Auf dem Weg zur Villa Claudia

  • Aus reinem Zufall hatte es sich ergeben, das ich den Prätor nicht zu den Spielen begleitet hatte. Die unruhen in Rom waren aber auch mir nicht entgangen, zahlreiche Rauchsäulen hatte ich ebenfalls gesehen. Meine Unruhe hielt ich nicht mehr im Zaun und so konnte selbst meine Mania nicht mehr davon abhalten nach Claudius Menecrates, meinem Arbeitgeber zu sehen.
    Aufmerksam meine Umgebung im Auge behaltend suchte ich mir einen Weg in Richtung Villa Claudia. Zum Ludi wollte ich nicht, denn ich hatte gehört dort wären alle geflohen nach einem großen Massaker, bei dem es viele ermordete und verletzte Menschen gegeben hätte.
    Eine einsame ruhige Straße, falls es solch eine heute überhaupt gab, wollte ich nicht benutzen, das Gedränge sollte aber auch nicht zu groß sein.
    Wie es schien hate ich gerade eine solche kleine Straße zum Nordwesthang des Mons Esquilinus, in Richtung Villa Claudia also, wie ich zufrieden feststellte, entdeckt. Mit einem kleinen Pulk bewegte ich mich vorwärts.
    Ich war noch nie bei oder in der Villa gewesen, war mir aber sicher, soweit konnte es nicht mehr sein oder irrte ich mich. Suchend schaute ich mich um. War noch alles in Ordnung?

  • Sie kamen gerade von dem Haus des Helvetiers. Durch die engen Gassen schlängelten sich nun jene, die Rache an ihren Unterdrückern nahmen. Varia selbst war es, die sich immer wieder auf eine der Mauern schwang und von hier aus ihre tödlichen Pfeile verschoss. Ja inzwischen war es ihr egal wen sie traf. Sie war dem Blutrausch, in welchen man in einer Schlacht so gern fiel, verfallen. Und dennoch waren ihre Augen wach und sprühten vor Leben wie schon lange nicht mehr. Sie wusste, dass sie die nächsten Tage nicht überleben würde, aber genau das war ihr Ziel. Auch wenn sie dies den meisten ihrer Anhänger nicht sagte. Nur ein kleiner enger Kreis wusste wohl, was wirklich auf die hier Kämpfenden zukam. Sie waren sich bewusst, dass es kein Morgen geben würde. Aber hier und heute lebten sie. Frei und sie nahmen Rache. Nun war eine kleine Gruppe, die sich auf den Weg zu den Villen der Reicher der Reichen Roms befanden, in ihren Fokus geraten. Mit tödlicher Präzession fanden ihre Pfeile ihre Ziele. Als die Gruppe nun ihre Schritte beschleunigt und nah genug war, brüllte sie ihre Befehle und sprang selbst von ihrer erhöhten Position herab. Ihres Mantels hatte sie sich inzwischen entledigt er behinderte sie nur und es gab auch keinen Grund mehr sich zu verbergen. Mit dem Schwert in der Hand und einem Kampfschrei auf den Lippen stürmte die Amazonen nun auf die Gruppe zu. Es wurden Hiebe ausgeteilt, sie kannte keine Gnade. In ihren Augen stand der blanke Hass. Für jene die keine Frauen, wie Varia kannte, musste dies ein unwirklicher Anblick sein. Eine Frau in einer knappen Lederrüstung – ja sie hatte bewusste jene Rüstung gewählt, die ihr Dominus ihr hatte anfertigen lassen, jene die wohl so aussah, wie man sich gemeinhin eine Amazone vorstellte - das Gesicht mit Blut bemalt, einen irren Blick und eine Hand die das Schwert genau so sicher führte wie jeder gut ausgebildete Kämpfer. Die vom Schwert getroffenen Körper fielen zu Boden und wenn sie im Weg lagen wurden sie achtlos zur Seite getreten. Einige konnten fliehen. „Lasst sie!“ Brüllte Varia. „Mit denen halten wir uns nicht auf.“ Wieder hörten alle auf ihr Kommando. Jeder der hier in der Gassen war verstand wohl spätestens nun, dass es tatsächlich die Frau war, die hier das Sagen hatte. Den Flüchtenden wurden noch ein paar Pfeile nachgeschickt, so dass auch einige von diesen die nächste rettende Häuserecke nicht mehr erreichten. Es waren nicht viele und doch entkamen einige dem Angriff der Aufständischen. Aus einigen der Leichen zog sie ihre Pfeile heraus und verstaute sie wieder in ihrem Köcher „Los los weiter!“ Brüllte Varia und so zogen sie weiter. Varia hatte ein festes Ziel vor Augen, sie würden sich schon bald alle sammeln und dann in der schieren Masse zuschlagen. All dies was sie jetzt taten war immer noch dazu gedacht Verwirrung zu stiften und den Soldaten kein konkretes Ziel zu geben. Sie sollten nicht wissen, wo die Meute als nächstes zuschlagen würde. Sie sollten nicht wissen, wo sie zuerst hin sollten. Sie wollte, das sie die Einheiten aufteilten, bisher gelang ihr Plan genau so wie sie es geplant hatte.

