Chrysogona und Camelia auf dem Weg zur Tiberinsel

  • Nun liefen sie tatsächlich durch das Herz der ewigen Stadt. Chrysogona konnte es noch gar nicht glauben. Von dem Haus der Decimer war es nur ein Katzensprung zum Forum. Entlang der Via Sacra, vorbei an der Aedes Vestae und der Regia ging es auf das Zentrum Roms zu. Staunend betrachtete die Medica den Rundtempel der Vesta und die Basilica Aemilia. Allein die Größe und Dominanz der Tempel und Säulenhallen, welche die Hauptader der ewigen Stadt säumten, waren beeindruckend.


    Chrysogona wandte sich an die junge Decima.
    "Sag mir, wo ist die Curia, in der sich der Senat Roms trifft und wo die berühmte Rednerbühne, die man nach den Schiffschnäbeln Rostra nennt?"


    DIe wachen Augen der Griechin versuchten sich zu orientieren und sich einzuprägen was sie sah und was die Nichte des Prätorianertribuns ihr erklärte. Man konnte förmlich sehen wie es hinter ihrer Stirn arbeitete.

  • Mit Schwung schob die junge Decima die leicht ins Gesicht gerutschte Kapuze ihres Mantels vom Haupt und sah sich orientierend um. Wenn du dich leicht nordwestlich wendest und dann dort dir die vielen Stehlen ins Auge stechen, siehst du das auffällig dunkle Gebäude im Vergleich zu den angrenzenden?


    Camelia beschrieb das, was sie beim Eindrehen selbst sah und deutete in die angegebene Richtung. Genau dahinter und von uns aus ein wenig schlecht zu erkennen, weil etwas tiefer gelegen ist die Rednerbühne mit den vielen Stufen. Warum die Curia in solchem dunklen Ton getüncht wurde, das entzieht sich meiner Kenntnis. Könnte mir nur denken, sie sollte auffallen zwischen den anderen Bauten und das ist ja auch wirklich gelungen.


    Aber was sind denn Schiffschnäbel, den Begriff hab ich noch nie gehört? Kam die Frage recht spontan und nun ihrerseits angezeigt durch das Arbeiten hinter der Stirn.

  • Chrysogona tat es Camelia gleich und lüftete ihren Himation ein wenig um besser sehen zu können. Während sie nun auf die freie Fläche des Forums hinaustraten, fiel es leichter, das etwas zurückversetzte dunkle Gebäude zu erkennen, das die Curia darstellte.


    Im Gegensatz dazu war die Rednertribüne an der Westseite des Forums gut zu erkennen. Die Medica wandte sich der jungen Römerin zu und runzelte ihrerseits die Stirn. Wurde in Tarraco die Bedeutung des Wortes Rostra nicht gelehrt und kannte die junge Frau nicht den Grund warum die Rammsporne der römischen Flotte, die den bedeutenden Sieg bei Antium herbeigeführt hatten, die Rednertribüne zierten?


    Chrysogona entschied sich, die nette junge Decima nicht zu brüskieren indem sie auf die Bildungslücke hinwies sondern lächelte nur.
    "Naja, es ist eine alte Geschichte und heute vermutlich schon in Vergessenheit geraten. Ist nicht so wichtig, Decima Camelia. Mich interessiert nur wo alle die berühmten Männer ihre Reden an das römische Volk gerichtet haben und heute wohl immer noch sprechen."


    Neugierig sah sie sich um. Der Tempel des Caesar, derjenige der Zwillinge Castor und Pollux, der Saturntempel und natürlich der Tempel der Concordia waren zu erkennen. Überall umstanden die Heiligtümer der Götter das Forum.
    "Das Herz des Imperiums. Es ist ausgesprochen beeindruckend. Die Pracht der Tempel und Basiliken - wirklich bewundernswert!"


    Dann wurde ihr Blick wieder suchend.
    "Sag mir noch, wo der berühmte Palast des Kaisers zu finden ist - der Palatinum? Ist er nicht in der Nähe des Forums? Er liegt erhöht, nicht wahr?"

  • Ja! Ganz in der Nähe des Forums und davon ein wenig Südlich. Camelia blinzelte in die von ihr beschriebene Richtung und reckte sich leicht.Es liegt erhöht wie es einem Kaiser gebührt und es ist ein riesiges Areal auf einem Hügel. Dort wohnt nicht nur die kaiserliche Familie, sondern dort ist auch die Verwaltung.


    Wenn du nach oben möchtest, dann kommst du nicht einfach so in die bewachte Anlage. Dort stehen immer Prätorianer mit flinken Fingern. Ein Glucksen stahl sich über die Lippen der jungen Decima. Ich durfte mich schon einmal davon überzeugen, als ich mit Augusta unterwegs war und so ein neugieriger Kerl mich abgefingert hat. Röte stahl sich auf ihre vorher dezent gefärbten Wangen und ein Schauer huschte über ihren Rücken. Das war nicht gerade angenehm. Kam es noch ergänzend, um ihre unmissverständliche Regung zu erklären.


    Du wirst ganz gewiss bald auf den Palatin geladen, wenn du … so hab ich dich wenigstens verstanden … du die Stelle der Medicina des Imperators übernimmst.

  • Chrysogona folgte dem Blick Camelias. Das war also der palatinische Hügel. Dort würde sie den Kaiser treffen. Welch erhebende Vorstellung.
    Was der Medica weniger behagte war die Vorstellung "abgefingert" zu werden, wie die junge Decima es ihr beschrieb. Sie hoffte auf eine respektvollere Behandlung durch die Palastwachen.


    Auf Camelias letzten Satz hin lächelte Chysogona sphingenhaft. "Es ist noch lange nicht sicher, dass ich die Stelle der Medica des Imperators übernehme. Aber ich darf ihm wohl vorsprechen. Das ist schon eine große Ehre. Die habe ich deinem Onkel Decimus Serapio zu verdanken. Ohne ihn wäre mir auch dieser hochinformative Stadtbummel mit dir entgangen und das wäre jammerschade."


    Chrysogona sah sich suchend um. "Wie kommen wir jetzt von hier auf die Tiberinsel?"

  • Bei der Frage war nun ihre Begleitung gefordert. Diese wurde auch sogleich von Camelia angeschaut und mit einem Lächeln bedacht. Amanirenas es wäre gut, wenn du jetzt die Führung übernehmen könntest und wir dir einfach folgen. Die Verständigung zwischen Domina und ihrer Sklavin funktionierte wie immer fast ohne Worte und die Angesprochene tat wie von ihr gewünscht, schob sich an die Spitze der kleinen Frauengruppe und gab die Richtung an.


    Auf dem Weg zur Insel war immer noch gut der Hügel mit dem Palatin und auch das Kapitol zu sehen. Selbst die Überquerung war nicht schwierig, wären sie dabei nicht ständig angerempelt und im Vorankommen gehemmt worden. Die junge Decima griff nach der Hand der Medica, um sie nicht zu verlieren, plapperte unbeeindruckt der Widrigkeiten munter drauf los. Sieht die Insel nicht aus wie ein gebogener Schiffsrumpf? Bisher hatte ich das nur gehört, jetzt sehe ich das und bin überaus beeindruckt.


    In der Zwischenzeit, während Camelia sich noch staunend umsah, lenkte ihre Ornatrix die beiden Damen wohl weißlich in die östliche Richtung. Dort befand sich der Tempel des Aesculap und mittig gut sichtbar auch der Obelisk wie der Mast eines Schiffes.

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