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Von der einen in die andere Tasche

ANTE DIEM VI KAL IUN DCCCLXI A.U.C. (27.5.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
Kaum ein Gesetz wurde in letzter Zeit derartig knapp entschieden wie der neueste Beschluss des Senates über die Besteuerung der Acta. Mit nicht ganz 55% der Stimmen verfehlte der Vorstoß zweier Senatoren nur knapp die nötige Marke von 60% zur Durchsetzung eines Decretums und wurde somit nicht vorgenommen.

Doch wollen wir einmal näher beleuchten, was dieses Dekret im Endeffekt wirklich bedeutet hätte.
Auch wenn die Acta ein beträchtliches Vermögen verwaltet, muss man sich folgende Dinge vor Augen halten: Die Acta ist eine staatliche Einrichtung, keine private. Ebenso wie der Cursus Publicus oder die Tempelanlagen, wie jede Stadtkasse in jeder Provinz, gehört die Acta dem Staat. Sie ist keine Person, sie ist ein Institut des Staates. In gewisser Weise ist sie der Staat, ebenso wie die Kaiserliche Kanzlei, ebenso wie der Senat. Nun stellt sich also die Frage, ob der Staat denn überhaupt an sich selbst Steuern zahlen kann, da das Geld ja bereits im Besitz des Staates ist. Es ist kein Privatvermögen einer Einzelperson, die auf dieses selbstverständlich Steuern zu entrichten hat. Der ein oder andere mag nun vielleicht sagen, dass es Spitzfindigkeit wäre, nun dieses Wort der Steuer allzu wörtlich zu nehmen und es nur darum ginge, den Gesamtstaat durch regelmäßige Geldzuwendungen seitens der Acta zu stärken. An und für sich keine schlechte Idee, nur muss man sich dazu ansehen, woher das Geld der Acta denn überhaupt kommt.

Im Gegensatz zu vielen anderen staatlichen Einrichtungen versorgt die Acta sich rein aus Spenden. Ohne Zuschüsse von Staatsseite für Gehälter oder Leistungen zu erhalten finanziert die Acta ihr Dasein auch ohne zusätzliche Betriebe zu führen oder für ihre Leistungen Geld zu fordern. Vom Auctor bis zum kleinen Schreiberling, von unseren Informanten bis hin zum Ausrufer, der die Neuigkeiten für diejenigen unter uns, die nicht lesen und schreiben können, laut vorträgt, alle diese Menschen erhalten ihr Auskommen einzig und allein durch die Spendenwilligkeit der Bevölkerung. An dieser Stelle möchten wir hiermit allen Lesern ein großes
DANKE

zum Ausdruck bringen, denn ohne euch alle wäre unsere Arbeit sicher nicht möglich.
Und was bedeutet dies nun für das Vermögen der Acta? Die Bürger haben sich dazu entschlossen, der Acta als Institution Geld zu geben, um diese zu stützen. Sie hätten auch dem Staat direkt Geld schenken oder durch Sachspenden ihren Städten helfen können, wie es beispielsweise auch gute Stadtpatrone tun. Sie hätte in ihrem Namen große Opfer abhalten lassen können, um die Götter zu besänftigen. Doch sie haben sich dazu entschieden, ihr Geld der Acta zu vermachen.
Eine Steuer wäre nun nichts anderes als die Entscheidung des Senats, dass diese Bürger sich geirrt haben, oder mehr noch, dass die Bürger nicht wissen, wie viel Geld der Acta zusteht. Man mag darüber streiten, ob die Acta ihr jetziges Vermögen braucht, und in Zeiten der Not wäre es selbstverständlich, dass auch diese Institution ihren Teil zum Erhalt des Staates beiträgt, keine Frage. Doch eine solche Steuer wäre nichts anderes als die amtliche Entscheidung zur Entmündigung des Bürgers bei der Wahl der Zweckgebundenheit seiner Geschenke an den Staat. Der ein oder andere Bürger würde sich wohl nicht ohne Grund fragen, ob dies nicht eigentlich eine Veruntreuung seiner Gelder darstellt.
Erst neulich wurde ein Vorschlag im Senat erörtert, dass Spender gesucht werden für die Erneuerung der Straßen Italias. Wird jenen, die sich hierfür bereit erklären, auch aberkannt, zu wissen wie viel sie geben sollen? Gibt es ein „zu viel“ in Bezug auf das, was jeder einzelne zum Wohle des Staates geben sollte? Gibt es da ein falsch?

