Urlaub bis zum Wecken

Titus Germanicus Antias
Wie erwartet hatte der Centurio seine Anwärter auf den Freigang noch einmal nach allen Regeln der Kunst geschliffen bis sie beim Abendappell kaum mehr Haltung hatten annehmen können. Ein erschöpfter Freigänger war ein friedlicher Freigänger – idealerweise. Die Rekruten erholten sich allerdings immer schneller von den täglichen Strapazen, der nun schon wochenlange Drill zeigte Wirkung. Am Beginn seiner Ausbildung hatte sich Antias nach Dienstende nur noch ausgepumpt in die Unterkunft geschleppt und auf die Pritsche geworfen. Mittlerweile waren die Männer weit härter geworden. Härter und trotziger. Sie hatten mit der Zeit gelernt, dass Schmerzen bis zu einem gewissen Grad zu ignorieren waren und die Erschöpfung einen Scheitelpunkt hatte, der sich überschreiten ließ, wenn man sich ihm nicht ergab.
So hatte die Dritte Centurie am Abend nicht viel Zeit darauf verwenden müssen, sich die Wunden zu lecken und Atem zu schöpfen. Die Männer hatten schnell ihre Ausrüstung für den nächsten Tag in Ordnung gebracht, waren in bequeme Tunicae geschlüpft und den Mauern der Castra entkommen bevor es sich noch irgendein Befehlshabender mit dem Freigang anders überlegen konnte.

Draußen in den schmalen Vorstadtgassen empfing sie ein chaotisches Gedränge, was nicht weiter verwunderlich war, denn immerhin hatte die gesamte Centurie Ausgang erhalten, mit Ausnahme ein paar armer Hunde, die wegen diverser Nachlässigkeiten zum Wachdienst verdonnert worden waren. Und die Dritte war ganz offensichtlich nicht die einzige Centurie mit Freigang, sämtliche Wege in südwestliche Richtung waren nahezu verstopft von jungen Burschen, denen man den Rekruten trotz Zivilkleidung schon von weitem ansah. Dazu kamen noch die Altgedienten mit Ausgang, die omnipräsenten Einheiten der Prätorianer, diensttuende Einheiten der CU und CV und natürlich die Zivilisten: Händler, Huren, Artisten und allerlei anderes geschäftstüchtiges Volk, das es auf den Sold der Männer abgesehen hatte.

Um im Gewimmel überhaupt vorwärts zu kommen, hatte sich die Centurie schnell in ihre Contubernien aufgelöst, die sich nun einzeln durch die Gassen schoben. Antias und seine Kameraden hatten sich zu einer lockeren Kolonne formiert, an deren Spitze Fimbria, der breitschultrige Bulle aus Alba Fucens die Menge teilte wie ein klobiger Ackerpflug. Als hoch aufgeschossene Nachhut schlenderte Hispo hinter der Gruppe her und behielt sowohl die Kameraden als auch deren Umfeld stets im wachsamen Auge. Von den breiteren Straßen direkt am Lager weg – stadteinwärts, das war der Plan. Unmittelbar an den Castra war der Wein am teuersten und am schlechtesten. Mit etwas Glück würden sie eine abgelegenere Caupona finden, die nicht allabendlich von durstigen Soldaten gestürmt wurde.
Antias hatte sich bereits auf der Principalis eine Handvoll Oliven gekauft, von denen er sich beim Gehen immer wieder eine schwungvoll in den Mund warf. Ein recht simpler Plan, dachte er sich amüsiert, aber immerhin ein Plan.
Titus Germanicus Antias
Ein Plan mit Denkfehlern, wie sich bald herausstellte. Zwar leerten sich die Gassen zusehends je weiter das Contubernium nach Südwesten vordrang und auch die Rechnung mit den Weinpreisen war aufgegangen, aber die Tirones hatten bei ihrer Planung nicht bedacht, was sie waren: Tirones.

Die weniger überfüllten Cauponae und Tabernae in den ruhigeren Straßen jenseits der Castra waren ganz offensichtlich das alleinige Vergnügungsrevier der übergeordneten Dienstgrade, und jeder Dienstgrad vom Miles angefangen war den Tirones übergeordnet. Die Rekruten stellten schnell fest, dass sie in diesem Teil der Vorstadt weniger galten als mancher Zivilist, nicht anders also als in ihrem Castrum. Nur dass es dort kein geringeres Lebewesen gab als einen Zivilisten. Unter dem Hohn zechender Veteranen wurden Antias und seine Kameraden immer wieder an der Wirtshaustür abgewiesen und nicht nur das; auch auf den Gassen davor boten sie den Rempeleien und Schmähungen der Altgedienten ein dankbares Ziel. Mehr als einmal musste Fimbria vom gesamten Contubernium beschwichtigt werden, um den pöbelnden Soldaten nicht an die Wäsche zu gehn. Sogar die Huren zeigten hier deutlich weniger Interesse an den Rekruten als ihre Berufsgenossinnen im Umfeld der Castra, dies wiederum sehr zum Leidwesen des dampfschößigen Hispo.

