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Heute ist der ANTE DIEM III ID IUL DCCCLXX A.U.C. (13.7.2020/117 n.Chr.)
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Tüchtige Mogontiacer Gastwirte bauen Legionscarcer um

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Germania, Gesellschaftliches, Militärisches
us Germania dringen in den Wintermonaten nicht die geringsten Nachrichten nach Süden. Die vereisten Alpenpässe und das verschneite Gallien riegeln die nördliche Provinz hermetisch ab, so scheint es. Wenn aber etwas durchkommt, dann sind es stets gute Nachrichten.

Das Geschäftsleben in der obergermanischen Hauptstadt scheint durch das kalte Wetter allerdings keinen Abbruch erhalten zu haben, so hört man davon, dass die Betreiber einer bekannten Taberna nun expandieren. Nicht nach Confluentes oder Borbetomagus, nein, es wird in nichts geringeres expandiert als in den Carcer des Legionskastells der hiesigen Zweiten.

Die Soldaten der Legio scheinen sich gedacht zu haben, dass man die leeren Zellen doch anderweitig verwenden kann, wenn es gerade keine aufmüpfigen Miletes oder Strauchdiebe einzusperren gilt: als Gästezimmer der anderen Art.

Interessenten scheint es bereits gegeben zu haben: ein nicht weiter bekannter Trunkenbold soll sich bereits einquartiert haben. Man munkelt, es soll ein geheimer Abgesandter aus Rom sein, der die Zustände in der zweiten Legion kontrollieren soll, und so haben die Soldaten der ruhmreichen zweiten Legion es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Mann fürstlich zu bewirtschaften.
Das Gespür der Männer für wichtige Persönlichkeiten scheint sich wieder einmal bewährt zu haben, schon fast legendär ist die Rede, dass ein Miles der Zweiten einem Menschen den Ordo schon an der Nase ansehen kann, was einige Tunichtgute von der Castra ferngehalten haben soll. Von solchen Menschen bewacht, könnten unsere Grenzen je sicherer sein?

Natürlich nicht. Den Göttern sei dank.

Vinicius Lucianus neuer Curator Rei Publicae

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
hne große Zeremonie, nur mit einer schlichten Mitteilung aus dem Officium Imperatoris ist Marcus Vinicius Lucianus, Consular und ehemaliger Statthalter von Germania, im Februar zum neuen Curator Rei Publicae ernannt worden. Die Ernennung erfolgte auf Vermittlung von Aelius Quarto, dem Bruder des Kaisers, der zu diesem Anlass extra nach Misenum gereist war.

Mit Vinicius Lucianus übernimmt ein politisch äußerst erfahrener Mann die Geschicke an der Spitze der italischen Regionen. Der Consular blickt auf eine lange und erfolreiche politische Karriere zurück, die mit der Quaestur begann und über ein Volkstribunat und die Praetur rasch zum Consulat führte. Nach seiner Statthalterschaft in Germania wurde er nicht nur vom Kaiser für die militärischen Verdienste mit einer Hasta Pura ausgezeichnet, sondern auch von den Einwohnern der Provinzhauptstadt Mogontiacum mit der Ehre eines Stadtpatronats gewürdigt. Italia kann sich zweifellos freuen, einen so verdiensten Senator an seine Spitze zu bekommen. Der neue Curator begann auch sogleich mit einer Reise durch verschiedene Städte seines neuen Amtsgebietes und hält sich nach einem Besuch in Ostia derzeit in Misenum auf. Ob er dort auch mit dem Kaiser persönlich zusammentreffen wird oder sich nur um die Belange der Stadt kümmern möchte, wurde aus seiner Reisegruppe nicht bekannt gegeben.

Politische Verwirrung im Hause Decima

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
anch einer im Hause Decima wird derzeit wohl gerne an die ruhmreichen Zeiten zurückdenken, als unter Decimus Meridius und Decimus Livianus politische und militärische Ehrungen angesammelt wurden und der Name der Gens mit einem ehrfürchtigen Klang genannt wurde. Das derzeitige Bild sieht dagegen anders aus. Decimus Livianus ist zwar noch nicht wie Decimus Meridius aus der Öffentlichkeit verschwunden, macht aber seit seiner spektakulären Praetur kurz nach seiner Rückkehr aus parthischer Gefangenschaft auch kaum mehr positiv von sich reden, nachdem er angeblich beim einflussreichen Praefectus Urbi in Ungnade gefallen ist.