Derlei philosophische Betrachtungsweisen sind vielleicht etwas übertrieben, und da das Dekret ohnehin abgelehnt wurde, wohl auch nicht vonnöten. Daher verlagern wir uns lieber auf die Fakten und sehen uns die anderen staatlichen Einrichtungen an.
Fast jede Stadt hat eine eigene Kasse zur Verwaltung, doch die letzte Prüfung dieser öffentlichen Kassen liegt schon lange zurück. Und unseren Recherchen nach zahlen sie von diesen Kassen keine Steuern an die Staatskasse. Der Cursus Publicus, unser beliebter Transporthelfer von Briefen aller Art, zahlt keine Steuern aus den Einnahmen von Postsendungen und Wertkarten. Die Tempel, teilweise reich gesegnet an materiellen Gütern und mit Verdiensten aus dem Verkauf von Opfertieren und Dienstleistungen beim Opfern zahlen keine Steuern. Warum also sollte die Acta dies tun? Warum wird nun nur von der Acta und neuerdings der Schola Atheniensis verlangt, einen Vermögensbericht zur Prüfung vorzulegen? Zumal die Gehälter benannter anderer Institutionen von der Staatskasse getragen, während Gehälter der Acta nur durch Spenden finanziert werden, ohne festes Gehalt von Staatsseite.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Vorschlag zur Besteuerung und Enteignung des Vermögens der Acta von zwei Männern in den Senat eingebracht wurde, von denen der erste aus seinem Landbesitz mehr Bezüge erhält als der Praefectus Aegypti als höchster Ritter des Reiches für seine Amtstätigkeit als Entgelt, und von denen der zweite sich schon lautstark und vehement über die Acta beschwert hat. Ein Schelm, wer böses hierbei denkt.

Nun ist es vielleicht eben jener Charakter der Finanzierung durch Spenden, der die Acta weniger wie ein Staatsorgan und mehr wie ein privater Verein erscheinen lässt. Daher haben wir auch in dieser Richtung recherchiert, wie denn die Sachlage bei den vielen verschiedenen Vereinigungen privater Natur ist. Natürlich denkt man dabei sogleich an die Factiones, die zum Kauf und Unterhalt ihrer Gespanne gemeinsame Kassen führen. Und verblüfft mussten wir feststellen, dass sie nicht steuerpflichtig sind.
Daneben gibt es noch die vielen Kultvereine verschiedenster, teils fremdländischer, teils einheimischer Gottheiten. So unterschiedlich diese Vereine in Bezug auf ihre Riten und Gebräuche sind, sie haben eines gemeinsam: Sie zahlen keine Steuern.
Tatsächlich fand sich trotz tiefgreifender Recherchen nur ein einziger Verein, der steuerpflichtig war, namentlich Pars Fidelis. Und dieser wiederum hat in seiner Satzung nicht nur den Anschein, gegen das gesetzliche Verbot der Einmischung von Vereinen in die Politik zu verstoßen, sondern darüber hinaus auch seit Jahren keine Mitglieder mehr, die Kasse und die Satzung sind nur ein Relikt aus grauer Vorzeit.