Auch Antias' Laune sank stetig. Die letzte Olive war verzehrt, der Abend bereits fortgeschritten und sein Verlangen, irgend jemandem das Nasenbein in die Hirnrinde zu rammen wuchs beängstigend. Als schließlich noch ein strunzbesoffener Praetorianercenturio mit Anhang ihren Weg kreuzte und im Vorbeigehen lachend mit der Vitis dreinschlug, war auch dem letzten Tiro in der Kolonne klar, dass sich der Plan im Lichte der Gegebenheiten als veritabler Scheißplan erwiesen hatte.

„Gut! Also gut!“ schnaubte Antias mühsam beherrscht.
„Entweder wir gehen dem Arschloch nach und lassen ihn seinen Rebstock fressen oder wir kehren um und saufen schlecht aber gemütlich mit den anderen Kameraden.“
„Und die Nutten sind hier auch zu teuer.“ ergänzte Hispo mit großer Ernsthaftigkeit.
Titus Germanicus Antias
Die überwiegende Mehrheit des Contuberniums fand wenig Gefallen an der Vorstellung, für den Angriff auf einen Centurio im Carcer zu landen oder schlimmeres, also machte die Kolonne missmutig kehrt und schlurfte zurück in Richtung Castra.

Entgegen ihren Befürchtungen hatte sich das ziellose Gewimmel im nordöstlichen Viertel zwischenzeitlich erheblich ausgedünnt. Vereinzelte Gruppen ausgelassener Rekruten drängten sich vor den Verkaufsständen von Händlern, Fleischern und Glücksspielern oder feilschten angeregt mit Huren und Lustknaben. Einige Tirones hatten augenscheinlich bereits ihren maximalen Füllstand erreicht und dösten nun an die Hauswände gelehnt vor sich hin. Ansonsten hatte sich das Leben unüberhörbar in die Häuser verlagert. Aus zahllosen Fenstern und Türen drang lautstarkes Lachen, Geschrei und Gestöhne auf die Gassen, umweht von den Düften sauren Weins, geschmorten Fleisches und verbrannter Gewürze. Als die Männer schließlich auf Höhe einer ganz manierlich anmutenden Taberna vor einem jähen Blitz zusammenschraken, war das Antias Zeichen genug,

„Vielleicht sollten wir da ..“ – aber die Aufforderung erwies sich als überflüssig, denn Leitbulle Fimbria hatte bereits die Initiative ergriffen und stampfte ohne Zögern auf die Schenke zu. `Rufo's Elysium`las Antias über der Tür.

In der Taberna war es nur unwesentlich heller als draußen auf der Straße, dafür aber wesentlich stickiger. Ein halbes Dutzend grob gezimmerter Tische wurde im Zwielicht erkennbar, eng besetzt von rülpsenden Rekruten in den unterschiedlichsten Stufen der Weinseligkeit. Einige waren ins Würfelspiel versunken, andere diskutierten mit schwerer Zunge oder starrten nur benebelt vor sich hin. Im hinteren Teil des Schankraums wurde der Vorhang zu einem Nebenzimmer zur Seite geschoben und ein untersetzter Glatzkopf eilte mit zahnlosem Lächeln auf das Contubernium zu.

„Oh, herrje .. heut feinen ja die gefamten Cohorten auf den Beinen fu fein. Ich bin Rufo, der Wirt.“
Rufo blickte mit übertrieben bekümmerter Mine auf die umstehenden Tische.
„Fu meinem Bedauern find fon alle Tiffe befetft, meine jungen Freunde.“

Die Laune der Männer machte sich in einem mehrkehligen Aufstöhnen Luft. Antias sah sich brummend im Halbdunkel der Wirtsstube um. An der rückwärtigen Wand gleich neben dem Durchgang zum Hinterzimmer stand ein langer Tisch von dem sich das Leben bereits weitgehend verflüchtig hatte. Die Soldaten – ebenfalls ein vollzähliges Contubernium – hingen entweder schlaff in ihren Stühlen oder mit dem Kopf direkt auf der Tischplatte. Einer wurde noch mühsam von der obligatorischen Haushure gestützt, aber es war unübersehbar, dass hier der Abend gelaufen war.

