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Mit lachendem Herzen in die Schlacht – Legio XXII besiegt die Blemmyer

ANTE DIEM VI ID MAI DCCCLXI A.U.C. (10.5.2011/108 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Aegyptus, Militärisches
lut färbt den Sand. Das Schlachtfeld ist zerwühlt, übersät von den toten Körpern der Feinde. Hier, im äußersten Süden des Imperiums, an der Wüstenoase Tasheribat, hat die Legio XXII Deiotariana den Feind gestellt und vernichtet. Zahllose Überfälle hatten die grausamen Reiterkrieger der Blemmyer verübt, ganze Karawanen abgeschlachtet, nicht einmal vor Angriffen auf die im Süden stationierten Einheiten schreckten die blutgierigen Barbaren zurück. Nun haben sie den Zorn des römischen Adlers schrecklich zu spüren bekommen.
Unter dem Kommando des Praefectus Legionis Tiberius Octavius Dragonum hat die Legio XXII, die bis vor einigen Jahren aufgrund ihrer Rolle im Laeca-Aufstand nicht mehr den besten Ruf genoss, zu neuer Tatkraft, neuem Glanz gefunden. Unermüdlich drangen die Soldaten ins feindliche Gebiet vor, ließen sich von Gluthitze, Skorpionen und Pfeilen aus dem Hinterhalt nicht den Kampfesmut verderben. Durch geschickte Diplomatie versicherte sich der Feldherr der Unterstützung eines friedfertigen Nubierstammes und ihrer Kundschafter, welche ein untrügliches Gespür für die Wüste besitzen. So konnte das Hauptheer des Feindes aufgespürt und zu einer offenen Feldschlacht gezwungen werden.

Über sechstausend der Wüstenkrieger hatten sich an der Oase zusammengerottet, die meisten beritten auf Dromedaren, die sie wie Schlachtrösser abzurichten pflegen. Mit großem Lärmen, wildem Geheul und gewittergleichen Kriegstrommeln peitschte sich die Barbarenhorde zum Kampf auf. Doch aus römischen Kehlen schmetterte ihnen stählern der Schlachtruf der XXII entgegen: "Mars nobiscum! Mors hostibus, nullus captivus!"
In einer klassischen, zweifach gestaffelten Treffen-Formation rückten unsere tapferen Legionäre vor, ertrugen standhaft den Beschuss durch unzählige Pfeilsalven, ließen den Feind dafür römische Feldartillerie schmecken.
Gewaltig prallten die Heere aufeinander. Die Blemmyer kämpften mit wildem Furor, unsere Soldaten hatten einen harten Kampf auszufechten. Da wo die Schlacht am wildesten tobte, mussten gar die Offiziere zu den Waffen greifen. So führte der Tribun Faustus Decimus Serapio, als die Linien der zweiten Kohorte aufgerieben zu werden drohten, selbst einen kühnen Vorstoß in die feindlichen Reihen, erfüllte so die Herzen seiner Männer mit neuem Mut und wendete das Blatt. Dabei schwerverwundet, hätte er diese Tat um ein Haar mit dem Leben bezahlen müssen, doch sein eigener Vetter, Appius Decimus Massa, ein einfacher Miles der Deiotariana, beschirmte ihn, obschon selbst aus vielen Wunden blutend, mit unbeugsamem Willen und wahrem römischen Heldenmut vor den Klingen des Feindes. Erst als der Tribun in Sicherheit war, brach der tapfere Soldat zusammen. Die Redaktion der Acta Diurna und mit ihr sicherlich alle Leser hoffen, dass diese beiden Helden Ägyptens ihre verdiente Belohnung für ihren Mut und ihren Einsatz für Rom erhalten werden.
Der Legionspräfekt Tiberius Octavius Dragonum selbst zeigte, dass er seit seiner Vergangenheit ex caligae nichts verlernt hat, als er mit einem treffsicheren Speerwurf den feindlichen Kriegsherrn vom Leben zum Tode beförderte.
Sobald die Blemmyer ihre Niederlage nahen sahen, wandten sie sich feige zur Flucht, doch der Großteil der mörderischen Horde wurde von unseren Jungs an Ort und Stelle niedergemacht.

