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Heute ist der ANTE DIEM III ID IUL DCCCLXX A.U.C. (13.7.2020/117 n.Chr.)
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ogontiacum lebt

ANTE DIEM XVIII KAL MAI DCCCLXIV A.U.C. (14.4.2014/111 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Germania, Gesellschaftliches
Die Provinz Germania Superior, sonst für allerlei Aufregungen gut, versank während des Bürgerkriegs und danach in eine fast vollkommene Stille. Aulus Normalverbraucher in Mogontiacum hätte das mit Blick auf die Germania Magna ganz sicher anders formuliert: Es ist ruhig geblieben. Und er würde hinzufügen: den Göttern sei Dank. Aber die Stille hatte auch eine andere Seite. Denn es schien, als sei das ferne Roma aus der Welt verschwunden. In der umgekehrten Blickrichtung lag die Vermutung nahe, dass für Roma diese Provinz jenseits der Alpes in Vergessenheit geraten war. Es geschah schlichtweg nichts und die Menge der Nachrichten aus Roma war zu einer vernachlässigbaren Winzigkeit zusammengeschmolzen. Der Bäcker in der Nachbarschaft sah es so: Wenn die Barbaren in dieser Zeit die Provinz geklaut hätten, wäre das keinem Dödel in Roma aufgefallen.

Doch dann, fast ein Jahr war vergangen, taten sich ganz seltsame Dinge. Ganz unauffällig war die Ala Numidia aus dem Krieg zurückgekehrt und hatte sich in ihrem Kastell in Confluentes wieder eingenistet. Und ebenso unauffällig war die Legio II wieder in ihr Castellum zurückgekehrt. Noch weitaus unauffälliger erschien dann auch plötzlich der neue Legatus Augusti M. Vinicius Hungaricus in der Regia. All diese geisterhaften Manöver waren, wie eingeweihte Kreise aus der Regia bestätigten, völlig ohne Vorankündigungen aus Roma abgelaufen. Von denselben Kreisen war auch zu erfahren, dass der prominente Personenkreis wegen einer panischen Scheu vor Festlichkeiten und Laudationes einen derart geräuschlosen Einzug in Mogontiacum gesucht hatte. Ein Umstand, der bei den Mogontinern nur mitleidiges Kopfschütteln hervorrief.

Doch dann schnappte die Falle zu. Der Tabellarius des Cursus Publicus, der neuerdings der Poesie verfallen ist, würde es so formulieren: Der Mensch will denken, doch die Götter lenken. Es kam nämlich die Nachricht aus Roma, dass Kaiser Cornelius Palma der Stadt die Rechte eines Municipiums verliehen und damit den heißesten Wunsch der Mogontiner erfüllt hätte. Nun war kein Halten mehr. Die angestaute Feierlust der Mogontiner brach sich mit Wucht eine Bahn und der Legatus Augusti musste sich beim Opfer an Jupiter und bei der Enthüllung der Lex Municipalis nolens volens dem Volk zeigen. Nicht so der Legatus Legionis, der in seinem Castellum verschanzt blieb und den Centurio Helvetius Corvinus vorschickte, der dann allerdings mit seinen Legionären eine fabelhafte Parade hinlegte.

Noch ein Wort zur Lex Municipii Cornelii Mogontiacensis, die von nun an die Geschicke Mogontiacums in geordneten Bahnen halten soll. Nichts ist so holprig wie ein großes Gesetzgebungsvorhaben. Mag sein, dass die Decuriones in Mogontiacum das vielleicht geahnt haben, als sie frohgemut daran gingen, den Gesetzentwurf zu erschaffen. Sie haben sich aber nicht darum geschert, sonst hätten sie es vielleicht doch lieber sein lassen. Denn viele wilde Redeschlachten später, in denen Traditionalisten und Neuerer sich bis aufs Messer bekämpften, haben sie dann, in tiefer Erschöpfung den Gesetzentwurf müde mit den Händen durchgewedelt. Der Kaiser hat das Werk dann ohne Änderungen in Kraft gesetzt. Die mogontinischen Decuriones dürfen sich jetzt stolz auf die Schultern klopfen. Bei einem Festessen in der Curia.

De Gentibus Familiisque Imperii I - Die von Tertius Decius abstammenden Albii

ANTE DIEM VIII ID IAN DCCCLXIV A.U.C. (6.1.2014/111 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
DE GENTIBUS FAMILIISQUE IMPERII


m unseren geschätzten Lesern und Zuhörern die Beschaffenheit unseres glorreichen und alten Reichs nahe zu bringen, hat sich die Redaktion der Acta Diurna entschieden eine neue Kolumne zu beginnen. Eine Kolumne über die verschiedensten Gentes und Familien, die das Reich bevölkern. Natürlich wird es eine Weile dauern bis eine adäquate Zahl an Darstellungen zusammengekommen ist, aber wie sagte der große Ovidius noch? Differ, habent parvae commoda magna morae!
Die folgenden Darstellungen werden sich auf die Familien und Stammesstrukturen als solches begrenzen und die Mitglieder der Familie herausstreichen, deren Wirken über die Grenzen ihrer Heimat hinaus bekannt wurde. Die Auswahl der Familien und Stämme wird dem Zufallsprinzip entsprechend erfolgen und sich mit der Zeit erweitern.

Und nun viel Spaß beim Lesen!

- PARS I -
DE FAMILIA TERTII DECII


Die erste Folge unserer Kolumne handelt von den Abkömmlingen des Tertius Decius, eines aus Hispania stammenden Mannes. Was dieser Mann für sein Lebtag tat, und womit er letztlich seine Familie ernährte, ist nicht überliefert, allerdings wird er als Vater der Brüder Marcus Decius und Crassus Palladius geführt. Marcus Decius schloss sich den Auxiliaren unserer Truppen an, um sich das so begehrte Bürgerrecht zu verdienen, schied allerdings zu früh wegen einer Verletzung aus und verlegte sich später auf das Züchten von Pferden. Marcus Decius heiratete eine aus Italia stammende Frau namens Claudia Irina, die einem kleineren plebeischen Zweig der Gens der Claudii zugerechnet werden kann. Über den zweiten Sohn des Tertius Decius, Crassus Palladius, ist kaum mehr bekannt, als dass er mit einer Quinta von den Honorii zwei Söhne zeugte: Decimus Palladius und Publius Valens.

Claudia Irina gebar ihrem Mann Marcus Decius zwei Söhne: Lucius Albius Decius und Tiberius Albius Drusus, zu welchen auch noch ein germanischer Junge namens Severus Scaevola kam, als dieser von Marcus Decius aufgenommen und adoptiert wurde. Während der jüngere der beiden leiblichen Söhne aus unbekannter Ursache in jungen Jahren starb, brachte dessen älterer Bruder Lucius Decius es bei den Auxiliaren in Confluentes zum Decurio, der sich bei der Bekämpfung der Banditenplage in Borbetomagus hervortat und ausgezeichnet wurde. Er verstarb wenig später an ungeklärter Ursache, wohl an einer nicht festernden Wunde aus dem Feldzug. Sein jüngerer Adoptivbruder brachte es in derselben Einheit immerhin zum Duplicarius, verschwand aber nach wenigen Jahren im Dienst spurlos im Dickicht Germanias.

Die Söhne des Crassus Paladius, die ebenfalls das Bürgerrecht erlangten, sind weitaus schneller zusammengefasst: Decimus Palladius scheiterte an der Ausbildung zum Eques der Ala II Numidia, in welcher auch seine Vettern ihren Dienst versahen, und verschwand ebenfalls in Germania. Sein Bruder Publius Decius Valens verstarb bereits in jungen Jahren.

Dies ist alles, das man von der doch eher kleinen Gens der Albii berichten kann, da noch keine andere ihrer Familiae größere Aufmerksamkeit erregte. Bleibt uns erhalten, werte Leser, beim nächsten Mal erzählen wir von den Geschicken der Gens Quintilia!

Schläger zerlegen Taverna - Cohortes unauffindbar

ANTE DIEM XIV KAL DEC DCCCLXIII A.U.C. (18.11.2013/110 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
ass es in zünftiger Runde mal etwas derber zugeht, hat wohl jeder einmal erlebt, der die vielen Tavernen und Schankstuben im Imperium mehr als einmal aufgesucht hat. Dass dabei auch gerne die Gemüter überkochen und Mobiliar zu Bruch geht - ja, auch das dürfte man erlebt haben, wenn man sein Leben bisher nicht in einer stillen Kemenate oder im goldenen Käfig verbracht hat.
Doch was zuletzt in Roms beliebtester Schankstube, der Taverna Apicia, ablief, würde wohl selbst dem ältesten Zecherveteran die Tränen in die Augen treiben. Bzw.: die Fäuste. Die Taverna, die schon deutlich schlimmere, aber auch bessere Tage gesehen hat, wurde Schauplatz einer Kneipenschlägerei, die alsbald den kompletten Schankraum in Mitleidenschaft zog. Nach unseren Informationen entfachte sich der Tumult an einem Konflikt zwischen einem Veteranen der zu der Zeit noch in Rom weilenden Nordlegionen und einem unbekannten Spross höherer Kreise. Das was danach geschah ist nur unter dem Begriff absolutes Chaos zusammenzufassen. Angaben von Augenzeugen zufolge waren teilweise mehr als 50 (in Worten: fünfzig) Männer an der Schlägerei beteiligt. Dabei kam es nicht nur zu einem Sachschaden, der vom Inhaber der Taverna als "weit in die Hunderte gehend" beziffert wird, es gab auch manigfaltige Verletzungen, wobei blaue Augen noch zu den leichtesten gehörten.

Soweit, so gut. Skandalös war allerdings das vollkommene Fehlen von Polizeikräften während der doch geraume Zeit um sich greifenden Schlägerei. Nicht ein Angehöriger der Cohortes Urbanae zeigte sich, nicht einmal ein Vigil war am betreffenden Abend aufgetaucht (obwohl böse Zungen behaupten, dass einige Teilnehmer der Schlägerei Vigiles angehörten). Es stellt sich die Frage, was die Urbaner veranlasste, die Taverna zu meiden.

Hochverrat und Kaisermord – Jahrhundertverbrechen aufgeklärt

ANTE DIEM V ID DEC DCCCLXII A.U.C. (9.12.2012/109 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
u den letzten Saturnalien erschütterte die Nachricht über ein Verbrechen von kaum vorstellbaren Ausmaßen unserer Imperium: unser geliebter Kaiser, der Imperator Caesar Augustus Gaius Ulpius Aelianus Valerianus, Sohn des vergöttlichten Iulianus, war einem heimtückischen Giftmord zum Opfer gefallen, ebenso seine Frau Livilla Ulpia Lucilla, und sein Sohn Publius Ulpius Maioranus.
Unruhen und Bürgerkrieg sind seitdem über unser Reich hereingebrochen, und haben die Jagd nach den Schuldigen zu einem schwierigen Unterfangen gemacht. Doch nun sind die Ermittlungen der Cohortes Praetoriae nahezu abgeschlossen. Gardepräfekt Decimus Serapio stand der Acta Rede und Antwort.


Acta: Wer tötete den Kaiser?

Decimus: Eine Gruppe von Verschwörern aus den Reihen des Senates hat diesen Mord begangen. Sie begehrten gegen die Herrschaft Kaiser Valerianus auf, besonders unzufrieden waren sie damit, dass er Vescularius Salinator als Stadtpräfekt und Stellvertreter einsetzte. Darum beschlossen sie, den Kaiser zu töten, und darüber hinaus mit dem Mord an seiner Familie das ulpische Geschlecht vollständig auszulöschen. An seiner statt wollten sie einen aus ihrem Kreis zum Kaiser machen: Cornelius Palma. Er war einer der Rädelsführer. Ausserdem der Pontifex Tiberius Durus, und der Consular Vinicius Lucianus.

Acta: Angesehene Männer aus den höchsten Kreisen. Was bewog sie zu einem solchen Frevel?

Decimus: Es ist ja bekannt, dass der damalige Stadtpräfekt, jetzt Nachfolger Valerianus, Imperator Vescularius Salinator, es sich zur Aufgabe gemacht hat, die ungerechtfertigten Privilegien der alten Eliten zu beschneiden, und die Stellung des einfachen Mannes aus dem Volk zu fördern. Die Verschwörer, allesamt Angehörige der Nobilitas oder Patrizier, fürchteten um ihre herausgehobene Stellung, und fühlten sich in ihrem Standesdünkel verletzt. Bei seiner Vernehmung drückte Vinicius Lucianus das hasserfüllt so aus: "Vescularius ist doch nur ein Bauer aus der Provinz." Machtgier und Furcht vor Machtverlust haben sie alle Skrupel vergessen lassen.

Acta: Wie ist es ihnen gelungen, die kaiserliche Familie trotz der Leibwachen zu töten?

Decimus: Mit Gift. Als Mittelsmann haben die Verschwörer einen Libertus eingesetzt, Ulpianus Venox, der schon früher, und zwar als Palma Statthalter in Syrien war, für diesen gearbeitet hat. Der Libertus hat das Gift einem der Küchensklaven zugesteckt, Berisades, und der wiederum hat es beim Saturnalienfest in der kaiserlichen Landvilla in Misenum an eine Süßspeise getan, die er zubereitet hat. Die kaiserliche Familie legte sich, nichts böses ahnend, zum Mahl. Die Sklaven berichten, dass der junge Maioranus dann als erstes klagte, ihm sei nicht gut, dann verfiel er in Krämpfe und rang verzweifelt nach Luft. Die Medici – der Kaiser hatte ja immer viele Medici um sich – wurden herbeigerufen, aber sie konnten nichts ausrichten. Der Kaiser und seine Frau mußten mitansehen wie ihr einziger Sohn qualvoll starb, kurz darauf erlagen sie selbst dem Gift.

Acta: Trotz dieser Greueltat ging der Plan der Verschwörer nicht auf. Warum?

Decimus: Ich vermute, dass sie nicht damit gerechnet hatten, dass Vescularius so schnell und entschlossen handeln würde. Es war aber so, dass wir Prätorianer der Verschwörung bereits auf der Spur waren. Auch wenn wir damals... leider... noch nicht wußten, welch infame Pläne sie schmiedeten, und wie bald sie losschlagen würden.
Ich selbst war zu dieser Zeit in Antiochia, um die Machenschaften des Tiberius Durus zu verfolgen; er war kurz zuvor dort gewesen, um den Statthalter Veturius Cicurinus ebenfalls zum Hochverrat zu verleiten.
Jedenfalls schlug Vescularius Salinator sofort zurück. Vinicius Lucianus wurde verhaftet und hat gestanden, Tiberius Durus entzog sich der Vergeltung durch den Freitod, viele andere sind geflohen, und auch Cornelius Palma ist, zu meinem größten Bedauern, entkommen. Er floh nach Syrien, und von dort aus hat er, mit Hilfe von Veturius, unser Reich in diesen furchtbaren Bürgerkrieg gestürzt.

Acta: Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Decimus: Der Prozess gegen Vinicius Lucianus steht bevor. Der Libertus wird sich ebenfalls verantworten müssen. Der Küchensklave und die anderen Sklaven der kaiserlichen Landvilla, die es zugelassen haben, dass ihr Herr und seine Familie in ihrer Mitte ermordet wurden, werden nach dem senatus consultum Silanianum gerichtet werden. Was Cornelius Palma angeht – seine Verbrechen spotten ja jeder Beschreibung, dieser Mann hat ausser der kaiserlichen Familie auch die Opfer des Bürgerkrieges auf dem Gewissen. Das kann und darf, und sobald dieser Aufstand niedergeschlagen ist wird das auch nicht, ungesühnt bleiben.

Der Senat hat gewählt

ANTE DIEM VI ID SEP DCCCLXII A.U.C. (8.9.2012/109 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
chon wieder ist ein Jahr verstrichen, und der Senat hat über die Ämterbesetzung entschieden. Ein müßiger Zeitvertreib, mag so mancher sagen, wenn man bedenkt, dass es doch viel dringlichere Angelegenheiten geben sollte, um die sich nicht zuletzt unser Imperator zu kümmern hat, angefangen bei der sich immer weiter verschärfenden Situation auf den Märkten bis hin zu den aufständischen Provinzen, die Rom ihre Steuereinnahmen verweigern, ganz zu schweigen von den ganzen, netten Kleinigkeiten, die unser aller Leben so angenehm machen.
Vor allem die Getreideknappheit führt mittlerweile dazu, dass unsere guten Stadtwachen schon mehr Jagd auf unzufriedene Schmierfinken machen muss als auf Diebe. (Was auch nicht weiter verwunderlich ist, ist auf den Märkten doch kaum etwas zu stehlen mehr vorhanden.) Auch liest man hier und dort immer wieder Kritik über unseren hochverehrten Kaiser. Etwas, das sicher auch zu allen anderen Zeiten vorkommen würde, was aber angesichts der Gesamtsituation doch Grund zur Sorge gibt.

Wenig verwunderlich also, dass die momentane Stimmung in der Stadt bestenfalls mit 'vorsichtig' umschrieben werden kann. Die meisten Mitbürger scheinen die traute Sicherheit ihres Heims den öffentlichen Plätzen vorzuziehen, selbst große Veranstaltungen durch geehrte Societates oder rar stattfindende Spiele von privaten Editoren ziehen dieser Tage kaum Zuschauer mehr an. Wenn nicht einmal solch eigentlich erbauliche Ablenkung dafür sorgen kann, dass die Menschen ihre Sorgen vergessen, scheint die Situation wirklich ernst zu sein.
Und ebenso wenig ist so verwunderlich, dass sich kaum Kandidaten finden, die sich diesen schwierigen Zeiten stellen wollen und dem Konsul ihre Kandidatur erklären. Waren es bei der letzten Wahl schon ausschließlich Männer, auf deren Arbeit unser Kaiser Vescularius sich in vergangenen Zeiten schon verlassen konnte und die er vielfach selbst in seiner Zeit als Praefectus Urbi dem Senat als Wunschkandidaten seines Vorgängers vorgetragen hat, war es bei der diesjährigen Wahl nur wenig anders.
Wie immer wurde den Wünschen des Kaisers entsprochen, so er für einen Kandidaten seine Stimme erhoben hatte, so dass es wenig Überraschungen gab, was die eigentliche Besetzung der Magistrate anging. Lediglich bei zwei Kandidaten kam so etwas wie Verwunderung auf.

Quintus Germanicus Sedulus, langjähriger Curator operum publicorum, wollte es wohl noch einmal wissen und hatte sich für die Wahl zum Ädil aufstellen lassen. Allerdings hat er bei seiner Vorstellungsrede lediglich seinen Rückzug erklärt, was so manches Gerücht aufkommen hatte lassen, ob dies nun gesundheitliche oder doch eher politische Gründe haben mochte. So mancher der Anwesenden behauptete, der Gemanicer hätte einen schwerkranken Eindruck gemacht, der ernste Zweifel an seinem längerfristigen Überleben aufkeimen ließ. Allerdings waren solche Gerüchte wohl maßlos übertrieben, der Senator weilt noch unter uns und wird auch weiterhin sein bisheriges Amt ausüben.

Die zweite Überraschung war die Kandidatur von Marcus Iulius Proximus. War der Mann vor wenigen Monaten erst noch zum Tribun gemacht worden, so wagte der sonst in höchster Gunst des Kaisers stehende Iulier jetzt schon den Schritt zur Quästur. Nur scheint er diesmal das Glück nicht auf seiner Seite gehabt zu haben. Während er die Wahl zum Vigintivir mit 53% der Stimmen knapp für sich entscheiden konnte, konnte er nun nur etwa ein Viertel der Senatoren von sich überzeugen.
Man kann darüber spekulieren, woran dies nun gelegen haben mochte. Daran, dass der Mann nicht das volle Jahr im Tribunat abgeleistet hatte, das eigentlich für plebejische Männer als Zugangsvoraussetzung bestimmt ist? Oder aber es war doch vielleicht eine versteckte Kritik der versammelten Senatoren an der bislang zurückhaltenden Art des Kaisers, etwas gegen die jetzige Situation zu unternehmen und die Probleme der Stadt zu lösen, die sich nun gegen seinen Günstling gerichtet hat?

OMS FLUCH

ANTE DIEM IX KAL SEP DCCCLXII A.U.C. (24.8.2012/109 n.Chr.)
Rubriken: Leserbriefe, Gesellschaftliches, Politisches
   
Wohin, wohin stürmt, Frevler ihr? Was greift aufs neu
die Hand zum grad geborgnen Schwert?
Floß auf den Feldern und in Neptuns Reich bisher
noch nicht genug Latinerblut,
nicht daß Karthago, der Rivalin, stolze Burg
durch Rom in Schutt und Asche sank,
nicht daß der unbesiegte Brite kettenschwer
hinab die Heil'ge Straße zieh,
nein, daß - ganz nach dem Wunsch der Parther - diese Stadt
zugrunde geh durch eigne Hand?

Nie kannten Wölfe, kannten Löwen solchen Brauch,
sind wild nur gegen fremde Art!
Reißt blinder Wahn euch, höhere Gewalt dahin?
Ist's Sündenschuld? Gebt Antwort mir!
Sie schweigen, fahle Blässe deckt ihr Angesicht,
und vor Entsetzen stockt ihr Herz.
So ist's: ein herbes Schicksal hetzt das Römervolk,
der alte Greuel des Brudermords,
seitdem zur Erde unverschuldet niederfloß,
zum Fluch den Enkeln, Remus Blut.

Horaz


An alle Bürger des Imperium

ANTE DIEM XIV KAL MAR DCCCLXII A.U.C. (17.2.2012/109 n.Chr.)
Rubriken: Politisches, Gesellschaftliches
   
IN NOMINE IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI
PROSCRIPTIO PRAEFECTI URBI


Hiermit erkläre ich folgende Personen zu Staatsfeinden. Jeder Mann hat das Recht, diese Personen straflos zu töten! Ihr gesamter Besitz wird zu Staatseigentum erklärt! Für die Ergreifung der Personen tot oder lebendig wird eine Belohnung von jeweils 2000 Sesterzen ausgesetzt! Hinweise, die zur Ergreifung der Staatsfeinde führen, werden mit einer Belohnung von 1000 Sesterzen vergütet!

Sextus Aurelius Lupus
Appius Cornelius Palma
Manius Flavius Gracchus




An die Bürger von Rom

ANTE DIEM VIII KAL FEB DCCCLXII A.U.C. (25.1.2012/109 n.Chr.)
Rubriken: Politisches, Militärisches, Gesellschaftliches, Leserbriefe
   
Bürger von Rom!

Ich muss euch verkünden, dass unser allseits geliebter Imperator Caesar Augustus Gaius Ulpius Aelianus Valerianus leider vor wenigen Tagen in Misenum verstorben ist. Wie es sich herausstellte, wurde er von gedungenen Mördern hinterlistig vergiftet. Diese Männer versuchten damit, Rom ins Chaos zu stürzen und eine Tyrannis gegen das Recht aufzurichten! Angesichts dieser Bedrohung war und ist es meine Pflicht als Stellvertreter und Freund des Kaisers, die Hintermänner dieser schändlichen Tat zu finden und zu bestrafen! Die Pläne dieser Verbrecher zu durchkreuzen war der einzige Grund, warum ich eine Ausgangssperre verhängt habe. Nur so konnte ich verhindern, dass diese Verschwörer ihre Spießgesellen versammeln und mit Gewalt die Macht an sich reißen konnten!

Tatsächlich konnten die tapferen Cohortes Urbanae, verbunden mit den Cohortes Praetoriae, diesen Aufstand mit der Hilfe der Götter vereiteln und erste Verdächtige verhaften, während andere feige geflohen sind oder sich durch Selbstmord der Verantwortung für ihre hochverräterische Tat entzogen haben. Es besteht also vorerst keine Gefahr mehr in Rom selbst! Zur Bekräftigung, dass Rom sich nicht von Verrätern spalten lässt, wird es aber in Kürze ein großes Opfer an Concordia geben, verbunden mit einer Prozession, zu der alle aufrechten Römer eingeladen sind. Außerdem hat der Senat sich der Organisation der Überführung und Beisetzung unseres geliebten Valerianus angenommen, sodass ihr alle bald von Eurem geliebten Staatsoberhaupt Abschied nehmen könnt!

Um zu verhindern, dass die geflohenen Verschwörer sich mit Räuberbanden aus dem Hinterland verbünden und noch einmal versuchen, Rom anzugreifen, bleiben die Sicherheitsmaßnahmen vorerst inkraft! Ich erwarte von jedem aufrechten Römer, dass er seine Pflicht tut und mir hilft, den Hochverrat dieser Verschwörer aufzudecken und zu bestrafen, indem er verdächtige Geschehnisse meldet und sich auf die Seite des Rechts stellt!

Potitus Vescularius Salinator


Senatswahlen

ANTE DIEM III KAL DEC DCCCLXI A.U.C. (29.11.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
aum zu glauben, aber erneut neigt sich ein Jahr dem Ende zu und erneut hat der Senat über die Magistraturen zum nächsten Jahr abgestimmt. Und dieses Jahr gab es einige wirklich große Überraschungen.

Doch zunächst zu den Dingen, die wie gehabt vonstatten gegangen sind: Wie schon in den letzten Jahren hat der Praefectus Urbi eine recht umfangreiche Liste mit zu besetzenden Posten im Namen des Kaisers übermittelt und auch dieses Jahr sind viele aus den östlichen Provinzen stammende junge Männer besondere Nutznießer der kaiserlichen Gunst.
So kam Tiberius Ostorius Remmianus aus der Provinz Dalmatia in den Genuss, den Cursus Honorum zu beschreiten. Im folgenden Jahr soll er uns als Triumvir Monetalis dienen. Noch ein wenig weiter aus dem Osten, genauer gesagt von der Nordgrenze Moesia Superiors von den tapferen Männern der Legio XIV Flavia wird der bisherige Tribunus Angusticlavus Cnaeus Renius Caecus von der Ritterlaufbahn in die senatorische wechseln. Er wurde auf den Posten eines Decemvir litibus iudicandis berufen und wird sich demnach demnächst weniger mit der taktischen Verteidigung der Grenzen als vielmehr der taktischen Verteilung von Erbangelegenheiten befassen.
Ebenfalls neu ist Quintus Apronius Lupercus, bislang Procurator Rationis Privatae in Pannonia. Dieser wechselt ebenso von der ritterlichen Laufbahn gleich auf die zweite Stufe der senatorischen Ämterlaufbahn und wird als Quaestor Urbanus über die Wirtschaftsadern Roms wachen. Damit wurde dieser Posten schon zum zweiten Mal direkt vergeben, beide Male an einen Mann aus den östlichen Provinzen, war es im letzten Jahr doch Publius Ventidius Achelos, Edler aus der Polis Zeugma.
Der Bruder besagten Ventidius', namentlich Quintus Ventidius Achelos, wurde dieses Mal auch wieder bedacht. Nach einem Jahr Pause zu seinem letzten Amt als Decemvir litibus iudicandis hat jener dieses Jahr die Ehre, dem Kaiser und seinem Statthalter in Rom als Quaestor Principis direkt zu dienen.
Und auch die beiden Männer, die damals mit Ventidius ebenfalls in den Cursus Honorum eingetreten sind als candidati principis (wir berichteten) dürfen sich weiterhin in der Gunst unseres Herrschers sonnen. Senatorensohn Marcus Tiburtius Rebilus wird als Quaestor Provincialis nach Asia entsandt, während Marcus Cocceius Alexander, Edler aus der Polis Epidaurum, unseren Consuln als Quaestor mit Rat und Tat zur Seite stehen soll.

