weiter die Wüste nach Banditen durchkämmen und sich hier und da wütende Scharmützel mit dem kaum greifbaren Feind liefern, ist das Lagerleben der Legionäre von inniger Eintracht geprägt. Muss man sich abseits der Castella auf den Tod gefasst machen, stärken die Gladiatoren sich gegenseitig durch trautes Gemeinschaftsleben. Zu den Brüderlichkeiten, mit denen man sich das triste Lagerleben erträglich macht, soll zum Beispiel das gemeinsame Polieren des Gladius gehören. Ab und an sollen Legionäre sich auch einfach mal gegenseitig das Pilum halten. Man schrubbt zusammen den Dreck vom Scutum, spannt den Scorpion oder man schärft zusammen die Pugiones.
Alles in allem sehr erfreuliche Nachrichten vom Zusammenhalt so nahe der Front. Sicherlich im sehr griechisch-beeinflussten Alexandria eine Ausnahme, und auf diese Männer kann Rom also wahrlich stolz sein!

GERMANIA - hoch, höher, Terentius Primus
Kaum in seinem Amt als Praefectus Alae, lässt Gaius Terentius Primus (dem treuen Leser vielleicht als motivierter Verfasser von Leserbriefen zur objektiven Aufklärung der Allgemeinheit bekannt) sämtliche Muskeln spielen, die seinem schlachtgestählten Körper so inne sind: hat der Mann nicht zuerst die Ala auf Links gedreht, um sie in einen seinen außerordentlichen Ansprüchen genügenden Zustand zu versetzen, wurde zuletzt eine zehn Mann starke und zudem augenscheinlich stockbesoffene Räubertruppe.. achwas.. RäuberARMEE mit einer massiven Militäraktion geplättet, so war die Curia der seine Ala beherbergenden Civitas Confluentes sein nächstes Ziel. Die existiert nämlich gar nicht. Richtig gelesen: in Confluentes geht administrativ gar nichts mehr. Orgien und Müßiggang sollen an der Tagesordnung sein, der Duumvir soll sich gar aus dem Staub gemacht haben. Da fragt man sich doch gleich, wieso das nicht eher auffiel? Steuerausfälle aus einer so wichtigen Stadt dürften doch wohl recht schnell bei den wichtigsten Stellen der Provinz auffallen? Schläft der Statthalter der Provinz, Marcus Vinicius Hungaricus, oder warum entgehen ihm derlei Dinge? Und was ist mit dem Comes Lucius Purgitius Maecenas? Gut zu wissen, dass es trotz soviel Unaufmerksamkeit in den zentralen Stellen der Verwaltung in Germania immer noch so blitzgescheite und wache Offiziere gibt, die zum Wohle Roms auch gerne mal ihre Befugnisse überschreiten, um für Recht und Ordnung zu sorgen.