„Was ist mit dem Tisch da?“
Der Wirt folgte Antias Blick auf die völlig abgefüllten Tirones und zuckte resigniert die Achseln.
„Ihr feht ef ja felbft ..“
„Jetzt hör mal! Wir sind noch nüchtern, haben Durst und vor allem haben wir noch Geld. Im Gegensatz zu deinen geplünderten Gästen da.“

Rufo kratzte sich unentschlossen am haarlosen Schädel, sah von Antias auf den Tisch und setzte sich schließlich nickend in Bewegung. Auf einen kurzen Ruf des Wirtes trat ein breitschultriger Hausdiener aus dem Hinterzimmer und machte sich gemeinsam mit Rufo und der Hure daran, die sturzbesoffenen Rekruten zum Aufbruch zu animieren. Überraschend friedlich weil keines koordinierten Widerstandes mehr fähig setzte sich einer nach dem anderen schwankend in Bewegung und trottete dümmlich grinsend zur Tür. Antias sah ihnen mit leichtem Bedauern nach. Es lag ihm fern, Kameraden den Ausgang zu verderben, aber die Burschen hatten ihren Spaß gehabt und waren nun auf ihren Pritschen zweifellos besser aufgehoben, auch wenn sie die restliche Nacht brauchen mochten, um zu den Castra zurückzufinden.

Der Hausdiener hatte sich wieder nach hinten verzogen. Rufo wischte mit einem schmierigen Lappen über die Tischplatte und wies einladend auf die freien Plätze.
„Willkommen in Rufof Elyfium Soldaten. Bittefön.“
Erleichtert setzte sich das Contubernium an den Tisch zu der freudestrahlenden Hure, die keine Anstalten machte, sich von ihrem Platz zu erheben.

„Wein, die Herren?“
„Ja, Wein. Und eine Kleinigkeit zu essen, vielleicht irgendwas süßes.“
„Kandiertef Obft? Eingelegte Früchte?“
„Egal, her damit.“
Titus Germanicus Antias
Während sie auf die Bestellung warteten widmeten die Rekruten ihre gesammelte Aufmerksamkeit der zwischen Hispo und Fimbria eingekeilten Hure, die im lüsternen Fokus von acht Augenpaaren geradezu aufblühte. Hispo rutsche nervös auf seinem Stuhl herum, Fimbria wurde von einem Schweißausbruch heimgesucht und Antias musste unwillkürlich grinsen.

Nun gut, das war heute bislang keine schöne Erfahrung gewesen, aber vielleicht die richtige Erfahrung zum richtigen Zeitpunkt. Sie alle standen noch ganz am Anfang ihrer Dienstzeit und in der militärischen Hierarchie kaum höher als Packesel, die die Ausrüstung schleppten – von ihrer gesellschaftlichen Stellung ganz zu schweigen. Das durften sie nicht vergessen.
Natürlich war ihr Stolz allmählich gewachsen nach jedem überstandenen Tag an den Holzpfählen, die sie mit den schweren Übungsschwertern und Schilden so lange angegriffen hatten, bis die Holzschwerter Risse bekommen hatten und die zerhackten Pfähle ausgewechselt werden mussten. Jedes zusätzliche Pfund an Ausrüstungsgewicht, mit dem sie über Mauern und Holzverhaue geklettert und durch Becken, Gräben und Bäche geschwommen waren, hatte ihr Selbstvertrauen genährt. Ohne Zweifel befand sich jeder von ihnen in einem besseren körperlichen Zustand als jemals zuvor im Leben, und dennoch gab es für sie keine Abkürzungen und keinen schnellen Ruhm zu erringen.

Antias sah sich unter den Kameraden um. Manch einer würde seine Dienstzeit einmal beenden, ohne auch nur eine Stufe weiter gerückt zu sein als ein Miles. Das musste ihnen klar sein. Alles darüber hinaus bedurfte nicht nur Ehrgeiz, Fleiß und einem gewissen Maß an Selbstaufgabe sondern vor allem Geduld und Beharrlichkeit. Aber heute war nicht der Abend, um über Erreichtes und Erreichbares nachzudenken, sie hatten ihren Nasenstüber erhalten, verstanden und gut. Es blieben ihnen noch etliche Stunden und jetzt ging es erstmal den Amphoren an die Hälse und ihrer dampfenden Tischgenossin an die Kurven.

Der Wirt kam beflissen herbeigeeilt und stellte Weinkrüge, Becher und eine Schale mit dunkel glänzendem schwer definierbaren Allerlei auf den Tisch.
„Fo, Früchte und Wein. Fonf noch Wünfe?“ Rufo blickte fragend in die Runde, die ihre Blicke wiederum noch immer größtenteils auf die hauseigene Jubelspalte geheftet hatten.
„Alfo, ja .. daf ift Faferna, meine .. äh ..“
„Faferna?“ fragte Hispo interessiert.
„Saserna!“ prustete das Objekt des Interesses kelhlig auf. „Sssso isses.“

Mit einem halblaut gemurmelten „Flampe.“ drehte sich Rufo beleidigt um und wandte sich wieder seinen anderen Gästen zu. Hispo machte ein paar schwülstige Bemerkungen bezüglich der Anmut von Frau nebst Namen, Antias griff grinsend zu den Früchten und erspähte gerade noch rechtzeitig zuckende Bewegungen auf der eingelegten Apfelscheibe, die er im Begriff war, sich in den Mund zu schieben. Misstrauisch zog er die Obstschale zu sich heran und entdeckte weiteres sich schlängelndes Kleinstgetier zwischen den Früchten. Angewidert schenkte er sich Wein in den Becher und stürzte ihn gierig hinunter.

