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Senatswahlen

ANTE DIEM III KAL DEC DCCCLXI A.U.C. (29.11.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
aum zu glauben, aber erneut neigt sich ein Jahr dem Ende zu und erneut hat der Senat über die Magistraturen zum nächsten Jahr abgestimmt. Und dieses Jahr gab es einige wirklich große Überraschungen.

Doch zunächst zu den Dingen, die wie gehabt vonstatten gegangen sind: Wie schon in den letzten Jahren hat der Praefectus Urbi eine recht umfangreiche Liste mit zu besetzenden Posten im Namen des Kaisers übermittelt und auch dieses Jahr sind viele aus den östlichen Provinzen stammende junge Männer besondere Nutznießer der kaiserlichen Gunst.
So kam Tiberius Ostorius Remmianus aus der Provinz Dalmatia in den Genuss, den Cursus Honorum zu beschreiten. Im folgenden Jahr soll er uns als Triumvir Monetalis dienen. Noch ein wenig weiter aus dem Osten, genauer gesagt von der Nordgrenze Moesia Superiors von den tapferen Männern der Legio XIV Flavia wird der bisherige Tribunus Angusticlavus Cnaeus Renius Caecus von der Ritterlaufbahn in die senatorische wechseln. Er wurde auf den Posten eines Decemvir litibus iudicandis berufen und wird sich demnach demnächst weniger mit der taktischen Verteidigung der Grenzen als vielmehr der taktischen Verteilung von Erbangelegenheiten befassen.
Ebenfalls neu ist Quintus Apronius Lupercus, bislang Procurator Rationis Privatae in Pannonia. Dieser wechselt ebenso von der ritterlichen Laufbahn gleich auf die zweite Stufe der senatorischen Ämterlaufbahn und wird als Quaestor Urbanus über die Wirtschaftsadern Roms wachen. Damit wurde dieser Posten schon zum zweiten Mal direkt vergeben, beide Male an einen Mann aus den östlichen Provinzen, war es im letzten Jahr doch Publius Ventidius Achelos, Edler aus der Polis Zeugma.
Der Bruder besagten Ventidius', namentlich Quintus Ventidius Achelos, wurde dieses Mal auch wieder bedacht. Nach einem Jahr Pause zu seinem letzten Amt als Decemvir litibus iudicandis hat jener dieses Jahr die Ehre, dem Kaiser und seinem Statthalter in Rom als Quaestor Principis direkt zu dienen.
Und auch die beiden Männer, die damals mit Ventidius ebenfalls in den Cursus Honorum eingetreten sind als candidati principis (wir berichteten) dürfen sich weiterhin in der Gunst unseres Herrschers sonnen. Senatorensohn Marcus Tiburtius Rebilus wird als Quaestor Provincialis nach Asia entsandt, während Marcus Cocceius Alexander, Edler aus der Polis Epidaurum, unseren Consuln als Quaestor mit Rat und Tat zur Seite stehen soll.

Doch auch einige Senatoren wurden als Magistrate berufen. So wurde das Amt des Aedilis Plebis direkt an Quintus Scaevius Camerinus vergeben. Die Acta berichtete ja schon über den beispiellosen Aufstieg des Sohnes des Praefectus Vigilium vom Tresvir Capitalis über den Quastor Provincialis Asiae bis hin zum Senator, der nun mit dem Ädilat wohl weitergeht. So dürfen wir uns hoffentlich auf geregelte Märkte und fröhliche Spiele im kommenden Jahr freuen.
Auch Caius Gavius Apicius, über den wir schon mehrfach berichten durften, wurde wieder bedacht und wird nächstes Jahr das Amt des Volkstribunen wahrnehmen. Das höchste Amt dieses Jahr aber erhält der ebenfalls schon vielfach in der Gunst des Kaisers gestandene Titus Cestius Gallus. Der Mann, der direkt als Quästor Urbanus vor einigen Jahren in die senatorische Ämterlaufbahn befördert wurde, dann direkt zum Senator und im selben Zug zum Tribunus Plebis aufstieg, wird im kommenden Jahr als Prätor Urbanus über die Rechtsgeschäfte wachen.