AEGYPTUS - iulischer Icarus verbrennt sich an aegyptischer Sonne
Erinnert sich jemand an unseren letzten kurzen Bericht über die Machenschaften des sehr ambitionierten Lucius Iulius Centho, der es sich offen auf die Fahnen geschrieben hat, seiner Gens zu alter und neuer Glorie zu verhelfen? Nach der Ernennung zum Quaestor verbrachte der Iulier bekanntermaßen ganze Wochen seiner Amtszeit damit, sich über sein Amt zu beklagen, eine Quengelei, der ein väterlich-scheltender Consul Aemilius nur damit Einhalt gebieten konnte, in dem er dem Iulier ein paar Boote der Classis zum Spielen gab und ihn damit nach Aegyptus schickte. Weit weg von Rom. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Nun hatte der Quaestor Iulius zur Beschäftigung nicht nur ein paar nette Boote der Classis mitbekommen, sondern auch einen fatalen Auftrag: die Engpässe in der Versorgung der Ewigen Stadt mit aegyptischem Getreide aufzuklären. Der Consul Aemilius dürfte sich darüber gefreut haben, den Querulanten losgeworden zu sein; der Statthalter unseres geliebten Kaisers in Aegyptus, Appius Terentius Cyprianus, war allerdings weniger über den unangemeldeten Besuch erbaut. Weniger noch: der Iulier bewies mal wieder sein feines Gespür für Fettnäpfchen. Vollkommen erbaut über sein tolles Amt, seine Spielzeuge und sich selbst hatte er nichts besseres zu tun als dem Praefectus Aegypti mal so richtig in die Kandare zu fahren.
Wenn man das Gespräch, das in der gehobeneren Gesellschaft Aegyptus' zur Zeit das Thema Nr. 1 ist, einigermaßen genau wieder geben will, so dürfen da die Worte "Amtsanmaßung", "Beleidigung", "Frechheit" und "maßlose Selbstüberschätzung" nicht fehlen.
Man wird dem Iulier in der Sache wohl blinden Eifer unterstellen dürfen, dass er vergessen zu haben scheint, dass man VOR der offenen Zurschaustellung von Standesdünkeln sich diese überhaupt erst erarbeiten muss. Und da ist der Hund begraben, der Iulier scheint in den Etappen seines Cursus Honorum mit jedem zweiten Schritt kräftig daneben zu treten: seine Arbeit als Vigintivir soll mit "schlampig" noch schön geredet sein, seine Arbeit als Tribun der Stadtkohorten sind ausgezeichnet worden, und als Quaestor wird er Aegyptus wohl keinen Deut schlauer verlassen haben. Dafür mit jeder Menge Ärger. Kein Zeichen der Reife, um in die Curia Iulia berufen zu werden.

ROMA - Familia des Mutius Scaevola trauert um komplette Nachkommenschaft
Mehrere Unglücke wahrhaftig dramatischen Ausmaßes haben die Familia des Lucius Mutius Scaevola, eines bekannten Ritters des Reiches erschüttert. Zuerst ertränkte sich die Tochter, Mutia Tertia, wohl aus Liebeskummer. Dann verunglückten wenig später gleich alle drei Söhne des Scaevola auf tragische Art und Weise. So seiner kompletten Nachkommenschaft beraubt, darf man sehr wohl annehmen, dass Mutius Scaevola auf grausame Art und Weise von den Göttern bestraft wird. Allerdings munkelt man auch, dass es sich dabei um nichts anderes als eine Racheaktion dunkler Kräfte handeln soll. Der Ritter soll hoch verschuldet sein, und unwillens seine Schulden zurück zu zahlen.

GERMANIA - mogontiner Baumstrukturkuchen sorgt für Aufsehen
In Mogontiacum, aber auch schon weit darüber hinaus, spricht man mittlerweile von einer neuen und einzigartigen Delikatesse. Kreiert wurde sie von den Meisterköchen in der bekannt-beliebten Taberna Silva Nigra in Mogontiacum, einem Gasthaus mit langer Tradition die schon ebenso lange von der ebenso traditionsreichen Familie der Duccii geführt wird. Diese neue Delikatesse wird 'Baumstrukturkuchen' genannt, und soll zu den exklusiveren Gaumenfreuden zählen, die man sich gönnen kann. Dem armen Schreiber der Acta war es leider nicht möglich diese Spezialität zu probieren, immerhin sind die Preise für dieses Gericht so gesalzen wie sie selbst süß ist. Aber in den höchsten Schichten der provinziellen Gesellschaft gelten sie als absoluter Geheimtipp, und auch schon nach Rom sollen einiger ehrgeizige Händler sie exportiert haben um sie dort mit exorbitanten Preisen an den Mann und die Frau von Stand zu bringen.