Dives Iulianus hatte während seiner Regierungszeit die Lex Communitatis dergestalt eingerichtet, das Vereine keinerlei Eigentum besitzen durften, also auch keine eigenen Kassen. Vor nunmehr 9 Wahljahren wurde dieses Gesetz geändert auf Betreiben des ehrenwerten Consular Tiberius Durus, der die Notwendigkeit für Vereinseigentum insbesondere für gemeinschaftliche Anschaffungen wie Vereinsräume oder bei Factiones eben Gespanne gegeben sah. Aufgrund seines beherzten Vorstoßes wurden diejenigen Bestandteile der Lex wieder widerspruchsfrei abgeschafft, die Eigentum verboten. Lediglich das Verbot zum Führen eigener Betriebe blieb bestehen.
Im Zuge unserer Erkundigungen konnten wir erfahren, dass damals bereits heftig diskutiert wurde, dass den Vereinen gleichzeitig eine Steuerpflicht auferlegt sein sollte, so dass dies nicht die Möglichkeit zur Steuerhinterziehung eröffnen würde. Immerhin könnte man so einfach einem Verein das eigene Vermögen überschreiben und würde damit aufgrund der fehlenden Persönlichkeit des Vereins der Steuerpflicht entgehen, was wohl auch ursprünglich der Grund für das gänzliche Eigentumsverbot bei Vereinen gewesen war. Doch de facto wurde diese gesetzliche Einschränkung nie vorgenommen.
Die Götter allein mögen wissen, wie viele Steuergelder dem Staat so jährlich vorenthalten wurde von findigen Geschäftsleuten. Doch tatsächlich hat der Staat momentan keinerlei Handhabe gegen dieses Vorgehen.

Vielleicht sollte der Senat zunächst einmal hierüber entscheiden, wie er bei gänzlich privaten Vereinen und Vereinigungen vorgehen möchte, bestenfalls mit einer Prüfung eben jener Bücher zur Feststellung, ob aktiv Geld dem Staat entzogen wurde, ehe er darüber befindet, ob ein Teil des Staates dem anderen zu regelmäßigen Ausgleichszahlungen verpflichtet ist. Vor allem, wenn eben jener Teil, obwohl er stets der Kontrolle des Staates untersteht und sich vor dem Senat jederzeit rechtfertigen muss, von eben jenem keine Zuwendungen erhält, sondern sich einzig und allein aus diesen Spenden schon seit Jahren selbst finanziert.

Der Senat hat gewählt

ID MAI DCCCLXI A.U.C. (15.5.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
rneut hat der Senat die Magistrate für das kommende Jahr vergeben, und auch dieses Jahr wollen wir unsere geneigten Lesen informieren, wer im nächsten Jahr die Geschicke des Staates lenken wird.

Wie schon die letzten Jahre war auch dieses Mal die Liste der Sonderwünsche, die dem Senat durch den Praefectus Urbi mitgeteilt wurde, recht umfangreich. Zunächst einmal wurden gleich vier neue Senatoren einberufen, die uns allesamt von den letzten Wahlen noch in guter Erinnerung sein sollten.
Zunächst wäre da Titus Cestius Gallus, den wir demnächst in den Reihen des Senats begrüßen dürfen. Vor einem Jahr begann der Mann seine Karriere via Direkteinstieg als Quaestor Urbanus, ebenfalls als Candidatus Principis, ohne zuvor ein Vigintivirat bestritten zu haben. Ganz offenbar muss er hierbei dermaßen beeindruckt haben, dass er nicht nur direkt zum Senator Roms ernannt wurde, sondern gleichfalls direkt zum Tribunus Plebis aufsteigt. Diese Ehre muss einen besonderen Stellenwert im Leben des Mannes wohl einnehmen, hat er durch diese Position doch nicht nur die Pflicht, die Stimme des Volkes zu vertreten, sondern ebenfalls das Recht, gegen jedwede öffentliche Handlung eines Beamten sein Veto einzubringen. Für einen Homo Novus ein beachtlicher Aufstieg, bei dem sich einige wohl fragen mögen, welcher Art die Qualifikationen des Mannes nun genau sind, dass der Kaiser ihm dieses Amt so schnell anvertraut.
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Leser auch noch an die drei Herren Caius Servilius Erauscus, Marcus Hosidius Pannonicus und Tiberius Erucius Vorenus, über deren ebenfalls sehr verblüffenden Aufstieg wir bereits letztes Jahr berichteten. Offenbar hält ihr persönlicher Siegeszug weiter an, denn nach abgeleisteten Vigintiviraten und Quästuren in zwei aufeinanderfolgenden Jahren stehen auch sie auf der Liste der neuen Senatoren.