„Hhaaarghhh.“
Ihm blieb die Spucke weg, damit hatte er nicht gerechnet. Wein hatte er eigentlich als trinkbare Flüssigkeit in Erinnerung. Hatte er da irrtümlich den Schierlingsbecher eines in Ungnade gefallenen Senatoren erwischt? Keuchend schob er den Becher weiter zu Hispo, der ihn sofort furchtlos an die Lippen führte.

„Hhooaachhh.“
Hispo hustete, Saserna kicherte, Antias fluchte.
„RUFO!“

Der Wirt wuselte schwitzend herbei.
„Herr?“
Antias deutete mit mordlüsternem Blick auf seinen Becher.
„Was ist das?“
„Daf? Unfer beliebtefter Rotwein auf der umbrifen Traube.“
„So! Und das?“ Schnaubend hielt Antias dem Wirt die Obstschale unter die Nase.
„Auferlefene Früchte von den Füdhängen des Vefuv.“
„Auserlesen? Du meinst wohl aufgelesen .. na gut ..“ Ruhig bleiben. Ausgang, Entspannung, Genuss und Wolllust. „.. hast du Bier?“
„Natürlich Herr, friff angeliefert.“
„Da wett ich drauf. Dann bring mir einen Krug. Und nimm deine auserlesen Früchte mit, ich mag keine Würmer an der Tunica.“

Der Wirt verschwand, Antias atmete zischend aus und spürte plötzlich einen Fuß an seinem Gemächt.
„Das is aba kein Wurm da unten.“ hauchte ihm Saserna über den Tisch zu. Antias sank grinsend in seinem Stuhl zurück und wollte entsprechendes erwidern, aber im gleichen Moment grunzte Hispo wohlig. „Nein. Eher ein Aal. In Marmor gemeißelt.“

Antias reckte den Hals und sah Sasernas Hand unter Hispos Tunica umherwandern. Begabt, dachte er anerkennend, durchaus begabt. Während Sasernas Zehen ihn weiter zwickten, stellte Antias sachlich fest, dass sein Schaft wohl demnächst die Tischplatte samt Gedecken anheben würde und überlegte fieberhaft, wie er die Kameraden überreden konnte, ihn bei Saserna vorzulassen. Aus der Tiefe des Raumes stolperte der zusehends überarbeitete Rufo heran und knallte einen weiteren Krug auf den Tisch.
„Fo! Bier!“
Bemüht, seine Körperhaltung nicht zu verändern nestelte Antias seinen Lederbeutel vom Gürtel.
„Was bekommst du?“
Die Augen des Wirtes leuchteten auf.
„Alfo .. fünffehn Affe daf Bier, fanfig Affe der Wein, Herr.“
Antias nickte und machte eine Kopfbewegung zur anderen Seite des Tisches.
„In Ordnung. Und Saserna?“
Die Köpfe der anderen Rekruten fuhren herum, Saserna kicherte und Rufo holte hörbar Luft.
„Fünfunfanfig.“
„Asse?“
„Fefterpfen.“
Antias fuhr hoch, Sasernas Fuß rutsche ab.
„Sesterzen? Bist du irre?“
„Fünfunfanfig Fefterpfen.“ beharrte der Wirt.
„Zehn!“
„Na gut .. tfanfig.“
„Was!?“ blökte Saserna und sprang ebenfalls auf. „Du zahnlosa alta Teigschwanz!“
„Zehn!“ wiederholte Antias stur.
„Dreissig!“ brüllte Saserna und funkelte ihn angriffslustig an.
„Gekauft!“ rief plötzlich Hispo, zog Saserna auf den Stuhl zurück und klatsche seinen Geldbeutel auf die Tischplatte.

„Na alfo, warum fo komplipfiert?“ seufzte Rufo müde und sah Antias fasziniert dabei zu, wie der sich wieder setzte, den Wein mit dem Bier zusammengoss und einen tiefen Zug direkt aus dem Krug nahm.
„Hhaaarghhh.“
„Besser?“ fragte Hispo fürsorglich.
Antias schüttelte energisch den Kopf.
„Stärker.“