  • Nein nichts war mehr in Ordnung, gerade hatte ich mich noch umgedreht und nun waren sie schon da. Sie waren, vor, neben und hinter uns. Alle versuchten in irgendwelche Richtungen zu entkommen.
    Was oder wer war das? Was für ein Weib kam da auf mich zu? Gekleidet in einer Lederrüstung, ihr Gesicht mit Blut verschmiert. Nein nicht verschmiert. Nein Zeichen auf beiden Gesichtshälften gleich aufgemalt. Kam sie aus der Unterwelt.
    Trotz meiner unsäglichen Angst blieb ich wie gebannt auf meinem Platz stehen und starrte sie an. Schaute ihr für einen Bruchteil in ihre Augen, ich las nichts als Verachtung in ihnen. Schnell drehte ich mich ab und rannte los. Hinter mit hörte ich Schritte, die sich schnell näherten. Ich versuchte mein Tempo zu steigern, doch der Weg ging bergauf. Eben waren noch Schritte hinter mir gewesen, ein Aufschrei hatte sie abgebremst. Keuchend rannte ich weiter, da ertönte eine scharfe Frauenstimme die Befehle gab. Einhalt gebot und die Meute fortleitete. Ich aber rannte weiter. >>>>

  • Nachdem sie den Ädil und Flora an der Villa Flavia Felix abgeliefert hatten, wandten sich die Urbaner wieder ihrer anderen Hauptaufgabe zu.
    Dem Aufstand in der Stadt ein möglichst zügiges und glimpfliches Ende zu bereiten. Der genaue Befehl von Tribun Crispus lautete, die Vigiles bei den Löscharbeiten abzuschirmen. Und Maro hatte den Verdacht, dass das weitaus leichter gesagt als getan war.


    Zur Ausführung des Befehls hatten sich Maro und sein Trupp ohne viel Aufhebens direkt zu dem Ort der Stadt begeben, der von einem Aufstand der Unterschichten besonders bedroht sein würde. Die Gegend auf dem Esquilin, die eine der feinsten Orte der Stadt darstellte. Die Häuser, die vor Reichtümern überliefen, standen hier mehr oder wenger auf einem Haufen. Und kaum eines war eine Festung, die einer koordinierten Attacke eines zu allem entschlossenen und bewaffneten Mob standhalten konnte. Auf dem Weg eg durch die Straßen hatten sie bereits schlimme Gerüchte über das Haus der Tiberier aufgeschnappt. Andererseits geisterten alle möglichen wilden Geschichten durch die Stadt.


    Die Häuser standen hier dicht an dicht. Es war kaum nennenswerter Rückzugsraum vorhanden, wenn man einmal in einer Gasse festsaß, schlossen einen die Mauern unbarmherzig ein. Aber die Urbaner waren auf genau solche Situationen vorbereitet und so sah Optio Maro möglichen Gefechten in den Gassen mit einiger Gelassenheit entgegen.


    Sie eilten den Weg in der Nähe der Villa Claudia entlang, immer auf der Suche nach der nächsten Rauchsäule.


    Maro fragte sich, wann ihr Glück aufgebraucht werden sollte.