ARABIA - junger Germane gewinnt spektakuläres Rennen auf norrischer Kuh
Wenn Nachrichten aus dem Ausland zu uns dringen, dann sind es stets solche die für großes Aufsehen sorgen. So soll in einem Land im südlichen Ost, noch weiter als das weiteste Arabia, ein Rennen ausgetragen worden sein das seinesgleichen sucht. Dominiert wurde die Rennserie, die überall in und abseits der uns bekannten Welt stattfand, zuvor meist von Alonsus, einem Mann dessen Fähigkeiten seit den Tagen des legendären Caligafactor unbestritten das Feld dominieren. Doch wegen eines Fehlers in der Rennplanung musste der Mann aus Hispanien, der auf einem rotgelbschwarzen Hengst aus Italia bisher viele Rennen gewann, nun den Gesamtsieg an Sebastianus Vettelus abgeben, einen germanischen Reiter auf einer roten Kuh aus Norricum, dem bisher kaum jemand eine Chance eingeräumt hat.
In Germanien zeigt man sich begeistert von dem Erfolg des Außenseits, so ein Anhänger: "Wir sind zwar alles andere als ein Volk. Aber was dieser Vettelus vollbracht hat, lässt fast die Schmach vom Sommer dieses Jahres gegen die Hispanioten in Vergessenheit geraten! 'maniaaaaaaaaaaa 'maniaaaaaaa, 'maniaaaaaaaa 'maniaaaaaa!"

Der Senat hat gewählt

ANTE DIEM XVII KAL DEC DCCCLX A.U.C. (15.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
ieder einmal wurden die Magistrate für das kommende Jahr gewählt. Dieses Mal scheint es, dass der Senat sich besonders lange Zeit für die Beratung gelassen hat, aber insgesamt sind auch einige Dinge an dieser Senatswahl ungewöhnlich.

Einige der Ämter wurden direkt auf Wunsch des Praefectus Urbi in seiner Eigenschaft als Stellvertreter des Imperator Caesar Augustus besetzt, ohne dass diese dem Senat zur Wahl gestellt worden wären. So wurden 3 Quaesturen vergeben, was immerhin die Hälfte aller Posten als Quaestor ausmacht. Ebenso wurden 5 Vigintivirate vergeben, was einem Viertel der zu besetzenden Posten entspricht. Eine also nicht unbedingt klein zu nennende Wunschliste, die Potitus Vescularius Salinator im Namen unseres geliebten Kaisers dem Senat übermittelte.
Auffällig hierbei ist, dass es besonders viele homines novi sind, die so in den Senat gelangen werden und die Reihen der plebejischen Magistrate stärken werden. Doch haben viele dieser Direktbesetzungen zumindest auf militärischer Ebene schon eine ansehnliche Karriere vorzuweisen, so dass der Schritt in die Politik nicht zu kritisch zu betrachten ist. Wünschen wir den verdienten Militärs, dass sie auch das politische Schlachtfeld siegreich überstehen werden.

Im Bereich der vom Senat gewählten Magistrate gab es hingegen wenig Überraschungen.
Purgitius Macer, der bei seiner letzten Wahl zum Praetor 100% der Stimmen hinter sich vereinen konnte, konnte nun immer noch phänomenale 83% von seiner Eignung zum Consul überzeugen. Ein immer noch herausragendes Wahlergebnis, das seit der Zeit von Lucius Aelius Quarto bei einer Consulwahl nicht mehr erreicht worden ist.

Herius Claudius Menecrates wurde zum Aedilis Curules bestimmt. Mit immerhin knapp 63% der Stimmen konnte er beinahe Zweidrittel der anwesenden Senatoren von sich überzeugen. Vielleicht mag dieses im Vergleich knappe Ergebnis mit der langen Zeit zusammenhängen, die der Claudier kaum von sich reden gemacht hat. Erst in letzter Zeit scheint er wieder neuen Elan gefasst zu haben. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Eine kleinere Überraschung gab es bei den Vigintiviraten, wo Sextus Aurelius Lupus knapp 72% der Stimmen auf sich vereinen konnte. Noch weitreichend unbekannt in Rom ist dieses Ergebnis doch erstaunlich. Besieht man sich die Unglücksfälle, von denen die Aurelier dieser Tage gebeutelt zu sein scheinen, scheint dies zumindest ein kleiner Lichtblick für die Zukunft der Gens zu werden. Seien wir gespannt, ob diese in ihn gesetzten Erwartungen den jungen Mann beflügeln – oder eben nicht.