Wieder einmal war Rom siegreich, und die Bewohner Ägyptens atmen auf, einer schweren Last ledig. Endlich begeben sich die Karawanen wieder auf die Reise, gerät der gelähmte Handel erneut in Bewegung. Zufrieden wird auch der Statthalter sein, Appius Terentius Cyprianus, der altgediente Parthienveteran, der zuvor die XXII kommandierte, und sie nun, getreu seinem Ruf stets hart durchzugreifen, auf diesen Feldzug sandte.
Mars war mit den Männern der Deiotariana. Zum Dank haben sie nach der Schlacht alle erbeuteten Waffen dem Herrn des Krieges als Opfer dargebracht. Mittlerweile befindet sich die Legion auf der Rückreise. In Syene, wo sie mit großem Jubel empfangen wurde, haben die Soldaten sich eingeschifft, sie werden in Bälde in Alexandria erwartet.

Kurzmeldungen

ANTE DIEM XIV KAL DEC DCCCLX A.U.C. (18.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Aegyptus, Neues aus Germania, Gesellschaftliches, Politisches
ROMA - Flavii und Aurelii schließen neues Bündnis
Man darf es als Geniestreich der beiden im Moment doch arg vom Schicksal geschlagenen Gentes betrachten, dass sie es geschafft haben mal wieder zwei Sprösslinge miteinander zu verkuppeln. Flavia Nigrina und Sextus Aurelius Lupus feierten kürzlich ihre Verlobung, man könnte fast meinen, man hätte sich bewusst auf die wenig später eintretenden Schicksalsschläge (man erinnere sich an den Tod der Flavia Celerina und des Marcus Aurelius Corvinus) vorbereitet. Die Feier ist eigentlich nicht großartig erwähnenswert, der den patrizischen Gentes üblicherweise zugeschriebene Pomp, Segen der Götter, alles dabei. Die Gästeliste las sich natürlich auch wie ein Wer-ist-Wer der römischen Gesellschaft. Eigentlich alles unspektakulär, wären da nicht die beiden Todesfälle kurz darauf. Es bleibt abzuwarten ob diese Ehe, die dazu gedacht war die Bindung und vor allem die Stellung der beiden Gentes zu stärken, nun in der Lage sein wird das Tief auszugleichen in dem sie nun stecken.

AEGYPTUS - echte Freunde stehen zusammen
Während die Legionen unter der Führung des Legaten Octavius Dragonum weiter die Wüste nach Banditen durchkämmen und sich hier und da wütende Scharmützel mit dem kaum greifbaren Feind liefern, ist das Lagerleben der Legionäre von inniger Eintracht geprägt. Muss man sich abseits der Castella auf den Tod gefasst machen, stärken die Gladiatoren sich gegenseitig durch trautes Gemeinschaftsleben. Zu den Brüderlichkeiten, mit denen man sich das triste Lagerleben erträglich macht, soll zum Beispiel das gemeinsame Polieren des Gladius gehören. Ab und an sollen Legionäre sich auch einfach mal gegenseitig das Pilum halten. Man schrubbt zusammen den Dreck vom Scutum, spannt den Scorpion oder man schärft zusammen die Pugiones.
Alles in allem sehr erfreuliche Nachrichten vom Zusammenhalt so nahe der Front. Sicherlich im sehr griechisch-beeinflussten Alexandria eine Ausnahme, und auf diese Männer kann Rom also wahrlich stolz sein!