Jener Mann scheint es auch zu sein, der im Mittelpunkt der weiteren Verwirrung um die Gens Decima steht. Kein geringerer als der Praefectus Urbi persönlich war es nämlich, der seinen Siegelring unter ein Dokument setzte, das die erst kurz zuvor erfolgte Ernennung von Decimus Flavus, Sohn des Decimus Livianus, zum Ritter und Tribun der Vigiles für ungültig erklärte. Eine offizielle Erklärung für diesen bemerkenswerten, wenn nicht sogar beispiellosen Vorgang gab es weder von Seiten des Kaiserhofes noch vom Praefectus Urbi. Allgemein muss wohl davon ausgegangen werden, dass einem Beamten bei der Ernennung ein Fehler unterlaufen ist - was zweifellos ein mehr als peinlicher Vorgang wäre. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass es sich um eine direkte Folge der Verstimmungen zwischen dem Praefectus Urbi und Decimus Livianus handelt, unter der nun auch dessen Sohn leiden muss.

Doch auch Decimus Mattiacus, bisher eher unscheinbarer und beflissener Akteur im Hintergrund, scheint in den Strudel der Ereignisse mit hinein gerissen zu werden. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass er zunächst mit Ehrungen als Procurator a cognitionibus entlassen wurde, um ein Tribunat in Germania bei der Legio II Germanica anzutreten, nur um wenige Tage später gleich wieder nach Rom beordert zu werden, um ein Tribunat bei den Cohortes Urbanae anzutreten. An ein erneutes Versehen der kaiserlichen Kanzlei mag hier nun wirklich niemand glauben, doch alleine die Tatsache, dass der ehemalige Procurator a cognitionibus gleich nach seiner Rückkehr nach Rom vom Praefectus Urbi empfangen wurde, spricht dagegen, dass auch hier das Zerwürfnis mit Decimus Livianus die Ursache sein könnte.

Sie geben also weiter Rätsel auf, die Ereignisse rund um die Gens Decima in diesen Tagen, die nicht die besten dieses Hauses zu sein scheinen.

Schweres Unwetter wütet in Mantua

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
in schweres Unwetter hat in Mantua starke Zerstörungen angerichtet und der Stadt schwer zugesetzt. Über Stunden hinweg gingen strömende Regenfälle über der Stadt und dem Umland nieder, verbunden mit Blitz und Donner und starkem Sturm. Mindestens ein Haus wurde von einem Blitz direkt getroffen. Zahlreiche Straßen standen knietief unter Wasser, da die Kanalisation der Stadt den Wassermassen nicht gewachsen war. Noch während das Unwetter wütete, rückte eine Abteilung der Legio I Traiana Pia Fidelis aus, um der leidenden Stadt zu Hilfe zu kommen. Aus dem vom Blitz getroffenen Haus wurden mehrere Verletzte geborgen und zur ärztlichen Versorgung in das Lazarett des Legionslagers gebracht. Zudem wurden provisorische Kanäle gegraben, um ein schnelleres Abfließen des Wassers zu ermöglichen.

Nachdem sich das Unwetter über Nacht gelegt hatte, bot sich den Einwohnern am nächsten Tag ein Bild der Verwüstung. Zahlreiche Häuser wurden durch den Sturm beschädigt und vielfach standen die unteren Geschosse voller Wasser oder Schlamm. Umgestürzte Bäume und Teile von Gebäuden, Baugerüsten und Marktständen waren überall in der Stadt zu finden und blockierten Straßen und öffentliche Plätze. Erneut rückte eine Abteilung der Legion aus, um auch bei den Aufräumarbeiten mit Schanzwerkzeug Hilfestellung zu leisten.

Darüber, was einen derart heftigen Zorn des Iuppiter auf die Stadt Mantua heraufbeschworen haben konnte, wollte sich bisher kein Politiker der Stadt äußern. Bisher war hinter vorgehaltener Hand nur zu hören, das bei besserer Pflege der Kanalisation durch die Magistrate das Wasser wenigstens besser abgeflossen wäre. Für die Bewohner, die sich nun mühsam von den Schäden erholen müssen, ist dieses Gerücht aber sicher nur ein schwacher Trost.