Damit erhält der Senat gleich vier Männer, die bis vor wenigen Jahren noch weitestgehend unbekannt waren. Tiberius Erucius Vorenus ist Sohn des ehrenwerten Senators Caius Erucius Vorenus und damit nicht gänzlich als Homo Novus zu bezeichnen. Doch sowohl Caius Servilius Erauscus als auch Marcus Hosidius Pannonicus hatten bis vor wenigen Jahren lediglich eine Stellung als Decurio im fernen Pannonien vorzuweisen.

Doch unser Praefectus Urbi wäre nicht er selbst, wären die vier Männer die einzigen, die er im Namen des Kaisers dem Senat vorstellte. Auch dieses Jahr wurden wieder einige Quästuren und Vigintivirate direkt vergeben. So fanden sich zwei junge Männer direkt als Quästor wieder, und vier neue Vigintivire haben sich wohl das Vertrauen des Herrschers verdient. Auffällig mag hierbei sein, dass jene Männer vornehmlich neue Gesichter darstellen, die vor ihrer Förderung nicht öffentlich in Erscheinung getreten sind. Vor allem junge Männer aus den östlichen Provinzen scheinen es dem Regenten angetan zu haben, so kommen sie aus Pannonia, Asia, Epidaurum oder dem fernen Zeugma. Vor allem aus letzterer Polis scheinen besonders fähige Männer zu stammen, da nach dem letztjährigen Quattuorvir urbis purgandis Publius Ventidius Achelos nun auch sein Bruder Quintus Ventidius Achelos in den Ordo senatorius aufgestiegen ist. Letzterer wurde als Candidatus Principis zum Decemvir litibus iudicandis erklärt.


Doch auch abseits der kaiserlichen Kandidaten gab es natürlich weitere Männer, die das nächste Jahr als Magistrat Roms verbringen werden.
Die absolute Überraschung dieser Wahl war sicherlich Aulus Tiberius Ahala Tiberianus, Sohn des Consulars Manius Tiberius Durus. Mit 80% der Wahlstimmen hat der junge Patrizier ein absolut formidables Ergebnis eingefahren, und das, obwohl bislang von ihm nichts zu hören war. Manche munkeln sogar, der Bursche habe nicht einmal einen Patron, fast, als existiere er gar nicht. Auch blieben große Wahlkampfreden oder andere Gesten aus. Doch scheinbar hat der Name Tiberius noch genug Gewicht, um das Vertrauen der Senatorenschaft zu rechtfertigen, so dass man zu diesem überragenden Ergebnis nur Glückwünsche aussprechen kann. Wollen wir hoffen, dass der Tiberier in seinem Amt auch den Elan zeigt, den wir nach dieser Vertrauensbekundung wohl erwarten dürfen.

Weniger vertrauensvoll zeigte sich der Senat hinsichtlich der kandidierenden Quästoren.
Mit gerade einmal 61% der Stimmen wurde Sextus Aurelius Lupus ins Amt gewählt. Vor zwei Jahren noch konnte der Aurelier, der wohl jüngst Vater geworden ist, noch ganze 11 % mehr für sich gewinnen. Dieses Mal scheinen die Senatoren weitaus kritischer geworden zu sein, was den Sprößling der Gens Aurelia angeht. Man kann nun darüber spekulieren, ob dies aufgrund der hartnäckigen Gerüchte ist, die Aurelier würden unter einem bösen Zauber zu leiden haben – zuletzt verstarben nach dem Pontifex und Senator Marcus Aurelius Corvinus noch zwei weitere Gensmitglieder, Marcus Aurelius Cotta und jüngst Aurelia Narcissa. Oder aber es liegt an der Amtsführung des momentan noch amtierenden Aedils Tiberius Aurelius Avianus, der seine Amtszeit im Vergleich zu seinem Vorgänger geradezu gespenstisch ruhig und unspektakulär bislang verbracht hat. Vielleicht wäre es hinsichtlich der Familienpolitik besser gewesen, die angekündigten Spiele etwas weiter vor die Wahl zu terminieren. Oder aber – als dritte Möglichkeit – es lag doch an dem Aurelier selbst, dessen Rede wohl nicht mehr so zu begeistern wusste wie die zum Vigintivirat vor zwei Jahren.
Mit einem identischen Ergebnis wurde auch Titus Duccius Vala ebenfalls zum Quästor gewählt. Damit folgt er seinem Vater Flavius Duccius Germanicus nach, der seinerzeit mit 62% der Stimmen ein beinahe deckungsgleiches Ergebnis bei seiner Wahl zum Quästor verzeichnen konnte. Somit verlor er im Vergleich zu seiner Wahl zum Vigintivir ganze 13%. Trotz Berufung auf seinen Vater kann der junge, aus dem fernen Mogontiacum stammende Mann den Beigeschmack des Homo Novus wohl nicht abstreifen. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – seines Tribunats im seuchengeplagten Mantua und dem durch die Straßen hallenden Ruf nach dem 'Held von Mantua' – dessen Heldentaten an unser Redaktion scheinbar unbemerkt vorbeigegangen sind – zeigten sich die Senatoren entsprechend skeptisch und verliehen diesem Misstrauen durch das zurückhaltende Wahlverhalten Ausdruck.