GERMANIA - hoch, höher, Terentius Primus
Kaum in seinem Amt als Praefectus Alae, lässt Gaius Terentius Primus (dem treuen Leser vielleicht als motivierter Verfasser von Leserbriefen zur objektiven Aufklärung der Allgemeinheit bekannt) sämtliche Muskeln spielen, die seinem schlachtgestählten Körper so inne sind: hat der Mann nicht zuerst die Ala auf Links gedreht, um sie in einen seinen außerordentlichen Ansprüchen genügenden Zustand zu versetzen, wurde zuletzt eine zehn Mann starke und zudem augenscheinlich stockbesoffene Räubertruppe.. achwas.. RäuberARMEE mit einer massiven Militäraktion geplättet, so war die Curia der seine Ala beherbergenden Civitas Confluentes sein nächstes Ziel. Die existiert nämlich gar nicht. Richtig gelesen: in Confluentes geht administrativ gar nichts mehr. Orgien und Müßiggang sollen an der Tagesordnung sein, der Duumvir soll sich gar aus dem Staub gemacht haben. Da fragt man sich doch gleich, wieso das nicht eher auffiel? Steuerausfälle aus einer so wichtigen Stadt dürften doch wohl recht schnell bei den wichtigsten Stellen der Provinz auffallen? Schläft der Statthalter der Provinz, Marcus Vinicius Hungaricus, oder warum entgehen ihm derlei Dinge? Und was ist mit dem Comes Lucius Purgitius Maecenas? Gut zu wissen, dass es trotz soviel Unaufmerksamkeit in den zentralen Stellen der Verwaltung in Germania immer noch so blitzgescheite und wache Offiziere gibt, die zum Wohle Roms auch gerne mal ihre Befugnisse überschreiten, um für Recht und Ordnung zu sorgen.

AEGYPTUS - iulischer Icarus verbrennt sich an aegyptischer Sonne
Erinnert sich jemand an unseren letzten kurzen Bericht über die Machenschaften des sehr ambitionierten Lucius Iulius Centho, der es sich offen auf die Fahnen geschrieben hat, seiner Gens zu alter und neuer Glorie zu verhelfen? Nach der Ernennung zum Quaestor verbrachte der Iulier bekanntermaßen ganze Wochen seiner Amtszeit damit, sich über sein Amt zu beklagen, eine Quengelei, der ein väterlich-scheltender Consul Aemilius nur damit Einhalt gebieten konnte, in dem er dem Iulier ein paar Boote der Classis zum Spielen gab und ihn damit nach Aegyptus schickte. Weit weg von Rom. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Nun hatte der Quaestor Iulius zur Beschäftigung nicht nur ein paar nette Boote der Classis mitbekommen, sondern auch einen fatalen Auftrag: die Engpässe in der Versorgung der Ewigen Stadt mit aegyptischem Getreide aufzuklären. Der Consul Aemilius dürfte sich darüber gefreut haben, den Querulanten losgeworden zu sein; der Statthalter unseres geliebten Kaisers in Aegyptus, Appius Terentius Cyprianus, war allerdings weniger über den unangemeldeten Besuch erbaut. Weniger noch: der Iulier bewies mal wieder sein feines Gespür für Fettnäpfchen. Vollkommen erbaut über sein tolles Amt, seine Spielzeuge und sich selbst hatte er nichts besseres zu tun als dem Praefectus Aegypti mal so richtig in die Kandare zu fahren.
Wenn man das Gespräch, das in der gehobeneren Gesellschaft Aegyptus' zur Zeit das Thema Nr. 1 ist, einigermaßen genau wieder geben will, so dürfen da die Worte "Amtsanmaßung", "Beleidigung", "Frechheit" und "maßlose Selbstüberschätzung" nicht fehlen.
Man wird dem Iulier in der Sache wohl blinden Eifer unterstellen dürfen, dass er vergessen zu haben scheint, dass man VOR der offenen Zurschaustellung von Standesdünkeln sich diese überhaupt erst erarbeiten muss. Und da ist der Hund begraben, der Iulier scheint in den Etappen seines Cursus Honorum mit jedem zweiten Schritt kräftig daneben zu treten: seine Arbeit als Vigintivir soll mit "schlampig" noch schön geredet sein, seine Arbeit als Tribun der Stadtkohorten sind ausgezeichnet worden, und als Quaestor wird er Aegyptus wohl keinen Deut schlauer verlassen haben. Dafür mit jeder Menge Ärger. Kein Zeichen der Reife, um in die Curia Iulia berufen zu werden.