eserbriefe

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Leserbriefe
   
Wir - die Vereinigung der Schankwirte und Eckkneipenbesitzer Roms - protestieren energisch dagegen, zufällige Zusammenstöße von Fußgängern mit allen Mitteln verhindern zu wollen. Der Leserbrief der letzten Ausgabe, der dazu Vorschläge gemacht hat, ist geradezu lächerlich. Der Schreiber scheint sich nicht im mindesten auszukennen, welche Bedeutung solche Zusammenstöße in Wahrheit haben. Wir Schankwirte wissen, wovon wir sprechen! Ein Drittel unserer Gäste sind Stammgäste, ein Drittel sind Arbeiter, die nach Feierabend ihr verdientes Abendessen zu sich nehmen und ein Drittel unserer Gäste sind zufällig zusammengestoßene Fußgänger, die ihre lustige Begegnung mit einem guten Becher Wein begießen. Von Kosten für gesundheitliche Schäden kann keine Rede sein. Hinzu kommen noch jene Gäste, die günstig gelegene Gaststätten gerade deswegen aufsuchen, weil man von dort einen guten Blick auf besonders spitze Ecken hat, an denen man täglich lustige Zusammenstöße beobachten kann. Wer solche Zusammenstöße verhindert, der ist humorlos, ängstlich und schädigt die Gastwirte, so sieht es aus!


Die Wahl der diesjährigen Magistrate

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
s ist ein wenig erstaunlich, dass es dieses Jahr überhaupt eine ordnungsgemäße Wahl ganz nach der Routine gab, wenn man auf die ungewöhnlichen Umstände, die sie umrankten, einen Blick wirft. Die Consuln der letzten Amtsperiode, Tiberius Durus und Vitorius Marcellus, entschieden sich, die Wahlen an den Kalenden des Ianuaris auf den ANTE DIEM XVI KAL FEB DCCCLX A.U.C. (17.1.2010/107 n.Chr.) und ANTE DIEM XV KAL FEB DCCCLX A.U.C. (18.1.2010/107 n.Chr.) festzusetzen. Dies natürlich war ein Verstoß gegen Paragraph 40, Absatz 2 des Codex Universalis. Was der Grund war, aus dem Senator Decimus Livianus beantragte, die Wahlen als nichtig zu erkennen. Die Gründe für diesen Regelverstoß sind unklar. Tiberius Durus beklagte sich, dass seine wiederholten Anträge auf ein Datum für Wahlen beim Praefectus Urbi ignoriert wurden, jener hingegen beklagte sich, dass Tiberius sich unzulänglich bemüht hatte, diese Termine zu seiner Kenntnis zu bringen. Offenbar also beruhte der Fehler auf einem Versagen der intersenatorischen Kommunikation.

Dies war offensichtlich auch der Grund, wieso die Wahlen am Ende doch noch vom Senat in einer außergewöhnlichen Abstimmung über die Legitimation der Wahlen ratifiziert wurden. Allgemein wurde dies als letzter großer Triumph des Tiberius während seiner Amtszeit aufgefasst, sozusagen sein letzter Coup nach den umfangreichen Reformen, bevor er sein Amt niederlegen musste.

Niemand muss sich mehr gefreut haben als die erfolgreichen Kandidaten, dass die Wahl für gültig erklärt wurde.
Unter diesen Kandidaten befand sich Senator Marcus Aurelius Corvinus, der zum zweiten Mal als Aedilis Curulis kandidierte. Die erste Amtszeit des Pontifex verlief einigermaßen unglücklich, laborierte er doch an einer schweren Krankheit während jener Zeit. Es ist ihm also durchaus anzurechnen, dass der frisch mit Flavia Celerina Verheiratete noch ein zweites Mal als Aedil kandidierte und sich nicht in eine Praetur stürzte. Der Senat honorierte auch diesen Einsatz gebührlich – mit 71 Prozent lieferte der Klient des Vinicius Hungaricus ein respektables Ergebnis ab. Dabei erlangte er signifikant mehr Stimmen als das letzte Mal, wo er sich mit 64.54 Prozent zufrieden geben musste. Man kann nur hoffen, dass er dieses Mal nicht von einer Krankheit bei der Ausführung seiner Amtsgeschäfte behindert wird.

Grund zum Feiern wird es bei den Aureliern wohl nicht nur deshalb geben, sondern auch wegen des erstaunlichen Erfolges des jungen Auguren Manius Aurelius Orestes, der mit 76 Prozent der Stimmen zum Quaestor Urbanus gewählt wurde. Zweifelsohne half sein tadelloses Vorstellungsgespräch im Senat ihm bei der Erlangung dieses hohen Wahlerfolgs – wie auch seine Bindung zur Gens Tiberia, die er durch eine Verlobung mit Tiberia Arvinia gefestigt hatte. Mit diesem Erfolg festigte der junge Aurelius den Stand seiner Familie in der Politik sichtlich, sind jetzt doch, mit dem ehemaligen Quaestor Aurelius Avianus, gleich 4 Senatoren in der aurelischen Familie in Aussicht.