Das knappste Wahlergebnis erreichte Lucius Iulius Centho, der im zweiten Anlauf lediglich 53% der Stimmen auf sich vereinen konnte und damit im nächsten Jahr Ädil sein wird.

Nun bleibt dem Senat noch ein wenig Zeit, den Kandidaten auch geeignete Plätze zuzuweisen, auf dass wir sie in einigen Wochen zu ihren Ämtern auch offiziell beglückwünschen dürfen, wenn sie als Magistrate Roms vereidigt werden.

Mit lachendem Herzen in die Schlacht – Legio XXII besiegt die Blemmyer

ANTE DIEM VI ID MAI DCCCLXI A.U.C. (10.5.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Aegyptus, Militärisches
lut färbt den Sand. Das Schlachtfeld ist zerwühlt, übersät von den toten Körpern der Feinde. Hier, im äußersten Süden des Imperiums, an der Wüstenoase Tasheribat, hat die Legio XXII Deiotariana den Feind gestellt und vernichtet. Zahllose Überfälle hatten die grausamen Reiterkrieger der Blemmyer verübt, ganze Karawanen abgeschlachtet, nicht einmal vor Angriffen auf die im Süden stationierten Einheiten schreckten die blutgierigen Barbaren zurück. Nun haben sie den Zorn des römischen Adlers schrecklich zu spüren bekommen.
Unter dem Kommando des Praefectus Legionis Tiberius Octavius Dragonum hat die Legio XXII, die bis vor einigen Jahren aufgrund ihrer Rolle im Laeca-Aufstand nicht mehr den besten Ruf genoss, zu neuer Tatkraft, neuem Glanz gefunden. Unermüdlich drangen die Soldaten ins feindliche Gebiet vor, ließen sich von Gluthitze, Skorpionen und Pfeilen aus dem Hinterhalt nicht den Kampfesmut verderben. Durch geschickte Diplomatie versicherte sich der Feldherr der Unterstützung eines friedfertigen Nubierstammes und ihrer Kundschafter, welche ein untrügliches Gespür für die Wüste besitzen. So konnte das Hauptheer des Feindes aufgespürt und zu einer offenen Feldschlacht gezwungen werden.

