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Hochverrat und Kaisermord – Jahrhundertverbrechen aufgeklärt

ANTE DIEM V ID DEC DCCCLXII A.U.C. (9.12.2012/109 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
u den letzten Saturnalien erschütterte die Nachricht über ein Verbrechen von kaum vorstellbaren Ausmaßen unserer Imperium: unser geliebter Kaiser, der Imperator Caesar Augustus Gaius Ulpius Aelianus Valerianus, Sohn des vergöttlichten Iulianus, war einem heimtückischen Giftmord zum Opfer gefallen, ebenso seine Frau Livilla Ulpia Lucilla, und sein Sohn Publius Ulpius Maioranus.
Unruhen und Bürgerkrieg sind seitdem über unser Reich hereingebrochen, und haben die Jagd nach den Schuldigen zu einem schwierigen Unterfangen gemacht. Doch nun sind die Ermittlungen der Cohortes Praetoriae nahezu abgeschlossen. Gardepräfekt Decimus Serapio stand der Acta Rede und Antwort.


Acta: Wer tötete den Kaiser?

Decimus: Eine Gruppe von Verschwörern aus den Reihen des Senates hat diesen Mord begangen. Sie begehrten gegen die Herrschaft Kaiser Valerianus auf, besonders unzufrieden waren sie damit, dass er Vescularius Salinator als Stadtpräfekt und Stellvertreter einsetzte. Darum beschlossen sie, den Kaiser zu töten, und darüber hinaus mit dem Mord an seiner Familie das ulpische Geschlecht vollständig auszulöschen. An seiner statt wollten sie einen aus ihrem Kreis zum Kaiser machen: Cornelius Palma. Er war einer der Rädelsführer. Ausserdem der Pontifex Tiberius Durus, und der Consular Vinicius Lucianus.

Acta: Angesehene Männer aus den höchsten Kreisen. Was bewog sie zu einem solchen Frevel?

Decimus: Es ist ja bekannt, dass der damalige Stadtpräfekt, jetzt Nachfolger Valerianus, Imperator Vescularius Salinator, es sich zur Aufgabe gemacht hat, die ungerechtfertigten Privilegien der alten Eliten zu beschneiden, und die Stellung des einfachen Mannes aus dem Volk zu fördern. Die Verschwörer, allesamt Angehörige der Nobilitas oder Patrizier, fürchteten um ihre herausgehobene Stellung, und fühlten sich in ihrem Standesdünkel verletzt. Bei seiner Vernehmung drückte Vinicius Lucianus das hasserfüllt so aus: "Vescularius ist doch nur ein Bauer aus der Provinz." Machtgier und Furcht vor Machtverlust haben sie alle Skrupel vergessen lassen.

Acta: Wie ist es ihnen gelungen, die kaiserliche Familie trotz der Leibwachen zu töten?

Decimus: Mit Gift. Als Mittelsmann haben die Verschwörer einen Libertus eingesetzt, Ulpianus Venox, der schon früher, und zwar als Palma Statthalter in Syrien war, für diesen gearbeitet hat. Der Libertus hat das Gift einem der Küchensklaven zugesteckt, Berisades, und der wiederum hat es beim Saturnalienfest in der kaiserlichen Landvilla in Misenum an eine Süßspeise getan, die er zubereitet hat. Die kaiserliche Familie legte sich, nichts böses ahnend, zum Mahl. Die Sklaven berichten, dass der junge Maioranus dann als erstes klagte, ihm sei nicht gut, dann verfiel er in Krämpfe und rang verzweifelt nach Luft. Die Medici – der Kaiser hatte ja immer viele Medici um sich – wurden herbeigerufen, aber sie konnten nichts ausrichten. Der Kaiser und seine Frau mußten mitansehen wie ihr einziger Sohn qualvoll starb, kurz darauf erlagen sie selbst dem Gift.

Acta: Trotz dieser Greueltat ging der Plan der Verschwörer nicht auf. Warum?

Decimus: Ich vermute, dass sie nicht damit gerechnet hatten, dass Vescularius so schnell und entschlossen handeln würde. Es war aber so, dass wir Prätorianer der Verschwörung bereits auf der Spur waren. Auch wenn wir damals... leider... noch nicht wußten, welch infame Pläne sie schmiedeten, und wie bald sie losschlagen würden.
Ich selbst war zu dieser Zeit in Antiochia, um die Machenschaften des Tiberius Durus zu verfolgen; er war kurz zuvor dort gewesen, um den Statthalter Veturius Cicurinus ebenfalls zum Hochverrat zu verleiten.
Jedenfalls schlug Vescularius Salinator sofort zurück. Vinicius Lucianus wurde verhaftet und hat gestanden, Tiberius Durus entzog sich der Vergeltung durch den Freitod, viele andere sind geflohen, und auch Cornelius Palma ist, zu meinem größten Bedauern, entkommen. Er floh nach Syrien, und von dort aus hat er, mit Hilfe von Veturius, unser Reich in diesen furchtbaren Bürgerkrieg gestürzt.

Acta: Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Decimus: Der Prozess gegen Vinicius Lucianus steht bevor. Der Libertus wird sich ebenfalls verantworten müssen. Der Küchensklave und die anderen Sklaven der kaiserlichen Landvilla, die es zugelassen haben, dass ihr Herr und seine Familie in ihrer Mitte ermordet wurden, werden nach dem senatus consultum Silanianum gerichtet werden. Was Cornelius Palma angeht – seine Verbrechen spotten ja jeder Beschreibung, dieser Mann hat ausser der kaiserlichen Familie auch die Opfer des Bürgerkrieges auf dem Gewissen. Das kann und darf, und sobald dieser Aufstand niedergeschlagen ist wird das auch nicht, ungesühnt bleiben.