Den Aufsteiger des Monats kann man wohl Aulus Flavius Piso nennen, der mit soliden 74 Prozent zum Tresvir Capitalis gewählt wurde. Noch kurz vorher war er Primicerius a libellis an der Kanzlei gewesen, wurde jedoch noch kurz vor der Wahl ins Collegium Septemvirorum kooptiert und trat somit als Epulone vor den Senat. Bemerkenswert bei der Wahl des Klienten des Purgitius Macer ist, dass er den Sprung von einem traditionellen Sprungbrett zu einer ritterlichen Karriere in der Kanzlei zu einem politischen Amt schaffte. Seine Wahl stellt ein Ende der politischen Durststrecke der Flavier dar, seitdem Flavius Gracchus zwar zum Praetor gewählt wurde, sein Amt jedoch nie antrat, und Flavius Aristides sich aus der Politik zurückzog.
Den Lesern der Acta ist wohl noch Lucius Iulius Centho ein Begriff, der unglückliche Klient des Aelius Quarto, der das letzte Mal knapp die 50-Prozent-Marke beim Vigintivirat verfehlt hatte. Dieses Mal schaffte er es mit 58 Prozent darüber. Zweifelsohne gibt es offenbar Senatoren, die ob der häufigen Verhaspler des Iuliers beim Reden ihm etwas argwöhnisch gegenüber stehen, doch er konnte durch seinen beliebten Patron und die Beziehungen, die er aufgebaut hatte, bei jenem zweiten Anlauf bestehen. Er wird sich jetzt als Decemvir für die nächste Amtsperiode bewähren müssen.

Der Ruf des Vigintivirats, dass an ihm die meisten Kandidaturen scheitern, wurde bestätigt, als Publius Aurelius Imbrex, trotz seines Patrons Aelius Quarto und dem Einfluss seiner Familie, an der 50-Prozent-Hürde scheiterte. Die 42 Prozent, die er bei der Wahl erlangte, sind wohl auf die mangelnde Erfahrung des Aureliers auf dem politischen Parkett zurückzuführen – er hatte bisher noch wenig Chancen, seinen Namen bei den Senatoren bekannt zu machen. Zudem wurde bemängelt, dass er sein Tirocinium Fori nicht bei einem Senator abgeschlossen hatte.

Die Reformen des Tiberius Durus

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
ls die Consules Tiberius Durus und Vitorius Marcellus die diesjährige Comitia Curiata eröffneten, um ihr bisheriges Amt auf die neuen Magistrate zu übergeben, ging ein Jahr voller Reformen zu Ende. Tatsächlich waren die Gesetzesbücher schon seit geraumer Zeit nicht mehr so gründlich überarbeitet worden wie unter Tiberius Durus und Vitorius Marcellus, wobei es klar ist, dass Ersterer den Bärenanteil an der Ausformulierung und der Ratifizierung durch den Senat hatte.

Die größten Reformen wurden unter diesem Consulat in den Bereichen des Strafrechts und der Gerichtsbarkeit getätigt.
Die eindeutig beeindruckendste Reform war die Umformung der Strafformen. Sie reguliert Geldbußen, Opus Publicum, Relegatio wie auch Exilium und Todesstrafe. Dadurch werden die Strafformen geklärt, und Richter haben nun einen Leitfaden, an den sie sich halten können bei Gericht. Besonders nötig wurde die Reform angesichts des Ausmaßes, zu dem Richter in jüngster Zeit Freiheitsstrafen verhängt haben. Tiberius, der das Gesetz eingebracht hatte, brachte dabei auch Ausnahmeregelungen ein. Zum Beispiel können nun Angehörige der höchsten Gesellschaftsklassen Roms das Exilium anstatt des Todes wählen, und Geldstrafen können in Arbeitsstrafen umgewandelt werden. Eine lange Debatte folgte der Einbringung dieses Gesetzes, welche Tiberius zwang, den von ihm angestrebten Gesetzestext zu überarbeiten, vor allem, was die Klarheit der Formulierungen anging. Bemerkenswert bei diesem Gesetz ist die Abschaffung der Freiheitsstrafen in ihrer traditionellen Form – sie werden nun von Arbeitsstrafen ersetzt.

