Decimus Serapio

  • Vor einigen Wochen:


    Das Arbeitszimmer, dass ich, nach kurzer Verhandlung mit unserem Maiordomus, für meine neue Scriba und mich requiriert hatte, lag im hinteren Teil unseres Hauses. Es war nicht besonders gross, aber ruhig, da es auf den Garten hinaus ging, und die Wände waren mit geschmackvollen, ockerfarbenen Ornamenten verziert. Ein grosser Schreibtisch mit Löwentatzen und blankpolierter Platte dominierte den Raum, darauf standen in Reih und Glied Tinte, Schreibrohr und Stylus, Siegelwachs und Sand parat. Regale und eine schwere Truhe warteten darauf mit Schriftrollen gefüllt zu werden.
    Der Tag an dem Celeste dann also wie abgemacht mit ihrer (offiziellen) Arbeit für mich anfangen sollte war gekommen, und ich steuerte dynamischen Schrittes auf eben dieses Zimmer zu, beide Arme voll mit Papyrusbündeln und Stapeln von Wachstafeln. Gewissenhaft wie ich bin, hatte ich unserem Ianitor Bescheid gesagt, dass ich meine neue Scriba erwartete. Gespannt ob sie schon da war - und mit immer noch etwas Bedenken, ob sie es sich in der Zwischenzeit nicht doch noch anders überlegt hatte - schob ich die Türe mit dem Fuß auf und trat herein.

  • Das sollte also ihr erster Arbeitstag werden. Brav hatte sie an der Porta der Casa angeklopft und war zu diesem Raum geführt worden. Den "Wegweiser" hatte sie dann verscheucht um allein an die Tür zum Arbeitszimmer anzuklopfen. Unter dem Arm hielt sie die aktuelle Acta und einen kleinen Beutel. Der sollte die notwendigen Utensielien beeinhalten, bei denen sie dahcte, dass ein guter Scriba sie benötigt. Wachstafeln, Griffel und solche Sachen.


    Dann klopfte sie an, es antwortete keiner. Das nächste Klopfen war energischer und lauter gewesen, aber es antwortete wieder keiner. Also trat sie ein. Sie öffnete einfach die Tür, überschritt die Schwelle und sah sich diesem imposanten Schreibtisch gegenüber. Der ganze Raum war nicht weniger beeindruckend. Sie drehte sich im Kreis und drehte sich. Es war alles so ordentlich und so überaus geschmackvoll eingerichtet.


    Nach einer weiteren Runde sah sie plötzlich ein gesicht und hielt im Drehen ein.
    "Serapio, salve..ähm..ja. Da bin ich wohl und du auch."
    Das hatte sie alles sehr beeindruckt und sprachlos gemacht.

  • Da stand sie, und so trafen wir uns also zum ersten Mal bei Tageslicht. Sie wirkte in dieser Umgebung zurückhaltender als bei den vorigen Treffen, und beinahe... ertappt? Hoffentlich beschloss sie nicht, uns die Casa auszurauben... ach nein, ein bisschen Vertrauen musste ich schon in sie setzen, sonst würde das alles nicht funktionieren.
    ”Salve Celeste! Wie geht’s? Hast Du Dich schon umgesehen? Hier, ich hab mal ein bisschen Arbeit mitgebracht...”
    Ich marschierte an ihr vorüber und liess all die Tafeln und Rollen aus meinen Armen auf den Tisch gleiten. ”Auf Vorrat sozusagen. Das sind die Abrechnungen einiger Landgüter, die mir meine Tante neulich überschrieben hat, aus heiterem Himmel, weil sie nach Hispania umgezogen ist, und naja, es ist ein Wust von Zahlen und ich blicke da irgendwie nicht durch...”
    Das war noch gelinde ausgedrückt. Ich zog uns zwei Stühle an den Tisch, wies einladend auf den einen, setzte mich auf den anderen und begann den Berg zu Stapeln umzuschichten. Mit einem Seitenblick auf die Acta unter Celestes Arm erkundigte ich mich dabei: ”Und, was gibt es neues im Imperium?”