  • Jetzt genau in diesem Moment waren die Göttern den Männer nicht mehr hold. Denn rechneten sie mit einem Frontalangriff, so wurden sie überrascht. Der Angriff kam von oben in Form von Dachziegeln, Steinen und Pfeilen. Wie auf Kommando – genau wer genau hingehört hatte der konnte den Pfiff gehört haben – prasselten all die Dinge auf die Soldaten nieder.
    Nun würden sich die Augen und Schilder wohl nach oben richten, dort würde sie auch einen Frau - die zielsicher immer wieder ihren Bogen spannte und Kommandos gab – erkennen. Kaum wäre die Aufmerksamkeit der Soldaten dort oben würde der vorher erwartete Frontalangriff folgen. Denn nun waren die Schilder über den Köpfen. Eine Horde mit Schwerter, Stangen, Speere, Knüppel, kurz um mit allen was man so finden konnte, was geeignet war jemanden umzuhauen war in Benutzung und wurde nun eingesetzt. „Los macht sie nieder entwaffnet sie, wir können jedes Schwert gebrauchen.“ Brüllte sie Frau von Oben, den Bogen hielt sie unter Spannung sobald ein Schild gesenkt werden würde um die Angreifer auf der Straße abzuwehren, würden ihre tödlichen Pfeile ihr Ziel finden.

  • An die Hauswand geschmiegt wartete Dracon mit seinen Leuten auf Varia‘s Signal. Sein Aussehen hatte sich geändert. Er trug keine Tunika mehr, nur den Schurz eines Gladiators mit breitem Gürtel. Zwei hohe Beinschienen ( bis zum Knie)ergänzten das Outfit. Bewegungsfreiheit wollte er haben und zeigen woher er kam, was er ursprünglich war.
    Warten, für Dracon eine leichte Übung. Für seinen Leute nicht. Die ersten wurden unruhig.
    Erste Steine und Ziegel fielen herab. „ Wartet bis Varia das Signal gibt.“ raunte Dracon nach hinten. Die Legionäre waren gezwungen die Schilde hoch zu nehmen um sich zu schützen. Genau das war der Plan. Mehr Steine, Ziegel, Blumentöpfe, Tongeschirr regnete herab. Das Signal kam. Dracon gab das Zeichen, sie griffen an. Mit lautem Brüllen stürmten sie auf die Legionäre zu. Ein Stechen und Hauen brach los. Speere trafen auf Lorica‘s und splitterten durch den harten Aufprall. Knüppel trafen auf Helme und hochgehaltene Schilde. Dracon konzentrierte sich auf einen Legionär, der gerade nach oben sah. Er griff ihm am Hals in die Lorica und zerrte ihn aus dem Pulk. Überraschung und Angst standen dem Miles ins Gesicht geschrieben. Er vergaß seinen Gladius, starrte Dracon an. Die Lorica war an sich ein guter Schutz. Dracon wusste wie man diesen Schutz umging. Er zog den Miles blitzschnell zu sich heran und stach mit seinem Galdius von unten nach oben unter die Lorica. Die Beine des Miles knickten ein. Er sackte zusammen. Dracon ließ ihn los. Seine Leute hatte unterdessen weiter angegriffen. Es gab die ersten Verluste. Einige lagen getroffen, sich unter Schmerzen windend, andere tot auf dem Pflaster. Dracon fluchte. Das war ihr großes Manko, sie hatten kaum ausgebildete Kämpfer unter sich. Die schiere Masse war im Moment ihr Vorteil. Lange ging das nicht gut. Dracon stürzte sich wieder in den Kampf.

  • Nachdem sie den Aedil abgeliefert hatten, ging es auch schon weiter. Quer durch die Straßen und Gassen, in denen ihnen immer wieder aufgewühlte Menschen begegnet waren. Die wildesten Gerüchte kursierten, von denen sich einige zu handfesten Tatsachen verdichteten. Villen standen in Flammen oder wurden ausgeraubt, Bürger, Peregrine und Sklaven wurden ermordet und auch die Soldaten rund um den Optio waren gewiss nicht sicher. Nun ging es in eine Häuserschlucht hinein.


    Vorsichtig spähte Scaeva zu den Dächern, denn immerhin hatten von solchen die ersten Angriffe bei dem Amphitheater stattgefunden. Fast nervös lenkte er seine Schritte. Soetwas wie hier hatte er noch nie in seinem Leben erlebt. Zwar hatten seine Eltern immer wieder von Aufständen erzählt, insbesondere dem von Spartacus, doch bisher hatte er es zu seinem Leidwesen nicht für bare Münze genommen. Nun musste er feststellen, dass er mittdrin und ein potentielle Ziel war, was seine Wut auf die Aufständischen anheizte. Was dachten sie sich nur dabei? Wie konnten sie so vermessen sein, brandschatzen und morden? Und nun? Nun waren sie hier in einer Gasse und sollten sie tatsächlich angegriffen werden, so waren sie hier am verwundbarsten. Schnell würde man sie einkesselt haben. Dann waren da noch die Dächer. Immer wieder spähte Scaeva hinauf und flüchtig stricht er mit einer Hand über das Amulett, welches er um den Hals trug. Mit Sicherheit würde es ihm Glück bringen.