Doch auch einige Senatoren wurden als Magistrate berufen. So wurde das Amt des Aedilis Plebis direkt an Quintus Scaevius Camerinus vergeben. Die Acta berichtete ja schon über den beispiellosen Aufstieg des Sohnes des Praefectus Vigilium vom Tresvir Capitalis über den Quastor Provincialis Asiae bis hin zum Senator, der nun mit dem Ädilat wohl weitergeht. So dürfen wir uns hoffentlich auf geregelte Märkte und fröhliche Spiele im kommenden Jahr freuen.
Auch Caius Gavius Apicius, über den wir schon mehrfach berichten durften, wurde wieder bedacht und wird nächstes Jahr das Amt des Volkstribunen wahrnehmen. Das höchste Amt dieses Jahr aber erhält der ebenfalls schon vielfach in der Gunst des Kaisers gestandene Titus Cestius Gallus. Der Mann, der direkt als Quästor Urbanus vor einigen Jahren in die senatorische Ämterlaufbahn befördert wurde, dann direkt zum Senator und im selben Zug zum Tribunus Plebis aufstieg, wird im kommenden Jahr als Prätor Urbanus über die Rechtsgeschäfte wachen.


Soweit, so gut. Im Vergleich zu den letzten Jahren keine große Überraschung. Die behielten sich die Senatoren wohl für die Consulatswahl vor, wo Marcus Vinicius Lucianus und Publius Matinius Agrippa sich um ein gemeinsames Consulat bewarben. Beide Männer im fortgeschrittenen Alter, beide Männer schon gewesene Consule. Und offenbar wollten die beiden es noch einmal wissen, aber so richtig.
Offensichtlich setzte das Gespann einzig und allein auf ihre Reden im Senat, da sie im Vorfeld kaum von sich reden gemacht hatten. Nicht einmal eine kleine Wandschmiererei zeugte von irgendwelchen Zuneigungsbekundungen einer der zahlreichen Fraktionen und Gewerbe Roms, keine Spiele oder Brotspenden wurden im Vorfeld veranstaltet, um sich die Gunst des Volkes zu sichern. Und auch sonst verhielten sich die beiden Consulare im Vorfeld sehr ruhig. Selbst noch bei ihren anfänglichen Reden, die im Grunde nur ihren Namen und den Wunsch, als Consul zu kandidieren beinhalteten. Eine kürzere Rede hatte vermutlich nur seinerzeit Marcus Aurelius Corvinus zu beginn seiner Ämterlaufbahn als Vigintivir gehalten – was damals auch gleich zu einem entsprechenden Kommentar geführt hatte. Was man einem jungen Mann zu Beginn seiner politischen Karriere verzeihen mag, mutet aber bei Consularen etwas seltsam an.
Nach weiteren Nachfragen allerdings äußerte sich Consular Matinius doch noch einmal ausführlicher zu den Zielen seines angestrebten Consulats – nämlich dieselben Dinge, die er bereits mehrfach in den Senat eingebracht hatte: Steuerfreiheit für Senatoren, gepaart mit einer Aufhebung der Handelsbeschränkungen für selbe – zwei Dinge, bei denen sich unsere Leser wohl zu Recht fragen, ob der geehrte Consular wohl den Ritterstand entmachten und ihm nur die gesamte Steuerlast des Reiches aufbürden möchte. Dazu noch die Herabsenkung der Entscheidungsgrenze von derzeit 60% auf 51%, was ebenfalls schon mehrfach eingebracht worden war – und abgelehnt wurde.
Diese Punkte stießen wohl bei seinen Mitsenatoren auf sehr wenig Gegenliebe. Den beständigen Entscheidungen über diese Fragen wohl müde bedachten sie den Matinius mit einem niederschmetternden Ergebnis von gerade einmal 17,39% der Stimmen. Noch nie hatte ein Consul so wenig Stimmen auf sich vereinen können, vor allem nicht, wenn er nicht gegen einen bekannten anderen antrat und damit konkurrierte, sondern an seiner Seite antrat. Ein ähnlich niedriges Ergebnis in offener Wahl erzielten zuletzt Gaius Cornelius Decius und Titus Sergius Glaucia ANTE DIEM XI KAL IUN DCCCLV A.U.C. (22.5.2005/102 n.Chr.) mit 16,95% bei ihrer Wahl um die Quaestur.

Sein Mitbewerber Marcus Vinicius Lucianus konnte da einige Stimmen mehr auf sich vereinen, wenngleich mit 47,83% nicht genug für das höchste Amt des Cursus Honorum. Vielleicht lag es auch hier an der äußerst knapp bemessenen Hauptrede, oder aber an der dafür umso heftiger folgenden Rede, die man schon beinahe als Hetze bezeichnen mochte. So stellte sich der Vinicier ganz offen gegen den Praefectus Urbi, bezeichnete den Senat gar als Marionette des Statthalters, der schon lange keine Entscheidung mehr ohne dessen Erlaubnis gefällt habe. Überraschend war da schon die Einlassung des Vescularius, der diesen direkten Angriff nicht sofort streng bestrafte und Vinicius Lucianus dennoch zur Wahl zuließ. Und dafür, dass der Vinicier mit solchen Äußerungen nahe am Rand des Hochverrats entlangbalancierte, war das Ergebnis doch überraschend hoch. Ein Umstand, der dem Praefectus Urbi wohl zu denken geben dürfte.


Senat hat gewählt

ANTE DIEM IV NON SEP DCCCLXI A.U.C. (2.9.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
nd erneut ist ein weiteres Jahr vergangen, so dass der Senat wieder über die zu besetzenden Posten innerhalb des Cursus Honorum abgestimmt hat. Und auch dieses Jahr wurde vom Recht des Kaisers, Candidati Principis zu benennen, reichlich Gebrauch gemacht.

So begrüßen wir zunächst zwei neue Senatoren im Plenum der Curia Iulia. Caius Gavius Apicius ist einer der Glücklichen. Im letzten Jahr erst wurde der Mann in den Ordo senatorius erhoben und zum Quästor der Provinz Pannonia Superior ernannt. Eine Stellung, die seinen Vater Marcus Gavius Apicius, den ehemaligen Procurator Illyriens, mit Stolz erfüllen dürfte, ebenso wie dessen jetzige Berufung in den Senat.
Der andere Glückliche ist der ebenfalls letztjährige Quästor der Provinz Asia, Quintus Scaevius Camerinus. Der Sohn des Praefectum Vigilium wurde vor zwei Jahren in den Ordo senatorius erhoben und leistete erst seine Arbeit als Tresvir Capitalis. Ohne die sonst übliche Pause zwischen den Ämtern überzeugte er wohl im letzten Jahr bei seiner Arbeit als Quästor, so dass ihm nun gleich der weitere Weg in den Senat geebnet wurde.

Doch auch einige Ämter wurden so neu besetzt. Wie bereits in den Jahren zuvor wurden einige Quästuren direkt auf Wunsch des Imperators vergeben. Hierbei dürfen wir zunächst einmal Lucius Domitius Scordiscus, den Sohn des Fürsten der Skordisker, zu seinem neuen Posten als Quaestor Provincialis für die Provinz Asia beglückwünschen. Wiewohl er kein gebürtiger Römer sein mag, so hat seine Arbeit als Quattuorvir urbis purgandis vor zwei Jahren den Kaiser wohl davon überzeugt, dass er auch zu höherem berufen ist. Sollte er seine Quästur ähnlich erfolgreich hinter sich bringen, dürfen wir ihn wohl in Kürze auch in den Reihen des Senats begrüßen.
Ebenso Publius Ventidius Achelos, der im kommenden Jahr als Quaestor Urbanus direkt in Rom tätig sein wird. Die Ventidier scheinen hierbei besonders im Vertrauen des Kaisers zu stehen. Publius Ventidius Achelos wurde vor zwei Jahren noch zum Quattuorvir urbis purgandis als Candidatus Principis ernannt, sein Bruder Quintus Ventidius Achelos ist im noch laufenden Amtsjahr als Decemvir litibus iudicandis tätig. Somit sind es gleich zwei Männer aus der Polis Zeugma, die hier dem Cursus Honorum folgen können.
Als dritten Wunschkandidaten beglückwünschen wir Publius Neratius Victor zu seiner direkten Ernennung als Quaestor Consulum. Der Sohn des Praefectus Alae I Ulpiae Miliariae wurde noch vor 2 Jahren in den Ordo Senatorius aufgenommen und zum Tresvir Capitalis ernannt.

Soweit noch nicht viel anders als in den Jahren zuvor und damit nicht weiter verwunderlich. Doch dieses Jahr verkündete der Praefectus Urbi dem Senat überraschenderweise auch die Besetzung höherer Ämter auf Wunsch des Kaisers.
So setzt Tiberius Erucius Vorenus seinen Höhenflug durch die Ämter mittels Direkteinsetzung durch den Kaiser weiter fort. Der Sohn des ehrenwerten Senators Caius Erucius Vorenus, der bereits seine Erhebungen zum Vigintivir, Tribun, Quästor und letztes Jahr schließlich zum Senator der direkten Benennung als Candidatus Principis zu verdanken hatte, wird im kommenden Jahr als Aedilis Plebis seine Arbeit tun. Mit Ausnahme des Tribunus Plebis wurde ein solch hohes Amt zuletzt immer durch die Senatoren gewählt. Und wiewohl Tiberius Erucius Vorenus als Sohn eines Senators kein Homo Novus ist, ist dieser Schritt des Kaisers doch ungewöhnlich.
Doch auch eine Prätur und ein Consulat wurden direkt vergeben. Das erstaunliche hierbei ist, dass die beiden Ämter hierbei durch Vater und Sohn besetzt werden. So ist im nächsten Jahr der ehemalige Iuridiculus der Provinz Illyricum Lucius Vipstanus Sermo einer der beiden Consuln, während sein Sohn Lucius Vipstanus Maecilianus Sermo im nächsten Jahr Prätor Urbanus sein wird. Letzterem wurde vor zwei Jahren die Ehre zuteil, direkt durch den Kaiser zum Tribunus Plebis ernannt zu werden, und das ohne zuvor von sich außerordentlich reden gemacht zu haben.

Im Bereich der restlichen, vom Senat gewählten Ämter wollen wir zuletzt noch ein paar Zeilen über Quintus Flavius Flaccus berichten, der mit 68,75% der Stimmen ein solides Ergebnis erzielen konnte. Als Spross aus flavischem Hause setzten die Senatoren ihr Vertrauen wohl in den Patrizier, der bis dahin weder durch Werbung noch durch große öffentliche Auftritte auf sich aufmerksam gemacht hat. Wenngleich das Wahlverhalten der Senatoren von Beobachtern als sehr zurückhaltend beschrieben wurde, was wohl auf die recht umfangreiche Liste an Candidati Principis, die im Vorfeld der Wahl verlesen wurde, zurückführbar sein könnte, oder auf die sommerlichen Temperaturen, die einigen der Wahlberechtigten wohl doch zusetzen.
Der Flavier wird zwar nicht sein Wunschamt als Tresvir aere argento auro flando feriundo erhalten, dem römischen Volk dafür aber als Decemvir litibus iucandis dienen.

In wenigen Wochen dürfen wir also die neuen Magistrate dann auch offiziell zu ihren Ämtern beglückwünschen, wenn das Amtsjahr vorübergeht und sie öffentlich auf ihre neuen Ämter vereidigt werden.

Von der einen in die andere Tasche

ANTE DIEM VI KAL IUN DCCCLXI A.U.C. (27.5.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
Kaum ein Gesetz wurde in letzter Zeit derartig knapp entschieden wie der neueste Beschluss des Senates über die Besteuerung der Acta. Mit nicht ganz 55% der Stimmen verfehlte der Vorstoß zweier Senatoren nur knapp die nötige Marke von 60% zur Durchsetzung eines Decretums und wurde somit nicht vorgenommen.

Doch wollen wir einmal näher beleuchten, was dieses Dekret im Endeffekt wirklich bedeutet hätte.
Auch wenn die Acta ein beträchtliches Vermögen verwaltet, muss man sich folgende Dinge vor Augen halten: Die Acta ist eine staatliche Einrichtung, keine private. Ebenso wie der Cursus Publicus oder die Tempelanlagen, wie jede Stadtkasse in jeder Provinz, gehört die Acta dem Staat. Sie ist keine Person, sie ist ein Institut des Staates. In gewisser Weise ist sie der Staat, ebenso wie die Kaiserliche Kanzlei, ebenso wie der Senat. Nun stellt sich also die Frage, ob der Staat denn überhaupt an sich selbst Steuern zahlen kann, da das Geld ja bereits im Besitz des Staates ist. Es ist kein Privatvermögen einer Einzelperson, die auf dieses selbstverständlich Steuern zu entrichten hat. Der ein oder andere mag nun vielleicht sagen, dass es Spitzfindigkeit wäre, nun dieses Wort der Steuer allzu wörtlich zu nehmen und es nur darum ginge, den Gesamtstaat durch regelmäßige Geldzuwendungen seitens der Acta zu stärken. An und für sich keine schlechte Idee, nur muss man sich dazu ansehen, woher das Geld der Acta denn überhaupt kommt.

Im Gegensatz zu vielen anderen staatlichen Einrichtungen versorgt die Acta sich rein aus Spenden. Ohne Zuschüsse von Staatsseite für Gehälter oder Leistungen zu erhalten finanziert die Acta ihr Dasein auch ohne zusätzliche Betriebe zu führen oder für ihre Leistungen Geld zu fordern. Vom Auctor bis zum kleinen Schreiberling, von unseren Informanten bis hin zum Ausrufer, der die Neuigkeiten für diejenigen unter uns, die nicht lesen und schreiben können, laut vorträgt, alle diese Menschen erhalten ihr Auskommen einzig und allein durch die Spendenwilligkeit der Bevölkerung. An dieser Stelle möchten wir hiermit allen Lesern ein großes
DANKE

zum Ausdruck bringen, denn ohne euch alle wäre unsere Arbeit sicher nicht möglich.
Und was bedeutet dies nun für das Vermögen der Acta? Die Bürger haben sich dazu entschlossen, der Acta als Institution Geld zu geben, um diese zu stützen. Sie hätten auch dem Staat direkt Geld schenken oder durch Sachspenden ihren Städten helfen können, wie es beispielsweise auch gute Stadtpatrone tun. Sie hätte in ihrem Namen große Opfer abhalten lassen können, um die Götter zu besänftigen. Doch sie haben sich dazu entschieden, ihr Geld der Acta zu vermachen.
Eine Steuer wäre nun nichts anderes als die Entscheidung des Senats, dass diese Bürger sich geirrt haben, oder mehr noch, dass die Bürger nicht wissen, wie viel Geld der Acta zusteht. Man mag darüber streiten, ob die Acta ihr jetziges Vermögen braucht, und in Zeiten der Not wäre es selbstverständlich, dass auch diese Institution ihren Teil zum Erhalt des Staates beiträgt, keine Frage. Doch eine solche Steuer wäre nichts anderes als die amtliche Entscheidung zur Entmündigung des Bürgers bei der Wahl der Zweckgebundenheit seiner Geschenke an den Staat. Der ein oder andere Bürger würde sich wohl nicht ohne Grund fragen, ob dies nicht eigentlich eine Veruntreuung seiner Gelder darstellt.
Erst neulich wurde ein Vorschlag im Senat erörtert, dass Spender gesucht werden für die Erneuerung der Straßen Italias. Wird jenen, die sich hierfür bereit erklären, auch aberkannt, zu wissen wie viel sie geben sollen? Gibt es ein „zu viel“ in Bezug auf das, was jeder einzelne zum Wohle des Staates geben sollte? Gibt es da ein falsch?

Derlei philosophische Betrachtungsweisen sind vielleicht etwas übertrieben, und da das Dekret ohnehin abgelehnt wurde, wohl auch nicht vonnöten. Daher verlagern wir uns lieber auf die Fakten und sehen uns die anderen staatlichen Einrichtungen an.
Fast jede Stadt hat eine eigene Kasse zur Verwaltung, doch die letzte Prüfung dieser öffentlichen Kassen liegt schon lange zurück. Und unseren Recherchen nach zahlen sie von diesen Kassen keine Steuern an die Staatskasse. Der Cursus Publicus, unser beliebter Transporthelfer von Briefen aller Art, zahlt keine Steuern aus den Einnahmen von Postsendungen und Wertkarten. Die Tempel, teilweise reich gesegnet an materiellen Gütern und mit Verdiensten aus dem Verkauf von Opfertieren und Dienstleistungen beim Opfern zahlen keine Steuern. Warum also sollte die Acta dies tun? Warum wird nun nur von der Acta und neuerdings der Schola Atheniensis verlangt, einen Vermögensbericht zur Prüfung vorzulegen? Zumal die Gehälter benannter anderer Institutionen von der Staatskasse getragen, während Gehälter der Acta nur durch Spenden finanziert werden, ohne festes Gehalt von Staatsseite.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Vorschlag zur Besteuerung und Enteignung des Vermögens der Acta von zwei Männern in den Senat eingebracht wurde, von denen der erste aus seinem Landbesitz mehr Bezüge erhält als der Praefectus Aegypti als höchster Ritter des Reiches für seine Amtstätigkeit als Entgelt, und von denen der zweite sich schon lautstark und vehement über die Acta beschwert hat. Ein Schelm, wer böses hierbei denkt.

Nun ist es vielleicht eben jener Charakter der Finanzierung durch Spenden, der die Acta weniger wie ein Staatsorgan und mehr wie ein privater Verein erscheinen lässt. Daher haben wir auch in dieser Richtung recherchiert, wie denn die Sachlage bei den vielen verschiedenen Vereinigungen privater Natur ist. Natürlich denkt man dabei sogleich an die Factiones, die zum Kauf und Unterhalt ihrer Gespanne gemeinsame Kassen führen. Und verblüfft mussten wir feststellen, dass sie nicht steuerpflichtig sind.
Daneben gibt es noch die vielen Kultvereine verschiedenster, teils fremdländischer, teils einheimischer Gottheiten. So unterschiedlich diese Vereine in Bezug auf ihre Riten und Gebräuche sind, sie haben eines gemeinsam: Sie zahlen keine Steuern.
Tatsächlich fand sich trotz tiefgreifender Recherchen nur ein einziger Verein, der steuerpflichtig war, namentlich Pars Fidelis. Und dieser wiederum hat in seiner Satzung nicht nur den Anschein, gegen das gesetzliche Verbot der Einmischung von Vereinen in die Politik zu verstoßen, sondern darüber hinaus auch seit Jahren keine Mitglieder mehr, die Kasse und die Satzung sind nur ein Relikt aus grauer Vorzeit.

Dives Iulianus hatte während seiner Regierungszeit die Lex Communitatis dergestalt eingerichtet, das Vereine keinerlei Eigentum besitzen durften, also auch keine eigenen Kassen. Vor nunmehr 9 Wahljahren wurde dieses Gesetz geändert auf Betreiben des ehrenwerten Consular Tiberius Durus, der die Notwendigkeit für Vereinseigentum insbesondere für gemeinschaftliche Anschaffungen wie Vereinsräume oder bei Factiones eben Gespanne gegeben sah. Aufgrund seines beherzten Vorstoßes wurden diejenigen Bestandteile der Lex wieder widerspruchsfrei abgeschafft, die Eigentum verboten. Lediglich das Verbot zum Führen eigener Betriebe blieb bestehen.
Im Zuge unserer Erkundigungen konnten wir erfahren, dass damals bereits heftig diskutiert wurde, dass den Vereinen gleichzeitig eine Steuerpflicht auferlegt sein sollte, so dass dies nicht die Möglichkeit zur Steuerhinterziehung eröffnen würde. Immerhin könnte man so einfach einem Verein das eigene Vermögen überschreiben und würde damit aufgrund der fehlenden Persönlichkeit des Vereins der Steuerpflicht entgehen, was wohl auch ursprünglich der Grund für das gänzliche Eigentumsverbot bei Vereinen gewesen war. Doch de facto wurde diese gesetzliche Einschränkung nie vorgenommen.
Die Götter allein mögen wissen, wie viele Steuergelder dem Staat so jährlich vorenthalten wurde von findigen Geschäftsleuten. Doch tatsächlich hat der Staat momentan keinerlei Handhabe gegen dieses Vorgehen.

Vielleicht sollte der Senat zunächst einmal hierüber entscheiden, wie er bei gänzlich privaten Vereinen und Vereinigungen vorgehen möchte, bestenfalls mit einer Prüfung eben jener Bücher zur Feststellung, ob aktiv Geld dem Staat entzogen wurde, ehe er darüber befindet, ob ein Teil des Staates dem anderen zu regelmäßigen Ausgleichszahlungen verpflichtet ist. Vor allem, wenn eben jener Teil, obwohl er stets der Kontrolle des Staates untersteht und sich vor dem Senat jederzeit rechtfertigen muss, von eben jenem keine Zuwendungen erhält, sondern sich einzig und allein aus diesen Spenden schon seit Jahren selbst finanziert.

Der Senat hat gewählt

ID MAI DCCCLXI A.U.C. (15.5.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
rneut hat der Senat die Magistrate für das kommende Jahr vergeben, und auch dieses Jahr wollen wir unsere geneigten Lesen informieren, wer im nächsten Jahr die Geschicke des Staates lenken wird.

Wie schon die letzten Jahre war auch dieses Mal die Liste der Sonderwünsche, die dem Senat durch den Praefectus Urbi mitgeteilt wurde, recht umfangreich. Zunächst einmal wurden gleich vier neue Senatoren einberufen, die uns allesamt von den letzten Wahlen noch in guter Erinnerung sein sollten.
Zunächst wäre da Titus Cestius Gallus, den wir demnächst in den Reihen des Senats begrüßen dürfen. Vor einem Jahr begann der Mann seine Karriere via Direkteinstieg als Quaestor Urbanus, ebenfalls als Candidatus Principis, ohne zuvor ein Vigintivirat bestritten zu haben. Ganz offenbar muss er hierbei dermaßen beeindruckt haben, dass er nicht nur direkt zum Senator Roms ernannt wurde, sondern gleichfalls direkt zum Tribunus Plebis aufsteigt. Diese Ehre muss einen besonderen Stellenwert im Leben des Mannes wohl einnehmen, hat er durch diese Position doch nicht nur die Pflicht, die Stimme des Volkes zu vertreten, sondern ebenfalls das Recht, gegen jedwede öffentliche Handlung eines Beamten sein Veto einzubringen. Für einen Homo Novus ein beachtlicher Aufstieg, bei dem sich einige wohl fragen mögen, welcher Art die Qualifikationen des Mannes nun genau sind, dass der Kaiser ihm dieses Amt so schnell anvertraut.
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Leser auch noch an die drei Herren Caius Servilius Erauscus, Marcus Hosidius Pannonicus und Tiberius Erucius Vorenus, über deren ebenfalls sehr verblüffenden Aufstieg wir bereits letztes Jahr berichteten. Offenbar hält ihr persönlicher Siegeszug weiter an, denn nach abgeleisteten Vigintiviraten und Quästuren in zwei aufeinanderfolgenden Jahren stehen auch sie auf der Liste der neuen Senatoren.

Damit erhält der Senat gleich vier Männer, die bis vor wenigen Jahren noch weitestgehend unbekannt waren. Tiberius Erucius Vorenus ist Sohn des ehrenwerten Senators Caius Erucius Vorenus und damit nicht gänzlich als Homo Novus zu bezeichnen. Doch sowohl Caius Servilius Erauscus als auch Marcus Hosidius Pannonicus hatten bis vor wenigen Jahren lediglich eine Stellung als Decurio im fernen Pannonien vorzuweisen.

Doch unser Praefectus Urbi wäre nicht er selbst, wären die vier Männer die einzigen, die er im Namen des Kaisers dem Senat vorstellte. Auch dieses Jahr wurden wieder einige Quästuren und Vigintivirate direkt vergeben. So fanden sich zwei junge Männer direkt als Quästor wieder, und vier neue Vigintivire haben sich wohl das Vertrauen des Herrschers verdient. Auffällig mag hierbei sein, dass jene Männer vornehmlich neue Gesichter darstellen, die vor ihrer Förderung nicht öffentlich in Erscheinung getreten sind. Vor allem junge Männer aus den östlichen Provinzen scheinen es dem Regenten angetan zu haben, so kommen sie aus Pannonia, Asia, Epidaurum oder dem fernen Zeugma. Vor allem aus letzterer Polis scheinen besonders fähige Männer zu stammen, da nach dem letztjährigen Quattuorvir urbis purgandis Publius Ventidius Achelos nun auch sein Bruder Quintus Ventidius Achelos in den Ordo senatorius aufgestiegen ist. Letzterer wurde als Candidatus Principis zum Decemvir litibus iudicandis erklärt.


Doch auch abseits der kaiserlichen Kandidaten gab es natürlich weitere Männer, die das nächste Jahr als Magistrat Roms verbringen werden.
Die absolute Überraschung dieser Wahl war sicherlich Aulus Tiberius Ahala Tiberianus, Sohn des Consulars Manius Tiberius Durus. Mit 80% der Wahlstimmen hat der junge Patrizier ein absolut formidables Ergebnis eingefahren, und das, obwohl bislang von ihm nichts zu hören war. Manche munkeln sogar, der Bursche habe nicht einmal einen Patron, fast, als existiere er gar nicht. Auch blieben große Wahlkampfreden oder andere Gesten aus. Doch scheinbar hat der Name Tiberius noch genug Gewicht, um das Vertrauen der Senatorenschaft zu rechtfertigen, so dass man zu diesem überragenden Ergebnis nur Glückwünsche aussprechen kann. Wollen wir hoffen, dass der Tiberier in seinem Amt auch den Elan zeigt, den wir nach dieser Vertrauensbekundung wohl erwarten dürfen.