Nachdem das Finanzielle geregelt und Hispo breit grinsend mit Saserna im Hinterzimmer verschwunden war, starrten die übrigen Rekruten belämmert in ihre Becher.
„Na kommt ..“ versuchte Antias die Kameraden aufzumuntern. „.. wir haben noch Zeit genug. Nicht mal Hispo braucht ewig.“ Keine Reaktion. Ewig nicht, dachte er resigniert, aber lange auf jeden Fall.
Titus Germanicus Antias
Ein Blitz jagte den nächsten. Dumpfer rollender Donner tobte über die Dächer als würde die Vorstadt mit Onagern beschossen. Die Balken der Taberna ächzten bedenklich. Immer wieder rieselte Staub von der niederen Decke auf Tische, Krüge und Köpfe. Eine paar tauschinteressierte Tirones belagerten den Tisch und feilschten lautstark mit Antias' Kameraden um die überschüssigen Kleidungsstücke des Donativums. Am Nebentisch waren sich die Würfelspieler in die Haare geraten und brüllten wütend aufeinander ein. Weiter vorn an den Fenstern zur Gasse hatten sich einige melancholische Rekruten – darunter Fimbria – zu einem basslastigen Gesangskreis zusammengefunden und schmetterten wehmütige Weisen von verlorener Heimat, verlassenen Weibern und vergangenen Zeiten. Der einsetzende Platzregen hatte weitere schutzsuchende Soldaten in die Schenke getrieben, die nun ihrerseits versuchten, den Wirt zum Freiräumen von Sitzplätzen zu überreden.

Antias saß zerknirscht am Tisch, den Kopf in die Hände gestützt und völlig unberührt vom Getöse um ihn her. Er hörte zwischen den diffusen Lärmwolken allein Sasernas ekstatisches Gekreische im Hinterzimmer. Kurz dachte er darüber nach, sich draußen irgendeine Gassenhure zu schnappen, verwarf den Gedanken aber schnell wieder, weil es dort wie aus Bottichen schüttete. Seufzend starrte er auf den Vorhang hinüber. Mittlerweile hätte er auch fünfzig bezahlt.

Der Wirt schlurfte erschöpft vorbei.
„Rufo!“
„Herr? Noch Wein? Oder Bier?“
„Beides.“ Antias wies mit einer resignierten Geste zum Vorhang.
„Das hättest du auch gleich sagen können ..“
Rufo blickte ihn fragend an.
„Waf, Herr?“
„Na, dass man für die fünfundzwanzig Sesterzen gleich die ganze Nacht kriegt.“
„Ef waren dreiffig.“
„Ist doch scheißegal jetzt! Ich dachte, das wär für eine Nummer!“
Rufo mahlte gereizt mit den zahnlosen Kiefern.
„Ihre Entfeidung. Ich kaffiere, fie vögelt. Anfonften tut fie waf fie will.“
„Na herrlich. Wenn du deinen ganzen Laden so im Griff hast wie deine Hausnutte ..“

Völlig unerwartet klatschen Rufos fleischige Handflächen auf dem Tisch, der kahle Schädel schoss auf Antias zu.
„DIE NUTTE IFT MEIN WEIB! Waf glaubt ihr grünen Piffer eigentlich! An den Kalenden, jaaa, da kommt ihr fum Faufen her, kotft mir die Ftube voll und ferdeppert mir die Einrichtung und wovon foll ich den Reft der Feit leben, hä?“
Antias rutschte im Stuhl zurück und wischte sich fahrig die Spucke aus dem Gesicht.
„Ist ja gut Rufo .. ich wollte ..“
„GUT? Waf ift gut? Daff ich die kleine Flampe auf ihrer Kloake in der Fubura geholt hab und mir feither die Latfen für fie durchrenne damit fie nicht mehr auf der Gaffe fu arbeiten braucht! Dabei freffen mir fie und ihr gieriger Ftecher von Haufdiener die Haare vom Kopf und ich kann noch nichtmal waf fagen, weil wir daf Geld brauchen!“
„Jetzt hör mal Rufo .. das konnte ich nicht ..“ Antias wäre gerne woanders gewesen, egal wo.

„Und dann if fie euch auch noch fu teuer! Allef wollt ihr gefenkt! Waf krieg ich denn gefenkt? Waf die mich koftet, kannft du mit Geld gar nicht bepfahlen! Haft du gehört wie die mit mir redet! Haft du daf gehört!“
Antias stemmte sich keuchend hoch.
„RUFO! ES REICHT!“
Tief über den Tisch gebeugt blinzelten Antias und der Wirt sich schnaufend an. Rufo war der Schweiß in die Augenwinkel geronnen, Antias Rufo's Spucke. Über dem fast erstorbenen Lärm in der Schankstube erhob sich hell und klar Sasernas glückseliges Freudensgejaule.

„Tut mir leid.“ murmelte Antias gepresst.
Rufo blickte abwesend auf die leeren Krüge und sammelte sie schließlich langsam ein.
„Foll ich ef gleich draufen fufammenfütten, Herr?“
„Äh .. das wäre nett. Danke.“

Rufo schob ab und Antias ließ sich matt in seinen Stuhl zurückplumpsen. Die rührseligen Gesänge brandeten wieder auf. Der Streit am Nachbartisch ging weiter. Der Vorhang zum Hinterzimmer bauschte sich sanft in der feuchten Gewitterbrise, die von der Straße her durch die Taberna wehte.
Heilige Scheiße, ist das Leben kompliziert dachte Antias schläfrig und als Rufo mit dem Weinbiergemisch zurückkehrte, war Antias bereits auf seinem Stuhl eingedöst.
Servius Iulius Macro
Sim-Off: Ich steige einfach mal ab hier mit dazu. Bis hierhin hast du die Sache ja hervorragend allein gelöst. Sehr gut geschrieben!