Wenig Zweifel besteht, dass die Reform der Bestrafungsarten lange überfällig ist. Schon alleine vom finanziellen Aspekt her gesehen ist das derzeitige System untragbar – die Freiheitsstrafen, die nun der Vergangenheit angehören, kosteten den Staat viel Geld. Die jetzigen Strafformen sind um vieles billiger und härter, somit ein höheres Maß an Gerechtigkeit über Straftäter bringend. Es ist auch klar, dass die Formulierung nicht alleine Senator Tiberius zuzuschreiben ist – Senator Aelius Quarto und Senator Purgitius Macer machten eine Anzahl von Änderungsvorschlägen, die in Folge auch einen Platz im Gesetz fanden.

Eine weitere Erneuerung des Strafrechts fand statt im Bereich der Strafen für Mord und Raub. Beides wird nun mit dem Tode bestraft, ein Vorschlag, der bei vielen Senatoren auf Bestürzung stieß. Besonders vehement argumentierte Germanicus Sedulus dagegen. Dabei war es bis zum Ende nicht vollständig klar, ob die Argumente des Germanicers nicht eher auf Diebstähle denn auf Raubüberfälle zutrafen. Senator Germanicus stellte auf der Basis seiner Argumente den Vorschlag in den Raum, die Formulierung zu entschärfen, indem man im Gesetzestext nur auf die Möglichkeit der Todesstrafe hinwies, nicht aber formulierte, das jene zwingend wäre. Am Ende jedoch stimmte der Senat dafür, dass der Tod die notwendige Konsequenz eines Raubs ist.

Es kann durchaus gesagt werden, dass die zwingende Vorschrift der Todesstrafe gegenüber einer Option, diese auszuführen, präferabel ist. Die Klarheit des Rechts ist damit gesichert. Somit wissen potentielle Delinquenten ob der Strafe, die ihnen droht, wenn sie Raub begehen, und Richter ob des Strafmaßes, welches sie verhängen müssen. Dazu muss gesagt werden, dass die Todesstrafe, wie formuliert in den Neuregelungen der Strafmaße, für honorige Personen in ein Exil umgewandelt werden kann, sodass ein Raub nicht immer zur Todesstrafe führen muss. Durch die harte, aber präzise und genaue Definition des Strafmaßes für Raub werden hoffentlich Situationen, in der Richter und einfache Bürger von vagen, schwammigen Gesetzesformulierungen verunsichert werden, wie angestrebt von Senator Germanicus Sedulus, nicht eintreten.

Verfassungsrechtlich gab es ebenfalls eine Anzahl von Reformen.
Die erste, welcher sich Tiberius annahm, war die Coercitio. Magistrate haben nun das Recht, kraft ihrer amtlichen Macht Geld- und Haftstrafen zu verhängen. Die neuen Provisionen, welche der Senat in Folge ratifizierte, geben nun viel mehr Macht als vorher in die Hände der amtierenden Magistrate, somit einen Grundstock an Rechten zugestehend. Etwas unglücklich mag die Formulierung „Widersacher“ wirken, welche im Gesetzestext zur Anwendung kam – tatsächlich stellte sich Germanicus Sedulus dagegen. Allerdings ist dazu zu sagen, dass der Missbrauch einer solchen Provision durch die Möglichkeit, den Volkstribun oder aber den Imperator anzurufen, schwer möglich wird, und zwangsläufig dazu führen wird, dass der betreffende Magistrat sich lächerlich macht und somit seine politische Karriere frühzeitig beendet.

Eine interessante Gesetzessaga stellt die Reform der Appellation dar. Im ersten Anlauf scheiterte Tiberius damit, was er vermutlich selber sich zuzuschreiben hat, wollte er doch, trotz zahlreicher Opposition zu seinem Textvorschlag, genau jenen durchpeitschen, ohne auf die anderen Senatoren zu hören. Bei der zweiten Diskussion über die Appellation kristallisierte sich eine kooperativere Arbeitsweise heraus, wobei der Tiberier nun viel bereiter schien, die Vorschläge zur Klarifizierung von Aelius Quarto und Purgitius Macer in den vorgeschlagenen Gesetzestext einzubringen. Tatsächlich stand am Ende ein Gesetzestext zur Abstimmung, den nicht Tiberius Durus, sondern vielmehr Aelius Quarto ausformuliert hatte. Das neue Berufsungsgesetz bestimmt, dass man sich an einen Volkstribun wenden kann, um gegen ein bestehendes Gerichtsurteil zu berufen. Ebenso kann man sich an den Kaiser wenden, oder aber an den Senat, wenn man selber Senator ist.