Weniger vertrauensvoll zeigte sich der Senat hinsichtlich der kandidierenden Quästoren.
Mit gerade einmal 61% der Stimmen wurde Sextus Aurelius Lupus ins Amt gewählt. Vor zwei Jahren noch konnte der Aurelier, der wohl jüngst Vater geworden ist, noch ganze 11 % mehr für sich gewinnen. Dieses Mal scheinen die Senatoren weitaus kritischer geworden zu sein, was den Sprößling der Gens Aurelia angeht. Man kann nun darüber spekulieren, ob dies aufgrund der hartnäckigen Gerüchte ist, die Aurelier würden unter einem bösen Zauber zu leiden haben – zuletzt verstarben nach dem Pontifex und Senator Marcus Aurelius Corvinus noch zwei weitere Gensmitglieder, Marcus Aurelius Cotta und jüngst Aurelia Narcissa. Oder aber es liegt an der Amtsführung des momentan noch amtierenden Aedils Tiberius Aurelius Avianus, der seine Amtszeit im Vergleich zu seinem Vorgänger geradezu gespenstisch ruhig und unspektakulär bislang verbracht hat. Vielleicht wäre es hinsichtlich der Familienpolitik besser gewesen, die angekündigten Spiele etwas weiter vor die Wahl zu terminieren. Oder aber – als dritte Möglichkeit – es lag doch an dem Aurelier selbst, dessen Rede wohl nicht mehr so zu begeistern wusste wie die zum Vigintivirat vor zwei Jahren.
Mit einem identischen Ergebnis wurde auch Titus Duccius Vala ebenfalls zum Quästor gewählt. Damit folgt er seinem Vater Flavius Duccius Germanicus nach, der seinerzeit mit 62% der Stimmen ein beinahe deckungsgleiches Ergebnis bei seiner Wahl zum Quästor verzeichnen konnte. Somit verlor er im Vergleich zu seiner Wahl zum Vigintivir ganze 13%. Trotz Berufung auf seinen Vater kann der junge, aus dem fernen Mogontiacum stammende Mann den Beigeschmack des Homo Novus wohl nicht abstreifen. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – seines Tribunats im seuchengeplagten Mantua und dem durch die Straßen hallenden Ruf nach dem 'Held von Mantua' – dessen Heldentaten an unser Redaktion scheinbar unbemerkt vorbeigegangen sind – zeigten sich die Senatoren entsprechend skeptisch und verliehen diesem Misstrauen durch das zurückhaltende Wahlverhalten Ausdruck.

Das knappste Wahlergebnis erreichte Lucius Iulius Centho, der im zweiten Anlauf lediglich 53% der Stimmen auf sich vereinen konnte und damit im nächsten Jahr Ädil sein wird.

Nun bleibt dem Senat noch ein wenig Zeit, den Kandidaten auch geeignete Plätze zuzuweisen, auf dass wir sie in einigen Wochen zu ihren Ämtern auch offiziell beglückwünschen dürfen, wenn sie als Magistrate Roms vereidigt werden.

Mantua und seine Folgen

KAL MAI DCCCLXI A.U.C. (1.5.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
Wie das aktuelle Beispiel von Mantua zeigt, ist niemand davor gefeit ein Opfer von etwaigen Seuchen zu werden. Erste Gerüchte Mantua betreffend sprachen gar von der schlimmsten Pestis, die die Götter uns bisher gesandt haben, doch konnten diese mittlerweile scheinbar ein wenig widerlegt werden, da es laut Zeugenberichten bereits erste Anzeichen einer Besserung geben soll. Bei der Seuche in Mantua handelt es sich laut Berichten aus der Stadt wohl um schwerwiegende Formen diverser Erkrankungen, die jeden im Laufe eines Lebens einmal erwischen kann: Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Müdigkeit sind nur einige der Auswirkungen des Fluches, Gliederschmerzen, tränende Augen, laufende und im Verlauf verstopfte Nase, trockene Kehle, Appetitlosigkeit, Übelkeit und im schlimmsten Fall sogar Erbrechen weitere. Des weiteren kann es zu innerem Bluten - dies zeigt sich zum Beispiel mit Nasenbluten oder Blut beim Husten - und 'Fluss' kommen. Die Häufung der Kombinationen machen klar, dass die Götter eine eindeutige Botschaft schicken wollten. Was sie genau damit bestrafen wollen, ist eine Sache, die zu Spekulationen führt. Doch nichtsdestotrotz müssen sowohl die Priester als auch jeder andere Bürger sich nun bemühen, die Götter wieder wohlgesonnen zu stimmen.

Was aber kann man gegen eine solche Seuche tun? Wie kann man sich selber schützen? Entgegen diverser Meinungen scheint der pure Abstand zu den Kranken nicht zu reichen. Die Seuche ist vielmehr wohl etwas, das sich durch die Luft verbreitet - von den Göttern durch den Wind gesandt, ebenso wie durch Berührung und Flüssigkeiten. Fliehen? Die Kranken im Stich lassen und sich selbst retten? Aber kann man sich sicher sein, nicht bereits angesteckt zu sein und damit die Seuche in das ganze Land zu tragen? Ja, ist diese letzte Gefahr nicht sowieso schon gegeben? Was ist mit den Reisenden, Händlern, Tabularii? Ehe hier nun ein jeder ob dieser Worte in Panik ausbricht, möge man sich folgende Punkte durchlesen:

Zunächst einmal ist die Seuche augenscheinlich auf Mantua und dessen Umgebung beschränkt und erste Berichte besagen, dass sich dies auch nicht so bald ändern wird. Auch wenn man sogar hier und da in Rom von vereinzelten Fällen hört, doch scheinen diese bisher nur böse Gerüchte zu sein und es bleibt zu hoffen, dass die Götter nicht auch noch die Ewige Stadt heimsuchen werden. Doch warum wurde gerade Mantua heim gesucht? Warum hat es diese Stadt - von der man sonst eher selten etwas Aufregendes oder Schlimmes vernimmt - so schwer seitens der Götter getroffen? Liegt der Grund etwa in einem Frevel? Oder haben die Menschen Mantuas einfach die Götter mißachtet? Ist Götterlästerung im Spiel? Schändungen der Tempelanlagen oder hatten die Götter einfach nur einmal Spaß daran die Menschen zu prüfen? Genaue Antworten kann man dazu bisher nicht finden. Nur Gerüchte! Sehr viele - teilweise logisch klingende, teilweise aber auch welche, die an den Haaren herbei gezogen wirken. Welche von Menschen, die man berücksichtigen sollte und jene, die bei einem Becher Wein zu viel in der Taverne ihr Bestes von sich geben.

Die Liste der Opfer ist ohne Fragen groß, doch scheint es keine Verbreitung ausserhalb des bereits genannten Gebietes zu geben. Auch hört man vereinzelt bereits von Genesenden, ja sogar von Menschen, die von den Göttern verschont geblieben zu sein scheinen. Was aber tun diese anders, als jene, die erkrankt sind? Einerseits gibt es wohl Personen, die von Natur aus immun gegen solche Art von Krankheiten sind, andererseits sorgen sie mit ihrer Körperhygiene dafür, dass die Krankheit sich nicht unkontrolliert ausbreiten kann. Dazu zählen regelmäßiges Händewaschen, auswaschen - mit heißem Wasser - der getragenen Kleidung, im Zweifel sogar das Tragen von Schutztüchern vor Mund und Nase. Auch ist es in einigen Fällen sicher nicht unsinnig, sich den Kranken dadurch zu entziehen, dass man zu Hause bleibt. Doch - sobald erste Anzeichen der Erkrankung auftauchen - sollte man sich dringlichst an einen Medicus wenden, denn letztlich besitzt er das entsprechende Fachwissen um sowohl die Fluchauswirkungen zu bekämpfen und mit Hilfe und Gnade der Götter den Erkrankten zu heilen. Warum helfen all diese Maßnahmen? Kann man sich dadurch wirklich schützen? Selbst die Medici können nicht allumfassend erklären, wieso gerade das Hände waschen so hilfreich ist, doch wissen wir sicher, dass dem Entfliehen des Windes ein gewisser Schutz anheim liegt, denn schließlich ist es jener, über den die Götter die Seuche von einem zum anderen tragen lassen.

Doch die Ursachen, die kann nur ein jeder selber bekämpfen! Menschen von Mantua - ebenso wie alle Anderen des römischen Reiches - geht zu den Tempeln, betet für die Kranken aus Mantua und dafür, dass die Götter Euch und Eure Stadt verschonen möge, bittet die Götter um ihre Gnade und opfert, denn nur so werden wir alle die Götter wieder gnädig stimmen können und dürfen hoffen, nicht selber ein Opfer dieser Seuche zu werden.

Was aber bedeutet diese Seuche nun für Mantua? Aktuell kämpfen die Überbleibsel der Verwaltung Hand in Hand zusammen mit der Legio dafür, dass die Geschicke der Stadt trotz der Katastrophe ihren Weg gehen und entsprechend den Möglichkeiten gelenkt werden. Trotz des Zustandes der Bevölkerung - oder gerade deswegen - muss man auch in Mantua mit dem Abfall der Gesellschaft rechnen, welcher in diesen Tagen hochkocht und sich an dem Elend der Kranken und Verstorbenen gütlich tut. Diebe und Meuchler sind in solchen Zeiten gerne unterwegs - ungeachtet der eigenen Gefahr für sie, die sie auch anfällig für die Pestis macht, angesichts ihrer frevlerischen Taten gegenüber den Menschen und den Göttern sogar noch stärker als alle anderen. Doch bisher hört man nur Gutes von der Arbeit der Männer, die sich die größte Mühe geben in Mantua zumindest soweit es zu solch schrecklichen Zeiten möglich ist, die Normalität aufrecht zu erhalten.

Doch was bleibt? Ohne Frage wird die Stadt nicht mehr sein wie vorher. Die vielen Toten sprechen für sich. Viele Familien verlieren ihre Angehörigen und einige Familien werden gar gänzlich aus dem Stadtbild verschwinden - entweder durch Tod oder Flucht. Schon jetzt ist das Leben in Mantua zu einem fast gänzlichen Stillstand gekommen und wird wohl auch noch lange brauchen, bis es wieder zu einem normalen Alltag zurückkehrt. Viele Posten sind ob der Krankheitsfälle verwaist und werden ob der daraus oftmals tragischen Konsequenz von den eigentlichen Inhabern nicht mehr besetzt werden. Auch wenn diese Nachricht traurig ist, so muss man doch ehrlich sagen, dass dies für einige auch Chancen mit sich bringt. Doch noch ist das Leben nicht in die Stadt Mantua zurück gekehrt und unsere Gedanken sollten bei jenen sein, die täglich um Leben kämpfen, das eigene oder das anderer, und bei jenen, deren Kampf bereits vorbei ist und die Angehörige zurück lassen, denen wir auch auf diesem Wege unser tief empfundenes Beileid zum Ausdruck bringen möchten.

Noch mehr Tote in Mantua

ANTE DIEM VII ID APR DCCCLXI A.U.C. (7.4.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
ieder haben wir die traurige Aufgabe, eine Liste mit Namen zu veröffentlichen. Diese Namen sind die neuesten identifizierten Opfer der Seuche in Mantua. Man hat uns zudem gebeten, mitzuteilen, dass dies wirklich nur die Namen der Toten sind, die man identifizieren konnte. Die Zahl der nicht identifizierten Toten und der Vermissten ist hierbei nicht enthalten, und wir können auch keine Mutmaßungen darüber anstellen, wie groß sie letztlich wäre.

   

ADMINISTRATIO CIVITATIS MANTUAE
PUBLICAT
SECUNDAM TABULAM VICTIMAE PESTIS



Acerronia Publiciana Crassa
Afrania Tuberta
Aponia Procilla
Arennia Nacca
Arpineia Recta
Artoria Hirriana
Ateia Marcella
Atilia Appuleiana
Aulus Terrasidius Buteo
Bavia Fufidiana Soemias
Bruttia Rupa
Bruttia Septitiana
Cadia Crista
Cadia Rebila
Cadia Tympana
Caedicia Opimiana
Caius Albinius Asconianus Canina
Caius Lafrenius Victorius
Caius Numicius Volusus
Caius Petreius Perpennianus Posca
Caius Popillius Quirinus
Caius Saltius Opimianus
Canidia Cascelliana
Canutia Genuciana
Carsuleia Lolliana
Carsuleia Marsa
Cartilia Tacita
Casperia Sabula
Castricia Tuditanaria
Catia Arruntiana
Cicereia Eutrapela
Cilnia Orfita
Cincia Ummidiana
Cloelia Glaucia
Cluentia Galla
Cluvia Patuleiana
Cnaeus Critonius Blaesus
Cnaeus Precius Pontianus
Cnaeus Silicius Lucilianus
Cnaeus Venuleius Corona
Cnaeus Vespasius Tiro
Cominia Fauciana
Cominia Romana
Corfidia Mesciniana Caia
Cornelia Silana
Cossinia Triciptina
Cossus Appius Graeceius
Cossus Avienus Clemens
Cossus Crepereius Papirianus Paciacus
Cossus Orphidius Vibulanus
Cossus Paccius Mimnermus
Cossus Tarquinius Pastor
Cossus Toranius Pollio
Crepereia Hybrida
Curia Matura
Curia Ravilla
Decimus Falanius Vibullianus
Decimus Mindius Esquilinus
Decimus Tedius Merenda
Dellia Scaevina
Epria Capella
Epria Firmana
Epria Lucilla
Fabia Amafaniana Tertullina
Fadia Plautiana Tubula
Faustus Caninius Manilianus Pietas
Faustus Canuleius Mamercinus
Faustus Canutius Barea
Faustus Cloelius Serenus
Faustus Numonius Faucianus
Faustus Ofillius Hordeonianus
Faustus Septimius Vocula
Faustus Vespasius Antianus
Fidiculania Sanga
Fonteia Lucretiana
Galeo Marius Trio
Galeo Persius Papus
Gallia Mindiana Celsa
Gallia Thalna
Gellia Scaevola
Genucia Cluentiana Cavarina
Horatia Ateriana
Horatia Taria
Hortensia Hybrida
Hortensia Satria
Hostilia Rammiana
Icilia Cotta
Iullus Faucius Alfenianus Lentidius
Iullus Fuficius Pullus
Iullus Patrobius Pulex
Iullus Titinius Ateianus
Iullus Turulius Macula
Kaeso Cupiennius Tarpa
Kaeso Plinius Pedanianus
Kaeso Procillius Nasennianus Thrasea
Lafrenia Clepsina
Lartia Cana
Lecania Plotina
Lucius Aquinius Umbricius
Lucius Arpineius Flaccinator
Lucius Equitius Fufianus Ursicinus
Lucius Orcivius Vespasianus
Lucius Pupius Obultronianus Messalla
Lucius Sextius Nacca
Lucius Trebanius Mamercus
Lucius Tuccius Licinianus
Lucius Turpilius Salvianus
Lusia Tusca
Maelia Tanusiana
Mamercus Ogulnius Gaetulicus
Mamercus Plennius Opiternianus
Mamercus Sabidius Decianus
Mamercus Sittius Capitolinus
Mamercus Verrius Staius
Manius Baebius Papias
Manius Caeparius Sempronianus
Manius Cesellius Vala
Manius Flavius Viscellinus
Manius Nasennius Caepio
Manius Petronius Trabea
Manius Pontificius Phameas
Manius Titidius Faberianus
Marcus Autronius Vibullianus
Marcus Caninius Camerinus
Marcus Coponius Longus
Marcus Statorius Hippianus
Marcus Varinius Thalna
Maria Herminiana
Memmius Pinarius Melinus
Memmius Plinius Caeliomontanus
Memmius Vitrasius Ampianus
Mucia Domitiana
Mummia Staiena
Naevia Carsuleiana
Nautia Icciana Platorina
Neratia Calvena
Nero Cascellius Mugillanus
Nero Foslius Faustulus
Nero Herminius Naevianus Simplex
Nero Orphidius Nigrinus
Ninnia Turda
Novellia Vitelliana
Novia Statiliana
Numerius Eprius Maenianus Calusidius
Numerius Hippius Turbo
Numerius Iuventius Agrippinus
Numerius Laenius Pompeianus
Numerius Mucius Turrinus
Numerius Sempronius Furnianus
Numerius Tudicius Damio
Numicia Hostiana
Opimia Gemella
Paullus Caesetius Corfidianus
Paullus Cicereius Promotus
Paullus Gessius Auruncus
Paullus Hordeonius Galba
Paullus Rufius Hypsaeus
Paullus Verulanus Philonicus
Pedia Ocrea
Percennia Bestia
Pilia Taura
Pinaria Capra
Plancia Taratia
Plautia Variana Vespa
Pompilia Licina
Pompilia Proba
Postumia Hateriana Buca
Potitus Fecenius Frontinus
Potitus Quintius Sulca
Procillia Rufilla
Publius Asinius Globulus
Publius Scaptius Bala
Publius Sittius Graecinus
Publius Tongilius Scaevianus Nepos
purius Matius Orfianus
Quinctia Dasia
Quintia Numoniana Antonina
Quintus Acutius Cerealis
Quintus Fannius Gurges
Quintus Obsidius Pandus
Quintus Paeonius Anicetus
Quintus Tudicius Iavolenus
Quintus Verulanus Scrofa
Renia Sidicina
Rubellia Cavarina
Rubellia Sittiana
Rubria Aureliana
Rubria Turda
Rutilia Gaetulica
Sabellia Sabidiana Silvana
Salvia Larga
Sanquinia Staiena
Septitia Terentiana
Sergia Decriana Quieta
Sergia Frontina
Servia Lariscola
Servilia Saeniana Pocycleta
Servius Cicereius Ralla
Servius Fulcinius Tympanus
Servius Iuventius Icilianus Cavarinus
Servius Ovinius Salvidienanus
Servius Paccius Rubrianus
Servius Titinius Thyrsus
Sextus Tillius Ummidianus Fenestella
Sextus Varisidius Hordeonianus Myrtilus
Sisenna Marius Turbo
Sisenna Pedius Pennus
Sisenna Tettius Corvus
Sisenna Trebellius Carisianus Polyaenus
Sisenna Vehilius Porcina
Spurius Acilius Pennus
Spurius Caesetius Papus
Spurius Ennius Felix
Spurius Orbius Visellianus Decula
Spurius Rabirius Toranianus Maecenas
Spurius Trebatius Menoporus
Spurius Volteius Acutianus
Statilia Mindiana
Tamisia Proba
Tarquitia Graecina
Terentia Structa
Thoria Pera
Thoria Ticida
Tiberius Cantilius Ligarianus
Tiberius Faucius Cingonianus
Tiberius Fulvius Poplicola
Tiberius Gavius Valentianus
Tiberius Helvius Taurea
Tiberius Horatius Falcidianus
Tiberius Livius Calvena
Tiberius Perpennius Lentidius
Tiberius Tarquitius Domitianus
Tiberius Turselius Procillianus Umbrenus
Titia Repentina
Titidia Propertia
Titus Cossinius Naso
Titus Egilius Pindarus
Titus Egnatuleius Firmus
Titus Herennius Vettianus
Titus Hosidius Graeceius
Titus Seius Cispianus
Titus Tempanius Thermus
Traulia Sorana
Trebania Romana
Trebatia Fufiana
Trebelliena Cingoniana Pacata
Turrania Blosia
Tuscilia Furiana
Ursania Caeciana Thalna
Valeria Otaciliana
Valgia Surdina
Variskisch Livilla
Vehilia Annalis
Velia Telesina
Vetilia Domitilla
Vibidia Hirpina
Vinicia Mela
Virginia Praeconina
Vitruvia Serrana
Volteia Aebutiana Capita
Volumnia Densa
Volusus Acutius Fulcinianus
Volusus Cossutius Arrianus
Volusus Sepullius Cotta
Volusus Tarquitius Sacrativir


CIVITES PROPRII

IN MANDATO

Sextus Cluentius Glabrio



Viele Tote in Mantua

ANTE DIEM V KAL APR DCCCLXI A.U.C. (28.3.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
ie Administratio Civitatis Mantuae bittet darum, die folgende Liste zu veröffentlichen, um den hunderten Anfragen nach Angehörigen und Freunden entgegenzukommen, von denen sie anscheinend gerade überflutet werden. Die Verwaltung bittet um Verzeihung, kann allerdings in diesen Tagen die Anfragen nicht persönlich beantworten. Dies ist die erste Liste, die uns zugekommen ist, und sie beschreibt ein erschreckendes Bild von der Krise, die gerade Mantua in Mantua wütet.
Jedem, der auf dieser Liste einen der Seinen entdeckt, wünschen wir unser aufrichtiges Beileid.

   

ADMINISTRATIO CIVITATIS MANTUAE
PUBLICAT
PRIMAM TABULAM VICTIMAE PESTIS


Ampia Rufiana Regilla
Aulus Laenius Sporus
Aulus Tedius Labienus
Caecilia Autroniana
Caelia Corda
Caesennia Paulina
Calventia Pacidiana Vibulana
Cluentia Miniciana Cornuta
Cnaeus Catius Polyaenus
Cnaeus Petilius Vibulanus
Cnaeus Statorius Rabirianus
Cossus Traulius Manianus
Decimus Albucius Porcianus
Egnatuleia Orphidiana Mollicula
Eppia Sulca
Fadia Fabiana Iubellia
Faustus Obsidius Lupercus
Faustus Octavius Asconianus
Faustus Seius Pacidianus
Fulcinia Cornificiana Tranquilla
Gabinia Delliana
Galeo Vallius Critonianus
Gargonia Staiena
Hirtuleia Fusca
Iullus Decimius Gratidianus
Iullus Laronius Saloninus
Iullus Vestilius Civilis
Kaeso Mussidius Appuleianus
Laetoria Thrasea
Lafrenia Capita
Licinia Helviana Sicula
Maelia Proba
Maenia Quadrata
Mallia Decriana Silvana
Mamercus Cluentius Bacillanus
Mamercus Papinius Terrasidianus
Mamercus Plotius Tricostus
Manius Marius Saltianus
Manius Vargunteius Seneca
Marcus Vestilius Antianus
Memmius Dillius Pleminianus'
Memmius Fabricius Pacidianus
Memmius Galerius Siculanus
Nero Paccius Nasica
Nero Talius Tremulus
Numerius Aufidius Lento
Numerius Ceionius Vatia
Nummia Vitula
Ostoria Duroniana
Ostoria Severa
Pacaria Delmatica
Paullus Gavius Pedanianus
Paullus Pomponius Saturninus
Pinnia Ceselliana Macula
Pinnia Laevina
Pompilia Petica
Porcia Pompiliana
Publius Lartius Cafo
Quintia Ampiana
Quintus Curtius Gallio
Quintus Helvidius Phagita
Quintus Lucilius Aquila
Quintus Minidius Statilianus
Quintus Mucius Ursanianus
Quintus Munatius Fufianus
Quintus Scantinius Scaurus
Rabuleia Lentula
Samia Urbica
Sempronia Betuciana
Servius Gratidius Veratius
Sestia Cata
Sextilia Noctua
Silia Quinctiliana Minor
Sisenna Aebutius Trebellianus
Spurius Aemilius Rufianus
Spurius Romilius Paulinus
Tiberius Corfidius Bursa
Tiberius Faberius Piso
Tiberius Neratius Asper
Titus Decimius Sabaco
Titus Duronius Catullus
Vatinia Firmina
Velania Pacciana Lusca
Verulana Plautiana
Veturia Lepida
Volusus Faberius Crispinus


CIVITES PROPRII

IN MANDATO

Sextus Cluentius Glabrio




Kurzmeldungen

ANTE DIEM XVI KAL APR DCCCLXI A.U.C. (17.3.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Politisches, Militärisches, Religion, Spiele & Kultur, Gesellschaftliches
ROMA - Auf dem Weg zum göttlichen Frieden
Endlich tut sich etwas! So zumindest war die Grundstimmung in der Bevölkerung, als das Collegium Pontificium sich aufraffte, um die Entsühnung des Frevels von Nemi vorzunehmen. Lange genug hat es ja auch gedauert, so manch einem kommt es vor, als wäre bald ein halbes Jahr vergangen. Und noch immer hängen unheilsschwere Wolken über dem Land.
Doch nun wurden Haruspizien eingeholt. Und ein Glück, die Staatsgötter zürnen uns nicht. Nur geht ihnen - welch Wunder - die Entsühnung zu langsam vonstatten. Die Bevölkerung Roms wurde aufgefordert, durch verstärktes Opfern die Götter milde zu stimmen, bis die Maßnahmen, die in diesen Tagen im Senat nun besiegelt werden, durchgeführt werden, und so endlich die große Jägerin wieder friedlich gestimmt werden kann.

MOGONTIACUM - Provinzreform schreitet voran
Nachdem die Provinzreform nun beschlossene Sache ist und durch Verkleinerung der Provinzen umgesetzt wurde (wir berichteten), werden die Veränderungen nun auch in den Städten der Provinz langsam spürbar. LAPP Annaeus Modestus beispielsweise ist fleißig dabei, die neuen Posten zu besetzen und die alten Posten abzuschaffen, und so hört man beinahe wöchentlich von einer neuen Amtseinhebung. Der reibungslosen Provinzverwaltung steht also nichts im Wege.

ROMA - Pontifex verlobt sich
Nachdem die Aurelier in letzter Zeit vermehrt Bindungen mit den Flaviern eingegangen waren, scheinen sie nun ihre Bindung zu den Tiberiern wieder stärken zu wollen. So feierten Tiberius Durus und Aurelia Flora ihre Sponsalia mit all dem erwarteten Pomp. Offensichtlich wollte man damit die zerbrochene Bindung durch die erste Ehe des Tiberiers wieder wettmachen. Hatte seine erste Frau dem Tiberier noch Hörner aufgesetzt und war mit ihrem Liebhaber durchgebrannt, bleibt zu hoffen, dass die Aurelier dieses mal ein züchtigeres Mädchen ausgesucht haben. Durch eine Adoption hat Tiberius Durus zwar einen männlichen Nachkommen, doch keine leiblichen Kinder. Wünschen wir ihm also dieses Mal mehr Glück.