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  • In der Tat stand sie etwas ertappt da, aber nicht weil sie etwas mitnehmen wollte sondern weil sie so in Gedanken versunken war als Serapio den Raum betrat.
    "Der Raum ist sehr groß und ja, sehr nett eingerichtet. Umgesehen nicht richtig. ich stand hier einfach und habe mich gedreht."
    Dann sah sie den Stapel an Arbeit und ihr klappte der Unterliefer runter. So viel Arbeit?
    "Auf Vorrat...ahso...ja. Natürlich. Das heußt also, dass ich das nicht sofort machen muss? Also das ich das nach und nach durcharbeiten soll? "
    Sicherheitshalber nachfragen. Das war ganz gut. Langweilig würde ihr wohl in der ersten Zeit nicht werden. Ziemlich wahrscheinlich sogar nicht. Dann kam das Thema auf die Acta zu sprechen. Nachdem sie sich gesetzt hatten, griff sie diese zu erst und begann zu blättern.
    "Was es im Imperium so neues gibt? Kleinen Moment, wir wollen mal sehen. Also in der Acta steht nicht so viel Neues. Die Magistrate Roms wurden gewählt, kleinere Ratschläge und Geschichten, Unfallmeldungen, ein bericht über die Aufbauarbeiten der Villa Tiberia, Berichte von den Bauvorhaben in Germania und dem Wetter und Problemen dort und etwas aus Alexandria und Aegyptus. Wusstest du, dass ein Artikel von dir dabei ist und ein Interview?"
    Sie schlug schon mal die entsprechenden Seiten auf um dann loslegen zu können, wenn es erforderlich war.

  • “Ja, nach und nach“, versuchte ich Celeste zu beruhigen, die von der Menge der Abrechnungen etwas erschrocken schien. Das war ich auch gewesen, als diese ganzen Unterlagen bei mir eintrafen. “Ich will einfach wissen, wie es um die Güter so steht. Und ich hab mir sagen lassen, dass man den Verwaltern immer mal wieder auf die Finger gucken sollte, damit sie nicht übermäßig in die eigene Tasche wirtschaften.“
    Ich war noch nicht dazu gekommen, die neue Acta zu lesen, und hörte aufmerksam zu was Celeste da vortrug, nickte leicht beim Stichwort ‚Villa Tiberia‘, denn den Brand hatte ich hautnah miterlebt.
    “Ein Artikel und ein Interview? Oh… Ja es war mal ein Acta-Schreiber bei mir und hat mir Fragen gestellt, und sich über unsere Arbeit informiert. Also, anfangs war ich ja etwas skeptisch, weil die Acta manchmal so unsachlich ist, bei militärischen Themen, aber dann dachte ich, es ist gut wenn überhaupt mal über uns berichtet wird.“
    Hoffentlich war das kein Fehler gewesen, schließlich wurde diese Zeitung im gesamten Imperium gelesen. Unruhig blickte ich Celeste an, konnte meine Aufregung gar nicht verhehlen, und versuchte aus ihrer Miene zu lesen, ob es eine lobende oder eine neutrale oder gar ein vernichtende Darstellung geworden war.
    “Was schreiben sie denn?!“

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  • Es war beruhigend zu hören, dass sie dies nicht alles sofort bearbeiten musste und damit ein wenig Zeit hatte.
    "Das werde ich gern alles kontrollieren. Ich werde mich auch so beeilen wie es geht um dir dann einen entsprechenden Bericht zukommen zu lassen."
    Sie würde beweisen, dass sie ehrlich arbeiten konnte, wenn sie es wirklich wollte.


    Celeste konnte im Sitzen besser vorlesen als im Stehen und so nahm sie erste inmal auf einem Stuhl Platz und schlug die entsprechende Seite in der Acta auf. Dann begann sie den Artikel vorzulesen.




    "Also das nenne ich mal einen interessanten Beitrag. Du bist ja wirklich ein Held."
    Sie hatte vorhin den Artikel nur überflogen und war sich der Tragweite gerade erst bewusst geworden. Nachdem sie nun geendet hatte, sah sie auf und wartete ab ehe sie weitermachen würde.

