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Heute ist der ANTE DIEM III ID IUL DCCCLXX A.U.C. (13.7.2020/117 n.Chr.)
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5 Hochzeiten und kein Todesfall

PRIDIE KAL MAI DCCCLX A.U.C. (30.4.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
rinnert ihr euch noch an jene Zeiten, als es schien, dass alle Männer nur Krieg führen wollten und keiner auch nur daran dachte, in den Stand der Ehe einzutreten? Nun, diese sind wohl eindeutig vorbei, denn deutlicher kann ein Jahr nicht im Zeichen Iunos beginnen.

Den Anfang dieses Jahr machten Titus Aurelius Ursus und Tiberia Septima. Das rauschende Fest der eigentlichen Hochzeit dürfte vielen in Erinnerung bleiben, vor allem der zur Floß umfunktionierte Teppich im impluvium des Hauses. Doch viel mehr als diese weinselige Feier, bei der selbst Bacchus sich wohl gefühlt hätte, war der Empfang am Morgen danach interessant.
Zwei Herren, namentlich Caius Aelius Archias und Titus Duccius Vala, lieferten sich einen äußerst interessanten Disput. Leider konnte keiner unserer Informanten sagen, was genau zwischen diesen beiden Herren wohl vorgefallen war, das Ergebnis des ganzen war dann aber doch sehr schockierend amüsant. So landete eine Schüssel mit Süßspeise doch unversehens über dem Kopf des Duccius, als Aelius wohl seiner Beherrschung verlustig ging. Kein Wunder, dass seine damalige Verlobte, Decima Seiana, wutschnaubend von dannen ging und er ihr hinterher.
Nach diesem Vorfall aber lief das Fest sehr professionell weiter. Man möchte fast meinen, die edle Gesellschaft wäre schlimmere Ausraster gewohnt, so wenig Reaktion, wie hierauf kam. Vielleicht lag es auch an der wahrhaft charmant anzuhörenden Entschuldigung des Ducciers, wer weiß? Wir konnten nur spekulieren und den Rest der Feierlichkeit genießen.

Die zweite Hochzeit dann mag nun verwundern. Caius Aelius Archias – ja, besagter Mann mit der Schüssel – ehelichte Iunia Axilla bei den Feierlichkeiten zu den Megalesia. Angeblich fand die Zeugenrede mitten im Fanblock der Veneta statt, mit anschließender deductio in domum. So überhaupt keine Feierlichkeit auszurichten auszurichten und scheinbar nicht einmal den Segen Iunos einzuholen ist schon mehr als ungewöhnlich. Ob es Gründe für diese Blitzhochzeit gab?
Doch das eigentlich infame an dieser Hochzeit ist die Tatsache, dass diese Verbindung so überhaupt geschlossen wurde. Immerhin war der Aelier schon lange mit Decima Seiana verlobt, und nach unseren Nachforschungen wurde diese Verlobung nur wenige Tage nach dem äußerst peinlichen Auftritt bei der vorgenannten Hochzeit gelöst. Ob da wohl ein Zusammenhang bestand? Angesichts der kurzen Zeiträume kann man dieses fast annehmen.

Doch die Iunier scheinen dieser Tage ohnehin nicht sehr viel auf die althergebrachten Traditionen zu geben. Anders lässt sich die wirklich ungewöhnliche Doppelhochzeit wohl schwer erklären. Ja, richtig, liebe Leser, Doppelhochzeit. Allerdings wurden hierbei nicht noch zwei Iunierinnen vergeben, sondern Iunia Serrana und Germanica Calvena. Die Feierlichkeiten fanden in der Casa Iunia statt, und die Gästeliste konnte wirklich beeindrucken. Wer auf diesem Fest gefehlt hat, hat wohl den illustresten Kreis dieses Jahr verpasst.
Doch Iuno schien sich an dem Ablauf nicht zu stören, und auch die Gäste begegneten auch hier allem mit herzlichem Gleichmut. Fast möchte man meinen, Rom habe keine Furien mehr, die sich auf solch ein gefundenes Fressen stürzen mögen. Vielleicht sind sie alle gesättigt?
So bleibt uns nur, Senator Quintus Germanicus Sedulus zu seiner Iunia Serrana zu gratulieren, ebenso wie Lucius Quintilius Valerian zu seiner Germanica Calvena.
Über das Fest vermögen wir leider nicht sehr viel zu berichten, waren die meisten Erinnerungen der Gäste doch sehr schwammig, was auf reichlich Weingenuss hindeutet. Einzig bemerkenswert war der Auftritt des Praefectus Urbi, der noch während der Opferriten versuchte, eine der Bräute ihrem Bräutigam abspenstig zu machen.