NEMI - Bäumchen wechsel dich im Hain der Diana
Während die Aufräumarbeiten weitestgehend abgeschlossen und die Zeichen des göttlichen Zorns zum Großteil beseitigt wurden, entstand ein reges Ringen um den Platz des Rex Nemorensis. Und in diesem Falle ist das sehr wörtlich zu nehmen. Seit der Verkündigung, dass Diana mit dem amtierenden Rex Nemorensis aufgrund des Frevels unzufrieden ist, dürfen wir nun schon den vierten Mann auf diesem Posten begrüßen. Während der ursprüngliche Amtsinhaber seinen Platz noch mehrere Tage lang gegen diverse Attacken verteidigt hatte, wechselten sich seine Nachfolger beinahe täglich ab. Das ist wohl das Risiko auf einem Posten, der durch rituellen Zweikampf auf Leben und Tod errungen wird.
Offensichtlich ist die Göttin etwas launisch bei der Suche nach dem Mann, der dazu auserwählt ist, ihren neuen Hain dann zu verteidigen. Aber wer kann es ihr bei der langen Wartezeit schon verdenken?

Roma - Christen werden frecher
Durch das Zürnen der Götter am römischen Volk scheinen sich die Christen gestärkt zu fühlen. Durch Gesetz in ihrem absonderlichen Glauben geschützt, wurden ihre Praktiken bislang geduldet, solange sie diese nur unter ihresgleichen ausgeübt haben. Doch vermehrt wird nun gemeldet, dass Christen auch öffentlich zu predigen anfingen. Uns erreichte eine Meldung, dass es sogar zu tätlichen Übergriffen von Christen an römischen Bürgern und insbesondere Diener verschiedener Kulte gekommen sei. Einige Augenzeugen berichteten sogar von einer verletzten Vestalin. Vielleicht ist es an der Zeit, dass der Senat das Decretum Christianorum erneut zur Debatte stellt und seine Inhalte überdenkt.

AEGYPTUS - Schlacht im Süden geht weiter
Nur spärlich erreichen uns Berichte aus dem Süden des Reiches. Unter Führung von Octavius Dragonum kämpft die XXII. Legion noch immer gegen aufständische Beduinen, um Roms Korn zu schützen und den Frieden des Imperiums im Süden zu sichern. Nun soll es zu einer größeren Schlacht gekommen sein, die diesen Barbaren hoffentlich für alle Zeit ihre Grenzen aufzeigt.

Roma - Graffiti, Graffiti, Graffiti
In letzter Zeit häufen sich die Berichte von beleidigender Graffiti gegen unseren geschätzten Praefectus Urbi. Dabei werden die Künstler intelligenter. Wo an einzelnen Stellen nur die üblichen Bildchen auftauchen, denen ohnehin niemand mehr Beachtung schenkt, werden nun schon öffentliche Inschriften dazu genutzt, mit eigenwilligen Ergänzungen den geneigten Leser aufzustacheln. Erst neulich wurde ein solcher Schriftzug durch die Cohortes Urbanae gesäubert, damit die Bürger der Urbs Aeterna damit nicht weiter belästigt werden. Doch nun liest man schon erneute Beleidigungen auf Inschriften für unseren geliebten Kaiser! Die Frage ist: was kommt als nächstes? Graffitis auf den Kultbildern in unseren Tempeln?

Flavisch-aurelische Verbindung erneut gestärkt

ANTE DIEM IV ID MAR DCCCLXI A.U.C. (12.3.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
ochzeiten müssen ordentlich gefeiert sein! Flavius Piso und Aurelia Prisca nahmen dieses Motto beim Wort. Die Feier war eine von jener Art, welche wieder einmal zeigte, dass in den patrizischen Häusern geklotzt und nicht gekleckert wird – und für den Normalrömer die Grenze zur Dekadenz überschreitet.

Besondere Worte müssen hier zunächst insbesondere über das Brautpaar verloren werden. Beiden war ihre Freude über diese Hochzeit anzusehen, eine Freude, bei der sich der Leser fragen mag, wo sie wohl herrührt. Die in diesen Kreisen übliche Heirat – eine auf politische Vorteile ausgerichtete Verbindung – kann nicht wirklich ein Grund dafür sein. Denn der Flavier und seine inzwischen Angetraute konnten in einer Art nicht die Augen voneinander lassen, die manche der Gäste mit einem Schmunzeln, manche jedoch auch mit einem Stirnrunzeln bedachten. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Bindung dieser beiden Häuser nach den tragischen Todesfällen bereits durch eine Ehe im vergangenen Jahr – die ähnlich imposant gefeiert worden war – wieder aufgefrischt wurde, scheint das offensichtliche persönliche Glück der beiden Brautleute entgegen des sonstigen politischen Usus Vorrang gehabt zu haben vor einer womöglich nutzbringenderen Allianz mit anderen Familien.

Abgesehen von dieser Tatsache nahm die Hochzeit ihren Lauf, wie es jede andere tut. Die Opfer zeigten, wie nicht anders zu erwarten war, das Wohlwollen der Götter, bevor die eheliche Verbindung geschlossen wurde und die Feierlichkeiten übergingen in ein Gastmahl, das ebenso wie alles andere vor allem das Ziel zu haben schien, den Reichtum zur Schau zu stellen, den insbesondere die Braut und Erbin des Senators und Pontifex Aurelius Corvinus ihr Eigen nennen kann – oder konnte, muss es wohl besser heißen, denn diese Hochzeit dürfte ein großes Loch in die Finanzen des Paares gerissen haben. Aufgetischt wurde sowohl in der Villa Aurelia als auch am Tag darauf in der Villa Flavia ein Menü, das neben einer schier unglaublichen Menge an Störeiern auch kulinarische Höhepunkte wie gegrillte Giraffe, zart geschmortes Lamm an Kastanienmousse, geröstete Flamingo-Zungen, gekochte Siebenschläfer-Ohren und mit Milch gefütterte Schnecken enthielt. Und auch bei den Sklaven und Angestellten, weder jenen, die in der Villa Aurelia bedienten, noch jenen, die während der Prozession oder in der Villa Flavia selbst noch am selben Abend sowie am nächsten Tag bedienten und unterhielten, hatte sich das Brautpaar nicht lumpen lassen. Egal was man sich ausdenken mag an dem, was Schausteller aufbieten können – das flavisch-aurelische Paar scheint es organisiert zu haben. Ob es nun also nubische Trommler sind, exotische Tänzerinnen oder gar Liliputaner, es war zu sehen, nebst einer Unmenge an Blumen, sowohl in Blüten- als auch Girlandenform, von denen man sich fragen mag, wie um alles in der Welt die Patrizier es wohl geschafft haben, sie im Winter aufzutreiben. Weiters gab es während dem Zug sowohl Brot für die Menge als auch Schläge – wer mitfeiern wollte, konnte dies tun und bekam eine kostenlose Mahlzeit dafür, die von einigen Sklaven mit Handkarren unter den Leuten verteilt wurden; wer jedoch Ärger zu machen drohte, der wurde von den Leibwächtern (unter Zuhilfenahme dezent ausgeteilter Knüppelschläge) recht schnell dazu bewogen, seine Meinung zu ändern oder sich rasch zu entfernen.

Die Feier am darauffolgenden Tag ging ebenso weiter, wie sie ihren Beginn genommen hatte – mit Prunk und Pomp. An diesem Tag allerdings kam es zu zwei eher unschönen Zwischenfällen, die durchaus dazu geeignet sind, die Makellosigkeit dieser Feier und damit die Erinnerung an diese Hochzeit zu trüben. Beinahe wäre es zu einem Todesfall gekommen, als einer der Liliputaner beim Nachstellen einer Naumachie ins Impluvium stürzte und dort offenbar fast ertrunken wäre. Ein weiteres großes Unglück konnte ebenfalls nur knapp verhindert werden, als einer der Schausteller, der als Feuerschlucker auftrat, die Haare eines der weiblichen Gäste in Brand setzte. Den Göttern ist zu danken, dass hier nichts Schlimmeres passiert ist; dem Hörensagen nach hat die Betroffene nicht einmal Brandwunden davon getragen.

Zu guter Letzt, um unseren Lesern noch etwas zum Schmunzeln zu geben, möchten wir an dieser Stelle eines der Gedichte zum Besten geben, mit welchen der Patron des Bräutigams, Spurius Purgitius Macer, während der Prozession die Gäste zum Lachen brachte:

"Die Liebe ist's", sprach Flavius
und gab Aurelia 'nen Kuss.
"Dein Status ist's", sprach seine Frau,
erwies sich so als ganz schön schlau!

Pluto wandelt in Mantua!

ANTE DIEM VII ID MAR DCCCLXI A.U.C. (9.3.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
enn man es fertig bringt, den Göttern auf die Füße zu treten, so tut man es selten bei nur einem Gott allein. Meist gelingt einem diese zweifelhafte Leistung gleich im Mehrpack. Verscherzt du es dir mit einem, verscherzt du es dir mit allen.
Dieser Binsenweisheit, die viele schöne Geschichten unserer und der alten Zeit erzählen, dürften sich gerade jetzt die Menschen entsinnen. Noch ist der Frevel von Nemi nicht gesühnt, noch droht uns der Groll der Götter an jeder Ecke, bei jedem noch so kleinen Opfer, und noch sind die Menschen verunsichert wie nie. Jede abgewiesene Opfergabe, jede Fehlgeburt und jeder Knick in der persönlichen Karriere wird dem gestörten Götterfrieden zugeschrieben? Und womit? Mit Recht!

Ein weiteres, ebenso sorgenerregendes wie läuterndes Beispiel der steten Vergegenwärtigung der zürnenden Götter dürften die Nachrichten aus Mantua sein. Mantua, nicht Rom. Man mag es für ein unheilvolles Omen ansehen, oder auch als Warnung der Unsterblichen höchstselbst: noch seid ihr nicht dran! Aber bald.

Aber womit dran? Noch weiß ja kaum jemand etwas von der schleichenden Katastrophe, die sich im Norden des Reichs abspielt. Wie denn auch? Das erste, was man über die Zustände in Mantua hörte, war: nichts. Keine Boten, keine Händler, kein gar nichts. Nur Gerüchte. Und selbst die tröpfelten nur in die glühendheiß brodelnden Töpfe der römischen Gerüchteküche. Elend und verräterisch langsam.
Aber nun zu dem, was wir sicher wissen: die Menschen sterben in Mantua wie die Fliegen! Tausende liegen krank darnieder, hunderte sind bereits gestorben, und viele werden es noch tun!
Kurz nach den Saturnalia scheint sich das Grauen ausgebreitet zu haben, das keinen Unterschied zwischen Arm und Reich macht, zwischen Jung und Alt, Stark und Schwach. Man spricht davon, dass die öffentlichen Strukturen zusammen gebrochen sind, die Stadtverwaltung tot, krank oder einfach nur vollkommen überfordert... von der öffentlichen Sicherheit einmal ganz zu schweigen. Noch scheint die Seuche kriminelle Subjekte genauso wie die Apparitores selbst abzuschrecken, aber wie lange noch?

Einziger Hoffnungsblick in der Katastrophe des Nordens scheinen die Männer der Legion zu sein. Zwar scheinen auch die nicht gefeit vor dem namenlosen Übel, aber unter der Führung des Legatus Legionis Titus Aurelius Ursus und des sehr ambitionierten Titus Duccius Vala sollen ernsthafte Versuche unternommen worden sein, die zusammengebrochene öffentliche Ordnung zumindest ansatzweise zu erhalten und wieder herzustellen. Eine Mammutaufgabe, ist die Stadt im Norden doch ein Gemeinwesen von zigtausend Menschen. Der logistische Aufwand der öffentlichen Ordnung und die Aufrechterhaltung der Versorgung der Truppe wie von vielen tausenden Kranken... dies übersteigt deutlich den Sachverstand des Schreibers. Man kann den Männern der Legion nur wünschen, dass sie die unglaubliche Aufgabe meistern, die vor ihnen liegt.

Auch wenn man sich erzählt, dass Pluto höchstpersönlich es sein soll, der in diesen Tagen in Mantua umhergeht.

Auf der Reise oder auf der Flucht?

ANTE DIEM IV NON MAR DCCCLXI A.U.C. (4.3.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
st das noch eine Abreise, oder ist das schon eine Flucht? Solch eine Frage muss man wohl stellen, wenn man sich die übereilte Abreise des Herius Claudius Menecrates nach Germania ansieht. Dabei sollte man annehmen, dass er durch das eben erst geleistete Ädilat durchaus in hohen Ehren bei Groß und Klein in Rom stehen sollte. Da verwundert es umso mehr, dass er beinahe panikartig die Stadt verlassen hat, um sich auf den Weg in den Norden zu machen, und das, obwohl die Pässe über die Alpen noch zum Großteil vereist sein dürften. Was also könnte ihn zu einem solch hastigen Schritt verleitet haben? Man könnte meinen, der Präfectus Urbi habe ihm nicht das Kommando über die Legio II in Mogontiacum übertragen, sondern ihm gedroht, damit er bis Sonnenuntergang die Stadt verlässt.

Doch erst einmal der Reihe nach.
Nach langjähriger Abstinenz vom öffentlichen Parkett hatte sich Claudius Menecrates letztes Jahr zurückgemeldet mit der Kandidatur als Aedilis Curulis. Mit 62,5% der Stimmen ein solides Ergebnis, bedenkt man die lange Zeit des stillen Beisitzens im Senat ohne großartig erwähnenswerte Vorschläge oder Wortgefechte.
Und es hat auch selten einen pflichtbewussteren oder aktiveren Ädil gegeben. So wurden Dutzende von Betrieben überprüft und zahlreiche von ihnen auch geschlossen, da sie den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprachen. Ja, selbst der Kaiser musste sich einer genauen Prüfung unterziehen und der Form halber festhalten, dass er trotz des formalen Senatorenstandes dennoch im Namen des Staates Minenrechte wahrnehmen kann und darf (wir berichteten). So gründlich und gewissenhaft geprüft wurden die Märkte Roms wohl schon lange nicht mehr, so dass wir uns heute an den Früchten von Claudius' Arbeit erfreuen dürfen und unbesorgt unseren Einkäufen auf den diversen Foren nachgehen können. Abgesehen von den Dieben, deren selbst der so gewissenhafte Ädil nicht gänzlich Herr werden konnte.

Krönender Abschluss dieses bemerkenswerten Ädilates sollten die von ihm ausgerichteten Spiele werden, bei denen wohl nur wenig dem Zufall überlassen werden sollte. Ein Haruspex wurde gerufen, die beste Zeit auszuorakeln. Große Ankündigungen wurden verlesen, um die Leute zu informieren und sich rechtzeitig Eintrittsmarken zu holen. Alles wurde getan, um es zu einem wirklich unvergleichlichen Tag werden zu lassen.
Nunja, fast alles. Nach dem prächtigen Einmarsch und der Eröffnung mit Trankopfer und dem Segen eines Auguren waren die Erwartungen natürlich enorm – und konnten diesen nicht ganz standhalten. Anstatt der großen Namen aus den verschiedenen Schulen Roms oder auch außerhalb traten nur claudische Sklaven an. Nicht einmal Gladiatoren eines freien Lanista wurden angeheuert, sondern nur solche, die der claudischen Villa entstammten. Soweit unsere Acta recherchieren konnte, handelte es sich hierbei nicht einmal um ausgebildete Gladiatoren, sondern um solche, die noch am Anfang jeglicher Ausbildung standen. Und dementsprechend war natürlich der Frust bei den verwöhnteren Genießern solcher Spektakel groß, so dass ein Teil der Gäste das Theatrum schon nach dem ersten Kampf verließ. Überhaupt fehlten die großen Namen bei den Zuschauern, so dass einige Logen frei geblieben waren.
Geboten wurde ein Kampf zweier Amazonen, doch nicht etwa zur Belustigung und Aufheiterung im Vorfeld der eigentlichen Kämpfe. Vielleicht hoffte der Ädil, damit Diana besonders milde zu stimmen, indem er Amazonen, die ja der Sage nach der Göttin verpflichtet sind, antreten ließ.
Der Höhepunkt der Kämpfe war ein recht unspektakuläres Unentschieden zwischen einem Germanen und einem Nubier, das nur wenig Begeisterung hervorzurufen vermochte. Vor allem, da die Kämpfe insgesamt recht unblutig verliefen, was wohl ebenfalls der Tatsache geschuldet sein mochte, dass keine ausgebildeten Gladiatoren verschiedener Ludi fochten, sondern nur claudische Haussklaven. Man mag ihnen verzeihen, dass ihnen die nötige Disziplin und Kampferfahrung fehlt, die solch ein Ereignis zu einem wahren Spektakel machen. Und den weniger anspruchsvollen Augen schien auch diese Art von Kurzweil durchaus Freude zu bringen.

Ein weiterer Höhepunkt der Festlichkeit war dann eine waschechte Hinrichtung. Noch dazu eine Damnatio ad bestias, durchgeführt von einem wundervoll kraftvollen Stier. Oder zumindest zum Teil. Anstatt den Verurteilten durch den Stier, wie es ein Schauspiel an Kraft und Stolz gewesen wäre, zu Tode trampeln zu lassen, wurde das Tier eingefangen, als der Verurteilte schon am Boden lag, und die Reste wurden den Löwen überlassen. Nicht weniger blutig, nicht weniger das blutrünstige Publikum begeisternd, aber ungewöhnlich.
Einzig ein bitterer Beigeschmack blieb bei dem ganzen: Niemand erfuhr, was der Mann angestellt hatte. Auch konnten wir kein Gericht finden, das ihn verurteilt hatte, um sein Verbrechen zu sühnen und die Ordnung der Welt wieder herzustellen. Man munkelt, auch dieser sei ein claudischer Sklave gewesen. Aber ob er sich an seinem Herrn vergangen hatte oder nur aus einer Laune des Claudiers starb, da dieser dem Volk ein Schauspiel bieten wollte, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.
Sei es wie es sei, dem Volk schien es zu gefallen. Und letztendlich ist es dies, was zählt.

Und vielleicht ist dies doch auch der Grund für die eilige Abreise. Wer sich beliebt macht, macht sich auch Feinde. Ein unumstößliches Naturgesetz von Aktion und Reaktion. Doch wer könnte ein so mächtiger Neider sein, dass er dem Claudier derart Angst zu machen vermochte, dass dieser noch vor seinen res gestae bezüglich seines vergangenen und durchaus erfolgreichen Ädilats so eilig die Stadt verließ? Nachbarn reden gar von Stunden, innerhalb denen der Claudier gepackt hatte und sich auf den Weg ins ferne Germanien gemacht haben soll. Doch scheint es kaum vorstellbar, dass irgendwer den Mann so dringend loswerden wollte, noch dazu, wo dieser doch erst ins politische Leben zurückgekehrt war.
Fragen bleiben, Antworten haben wir keine. Vielleicht zeigt ja die nächste Zeit, was der Grund hierfür sein mochte. Enormes Pflichtbewusstsein ob der nördlichen Grenzen vielleicht? Wir wissen es nicht, und so bleibt uns nur, Claudius Menecrates viel Glück bei der Legio II zu wünschen. Wenn er diese ebenso gründlich zu führen weiß wie unsere römischen Märkte, sind wir in jedem Falle sicher.

Rückblick auf ein Jahr als Consul

KAL MAR DCCCLXI A.U.C. (1.3.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
nd manchmal kommt es anders, als man denkt. Diesen Satz kennt wohl jeder, denn allzu häufig trifft er zu. Sei es das Schnäppchen auf dem Markt, das sich plötzlich auftut und einem die Laune aufhellt, oder auch etwas weniger erbaulich, wenn Pluto unverhofft jemanden holt und damit große Pläne mal einfach so über den Haufen wirft.
Eine Überraschung der erfreulicheren Sorte tat sich mir auf, als ich den damaligen Consul Spurius Purgitius Macer traf. Was als ein geschäftliches Gespräch begann, entwickelte sich plötzlich zu einer Frage-und-Antwort-Stunde feinster Güte, in der ich den ehrenwerten Consul ausgiebig über alles befragen durfte, was Caius-Normalbürger denn so interessiert.

Doch zunächst widmeten wir uns der Politik. Kurz vor Ende seiner Amtszeit gab er mir einen kleinen Rückblick auf das, was er erreicht hatte und was ihm wichtig war. Die Berichte aus dem Amtsleben verschiedener Senatoren waren ein Punkt. So soll die Arbeit der Senatoren für das Volk transparenter sein, wenn die Acta darüber berichtet, was diese denn so tun. Doch dafür benötigt man eben jene Berichte, die nun, angestoßen von Consular Purgitius, hoffentlich häufiger und vor allen Dingen regelmäßig vor dem Senat gehört werden. Wo nichts erzählt wird, ist schließlich nichts zu berichten.
Doch der größte Batzen an Arbeit war wohl die Provinzreform (wir berichteten). Schon vor seinem Consulat zur Diskussion gestellt war dies wohl ein gewaltiger Haufen an Arbeit. Berichte mussten eingeholt werden, die Lage der Städte sondiert werden. Und nicht zuletzt konnte der Senat natürlich nur über senatorische Provinzen entscheiden, den Imperator bei den kaiserlichen Provinzen hingegen lediglich beraten. Vielleicht war es auch der langen Vorlaufzeit geschuldet, dass die Debatte im Senat so friedlich und prosperierend verlief. Nichtsdestotrotz ist sie sicherlich ein großes Werk, auf das Purgitius mit Stolz zurückblicken kann. Nun, da sie verabschiedet ist, sollte der Wünsche der verschiedenen Legaten entsprochen worden und eine bessere Verwaltbarkeit hergestellt sein. Auch meine Bedenken, dass eine Verkleinerung mehr Aufwand bedeute, da ja letztendlich mehr Posten besetzt werden müssten, wischte Purgitius mit schlüssigen Erklärungen beiseite. Rom habe genug aufstrebende, junge Männer zu bieten, die nur auf ihre Chance warteten, sich zu beweisen, die freudig in die neu entstehenden Provinzen gehen würden, um diese zu verwalten. Auch würden ja in den Provinzen einige Stellen wegfallen, die der Statthalter bislang benötigte, um über die schiere Größe noch die Übersicht zu bewahren. Daher war es hauptsächlich eine Verschiebung der Arbeitskräfte, die sich nun auf kleinere Gebiete konzentrieren und somit weitaus ertragreicher wirtschaften können. Und dies letztendlich würde zum Wohlstand Roms beitragen. Und der Großteil der Provinzen ist und bleibt ohnehin in der Hand unseres geliebten Kaisers, der nach bestem Wissen das Beste für das gesamte Imperium tun werde.

Doch waren die Provinzen nicht die einzige Sorge des Consul. Vielmehr sorgte er sich auch im kleineren Rahmen um die einzelnen Städte. “Zweifellos wird es so sein, dass es einige aktive Senatoren gibt, die mehrere Städte unter ihrer Patronage haben und einige umtriebige Städte, die sich viele Patrone gesichert haben, genauso wie es Städte ohne Patrone geben wird und Senatoren, die sich nicht engagieren. Das ist kein Zustand, den man mit Gewalt ändern muss, aber es könnte einer sein, auf den es sich hinzuweisen lohnt. Als Consul habe ich ja auch eine gewisse Aufsichtsfunktion und ich lege diese so aus, dass ich auch auf Handlungsmöglichkeiten hinzuweisen habe.“ Eine gleichmäßigere Verteilung der Stadtpatrone unter den Senatoren dürfte vor allem die kleineren Städte abseits der großen Handelsrouten freuen, sind diese doch als Prestigeobjekt und auch von ihren Einflussmöglichkeiten her weniger ertragreich als die großen Städte. Wie allerdings die Senatoren dazu gebracht werden könnten, sich gerade dieser Städte anzunehmen, noch dazu ohne Druck auszuüben, dazu sagte der Consul nichts Konkretes.

Ein wenig Angst hatte ich vor meiner nächsten Frage, die aber sicher den meisten der Leserschaft auf der Zunge brennt und die sie wohl ebenso neugierig gestellt hätten wie ich: Kann man überhaupt vernünftig die Aufgaben des Consul erfüllen, wenn der Kaiser während der gesamten Amtszeit nicht in Rom weilt. Eine schwierige Frage, die angesichts des beständigen Zustands des Kaisers nicht erst einmal gestellt werden musste. Doch teilte er da meine Bedenken nicht:
“Ich sehe mich als Consul mit meinen Pflichten nicht allzu eng an eine Zusammenarbeit oder die direkte Zustimmung des Kaisers gebunden. In den Belangen meines Amtes, die es nötig machen, mit ihm zu kommunizieren, ist der Kaiserhof oder der Praefectus Urbi in der Regel der schneller erreichbare Ansprechpartner. Von den Dingen, die ich bisher als Consul umsetzen wollte, ist zumindest keines an der Abwesenheit des Kaisers aus Rom gescheitert oder dadurch maßgeblich beeinträchtigt worden.“ Allerdings solle dies keine allgemeingültige Aussage sein. Flavius Furianus beispielsweise, der vor einigen Jahren das Amt des Consuls innehatte, legte auf die enge Zusammenarbeit sehr großen Wert, wie Purgitius betonte.
Doch wollte er damit keinesfalls die Bedenken bezüglich der Abwesenheit des Kaisers herunterspielen. "Selbstverständlich wäre es einfacher, wenn man direkter Kontakt mit dem Kaiser aufnehmen könnte oder noch viel mehr, der Kaiser von sich aus Kontakt beispielsweise mit dem Senat aufnehmen würde. Jeder Mittelsmann, egal ob es der Praefectus Urbi oder ein einfacher Beamter oder Bote ist, ist immer ein Umweg, der Verzögerungen und Mühen bringt.“
Wir alle hoffen natürlich, dass der Kaiser auch bald wieder in Rom zugegen sein kann, so dass diese Hürde wegfällt.

Da wir schon beim Thema des Praefectus Urbi waren, nutzte ich die Gelegenheit, einmal nachzuhaken. Die Acta berichtete ja ausführlich über den großen Mann, der für den Kaiser über die res publica wacht. Als mächtiger Mann an der Spitze macht man sich natürlich nicht nur Freunde, und auch Consul Purgitius war das durchaus bewusst. Allerdings konnte er keine offenen Feindseligkeiten erkennen, die Lage sei insgesamt stabil, auch wenn bei Meinungsverschiedenheiten eine angespannte Stimmung in den Reihen der Patres conscripti herrsche. Doch dies sei auch sicher nicht an der Person des Vescularius Salinator festzumachen, sondern eben Bestandteil solch gewichtiger Debatten. Kritik am Präfekten ließ er da nicht gelten, vor allem wohl wegen der bereits erwähnten, erfolgreichen Zusammenarbeit.