  • Mir klappte der Mund auf. Ich war ein Held? Ich stand in der Acta in der illustren Gesellschaft von Achilles und Aeneas! Das war… unglaublich. 8o
    “Bona Dea. - Im Ernst?! Zeig mal!“
    Ich griff nach der Zeitung um mich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass Celeste sich das nicht ausgedacht hatte. Da stand es, schwarz auf weiss! Ich machte grosse Augen. Dann breitete sich nach und nach ein breites Grinsen über mein Gesicht aus. :] Ich war mächtig geschmeichelt! Jetzt war ich nicht nur ein ‚Held von Circesium‘, nein, ich war ausserdem auch ein ‚Held des Alltags‘. Wenn Tante Lucilla das hörte, sie würde begeistert sein!
    “Ja, da kannst du mal sehen, Celeste!“ lachte ich, machte ein heroisches Gesicht und warf mich in Pose. :star:


    “Aber irgendwie… versteh ich das nicht.“ Wie kamen die sonst so spöttischen Schreiber dazu, mich derart ins Rampenlicht zu rücken? Trotz meines bösen Leserbriefs damals. Hatte ich einen geheimen Verehrer in der Redaktion? War der Schreiberling, der bei mir gewesen war, derart von mir begeistert gewesen? Oder steckte womöglich meine Schwester dahinter – aber die war doch in Aegyptus und neigte auch gar nicht zur Glorifizierung. Grübelnd furchte ich die Stirn. :hmm:
    “Vielleicht wollen sie bei der Acta einfach mal wieder ein bisschen patriotischer werden…“, mutmaßte ich, und las noch mal langsam, liess es mir wie Honig auf der Zunge zergehen: “…die bewundert werden können und nachahmenswert sind…“
    Großartig. Ich las es gleich nochmal. :D
    “Es stimmt tatsächlich, man bekommt sonst so selten mal einen Dank zu hören, für die ganze Arbeit und das Risiko. Aber das hier… also, das freut mich jetzt wirklich!! - Und es steht sogar noch mehr da drinn?“

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  • Je mehr Celeste von diesem manchmal etwas übertrieben heroisch wirkenden Artikel vorlas um so interessanter wurde das Gesicht Serapios. Als sie dann geendet hatte, bekam sie ein Schaupsiel geboten, das mit keinem Geld dieser Welt zu bezahlen war. Der sonst so zurückhaltend und ziemlich bodenständig wirkende Serapio - mal von seinen hin und wieder etwas befremdlich gut und positiv wirkenden Weltvorstellungen abgesehen - war auf ein Mal alles andere als ruhig und zurückhaltend. Die Zeitung wurde ihr entrissen und der Artikel mindestens fünf Mal selbst gelesen ehe ein weiteres Wort über Serapios Lippen kam. Allerdings wurde Celeste auch ausreichend entschädigt. Des Mienenspiel war ein Bild für die Götter. Ja, da konnte sie wirklich etwas sehen. Einen Decimer, der gerade ein wenig überfordert mit der ihm zukommenden Aufmerksamkeit war.
    "So weit ich weiß ist die Familie, deren Haus so in Mitleidenschaft gezogen wurde eine bedeutende, oder nicht? Und vielleicht hat der Leser einfach mal nachgedacht und war der MEinung, dass man nicht imme rnur über Menschen schimpfen sollte und kann sondern sie auch loben und hat es hier mit getan."
    Dass sie den ganzen Artikel etwas übertrieben fand, das musste sie ja nicht sagen. Er triefte schon ein wenig vor Polemik. Heroischer werden? Sie dachte, dass die Acta eine Staatszeitung war. Konnte sie da wirklich heroischer werden und sollte sie nicht eigentlich relativ wertneutral berichten. Natürlich war relativ immer relativ.
    Es amüsierte sie sehr wie Serapio immer wieder diesen Artiikel als und gar nicht genug davon bekommen konnte. Irgendwann jedoch bekam sie ihre Zeitung zurück und konnte weiter machen.
    "Das Interview mit dir steht noch darinnen. Sicher willst du gern hören ob alles so übernommen wurde wie du es gesagt hattest."
    Und schon las Celeste vor.



    Nachdem Celeste nun diesen langen Teil vorgelesen hatte, war ihr Mund trocken und sie suchte nach etwas Trinkbarem. Wieso nur war Vorlesen so anstrengend?