    Wie es aussah hatte er ein solches auch bitter nötig, denn kaum war der gesamte Trupp in der Gasse verschwunden, ertönte ein Pfiff. Zunächst hatte Scaeva gedacht, er hätte sich getäsucht, doch keinen Moment später prasselte es von den Dächern auf sie nieder. Pfeile, Ziegel und Steine waren es und die Soldaten rissen ihre Schilde in die Höhe und rückten instinktiv näher zusammen, um den Angreff noch besser abschirmen zu können. “Verdammt!“, schnauzte Scaeva seinem Nebenmann entgegen. “Halt den Schild höher!“ Doch das was leichter gesagt als getan. Schwere Ziegel schlugen auf dem Holz und machten es den Männern schwerer, ihr Schilddach auch weiterhin auszubalancieren. Einigen Männern gelang es nicht und schon wurde der erste von einem Pfeil durchbohrt.


    Dann kamen die Angreifer auch noch von den Seiten. Scaeva schaute ihnen mit Grausen entgegen, doch es war nur eine wilde Horde mit allerlei Utensil, mit dem man jemanden niederringen und töten konnte. Obwohl der Angriff nicht so koordiniert war, wie es bei der Legion der Fall gewesen wäre, befanden sich die Soldaten nun in der Zwickmühle. Scaeva erkannte die Taktik dahinter. Er konnte sein Schild nicht zur Abwehr senken, denn sonst würde er von Steinen und Pfeilen vom Dach getroffen. Hastig zog er sein Schwert und streckte den Arm so weit aus, dass die Klinge gerade so unter dem Schild hervor lugte. Dazu stellte er fest, dass er wohl zum ersten Mal in seinem Leben berechtigte Angst um sein Leben hatte, während Knüppel und Schwertstreiche sie erreichten. Einer der Kameraden starb unter einer Klinge, nachdem er aus dem Gruppe herausgezerrt worden war. Doch die Soldaten wehrten sich. Ein schlaksiger junger Bursche kam in Scaevas Blickfeld. Er war mit einer Stange und einem schartigen Messer bewaffnet. Mit einigem Schwung versuchte er, die Stange gegen Scaeva zu stoßen, doch dieser wehrte den Hieb mit seinem Gladius ab, wagte zusätzlich einen großen Ausfallschritt und rammte seine Klinge schließlich in die Magendgegend des windigen Burschen. Er spürte, wie das Schwert in das Fleisch trieb und es war nicht einmal sonderlich schwer gewesen. Sein erster selbstverschuldetet Toter. Scaeva hielt einen winzgen Moment inne und schaute dem jungen Mann in die Augen, die sich nun nach oben rollten, ehe er in die Knie brach. Dann zog er sich wieder in den zweifelhaften Schutz der Mannschaft zurück und kämpfte weiter so gut es mit dem erhobenen Schild eben ging.

  • Und dann passierte es tatsächlich. Ein Haufen Aufständischer kam aus den Schatten hervor und von den Dächern kamen Geschosse und Maro versuchte nach dem Weichen des ersten Schocks einen Überblick zu kriegen.


    "Verfluchte Scheiße."


    Sofort gab es Tote und Verwundete zu beklagen. Maro hatte sich schon auf , zermürbenden Beschuss von den Dächern eingestellt. Dort waren die Angreifer schwer zu erreichen. Beschissene Barbaren, Sklaven, Abschaum.


    Die Urbanae hatten keine nennenswerten Fernwaffen dabei. Umso überraschter war er, als er dann von irgendwo her den geschriehenen Befehl auf der Seite des Abschaums hörte, die Soldaten zu entwaffenen. Sie gingen in den Nahkampf über.
    Damit begingen die Aufständischen einen groben Fehler, dachte Maro. Einem habwegs disziplierten Trupp römischer Soldaten würden die Sklaven im Nahkampf nicht standhalten. Auch wenn sich ein paar anscheinend mit so etwas wie einer Rüstung ausgestattet hatten. Die Gladiatoren, die Maro hier und da erspähte würden das größte Problem sein.