Über sechstausend der Wüstenkrieger hatten sich an der Oase zusammengerottet, die meisten beritten auf Dromedaren, die sie wie Schlachtrösser abzurichten pflegen. Mit großem Lärmen, wildem Geheul und gewittergleichen Kriegstrommeln peitschte sich die Barbarenhorde zum Kampf auf. Doch aus römischen Kehlen schmetterte ihnen stählern der Schlachtruf der XXII entgegen: "Mars nobiscum! Mors hostibus, nullus captivus!"
In einer klassischen, zweifach gestaffelten Treffen-Formation rückten unsere tapferen Legionäre vor, ertrugen standhaft den Beschuss durch unzählige Pfeilsalven, ließen den Feind dafür römische Feldartillerie schmecken.
Gewaltig prallten die Heere aufeinander. Die Blemmyer kämpften mit wildem Furor, unsere Soldaten hatten einen harten Kampf auszufechten. Da wo die Schlacht am wildesten tobte, mussten gar die Offiziere zu den Waffen greifen. So führte der Tribun Faustus Decimus Serapio, als die Linien der zweiten Kohorte aufgerieben zu werden drohten, selbst einen kühnen Vorstoß in die feindlichen Reihen, erfüllte so die Herzen seiner Männer mit neuem Mut und wendete das Blatt. Dabei schwerverwundet, hätte er diese Tat um ein Haar mit dem Leben bezahlen müssen, doch sein eigener Vetter, Appius Decimus Massa, ein einfacher Miles der Deiotariana, beschirmte ihn, obschon selbst aus vielen Wunden blutend, mit unbeugsamem Willen und wahrem römischen Heldenmut vor den Klingen des Feindes. Erst als der Tribun in Sicherheit war, brach der tapfere Soldat zusammen. Die Redaktion der Acta Diurna und mit ihr sicherlich alle Leser hoffen, dass diese beiden Helden Ägyptens ihre verdiente Belohnung für ihren Mut und ihren Einsatz für Rom erhalten werden.
Der Legionspräfekt Tiberius Octavius Dragonum selbst zeigte, dass er seit seiner Vergangenheit ex caligae nichts verlernt hat, als er mit einem treffsicheren Speerwurf den feindlichen Kriegsherrn vom Leben zum Tode beförderte.
Sobald die Blemmyer ihre Niederlage nahen sahen, wandten sie sich feige zur Flucht, doch der Großteil der mörderischen Horde wurde von unseren Jungs an Ort und Stelle niedergemacht.

Wieder einmal war Rom siegreich, und die Bewohner Ägyptens atmen auf, einer schweren Last ledig. Endlich begeben sich die Karawanen wieder auf die Reise, gerät der gelähmte Handel erneut in Bewegung. Zufrieden wird auch der Statthalter sein, Appius Terentius Cyprianus, der altgediente Parthienveteran, der zuvor die XXII kommandierte, und sie nun, getreu seinem Ruf stets hart durchzugreifen, auf diesen Feldzug sandte.
Mars war mit den Männern der Deiotariana. Zum Dank haben sie nach der Schlacht alle erbeuteten Waffen dem Herrn des Krieges als Opfer dargebracht. Mittlerweile befindet sich die Legion auf der Rückreise. In Syene, wo sie mit großem Jubel empfangen wurde, haben die Soldaten sich eingeschifft, sie werden in Bälde in Alexandria erwartet.

Kurznachrichten aus dem Senat

ANTE DIEM VIII ID MAI DCCCLXI A.U.C. (8.5.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Politisches
ie man aus dem Senat erfährt, finden hier derzeit eine Vielzahl an Abstimmungen statt, welche unter anderem durch die Präsentation eines Berichtes über die finanzielle Situation der Acta Diurna und langwierige Diskussionen über bestehende Leges heraus entstanden sind. So entscheiden die Senatoren aktuell zum Beispiel darüber, ob die Acta Diurna in Zukunft besteuert werden soll. Auch findet derzeit die Entscheidung darüber statt, ob man einen Finanzbericht von der Schola Atheniensis einholen soll. Weitere Abstimmungen zu diesem Thema sind dann wohl auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Eine ebenfalls sehr aktuelle Abstimmung betrifft die Wiedereinführung der Leges Aelia Sentia, Atilia und Laetoria sowie die Anerkennung eines Senatorenkommentars bezüglich der Mündigkeit als legitime Grundlage für Rechtsgeschäfte.

Bei den zur Abstimmung stehenden Leges handelt es sich um bis dato nicht mehr gültige, welche sich unter anderem mit dem Freilassungsrecht, dem Vormundsrecht bei Mündeln sowie dem Schutz des puberes minores beschäftigen. Es heißt, dass die Wiedereinführung dieser Gesetze dazu führen sollen, dass das aktuell gültige Gesetz Lex Flavia de operositas für nichtig erklärt wird.

Die Abstimmungsergebnisse werden in Kürze erwartet und die Acta Diurna wird im Anschluss über diese und die sich daraus ergebenden Konsequenzen ausführlich berichten.