  • Hm... es war seltsam meine eigenen Worte aus anderem Mund zu hören. Auch schien es mir, als wäre die eine oder andere Formulierung etwas geglättet worden, aber das war in Ordnung, und die komische Frage am Ende hatte ich, fand ich, auch ganz gut pariert. Das war ein unschlagbarer Vorteil am Soldat-Sein: es war ganz normal Junggeselle zu sein.
    “Sie haben es ziemlich genau übernommen.“, stellte ich zufrieden fest, und schnappte mir wieder die Zeitung. “Darf ich die haben? Ich möchte sie aufbewahren.“ Ich würde diese Ausgabe zu meinen Armillae, meiner Feldzugs-Tunika und meinem Ancilium-Amulett dazu legen und sie wie meinen Augapfel hüten.
    Sacht strich ich über die Seiten, blätterte andächtig in der Zeitung, grinste über den Flavier den man angeblich auf dem Markt mit faulem Gemüse traktiert hatte, und fand schliesslich, umgeben von trivialen Meldungen von vermissten Katzen und beschädigten Fuhrwerken noch ein drittes Mal meinen Namen.
    “Hier ist noch was…“ Bei aller Eitelkeit, das wurde mir jetzt unheimlich. Man schrieb mir dort „maßgeblichen Verdienst“ bei den Löscharbeiten beim Brand der Villa Tiberia zu, was schmeichelhaft war, aber nicht stimmte, der „maßgebliche Verdienst“ gebührte den Vigilen, insbesondere ihrem Tribun. “Das ist aber ziemlich übertrieben… das allermeiste haben die Vigilen gemacht.“
    Naja, beschweren würde ich mich trotzdem nicht. Ich zuckte die Schultern, lächelte halb verlegen, halb geschmeichelt. (Ob ich diesen Caius Columnus mal auf einen Wein einladen sollte? Aber er war so gar nicht mein Typ.)


    Nur mühsam konnte ich mich danach wieder auf die Dinge des Alltags konzentrieren. Ich besprach noch ein paar Einzelheiten mit Celeste, zahlte ihr ihren ersten Lohn aus und machte sie mit dem Hauspersonal bekannt, dann überließ ich sie der Arbeit und entschwebte, den Kopf in den Wolken.

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  • Nachdem Celeste nun die Acta los war und Serapio sie sehr andächtig - sehr zum Amusemant Celestes - zusammen gelegt hatte, kamen sie zum nächsten Teil ihrer Tagesaufgabe. Serapio schien ja ein ganz großer Held zu sein. Vielleicht hatte sie mit ihrem neuen Auftraggeber doch einen gar nicht so schlechten Fang gemacht. Die Zeit würde es wohl zeigen.


    Serapio wies sie notdürftig in ihre Aufgaben ein und sie begann die Listen und Mitteilungen der Verwalter zu lesen und sich Notizen zu machen wo sie Ungereimtheiten fest stellte. Vielleicht war es dem Umstand zu schulden, dass sie als Außenstehende anders auf die Berichte sah oder weil sie als Angehörige das städtischen Übels anders dachte als die vorhergehenden Buchprüfer, dass sie doch tatsächlich das ein oder andere fand, das eigenartig war.
    So gab zum Beispiel einen Verwalter, der einen Posten medizinische Versorgung aufführte und dafür eine Summer von mehreren hundert Sesterzen angab. Für ein Weingut odr so etwas durchaus verständlich, aber nur für eine fast leerstehende Behausung, die die Familie für Ausflügler ins hispanische Land unterhielt? Weder Sklaven noch Verwalter konnten so krank sein und außerdem...hatten dieses nicht selbst zu bezahlen. Dieser Posten kam auf die "Nachfrageliste" zu weitren anderen komischen Ausgaben. Ob Serapio Recht hatte oder sie einfach nur faule Eier sah wo es keine gab? Es würde wohl bald die Auflösung geben.