ROMA - Familia des Mutius Scaevola trauert um komplette Nachkommenschaft
Mehrere Unglücke wahrhaftig dramatischen Ausmaßes haben die Familia des Lucius Mutius Scaevola, eines bekannten Ritters des Reiches erschüttert. Zuerst ertränkte sich die Tochter, Mutia Tertia, wohl aus Liebeskummer. Dann verunglückten wenig später gleich alle drei Söhne des Scaevola auf tragische Art und Weise. So seiner kompletten Nachkommenschaft beraubt, darf man sehr wohl annehmen, dass Mutius Scaevola auf grausame Art und Weise von den Göttern bestraft wird. Allerdings munkelt man auch, dass es sich dabei um nichts anderes als eine Racheaktion dunkler Kräfte handeln soll. Der Ritter soll hoch verschuldet sein, und unwillens seine Schulden zurück zu zahlen.

GERMANIA - mogontiner Baumstrukturkuchen sorgt für Aufsehen
In Mogontiacum, aber auch schon weit darüber hinaus, spricht man mittlerweile von einer neuen und einzigartigen Delikatesse. Kreiert wurde sie von den Meisterköchen in der bekannt-beliebten Taberna Silva Nigra in Mogontiacum, einem Gasthaus mit langer Tradition die schon ebenso lange von der ebenso traditionsreichen Familie der Duccii geführt wird. Diese neue Delikatesse wird 'Baumstrukturkuchen' genannt, und soll zu den exklusiveren Gaumenfreuden zählen, die man sich gönnen kann. Dem armen Schreiber der Acta war es leider nicht möglich diese Spezialität zu probieren, immerhin sind die Preise für dieses Gericht so gesalzen wie sie selbst süß ist. Aber in den höchsten Schichten der provinziellen Gesellschaft gelten sie als absoluter Geheimtipp, und auch schon nach Rom sollen einiger ehrgeizige Händler sie exportiert haben um sie dort mit exorbitanten Preisen an den Mann und die Frau von Stand zu bringen.

ARABIA - junger Germane gewinnt spektakuläres Rennen auf norrischer Kuh
Wenn Nachrichten aus dem Ausland zu uns dringen, dann sind es stets solche die für großes Aufsehen sorgen. So soll in einem Land im südlichen Ost, noch weiter als das weiteste Arabia, ein Rennen ausgetragen worden sein das seinesgleichen sucht. Dominiert wurde die Rennserie, die überall in und abseits der uns bekannten Welt stattfand, zuvor meist von Alonsus, einem Mann dessen Fähigkeiten seit den Tagen des legendären Caligafactor unbestritten das Feld dominieren. Doch wegen eines Fehlers in der Rennplanung musste der Mann aus Hispanien, der auf einem rotgelbschwarzen Hengst aus Italia bisher viele Rennen gewann, nun den Gesamtsieg an Sebastianus Vettelus abgeben, einen germanischen Reiter auf einer roten Kuh aus Norricum, dem bisher kaum jemand eine Chance eingeräumt hat.
In Germanien zeigt man sich begeistert von dem Erfolg des Außenseits, so ein Anhänger: "Wir sind zwar alles andere als ein Volk. Aber was dieser Vettelus vollbracht hat, lässt fast die Schmach vom Sommer dieses Jahres gegen die Hispanioten in Vergessenheit geraten! 'maniaaaaaaaaaaa 'maniaaaaaaa, 'maniaaaaaaaa 'maniaaaaaa!"