    Wenn der Überraschungseffekt gleich abgeklungen war, würden sich die Milites in ihre übliche Formation begeben und den Haufen einem Gletscher gleich zurück drängen.


    Er sah sich um. Die wütende Attacke forderte zwar ihre Opfer und es herrschte Unordnung in den Reihen, aber seine Urbaner zeigten keine Anzeichen von Fluchtgedanken. Die Disziplin hielt einigermaßen.


    Ein Pfeil prallte von seinem Helm ab, als er den Arm mit dem Schwert hob und den Befehl zur Ordnung gab.


    "Löst euch, Milites. Löst euch. Geschlossene Linie. Erste Reihe Schide nach vorn. Die zweite Reihe deckt die erste mit ihren Schilden von oben. Der Rest hält die Schilde oben."


    Binnen Augenblicken übernahm die Disziplin das Tun der Soldaten und lang eingeübte Bewegungsmuster übernhamen. Maro drängte sich in erste Reihe. Jetzt war seine Führung gefragt. Seine anfängliche Verwirrung - das Aufkommen von Panik hatte er reflexartig so gut es ging versucht zu unterdrücken - war wütender, kalter Kalkulation gewichen. Er wusste was zu tun war. Dieser Scheißhaufen.


    "Vorwärts Milites. Wir drängen sie aus dieser scheiß Gasse. Stecht sie alle ab."


    Die erste Kundschaft ließ auch nicht lange auf sich waren. Vor Maros Schild tauchte ein ziemlich großer Kerl im mittleren Alter auf. In den Augen blinde Wut. Kurz arbeitete er sich an Maros Schild mit seinem Knüppel ab. Dann stach der Optio, wie sie es immer und immer wieder eingeübt und trainiert hatten nach allen Regeln der Kunst in einer fließenden Bewegung hinter seinem Scutum hervor und ein Schwall roter Flüssigkeit ergoss sich aus dem Hals des Kerls.


    Hinter dem Schild hiel Maro Ausschau nach dem Anführer des Mobs. So wie es vorhin geklungen hatte, handelte es sich dabei um eine Frau. Doch dann verlangte der nächste Aufständische sein volle Aufmerksamkeit und der Kampf ging weiter.

  • Und die Urbaner drängten die Meute die Gassen entlang, natürlich gab es Verluste auf beiden Seiten, auf Seiten der Sklaven aufgrund schlechterer Ausrüstung und Kampferfahrung wohl eindeutig mehr. Blut ran auf den Boden der Gasse und wurde schon bald zu einem kleinen Rinsal, welcher sich den Berg hinabschlängelte.
    Plötzlich kam Bewegung in die Sklaven, sie nahmen die Beine in die Hand und liefen auf das Ende der Gasse zu. Dort stießen sie zwei Große Tonbehältnisse um, aus denen einen ölige Flüssigkeit herauslief. Bevor die Urbaner herausfinden konnten was dies ist wurde auch schon einen Fackel in die Flüssigkeit geworfen und Flammen schnellten in die Höhe hinter dieser Feuerwand brachten sich nun die Sklaven, die eben noch in der Gassen gekämpft hatten in Sicherheit. Die Flammen fraßen sich auch in die angrenzenden Häuser.
    Ein Klirren hinter den Soldaten, ja auch hier wurden Gefäße mit der öligen Flüssigkeit umgestoßen und nach nur wenigen Augenblicke schlugen auch hier die Flammen in die Höhe. Die Flammen erhellten kurz das Gesicht einer Frau, die sich dann in die entgegengesetzte Richtung, aus der die Soldaten gekommen waren davonmachte – nicht ohne jedoch die Pfeile die noch zu gebrauchen waren einzusammeln, eventuell verletzen Soldaten den Rest zu geben und ihren Mitstreitern die sie begleiteten, die Waffen der Toten in die Hand zudrücken. „Los jetzt weg hier schnell, dass hält sie nicht ewig auf."