Nun, da seine Amtszeit vorbei ist, kann sich Purgitius wieder um die etwas kleineren Dinge kümmern. Die Verantwortung und die Ehre, als Consul zu dienen, ist auf einen anderen übergegangen. Doch wollte er sich deshalb nun nicht auf die faule Haut legen. Auch als Consular habe man Pflichten, denen man sich nicht entziehen kann (und wohl auch nicht will). In eine der neugeschaffenen Provinzen allerdings wolle Purgitius nicht, hat er mir gesagt.
Vielleicht mag dies auch mit dem Gerede auf der Straße zusammenhängen, auf das ich ihn ebenfalls angesprochen habe: Seine Kinderlosigkeit trotz der mittlerweile mehrjährigen Ehe mit Tiberia Albina. Sollte dies ein göttliches Zeichen sein, so wisse er es bislang nicht zu deuten. Und natürlich habe er die Hoffnung, dass sich dies auch bald ändern werde.

Abschließend bleibt mir nur noch, mich für dieses wunderbare Gespräch zu bedanken. In einem vollen Terminkalender spontan so viel Zeit zu finden, um meine Bedenken (und vielleicht auch die der Leserschaft) auszuräumen, ist sicher keine Selbstverständlichkeit, auch wenn es mir mit eben solcher angeboten wurde.


I.A.

Der Praefectus Urbi - im oder das Zentrum der Macht?

ANTE DIEM V KAL FEB DCCCLXI A.U.C. (28.1.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
s ist nun einige Jahre her, seit der Vater unseres geliebten Kaisers seinen Platz unter den Göttern Roms eingenommen hat, und fast ebenso lange, seit Gaius Ulpius Aelianus Valerianus den frei gewordenen Platz an der Stelle der Res Publica eingenommen hat. Kaum jemand hatte damals gedacht, dass der von übler Krankheit Befallene neun Jahre die Kraft fand, um den Staat zu erhalten. Eine Entwicklung, in der man nichts anderes als den Segen der Götter erkennen kann, die unserem Kaiser die Kraft gegeben haben sich gegen den Fluch zu stemmen, der ihm auferlegt schien.
Doch was man bei Betrachtung der letzten Jahre leicht vergessen mag, ist, dass mit der Initiation unseres Kaisers auch sein bester Freund erneut in das Licht der römischen Öffentlichkeit trat. Natürlich ist von niemandem anderes die Rede als von Potitus Vescularius Salinator, ehemaliger Legat der siebten Legion und Statthalter in Illyrien. Der von seiner Krankheit geschwächte Kaiser installierte ihn in wohlweislicher Voraussicht und im freundschaftlichen Vertrauen auf die Loyalität des Vescularius kurz nach seiner Initiation als Praefectus Urbi, und damit begann das Kapitel, das die Bürger der Stadt Rom in Zukunft im Guten wie auch im Schlechten beschäftigen sollte.

Während der Kaiser die Amtsgeschäfte aus Misenum leitet, um sich dort auf Anraten seiner Ärzte so gut als möglich von seiner Krankheit zu erholen und sich zu schonen, obliegt es dem Praefectus Urbi, die Geschäfte der Res Publica in Abwesenheit des Kaisers in dessen Sinne zu leiten, und damit den Erhalt des Staates und des Gemeinwesens sicher zu stellen. Was er mit eifriger Verve auf sich genommen hat; so müssen selbst Kritiker, die hier freilich nicht genannt werden wollen, zugestehen, dass die Amtsgeschäfte selten so reibungslos vonstatten gingen wie unter der Ägide des Vescularius Salinator. Mit einem an Zahlen starken Stab an Mitarbeitern hat er sich in die Arbeit geworfen, und damit der Ära des neuen Kaisers sicherlich eine Stabilität erhalten, die so mancher ihr beim Antritt des Valerianus gar nicht zugetraut hatte.
Dabei griff der Praefectus Urbi in zunehmendem Maße auf Männer zurück, auf dessen Tatkraft und Kompetenz er sich verlassen konnte. So haben sich vor allem namhafte und weniger namhafte Vertreter der Gens Iulia als treue Verbündete des Vescularius erwiesen, allen voran Lucius Iulius Centho, der gleich zwei seiner Verwandten ein Patronat des PU vermittelt haben soll. Gleich darauf folgt die Gens Octavia, bei der sich mit Gaius Octavius Victor ein hochkarätiger Name im Klientel an den Vescularius gebunden hat, zudem wird auch Faustus Octavius Macer als Verbündeter des PU gehandelt.
Mittlerweile müssen viele junge Männer auf dem Weg nach oben den Weg durch die Castra Cohortes Urbanes antreten, anstelle durch den kaiserlichen Palast, und so soll unter anderem Kaeso Modestus von den Annaern erstaunlich oft beim PU vorstellig gewesen sein. Während die Einzelheiten wie immer im Vagen liegen, ist zumindest definitiv nachvollziehbar, dass sich hochrangige Ritter wie Gaius Pompeius Imperiosus und Titus Decimus Verus an den mächtigsten Mann Roms gebunden haben. Was bei letzterem umso verwunderlicher ist, da man dem Vescularier und dem Oberhaupt der vom peregrinen Decimus abstammenden Familia des Marcus Decimus Livianus eine inoffizielle Fehde unterstellt. Zeichnet sich da ein Bruch zwischen den Familiae des Decimus und des Decimus Cato ab?
Den mächtigsten Part im wohlsituierten Zirkel des Vescularius Salinator dürfte wohl Quintus Turbo von den Marii darstellen. Als Klient des Praefectus Urbi wurde er mittlerweile zum Praefectus Praetorio ernannt. Eine Entscheidung, die ganz im Sinne der weisen und vorausschauenden Personalpolitik des PU steht, der es vortrefflich zu verstehen wusste, sich beinahe gänzlich mit bekannten Namen zu umgeben.
Wer hier eine Rangschau der bis dato wichtigsten Namen entdeckt haben will, liegt vielleicht gar nicht so falsch. Dass diese Namen im Namen des Vescularius, und dieser im Namen des Kaisers sehr viel Macht auf sich konzentrieren, erweckt freilich nicht nur Zustimmung. Die öffentliche Kritik am Handeln des Praefectus beschränkt sich bisher auf den Senat, und findet dort auch nur in kleinen, für den Praefectus unbedrohlichen Häppchen statt, die der gestandene Politiker mit seinen Verbündeten mit links kassiert. Was sich allerdings in den römischen Hinterzimmern abspielt, zu denen selbst die bestens unterrichteten Quellen der Acta keinen Zugriff haben, das wissen nur die Beteiligten selbst. Und natürlich der Praefectus Praetorio, der in der Geschichte immer wieder Möglichkeiten bewies, auch auf absurdeste Art und Weise an unöffentliche Informationen zu kommen.

Womit wir dann auch zur Öffentlichkeit kommen: Potitus Vescularius Salinator gilt als Mann der Gesellschaft. Auf zahlreichen wichtigen Ereignissen glänzt der zur Zeit mächtigste Mann Roms mit Anwesenheit. Seien es von Freunden und Feinden veranstaltete Spiele, seien es pompöse Hochzeiten, seien es große Opfer oder sonstige Veranstaltungen. Nicht immer weiß der Mann es da mit stadtrömischen Gepflogenheiten zu überzeugen, dies wird allerdings von manchen auf seine lange Zeit im Illyricum geschoben, andere sagen: 'Naja, er kann's einfach.'

Über die Ambitionen des Mannes kann man sich natürlich uneins sein: liegt dem Vescularier wirklich nur das Wohl der Res Publica am Herzen? Darüber könnte man streiten. Oder aber auch nicht: immerhin wird der Kaiser in Misenum sicherlich vom stadtrömischen Geschehen von der Kanzlei auf dem Laufenden gehalten.
Bei all den Unklarheiten, die über das Wirken der illustresten Persönlichkeiten der römischen Politik herrschen, kann man ein Factum jedoch nicht verhehlen: die Res Publica bleibt stabil. Die Geschichte unseres Staates zeigt deutlich, dass das nicht jede Dekade von sich behaupten kann. Allerdings fragen nicht nur die Graffiti an den Wänden der Stadt: ist das nun besser, oder schlechter?

Im Osten was Neues?

ANTE DIEM XII KAL FEB DCCCLXI A.U.C. (21.1.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
ie immer finden in Rom regelmäßige Versteigerungen von Sklaven statt - auch dieser Tage. Doch fragt man sich als Bieter, Schaulustiger oder interessierter Leser der Acta, ob man vielleicht irgendeine Neuigkeit aus dem Osten in letzter Zeit verpasst hat. Wie sonst sollte man sich erklären können, dass derzeit eine regelrechte Schwemme an Sklaven aus Parthien, Griechenland und anderen östlichen Gebieten auf Roms Marktgeschehen vorherrscht?

Gerüchten nach sollen die Kämpfe der Legio XXII an der Überflutung des Marktes mit östlicher Ware schuld sein. Betrachtet man aber die geographische Lage dieser und die wohl derzeitigen Kampfgebiete, möchte man jenem Gerüchtetreiben eine Lektion in Erdkunde und Geographie erteilen, denn diese erklären weder griechische noch parthische Herkünfte. Auch liegt der Krieg mit Parthien schon lange genug zurück, so dass man sich darüber nicht einmal im Ansatz Gedanken zu machen braucht. Doch was könnte der wirkliche Grund sein?

Zuverlässige Quellen wissen zu sagen, dass einige übereifrige Händler wohl etwas zu tief in den Bestechungsbeutel gegriffen haben und dafür sorgten, dass die östlichen Zwischenhändler sich derzeit eine goldene Nase verdienen. Die Gelder müssen reichlich gewesen sein, dass jetzt eine solche Fülle in Rom aufschlägt, die auch die Preise gewaltig drückt - was den kleineren Geldbeutel natürlich freut. Hoffen wir, dass die Händler intelligent genug sind sich baldigst umzuorientieren und dem Markt wieder Waren aus dem Norden oder anderen Gebieten anzubieten, denn schon jetzt kann man hier und da Unmutsäußerungen vernehmen, dass es zwar immer mehr gebildete Sklaven gibt, jedoch kaum noch welche, die wissen, wie man anpackt oder gar als Kämpfer ausgebildet wurden und somit als Leibwächter genutzt werden können. Auch auf dem Gladiatorenmarkt herrscht dahingehend momentan eher eine Flaute.

Doch wer weiß, vielleicht werden am Ende doch die Kämpfe der Legio XXII ein Auslöser für eine Sklavenschwemme sein - dann aber aus dem Süden.

Das Wetter bleibt wittrig

ANTE DIEM XIV KAL FEB DCCCLXI A.U.C. (19.1.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
MPERIUM - Wetter bleibt wittrig
Roma - Iuppiter scheint immernoch ziemlich sauer. Es bleibt bei Regen und Gewittern.
Mantua - auch hier ist Iuppiter ziemlich sauer. Regen, Regen, Regen, Regen, und zwischendurch kurze Momente von Regen.
Misenum - Iuppiter verschont auch Misenum nicht. Viel Regen, oft Windböen der Stärke 'verdammt windig', Gewitter.
Corduba - wie erwähnt, Iuppiter ist sauer. Also Regen, ab und zu ein Gewitter, dann mehr Regen, dann wiederum mehr Gewitter.
Ierusalem - Yehowa scheint sich mit Iuppiter zu solidarisieren: Regen, Regen, Regen.
Mogontiacum - wir haben nicht die geringste Ahnung welcher barbarische Gott da oben für den Schnee zuständig ist, aber seine Laune scheint auch nicht die beste zu sein.
Karthago - Patäke soll der zuständige Gott in Karthago heißen. Auch der hat keine bessere Laune. Ich muss nicht ausschreiben, was das für das Wetter bedeutet.
Alexandria - Regen, Regen... kleiner Spaß. Die Sonne knallt, warum auch immer, auf Alexandria wie an anscheinend jedem anderem Tag im Jahr.
Athen - auch hier: jede Menge Regen. Zeus/Iuppiter zeigt sich auch hier deutlich launenhaft. Zumindest hält er sich mit den Gewittern zurück, vorerst, heißt das. Wir wollen den Blitz ja nicht an die Wand malen.
Londinium - heiter Sonnenschein. Ich weiß, das klingt irre, ist aber so. Maponos scheint deutlich bessere Laune zu haben als Iuppiter, erklären können sich das allerdings nicht einmal die hiesigen Druiden.

Gehen die Manen in Rom um?

ANTE DIEM VIII ID IAN DCCCLXI A.U.C. (6.1.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
er Zeitraum der Saturnalien bietet viel Zeit und Muse für Besinnliches und dafür, sich den Freuden des Lebens hin zu geben. Manch einer scheint dies in diesen Tagen jedoch etwas übertrieben zu haben, oder wie sonst würde man auf die Idee kommen, dass die Manen in Rom ganz offen ihr (Un)wesen treiben?

P.M. Arbitor berichtete - unter Zeugenschaft und der mehrfachen Bestätigung, dass er nicht zu tief in das Glas von Bacchus' Freuden schaute - das er das Treiben der Manen gehört und gesehen habe. Er sei gerade erst an einer leerstehenden Villa vorbei gekommen, die mitten in Rom zu finden ist und schon eine ganze Weile leer steht - seiner Meinung nach im Übrigen eine Schande, denn sie sei durchaus gut gelegen und geräumig und er verstünde nicht, warum sich diese nicht längst jemand "unter den Nagel gerissen" habe. In dieser Villa, die sonst so schweigsam wie ein latinischer Strand im Winter sei (Anm. d. Red.: natürliche Geräusche eines Winterstrandes wurden dabei außer Acht gelassen), habe er Gestalten gesehen, verstohlen, sich heimlich bewegend und dabei doch ganz offen wirkend. Keine Diebe, nein, denn zum einen würden die da eh nichts finden und zum anderen wären die sicher verstohlener vorgegangen. Auch Obdachlose schloss er aus und für Kinder waren sie zu groß, weshalb für ihn nur die eine Möglichkeit offen blieb: es mussten die Manen sein, die in diesen Tagen dort umgingen. Vielleicht - so meinte er, fast schon hinter vorgehaltener Hand - sei ja dereinst in der Villa ein Verbrechen begangen worden, weshalb sie sich nicht verkaufe und weshalb nun die Toten da umwandeln, weil sie keine rechte Ruhe fänden. Den Argumenten der Zeugenschaft gegenüber, dass sie dies doch sicher dann schon die ganze Zeit tun würden, begegnete er sehr überzeugend mit dem Hinweis, dass es vielleicht nur während der Saturnalien passieren würde, weil zu dieser Zeit das Verbrechen dort begangen worden sei.

Die Diskussionen über das Für und Wider eines Verbrechens in dieser alten Stadtvilla, den möglichen Umtrieben der Manen und was es alternativ noch gewesen sein könnte - über ein heimliches Liebespaar bis hin zu Halluzinationen wurde alles in Erwägung gezogen -, gingen auch nach Redaktionsschluss noch weiter und was nun wirklich in der alten Stadtvilla umgegangen ist, wird wohl niemand so recht heraus finden, denn die Mutprobe etwaige Manen herauszufordern und sich selber in der Villa aufzuhalten, wollte dann doch keiner der Diskutanten antreten. So bleiben wilde Spekulationen und Rätsel, die die Gemüter manch eines Römers zu dieser Jahreszeit - in der das Wetter kalt genug ist - erstaunlich erhitzen kann.

Das Imperium ist zu klein!

PRIDIE NON IAN DCCCLXI A.U.C. (4.1.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
MPERIUM - das Imperium ist zu klein!
Betrachtet man den Immobilien- und Grundstücksmarkt, so könnte man meinen, das Imperium Romanum läge auf einer genau aufgeteilten Insel. Einer kleinen Insel, wohlgemerkt. Auf dieser Insel besitzt, wie es nun mal so ist, der Kaiser das meiste Land. Den ganzen Rest teilen sich dann findige Senatoren, Ritter und Bürger untereinander auf. Alles Land. Natürlich drängen immer mehr aufstrebende Menschen nach oben, und dann kommt es zum Krach: woher das Land nehmen? Um aufzusteigen braucht man Land, und alles Land auf der kleinen Insel ist in der Hand von wenigen, die aber darauf sitzen, als würde das Meer sie verschlingen, sobald es nicht mehr das ihre wäre.
Man muss hierbei bedenken: es gibt keinen besseren Indikator für politische und materielle Macht als Landbesitz. Wer Land besitzt, der hat ausgesorgt. Allerdings stellt man sich hier wieder die Frage, inwieweit das politische Konstrukt um diese Länder überhaupt noch funktioniert?
Der Grundstücksmarkt hat nicht stagniert, er ist non-existent. Im Verborgenen munkelt man, dass Land gar nicht mehr für Geld erhältlich sei. Auch nicht mehr für teure Pferde, oder viel teures Eisen. Nein, selbst bei angesehensten Familien werden schon schöne Töchter des Hauses gegen Land eingetauscht. Gemachte Männer präsentieren sich als fürsorgliche Patrones, sobald es darum geht, irgendwo ein paar nette Worte fallen zu lassen, aber sobald es um Land geht, ist der teuerste Klient plötzlich ein Schmarotzer der übelsten Sorte. Familien zerbrechen am Streit um Land, und Erbschaften werden lanciert und angefochten wo es nur gerade geht. Und worum geht es? Um Land. Und um die Möglichkeit, das Reich weiterhin mit der Energie und dem Willen aufstrebender junger Männer und Familien zu versorgen. Denn das hat das Reich definitiv nötiger als stabile Landpreise.

Stehaufmännchen jetzt Procurator a Memoria

ANTE DIEM IX KAL IAN DCCCLXI A.U.C. (24.12.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
OMA - Stehaufmännchen jetzt Procurator a Memoria
Wer kennt ihn denn nicht? Titus Verus von den Decimi. Es gibt kaum einen Menschen, bei dem sich so viel Umtriebigkeit und Engagement mit so viel Planlosigkeit vermengt. Was hat der Mann nicht alles gemacht? Vom Aquarius zum Magister Scriniorum, nur um dann als popeliger Probatus in der Classis einzusteigen. Es da bis zum Optio gebracht und als Held in einer Kampagne ausgezeichnet, die Freunde als Feldzug hochstilisieren und Kritiker als "kleines Scharmützel auf See" abtun. Es dann zum Ritter gebracht, gar Curator in der Kanzlei geworden. Nur um sich dann in den Ordo Senatorius erheben zu lassen, und bei seiner Bewerbung für das Vigintivirat in einer schon fast dramatischen Elegie zu scheitern. Ein Schlag den nicht jeder verkraftet, auch Decimus Verus hat hart daran zu knabbern gehabt. So hart, dass sich der Mann, der sich nicht unbedingt als Freund von Völkern außerhalb Italias bekannt gemacht hat, erst einmal ins germanische Exil zurück gezogen hat. Wohin weiß niemand. Er war einfach weg. Futsch, verschwunden, wech. Dann auf einmal, aus dem Nichts, war er wieder da. Einfach so! Und was macht er? Nein, er ruht sich nicht darauf aus, dass sich in seinem Leben bisher Sieg und Niederlage die Klinke gegenseitig in die Hand gedrückt haben. Nein, er beginnt WIEDER EINMAL von neuem. Als Scriba Personalis des Senators und Curators Marcus Vinicius Lucianus. Man kann hier feststellen: einen höher dekorierten Scriba hatte noch niemand. Niemand. Nicht einmal der Kaiser! Aber damit nicht genug... jetzt hat der geschäftige Decimer es wieder einmal in die Kanzlei geschafft. Als Procurator a Memoria. Man vermutet eine Freundschaft zum Praefectus Urbi dahinter, der es in seiner schon zuvor genannten Weitsicht versteht wichtige Positionen bestens zu besetzen. Also wieder einmal an der Spitze. Was, wieder einmal, Respekt verdient. Aber man fragt sich, was als nächstes kommt. Wahrscheinlich Wagenlenker. Oder Barbier.

erbung - Aegyptus Lapideus

PRIDIE ID DEC DCCCLX A.U.C. (12.12.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
   
Aegyptus Lapideus


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Aegyptus Lapideus
~Kunst vom Fachmann, keine Regalware~


Ich glaub, ich seh doppelt

ANTE DIEM IV KAL DEC DCCCLX A.U.C. (28.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
as Fest der Proserpina ist vorbei, die Göttin wieder hinab in die Unterwelt gestiegen. Und schon sieht man der Natur das allmähliche Sterben für den Winter an, kaum noch Blätter sind an den Bäumen zu finden und es regnet in Strömen. Und gerade in dieser tristen Jahreszeit, in der man eher an den Tod denkt, ist es umso bemerkenswerter, was unserer Redaktion vom gegenteiligen Ende des Lebens zugetragen wurde:

Orchia Sura, ihres Zeichens Hebamme, trat an uns heran, um uns von einem Kuriosum zu berichten. “Nun, eigentlich ist es ja etwas erfreuliches“, erzählte uns die gute Dame, “dass so viele Kinder geboren werden. Nur ist mir die Anzahl der Zwillinge schon langsam suspekt.“
Und tatsächlich, es scheint so, dass die Anzahl der Zwillinge beständig steigt. Was eigentlich eher selten vorkommt, scheint in zunehmendem Maße aufzutreten. Doch das allein wäre noch nicht berichtenswert. “Und immer sind es Mädchen und Jungen. Nie zwei Mädchen oder zwei Buben, nein, immer Mädchen und Junge. Und immer kommt das Mädchen kurz vor dem Jungen auf die Welt!“
Ob die Götter uns damit etwas sagen wollen? Orchia Sura zumindest ist davon überzeugt und sieht darin ein deutliches Zeichen. “Es ist, als könnten sich die Götter nicht mehr entscheiden, was für ein Kind sie den Eltern geben wollen. Und dass das Mädchen zuerst geboren wird, vielleicht weisen sie da auf die göttliche Diana hin?“
Diese These allerdings ließ sich nicht bestätigen und ist wohl auch zu weit hergeholt. Auch wenn der Frevel an der Göttin der Fruchtbarkeit bislang ungesühnt ist, wäre besonders reicher Kindersegen da ein etwas merkwürdiges Omen.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Zwillingswelle anhält, oder ob es sich nur um eine zeitweilige Zufälligkeit handelt.

eserbrief - Von Helden und Tragödien

ANTE DIEM XI KAL DEC DCCCLX A.U.C. (21.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
   
Werte Redaktion der Acta Diurna,

auf meiner Reise von Rom nach Mantua geriet eine Eurer Ausgaben - leider nicht mehr im besten Zustand - in meine Hände. In dieser berichtet Ihr ob einer Richtigstellung der Richtigstellung und bittet um die Meinung der Leser. Bedauerlicherweise fehlen mir vorherige Informationen des Sachverhaltes, da mir keine älteren Ausgaben in die Hände geraten sind - manch eine Gegend Roms wird leider nicht von Euren Ergüssen heimgesucht, zumindest nicht in einem adäquaten Ausmaß.

Betrachtet man jedoch die Aussagen, die in dieser Ausgabe zu finden sind, bleibt nur eine einzige Schlussfolgerung: bei dem Verstorbenen handelt es sich um einen idiotischen Helden. Ein Held deshalb, weil er sich in die Fluten stürzt um ein Kind zu retten und doch ein Vollidiot, weil er zuvor sein Hirn ausgeschaltet hat und nicht die Sekunden genutzt hat sich der Rüstung, zumindest in Teilen, zu entledigen. Setzt man Logik und Verstand ein, wird einem doch recht schnell klar, dass gewisse Gewichte - auch wenn man sich selber im Wasser leichter fühlt - unweigerlich zu dem Effekt des hinabziehens führen werden. Wenn jemand - wie dies bei diesem Manne augenscheinlich der Fall war - in der Lage ist zu schwimmen, sollte er doch bis dato auch diesen Sachverhalt begriffen haben. Man könnte beinahe der Meinung sein, er habe sein Gehirn bewusst ausgeschaltet, da ihn - in welcher Länge auch immer - eine gewisse Lebensmüdigkeit überfiel in diesem Augenblick.

Doch wie wird dereinst ein weiser Mann gesagt haben: Zeige mir einen Helden und ich zeige Dir eine Tragödie. Geht sonst die Tragödie nicht selten durch den Held in etwas Gutes aus, ist es hier der Held selber, der zu einer solchen beiträgt.

Vale bene
Marcus Artorius Celer


Kurzmeldungen

ANTE DIEM XIV KAL DEC DCCCLX A.U.C. (18.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Aegyptus, Neues aus Germania, Gesellschaftliches, Politisches
ROMA - Flavii und Aurelii schließen neues Bündnis
Man darf es als Geniestreich der beiden im Moment doch arg vom Schicksal geschlagenen Gentes betrachten, dass sie es geschafft haben mal wieder zwei Sprösslinge miteinander zu verkuppeln. Flavia Nigrina und Sextus Aurelius Lupus feierten kürzlich ihre Verlobung, man könnte fast meinen, man hätte sich bewusst auf die wenig später eintretenden Schicksalsschläge (man erinnere sich an den Tod der Flavia Celerina und des Marcus Aurelius Corvinus) vorbereitet. Die Feier ist eigentlich nicht großartig erwähnenswert, der den patrizischen Gentes üblicherweise zugeschriebene Pomp, Segen der Götter, alles dabei. Die Gästeliste las sich natürlich auch wie ein Wer-ist-Wer der römischen Gesellschaft. Eigentlich alles unspektakulär, wären da nicht die beiden Todesfälle kurz darauf. Es bleibt abzuwarten ob diese Ehe, die dazu gedacht war die Bindung und vor allem die Stellung der beiden Gentes zu stärken, nun in der Lage sein wird das Tief auszugleichen in dem sie nun stecken.

AEGYPTUS - echte Freunde stehen zusammen
Während die Legionen unter der Führung des Legaten Octavius Dragonum weiter die Wüste nach Banditen durchkämmen und sich hier und da wütende Scharmützel mit dem kaum greifbaren Feind liefern, ist das Lagerleben der Legionäre von inniger Eintracht geprägt. Muss man sich abseits der Castella auf den Tod gefasst machen, stärken die Gladiatoren sich gegenseitig durch trautes Gemeinschaftsleben. Zu den Brüderlichkeiten, mit denen man sich das triste Lagerleben erträglich macht, soll zum Beispiel das gemeinsame Polieren des Gladius gehören. Ab und an sollen Legionäre sich auch einfach mal gegenseitig das Pilum halten. Man schrubbt zusammen den Dreck vom Scutum, spannt den Scorpion oder man schärft zusammen die Pugiones.
Alles in allem sehr erfreuliche Nachrichten vom Zusammenhalt so nahe der Front. Sicherlich im sehr griechisch-beeinflussten Alexandria eine Ausnahme, und auf diese Männer kann Rom also wahrlich stolz sein!