  • “Salve Celeste! Heiß heute, nicht?“ begrüßte ich meine Scriba, als ich zu ihr in das Arbeitszimmer trat. In den letzten Wochen hatte unser Arrangement gut funktioniert, erstaunlich gut, und ich war schon ganz zuversichtlich, dass es ihr wirklich gelingen würde auf die Dauer ein anständiges Leben zu führen.
    Erstmal trat ich zu einem Beistelltisch, und schenkte mir aus einer Tonkanne Wasser in einem Becher. Ich trank, spülte mir den Straßenstaub aus der Kehle, lockerte mein Focale und ließ mich leger auf einen der Stühle fallen. In der Hitze war es kein Spaß zu Fuß durch die Stadt zu marschieren.
    “Wie kommst Du so voran? Ich habe heute außerdem einen, oder vielleicht auch zwei Briefe für Dich zu schreiben.“
    Auf dem Schreibtisch erspähte ich ein Schriftstück, das verdächtig nach der neuen Acta aussah. Natürlich interessierte es mich mächtig, ob darin wohl wieder etwas über mich zu finden war, aber zu eitel wollte ich ja nicht erscheinen. “Und, was gibt es Neues?“, fragte ich darum betont gelassen.

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  • Wie vereinbart, war sie jeden Tag im Officium gewesen und hatte die Papiere und Listen gesichtet, die Acta gelesen wenn sie neu erschien und gerechnet und sortiert. Es war einiges zu tun gewesen und so langsam war endlich Land in Sicht. Ganz langsam. Die Arbeit machte ihr Spaß und in den letzten Wochen war sie auch nicht ihrer anderen Beschäftigung nachgegangen. Sie war froh wenn sie nach Hause kam zu ihrer Amneris und dort bis zum nächsten Tag nicht mehr fort musste. Als Serapio eintrat, sah sie von ihren Unterlagen auf und begrüßte ihn freundlich lächelnd.
    "Guten Morgen Serapio. Es ist in der Tat sehr heiß. Ich habe das Gefühl als würde die Luft stehen und sich einfach nicht bewegen wollen. Ein kühler Hauch, eine kleine Brise wäre eine sehr angenehme Abwechslung."
    Ein wenig seufzte sie und versuchte sich etwas Luft zuzufächeln, was sie in den letzten Momenten vergessen hatte, weil sie sich so auf die eine Zahlenkolonne konzentrieren musste.
    "Ich bin fast durch. Möchtest du schon einen Zwischenbericht haben oder soll ich dir das erst präsentieren wenn ich alles gesichtet habe?"
    fragend blickte sie Serapio an und wartete auf dessen Antwort. Das Briefe schreiben hatte sie kommentarlos zur Kenntnis genommen.
    Da die neue Acta gerade herausgekommen war, wusste sie natürlich worauf Serapio anspielte und so zückte sie das Sammelsurium an Informationen.
    "Wie du sicher weißt, verlässt der Kaiser die Stadt. Das steht auf der Titelseite. Auf der nächsten Seite wirst du erwähnt weil du als Eques vorgeschlagen wurdest. Was ist das? Ein Eques?"
    Davon hatte sie noch nichts gehört oder schon einmal gehört aber noch nicht erklärt bekommenwas das heißen sollte. Das wollte sie erst einmal sacken lassen ehe sie mit weiteren Neuigkeiten herausrückte, die Serapio dann nicht direkt betrafen.

  • Wonach es mich bei dieser Hitze am meisten verlangte, war ein Sprung ins Frigidarium, oder ein Ausflug ans Meer. Am allerwenigsten gelüstete es mich nach Zahlen. Aber als Celeste mir so eifrig einen Zwischenbericht anbot wollte ich ihren Enthusiasmus nicht bremsen.
    “Ja. Ein Zwischenbericht. Sehr gern. Nachher.“ antworte ich pflichtbewusst. Es waren ja eigentlich immer noch die Ländereien meiner Tante, und ich sollte sie bei Lucillas nächstem Besuch besser in gutem Zustand vorzeigen können!