Mantua und seine Folgen

KAL MAI DCCCLXI A.U.C. (1.5.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
Wie das aktuelle Beispiel von Mantua zeigt, ist niemand davor gefeit ein Opfer von etwaigen Seuchen zu werden. Erste Gerüchte Mantua betreffend sprachen gar von der schlimmsten Pestis, die die Götter uns bisher gesandt haben, doch konnten diese mittlerweile scheinbar ein wenig widerlegt werden, da es laut Zeugenberichten bereits erste Anzeichen einer Besserung geben soll. Bei der Seuche in Mantua handelt es sich laut Berichten aus der Stadt wohl um schwerwiegende Formen diverser Erkrankungen, die jeden im Laufe eines Lebens einmal erwischen kann: Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Müdigkeit sind nur einige der Auswirkungen des Fluches, Gliederschmerzen, tränende Augen, laufende und im Verlauf verstopfte Nase, trockene Kehle, Appetitlosigkeit, Übelkeit und im schlimmsten Fall sogar Erbrechen weitere. Des weiteren kann es zu innerem Bluten - dies zeigt sich zum Beispiel mit Nasenbluten oder Blut beim Husten - und 'Fluss' kommen. Die Häufung der Kombinationen machen klar, dass die Götter eine eindeutige Botschaft schicken wollten. Was sie genau damit bestrafen wollen, ist eine Sache, die zu Spekulationen führt. Doch nichtsdestotrotz müssen sowohl die Priester als auch jeder andere Bürger sich nun bemühen, die Götter wieder wohlgesonnen zu stimmen.

Was aber kann man gegen eine solche Seuche tun? Wie kann man sich selber schützen? Entgegen diverser Meinungen scheint der pure Abstand zu den Kranken nicht zu reichen. Die Seuche ist vielmehr wohl etwas, das sich durch die Luft verbreitet - von den Göttern durch den Wind gesandt, ebenso wie durch Berührung und Flüssigkeiten. Fliehen? Die Kranken im Stich lassen und sich selbst retten? Aber kann man sich sicher sein, nicht bereits angesteckt zu sein und damit die Seuche in das ganze Land zu tragen? Ja, ist diese letzte Gefahr nicht sowieso schon gegeben? Was ist mit den Reisenden, Händlern, Tabularii? Ehe hier nun ein jeder ob dieser Worte in Panik ausbricht, möge man sich folgende Punkte durchlesen:

Zunächst einmal ist die Seuche augenscheinlich auf Mantua und dessen Umgebung beschränkt und erste Berichte besagen, dass sich dies auch nicht so bald ändern wird. Auch wenn man sogar hier und da in Rom von vereinzelten Fällen hört, doch scheinen diese bisher nur böse Gerüchte zu sein und es bleibt zu hoffen, dass die Götter nicht auch noch die Ewige Stadt heimsuchen werden. Doch warum wurde gerade Mantua heim gesucht? Warum hat es diese Stadt - von der man sonst eher selten etwas Aufregendes oder Schlimmes vernimmt - so schwer seitens der Götter getroffen? Liegt der Grund etwa in einem Frevel? Oder haben die Menschen Mantuas einfach die Götter mißachtet? Ist Götterlästerung im Spiel? Schändungen der Tempelanlagen oder hatten die Götter einfach nur einmal Spaß daran die Menschen zu prüfen? Genaue Antworten kann man dazu bisher nicht finden. Nur Gerüchte! Sehr viele - teilweise logisch klingende, teilweise aber auch welche, die an den Haaren herbei gezogen wirken. Welche von Menschen, die man berücksichtigen sollte und jene, die bei einem Becher Wein zu viel in der Taverne ihr Bestes von sich geben.