Bei so viel Heiratswut ging dann die Hochzeit von Lucius Iulius Centho und Furia Calliphania beinahe unter, die wohl nur im engsten Familienkreis und in aller Ruhe stattfand. Bei derart vielen rauschenden Festen sei den beiden ihre Ruhe auch redlich gegönnt, und auch ihnen wünschen wir Iunos Segen.

Doch noch sind nicht alle angekündigten Hochzeiten vollzogen, die Liste der gültigen Verlobungen lässt immernoch auf die Hochzeit von Tiberia Arvinia und Manius Aurelius Orestes hoffen. Angesichts derart erinnerungswürdiger Feste darf man wohl gespannt sein, was hierbei aufgefahren wird. Und bei derart greifbaren Frühlingsgefühlen würde es mich stark verwundern, sollte dies die einzige, weitere Hochzeit dieses Jahres bleiben.

ecretum senatus

ANTE DIEM XVII KAL MAI DCCCLX A.U.C. (15.4.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
   

DECRETUM SENATUS

Der Senat von Rom hat beschlossen den
CODEX UNIVERSALIS
durch folgende Lex zu ergänzen:


Lex Flavia de operositas

1 § über die Gültigkeit (de bonitas)


Mit sofortiger Wirkung vom NON APR DCCCLX A.U.C. (5.4.2010/107 n.Chr.) tritt dieses Gesetz in Kraft.

2 § Bestimmung (definitio)


1. Die Geschäftsfähigkeit ist die Fähigkeit Verträge, Geschäfte und Pflichten aufzunehmen.
2. Frauen sind keine Träger von Pflichten.

3 § über die Geschäftsunfähigkeit (de infantia)


1. Geschäfte von Geschäftsunfähigen sind nichtig.

Geschäftsunfähig ist,
2. wer das siebente Lebensjahr nicht vollendet hat (infantes).
3. wer sich in einem dauernden Zustand geistiger Störung befindet (furiosi).

4 § über die beschränkte Geschäftsfähigkeit (de impuberes infantia maiores)

1. Geschäfte von beschränkt Geschäftsfähigen sind schwebend unwirksam und bedürfen der Zustimmung des Vormundes. Dies gilt nicht für Geschäfte des täglichen Lebens oder für jene, durch welche der beschränkt Geschäftsfähige lediglich bereichert wird.
2. Beschränkt Geschäftsfähige sind keine Träger von Pflichten.

Beschränkt geschäftsfähig ist,
3. wer Sklave ist
4. wer ein Verschwender (prodigus) im Sinne des Zwölftafelgesetzes ist.
5. wer das vierzehnte Lebensjahr nicht vollendet hat (pubertas).
6. wer unter einer Patria Potestas steht.



eserbriefe

ANTE DIEM XVII KAL MAI DCCCLX A.U.C. (15.4.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Leserbriefe
   
Mit großer Besorgnis habe ich gelesen, was in den letzten Veröffentlichungen der Acta Diurna über Zusammenstöße an Straßenecken geschrieben wurde. Ich bin ein alter Mann und kümmere mich seit über 45 Jahren um Weihesteine und Altäre zu Ehren der guten Geister der Wegkreuzungen und Gabelungen. Alleine die Götter und Geister sind es, die unsere Schritte lenken. Ihnen sollte Beachtung schenken, wer eine sichere Reise haben möge. Hängt nicht lächerliche polierte Metallwaren an die Häuser, um Zusammenstöße vorher sehen zu wollen. Verschwendet nicht die Zeit der tapferen Soldaten der Cohortes Urbanae mit dem Schwenken von bunten Wollknäueln. Sorgt euch nicht um den Wein, den ihr nicht verkauft, wenn Menschen nicht zusammen stoßen. Gedenkt alleine täglich den Göttern und Geistern. Wenn ihr Metall übrig habt, dann schmelzt es ein und macht eine hübsche Statuette daraus, um sie an einer Wegkreuzung in einen Altar zu stellen. Wenn ihr bunte Wolle übrig habt, dann schmückt damit die Opfertiere, die ihr an einem Altar darbringt. Wenn ihr Wein habt, dann tragt jeden Tag einen Becher davon zur nächsten Straßenecke, um auch die Geister, die dort wohnen, an unserem Leben und unseren Freuden teilhaben zu lassen. Nur dann werden euch die Götter gnädig sein, und jene Zusammenstöße verhindern, die euch zur Last sind. Glaubt den Worten eines alten Mannes.