    Aber die Acta war mal wieder viel spannender, und, wer hätte das gedacht, ganz besonders dann wenn es um mich ging. Ich grinste fröhlich bei dem Wort Eques, ganz entspannt weil ich schon erfahren hatte, dass es nicht beim Vorschlag geblieben war.
    “Ein Eques ist… hm, also früher, in der Zeit der frühen Republik, als wir noch ein Volksheer hatten, war ein Eques einfach ein Bürger, der sich ein Pferd leisten konnte. Und die Waffen, um seinen Dienst als Soldat beritten abzuleisten. Aber heutzutage, wo wir die weltbeste Infanterie haben, ist der Kampf zu Pferd zweitrangig geworden, und wir überlassen ihn zum Großteil den Hilfstruppen. Es gibt noch kleine Reiter-Turmae bei den Legionen, aber eher als Meldereiter oder Aufklärer“, erklärte ich mit fachmännischer Miene. “Eques bezeichnet heute viel häufiger einen Angehörigen des Ordo Equester, des Ritterstandes. Du hast sicher schon davon gehört, dass dieser seit dem göttlichen Augustus viel an Bedeutung gewonnen hat. Viele militärische und administrative Ämter sind in Ritterhand. Der senatorische Ordo wird ja schon so lange weitergereicht, dass viele dieser alten Familien längst verkommen sind, und immer weiter degenerieren, der Ritterstand bildet da ein dynamisches, kaisertreues Gegengewicht! Die Voraussetzung, um erhoben zu werden ist ein gewisses Vermögen, man muss sich verdient gemacht haben, und ohne die richtige Fürsprache läuft gar nichts. Oder, naja, manchmal reicht es wohl auch aus die richtigen Leute zu kennen oder den richtigen Namen zu tragen, ohne sich jemals verdient gemacht zu haben.“
    Ich rümpfte die Nase, fand aber, dass dies die Ehre der Erhebung derer, die es sich wirklich verdient hatten, nicht schmälerte.
    “Wie überall eben“ schloss ich philosophisch diesen Exkurs.


    “Ich hab die Nachricht schon bekommen - auch wenn die Administratio sie erst einmal nach Mantua geschickt hat! Ab jetzt darf ich schmale Purpurstreifen tragen, und einen Eques-Ring.“ Ich grinste schalkhaft. “Du siehst also, ich bin jetzt eine gute Partie!“, scherzte ich übermütig, Celeste zuzwinkernd.
    “Und wer ist noch erhoben worden? Und was schreiben sie so dazu?“

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  • Dank der Erklärung hatte Celeste einiges verstanden und sogar noch mehr. Diese Selbstbeweihräucherung der Römer. Das war ein Punkt, der sie schon immer an dieser Gesellschaft störte. Nur wer wen kannte, der wiederum jemanden kannte, der irgendwie durch irgendeinen Zufall jemanden ganz anderes kannte, der durch irgendwelche Umstände ein wenig Einfluss beim Kaiser hatte, kam in dieser Welt voran. Alle anderen durften zusehen wo sie blieben. Zumindest schien ja ein wenig Ausgleich zu funktionieren wobei sie nicht daran glaubte, dass die Ritterseite die Senatoren in ihrer Macht wirklich ausgleichen konnten. Aber was sollte es sie angehen. Sie war eine Fremde in dieser Stadt und durfte froh sein hier bleiben zu dürfen. Vielmehr Gedanken wollte sie daran aber nicht mehr verschwenden und begann daher lieber wie gewünscht den Artikel der Acta vorzulesen. Von oben bis unten. Wobei sie den folgenden Teil etwas deutlicher hervorhob.


    Zitat

    Original von Acta
    ...Auszug


    Wo wir gerade bei der Legio II sind: Servius Artorius Reatinus, derzeit Praefectus Castrorum, scheint sich in seinem Dienst so verdient gemacht zu haben, dass sein Patron, der Legat derselben Provinz, sich hinreissen ließ diesen zum Eques vorzuschlagen. Gesagt, getan. Den Artorier erwartet ergo eine Ernennung.
    Ebenso wie Faustus Decimus Serapio, ein Name, der vor allem der weiblichen Bevölkerung Roms geläufig sein dürfte, immerhin gilt der Kerl als so unnahbar wie eine Marmorstatue. Als dekorierter Centurio der Cohortes Urbanae und generell sehr umtriebigen Menschen dürfte seine Ernennung ebenso verdient wie keine Überraschung sein.
    Tiberius Duccius Lando, Oberhaupt der in Mogontiacum lebenden Gens der Duccii, hat es ebenfalls auf die Liste der zu ernennenden Eques geschafft, ob nun aufgrund seiner Leistungen in der Provinz Germania, seinem Status als Handelsherr in derselben, oder einfach weil der Kaiser ein Zeichen setzen will, dies zu beurteilen ist jedem selbst überlassen.