Nun konnte ich mir auch das Lächeln nicht mehr verkneifen. Zwar war der Abend bis jetzt der reinste Reinfall gewesen und das Wetter draußen beschrieb unsere Situation und Laune nur zu gut, aber was soll man sagen- schlimmer kann es doch nicht mehr kommen. Oder doch? Jedenfalls war der Wein mit dem gemischten Bier jetzt halb erträglich, wenn auch ein bisschen stark in seiner Wirkung. Garantiert war der Wein mit einem Großteil Wasser und was weiß ich noch was, verdünnt aber das Zeug pur saufen? Lieber eine Woche Latrinendienst! Wer weiß was das Zeug für Nebenwirkungen hatte- Nebenwirkungen, die erst am morgigen Tag auftreten und unsere Körper heimsuchen würden.
So hatte ich auch schweigend beobachtet, wie die gesamte Mannschaft beim Anblick Sasernas vergass, dass es nicht nur dieses eine Weib hier in Rom gab und mit triefenden Mäulern beinahe die Hure im Schankraum zu verspeisen. Durchaus hatte auch sie mein Interesse geweckt, doch wollte ich mich nicht unbedingt auf die erstbeste Frau stürzen, die sich uns freizügig über den Weg lief. Wer weiß wohin uns der Weg heute noch führen würde- auch wenn der Weg bis jetzt ehr eine stinkende Sackgasse war. Ich nippte an meinem Becher und der feindselige Angriff des Wirts gegen Antias tat sein nächstes dazu bei, dass ich der Meinung war, hier wäre heute nicht mehr viel zu holen für uns.
Ich blickte mich in der Runde um und irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass der Rest der Truppe auch nicht gerade in guter Feierlaune war. Erneut nahm ich einen großen Schluck und merkte wie der Satz des Becherbodens sich löste und in meinem Mund gespült wurde. Meine Mine verzog sich zu einer ekligen Grimasse und so schnell wer der Satz in meinem Mund gelandet war, hatte ich ihn auch schon unter lautem Spucken auf den Boden der Taverne befördert.
"Das Zeug regt meinen Würgereiz an, mehr nicht!", blaffte ich laut in die Runde. "Pfuiii!" Wütend donnerte ich den Becher auf den Holztisch, sodass er laut klappernd umfiel.
Ich beugte mich zu Antias, der direkt neben mir saß und wohl schon eingenickt war.
"Hee, komm' schon.", sagte ich laut zu ihm mit einem Schütteln an der Schulter. "Lass' dich von dem nicht unterkriegen. Für den Wein müsste der Spinner uns Asse geben. Da würde sicher noch Saserna besser schmecken, nachdem dort alle von uns dran waren.", sagte ich kichernd, um Antias ein wenig aufzumuntern. Ich blickte auf den Krug Wein und meinen Becher, die sich noch immer liegend leicht hin und her wippte. Den Gedanken mir noch einmal nachzuschenken, schob ich schnell weit von mir.
"Willst du die ganze restliche Zeit hier verbringen?", fragte ich ihn mit hochgezogenen Augenbrauen. "Lass' uns bloß das Weite suchen, wenn Hispo wieder alle beisammen hat. Hier werden wir heute garantiert nicht mehr glücklich und wer weiß, wann wir mal wieder Ausgang bekommen. Kann doch nur noch besser werden, oder was meinst du?"
Vielleicht sollten sie es noch einmal etwas abseits der Castra probieren. Nicht zu weit, denn wer weiß wie der Wein in der nächsten Taverne schmecken mochte. So oder so hatte ich ein ungutes Gefühl, als ich an den Rückweg dachte. Was wenn sie sich in dem verzweigten Straßennetz vollkommen verlaufen würden- und das in ihrem Zustand. Was wenn am Morgen beim Wecken niemand auf unseren Pritschen zu finden sein würde. Dies wäre dann garantiert unser letzter Ausgang gewesen und an die Strafe mochte ich noch nicht einmal denken. Und eine Patrouille durch die Stadt hatten sie noch nicht, sodass zumindest ich keinen Durchblick hatte welche Straße wohin führte.
"Das hier kann doch nicht alles sein, was Rom seinen Beschützern zu bieten hat!", meinte ich laut, sodass einige an unserem Tisch aufgeschreckt aufsahen.
Titus Germanicus Antias
Während Antias benommen vor sich hindämmerte, verflochten sich alle Geräusche langsam zu einem dicken weichen Klangteppich, der sich einlullend und dumpf um ihn legte. Alle Geräusche bis auf das verzückte Quieken Sasernas und seiner inneren Stimme, die ihm höchst vernünftiges einflüsterte. Da er sich nichtmal im Halbschlaf mit dem penetranten Lustgeschrei auseinandersetzen wollte, befasste er sich träge mit seiner inneren Stimme. Allerdings klang die nicht wie gewohnt. Seine eigene wäre weit aggressiver mit ihm ins Gericht gegangen. Das klang doch irgendwie nach Macro.