Aegyptus - ein Reisebericht

ANTE DIEM VI ID NOV DCCCLX A.U.C. (8.11.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Gesellschaftliches, Neues aus Aegyptus
an meint die Trockenheit in den Knochen spüren zu können, die dieses Land im Griff hält. Selbst an der Küste, selbst dort, wo der Fluss wie eine lebenspendende Ader durch den Sand mäandert und ihm ein Grün entlockt, das man nur wenig vom Nass entfernt für unmöglich halten würde. Man kann sich kaum vorstellen, wie es sein mag, noch weiter weg. Die Sonne glüht erbarmungslos im Frühling schon, und man weiß, man spürt es, die Strahlen sind gefährlich, flammen vom durchdringenden Blau hinab auf die Erde, auf die Menschen, verbrennen die Haut und verwirren den Geist der Unachtsamen. Unbarmherzig brennen sie, trocknen das Land aus, die Lebewesen und das Gemüt. Aber selbst wenn das nicht so wäre, die Trockenheit ist das, was dieses Land prägt. Die Trockenheit ist das, was das Leben in all seinen Einzelheiten beherrscht. Grüne Flächen gibt es wenige, die vorherrschende Farbe ist gelb oder braun. Gelb dort, wo der ohnehin allgegenwärtig scheinende Sand das einzige ist, was der Boden zeigt. Braun in der Nähe von Wasser, wo Erde geschafft hat, standhaft zu bleiben. Und selbst dort scheint es fast so zu sein, als verlange es der Erde zu viel Kraft ab, sich zu halten, um wirklich noch nahrhaft zu sein. Diese Erde ist auf ihre Art faszinierend, so ganz anders als die, die man kennt. Dunkel, schwer und feucht ist sie zu Hause. Man meint das Leben förmlich daraus sprießen zu sehen, so reich und voll wirkt sie. Die Erde hier zeigt dagegen deutlich, dass sie nicht alle Lebewesen zu unterstützen gewillt ist. Gelbbraun und trocken, fordert sie einen heraus, um alles zu kämpfen, was man von ihr will. Und so sind die Lebewesen hier.

Eine Gegend wie diese strapaziert alles Leben. Doch so unwirtlich sie auch wirken mag für fremde Augen, ist sie dennoch nicht gänzlich unbevölkert, ist nicht bar jeden Lebens. Manche Pflanzen werden in ihrem Lebensstil nahezu so anspruchslos wie Moos, in solchen Gegenden, und entsprechend entwickeln sie sich. In der Trockenheit der Wüste, im allgegenwärtigen Sand sind es die feindlich scheinenden, die den größten Erfolg haben, die dauerhaft siedeln können, und sie machen die ohnehin schon abweisende Landschaft noch abweisender, noch lebensfeindlicher. Es gibt Kakteenwälder, die so dicht stehen, dass sie undurchdringbar sind für alles Getier, das nicht klein genug ist, um die gefährlichen Stacheln zu meiden, oder gepanzert genug, um sich davon nicht stören zu lassen. Es gibt aber auch noch andere. Da ist dieser Baum. Ehrwürdig gemessen an Jahren, und sicherlich auch beeindruckend in seiner äußerlichen Erscheinung, knorrig, die Äste krumm und verbogen, die Rinde grau-verwittert, die letzten Blätter bereits abgeworfen, steht er da, nicht stolz nach oben gereckt, sondern in seltsame Formen gebeugt von zahlreichen Stürmen, die er in seinem langen Leben schon durchgemacht hat. Einer der wenigen Bäume ist er, am Rand der Wüste, einer der wenigen, die es geschafft haben, der feindlichen Umgebung zu trotzen, der Hitze, dem Sand, den Stürmen, und die dem kargen Boden immerhin genug Nährstoffe abzuringen vermögen, die sie brauchen, um zu überleben. Seine Wurzeln, obwohl recht tief in der Erde verankert, haben nicht den Halt, den seine Brüder im Norden haben, jenseits des Mare Internum. Zu locker, zu trocken, ja, fast staubartig ist der Boden, um griffig zu sein. Ebenso verhält es sich mit seiner ganzen Statur. Ständige Belastung durch sengende Hitze sowie eine konstante Unterernährung haben sein Holz im Lauf der langen Jahre spröde und brüchig werden lassen. Und dennoch hat er es geschafft, sich hier eine Nische für sich zu schaffen, in der er genug von dem findet, was er braucht, um überleben zu können und den Gefahren zu trotzen.