    Der Rest des langen Artikels wurde natürlich auch verlesen. Warum er allerdings nun als unnahbar wie eine Marmorstatue sein sollte, das fragte sie sich und mit eben jenen Blick sah sie von der Acta auf und ihn an. Ob er ihr das erklären konnte?

  • Per omnes deos! Unnahbar. Eine Mamorstatue! Wie kam dieser verdammte Autor bloß da drauf? Ich ergriff wahllos eines der Schriftstücke auf dem Tisch und fächelte mir hastig etwas Luft zu. Celestes fragender Blick machte mich noch konfuser. Ich hob die Hände, in einer ratlosen Geste, zuckte energisch die Schultern, zog ein verwirrtes Gesicht und murmelte:
    “Also, was da heute wieder für ein Unsinn drinnen steht…“
    Just kam mir eine Idee. Mein Blick heftete sich auf Celeste. Sie war nett, sie war hübsch, sie war, auch von den Formen her, für eine Frau relativ unbedrohlich. Ich sollte ihr den Hof machen. Wenn ich eine Freundin hätte, würde so Gerede gar nicht erst aufkommen. Aber ob das gutgehen würde? Ich bemerkte, dass ich sie anstarrte, und wandte rasch den Blick zur Seite, sah hochinteressiert aus dem Fenster.
    “Mhm. Interessant. Danke.“
    Ich räusperte mich. Was war es noch, was ich sonst noch gewollt hatte? Ach ja. Betont geschäftsmäßig fuhr ich fort:


    “Dann zu etwas anderem. Ich möchte, dass Du ein paar Dinge für mich herausfindest. Zum einen in Bezug auf ein Verbrechen, welches schon eine Weile zurückliegt. Und zwar muss ich wissen, wann und wo in der Subura die Wettkämpfe im Rattenbeissen abgehalten werden. Die großen, bei denen die Favoriten auftreten. Erstens. Ausserdem ob Ultor noch aktiv ist und wann er auftritt. Zweitens. Und…“ Ich zögerte kurz, denn das waren vertrauliche Informationen. Aber ich war in der Hinsicht auf Celeste angewiesen. “…und bitte sieh Dich um, ob Dir in diesem Milieu ein Mann auffällt, der viel wettet, bevorzugt auf Ultor, mit Einsätzen, die mal gering, mal sehr hoch sind. Mittelgroß, schwarze Haare, struppiger Bart – falls er den immer noch trägt - und viele Pockennarben. Drittens.“
    Ich beugte mich vor, und schärfte Celeste ein: “Aber nimm Dich dabei in Acht, und halt Dich fern von ihm, es kann gut sein dass es sich bei diesem Subjekt um einen Raubmörder handelt.“
    Eigentlich war es unverantwortlich, Celeste in diesen Sumpf zu schicken. Sie war ja kein Soldat… Aber sie kannte sich aus, und sie konnte an Orte gelangen wo man uns Urbaner gleich steinigen würde.


    “Das ist noch nicht alles. Bei der anderen Sache geht es um einen Mann, dem Du, ähm, wenn ich das recht verstanden habe, ja früher auch schon einmal auf der Spur warst.“ Es fiel mir schwer, den Namen über die Lippen zu bringen. …Hannibal.“ Jetzt keine Miene verziehen. In unpersönlichem Tonfall sprach ich weiter. “Er hat sich angeblich aus diesen Geschäften ganz zurückgezogen. Angeblich. Aber ich traue dem nicht. Ich will wissen was er zur Zeit, ähm... was er macht. Wie er lebt. Mit wem er in Verbindung steht.“
    Unwillkürlich rieb ich mir den Nacken, blickte Celeste schräg an. “Er darf es aber nicht merken, dass Du Nachforschungen über ihn anstellst, und vor allem nicht, dass ich dahinter stecke, und überhaupt steht das ganze natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Der Mann ist vermutlich nicht weniger gefährlich als der Subura-Mörder… Du findest ihn wahrscheinlich in der Villa Flavia. Er ist dort Sklave... –
    Verstanden soweit? Fragen?“

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    Klient - Decima Lucilla

  • Brav schrieb sie alles mit und notierte die wichtigsten Eckpunkte auf einer kleinen Wachstafel. Sie war vorher noch nicht beschrieben und verschwand schnell in einem unauffällig im Gewand versteckten Beutel.