Ein Urteil, das es in sich hat

ANTE DIEM XVIII KAL DEC DCCCLX A.U.C. (14.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
or nicht allzulanger Zeit haben wir noch von dem Prozess des Octavius Macer gegen Decimus Livianus berichtet. Nun ist das Urteil gefällt und auch die Einspruchsfrist ist verstrichen, womit das Urteil endgültig ist: Decimus Livianus ist schuldig.
Für diejenigen, die weder den Prozess noch unsere Berichterstattung verfolgt haben, hier ein kurzer Abriss der Geschehnisse: Zu seiner Zeit als Prätor hat der Decimer zwei Adoptionen bewilligt. Zunächst einmal war da die des Libertinus Appius Tiberianus Marhabal durch Lucius Quintilius Valerian. Wie nun hinlänglich bekannt ist, kann ein Sklave oder Libertinus niemals römischer Bürger werden. Durch diese Adoption aber ist nun genau dieser Fall eingetreten. Dass der Prätor nun hierfür bestraft wurde, weil er in diesem Fall wohl beide Augen sehr fest zugedrückt hat, ist also wenig verwunderlich. Bemerkenswert ist viel eher die Tatsache, dass diese Rechtsbeugung nun schon Jahre zurückliegt und sich bislang niemand daran gestört zu haben scheint, so dass eine Verjährung eigentlich anzunehmen gewesen wäre.
Die zweite Verurteilung wegen Rechtsbeugung betraf nun die Adoption des Decimus Serapio durch Decimus Livianus. An und für sich ist an einer solchen wohl nichts weiter ungewöhnlich. Decimus Livianus hatte zum Zeitpunkt dieser Adoption offiziell keinen leiblichen Sohn (und auch jetzt scheint dieser das ferne Britannien seinem Vater vorzuziehen) und so sicherte er seinem Neffen den Platz als Erben eines Senators. Was nun aber nach Auffassung der Richter daran fehlbares Verhalten war, ist die Tatsache, dass Decimus Livianus zum Zeitpunkt der Adoption im Amt des Prätoren war und damit in seiner eigenen Sache entschieden hat. Gemäß römischer Rechtsauffassung darf ein Richter nicht entscheiden, wenn er befangen ist.

Soweit klingt diese Verurteilung ebenfalls sehr vernünftig. Doch was bedeutet das in der Praxis? Während seiner Amtszeit als Prätor – die ja immerhin ein Jahr umfasst – kann ein Prätor keine Rechtsakte durchführen, die seine Person betreffen. Doch endet hier die Befangenheit? Was ist mit seiner Familia? Was mit seiner Gens? Wie weit reicht diese Befangenheit, die mit diesem Urteil nicht nur Strafsachen, sondern auch das Zivilrecht umfasst? Darf künftig ein entfernter Verwandter des Prätors während dessen Amtszeit ein Rechtsgeschäft durchführen? Eine sehr interessante Fragestellung, auf die unsere Redaktion keine befriedigende Antwort gefunden hat. Künftig wird es wohl heißen: Zu Risiken und Nebenwirkungen ihrer Kandidatur zum Prätoren befragen sie ihren Rechtsbeistand.

