Unewarter Brief

Aulus Iulius Babilus
Einer seiner Kameraden hatte Babulis einen Brief mit gebracht.
Die Schrift kannte er nicht. Aber nach den ersten Zeilen wusste er von wem er war.
Seiner Mutter...
Stillschweigend las er diesen, obwohl seine erste Reaktion am liebsten wegwerfen gewesen wäre.

   
Arelas, A.D. IV ID APR DCCCLXVI A.U.C.
Ad
Tiro
Aulus Iulius Babilus
Castra Legionis II Germanica
Mogontiacum, Germania Superior



Hadriana Aulo filio suo s.d.p.

Mein Schatz, ich weiß nicht, wie ich diesen Brief an dich beginnen soll, denn ich habe die Befürchtung, dass du ihn vielleicht kaum bis über die Anrede hinaus lesen wirst. Und trotzdem kann ich einfach nicht anders, als dir zu schreiben und zu hoffen - zu hoffen, dass du deiner Mutter diese eine Chance gibst, sich dir zu erklären.

Du warst noch klein, als sich die Legion von deinem Vater trennte und ihm damit das nahm, was er bis zu seinem Ableben 'seine Zukunft' nannte. Ich weiß es noch, als wäre es erst gestern gewesen, wie er fast täglich volltrunken nach Hause kam, wie er gegen seine früheren Offiziere der Legion und sogar gegen die hohen Götter wetterte, und wie ich jedes Mal voller Furcht war, er könnte sich einmal auch an uns - und vor allem deinem Bruder und dir - vergehen!

Ich hoffe bei Minerva, dass du keine Erinnerungen mehr hast an diese schreckliche Zeit. Denn auch wenn dein Vater diese Grenze zum Glück nie übertreten hat, war er derjenige, der damit alles kaputt gemacht hat. Deinen Bruder - 'seinen Großen', wie er ihn immer nannte - hat er nicht ziehen lassen. Wo Manius deshalb heute ist, wissen wir beide. Viel, viel zu früh ist er von uns gegangen, wurde von seinem Vater zu sich in die Unterwelt geholt.

Dich aber, mein kleiner Sonnenschein, dich habe ich ihm entreißen können. Dich habe ich zu deinem Großvater schicken können. Dich habe ich in Sicherheit bringen können, auch wenn der Preis dafür war, dass es mir das Herz zerriss. Noch heute bleiben meine Augen nicht trocken, wenn ich zurückdenke an das letzte Mal, dass ich dich sah - in diesem blauen Reisewagen auf dem Weg zu deinem Großvater.

Ich liebe dich, mein Schatz! Ich liebe dich und habe dich immer geliebt, mein kleiner Sonnenschein. Doch es gab damals keine andere Möglichkeit, dich vor dem Mann zu schützen, zu dem dein Vater geworden war. Und ich konnte auch deinen Bruder ja nicht einfach im Stich und allein mit eurem Vater lassen. Auch wenn ich es am Ende nicht geschafft habe, ihn vor seinem Schicksal zu bewahren, musste ich es trotzdem wenigstens versuchen.

Du willst zur zweiten Legion gehen, habe ich gehört. Das heißt, du bist jetzt alt genug, um das alles zu erfahren und zu verstehen. Und bei Minerva, ich hoffe wirklich sehr, dass du es verstehst.

Voll mütterlicher Liebe denke ich an dich und bin mir sicher, dass aus dir bestimmt einmal ein ganz vortrefflicher Soldat werden wird. Und vielleicht, nur vielleicht, findest du zwischen deiner Ausbildung, dem ganzen Training und Drill ja auch einen kleinen Moment, deiner Mutter kurz zu antworten und sie wissen zu lassen, dass es dir gut geht. Ich würde mich sehr freuen, von dir zu hören.

Vale bene!

PS: Ich wohne seit dem Tod deines Vaters bei einem entfernten Neffen meines Vaters in der Domus Manilia in Arelas, Gallia Narbonensis.


Aulus Iulius Babilus
   




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Manilia Hadriana
Domus Manilia
Arelas
Gallia Narbonensis.



Mutter....


Die Überraschung war groß ein Brief von dir zu bekommen. Nach all den Jahren, der Ungewissheit, Wut und Enttäuschung...

Und wenn ich ehrlich bin. Mein erster impuls war ihn einfach zu verbrennen. Weists du wie schlimm es ist von seiner Familie getrennt zu sein? Abgeschoben zu werden? Die Gründe niemals genannt zu bekommen? Nein, das weist du sicher nicht...
Das sind ebenfalls die Gefühle die ich bis dato hatte. Und nein, deinen Brief habe ich nicht verbrannt. Ich habe mir Tage lang Gedanken gemacht, Nächte lang...
Was soll ich schreiben, soll ich über haupt schreiben. Soll ich vielleicht vergeben? Du siehst, dein Brief hat einiges aufgewühlt.

Ich bin jetzt alt genug um ein Soldat Roms zu sein. Alt genug mir über gewisse Dinge Gedanken zu machen, zu entscheiden...

Vieles, was du mir geschrieben hast war mir unbekannt. Großvater hat nie groß ein Wort darüber verloren wieso ich nicht bei euch sein durfte. Vielleicht hielt er es für das beste dieses wissen zu verbergen, um schaden von mir abzuwenden. Wer weis was er sich dabei gedacht hat, aber sicher wollte er nur das beste.
Warum hast du dich nicht früher gemeldet? Hattest du nicht den Mut? Keine Zeit? All die Jahre habe ich an dich gedacht, eine Hassliebe...
Liebe weil du meine Mutter bist. Den Hass, weil du mich einfach weg gegeben hast.

Deine Ziele die du hattest ehren dich, aber vielleicht hättest du mir das früher mitteilen sollen! Oder Großvater...

Aber ich weiß auch wie schwer es für dich war diese Zeilen zu schreiben. Immerhin kenne ich jetzt die Geschichte. Weis das es nicht an mir lag.
Du wolltest das beste. Und wenn ich ehrlich bin. Ich hatte eine gute zeit. Großvater hat mir viel beigebracht, war immer für mich da. Ob das mein Vater auch gekonnt hätte? Ich bezweifle es nachdem ich deine Zeilen gelesen habe.
Wie dem auch sei. Was passiert ist, ist passiert. Es ist nicht mehr zu ändern. Vielmehr muss man den Blick nach vorne richten.

Wie geht es dir? Was machst du?

Mir geht es gut. Ich diene in der II. Legio in Germanica. Eine unwirtliche Gegend. So viel Schnee hab ijch mein ganzes leben noch nicht gesehen. Die Nächte sind kalt. Manche Tage heiß.
der Dienst ist hart. Aber man gewöhnt sich daran. Am Ende eines Tages ist man seinem Ziel, ein Soldat zu werden, ein stuck näher gekommen. Meine Ausbildung neigt such dem Ende zu. Bin gespannt wie es weiter geht.

So, der Wachdienst steht an. Ich hoffe bald wieder etwas von dir zu hören.


Ich liebe dich Mutter!


Dein Sohn