  • Für Scaeva, der dicht an dicht mit seinen Kameraden stand, war es schwer in irgendeiner Weise einen Überblick darüber zu behalten, was über ihnen auf den Dächern vor sich ging. Doch er brauchte es gar nicht sehen, denn es wurde ihn an den Erschütterungen auf dem Schild und an den Scherben, die dazwischen hindurch auf den Boden krachten, erkennen. Die verfluchten Aufständischen bewarfen sie noch immer und sie würden gewiss nicht damit aufhören. Das Fluchen des Optios war nicht zu überhören, während die Männer noch immer mit vorgeschobenem Gladius versuchten, sich den Weg frei zu kämpfen und sich ihrer Haut zu erwehren. Immer wieder stürzten diese Bastarde nach vorn und atackierten sie mit allen möglichen Gegenständen, doch eine geordnete Disziplin hatten sie nicht vorzuweisen. Sie kämpften wie Bauern mit Forken und Knüpplen. Einer hatte sogar nur eine Peitsche dabei, doch Scaeva hatte keine Zeit sich darüber zu wundern, denn er war mitten im Getümmel und alsbald schon ziemlich weit vorn. Das Ende der Gasse war schon in Sicht, als Optio Maro befahl, dass die Männer sich lösen und eine geschlossene Linie bilden sollten. Doch wie sollte das nur gehen in dieser engen Gasse. Mit sehr viel Mühe passten vielleicht drei Personen nebeneinander, von den ausladenden Schilden gar nicht zu sprechen. Da er selbst vorn war, nahm er sein Schild herunter und duckte sich dahinter, voll und ganz darauf vertrauend, dass seine Kameraden ihre Scuta noch immer über ihren Köpfen hatten, damit er sich nun nicht für den Feind entblößte und ihn womöglich doch noch ein Pfeil oder etwas anderes traf. Drei Soldaten standen nun nebeneinander, als sich Optio Maro noch zwischen sie drängte, dann schritten die Männer vor. Die Schwerter nach vorn gestreckt und durch die Schilde gesichertet, mühten sie sich, die aufständischen Sklaven abzudrängen.


    Wieder stach Scaevas Schwert in einen Leib und wurde mit Blut besudelt. Gurgelnd ging der Mann zu Boden. Überall in der Gasse lagen die Toten und die Urbaner mussten über sie hinüber steigen, was sich als nicht ganz so einfach darstellte. Der mit Unrat übersähte Boden, der nun auch noch mit Blut aufgeschwemmt war, tat sein übriges. Scaeva schnaufte vor Aufregung und vor Anspannung. Am liebsten hätte er seinen Gladius nach einem der Aufrührer geschleudert, doch das war schwer möglich. Hätte er doch nur drei oder mehr Arme. Ganz allein würde diese Hunde bewzingen! Sie wichen zurück, stürzten schließlich gänzlich aus der Gasse heraus, doch sie hatten noch nicht aufgegeben, wie er feststellen musste. Tongefäße zerbrachen und Scaeva hielt den Atem an, als nun auch noch das reichlich ausgelaufene Öl entzündet wurde. Es gab nun kein nach vorn mehr und seine kleine Reihe kam zum Stillstand. Alle blickten sich gegenseitig entgegen. Das Rufen aus der hinteren Reihe seiner Kameraden machte deutlich, dass es ihnen nicht besser erging. Es gab also auch kein Zurück mehr. “Bona Dea!“, stieß Scava aus. Unruhe machte sich unter den Soldaten breit. Hastig schaute Scaeva sich um, doch es gab keine Fluchtmöglichkeit. Keine bis auf…. “Die Häuser, Optio! Sollen wir hinein?“ Zwar leckten die ersten Flammen auch schon an ihnen und es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis sie völlig in Flammen standen, doch vielleicht gab es einen Hinterausgang oder irgendeine Möglichkeit, dem Feuer zu entkommen. Mit einem Ausdruck fragender Verzweiflung schaute er Optio Maro entgegen. Die Frau, welche sich hinter dem Trupp herumtrieb, hatte Scaeva nicht gesehen, da ihm seine Kameraden und Schilde die Sicht zurück versperrten. Nur ihren Ruf hatte er gehört. Eine Frauenstimme also. War das die Aufständlerin, welche für diese vielen Toten, schon vor dem Aufstand verantwortlich war? Eine Entlaufene aus ihrem Hause? Hass quoll in Scaeva hervor und er hoffte, dass diese Frau schon bald die Ratten fressen würden, obwohl diese noch viel zu gut für sie waren!

  • Jetzt hantierten die Sklaven auch noch mit Feuer. Das wurde ja immer besser. Gerade hatten sie endlich mal die Initiative übernehmen und den Sklaven zeigen können, wie die Kräfteverhältnisse eigentlich so verteilt waren, da kamen dem Drecksmob ein paar sehr unglücklich platzierte Ölfässer zu Hilfe.