Soweit, so gut. Im Vergleich zu den letzten Jahren keine große Überraschung. Die behielten sich die Senatoren wohl für die Consulatswahl vor, wo Marcus Vinicius Lucianus und Publius Matinius Agrippa sich um ein gemeinsames Consulat bewarben. Beide Männer im fortgeschrittenen Alter, beide Männer schon gewesene Consule. Und offenbar wollten die beiden es noch einmal wissen, aber so richtig.
Offensichtlich setzte das Gespann einzig und allein auf ihre Reden im Senat, da sie im Vorfeld kaum von sich reden gemacht hatten. Nicht einmal eine kleine Wandschmiererei zeugte von irgendwelchen Zuneigungsbekundungen einer der zahlreichen Fraktionen und Gewerbe Roms, keine Spiele oder Brotspenden wurden im Vorfeld veranstaltet, um sich die Gunst des Volkes zu sichern. Und auch sonst verhielten sich die beiden Consulare im Vorfeld sehr ruhig. Selbst noch bei ihren anfänglichen Reden, die im Grunde nur ihren Namen und den Wunsch, als Consul zu kandidieren beinhalteten. Eine kürzere Rede hatte vermutlich nur seinerzeit Marcus Aurelius Corvinus zu beginn seiner Ämterlaufbahn als Vigintivir gehalten – was damals auch gleich zu einem entsprechenden Kommentar geführt hatte. Was man einem jungen Mann zu Beginn seiner politischen Karriere verzeihen mag, mutet aber bei Consularen etwas seltsam an.
Nach weiteren Nachfragen allerdings äußerte sich Consular Matinius doch noch einmal ausführlicher zu den Zielen seines angestrebten Consulats – nämlich dieselben Dinge, die er bereits mehrfach in den Senat eingebracht hatte: Steuerfreiheit für Senatoren, gepaart mit einer Aufhebung der Handelsbeschränkungen für selbe – zwei Dinge, bei denen sich unsere Leser wohl zu Recht fragen, ob der geehrte Consular wohl den Ritterstand entmachten und ihm nur die gesamte Steuerlast des Reiches aufbürden möchte. Dazu noch die Herabsenkung der Entscheidungsgrenze von derzeit 60% auf 51%, was ebenfalls schon mehrfach eingebracht worden war – und abgelehnt wurde.
Diese Punkte stießen wohl bei seinen Mitsenatoren auf sehr wenig Gegenliebe. Den beständigen Entscheidungen über diese Fragen wohl müde bedachten sie den Matinius mit einem niederschmetternden Ergebnis von gerade einmal 17,39% der Stimmen. Noch nie hatte ein Consul so wenig Stimmen auf sich vereinen können, vor allem nicht, wenn er nicht gegen einen bekannten anderen antrat und damit konkurrierte, sondern an seiner Seite antrat. Ein ähnlich niedriges Ergebnis in offener Wahl erzielten zuletzt Gaius Cornelius Decius und Titus Sergius Glaucia ANTE DIEM XI KAL IUN DCCCLV A.U.C. (22.5.2005/102 n.Chr.) mit 16,95% bei ihrer Wahl um die Quaestur.

Sein Mitbewerber Marcus Vinicius Lucianus konnte da einige Stimmen mehr auf sich vereinen, wenngleich mit 47,83% nicht genug für das höchste Amt des Cursus Honorum. Vielleicht lag es auch hier an der äußerst knapp bemessenen Hauptrede, oder aber an der dafür umso heftiger folgenden Rede, die man schon beinahe als Hetze bezeichnen mochte. So stellte sich der Vinicier ganz offen gegen den Praefectus Urbi, bezeichnete den Senat gar als Marionette des Statthalters, der schon lange keine Entscheidung mehr ohne dessen Erlaubnis gefällt habe. Überraschend war da schon die Einlassung des Vescularius, der diesen direkten Angriff nicht sofort streng bestrafte und Vinicius Lucianus dennoch zur Wahl zuließ. Und dafür, dass der Vinicier mit solchen Äußerungen nahe am Rand des Hochverrats entlangbalancierte, war das Ergebnis doch überraschend hoch. Ein Umstand, der dem Praefectus Urbi wohl zu denken geben dürfte.