Misstrauisch schlug er die Augen auf und stellte beruhigt fest, dass es wirklich Macro war, der mit ihm gesprochen hatte.
„Oooh .. Macro.“ stöhnte er noch leicht benebelt. „Ich hab 'nen Geschmack im Maul als hätt' ich die Kohortenlatrine ausgeleckt.“ Gegen den Brechreiz ankämpfend schnappte er sich den nächsten Becher und schüttete sich den Inhalt verzweifelt in den klebenden Schlund.
„Hhaaarghhh.“ Er hätte es besser wissen müssen.

„Nächstes mal versuch ich's dann doch lieber mit der Kohortenlatrine.“
Trotz aller Magenfolter wurde Antias so langsam wieder klarer im Kopf. Macro saß neben ihm und schaute ihn nur fragend an. Plötzlich fielen Antias Macros Sätze wieder ein.
„Ja, klar, recht hast du. Wir sollten wohl wirklich hier verschwinden. Ist Rekrut Eisenschwanz schon fertig?“ Hochfrequentes Gewieher aus dem Hinterzimmer machte eine Antwort überflüssig.

„Verdammt nochmal. RUFO!“
Der Wirt schleppte sich schnaufend an den Tisch.
„Herr?“
„Geh nach hinten und sag unserem Deckhengst, er soll austraben. Das Contubernium räumt die Stellung.“
„Naja, ich weif nicht, ob ich da ftören foll ..“
„Besser wär's. Wenn du Hispo machen lässt, ist deine Gattin morgen reif für den Pferdemetzger!“
„Fon gut.“ murmelte der Wirt verängstigt und trottete von dannen.
Stöhnend drehte sich Antias zu seinem Kameraden um.
„Das liegt daran, dass er kaum was getrunken hat. Ich schwör dir Macro, noch einen Krug von dieser Jauche und ich krieg keinen mehr hoch.“

Sim-Off: Extrem erfreut dich zu sehn Macro!
Titus Germanicus Antias
Antias und Macro spähten im Schummerlicht umher. Mit Pfiffen und wildem Gefuchtel gelang es ihnen schließlich, das restliche Contubernium wieder Tiro für Tiro zusammenzutreiben. Nur zu Fimbria gab es kein Durchdringen. Der war offensichtlich vollauf damit beschäftigt, sich mit seinen zartbesaiteten neuen Saufkumpanen alle Mühsal des Lebens von der Seele zu flennen.
„Auch das noch.“ ächzte Antias. „Wirklich höchste Zeit, hier abzuhauen.“

Wie zur Bestätigung dieser Feststellung ließ draußen der Regen hörbar nach. Das dumpfe Grollen wanderte langsam nach Osten ab und nur noch vereinzelt irrlichteten flackernde Blitze durch die Fenster herein. Wieder einmal teilte sich der Vorhang, doch anstatt Hispo stolperte nur Rufo sichtlich ermattet zurück in den Schankraum, begleitet von Sasernas heiserem Gebell, das allmählich in ein atemloses Stakkato überging. Mit leerem Blick und zerklüfteter Mine humpelte der Wirt auf Antias zu – und an ihm vorbei.

„Rufo? Was ist jetzt?“
„Ach leckt mich doch alle am Arf!“
Sprachs und schob sich kraftlos zwischen den umherstehenden Gästen auf den Ausgang zu. Antias sah zu Macro hinüber und zuckte irritiert die Achseln.
„Das glaub ich alles nicht.“

Ratlos starrten sich die Rekruten über den Tisch hinweg an. Ihr Abstecher in Rufo's Elysium hatte mit dem Abhandenkommen des Wirtes nun definitiv der krönenden Endpunkt erreicht, so viel stand fest. Aber ebenso fest stand, dass sie keinen Kameraden jemals zurücklassen würden, egal ob im Einsatz oder zwischen den Schenkeln einer brünstigen Wirtsgattin.
„Na gut, dann geh ich eben selber.“ brummte Antias genervt zu Macro gewandt. „Wenn du inzwischen versuchen könntest, Fimbria aus seinem Tal der Tränen zu hieven?“ Kopfschüttelnd blickte er auf die kleine Gruppe schluchzender Rekruten hinüber.
„Aber bitte behutsam, nicht dass sein zartes Seelchen noch Schaden nimmt.“

Geladen wie eine Balista stampfte Antias auf den Vorhang zu. Dreissig Sesterzen hin oder her, kein Mensch, schon gar nicht Hispo, konnte so egoistisch sein, die einzig verfügbare Stute vor den leidenden Ohren seiner geilen Kameraden in Grund und Boden zu nageln.
Titus Germanicus Antias
Im Dunkel hinter dem Vorhang knallte Antias schmerzhaft gegen ein Holzfass widerlich süsslich stinkenden Inhalts. Unverkennbar auserlesene Früchte vom Südhang des Vesuv. Angeekelt tastete er sich weiter. Noch ein Fass und noch ein Fass ..
„Hispo?“ Nichts. Nur der gedämpfte Lärm aus der Schankstube und Sasernas kehliges Hecheln hinter einem weiteren Vorhang, durch den ein schwacher Lichtschimmer drang. Fluchend tappte er weiter, riss den Vorhang zur Seite und erspähte ihm flackernden Schein des Herdfeuers die schweißglänzenden Umrisse zweier rhythmisch zuckender Körper.