Richtung Mare Internum ändert sich wenig. Die Vegetation wird streckenweise grüner, üppiger, man merkt, Wasser nähert sich. Aber doch ist die Trockenheit allgegenwärtig, auch hier. Es ist nicht nur die Hitze. Man sieht es an den Grünflächen den Fluss entlang, wo das Gewächs immer noch mehr gelb als grün ist – es sei denn, es wird täglich bewässert. Man sieht es an den Blättern, an den vertrockneten Halmen, an der staubtrockenen Erde. Man kann es in der Luft riechen, im Wind spüren, diese Trockenheit – obwohl das Nass kaum einen Steinwurf entfernt ist. Man erkennt es an den verkohlten Flecken, die Kunde von den Feuern tun, die sich entzünden, wenn Pflanzen zu trocken werden und Sonne zu heiß. Und man merkt es an den Menschen. Menschen mit Wasser im Überfluss sind anders. Man kann es in den Augen sehen. Die Hitze und die Trockenheit hinterlassen ihre Spuren, nicht nur im Land selbst, nicht nur in Flora und Fauna, auch im Menschen. Sicher hinterlässt auch hier das Leben in einer Stadt seine Spuren, verändert die Menschen noch einmal im Gegensatz zu jenen, die weiter draußen leben. Aber es lässt sich nicht leugnen: sie sind geprägt von dieser Trockenheit. In größeren Orten ist eine Lebendigkeit zu spüren, die in krassem Gegensatz zu stehen scheint zu der erbarmungslosen Hitze, fast als ob die Menschen hier einen bewussten Akzent setzen wollen. Ein Zeichen gegen die Hitze. Mit Worten gemalte Bilder fließen, als wollten sie die Sehnsucht nach Wasser symbolisieren. In den Siedlungen in der Wüste hingegen sind sie ruhiger. Sie nutzen einen Tonfall, der so trocken ist wie alles hier. Sie verzichten auf viele Worte, so wie sie auf das Wasser verzichten, notgedrungen. Sie sind karg. So karg wie das Land, das sie hervorbringt.

Marktgerede - kurz zusammengefasst

ANTE DIEM IV NON OCT DCCCLX A.U.C. (4.10.2010/107 n.Chr.)
Rubriken: Neues aus Aegyptus, Neues aus Germania, Gesellschaftliches
uch wenn der uns drohende Zorn der Götter die Bürger Roms und aller Städte in Atem hält: ab und an drängt sich doch ein anderes Thema in die Gespräche, die man auf dem Markt so mithören kann. Wer ganz genau hinhört wird erkennen, dass die Menschen zwar aus Furcht vor den Göttern erstarren, allerdings frei genug sind, um sich noch über das eine oder andere den Kopf zu zerbrechen. Um das vermeintliche Wissen nicht den wenigen Köpfen vorzubehalten, fassen wir an dieser Stelle grob zusammen, was man sich so alles erzählt:

AEGYPTUS - die große Hitze in der Kornkammer des Reichs macht den Truppen schwer zu schaffen. So sehr, dass der Mini-Feldzug zur Befriedung von durch Aufständische und/oder Räuber und/oder marodierende Stämme und/oder Wüstenungeheuer und/oder entlaufener Katzen im Süden der Provinz nur schleppend voranläuft. Man munkelt, dass der Praefectus Aegyptus Appius Terentius Cyprianus nur auf der Suche nach einer für ihn sehr wichtigen Wüstenschönheit ist, um die zu finden er seinen gepanzerten Spürhund Tiberius Octavius Dragonum, ehrfurchtsvoll 'Dominus Galelula' genannt, ausgesandt hat um mit seinen Truppen die Wüste zu durchkämmen.