    Kein Vor und kein Zurück. Scaeva hatte die einzige Möglichkeit auf den Punkt gebracht.


    "Natürlich Scaeva. Auf gehts oder wollt ihr als Schnitzel enden. Rein da, rein da, rein da, alle Mann. Sorgen um den Ausgang machen wir uns, wenn wir nicht mehr mit dem Arsch in Flammen stehen los, los, los."


    Notfalls würden sie irgendwie ein Loch in eine der gegenüberliegenden Wände bekommen müssen. Die extreme Hitze des Feuers würde ihre Kräfte maximieren. Bloß die Verfolgung der Sklaven konnten sie einstweilen. Vergessen.


    Als letzter begab sich Maro auch durch die Tür des Hauses.


    "Scaeva, Hintereingang suchen."

  • Mit einem ob der engen Gasse extrem kurzen Anlauf, gelang es schließlich Miles Globulus mittels eines kräftigen Aufpralls mit der beharnischten Schulter, eine der Türen aufzubrechen. Sie flog geradezu aus den Angeln und sogar brüchiges Holz splitterte dabei ab. Dann drangen die Milites einer nach dem anderen in das Haus hinein. Scaeva schaute sich hastig um. Hier drinnen gab es, wie es schien, wirklich nichts zu holen. Die Räume waren extrem klein und wurden von den vielen Soldaten regelrecht überflutet. Eine kleine Katze, welche wohl auf einem Schemel ein Schläfchen gehalten hatte, sprang vor Entsetzend schreiend davon und rannte in das Hintere des Hauses. Der Befehel war klar: Den Hinterausgang suchen und das schnell. So wie das Haus gebaut war, würde es in Null Komma Nichts Feuer fangen und der Vergangenheit angehören. Es blieb nur zu hoffen, dass die Löscharbeiten schnell voran kamen. “Verfluchte Drecksbande!“, schimpfte Cinna. "Diese Arschgeigen sollte man alle an Wagen nageln und zu Tode schleifen...“ Einige der Männer stimmten grollend in das folgene Fluchen mit ein. Auch Scaeva konnte es nicht unterdrücken, doch er suchte nach dem Weg, den die Katze genommen hatte. Diese würde einen guten Ausgang kennen. Durch einen schmalen Gang ging es in einen Raum, der einen Holzbottich beherbergte und einige Regale. Dahinter befand sich eine Tür. “Los, Globulus!“, spornte Scaeva seinen Kameraden an, nachdem er an der Tür geruckelt hatte. Sie war verschlossen und würde einen kräftigen Tritt brauchen, um sich zu öffnen. Globlus Fuß krachte daraufhin in das mürbe Holz und brach das Türblatt beinahe entzwei. Ein festes Drücken folgte gegen die Angeln und der Weg war endlich frei. “HIER OPTIO!“, brüllte Scaeva und trat als Erster ins Freie. Es sah so aus, als könne man durch einen schmalen Torbogen, der mit einem zerschlissenen Vorhang ausgestattet war direkt auf die Straße gehen. Das war die Rettung, sofern der marbodierende Mob, nicht auf der anderen Seite der Mauern auf sie wartete.

  • Immerhin hatten sie einmal an diesem Tage Glück. Und gerade im rechten Moment.


    "Gute Arbeit, Scaeva, Globulus. Gut. Da hätten die uns fast gegrillt, die Saubande."


    Maro sah sichauf der Straße auf der anderen Seite des Hauses um. Die Sklavenbande hatte sich anscheinend verzogen.
    Er schüttelte den Kopf. Diese orientierunglose gezockel durch die Gassen musste aufhören. Die Truppen in der Stadt mussten die Initiative ergreifen, damit diese Überfälle nicht mehr einfach seine Hinterhalte und Falle stellen konnte. Zwar hatten die Urbaner im Nahkampf relativ leicht die Oberhand gewinnen können, aber Überraschungsangriffe würden in den engen Gassen Verluste heraufbeschwören, die sich die Truppen nicht leisten können. Es waren schon ein Haufen Männer drauf gegangen. Scheiße.


    "Alles klar. Dann hören wir mal wieder auf wie die Idioten herum zu stehen. Wir verlegen weiter den Esquilin hoch. Von dort aus haben wir einen besseren Überblick. Und dann sehen wir mal was das Beste ist. Mir nach!"

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