    Dass Serapio sie ständig auf irgendwelche Gefahren hinwies und sie anwies vorsichtig zu sein, kränkte sie schon fast ein wenig. Über alles hatte sie genug gehört um zu wissen, dass sie besonders vorsichtig sein musste. Weder das Rattenbeißen noch die Suche nach Hannibal würde sie als leichte Aufgabe hinnehmen. Sie hatte gelernt, dass alles was einfach schien sehr schnell gefährlich werden konnte, wenn man nicht Obacht hielt. Ein unüberlegter Schritt und es konnte übel ausgehen. Fragen hatte sie keine weiter und so ging sie zu dem Bericht über, den sie vorher zu Beginn des Gespräches versprochen hatte. Sie belegte ihre Funde mit entsprechenden Meldungen und gab ihm dann die Aufzeichnungen.


    Danach verließ sie den Raum, das Gespräch war beendet und sie hatte nun andere Aufträge zu erledigen und daran würde sie sich nun machen.

  • Nachdem das Frühstück beendet worden war, machte sich Alaina auch gleich an die Arbeit. Um zumindest den ersten Punkt auf ihrer langen Aufgabenliste abzuhacken, klopfte sie bei dem Adoptivsohn von Livianus an.


    *klopf**klopf*


    Es ging um ein Thema mit dem sie sich hatte bisher noch nicht Auseinandersetzen musste: Pferdezucht.

  • Hinter der Tür war jedoch nich wie erwartet Serpio sondern Celeste. Sie saß über ihre Unterlagen gebeugt und verglich wieder einmal Zahlen und Abrechnungen, Quittungen und Ausgabenlisten. Nachdem einige Verwalter ausgetauscht wurden, fand sie auch immer weniger Löcher in denen Geld einfach verschwand. Ganz im Gegenteil. Es war fast alles ehrlich geworden und Celeste musste nur die Listen abhaken und brachte sie in dem entsprechenden Rollenstapel unter, den Serapio dann einfach bei Interesse ansehen konnte, aber nicht musste. Der Muss-Stapel war doch schon wesentlich kleiner geworden. Nun klopfte es einfach an der Tür und so sortierte sie die Listen zusammen und sah dann zur Tür.
    "Herein,"
    war draußen zu vernehmen.

  • Ertaunt runzelte sie die Stirn, als sie herien gerufen wurde, doch nicht wie erwartet saß dor der Adoptivsohn, sondern für sie ein unbekanntes Gesicht. Nichts desto trotz zeigte sie ein freundliches Lächeln.


    "Salve!" grüßte sie. Kurz wandtere ihr Blick durch den Raum, Schriftrollen und Tabulae stabbelten sich um sie herum. "Ich suche Decimus Serapio!" eröffnete sie. "Ich bin Alaina, Scriba Personalis von Decimus Lvianus!" stellte sie sich noch vor.

  • "Salve,"
    grüßte Celeste zurück und zog eine Augenbraue sehr gekonnt in die Luft als sie die Vorstellung hörte. Scriba Personalis? Schickte man in dieser Familie jetzt schon Scribae hin und her um sich zu unterhalten oder Treffen zu vereinbaren? Sehr sonderbar. Sie legte ihren Griffel auf den Tisch und stand auf um anschließend zu Alaina zu gehen.
    "Mein Name ist Celeste und ich bin im Dienste des Decimus Serapio. Wir haben die gleichen Aufgabengebiete. Serapio ist jedoch nicht hier."
    Sie dachte, dass es bekannt war, dass ihr Arbeitgeber in Castra arbeitete und dort mehr Zeit verbrachte als hier in der Casa. Warum auch immer, aber es war so. Eigenartig. Warum tat er das eigentlich? Vielleicht sollte sie das mal herausfinden.
    "Er ist gerade in der Castra. Naja, eigentlich ist er fast immer da. Kann ich dir auch helfen?"
    Man konnte ja mal freundlich fragen, oder nicht?

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