Die Strafe hingegen, die Decimus Livianus zu entlohnen hat, ist geradezu lächerlich klein, bedenkt man seine Stellung. 10 Aurei sind an die Staatskasse zu entrichten. Es gibt Sklaven auf dem römischen Markt, die weit mehr kosten. Das Urteil ist wohl eher als ein sachter Schlag auf die Finger verbunden mit einem „Du, du, du, mach das nicht nochmal“ zu verstehen denn als wirkliche Bestrafung wegen Rechtsbeugung.
Daher stellt sich die Frage, was die Richter damit aussagen wollten. Ging es letztendlich gar nicht um die Bestrafung, sondern um die Publikumswirksamkeit des Prozesses? Oder sollte hier nur ein Präzedenzfall im Recht geschaffen werden?
Manche vermuten sogar politische Motive hinter der kompletten Verhandlung. Nahrung erhält diese Theorie durch den Auftritt des Praefectus Urbi am letzten Verhandlungstag, der äußerst zufrieden wirkte. Allerdings mag das auch ohne Zusammenhang stehen und einfach auf die Reden des Decimus Livianus im Senat zurückzuführen sein, wo er dem Vescularier mehr als einmal recht offen sein Misstrauen ausgesprochen hat. Dass die beiden Männer einander nicht unbedingt wohlgefällig zugetan sind, dürfte wohl keine Überraschung sein.

eugen gesucht

ANTE DIEM IV ID NOV DCCCLX A.U.C. (10.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Religion, Spiele & Kultur
   
IN NOMINE SENATVI POPULIQUE ROMANI
ET PONTIFICIS MAXIMI

- Zeugen gesucht -


Das Collegium Pontificium sucht zur Klärung der Umstände Zeugen, die am Fest der Nemoralia im Hain der Diana zu Nemi teilgenommen haben und Hinweise über die dort vorgefallenen Geschehnisse bieten können.

Diese haben sich beim Pontifex pro Magistro Manius Tiberius Durus in der Villa Tiberia zu melden.




gez. Manius Tiberius Durus

- PONTIFEX PRO MAGISTRO -


Aegyptus - ein Reisebericht

ANTE DIEM VI ID NOV DCCCLX A.U.C. (8.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Neues aus Aegyptus
an meint die Trockenheit in den Knochen spüren zu können, die dieses Land im Griff hält. Selbst an der Küste, selbst dort, wo der Fluss wie eine lebenspendende Ader durch den Sand mäandert und ihm ein Grün entlockt, das man nur wenig vom Nass entfernt für unmöglich halten würde. Man kann sich kaum vorstellen, wie es sein mag, noch weiter weg. Die Sonne glüht erbarmungslos im Frühling schon, und man weiß, man spürt es, die Strahlen sind gefährlich, flammen vom durchdringenden Blau hinab auf die Erde, auf die Menschen, verbrennen die Haut und verwirren den Geist der Unachtsamen. Unbarmherzig brennen sie, trocknen das Land aus, die Lebewesen und das Gemüt. Aber selbst wenn das nicht so wäre, die Trockenheit ist das, was dieses Land prägt. Die Trockenheit ist das, was das Leben in all seinen Einzelheiten beherrscht. Grüne Flächen gibt es wenige, die vorherrschende Farbe ist gelb oder braun. Gelb dort, wo der ohnehin allgegenwärtig scheinende Sand das einzige ist, was der Boden zeigt. Braun in der Nähe von Wasser, wo Erde geschafft hat, standhaft zu bleiben. Und selbst dort scheint es fast so zu sein, als verlange es der Erde zu viel Kraft ab, sich zu halten, um wirklich noch nahrhaft zu sein. Diese Erde ist auf ihre Art faszinierend, so ganz anders als die, die man kennt. Dunkel, schwer und feucht ist sie zu Hause. Man meint das Leben förmlich daraus sprießen zu sehen, so reich und voll wirkt sie. Die Erde hier zeigt dagegen deutlich, dass sie nicht alle Lebewesen zu unterstützen gewillt ist. Gelbbraun und trocken, fordert sie einen heraus, um alles zu kämpfen, was man von ihr will. Und so sind die Lebewesen hier.

