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Der tiefe Fall der Decimer

ANTE DIEM V NON MAI DCCCLX A.U.C. (3.5.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Politisches, Gesellschaftliches
ass jeder Glanz einmal verblasst, ist weithin bekannt. Doch wie, so fragt man sich, kann der Name einer Familie, die einst so großes Ansehen im Reich besessen hat, so rasant verklingen wie jener der Decimer? Man erinnert sich an die Zeiten der Triumphzüge zurück, die Decimus Meridius angeführt hat. Doch dann...Leere. Als hätte man die Erinnerungen der Menschen hinfort gefegt. Nichts bleibt zurück außer dem Klang des Namens. Decima.

Betrachtet man die gegenwärtige Lage der Gens, fällt schnell auf, dass sie von Glanz ond Glorie der vergangenen Tage weit entfernt ist. Decimus Livianus, ehemals Legat der in Mantua stationierten Legio Prima, Kriegsgefangener, selig Heimgekehrter und dennoch wenig gefeierter Ex-Militär, trat jüngst vor den Senat und stellte sich der Wahl zum Consul. Seine Wahlrede hetzerisch, bekam er die Quittung dafür mitsamt dem schlechten Wahlergebnis serviert. Nur wenig mehr als ein Drittel der Senatoren sprach sich für ihn - und damit gegen ihn - aus. Seitdem scheint er verschwunden, verschluckt von der Bildfläche der Ewigen Stadt.

Umso mehr allerdings machte Decima Seiana von sich reden. Wegen eines unschönen Zwischenfalls mit ihrem Ex-Verlobten auf einer Hochzeit (wir berichteten) ohnehin in aller Munde, machte sie nun auch von sich reden, indem sie Brot in rauen Mengen vor der Casa Decima verteilen ließ. Ein unglücklicher Zufall? Oder rührte sie die Werbetrommel für ihren Onkel? Nun wieder zu haben, war sie zuletzt in Begleitung desselben während der Wagenrennen zu Ehren der Megalesia zu sehen. Wir hoffen, dass sich bald ein passendes Deckelchen für ihren Topf finden mag.

Doch damit nicht genug. Jüngst wurde ein weiterer Decimus erspäht, auch wenn man sich geraume Zeit nicht sicher war, ob es sich überhaupt um ein Mitglied dieser Familie handelte. Decimus Verus, ehemaliger Curator Kalendarii und Patron des geschätzten Kaiserbruders, galt lange als verschollen. Nun ist er zurück, doch das zottige Haar und sein ungepflegtes Aussehen tragen offensichtlich auch nicht dazu bei, die Decimer wieder auf einen grüneren Zweig zu heben. Manche munkeln, er paktiere mit den Christianern. Hoffen wir, dass dem nicht so ist.

Der einzige Lichtstrahl, den man dieser Tage entdecken kann, scheint in Ägypten. Doch dort bemerkt wohl kaum jemand den Fleiß und die Hingabe eines jungen Tribuns, der auch in Rom von sich Reden gemacht hatte. Sein Name ist Decimus Serapio, und er ist sowohl der Bruder der unglückseligen Seiana als auch der Adoptivsohn des Decimus Livianus (wem diese Konstellationen zu verworren erscheinen, dem sei empfohlen, darüber hinwegzusehen und lediglich die Leistung des Jungen zu beurteilen). Wir hoffen, dass seine Bemühungen nicht vergebens sind, und raten, sich eine Scheibe von dem wackeren Kerl abzuschneiden, um zumindest den rasanten Fall zu verlangsamen, wenn schon nicht zum Stillstand zu bringen. Politisch günstige Verbindungen anzustreben, gerade wo sich mindestens eine heiratswillige Dame unter den Decimern befindet, wäre ebenfalls äußerst klug.

eserbriefe

ANTE DIEM V NON MAI DCCCLX A.U.C. (3.5.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Leserbriefe
   
Liebe Leute, die letzten Leserbriefe waren schon echt knuffig. Zusammenstöße an Ecken verhindern, weil die Reinigungskosten für Tuniken zu hoch sind? Oder doch nicht, weil man dann weniger Wein verkauft? Gebt es doch zu: Für einen Arbeiter, der nach einem langen Arbeitstag müde nach Hause stapft, gibt es doch nichts schöneres, als sich hinter einer Straßenecke unvermittelt in den Armen einer hübschen jungen Frau wie mir wiederzufinden. Ein paar Kolleginnen werden dazu von den Wirten geschickt, die dann an den kurzzeitig vermieteten Kammern verdienen - ich schnappe mir lieber einfach so schnell die Geldbeutel. Das hält uns beide weniger auf und ich muss nicht das Geld mit dem blöden Wirt teilen. Außerdem klappt das auch bei Frauen auf den Märkten. Vor allem wenn sie neu in der Stadt sind. Sie freuen sich, eine vermeintliche neue Freundin kennen gelernt zu haben und ob ihr Geld nun weg ist, weil sie noch nicht wissen, welche Händler billigen Ramsch überteuert verkaufen oder weil sie mit mir zusammen gestoßen sind, ist doch egal.
Ich mag Roms Ecken und Märkte so wie sie sind und daran sollte man wirklich nichts ändern. Und eines kann ich euch auch noch verraten: So mancher alter Mann, der jeden Tag das Haus verlässt, um den Altar an der nächsten Straßenecke zu schmücken, tut es nicht nur der guten Geister wegen, sondern genau deswegen, weil er dort in den Armen einer jungen Frau wie mir landen kann.