GERMANIA - hoch, höher, Terentius Primus
Kaum in seinem Amt als Praefectus Alae, lässt Gaius Terentius Primus (dem treuen Leser vielleicht als motivierter Verfasser von Leserbriefen zur objektiven Aufklärung der Allgemeinheit bekannt) sämtliche Muskeln spielen, die seinem schlachtgestählten Körper so inne sind: hat der Mann nicht zuerst die Ala auf Links gedreht, um sie in einen seinen außerordentlichen Ansprüchen genügenden Zustand zu versetzen, wurde zuletzt eine zehn Mann starke und zudem augenscheinlich stockbesoffene Räubertruppe.. achwas.. RäuberARMEE mit einer massiven Militäraktion geplättet, so war die Curia der seine Ala beherbergenden Civitas Confluentes sein nächstes Ziel. Die existiert nämlich gar nicht. Richtig gelesen: in Confluentes geht administrativ gar nichts mehr. Orgien und Müßiggang sollen an der Tagesordnung sein, der Duumvir soll sich gar aus dem Staub gemacht haben. Da fragt man sich doch gleich, wieso das nicht eher auffiel? Steuerausfälle aus einer so wichtigen Stadt dürften doch wohl recht schnell bei den wichtigsten Stellen der Provinz auffallen? Schläft der Statthalter der Provinz, Marcus Vinicius Hungaricus, oder warum entgehen ihm derlei Dinge? Und was ist mit dem Comes Lucius Purgitius Maecenas? Gut zu wissen, dass es trotz soviel Unaufmerksamkeit in den zentralen Stellen der Verwaltung in Germania immer noch so blitzgescheite und wache Offiziere gibt, die zum Wohle Roms auch gerne mal ihre Befugnisse überschreiten, um für Recht und Ordnung zu sorgen.

AEGYPTUS - iulischer Icarus verbrennt sich an aegyptischer Sonne
Erinnert sich jemand an unseren letzten kurzen Bericht über die Machenschaften des sehr ambitionierten Lucius Iulius Centho, der es sich offen auf die Fahnen geschrieben hat, seiner Gens zu alter und neuer Glorie zu verhelfen? Nach der Ernennung zum Quaestor verbrachte der Iulier bekanntermaßen ganze Wochen seiner Amtszeit damit, sich über sein Amt zu beklagen, eine Quengelei, der ein väterlich-scheltender Consul Aemilius nur damit Einhalt gebieten konnte, in dem er dem Iulier ein paar Boote der Classis zum Spielen gab und ihn damit nach Aegyptus schickte. Weit weg von Rom. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Nun hatte der Quaestor Iulius zur Beschäftigung nicht nur ein paar nette Boote der Classis mitbekommen, sondern auch einen fatalen Auftrag: die Engpässe in der Versorgung der Ewigen Stadt mit aegyptischem Getreide aufzuklären. Der Consul Aemilius dürfte sich darüber gefreut haben, den Querulanten losgeworden zu sein; der Statthalter unseres geliebten Kaisers in Aegyptus, Appius Terentius Cyprianus, war allerdings weniger über den unangemeldeten Besuch erbaut. Weniger noch: der Iulier bewies mal wieder sein feines Gespür für Fettnäpfchen. Vollkommen erbaut über sein tolles Amt, seine Spielzeuge und sich selbst hatte er nichts besseres zu tun als dem Praefectus Aegypti mal so richtig in die Kandare zu fahren.
Wenn man das Gespräch, das in der gehobeneren Gesellschaft Aegyptus' zur Zeit das Thema Nr. 1 ist, einigermaßen genau wieder geben will, so dürfen da die Worte "Amtsanmaßung", "Beleidigung", "Frechheit" und "maßlose Selbstüberschätzung" nicht fehlen.
Man wird dem Iulier in der Sache wohl blinden Eifer unterstellen dürfen, dass er vergessen zu haben scheint, dass man VOR der offenen Zurschaustellung von Standesdünkeln sich diese überhaupt erst erarbeiten muss. Und da ist der Hund begraben, der Iulier scheint in den Etappen seines Cursus Honorum mit jedem zweiten Schritt kräftig daneben zu treten: seine Arbeit als Vigintivir soll mit "schlampig" noch schön geredet sein, seine Arbeit als Tribun der Stadtkohorten sind ausgezeichnet worden, und als Quaestor wird er Aegyptus wohl keinen Deut schlauer verlassen haben. Dafür mit jeder Menge Ärger. Kein Zeichen der Reife, um in die Curia Iulia berufen zu werden.

ROMA - Familia des Mutius Scaevola trauert um komplette Nachkommenschaft
Mehrere Unglücke wahrhaftig dramatischen Ausmaßes haben die Familia des Lucius Mutius Scaevola, eines bekannten Ritters des Reiches erschüttert. Zuerst ertränkte sich die Tochter, Mutia Tertia, wohl aus Liebeskummer. Dann verunglückten wenig später gleich alle drei Söhne des Scaevola auf tragische Art und Weise. So seiner kompletten Nachkommenschaft beraubt, darf man sehr wohl annehmen, dass Mutius Scaevola auf grausame Art und Weise von den Göttern bestraft wird. Allerdings munkelt man auch, dass es sich dabei um nichts anderes als eine Racheaktion dunkler Kräfte handeln soll. Der Ritter soll hoch verschuldet sein, und unwillens seine Schulden zurück zu zahlen.

GERMANIA - mogontiner Baumstrukturkuchen sorgt für Aufsehen
In Mogontiacum, aber auch schon weit darüber hinaus, spricht man mittlerweile von einer neuen und einzigartigen Delikatesse. Kreiert wurde sie von den Meisterköchen in der bekannt-beliebten Taberna Silva Nigra in Mogontiacum, einem Gasthaus mit langer Tradition die schon ebenso lange von der ebenso traditionsreichen Familie der Duccii geführt wird. Diese neue Delikatesse wird 'Baumstrukturkuchen' genannt, und soll zu den exklusiveren Gaumenfreuden zählen, die man sich gönnen kann. Dem armen Schreiber der Acta war es leider nicht möglich diese Spezialität zu probieren, immerhin sind die Preise für dieses Gericht so gesalzen wie sie selbst süß ist. Aber in den höchsten Schichten der provinziellen Gesellschaft gelten sie als absoluter Geheimtipp, und auch schon nach Rom sollen einiger ehrgeizige Händler sie exportiert haben um sie dort mit exorbitanten Preisen an den Mann und die Frau von Stand zu bringen.

ARABIA - junger Germane gewinnt spektakuläres Rennen auf norrischer Kuh
Wenn Nachrichten aus dem Ausland zu uns dringen, dann sind es stets solche die für großes Aufsehen sorgen. So soll in einem Land im südlichen Ost, noch weiter als das weiteste Arabia, ein Rennen ausgetragen worden sein das seinesgleichen sucht. Dominiert wurde die Rennserie, die überall in und abseits der uns bekannten Welt stattfand, zuvor meist von Alonsus, einem Mann dessen Fähigkeiten seit den Tagen des legendären Caligafactor unbestritten das Feld dominieren. Doch wegen eines Fehlers in der Rennplanung musste der Mann aus Hispanien, der auf einem rotgelbschwarzen Hengst aus Italia bisher viele Rennen gewann, nun den Gesamtsieg an Sebastianus Vettelus abgeben, einen germanischen Reiter auf einer roten Kuh aus Norricum, dem bisher kaum jemand eine Chance eingeräumt hat.
In Germanien zeigt man sich begeistert von dem Erfolg des Außenseits, so ein Anhänger: "Wir sind zwar alles andere als ein Volk. Aber was dieser Vettelus vollbracht hat, lässt fast die Schmach vom Sommer dieses Jahres gegen die Hispanioten in Vergessenheit geraten! 'maniaaaaaaaaaaa 'maniaaaaaaa, 'maniaaaaaaaa 'maniaaaaaa!"

Ein Urteil, das es in sich hat

ANTE DIEM XVIII KAL DEC DCCCLX A.U.C. (14.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
or nicht allzulanger Zeit haben wir noch von dem Prozess des Octavius Macer gegen Decimus Livianus berichtet. Nun ist das Urteil gefällt und auch die Einspruchsfrist ist verstrichen, womit das Urteil endgültig ist: Decimus Livianus ist schuldig.
Für diejenigen, die weder den Prozess noch unsere Berichterstattung verfolgt haben, hier ein kurzer Abriss der Geschehnisse: Zu seiner Zeit als Prätor hat der Decimer zwei Adoptionen bewilligt. Zunächst einmal war da die des Libertinus Appius Tiberianus Marhabal durch Lucius Quintilius Valerian. Wie nun hinlänglich bekannt ist, kann ein Sklave oder Libertinus niemals römischer Bürger werden. Durch diese Adoption aber ist nun genau dieser Fall eingetreten. Dass der Prätor nun hierfür bestraft wurde, weil er in diesem Fall wohl beide Augen sehr fest zugedrückt hat, ist also wenig verwunderlich. Bemerkenswert ist viel eher die Tatsache, dass diese Rechtsbeugung nun schon Jahre zurückliegt und sich bislang niemand daran gestört zu haben scheint, so dass eine Verjährung eigentlich anzunehmen gewesen wäre.
Die zweite Verurteilung wegen Rechtsbeugung betraf nun die Adoption des Decimus Serapio durch Decimus Livianus. An und für sich ist an einer solchen wohl nichts weiter ungewöhnlich. Decimus Livianus hatte zum Zeitpunkt dieser Adoption offiziell keinen leiblichen Sohn (und auch jetzt scheint dieser das ferne Britannien seinem Vater vorzuziehen) und so sicherte er seinem Neffen den Platz als Erben eines Senators. Was nun aber nach Auffassung der Richter daran fehlbares Verhalten war, ist die Tatsache, dass Decimus Livianus zum Zeitpunkt der Adoption im Amt des Prätoren war und damit in seiner eigenen Sache entschieden hat. Gemäß römischer Rechtsauffassung darf ein Richter nicht entscheiden, wenn er befangen ist.

Soweit klingt diese Verurteilung ebenfalls sehr vernünftig. Doch was bedeutet das in der Praxis? Während seiner Amtszeit als Prätor – die ja immerhin ein Jahr umfasst – kann ein Prätor keine Rechtsakte durchführen, die seine Person betreffen. Doch endet hier die Befangenheit? Was ist mit seiner Familia? Was mit seiner Gens? Wie weit reicht diese Befangenheit, die mit diesem Urteil nicht nur Strafsachen, sondern auch das Zivilrecht umfasst? Darf künftig ein entfernter Verwandter des Prätors während dessen Amtszeit ein Rechtsgeschäft durchführen? Eine sehr interessante Fragestellung, auf die unsere Redaktion keine befriedigende Antwort gefunden hat. Künftig wird es wohl heißen: Zu Risiken und Nebenwirkungen ihrer Kandidatur zum Prätoren befragen sie ihren Rechtsbeistand.

Die Strafe hingegen, die Decimus Livianus zu entlohnen hat, ist geradezu lächerlich klein, bedenkt man seine Stellung. 10 Aurei sind an die Staatskasse zu entrichten. Es gibt Sklaven auf dem römischen Markt, die weit mehr kosten. Das Urteil ist wohl eher als ein sachter Schlag auf die Finger verbunden mit einem „Du, du, du, mach das nicht nochmal“ zu verstehen denn als wirkliche Bestrafung wegen Rechtsbeugung.
Daher stellt sich die Frage, was die Richter damit aussagen wollten. Ging es letztendlich gar nicht um die Bestrafung, sondern um die Publikumswirksamkeit des Prozesses? Oder sollte hier nur ein Präzedenzfall im Recht geschaffen werden?
Manche vermuten sogar politische Motive hinter der kompletten Verhandlung. Nahrung erhält diese Theorie durch den Auftritt des Praefectus Urbi am letzten Verhandlungstag, der äußerst zufrieden wirkte. Allerdings mag das auch ohne Zusammenhang stehen und einfach auf die Reden des Decimus Livianus im Senat zurückzuführen sein, wo er dem Vescularier mehr als einmal recht offen sein Misstrauen ausgesprochen hat. Dass die beiden Männer einander nicht unbedingt wohlgefällig zugetan sind, dürfte wohl keine Überraschung sein.

eugen gesucht

ANTE DIEM IV ID NOV DCCCLX A.U.C. (10.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Religion, Spiele & Kultur
   
IN NOMINE SENATVI POPULIQUE ROMANI
ET PONTIFICIS MAXIMI

- Zeugen gesucht -


Das Collegium Pontificium sucht zur Klärung der Umstände Zeugen, die am Fest der Nemoralia im Hain der Diana zu Nemi teilgenommen haben und Hinweise über die dort vorgefallenen Geschehnisse bieten können.

Diese haben sich beim Pontifex pro Magistro Manius Tiberius Durus in der Villa Tiberia zu melden.




gez. Manius Tiberius Durus

- PONTIFEX PRO MAGISTRO -


Aegyptus - ein Reisebericht

ANTE DIEM VI ID NOV DCCCLX A.U.C. (8.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Neues aus Aegyptus
an meint die Trockenheit in den Knochen spüren zu können, die dieses Land im Griff hält. Selbst an der Küste, selbst dort, wo der Fluss wie eine lebenspendende Ader durch den Sand mäandert und ihm ein Grün entlockt, das man nur wenig vom Nass entfernt für unmöglich halten würde. Man kann sich kaum vorstellen, wie es sein mag, noch weiter weg. Die Sonne glüht erbarmungslos im Frühling schon, und man weiß, man spürt es, die Strahlen sind gefährlich, flammen vom durchdringenden Blau hinab auf die Erde, auf die Menschen, verbrennen die Haut und verwirren den Geist der Unachtsamen. Unbarmherzig brennen sie, trocknen das Land aus, die Lebewesen und das Gemüt. Aber selbst wenn das nicht so wäre, die Trockenheit ist das, was dieses Land prägt. Die Trockenheit ist das, was das Leben in all seinen Einzelheiten beherrscht. Grüne Flächen gibt es wenige, die vorherrschende Farbe ist gelb oder braun. Gelb dort, wo der ohnehin allgegenwärtig scheinende Sand das einzige ist, was der Boden zeigt. Braun in der Nähe von Wasser, wo Erde geschafft hat, standhaft zu bleiben. Und selbst dort scheint es fast so zu sein, als verlange es der Erde zu viel Kraft ab, sich zu halten, um wirklich noch nahrhaft zu sein. Diese Erde ist auf ihre Art faszinierend, so ganz anders als die, die man kennt. Dunkel, schwer und feucht ist sie zu Hause. Man meint das Leben förmlich daraus sprießen zu sehen, so reich und voll wirkt sie. Die Erde hier zeigt dagegen deutlich, dass sie nicht alle Lebewesen zu unterstützen gewillt ist. Gelbbraun und trocken, fordert sie einen heraus, um alles zu kämpfen, was man von ihr will. Und so sind die Lebewesen hier.

Eine Gegend wie diese strapaziert alles Leben. Doch so unwirtlich sie auch wirken mag für fremde Augen, ist sie dennoch nicht gänzlich unbevölkert, ist nicht bar jeden Lebens. Manche Pflanzen werden in ihrem Lebensstil nahezu so anspruchslos wie Moos, in solchen Gegenden, und entsprechend entwickeln sie sich. In der Trockenheit der Wüste, im allgegenwärtigen Sand sind es die feindlich scheinenden, die den größten Erfolg haben, die dauerhaft siedeln können, und sie machen die ohnehin schon abweisende Landschaft noch abweisender, noch lebensfeindlicher. Es gibt Kakteenwälder, die so dicht stehen, dass sie undurchdringbar sind für alles Getier, das nicht klein genug ist, um die gefährlichen Stacheln zu meiden, oder gepanzert genug, um sich davon nicht stören zu lassen. Es gibt aber auch noch andere. Da ist dieser Baum. Ehrwürdig gemessen an Jahren, und sicherlich auch beeindruckend in seiner äußerlichen Erscheinung, knorrig, die Äste krumm und verbogen, die Rinde grau-verwittert, die letzten Blätter bereits abgeworfen, steht er da, nicht stolz nach oben gereckt, sondern in seltsame Formen gebeugt von zahlreichen Stürmen, die er in seinem langen Leben schon durchgemacht hat. Einer der wenigen Bäume ist er, am Rand der Wüste, einer der wenigen, die es geschafft haben, der feindlichen Umgebung zu trotzen, der Hitze, dem Sand, den Stürmen, und die dem kargen Boden immerhin genug Nährstoffe abzuringen vermögen, die sie brauchen, um zu überleben. Seine Wurzeln, obwohl recht tief in der Erde verankert, haben nicht den Halt, den seine Brüder im Norden haben, jenseits des Mare Internum. Zu locker, zu trocken, ja, fast staubartig ist der Boden, um griffig zu sein. Ebenso verhält es sich mit seiner ganzen Statur. Ständige Belastung durch sengende Hitze sowie eine konstante Unterernährung haben sein Holz im Lauf der langen Jahre spröde und brüchig werden lassen. Und dennoch hat er es geschafft, sich hier eine Nische für sich zu schaffen, in der er genug von dem findet, was er braucht, um überleben zu können und den Gefahren zu trotzen.

Richtung Mare Internum ändert sich wenig. Die Vegetation wird streckenweise grüner, üppiger, man merkt, Wasser nähert sich. Aber doch ist die Trockenheit allgegenwärtig, auch hier. Es ist nicht nur die Hitze. Man sieht es an den Grünflächen den Fluss entlang, wo das Gewächs immer noch mehr gelb als grün ist – es sei denn, es wird täglich bewässert. Man sieht es an den Blättern, an den vertrockneten Halmen, an der staubtrockenen Erde. Man kann es in der Luft riechen, im Wind spüren, diese Trockenheit – obwohl das Nass kaum einen Steinwurf entfernt ist. Man erkennt es an den verkohlten Flecken, die Kunde von den Feuern tun, die sich entzünden, wenn Pflanzen zu trocken werden und Sonne zu heiß. Und man merkt es an den Menschen. Menschen mit Wasser im Überfluss sind anders. Man kann es in den Augen sehen. Die Hitze und die Trockenheit hinterlassen ihre Spuren, nicht nur im Land selbst, nicht nur in Flora und Fauna, auch im Menschen. Sicher hinterlässt auch hier das Leben in einer Stadt seine Spuren, verändert die Menschen noch einmal im Gegensatz zu jenen, die weiter draußen leben. Aber es lässt sich nicht leugnen: sie sind geprägt von dieser Trockenheit. In größeren Orten ist eine Lebendigkeit zu spüren, die in krassem Gegensatz zu stehen scheint zu der erbarmungslosen Hitze, fast als ob die Menschen hier einen bewussten Akzent setzen wollen. Ein Zeichen gegen die Hitze. Mit Worten gemalte Bilder fließen, als wollten sie die Sehnsucht nach Wasser symbolisieren. In den Siedlungen in der Wüste hingegen sind sie ruhiger. Sie nutzen einen Tonfall, der so trocken ist wie alles hier. Sie verzichten auf viele Worte, so wie sie auf das Wasser verzichten, notgedrungen. Sie sind karg. So karg wie das Land, das sie hervorbringt.

eserbrief

PRIDIE KAL NOV DCCCLX A.U.C. (31.10.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
   
In re Terentius Lupus

Ich kann nicht verleugnen, dass ich mit tiefstem Entsetzen die Geschehnisse um den Tod des Vexillarius Terentius Lupus erfahren habe. Ich trauere um die bedauernswerte Rüstung, die nun sicher mit vielen deplorablen Rostbeulen überzogen ist und nun nicht mehr an jemanden vermacht werden kann, der bessere Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sieht, als sich zu ertränken. Dass jedoch die Frage, ob der Tod des Gerüsteten von Dummheit oder Heldentum zeugt, aufgeworfen wird, ist eine interessante Debatte, und wir können die Existenz von Terentius Lupus wohl gut würdigen, beziehungsweise akzeptieren, beziehungsweise ihr posthum eine Art Sinn verschaffen, indem wir uns mit der Analyse des Problems beschäftigen.

Wie also können wir das Ertrinken an sich betrachten? Es ist der Tod durch Erstickung durch Wasser, welches in die Lungen eintritt. Um es anders zu formulieren, es geschieht, wenn man atmet, was der nicht Lebensmüde zu trinken pflegt, und ist eine Aktivität, mit der der Ertrinkende normalerweise bis zum Ende seines Lebens voll und ganz beschäftigt ist.

Es gibt viele interessante, aufregende, erbauliche und heitere Arten und Weisen zu ertrinken. Ertrinken kann man zum Beispiel, indem man besoffen in den Tiber fällt, oder ohnmächtig in einer winzigen Pfütze ertrinkt, oder im Zuge einer Orgie durch Wein, oder indem man ein bisschen zu lange einen in einem Teich verlorenen Schlüssel sucht, oder aber, indem man sich selber umbringt, oder – auch sehr beliebt und für den Mörder durchaus lustig und erbaulich – umgebracht wird durch Ertränken. Diese Arten, ums Leben zu kommen, sind aber an dieser Stelle irrelevant. Sehr beliebt ist aber natürlich auch das Ertrinken mithilfe von Balast, welches an dieser Stelle uns interessiert – und amüsant zum Zuschauen ist, ich spreche aus Erfahrung.

Wir stehen hier, um der Fragestellung vorzugreifen, zwei Faktoren gegenüber, und zwar das gerüstete Schwimmen und die Rettung eines Kindes. Ich habe vergeblich in meinem Kopf versucht, zu rekonstruieren, wie ein Gerüsteter in einen Fluss springen kann, dort ein Kind rettet, aber gleichzeitig ertrinkt. Denn es ist nun so, dass jemand, um ein Kind ans rettende Ufer zu bringen, selber ans rettende Ufer muss. Dies ist logisch. Wenn ich meine Tochter von mir zuhause in Tibur nach Rom bringen will, so muss ich selber nach Rom. Wenn ich sie ans rettende Ufer bringen will, muss ich selber auch ans rettende Ufer.

Was also, so frage ich mich, ist der Grund, wieso Terentius Lupus also scheinends mit dem Kind ans Ufer gekommen, aber doch ertrunken ist?
Die Erklärungen, die ich habe, ist, dass Terentius es nachher für klug befunden hatte, wieder in den Fluss zu gehen, um ein erfrischendes Bad zu nehmen, und dabei ertrunken ist. Oder aber er schaffte es bis ans Ufer, kippte dann aber spektakulärerweise zurück und ersoff, bevor man ihn aus dem Wasser rausziehen konnte. Da stellt sich die Frage – handelte es sich hier um einen seltenen Fall von Expressersaufen, also beschleunigter Tod, quasi Ertrinken für wahre Sportleute? Oder aber er schmiss das Kind gemeingefährlicherweise ans Ufer, bevor die Fluten des Rhenus ihn einholten? Unwahrscheinlich, da man für einen guten Wurf eine gute Standbasis haben muss, aber wer weiß, vielleicht war Terentius von Superkräften beseelt. Doch wenn er ein in der seriösen Wissenschaft so genannter Supermann war, warum ist er dann ertrunken?

Da ich diese Frage nur unzureichend beantworten kann, bitte ich einen Informierten darum, mir eine einleuchtende Erklärung zu geben.

Nun aber zur eigentlichen Beantwortung der Frage. Die Acta stellt die Sachlage so dar, als ob Heldentum und Dummheit sich ausschließen. Das tun sie nicht, vielmehr gehen sie meistens Hand in Hand. Wenn wir uns die Geschichten aus dem Altertum anschauen, sehen wir diese übervölkert von Helden, die das, was ihnen an Hirnschmalz fehlt, in ihre Muskeln haben. Wir staunen zum Beispiel über die Geschichte von den Argonauten. Unbenommen der Tatsache, dass ein paar von ihnen überlebten, war das, was sie taten, unglaublich dumm. Und unglaublich glorreich und heldenhaft. Es war heldenhaft dumm. Es war dumm, aber heldenhaft, was sie taten. In dieser Tradtion sehe ich auch Terentius Lupus, der das war, was der Pöbel sagt, und das, was Terentius Primus sagt. Er war ein dummer Held. Ein heldenhafter Dümmling. Helden, wie man sagt, sterben jung. Und dumme Helden sterben noch jünger, wie uns dieser Vorfall bewies.

Man kann also sagen, in Erwiderung auf die Frage, der Terentier war ein vollgerüsteter ersoffener idiotischer Held, dessen Tod vermutlich die durchschnittliche Intelligenz pro Kopf in Germanien in die Höhe rasseln lassen hat, aber dessen durchschnittliche Tapferkeit pro Kopf ebendort sinken lassen hat. Zudem bescherte sein Tod uns eine wahre Kopfnuss, denn wie Terentius das Kind ans Ufer schaffte, und durch logische Inferenz ebenfalls ans Ufer gekommen sein muss, aber trotzdem ertrank, ist schleierhaft. Es gibt dem Tod des jungen Mannes etwas mysteriöses, etwas mythisches, einen Stoff, aus dem Legenden gestrickt sind. Vielleicht wird man sich ob dessen noch in tausend Jahren Geschichten erzählen über Vexillarius Terentius, dem dümmsten Helden aller Zeiten.

Hochachtungsvoll,
Publius Publilius Publicola


Richtigstellung der Richtigstellung

ANTE DIEM V KAL NOV DCCCLX A.U.C. (28.10.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
Die sensationsgeifernde Redaktion der Acta Diurna sieht sich infolge soviel Groll unserer Berichterstattung gegenüber sehr betrübt. Mehr noch: künftige Ausgaben des allseits beliebten wie auch streitbaren (!) Verlautbarungsorgans standen auf der Kippe, weil die Redaktion sich beharrlich weigerte aus der Ecke heraus zu kommen und mit der Schämerei aufzuhören. Der Hunger setzte diesem kollektiven Schuldbekenntnis allerdings ein ziemlich natürliches Ende.
Jetzt, mit gefülltem Magen, stellen wir uns die Frage was diesen Marcus Terentius Lupus zu einem Helden machen soll.
Legen wir die nach erster wie letzter Recherche gesammelten Informationen zusammen:

1. Marcus Terentius Lupus ist in voller Rüstung in den Rhenus gesprungen.
2. Marcus Terentius Lupus ist im Rhenus ersoffen.
3. Marcus Terentius Lupus hat vorher noch ein Kind vor demselben Schicksal gerettet.
4. Das Kind war nicht gerüstet.
5. Marcus Terentius Lupus wird von einigen als Mensch mit verminderter kognitiver Leistungsfähigkeit gehandelt, weil er in voller Rüstung in den Rhenus gesprungen ist, und dabei natürlich ertrank.
6. Gaius Terentius Primus hält Marcus Terentius Lupus für einen Helden, weil der ein Kind gerettet hat bevor er vollgerüstet im Rhenus ersoff.
7. Die Redaktion der Acta Diurna gab in einem Artikel über das Gerede auf dem Markt das Gerede auf dem Markt wieder.
8. Gaius Terentius Primus schreibt einen wütenden Leserbrief, weil die Redaktion der Acta in einem Artikel über das Gerede auf dem Markt das Gerede auf dem Markt wiedergegeben hat, und nicht, dass Gaius Terentius Primus Marcus Terentius Lupus für einen Helden hält, weil er ein Kind gerettet hat bevor er vollgerüstet im Rhenus ersoff.
9. Die Redaktion der Acta schämt sich wirklich sehr dafür, in einem Artikel über das Gerede auf dem Markt das Gerede auf dem Markt widergegeben zu haben, und nicht, dass Gaius Terentius Primus Marcus Terentius Lupus für einen Helden hält, weil er ein Kind gerettet hat bevor er vollgerüstet im Rhenus ersoff.
10. Die Redaktion der Acta zeigt sich versöhnungsbereit, und erklärt hiermit, dass Gaius Terentius Primus Marcus Terentius Lupus für einen Helden hält weil er ein Kind gerettet hat bevor er vollgerüstet im Rhenus ersoff, während das Gerede auf dem Markt besagt, dass dieser ein Mensch mit verminderter kognitiver Leistung war weil er vollgerüstet in den Rhenus gesprungen ist.