GERMANIA - hat man in der Acta noch kürzlich von Visionären gesprochen, die in der Lage sind Dinge zu sehen, die sich vor anderen verbergen, so scheint einer dieser Helden mittlerweile die Ala II zu kommandieren. Das Problem ist allerdings, dass es keine Heldentaten sind, die Gaius Terentius Primus sieht, sondern eine leere Stadtverwaltung. Die Eques murren schon, er sei auf einem Auge blind, dass er die Stadtverwaltung vor lauter Bäumen nicht sieht. Von einer marodierenden Barbarenhorde, die im Handstreich die Civitas entvölkerte, ist uns auch nichts berichtet worden. Wo er andere Dinge nicht sieht, die andere sehen, sieht er gottseidank aber an anderer Stelle wieder Dinge, die andere wiederum nicht sehen. So zum Beispiel eine vollkommen verlotterte Ala II. Da fragt man sich, was bei den im Moment sowieso schon arg gereizten Göttern sein Vorgänger, Lucius Silanus aus dem Haus der Iunii, da eigentlich getrieben hat? Drei ganze Jahre war er da stationiert, und hat es nicht fertig gebracht die Einheit in Stand zu halten? Nun, wie dem auch sei: der Terentier hat es sich zur Aufgabe gemacht die Rüstungen wieder auf Hochglanz zu schrubben, wenn nötig durch eigene Hand! Die Provinzkasse hat er im Zuge dessen auch gleich mal mit Forderungen konfrontiert, die selbst einem bewährten Kaltblüter wie Marcus Vinicius Hungaricus die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben. Das schafft nicht jeder.

AEGYPTUS - was auch immer man von diesem Mann hört, man fragt sich, was Lucius Centho von den Iuliern umtreibt. Im ersten Anlauf gescheitert, im zweiten mit Biegen und Brechen in das Vigintivirat gewählt und jetzt auch mit den schlechteren Ergebnissen der letzten Wahl. Man sollte meinen, der Mann wüsste, dass er nicht unbedingt den besten Stand hat. Umso unverständlicher ist es, dass der vom Senat zum Quaestor der Classis in Misenum gewählte Iulier besseres zu tun hätte, als die ersten Monate seiner Amtszeit damit zu vertrödeln einige Klinken zu putzen, um sich hinter der angeschlossenen Tür über sein Amt zu beklagen.
Da der Mann jetzt mittlerweile tatsächlich in Aegyptus angekommen ist, mag man hoffen, dass seine Motivation hinsichtlich seines Amts zugenommen hat. Denn für einen Mann, der sich öffentlich auf die Fahnen geschrieben hat seiner doch arg ins untere Mittelmaß der römischen Gesellschaft abgerutschten Gens wieder zu altem Glanz zu verhelfen, ist dies doch eine äußerst fragwürdige Art der Öffentlichkeitsarbeit.

GERMANIA - die Legio II scheint ernsthafte Probleme bei der Ausbildung zu haben. Erst berichtet man von geringen Neuzugängen bei stetem Schwund an Soldaten durch Desertation oder Krankheit, so darf man neuerdings anhören, dass die Bildung der schon gestandenen Soldaten ebenfalls zu wünschen übrig lässt. Jüngst wurde von einem Fall berichtet, in dem ein Soldat der zweiten Legion in voller Rüstung in den Rhenus gesprungen ist. Selbstverständlich ist er ersoffen.
Betroffen ist man in Mogontiacum vor allem, weil dieser Todesfall eine eklatante Schwäche in der Ausbildung der Soldaten offen gelegt hat: Eisen am Körper sorgt nicht nur dafür, dass man vor Schlag, Stich und Treffer geschützt wird, nein, es sorgt auch dafür, dass man sofort zig Minae schwerer wird. Und jedes Schulkind weiß, was Wasser von schweren Sachen hält. Nur bei der Legio II weiß man das anscheinend nicht.
KORREKTUR: soeben ist dem Schreiber berichtet worden, dass ihm ein eklatanter Fehler in der Recherche zu diesem Thema unterlaufen ist; weshalb dies nun korrigiert gehört. Der Soldat ist selbstverständlich NICHT in voller Rüstung in den Rhenus gesprungen. Er hat vorher seinen Helm abgenommen.