Dieses Gesetz tut viel, um die bisher eher verworrenen Bestimmungen zur Berufung klar zu machen, sodass sie auch für Laien verständlich sind. Von daher kann man sagen, dass solch eine Reform dringend nötig war und zu begrüßen ist.
Zudem wird durch ein weiteres Gesetz der Senat als Gericht für Magistrate und Promagistrate bestimmt, die sich im Zuge der Amtspflicht eines Verbrechens schuldig gemacht haben. Zudem ist nun der Senat für Verbrechen mit unmittelbarer Bedeutung für den Staat, wie Verrat, Verunglimpflichung von Staatsorganen und Verstoß gegen das Vereinigungsverbot als sachlich zuständig.
Auch vollzog der Tiberier eine Bildungsreform, und zwar schaffte er es, dass nun auch Abschlüsse vom Museion in Alexandria als Cursi Continui anerkannt werden. Widerstand regte sich vor allem von Germanicus Avarus, dem Leiter der Schola Atheniensis, der die Vormachtstellung seiner Schule bedroht sah. Aurelius Corvinus hingegen schlug vor, Kurse nach gewissen Kriterien auszusuchen, welche er aber nicht näher benannte. Schlussendlich stimmte der Senat dafür, was bezeugt, dass die Argumentation des Purgitius Macer, welcher anmerkte, dass die Kurse aus Alexandria anerkannt werden und dann am Wahltag die Senatoren entscheiden sollten, welche Kandidaten mit welchen Cursi Continui akzeptabel wären, allgemeinen Anklang fand.

Die Gesetzesreformen des Tiberius Durus behandeln vorwiegend Themen, welcher man sich schon lange hätte annehmen sollen. Dass diese Probleme, welche sich im Laufe der Jahre angestaut hatten, lösen ließen durch die Ausdauer des gewesenen Consuls, ist eine beeindruckende Tat, die gebührend belobigt werden muss.

Reiseprotokolle

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Geschichtliches
ie entfernten Provinzen des Imperium Romana sind den meisten Bürgern Roms nur ungenaue Begriffe. Deswegen möchte ich, der in der Provinz Mauretania Tingitana meine Heimat hat, etwas aus diesen fernen Landen erzählen. Mein dritter Bericht ist der Erlebnisbericht einer Löwenjagd: Wo kommen eigentlich die wilden Tiere für die römischen Venationes her?

III. Venationes in "echt"

Möge uns Hercules, Beschirmer der Sportstätten, wohl gesonnen sein.

Es war früh morgens, noch vor Sonnenaufgang, als ich mich zum Treffpunkt begab. Bei mir: Drei Diener, für jeden ein Pferd, ein Maultier mit Ausrüstung und ein Ersatzpferd.
Es würde ein langer und anstrengender Tag werden, doch ich freute mich darauf. Lange war ich nicht bei der Jagd gewesen. Für mich war es eine seltene Freizeitbeschäftigung, während es für viele die Haupteinnahmequelle war.
Denn die Nachfrage nach wilden Tieren seitens der Römer war enorm. Jährlich wurden hunderte, wenn nicht tausende Elefanten, Löwen, jedwegliche Wildkatzen, ja sogar Wildschweine in das Zentrum des römischen Reiches gebracht.

Unser offizielles Ziel heute war es, so viele Löwen wie möglich lebendig zu fangen. Allerdings wären auch andere Tiere, die sozusagen nebenbei ins Netz gingen, eine schöne Zusatzbelohnung. Und sollte ein Löwe mal zur Strecke gebracht werden müssen, könnte sich der Erleger damit später schmücken.

Langsam begann die Dämmerung und wir waren nun alle vollständig. Es waren 23 Reiter mit Gefolge. Im Gepäck waren nicht nur Waffen und Käfige, nein, auch Zelte, Teppiche, Kochutensilien, Ersatzausrüstung und Verbandmaterial. Zurück ließen wir sorgenvolle Familien, die ungeduldig unsere nächtliche Heimkehr erwarteten.

Schließlich ging es hier um einen fairen Kampf: Mann gegen Tier. Keiner der beiden war eingesperrt oder gefesselt. Jeder hatte seine Waffen - der eine Schwerter und Lanzen, der andere Zähne und Krallen.