Die Liste der Opfer ist ohne Fragen groß, doch scheint es keine Verbreitung ausserhalb des bereits genannten Gebietes zu geben. Auch hört man vereinzelt bereits von Genesenden, ja sogar von Menschen, die von den Göttern verschont geblieben zu sein scheinen. Was aber tun diese anders, als jene, die erkrankt sind? Einerseits gibt es wohl Personen, die von Natur aus immun gegen solche Art von Krankheiten sind, andererseits sorgen sie mit ihrer Körperhygiene dafür, dass die Krankheit sich nicht unkontrolliert ausbreiten kann. Dazu zählen regelmäßiges Händewaschen, auswaschen - mit heißem Wasser - der getragenen Kleidung, im Zweifel sogar das Tragen von Schutztüchern vor Mund und Nase. Auch ist es in einigen Fällen sicher nicht unsinnig, sich den Kranken dadurch zu entziehen, dass man zu Hause bleibt. Doch - sobald erste Anzeichen der Erkrankung auftauchen - sollte man sich dringlichst an einen Medicus wenden, denn letztlich besitzt er das entsprechende Fachwissen um sowohl die Fluchauswirkungen zu bekämpfen und mit Hilfe und Gnade der Götter den Erkrankten zu heilen. Warum helfen all diese Maßnahmen? Kann man sich dadurch wirklich schützen? Selbst die Medici können nicht allumfassend erklären, wieso gerade das Hände waschen so hilfreich ist, doch wissen wir sicher, dass dem Entfliehen des Windes ein gewisser Schutz anheim liegt, denn schließlich ist es jener, über den die Götter die Seuche von einem zum anderen tragen lassen.

Doch die Ursachen, die kann nur ein jeder selber bekämpfen! Menschen von Mantua - ebenso wie alle Anderen des römischen Reiches - geht zu den Tempeln, betet für die Kranken aus Mantua und dafür, dass die Götter Euch und Eure Stadt verschonen möge, bittet die Götter um ihre Gnade und opfert, denn nur so werden wir alle die Götter wieder gnädig stimmen können und dürfen hoffen, nicht selber ein Opfer dieser Seuche zu werden.

Was aber bedeutet diese Seuche nun für Mantua? Aktuell kämpfen die Überbleibsel der Verwaltung Hand in Hand zusammen mit der Legio dafür, dass die Geschicke der Stadt trotz der Katastrophe ihren Weg gehen und entsprechend den Möglichkeiten gelenkt werden. Trotz des Zustandes der Bevölkerung - oder gerade deswegen - muss man auch in Mantua mit dem Abfall der Gesellschaft rechnen, welcher in diesen Tagen hochkocht und sich an dem Elend der Kranken und Verstorbenen gütlich tut. Diebe und Meuchler sind in solchen Zeiten gerne unterwegs - ungeachtet der eigenen Gefahr für sie, die sie auch anfällig für die Pestis macht, angesichts ihrer frevlerischen Taten gegenüber den Menschen und den Göttern sogar noch stärker als alle anderen. Doch bisher hört man nur Gutes von der Arbeit der Männer, die sich die größte Mühe geben in Mantua zumindest soweit es zu solch schrecklichen Zeiten möglich ist, die Normalität aufrecht zu erhalten.

Doch was bleibt? Ohne Frage wird die Stadt nicht mehr sein wie vorher. Die vielen Toten sprechen für sich. Viele Familien verlieren ihre Angehörigen und einige Familien werden gar gänzlich aus dem Stadtbild verschwinden - entweder durch Tod oder Flucht. Schon jetzt ist das Leben in Mantua zu einem fast gänzlichen Stillstand gekommen und wird wohl auch noch lange brauchen, bis es wieder zu einem normalen Alltag zurückkehrt. Viele Posten sind ob der Krankheitsfälle verwaist und werden ob der daraus oftmals tragischen Konsequenz von den eigentlichen Inhabern nicht mehr besetzt werden. Auch wenn diese Nachricht traurig ist, so muss man doch ehrlich sagen, dass dies für einige auch Chancen mit sich bringt. Doch noch ist das Leben nicht in die Stadt Mantua zurück gekehrt und unsere Gedanken sollten bei jenen sein, die täglich um Leben kämpfen, das eigene oder das anderer, und bei jenen, deren Kampf bereits vorbei ist und die Angehörige zurück lassen, denen wir auch auf diesem Wege unser tief empfundenes Beileid zum Ausdruck bringen möchten.