„Schluss jetzt!“ Vollends entnervt marschierte Antias auf die bebenden Leiber zu, blieb mit dem Fuß an etwas hängen und schlug der Länge nach hin. Wüsteste Flüche ausstoßend griff er hinter sich und bekam die lederne Ferse einer Caliga zu fassen. Einer Caliga mit einem Fuß drin. Ein Fuß mit einem Bein dran. Ein Bein, das an seinem oberen Ende in einem äußerst nachlässig gewickelten Subligaculum verschwand und sich schließlich im behaarten nackten Oberkörper des Rekruten Hispo fortsetzte, der mit einem seligen Lächeln im Gesicht auf einem Haufen Streuspäne vor sich hin schnarchte.

„Was zum ..“ Vom jähen Blitz der Erkenntnis durchflammt schnellte Antias' Blick zu der knarzenden Pritsche hinüber, auf der sich der Hausdiener gerade mit zitternd kontraktierten Gesäßmuskeln in Sasernas Kehrseite vorarbeitete. Ausdruckslos starrte er für einen Moment zu Antias hinüber und widmete sich dann wieder voll und ganz dem Anus der sich windenden Saserna, die mittlerweile nur noch das raue Krächzen einer aufgescheuchten Saatkrähe von sich geben konnte.
Von unkontrollierbarem Grinsen heimgesucht blickte sich Antias nach einem Wassereimer um, wobei er sich nicht schlüssig war, wem er den kalten Guss angedeihen lassen sollte, dem schnarchenden Hispo, dem wild rammelnden Personal oder sich selbst. Müßige Gedanken, denn er fand keinen Eimer, nur angeschlagene Krüge mit Rufos ätzender Hausmarke und das konnte man nichtmal dem Hausdiener antun. Kichernd beugte er sich über den schlummernden Hispo.
„Hispo!“ Ein Rülpser, ein Schnarcher, sonst nichts.
„HISPO!“ Ein unwilliges Brummen und eine behaarte Pranke, die unter die lockeren Schichten des Subligaculum wanderte um sich ausgiebig zu kratzen. Von krampfartigen Lachanfällen geschüttelt suchte Antias Hispos Klamotten zusammen, beugte sich wieder über seinen Kameraden und holte tief Luft.

„ALARM!“ brüllte er so laut es nur ging. Hispo riss entsetzt die Augen auf. „ANTRETEN!“ brüllte Antias weiter, „DIE PARTHER STEHEN AM TIBERIS!“
In einer Wolke aufstiebender Späne zappelte sich Hispo hektisch auf die Beine. Von der Pritsche dröhnten plötzlich die panischen Schreie des Hausdieners:
„GÖTTER! OH GÖTTER!“ Mit einem lauten Schmatzen schob er sich Saserna vom Schaft und rannte völlig aufgelöst und splitternackt aus dem Zimmer. „DIE PARTHER! OH GÖTTER!“
„Heeee .. soll'n das du Aaasch!“ krähte Saserna ihm heiser hinterher, erblickte dann Antias und leckte sich die rissigen Lippen. „Ja hallooo Rekrut.“
Antias überkam das dringende Bedürfnis, ihr deutlich zu machen, was er im Hinblick auf dreissig bezahlte Sesterzen von ihrer Auffassung des Preisleistungsverhältnisses hielt, aber dafür war jetzt keine Zeit. Der fliehende nackte Hausdiener hatte in der Taberna sicher bereits für Tumult gesorgt und Antias hatte wenig Lust auf fruchtlose Diskussionen mit irgendwelchen herbeigerufenen Patrouillen gleich welcher Einheit.

Hispo hatte allmählich seine Fassung zurückerlangt und glotze Antias verwirrt an.
„Wie Alarm? Ist doch 'n Scherz oder?“
„Kann man nie wissen.“ grinste Antias. „Los, zieh dich an. Wir verduften!“
Hispo zog sich grummelnd die von feuchten Spänen völlig verkleisterte Tunica über, schnallte sich den Gürtel um und warf noch einen letzten sehnsuchtsvollen Blick auf Saserna hinüber, die nun unter dem röchelnden Schnarchen totaler Erschöpfung kopfüber von der Pritsche hing.

„Bei den Hoden des Hercules, was für ein Weib.“
„Jetzt komm! Macro und die Jungs warten schon!“