Der Zug setzte sich in Bewegung. Alle waren aufgeregt und gespannt. Wir legten ein strenges Tempo vor. Der Weg war lang und die Sonne würde nicht allzu lang auf sich warten lassen.

Wir kamen gut voran und als die Sonne anfing, uns die Häupter zu erhitzen, waren wir an unserem vorläufigen Ziel: Hier würden die Zelte aufgeschlagen, Feuer gemacht und das Gepäck abgestellt werden. Nachdem alles soweit organisiert war, teilten wir uns in Gruppen auf. Späher hatten uns berichtet, wo sie Tiere entdeckt hatten. Es war nun an uns, das erste Rudel Löwen zu umzingeln. Ich ließ einen meiner Diener hier, um bei den allgemeinen Arbeiten zu helfen, die anderen beiden kamen mit mir. Ansonsten nahmen wir nur das nötigste mit: unsere Waffen und Grabwerkzeug. Wir mussten leicht und beweglich bleiben.

Der Panthera leo leo, der mauretanische Löwe besitzt - im Gegensatz zu den Löwen aus Nubien - eine korpulentere Form: Er ist kürzer, aber breiter. Seine Mähne ist besonders prunkvoll. Außderdem leben viele von ihnen nicht in der Steppe, sondern in den bewaldeten Bergen, weswegen er auch Waldlöwe genannt wird.
Für uns war es leichter, die Löwen auf offenem Gelände zu jagen, deswegen suchten wir uns lieber die wenigen Rudel aus der Steppe zur Jagd.

Wir bildeten fünf Gruppen: Zwei sollten das erste Rudel weit umrunden, um es dann in unsere Richtung zu treiben. Zwei andere sollten die Seiten bewachen, damit die Löwen nicht ausbrachen, und meine Gruppe war es, die es zur Aufgabe hatte, eine Grube zu graben: Sie musste tief genug sein, damit die Löwen nicht hinausspringen konnten, sie musste auf einer Seite eine Öffnung haben, durch die wir sie dann in die Käfige leiten konnten, und sie musste mit natürlichem Astzeug abgedeckt werden. Die seitliche Öffnung wurde mit Steinen versperrt, die teilweise an Seilen festgemacht wurden, so dass man sie später wegziehen konnte, ohne hineinsteigen zu müssen. Die Käfige würden später geholt werden.

Zuerst einmal mussten wir jedoch eine geeignete Stelle finden. Die Gegend war meist flach, es gab jedoch hie und da einige Felsen oder ausgetrocknete Flussbetten. Wir fanden ein Flussbett, dass sich plötzlich verengte und wasserfallartig in die Tiefe stürtzte. Die ideale Falle! Die Löwen müssten nur genau in dieses Flussbett geleitet werden. Und das würde bestimmt nicht leicht werden!

An der Stelle, wo der Grund abfiel, errichteten wir unsere Grube: Drei Seiten waren bereits hoch genug, nur der Ausfluss musste noch mit genügend Steinen abgedichtet werden. Diese mussten so aufgeschichtet werden, dass die Löwen nicht daran hochklettern konnten.

Wir versuchten, bei unserer Arbeit so wenig Spuren wie möglich zu hinerlassen. Die Löwen sollten ja nicht durch unseren Geruch abgelenkt werden. Als alles so weit war, entfernten wir uns von dem Ort und ritten den seitlichen Gruppen entgegen, um sie genau hierher zu führen, wenn es so weit wäre.

Da hörte ich auch schon in der Ferne Hufgetrappel. Sie konnten nicht mehr weit sein. Jetzt hieß es, Ohren und Augen offen halten, um nicht in die Fänge der Löwen zu gelangen, sie aber auch nicht zu verschrecken oder fehlzuleiten. Inzwischen konnte ich schon die Fackeln erkennen, mit denen die Treiber die Tiere hetzten. Und da: Plötzlich sah ich die Löwen kommen: Etwa sechs Weibchen und drei Männchen konnte ich von fern entdecken. Die Jungen waren sicherlich unterwegs erschöpft zurückgeblieben. Ich rief nun den Reitern zu, mir zu folgen und so flogen wir in rasendem Ritt der Grube entgegen. Als wir näher kamen, wurden die Löwen langsamer, sie witterten wohl die Gefahr, um die sie doch nicht umherkommen würden. Die hinteren Reiter schlossen immer mehr auf. Die Löwen kamen in Bedrängnis und doch wollten sie nicht einfach so in die Falle gehen.
Einige versuchten auszubrechen. Ein Löwenmännchen mit gewaltiger Mähne kam auf mich zu. Laut schreiend ritt ich ihm entgegen, darauf hoffend, dass ein Fackelträger mir beistehen würde. Ich selbst hatte nur meine Lanze in der Hand. Wohl durch mein Geschrei verschreckt, scheute der Löwe aber zurück und ging nun vorneweg als erster in die Falle! Der Damm war gebrochen: Die anderen folgten ihm und einer nach dem anderen fielen sie in die Grube. Wir hörten lautes Gebrüll und Fauchen. Das aber war normal, sie würden sich bald wieder einkriegen.