Bei genauerer Betrachtung dieser Umstände wird sehr schnell klar, dass die Einschätzung von Gaius Terentius Primus Marcus Terentius Lupus zu einem Helden machen soll. Das Gerede auf dem Markt macht ihn allerdings zu einem Menschen der vollgerüstet in den Rhenus gesprungen ist und dabei ertrank, und das eindeutig wertend. Wir stellen dabei nicht die unglaubliche Leistung in Abrede, vorher noch ein Kind zu retten. In voller Rüstung. Eine wahrhaft sagenhafte Leistung. Noch sagenhafter wäre es gewesen, hätte er sich vollgerüstet noch mitsamt Kind an Land retten können. Hat er aber nicht. Das führt uns nun zu folgender Frage: Was wiegt nun schwerer?
Das von Gaius Terentius Primus beanspruchte Heldentum ob des drohenden Ertrinkens des Kindes?
Die auf den Märkten immer wiederkehrende Behauptung der Dummheit des Ersoffenen?

An dieser Stelle ist dummerweise der komplette Anstand der Redaktion aufgebraucht, weshalb wir es uns nun besonders einfach machen: Wir bitten um Leserzuschriften! Ja, richtig gelesen! Schreibt uns! War der Mann ein ersoffener Held? Oder ein vollgerüsteter Idiot?
Jeder zehnte Zuschreiber bekommt einen Kurs im blitzschnellen Entrüsten gratis!

Die Krux mit den Söhnen

ANTE DIEM IX KAL NOV DCCCLX A.U.C. (24.10.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
rsprünglich sollte an dieser Stelle eine ausführliche Berichterstattung über den Prozess Faustus Octavius Macer gegen Marcus Decimus Livianus erfolgen. Wie vielleicht der ein oder andere mitbekommen haben mag, wurde der hochdekorierte Kommandant der Legio II von besagtem Octavius angeklagt wegen Rechtsbeugung in zwei Fällen.
Das Kuriose ist, dass diese Fälle nicht einmal den Octavier in irgendeiner Form betreffen, nein. Es geht um die Einbürgerung eines Libertinus während der nun schon über ein Jahr zurückliegenden Amtszeit des Decimers als Prätor, und um die Adoption von Faustus Decimus Serapio. Vielleicht war es gesteigertes Gerechtigkeitsempfinden, vielleicht kann man auch auf politische Beweggründe schließen, die den jungen Octavier nach all dieser Zeit dazu trieben, Anklage zu erheben.
Die bisherigen vier Prozesstage als langweilig zu beschreiben trifft den Kern des ganzen wohl sehr genau. Der Angeklagte kann aufgrund seines Kommandos natürlich nicht selbst am Prozess teilnehmen und schickt deshalb nur seinen Verwandten, niemand geringeren als den Magister Iuris Marcus Decimus Mattiacus. Doch auch ein so berühmter Verteidiger verschafft dem Prozess wohl nicht die nötige Aufmerksamkeit. Der Versuch, die Zuständigkeit des Gerichtes anzuzweifeln, wurde beiseite gefegt, und die Zeugen der Verteidigung waren wohl auch eher da, um ihr persönliches Leid darzulegen und die Ungerechtigkeit der Welt zu beklagen. Die Anklage hingegen stützt ihre gesamte Beweisführung auf ein einziges Schriftstück, nach welchem Decimus Livianus der Einbürgerung des Libertinus zugestimmt hat. Nachdem diese Entscheidung aber schon längst rückgängig gemacht und der Mann wieder seinem Stand angemessen Nicht-Bürger ist, kann man über die Immanenz dieses Beweises nun geteilter Meinung sein. Und was die Adoption von Decimus Serapio angeht, scheint überhaupt kein stichhaltiger Grund für eine Klage vorzuliegen. Das spannendste dürfte also wohl das Urteil sein, das dieser dahingezogenen Langeweile ein Ende setzt.

Was wiederum interessant war, waren die Gespräche, die im Zuschauerraum stattgefunden haben. Da unterhielten sich beispielsweise zwei edle Damen, wie es sein könne, dass fast alle männlichen Teilnehmer dieses Gerichtes unverheiratet wären. Und tatsächlich, sieht man sich die Herren einmal an, muss man ihnen recht geben.
Die Anklage, Octavius Macer, aufstrebender Politiker, jüngst zum Senator ernannt, und noch unverheiratet. Dabei haben die Octavier in ihren Ahnenreihen nicht gerade wenige Ritter und Senatoren vorzuweisen. Aktuell auch den Praefectus Legionis der XXII. Welcher übrigens auch unverheiratet ist.
Die Verteidigung: Decimus Mattiacus. Seine ganzen Verdienste aufzuführen würde Seiten füllen. Noch immer gilt er als DIE Koryphäe in Rechtsfragen. Ritter, und in den Ordo Senatorius erhoben. Unverheiratet.
Der Prätor: Kaeso Annaeus Modestus. Schon seit langen Jahren Senator, Quindecemvir und noch immer auf dem aufsteigenden Ast der Macht. Verwandt mit dem Procurator a libellis. Unverheiratet.
Weiter auf der Bank der Iudices: Manius Tiberius Durus. Vielleicht überraschend, aber jüngst auch wieder auf dem Markt der Heiratsfähigen angelangt. Und das als Senator und Pontifex.
Selbst der abwesende Angeklagte, der Praefectus Legionis und Senator Decimus Livianus ist unverheiratet!

Und geht man die Reihen der Senatoren und Ritter durch, muss man erschreckt feststellen, wie wenig von ihnen schon mit einem Erben versorgt sind. Da stellt sich die Frage: Was ist da los? Hat Rom nicht genügend Frauen in gebährfähigem Alter zu bieten, die in Frage kämen, oder aber wollen diese Männer schlicht nicht heiraten? Haben sie gar Angst, sich eine Frau zu suchen? Es kann doch nicht sein, dass sich Roms Gentes so fremd geworden sind, dass man keine politischen Allianzen mehr miteinander eingehen möchte?
Oder liegt es gar an den Frauen? Wurden sie von ihren Vätern zu sehr verwöhnt und sind nicht mehr zufrieden mit politischer Macht, Geld, Rang und der Ehre für die Familie? Wobei hier die Frage wäre, was eine Frau denn NOCH wollen könnte.

Vielleicht haben die Männer Roms sich auch überlegt, dass es viel einfacher ist, einen aufstrebenden jungen Mann als Erben zu adoptieren. Bereits erwähnter Tiberius Durus hat es ja auch schon erfolgreich vorgemacht. Nur sollte man wohl vorsichtig sein, wen man dazu auserwählt, sonst findet man sich bald auf der Anklagebank wieder. Wo es bei einem Libertinus wohl unstrittig ein Verstoß gegen Moral und Sitten ist, sollte man bei eigenen Verwandten wohl erst noch auf das morgen erwartete Urteil achten. Oder aber, die Männer Roms nehmen doch den schwierigeren Umweg und heiraten endlich.

eserbrief

ANTE DIEM XIV KAL NOV DCCCLX A.U.C. (19.10.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Germania, Gesellschaftliches
   
Richtigstellung.

Der Sensationsgeifernden Schreiberschaft der acta diurna sei es nahegelegt bei ihren Recherchen vielleicht einmal intensiver und direkter nachzuforschen.
Aus der Ferne über Sachverhalte zu berichten die man vom Hörensagen erlangt ist zwar unerhört interessant und manipulierbar, haben aber mit dem tatsächlichen Abläufen nicht viel gemein.

Der Soldat, der sich in voller Rüstung in den Rhenus geworden hat,...nachdem er den Helm abgenommen hatte, tat dies nicht freiwillig sondern zur Rettung eines Kindes.
Zeugenaussagen zufolge rettete er das Kind auch und wurde, wie ihr rudimentär richtig berichtetet hiernach Opfer des Rhenus.
„Ersoffen“ um ein Kind aus den Fluten zu retten. Es gibt sinnlosere Tode im Imperium.
Mag dies auch für die Angehörigen ein schwacher Trost sein, aber er gab sein Leben für das eines Anderen. Wir sehen zu ihm auf.
Vexillarius Marcus Terentius Lupus, welcher zur Beförderung zum Decurio vorgeschlagen war hat in seinem kleinen Finger mehr Anstand und Ehre bewiesen als ihr Tabulakratzer in eurer ganzen Schreibfabrica aufzubringen vermögt!

Ihr solltet euch allesamt in Grund und Boden schämen!

Gaius Terentius Primus



EILMELDUNG - Spurius Purgitius Macer kandidiert für Consulat - EILMELDUNG

ANTE DIEM III ID OCT DCCCLX A.U.C. (13.10.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
oeben erreichte uns eine Meldung von höchster Brisanz: Spurius Purgitius Macer kandidiert bei den nächsten Wahlen für das Consulat!

Man erinnere sich: das letzte Mal, als der Mann sich für eine Wahl im Senat aufstellen ließ, konnte er spektakuläre 100% (in Worten: einhundert Prozent) hinter sich vereinen!
Jetzt fragt man sich natürlich, ob es ihm gelingen wird dieses wahnsinnige Ergebnis erneut zu erzielen! Und vor allem: warum erst jetzt? Man munkelt, dass seine Ehefrau Albina von den Tiberiern ihren Mann dazu getrieben habe. Andere glauben, dass der Mann, der im Reich schon so gut wie alles geschafft hat nun auch diesen letzten Gipfel erklimmen will. Was wird folgen?

Aus Gründen dieser aufsehenserregenden Entscheidung haben sich einige Wettbüros entschieden, Wetten auf den Wahlerfolg des Purgitiers zu eröffnen. Im Moment liegt die Quote bei 10:1 für eine Wiederholung des Wahlerfolgs. Wir beobachten gespannt, was da noch kommen mag... und wetten natürlich mit. Auf den Purgitius, was sonst?

Spenden

ANTE DIEM VII ID OCT DCCCLX A.U.C. (9.10.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
ie Redaktion der Acta Diurna bedankt sich ganz herzlich bei allen fleißigen Spendern für die Unterstützung unserer Arbeit.

Diesmal gilt unser besonderer Dank Tiberius Octavius Dragonum für seine besonders freigiebige, andauernde Unterstützung der Acta Diurna sowie Marcus Decimus Mattiacus, für seine großzügigen Spenden sowie den beigelegten kleinen Bemerkungen, die die Acta-Redaktion stets aufs Neue zu erheitern vermögen.


Für weitere großzügige Spenden bedanken wir uns außerdem bei:

Aelia Vespa
Aulus Flavius Piso
Cleonymus
Mamercus Brigio
Marcus Iulius Licinus
Marcus Iulius Sparsus
Marcus Vinicius Lucianus
Primus Decimus Magnus
Publius Matinius Agrippa
Quintus Octavius Augustinus Minor
Tiberia Albina


Von der Möglichkeit des Erwerbs von Kleinspenden wurde ebenfalls wieder reger Gebrauch gemacht - oft auch mehrmals - so von:

Ánthimos Bantotakis
Appius Terentius Cyprianus
Aurelia Narcissa
Caius Aelius Archias
Caius Iulius Casca
Caius Sergius Curio
Claudia Catilina
Claudia Romana
Decima Valeria
Duccia Venusia
Faustus Decimus Serapio
Faustus Octavius Macer
Flavia Celerina
Furia Calliphana
Gaius Octavius Victor
Gaius Pompeius Imperiosus
Germanica Calvena
Gnaeus Iulius Labeo
Iulia Corona
Lucius Artorius Graeceius
Lucius Iunius Merula
Lucius Septimius Palaemon
Numerius Duccius Marsus
Numerius Furius Iuvenalis
Paullus Atius Scarpus
Paullus Aurelius Pegasus
Paullus Germanicus Aculeo
Publius Iunius Brutus
Servius Artorius Reatinus
Sextus Tiberius Valens
Tiberia Alba
Tiberia Septima
Tiberius Aurelius Avianus
Titus Decimus Cursor
Valgiso

An dieser Stelle nochmals der Hinweis für alle Leser:
Nutzt die Möglichkeit der Kleinspenden zu je 10 Sesterzen. Erhöht eure Lebensqualität und unterstützt die Arbeit der Acta Diurna, damit wir Euch, liebe Leser, noch besser und aktueller informieren können.

Todesfälle in Rom

ANTE DIEM III NON OCT DCCCLX A.U.C. (5.10.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
ast scheint es sich zu einer Unglücksserie zu mausern, die namhafte Familien Roms derzeit im Griff hält. Neben dem Skandal um die Entweihung des Hains der Diana, der nach wie vor untersucht wird, gibt es mehr als einen Todesfall, der Rom erschüttert. Nicht nur Caius Aelius Archias' Leben hat ein jähes Ende genommen (wir berichteten), auch patrizische Gentes werden gebeutelt vom Dahinscheiden gleich mehrerer Mitglieder.
Des Aelius' Tod, insbesondere die Wahl des Ortes, gibt nach wie vor Anlass zu Spekulationen. Zwar verdichten sich inzwischen die Hinweise, dass tatsächlich kein Mord vorliegt, sondern ein Freitod – so soll der Verstorbene mehrere Abschiedsbriefe hinterlassen haben. Umso mehr wirft dies jedoch die Frage danach auf, weshalb der Aelius ausgerechnet den Tarpejischen Felsen als Bühne wählte für seinen Suizid. Ebenso offen sind nach wie vor die Umstände, die zu dem Haftbefehl und der Konfiszierung seiner Besitztümer geführt haben. Die Vermutung mag nahe liegen, dass beides miteinander in Verbindung steht, jedoch gibt es hierfür noch keine Beweise.
So hart die Kaiserfamilie getroffen sein mag von dem Verlust und den damit aufkommenden Gerüchten, so hart wurde auch die Gens Flavia getroffen in diesen Tagen. Zwei Töchter des Hauses sind innerhalb kürzester Zeit gestorben: Flavia Vera ist dahin gerafft worden nach einer schweren Krankheit. Lange hatte sie an dieser laboriert, war infolgedessen bereits seit Wochen ans Bett gefesselt und wurde nicht mehr außerhalb der Villa Flavia gesehen. Der zweite Todesfall indes überrascht ganz Rom: Flavia Celerina, so wurde bekannt, ihres Zeichens Frau des Senators und Pontifex Marcus Aurelius Corvinus, wurde von den Göttern geholt. Völlig unerwartet und in der Blüte ihres Lebens scheint dies geschehen zu sein und überrascht daher nur umso mehr. Die Todesursache ist noch unklar, sollten sich neue Erkenntnisse ergeben, wird die Acta hierüber berichten.
Beinahe noch überraschender ist die Nachricht vom Tod des Ehemanns der Flavia - Marcus Aurelius Corvinus. Noch am Tag des Dahinscheidens seiner Frau hat er sich selbst das Leben genommen. Der Zusammenhang scheint offensichtlich ob der Geschehnisse; ob er den Freitod jedoch aus Gram wählte oder weitere Gründe eine tragende Rolle spielten, ist an dieser Stelle noch völlig offen. Dass vor kurzem Aurelia Laevina, Gattin des Manius Tiberius Durus, verschwunden ist, macht den Verlust von Aurelius Corvinus und seiner Frau für die Gens Aurelia nur noch schwerer zu verkraften.

Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Verstorbenen.

Marktgerede - kurz zusammengefasst

ANTE DIEM IV NON OCT DCCCLX A.U.C. (4.10.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Aegyptus, Neues aus Germania, Gesellschaftliches
uch wenn der uns drohende Zorn der Götter die Bürger Roms und aller Städte in Atem hält: ab und an drängt sich doch ein anderes Thema in die Gespräche, die man auf dem Markt so mithören kann. Wer ganz genau hinhört wird erkennen, dass die Menschen zwar aus Furcht vor den Göttern erstarren, allerdings frei genug sind, um sich noch über das eine oder andere den Kopf zu zerbrechen. Um das vermeintliche Wissen nicht den wenigen Köpfen vorzubehalten, fassen wir an dieser Stelle grob zusammen, was man sich so alles erzählt:

AEGYPTUS - die große Hitze in der Kornkammer des Reichs macht den Truppen schwer zu schaffen. So sehr, dass der Mini-Feldzug zur Befriedung von durch Aufständische und/oder Räuber und/oder marodierende Stämme und/oder Wüstenungeheuer und/oder entlaufener Katzen im Süden der Provinz nur schleppend voranläuft. Man munkelt, dass der Praefectus Aegyptus Appius Terentius Cyprianus nur auf der Suche nach einer für ihn sehr wichtigen Wüstenschönheit ist, um die zu finden er seinen gepanzerten Spürhund Tiberius Octavius Dragonum, ehrfurchtsvoll 'Dominus Galelula' genannt, ausgesandt hat um mit seinen Truppen die Wüste zu durchkämmen.

GERMANIA - hat man in der Acta noch kürzlich von Visionären gesprochen, die in der Lage sind Dinge zu sehen, die sich vor anderen verbergen, so scheint einer dieser Helden mittlerweile die Ala II zu kommandieren. Das Problem ist allerdings, dass es keine Heldentaten sind, die Gaius Terentius Primus sieht, sondern eine leere Stadtverwaltung. Die Eques murren schon, er sei auf einem Auge blind, dass er die Stadtverwaltung vor lauter Bäumen nicht sieht. Von einer marodierenden Barbarenhorde, die im Handstreich die Civitas entvölkerte, ist uns auch nichts berichtet worden. Wo er andere Dinge nicht sieht, die andere sehen, sieht er gottseidank aber an anderer Stelle wieder Dinge, die andere wiederum nicht sehen. So zum Beispiel eine vollkommen verlotterte Ala II. Da fragt man sich, was bei den im Moment sowieso schon arg gereizten Göttern sein Vorgänger, Lucius Silanus aus dem Haus der Iunii, da eigentlich getrieben hat? Drei ganze Jahre war er da stationiert, und hat es nicht fertig gebracht die Einheit in Stand zu halten? Nun, wie dem auch sei: der Terentier hat es sich zur Aufgabe gemacht die Rüstungen wieder auf Hochglanz zu schrubben, wenn nötig durch eigene Hand! Die Provinzkasse hat er im Zuge dessen auch gleich mal mit Forderungen konfrontiert, die selbst einem bewährten Kaltblüter wie Marcus Vinicius Hungaricus die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben. Das schafft nicht jeder.

AEGYPTUS - was auch immer man von diesem Mann hört, man fragt sich, was Lucius Centho von den Iuliern umtreibt. Im ersten Anlauf gescheitert, im zweiten mit Biegen und Brechen in das Vigintivirat gewählt und jetzt auch mit den schlechteren Ergebnissen der letzten Wahl. Man sollte meinen, der Mann wüsste, dass er nicht unbedingt den besten Stand hat. Umso unverständlicher ist es, dass der vom Senat zum Quaestor der Classis in Misenum gewählte Iulier besseres zu tun hätte, als die ersten Monate seiner Amtszeit damit zu vertrödeln einige Klinken zu putzen, um sich hinter der angeschlossenen Tür über sein Amt zu beklagen.
Da der Mann jetzt mittlerweile tatsächlich in Aegyptus angekommen ist, mag man hoffen, dass seine Motivation hinsichtlich seines Amts zugenommen hat. Denn für einen Mann, der sich öffentlich auf die Fahnen geschrieben hat seiner doch arg ins untere Mittelmaß der römischen Gesellschaft abgerutschten Gens wieder zu altem Glanz zu verhelfen, ist dies doch eine äußerst fragwürdige Art der Öffentlichkeitsarbeit.

GERMANIA - die Legio II scheint ernsthafte Probleme bei der Ausbildung zu haben. Erst berichtet man von geringen Neuzugängen bei stetem Schwund an Soldaten durch Desertation oder Krankheit, so darf man neuerdings anhören, dass die Bildung der schon gestandenen Soldaten ebenfalls zu wünschen übrig lässt. Jüngst wurde von einem Fall berichtet, in dem ein Soldat der zweiten Legion in voller Rüstung in den Rhenus gesprungen ist. Selbstverständlich ist er ersoffen.
Betroffen ist man in Mogontiacum vor allem, weil dieser Todesfall eine eklatante Schwäche in der Ausbildung der Soldaten offen gelegt hat: Eisen am Körper sorgt nicht nur dafür, dass man vor Schlag, Stich und Treffer geschützt wird, nein, es sorgt auch dafür, dass man sofort zig Minae schwerer wird. Und jedes Schulkind weiß, was Wasser von schweren Sachen hält. Nur bei der Legio II weiß man das anscheinend nicht.
KORREKTUR: soeben ist dem Schreiber berichtet worden, dass ihm ein eklatanter Fehler in der Recherche zu diesem Thema unterlaufen ist; weshalb dies nun korrigiert gehört. Der Soldat ist selbstverständlich NICHT in voller Rüstung in den Rhenus gesprungen. Er hat vorher seinen Helm abgenommen.

Und wieder erlischt ein junges Leben

ANTE DIEM XVII KAL OCT DCCCLX A.U.C. (15.9.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
h ihr Götter, habt ihr Roma verlassen?

Nicht nur die Entweihung des Hains der Diana erschüttert unsere Stadt, sondern auch der Freitod von Caius Aelius Archias, ein Cousin unseres leidgeprüften Princeps.
Nicht sein Tod erschüttert uns, denn schon viele große Männer haben den Freitod gewählt: Seneca, Petronius und Cato der Jüngere. Was uns erschüttert ist die Art und Weise: Er stürzte sich vom Tarpejischen Felsen... jener Ort, der nur Verrätern vorbestimmt ist! Nur wer wegen Meineid, Inzest, Verrat oder Überlauf verurteilt wurde, wird diesen Steilhang hinabgestürzt.
Was mag das für Rom bedeuten? Was mögen die Gründe für diesen Verzweiflungsakt gewesen sein? Hat ihm womöglich seine Frau das Herz gebrochen? Sie ist jung und hübsch.
Oder ist es etwas anderes? Was mag sein Gewissen so belastet haben, dass er diesen Weg wählte und sich nicht wie jeder anderer Römer die Pulsadern im Bad aufschlitzte?
Hängt dies womöglich mit dem Haftbefehl von Salinator Vescularius zusammen und der Konfiszierung des gesamten Besitzes des Aeliers? Es wird gemunkelt, Aelius Archias habe einen Umsturz geplant und wolle den Praefectus Urbi ermorden lassen. Hat womöglich Vescularius Salinator dem Aelier die Möglichkeit gegeben, einem öffentlichen Prozess zu entgehen und ihn in den Freitod getrieben?
Viele Fragen bleiben offen und es scheint wieder einmal keine Antworten zu geben. Wir können den Hinterbliebenen nur unser Mitgefühl aussprechen und dafür beten, dass diese schweren Zeiten bald vorüber gehen.

Gerüchte in der Sommerhitze

ANTE DIEM XVII KAL OCT DCCCLX A.U.C. (15.9.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
it der Sommerhitze steigt auch die Temperatur im Hexenkessel von Rom, unzählige Gerüchte sind mir zu Ohren gekommen und einige davon sind höchst brisant. Ich empfehle einen Tag in den Thermen, dort brodelt es wie immer stärksten.

Im Mittelpunkt vieler Gerüchte steht unser allseits beliebter Praefectus Urbi Vescularius Salinator. Rechte Hand unseres Kaisers, derzeit wohl mächtigster Mann im Lande. Doch so viel Macht lockt natürlich viele Neider an. Hinter der Hand wird von Willkür und Amtsmissbrauch gemunkelt. Doch was ist an diesen Gerüchten dran? Hat nicht jeder mächtige Mann in Rom seine Gegner und Neider? Salinator ist wie jeder mächtige Mann in Rom, er fördert seine Klienten und schlägt seinen Gegnern ein Schnippchen. Man hat nur deshalb ein solches Auge auf ihn, weil er eben der Stellvertreter unseres Kaisers ist. Somit hat er mehr Verfügungsgewalt als jeder andere Mann im Imperium. Erst kürzlich hat er im Namen Valerianus' einen Erlass erwirkt, der den Senat in seinen bisherigen Befugnissen einschränkt. Ist es aber nicht verständlich, dass unser Kaiser wissen will, was alles in der Curia Iulia vor sich geht? Und dennoch wächst die Sorge, hat man unseren geliebten Kaiser doch seit Monaten nicht mehr in Rom gesehen. So manchem wäre es lieber, er würde sich gemeinsam mit unserem Praefectus Urbi zeigen - die Götter mögen seinen Weg behüten, auf dass er bald wieder in die Hauptstadt seines Reiches komme!

Noch viele andere Dinge sind mir zu Ohren gekommen. Ist es nicht seltsam, dass Tiberius Durus ohne seine Frau nach Roma zurück gekehrt ist? Ist sie womöglich guter Hoffnung? Es wäre eine gute Nachricht, denn bisher ist dieser Mann noch kinderlos, einmal abgesehen von der Adoption seines Neffen. Aulus Tiberius Ahala Tiberianus, ein unmöglich langer Name, aber bedeutungsschwer. Zur Zeit noch einziger Erbe eines der reichsten Männer unserer Zeit. Noch ist er Junggeselle, aber ich bin mir sicher, dass eine hübsche Najade ihn einfangen wird. Noch gilt er als Lebemann, seine politischen Ambitionen scheinen nicht ausgeprägt zu sein. Aber unter der Anleitung des Tiberius Durus wird er sicherlich eine herausragende Persönlichkeit. Erst kürzlich wurde er mit einigen anderen jungen Männern gesehen, wie sie bei einem der Hahnenkämpfe in der Subura ihr Geld verloren und sich mit Wein und Weib vergnügten.