Eine Gegend wie diese strapaziert alles Leben. Doch so unwirtlich sie auch wirken mag für fremde Augen, ist sie dennoch nicht gänzlich unbevölkert, ist nicht bar jeden Lebens. Manche Pflanzen werden in ihrem Lebensstil nahezu so anspruchslos wie Moos, in solchen Gegenden, und entsprechend entwickeln sie sich. In der Trockenheit der Wüste, im allgegenwärtigen Sand sind es die feindlich scheinenden, die den größten Erfolg haben, die dauerhaft siedeln können, und sie machen die ohnehin schon abweisende Landschaft noch abweisender, noch lebensfeindlicher. Es gibt Kakteenwälder, die so dicht stehen, dass sie undurchdringbar sind für alles Getier, das nicht klein genug ist, um die gefährlichen Stacheln zu meiden, oder gepanzert genug, um sich davon nicht stören zu lassen. Es gibt aber auch noch andere. Da ist dieser Baum. Ehrwürdig gemessen an Jahren, und sicherlich auch beeindruckend in seiner äußerlichen Erscheinung, knorrig, die Äste krumm und verbogen, die Rinde grau-verwittert, die letzten Blätter bereits abgeworfen, steht er da, nicht stolz nach oben gereckt, sondern in seltsame Formen gebeugt von zahlreichen Stürmen, die er in seinem langen Leben schon durchgemacht hat. Einer der wenigen Bäume ist er, am Rand der Wüste, einer der wenigen, die es geschafft haben, der feindlichen Umgebung zu trotzen, der Hitze, dem Sand, den Stürmen, und die dem kargen Boden immerhin genug Nährstoffe abzuringen vermögen, die sie brauchen, um zu überleben. Seine Wurzeln, obwohl recht tief in der Erde verankert, haben nicht den Halt, den seine Brüder im Norden haben, jenseits des Mare Internum. Zu locker, zu trocken, ja, fast staubartig ist der Boden, um griffig zu sein. Ebenso verhält es sich mit seiner ganzen Statur. Ständige Belastung durch sengende Hitze sowie eine konstante Unterernährung haben sein Holz im Lauf der langen Jahre spröde und brüchig werden lassen. Und dennoch hat er es geschafft, sich hier eine Nische für sich zu schaffen, in der er genug von dem findet, was er braucht, um überleben zu können und den Gefahren zu trotzen.

Richtung Mare Internum ändert sich wenig. Die Vegetation wird streckenweise grüner, üppiger, man merkt, Wasser nähert sich. Aber doch ist die Trockenheit allgegenwärtig, auch hier. Es ist nicht nur die Hitze. Man sieht es an den Grünflächen den Fluss entlang, wo das Gewächs immer noch mehr gelb als grün ist – es sei denn, es wird täglich bewässert. Man sieht es an den Blättern, an den vertrockneten Halmen, an der staubtrockenen Erde. Man kann es in der Luft riechen, im Wind spüren, diese Trockenheit – obwohl das Nass kaum einen Steinwurf entfernt ist. Man erkennt es an den verkohlten Flecken, die Kunde von den Feuern tun, die sich entzünden, wenn Pflanzen zu trocken werden und Sonne zu heiß. Und man merkt es an den Menschen. Menschen mit Wasser im Überfluss sind anders. Man kann es in den Augen sehen. Die Hitze und die Trockenheit hinterlassen ihre Spuren, nicht nur im Land selbst, nicht nur in Flora und Fauna, auch im Menschen. Sicher hinterlässt auch hier das Leben in einer Stadt seine Spuren, verändert die Menschen noch einmal im Gegensatz zu jenen, die weiter draußen leben. Aber es lässt sich nicht leugnen: sie sind geprägt von dieser Trockenheit. In größeren Orten ist eine Lebendigkeit zu spüren, die in krassem Gegensatz zu stehen scheint zu der erbarmungslosen Hitze, fast als ob die Menschen hier einen bewussten Akzent setzen wollen. Ein Zeichen gegen die Hitze. Mit Worten gemalte Bilder fließen, als wollten sie die Sehnsucht nach Wasser symbolisieren. In den Siedlungen in der Wüste hingegen sind sie ruhiger. Sie nutzen einen Tonfall, der so trocken ist wie alles hier. Sie verzichten auf viele Worte, so wie sie auf das Wasser verzichten, notgedrungen. Sie sind karg. So karg wie das Land, das sie hervorbringt.