Unter Siegesgeschrei kamen nun alle Reiter zusammen. Erschöpft hielten wir an, stiegen von unseren Pferden und sahen von oben in die Grube hinein. Nun konnte ich elf Prachtexemplare ausmachen: sechs Weibchen, drei Männchen und zwei Halbwüchsige. Es war eine erfolgreiche Jagd!

Da fiel mir auf, dass einige Reiter fehlten. Auf meine Nachfrage hin, wurde mir berichtet, dass ein Löwe einen Reiter angegriffen und vom Pferd gezogen hätte. Glücklicherweise kamen rechtzeitig weitere Reiter dazu, die den Löwen erlegen konnten. Der Verletzte hatte eine offenen Wunde am Bein erlitten und wahrscheinlich das Bein gebrochen. Er wurde mit zwei Begleitern zurückgelassen, die ihn langsem nachbringen sollten. Auch den erlegten Löwen würden sie mitbringen. Denn es war Brauch, dass ein Löwe, der einen Menschen angegriffen hatte, gekreuzigt wurde: Er wurde mit den Vorderbeinen an die wagerechte Holzlatte - einem Vogel gleich - festgenagelt. Die Füße wurden um den unteren Teil des Kreuzes gebunden. Oft war der Kopf so schwer, dass das gesamte Kreuz sich durchbog. Die Aasgeier machten sich dann recht schnell über den Kadaver her, bis nur noch die Knochen übrig waren.

Auf einmal hörten wir ein Rascheln hinter uns im Gebüsch. Erschrocken drehten wir uns um, in der Erwartung jeden Moment ein Rudel Löwen auf uns zukommen zu sehen. Doch was kam da heraus? Ein Wildschwein, das bei unserem Anblick erstarrte. Mein Diener nutzte die Gelegenheit und schoss einen Stein mit seiner Schleuder auf das Tier. Andere machten es ihm gleich. Das würde ein gutes Abendessen werden!

Ich fragte die Treiber, ob sie keine Jungen gesehen hätten. Sie bejahten und ich schlug vor, sie zu suchen und ebenfalls mitzunehmen. Sie stimmten mir zu und so machten einige von uns sich auf den Weg, die Jungen zu suchen, während andere die Käfige holten.

Wir legten den Weg zurück, den wir während der Jagd genommen hatten. Die Fährte war klar, denn so viele Reiter hatten viele Spuren hinterlassen. Tatsächlich fanden wir fünf junge Löwenkinder. Sie waren noch so klein, dass wir sie problemlos aufnehmen und mit uns tragen konnten.

Zurück an der Grube trafen wir auf den Rest der Gruppe, die gerade mit den Käfigen ankamen. Wir mussten diese nun so im unteren Flussbett plazieren, dass die Löwen direkt hineinlaufen würden, sobald wir die Steine wegzogen.
Es ging tatsächlich alles glatt und wir hatten letztlich fünf Käfige, die die Diener auf ihren Schultern zum Lager tragen mussten. Den Pferden konnten wir die Last nicht aufladen, da sie zu sehr gescheut hätten. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. Da die Last schwer war, würde der Transport einige Zeit brauchen. Das machte aber nichts.

Wir nahmen nun das Wildschwein mit und freuten uns auf einen Abend am Lagerfeuer mit alten Geschichten und Gesang. Viel schlafen würden wir nicht, denn der Rückweg sollte noch nachts angetreten werden, um nicht in die Sonne von morgen zu gelangen.

Ich war froh, an einer so erfolgreichen Jagd teilgenommen zu haben. Unsere Laune war gut und ich nahm mir vor, zukünftig regelmäßiger an Jagden teilzunehmen.

Auf dass Hercules uns weiterhin den Sieg bescheren möge!