Aber bei den Patriziern ging es schon immer heiß her: Gerüchte über untreue Ehefrauen, Herren die es mit ihren Sklaven treiben... es gibt unzählige Spekulationen, was hinter den Fassaden der großen Villen vor sich gehen soll. Der schöne Schein trügt und meist verstecken sich hinter der Fassade des familiären Zusammenhaltes dunkle Abgründe, geprägt von Frustration, Wut und Verzweiflung. Man ist nur bemüht, diese Gerüchte im Keim zu ersticken. Auffällig ist, dass so manche reiche Dame immer nur die hübschen jungen männlichen Sklaven kauft! Eheprobleme oder aber steckt da mehr dahinter? Die Sucht nach hübschen Spielzeugen?

Die Zeit der Hochzeiten ist jedenfalls scheinbar vorbei, dafür schwirren nun die ersten Gerüchte über kommenden Nachwuchs herum. Es gibt bereits einige Wetten, im welchem Hause nun zuerst der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt. Erwartungsvoll wird dabei ein Blick gen Mantua gerichtet. Aurelius Ursus und Tiberia Septima haben die Hochzeitswelle dieses Jahr angeführt.

Kaum war hingegen Flavius Furianus zum Consul ernannt worden, hatte es plötzlich Germanicus Avarus ganz eilig aus Rom raus zu kommen. Mit Sack und Pack nach Mogontiacum. Was sagt uns das? Der Graben zwischen diesen Männern scheint tiefer zu sein, als es den Eindruck hatte. Doch eigentlich nicht überraschend, im Senat liefern sich diese Beiden immer wieder Wortgefechte und es kam auch schon zu der ein oder anderen Anklage wegen Beleidigung, weil der männliche Stolz einen Kratzer abbekommen hat. Freunde werden diese Beiden wohl nicht mehr.
Jeder in Rom kocht sein Süppchen und wir warten ab, welches als erstes überkocht in diesen heißen Sommermonaten.

Die Pax Deorum wurde gestört!

ANTE DIEM VI ID SEP DCCCLX A.U.C. (8.9.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Religion, Spiele & Kultur
rinnert ihr euch noch an die Medusa? Als einzig Sterbliche unter den Gorgonen soll sie wunderschön gewesen sein, die schönste Frau auf Erden gar. Selbst Helena von Troja muss gegen sie ausgesehen haben wie ein Mauerblümchen. Selbst Neptun konnte ihr nicht widerstehen.
Und als der Gott kam, um sie zu verführen, floh die Medusa in den Tempel der Minerva, um bei der Göttin Schutz zu suchen. Doch sie erhielt keinen, und Neptun nahm sie auf dem Boden des Tempels. Und Athene war entrüstet über die Schändung ihres Tempels durch dieses Weib und verwandelte sie zu der Gestalt, die auch ihre Schwestern hatten. Ein geschuppter Körper und Schlangen auf dem Kopf, auf dass sie jedes lebendige Wesen in Stein verwandle! Ja, nachdem Perseus ihr den Kopf abgeschlagen und ihr gebracht hatte, trug sie ihn sogar auf ihrem Schild!

Wenn also nicht einmal die Vergewaltigung durch einen Gott höchstselbst ein Grund ist, einen Tempel durch eine sexuelle Handlung zu entweihen, was hat sich dann wohl die Frau gedacht, die an den Nemoralia den Tempel der Diana entweiht hat? Im Hain der jungfräulichen Jägerin Unzucht zu treiben! Welch größeren Frevel kann es geben? Welch niederer Geist vermag, so etwas auch nur zu denken!
Gerüchte sind im Umlauf, wer diese Frau sein mag, und was sie dazu getrieben hat. Fulvia und Flaminia geistert durch die Luft – und führt schon jetzt dazu, dass alle Frauen dieser Familien zu Hause bleiben müssen, um nicht von aufgebrachten Menschen zum tarpejischen Felsen gezerrt zu werden. Aber am Aufsehenerregendsten ist wohl der Name Flavia, der ebenfalls genannt wird. Man stelle sich das einmal vor! Eine Patrizierin! Eine Frau aus einer der ältesten Familien Roms! Die Consuln, Senatoren, Pontifices hervorgebracht hat! Sollte dies, liebe Leser, der Fall sein, wäre die Niedertracht weit schlimmer als erwartet. Doch hiermit sind die Gerüchte noch nicht zu Ende. Diese Frevlerin soll auch Ehefrau eines Senators und Pontifex sein! Wir bedauern den Mann, dem auf so schändliche Weise Hörner aufgesetzt wurden und dessen Ämter so mit Füßen getreten wurden vom eigenen Weib!
Es gibt verschiedene Darstellungen, wie es zu der Entweihung des Tempels kam. Die einen reden von einem Stelldichein unter Geliebten, wieder andere sagen, die Frau sei vergewaltigt worden. Sollte letzteres der Fall sein, hoffen wir, dass sie die Göttin versöhnt, ehe sie sich selbst von der Schande befreit und ihrem Leben ein Ende setzt, wie es sich für eine anständige römische Frau gehört. Wobei man hier wohl kaum von einer anständigen, römischen Frau mehr reden darf! Der Mann hingegen, um den es sich handeln soll, weilt nicht mehr unter den Lebenden, wenn man den Gerüchten trauen darf. Was genau vorgefallen ist, ob es sich hier tatsächlich um Mord handelt, wie es manchenorts verlautet, bleibt im Augenblick jedoch noch im Unklaren.

Die Götter sind erbost, die Pax Deorum ist gestört! Die Menschen verlangen nach Sühne für diesen größten Frevel an ihrer Göttin! Und die Göttin selbst verlangt es auch! Zu Recht!
Ihren Zorn hat die Göttliche bereits gezeigt. Eine wütende Rinderherde stürmte auf das Gelände ihres Hains und machte allzu deutlich, wie erbost Diana über die Entweihung ihres Tempels ist. Wir konnten die genaue Zahl der Toten nicht feststellen, zu grausam ist allein der Anblick der niedergewalzten Menschen. Noch lange werden die Überlebenden wohl aus ihren Träumen aufschrecken und das Schreien der Sterbenden hören. Und wie viele noch ihren Verletzungen erliegen werden, die nicht gnädigerweise gleich gestorben sind, ist noch ungewiss. Sicherlich sind es weit mehr als 50, die am gestrigen Tag ihr Leben ließen.
Auch geht nun verständlicherweise die Angst um, dass die Götter nun massenhaft Opfer ablehnen werden. Wir können nur hoffen, dass dies kein anhaltender Zustand bleibt. Der Friede mit den Göttern muss wieder hergestellt werden! Es muss Buße getan werden! Die Frau muss Buße tun! Anders wird es keinen Frieden geben!

Unser Mitgefühl gilt der Familie des Mannes der Frau und den Familien, deren Namen zu Unrecht durch diese abscheuliche Tat in Verruf gerieten. So eine davon wirklich betroffen ist, hoffen wir, dass sich diese ihres Standes würdig erweisen und ihr Möglichstes dazu beitragen, den Frieden mit den Göttern zu erneuern.

Von der der tristen Realität und der fantastischen Erzählung

ANTE DIEM VII KAL SEP DCCCLX A.U.C. (26.8.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
enn man auf den Straßen die Ohren spitzt, kann man unversehens an so manche interessante Information kommen. Die Gespräche der Stadt sind mannigfaltig und enden nie, wer sich in ihnen verstrickt, erfährt so viel wie er verliert. Aber wer will das Risiko scheuen, wenn es darum geht Neues zu erfahren? Wahrhaft Unglaubliches will sich dabei auftun, und man sollte das Gerede der Straße mit Vorsicht genießen, wer weiß schon wie viel Fiktion in einem Wort steckt, und wie viel geändert wurde, nur um das Publikum noch länger fesseln zu können? Für die Aufmerksamkeit der Masse, oder zur Befriedigung des eigenen Stolzes, ist sich mancher nicht zu schade aus Ameisen die sagenumwobenen Elefanten zu machen.
Und trotzdem hört man gerne hin, einfach, weil es Spaß macht. Weil es einem Freude bereitet, sich die unmöglichsten Geschichten anzuhören und damit einige Sekunden lang dem tristen und farblosen Dasein zu entfliehen. Sich einfach nur einige Sekunden so fühlen, als wäre man selbst der Held der Geschichte. Unschlagbar, von unglaublicher Kraft, blitzgescheit, geliebt, bewundert und gefürchtet von allen, die Überlegenheit in Person. Da macht es dann auch nichts, wenn man selbst sehr schlagbar, von beschämender Schwäche, schon fast beeindruckend dumm, abgelehnt, bemitleidet und ausgelacht von allen ist. Die Unwürdigkeit in Person.
Hauptsache einmal Platz finden in solch einer Geschichte, die Beine ausstrecken und auf dem Rücken eines riesigen Schlachtrosses den Heerscharen voran reiten, in den Horizont immer währenden Ruhmes. So funktionieren Geschichten, Legenden und Sagen. Aber vielleicht auch die Wirklichkeit.

In einer Provinz am Rande des Reiches zum Beispiel ist die Rede von einer verfluchten Geisterstadt. Von den Offiziellen aus niederen Gründen verlassen, von den Bewohnern aus Angst, bedroht von den blutrünstigen Barbarenhorden jenseits der Grenze, verteidigt und gehalten von einer tapferen aber kleinen Schar unermüdlicher Soldaten, treu dem Ideal Roms, unseres Kaisers, nie verzagend aber führungslos. In diese Stadt der Verlassenen ist nun ein Held gekommen, geritten auf mächtigem Ross, um zu retten was noch zu retten ist. Oder vielleicht um zu retten, was andere für unrettbar halten würden.
Die Tatkraft dieses Mannes, das Fehlen jedes Makels, die strahlt wie die Sonne durch den Nebel, und sofort weiß jeder: Rettung ist nah. Die verwaisten Amtsstuben werden sich wieder mit Leben füllen, die verstörten Soldaten werden jeder für sich zu Helden Roms, Recht und Ordnung vertreiben jedweden Zweifel und jedwede Angst aus den Gefilden, die vorher der Dunkelheit anheim zu fallen drohten. Wahrhaftig, der Retter ist ein Visionär. Ein Mann der Dinge sieht, die andere nicht sehen. Die andere nicht sehen wollen, weil ihr Blick zu kurz greift, ihre Augen nicht scharf genug sind für die Dinge, die jetzt endlich der Möglichkeit entsprechen. Er führt sie heraus aus der Dunkelheit, und lässt die Geisterstadt erstrahlen in dem neuen Glanz römischer Zuversicht. Bei den Göttern, was ein Glück! Was für freudenspendende Fügungen der Parzen. Was für eine schöne Geschichte.

Auch wenn sie überhaupt keinen Sinn macht, und jedweder Realität widerspricht. Aber das ist uns ja egal, solange wir ihr einen Moment lang entfliehen können, um uns selbst zu fühlen wie der strahlende Held. Und vielleicht stimmt es uns ja gerade so versöhnlich, weil wir innerlich doch wissen, dass das alles Fiktion ist. Humbug, der niemals Realität werden kann. Weil es dann auch niemandem anderes geschieht. Den Göttern sei dank, oder auch: leider.

Der tiefe Fall der Decimer

ANTE DIEM V NON MAI DCCCLX A.U.C. (3.5.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Politisches, Gesellschaftliches
ass jeder Glanz einmal verblasst, ist weithin bekannt. Doch wie, so fragt man sich, kann der Name einer Familie, die einst so großes Ansehen im Reich besessen hat, so rasant verklingen wie jener der Decimer? Man erinnert sich an die Zeiten der Triumphzüge zurück, die Decimus Meridius angeführt hat. Doch dann...Leere. Als hätte man die Erinnerungen der Menschen hinfort gefegt. Nichts bleibt zurück außer dem Klang des Namens. Decima.

Betrachtet man die gegenwärtige Lage der Gens, fällt schnell auf, dass sie von Glanz ond Glorie der vergangenen Tage weit entfernt ist. Decimus Livianus, ehemals Legat der in Mantua stationierten Legio Prima, Kriegsgefangener, selig Heimgekehrter und dennoch wenig gefeierter Ex-Militär, trat jüngst vor den Senat und stellte sich der Wahl zum Consul. Seine Wahlrede hetzerisch, bekam er die Quittung dafür mitsamt dem schlechten Wahlergebnis serviert. Nur wenig mehr als ein Drittel der Senatoren sprach sich für ihn - und damit gegen ihn - aus. Seitdem scheint er verschwunden, verschluckt von der Bildfläche der Ewigen Stadt.

Umso mehr allerdings machte Decima Seiana von sich reden. Wegen eines unschönen Zwischenfalls mit ihrem Ex-Verlobten auf einer Hochzeit (wir berichteten) ohnehin in aller Munde, machte sie nun auch von sich reden, indem sie Brot in rauen Mengen vor der Casa Decima verteilen ließ. Ein unglücklicher Zufall? Oder rührte sie die Werbetrommel für ihren Onkel? Nun wieder zu haben, war sie zuletzt in Begleitung desselben während der Wagenrennen zu Ehren der Megalesia zu sehen. Wir hoffen, dass sich bald ein passendes Deckelchen für ihren Topf finden mag.

Doch damit nicht genug. Jüngst wurde ein weiterer Decimus erspäht, auch wenn man sich geraume Zeit nicht sicher war, ob es sich überhaupt um ein Mitglied dieser Familie handelte. Decimus Verus, ehemaliger Curator Kalendarii und Patron des geschätzten Kaiserbruders, galt lange als verschollen. Nun ist er zurück, doch das zottige Haar und sein ungepflegtes Aussehen tragen offensichtlich auch nicht dazu bei, die Decimer wieder auf einen grüneren Zweig zu heben. Manche munkeln, er paktiere mit den Christianern. Hoffen wir, dass dem nicht so ist.

Der einzige Lichtstrahl, den man dieser Tage entdecken kann, scheint in Ägypten. Doch dort bemerkt wohl kaum jemand den Fleiß und die Hingabe eines jungen Tribuns, der auch in Rom von sich Reden gemacht hatte. Sein Name ist Decimus Serapio, und er ist sowohl der Bruder der unglückseligen Seiana als auch der Adoptivsohn des Decimus Livianus (wem diese Konstellationen zu verworren erscheinen, dem sei empfohlen, darüber hinwegzusehen und lediglich die Leistung des Jungen zu beurteilen). Wir hoffen, dass seine Bemühungen nicht vergebens sind, und raten, sich eine Scheibe von dem wackeren Kerl abzuschneiden, um zumindest den rasanten Fall zu verlangsamen, wenn schon nicht zum Stillstand zu bringen. Politisch günstige Verbindungen anzustreben, gerade wo sich mindestens eine heiratswillige Dame unter den Decimern befindet, wäre ebenfalls äußerst klug.

5 Hochzeiten und kein Todesfall

PRIDIE KAL MAI DCCCLX A.U.C. (30.4.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
rinnert ihr euch noch an jene Zeiten, als es schien, dass alle Männer nur Krieg führen wollten und keiner auch nur daran dachte, in den Stand der Ehe einzutreten? Nun, diese sind wohl eindeutig vorbei, denn deutlicher kann ein Jahr nicht im Zeichen Iunos beginnen.

Den Anfang dieses Jahr machten Titus Aurelius Ursus und Tiberia Septima. Das rauschende Fest der eigentlichen Hochzeit dürfte vielen in Erinnerung bleiben, vor allem der zur Floß umfunktionierte Teppich im impluvium des Hauses. Doch viel mehr als diese weinselige Feier, bei der selbst Bacchus sich wohl gefühlt hätte, war der Empfang am Morgen danach interessant.
Zwei Herren, namentlich Caius Aelius Archias und Titus Duccius Vala, lieferten sich einen äußerst interessanten Disput. Leider konnte keiner unserer Informanten sagen, was genau zwischen diesen beiden Herren wohl vorgefallen war, das Ergebnis des ganzen war dann aber doch sehr schockierend amüsant. So landete eine Schüssel mit Süßspeise doch unversehens über dem Kopf des Duccius, als Aelius wohl seiner Beherrschung verlustig ging. Kein Wunder, dass seine damalige Verlobte, Decima Seiana, wutschnaubend von dannen ging und er ihr hinterher.
Nach diesem Vorfall aber lief das Fest sehr professionell weiter. Man möchte fast meinen, die edle Gesellschaft wäre schlimmere Ausraster gewohnt, so wenig Reaktion, wie hierauf kam. Vielleicht lag es auch an der wahrhaft charmant anzuhörenden Entschuldigung des Ducciers, wer weiß? Wir konnten nur spekulieren und den Rest der Feierlichkeit genießen.

Die zweite Hochzeit dann mag nun verwundern. Caius Aelius Archias – ja, besagter Mann mit der Schüssel – ehelichte Iunia Axilla bei den Feierlichkeiten zu den Megalesia. Angeblich fand die Zeugenrede mitten im Fanblock der Veneta statt, mit anschließender deductio in domum. So überhaupt keine Feierlichkeit auszurichten auszurichten und scheinbar nicht einmal den Segen Iunos einzuholen ist schon mehr als ungewöhnlich. Ob es Gründe für diese Blitzhochzeit gab?
Doch das eigentlich infame an dieser Hochzeit ist die Tatsache, dass diese Verbindung so überhaupt geschlossen wurde. Immerhin war der Aelier schon lange mit Decima Seiana verlobt, und nach unseren Nachforschungen wurde diese Verlobung nur wenige Tage nach dem äußerst peinlichen Auftritt bei der vorgenannten Hochzeit gelöst. Ob da wohl ein Zusammenhang bestand? Angesichts der kurzen Zeiträume kann man dieses fast annehmen.

Doch die Iunier scheinen dieser Tage ohnehin nicht sehr viel auf die althergebrachten Traditionen zu geben. Anders lässt sich die wirklich ungewöhnliche Doppelhochzeit wohl schwer erklären. Ja, richtig, liebe Leser, Doppelhochzeit. Allerdings wurden hierbei nicht noch zwei Iunierinnen vergeben, sondern Iunia Serrana und Germanica Calvena. Die Feierlichkeiten fanden in der Casa Iunia statt, und die Gästeliste konnte wirklich beeindrucken. Wer auf diesem Fest gefehlt hat, hat wohl den illustresten Kreis dieses Jahr verpasst.
Doch Iuno schien sich an dem Ablauf nicht zu stören, und auch die Gäste begegneten auch hier allem mit herzlichem Gleichmut. Fast möchte man meinen, Rom habe keine Furien mehr, die sich auf solch ein gefundenes Fressen stürzen mögen. Vielleicht sind sie alle gesättigt?
So bleibt uns nur, Senator Quintus Germanicus Sedulus zu seiner Iunia Serrana zu gratulieren, ebenso wie Lucius Quintilius Valerian zu seiner Germanica Calvena.
Über das Fest vermögen wir leider nicht sehr viel zu berichten, waren die meisten Erinnerungen der Gäste doch sehr schwammig, was auf reichlich Weingenuss hindeutet. Einzig bemerkenswert war der Auftritt des Praefectus Urbi, der noch während der Opferriten versuchte, eine der Bräute ihrem Bräutigam abspenstig zu machen.

Bei so viel Heiratswut ging dann die Hochzeit von Lucius Iulius Centho und Furia Calliphania beinahe unter, die wohl nur im engsten Familienkreis und in aller Ruhe stattfand. Bei derart vielen rauschenden Festen sei den beiden ihre Ruhe auch redlich gegönnt, und auch ihnen wünschen wir Iunos Segen.

Doch noch sind nicht alle angekündigten Hochzeiten vollzogen, die Liste der gültigen Verlobungen lässt immernoch auf die Hochzeit von Tiberia Arvinia und Manius Aurelius Orestes hoffen. Angesichts derart erinnerungswürdiger Feste darf man wohl gespannt sein, was hierbei aufgefahren wird. Und bei derart greifbaren Frühlingsgefühlen würde es mich stark verwundern, sollte dies die einzige, weitere Hochzeit dieses Jahres bleiben.

Tüchtige Mogontiacer Gastwirte bauen Legionscarcer um

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Germania, Gesellschaftliches, Militärisches
us Germania dringen in den Wintermonaten nicht die geringsten Nachrichten nach Süden. Die vereisten Alpenpässe und das verschneite Gallien riegeln die nördliche Provinz hermetisch ab, so scheint es. Wenn aber etwas durchkommt, dann sind es stets gute Nachrichten.

Das Geschäftsleben in der obergermanischen Hauptstadt scheint durch das kalte Wetter allerdings keinen Abbruch erhalten zu haben, so hört man davon, dass die Betreiber einer bekannten Taberna nun expandieren. Nicht nach Confluentes oder Borbetomagus, nein, es wird in nichts geringeres expandiert als in den Carcer des Legionskastells der hiesigen Zweiten.

Die Soldaten der Legio scheinen sich gedacht zu haben, dass man die leeren Zellen doch anderweitig verwenden kann, wenn es gerade keine aufmüpfigen Miletes oder Strauchdiebe einzusperren gilt: als Gästezimmer der anderen Art.

Interessenten scheint es bereits gegeben zu haben: ein nicht weiter bekannter Trunkenbold soll sich bereits einquartiert haben. Man munkelt, es soll ein geheimer Abgesandter aus Rom sein, der die Zustände in der zweiten Legion kontrollieren soll, und so haben die Soldaten der ruhmreichen zweiten Legion es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Mann fürstlich zu bewirtschaften.
Das Gespür der Männer für wichtige Persönlichkeiten scheint sich wieder einmal bewährt zu haben, schon fast legendär ist die Rede, dass ein Miles der Zweiten einem Menschen den Ordo schon an der Nase ansehen kann, was einige Tunichtgute von der Castra ferngehalten haben soll. Von solchen Menschen bewacht, könnten unsere Grenzen je sicherer sein?

Natürlich nicht. Den Göttern sei dank.

Politische Verwirrung im Hause Decima

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Politisches
anch einer im Hause Decima wird derzeit wohl gerne an die ruhmreichen Zeiten zurückdenken, als unter Decimus Meridius und Decimus Livianus politische und militärische Ehrungen angesammelt wurden und der Name der Gens mit einem ehrfürchtigen Klang genannt wurde. Das derzeitige Bild sieht dagegen anders aus. Decimus Livianus ist zwar noch nicht wie Decimus Meridius aus der Öffentlichkeit verschwunden, macht aber seit seiner spektakulären Praetur kurz nach seiner Rückkehr aus parthischer Gefangenschaft auch kaum mehr positiv von sich reden, nachdem er angeblich beim einflussreichen Praefectus Urbi in Ungnade gefallen ist.

Jener Mann scheint es auch zu sein, der im Mittelpunkt der weiteren Verwirrung um die Gens Decima steht. Kein geringerer als der Praefectus Urbi persönlich war es nämlich, der seinen Siegelring unter ein Dokument setzte, das die erst kurz zuvor erfolgte Ernennung von Decimus Flavus, Sohn des Decimus Livianus, zum Ritter und Tribun der Vigiles für ungültig erklärte. Eine offizielle Erklärung für diesen bemerkenswerten, wenn nicht sogar beispiellosen Vorgang gab es weder von Seiten des Kaiserhofes noch vom Praefectus Urbi. Allgemein muss wohl davon ausgegangen werden, dass einem Beamten bei der Ernennung ein Fehler unterlaufen ist - was zweifellos ein mehr als peinlicher Vorgang wäre. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass es sich um eine direkte Folge der Verstimmungen zwischen dem Praefectus Urbi und Decimus Livianus handelt, unter der nun auch dessen Sohn leiden muss.

Doch auch Decimus Mattiacus, bisher eher unscheinbarer und beflissener Akteur im Hintergrund, scheint in den Strudel der Ereignisse mit hinein gerissen zu werden. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass er zunächst mit Ehrungen als Procurator a cognitionibus entlassen wurde, um ein Tribunat in Germania bei der Legio II Germanica anzutreten, nur um wenige Tage später gleich wieder nach Rom beordert zu werden, um ein Tribunat bei den Cohortes Urbanae anzutreten. An ein erneutes Versehen der kaiserlichen Kanzlei mag hier nun wirklich niemand glauben, doch alleine die Tatsache, dass der ehemalige Procurator a cognitionibus gleich nach seiner Rückkehr nach Rom vom Praefectus Urbi empfangen wurde, spricht dagegen, dass auch hier das Zerwürfnis mit Decimus Livianus die Ursache sein könnte.

Sie geben also weiter Rätsel auf, die Ereignisse rund um die Gens Decima in diesen Tagen, die nicht die besten dieses Hauses zu sein scheinen.

Schweres Unwetter wütet in Mantua

ANTE DIEM XII KAL APR DCCCLX A.U.C. (21.3.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches
in schweres Unwetter hat in Mantua starke Zerstörungen angerichtet und der Stadt schwer zugesetzt. Über Stunden hinweg gingen strömende Regenfälle über der Stadt und dem Umland nieder, verbunden mit Blitz und Donner und starkem Sturm. Mindestens ein Haus wurde von einem Blitz direkt getroffen. Zahlreiche Straßen standen knietief unter Wasser, da die Kanalisation der Stadt den Wassermassen nicht gewachsen war. Noch während das Unwetter wütete, rückte eine Abteilung der Legio I Traiana Pia Fidelis aus, um der leidenden Stadt zu Hilfe zu kommen. Aus dem vom Blitz getroffenen Haus wurden mehrere Verletzte geborgen und zur ärztlichen Versorgung in das Lazarett des Legionslagers gebracht. Zudem wurden provisorische Kanäle gegraben, um ein schnelleres Abfließen des Wassers zu ermöglichen.

Nachdem sich das Unwetter über Nacht gelegt hatte, bot sich den Einwohnern am nächsten Tag ein Bild der Verwüstung. Zahlreiche Häuser wurden durch den Sturm beschädigt und vielfach standen die unteren Geschosse voller Wasser oder Schlamm. Umgestürzte Bäume und Teile von Gebäuden, Baugerüsten und Marktständen waren überall in der Stadt zu finden und blockierten Straßen und öffentliche Plätze. Erneut rückte eine Abteilung der Legion aus, um auch bei den Aufräumarbeiten mit Schanzwerkzeug Hilfestellung zu leisten.

Darüber, was einen derart heftigen Zorn des Iuppiter auf die Stadt Mantua heraufbeschworen haben konnte, wollte sich bisher kein Politiker der Stadt äußern. Bisher war hinter vorgehaltener Hand nur zu hören, das bei besserer Pflege der Kanalisation durch die Magistrate das Wasser wenigstens besser abgeflossen wäre. Für die Bewohner, die sich nun mühsam von den Schäden erholen müssen, ist dieses Gerücht aber sicher nur ein schwacher Trost.